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Mentales Training - Besser Konzentrieren in der Schule

von Marco Käppeli (Autor) Lukas Traber (Autor)

Diplomarbeit 2003 49 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

Theoretische Grundlagen
1. Problem der Synchronisation
1.1 Das Flow-Erlebnis
1.2 Objektive und subjektive Perspektive
1.3 Wechselbeziehungen mit der Umwelt
1.4 Psychologischer Hintergrund
1.5 Übertrag auf die Schule
2. Überblick über die kognitiven Fertigkeiten
2.1 Training der kognitiven Fähigkeiten
2.2 Die wichtigsten kognitiven Fähigkeiten
2.2.1 Selbstgesprächsregulation
2.2.2 Kompetenzerwartung
2.2.3 Aufmerksamkeitsregulation
2.2.4 Aktivationsregulation
2.2.5 Vorstellungsregulation
2.2.6 Zielsetzung/Analyse
2.2.7 Übertrag auf die Schule
3. Aufmerksamkeitsregulation
3.1 Aufmerksamkeit
3.2 Die vier Formen der Aufmerksamkeit
3.2.1 External – weit
3.2.2 External – eng
3.2.3 Internal – weit
3.2.4 Internal – eng
3.3 Konzentration
3.3.1 Konzentration bei Kindern
3.3.2 Konzentrationsdauer
3.3.3 Wie funktioniert Konzentration?
3.4 Die vier Stufen von DRAKSAL
3.4.1 1. Stufe: Wahrnehmung
3.4.2 2. Stufe: Aufmerksamkeit
3.4.3 3. Stufe: Konzentration
3.4.4 4. Stufe: Gedächtnis

Experimenteller Teil
4. Thesen und Voraussagen
5. Testaufbau
5.1 Versuchsklassen
5.2 Annahme
5.3 Auswahl der Testaufgaben
5.4 Test: Wie gut kannst du Kopfrechnen?
5.4.1 Anleitung
5.4.2 Test 1
5.4.3 Test 2
5.5 Resultate korrigieren
5.5.1 Test 1
5.5.2 Test 2
5.5.3 Punkteverteilung
6. Trainingsprogramm
6.1 Allgemeines
6.2 Ein Trainingsprogramm in 13 Schritten
6.2.1 Durchstreichübung I
6.2.2 Texte lesen
6.2.3 Fotografieren
6.2.4 Kippbilder
6.2.5 Durchstreichübung II
6.2.6 Sätze wiederholen
6.2.7 Figuren zählen
6.2.8 Finde das X
6.2.9 Farben visualisieren
6.2.10 Zahlengedächtnis
6.2.11 Langsame Körperbewegungen
6.2.12 Durchstreichübung III
6.2.13 Buchstabensalat
7. Ablauf der Tests und der Trainingsphase
7.1 Organisatorisches
7.2 Zeitplan
8. Testresultate
8.1 Resultate Test 1
8.1.1 Klasse A
8.1.2 Klasse B
8.2 Resultate Test 2
8.2.1 Klasse A
8.2.2 Klasse B
Auswertung und Interpretation
9. Auswertung
9.1 Überlegungen zur Auswertung
9.1.1 Vergleich des ersten mit dem zweiten Test
9.1.2 Vergleich der beiden Klassen
9.2 Unterschiede zwischen Test 2 und Test 1
9.2.1 Klasse A
9.2.2 Klasse B
9.2.3 Kommentar
9.3 Vergleich der Mittelwerte
9.3.1 Tabelle
9.3.2 Diagramm Klasse A
9.3.3 Diagramm Klasse B
9.3.4 Kommentar
10. Interpretation
10.1 Vergleich mit den Thesen
10.1.1 Thesen 1 und 2
10.1.2 These 3
10.1.3 Weitere Feststellungen
10.2 Mögliche Fehlerquellen
10.2.1 Zeitspanne
10.2.2 Zeitpunkt der Durchführung
10.3 Schlussfolgerung / Fazit
Schlusswort
Literaturverzeichnis

Vorwort

Auf der Suche nach einem geeigneten Thema für eine fachwissenschaftliche Arbeit stiessen wir auf das Thema "Mentales Training". Bald mussten wir feststellen, dass dies ein sehr vielschichtiger Bereich ist. Sehr viel Material fanden wir in der Sportliteratur. Im Sport ist mentales Training allgegenwärtig. Für uns stand jedoch die Schule im Mittelpunkt. Wir wollten also einen Transfer vom Sportplatz ins Schulzimmer wagen: Wie kann mentales Training in der Schule thematisiert und vor allem genutzt werden?

Lässt sich die Konzentrationsfähigkeit gezielt trainieren und messbar verbessern? Dies war eine zentrale Frage unserer Arbeit. Und was heisst das überhaupt, sich konzentrieren zu können? Diese Frage kann nicht so leicht beantwortet werden, soll aber mit dieser Semesterarbeit geklärt werden.

Wir untersuchten, ob sogenannte Konzentrationstrainings wirklich auch das halten, was sie versprechen. Am Beispiel des Kopfrechnens wollten wir messen, wie gut sich ein Schüler konzentrieren kann, und in einem zweiten Test dann untersuchen, ob das in der Zwischenzeit durchgeführte Training etwas gebracht hat. Wie das Resultat ausging, werden die folgenden Seiten zeigen.

Marco Käppeli

Lukas Traber

St. Gallen, 10. November 2003

Einleitung

Das Wort «Konzentration» ist in der Schule allgegenwärtig. Nur allzu oft hört man von Lehrkräften, dass Schülerinnen und Schüler ihren Kopf nicht bei der Sache haben und gedanklich ganz anderswo sind, als im Schulzimmer. Die Fähigkeit eines Schülers oder einer Schülerin, sich voll und ganz auf die Sache konzentrieren zu können, ist sehr wichtig. Wenn es gelingt, kein Problem – aber wie soll ich als Lehrkraft reagieren, wenn der Schüler nicht in der Lage ist, seine Aufmerksamkeit auf das gestellte Problem zu lenken?

Der Leser soll zuerst einen Überblick über die mentalen Fähigkeiten erhalten. Die wichtigsten kognitiven Fähigkeiten werden kurz erläutert.

Die Aufmerksamkeitsregulation als Hauptthema dieser Arbeit wird genauer beschrieben und leitet mit dem Beschrieb der vier Stufen von Draksal zum experimentellen Teil über.

Welche Thesen wollen wir untersuchen? Wie muss ein geeigneter Test aufgebaut sein? Wie soll ein Training zur Steigerung der Konzentration aussehen? Auf diese Fragen geben wir im experimentellen Teil Antwort.

Ein wichtiger Teil unserer Arbeit waren die Tests und das Training, das wir mit Schülerinnen und Schülern durchführten. Diese Resultate sind die Grundlage für die Auswertung und die Interpretation im letzten Teil.

Alle Personenbezeichnungen umfassen soweit sinnvoll weibliche und männliche Personen (siehe Weisung des Erziehungsrates zur sprachlichen Gleichberechtigung von Mann und Frau).

Theoretische Grundlagen

Wie wir bereits im Vorwort betont haben, fanden wir sehr viele Literaturstellen zum Thema "Mentales Training", die aber alle im Sport angesiedelt sind. Wir versuchen daher jeweils am Ende eines Kapitels, einen Übertrag auf den herkömmlichen Unterricht zu machen.

Was sind mentale Fähigkeiten, und wie können diese verbessert werden? Darauf soll das erste Kapitel Antworten geben. In einem Überblick werden die verschiedenen kognitiven Fähigkeiten beleuchtet. Die Aufmerksamkeitsregulation als Hauptaspekt unserer Arbeit wird ausführlicher behandelt.

1. Problem der Synchronisation

Menschliches Handeln ist erst wirklich effizient, wenn es gelingt, es zu synchronisieren, also harmonisch abzustimmen. Dies gilt sowohl im Privaten wie auch in der Schule, im Beruf wie im Sport. Gedankliche Handlungen und ausgeführte Bewegungen müssen synchronisiert werden – also das, was man tut und das, was man denkt, muss zueinander passen.

Gelingt dies perfekt, spricht der Sportler von einem erfolgreichen Wettkampf. Aber das Gegenteil ist mindestens so häufig der Fall. Bei Misserfolgen erleben Sportler ihre Bewegungsabläufe als gestört, widerständig oder schwierig. Der Bewegungsfluss gerät ins Stocken, die Bewegungen werden ruckartig und verlieren ihren Rhythmus.

Häufig liegen die Ursachen für derartige Störungen darin, dass die eine Bewegung begleitenden inneren Abläufe (Gedanken, Gefühle) die äusseren Abläufe (Bewegungsausführung) nicht unterstützen sondern erschweren[1].

1.1 Das Flow-Erlebnis

Bei optimaler Synchronisation spricht man vom «Flow»-Erlebnis[2]. Bei diesem Erlebnis sind Personen ausschliesslich ihrer Handlung, jedoch nicht ihrer selbst bewusst. Sie vergessen sich sogar und zentrieren ihre Aufmerksamkeit auf ein beschränktes Wahrnehmungsfeld, wobei sie sich und ihre Umwelt völlig unter Kontrolle haben. Sie streben dabei keine Ziele und Belohnungen als Konsequenz ihrer Tätigkeit an[3].

1.2 Objektive und subjektive Perspektive

Menschen werden als aktiv gestaltende Personen aufgefasst, die ihre (objektive) Umwelt aufgrund bestimmter Erfahrungen (subjektiv) wahrnehmen. Ein Mensch handelt demnach immer als erlebende Person in ihrer erlebten Umwelt. Vom ablaufenden Geschehen hat also jede Person eine subjektive Sicht. Ein und dasselbe Geschehen wird von verschiedenen Personen unterschiedlich wahrgenommen und erlebt. Damit objektive und subjektive Perspektive möglichst deckungsgleich sind und man situationsangemessen handeln kann, muss das subjektive Bild einer Situation an die objektiven Gegebenheiten angeglichen werden. Die Dinge sollen also möglichst realistisch eingeschätzt werden[4].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Unterschiedliche Perspektive: Die objektive und subjektive Schräglage beim Motorradfahrer sind unterschiedlich[5]

1.3 Wechselbeziehungen mit der Umwelt

Über ihr Handeln stehen Personen mit ihrer Umwelt in einer Wechselbeziehung: Ihr Handeln wirkt auf die Umwelt ein, diese wiederum beeinflusst die Person. Die objektive Umwelt wird ihnen dabei immer nur über ihr Wahrnehmen als subjektive Erfahrung vermittelt. Umweltfaktoren beeinflussen also unser Handeln nur durch vermittelnde psychische Prozesse. Solche Prozesse können z.B. Gefühle, Bewertungen oder Motivation sein. Sie also bestimmen, wie die Umwelt wahrgenommen, beobachtet und bewertet wird, und beeinflussen dadurch unser Handeln[6].

1.4 Psychologischer Hintergrund

Menschen erleben sich als aktiv gestaltende Wesen und nehmen u.a. ihre Umwelt aufgrund bestimmter Erfahrungen wahr. Sie setzen sich in Bezug zu etwas. Von den umweltbedingten Abläufen (Ursachen, Bedingungen, Wirkungen) macht sich der Mensch eine subjektive Sicht und bildet hieraus Ansichten. Daher wird dasselbe Ereignis von Menschen unterschiedlich wahrgenommen und bewertet. Zugleich stehen wir mit unserer Umwelt in einer Wechselbeziehung. Wir beeinflussen uns gegenseitig, was sich natürlich auch auf unser Handeln und unsere Werte auswirkt. Das bedeutet auch, dass unsere Umwelt unser Handeln nur durch Gefühle, Bewertungen und Motivationen beeinflussen kann, denn sie bestimmen, wie wir unsere Umwelt wahrnehmen, beobachten und bewerten. Das wiederum beeinflusst unser Handeln.

Es ist daher nur konsequent, Veränderungen im Kopf anzusetzen. Das Verhalten und Handeln wird in erster Linie durch unsere Gedanken, unsere Identität und unsere Werte bestimmt. Verändert man diese glaubhaft, dann verändert sich auch das Verhalten einer Person[7].

1.5 Übertrag auf die Schule

Alle erwähnten Punkte treten auch in der Schule in Erscheinung. Dies wollen wir folgendermassen verdeutlichen:

- Flow-Erlebnis: Vor allem beim selbständigen Arbeiten kann es vorkommen, dass ein Schüler total in seine Arbeit versinkt und seine Umwelt gar nicht mehr wahrnimmt. Er ist sich nur noch seiner Handlung bewusst und vergisst sogar die Zeit.
- Objektive und subjektive Perspektive: Jeder Schüler fasst den behandelten Stoff anders auf. So kommt es vor, dass für den einen gewisse Stoffinhalte wichtiger sind als für den anderen. Zum Beispiel durch Formulierung von Lernzielen wird diesen verschiedenen subjektiven Wahrnehmungen eine objektive Grundlage gegeben, so dass alle Schüler die wichtigen Stoffinhalte realistisch einschätzen können.
- Wechselbeziehungen mit der Umwelt: Prüfungsnoten, Lob oder Tadel des Lehrers, Bemerkungen von Mitschülern etc. können mitbestimmen, wie ein Schüler das Schulumfeld wahrnimmt. Dadurch wird sein schulisches Handeln beeinflusst.
- Psychologischer Hintergrund: Das Verhalten eines Schülers im Klassenzimmer wird stark durch seine Motivationen beeinflusst. Daher ist es wichtig, dass die Lehrperson für eine angenehme Unterrichtsatmosphäre sorgt und selbst Freude an der Sache hat. Denn von einem unmotivierten Lehrer lassen sich nur die Allerwenigsten begeistern.

2. Überblick über die kognitiven Fertigkeiten

Informationsverarbeitungsprozesse nennt man in der Psychologie kognitive Prozesse. Mit mentalen Trainingsformen lassen sich kognitive Fertigkeiten erlernen, verändern und verbessern[8]. Fertigkeiten laufen sehr schnell und ökonomisch ab, sie sind in der Regel stabil gegen Störungen und erfordern im Allgemeinen keine sonderlich hohe Konzentration. Sie sind meist automatisiert. Über Fertigkeiten können mit wenig Aufwand regelmässige Aufgaben erledigt werden. Es sind also sehr wirksame Handlungsmuster zur Bewältigung alltäglicher Anforderungen.

2.1 Training der kognitiven Fähigkeiten

Kognitive Prozesse können durch Training optimiert werden. Durch die Stabilisierung kognitiver Fertigkeiten kann jeder einzelne sein Handeln verbessern.

2.2 Die wichtigsten kognitiven Fähigkeiten

2.2.1 Selbstgesprächsregulation

Das menschliche Gedächtnis kann keine unbegrenzte Menge an Informationen verarbeiten. Deshalb ist die Grundlage für situationsangemessenes Handeln eine systematische Informationsverarbeitung. Die für das Entwickeln wirksamer Handlungsstrategien notwendigen Informationen müssen ausgewählt und entsprechend zugeordnet werden. Die Selbstgesprächsregulation lässt diese Prozesse besser im Kopf ablaufen. Die Intensität von Selbstgesprächen hängt von der erlebten Beanspruchung ab[9].

2.2.2 Kompetenzerwartung

Die Praxis zeigt, dass wer im Training durchaus die nötige Leistung erbringt, in Wettkämpfen die Überzeugung von der Wirksamkeit dieser Techniken verlieren kann. In der Umgangssprache nennt man dieses Phänomen „Trainingsweltmeister“. Damit dem entgegengewirkt werden kann, ist es notwendig, die Überzeugung von der Wirksamkeit des eigenen Handelns (Kompetenzerwartung) auch in den schwierigsten Situationen einzuüben. „Wichtig ist die Überzeugung von den eigenen Fähigkeiten. Dabei spielt nicht allein technisches Können eine Rolle!“[10]

2.2.3 Aufmerksamkeitsregulation

Die Aufmerksamkeitsregulation ist das Kernthema unserer Arbeit. Wir behandeln sie deshalb ausführlich im Kapitel 3 ab Seite 13.

2.2.4 Aktivationsregulation

Um angemessen handeln zu können, benötigt man ein angemessenes psychisches und physisches Erregungsniveau, d.h. die psychophysische Aktivation soll zu der Tätigkeit passen, die man gerade ausführen möchte.

Die Schwankungsbreite der menschlichen Aktivation lässt sich auf einer Skala mit den Polen „traumloser Tiefschlaf“ als niedrigstes und „Panik“ als höchstes Erregungsniveau darstellen. In der Mitte der Skala sind Zustände wie „entspannte Wachheit“ angesiedelt. Die Aufmerksamkeitsregulation befasst sich nun damit, auf dieser Skala zu wandern, d.h. sich so zu regulieren, dass das für das jeweilige Handlungsziel angemessene Niveau erreicht wird. Je enger der Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsspielraum ist, desto höher ist das Aktivationsniveau.[11]

2.2.5 Vorstellungsregulation

Vorstellungen beeinflussen bewusst oder unbewusst unser Handeln. Vorstellungen können bildhaft, verbal, akustisch oder kinästhetisch sein. Andererseits können Wörter, Sätze, Bilder, Geräusche, Gerüche etc. so eng mit Situationen oder Erlebnissen verknüpft sein, dass sie bestimmte Vorstellungen auslösen.

Solche Prozesse der Vorstellungsregulation sind von grundlegender Bedeutung für das Handeln. Man lernt zum Beispiel im Laufe des Lebens durch Vorstellungen, welche Objekte, Personen und Beziehungen zu bestimmten Situationen gehören, ob Beziehungen zwischen ihnen bestehen und wie man sich zu verhalten hat.

Vorstellungen sind eine Grundlage der menschlichen Informationsverarbeitung und erleichtern, sofern sie der Realität angepasst sind, das situations- und anforderungsgerechte Handeln.

2.2.6 Zielsetzung/Analyse

Realistische Zielsetzungen und Analysen gelten als grundlegende Voraussetzung für situations- und anforderungsgerechtes Handeln. Wer keine angemessene Zielsetzung hat, wird entweder über- oder unterfordert.

Es ist undenkbar, dass ein Mensch ohne Ziele lebt und handelt. Ziele sind erwünschte Endzustände, auf die man sein Handeln richtet. Es gibt unendlich viele Ziele, die sich zum einen in ihrer Bedeutsamkeit unterscheiden, zum anderen darin, ob man sie sich für einen langen oder kurzen Zeitraum setzt.

Voraussetzung für eine realistische Zielsetzung ist das Abwägen aller Bedingungen, die für die Zielerreichung eine Rolle spielen. Man muss die eigenen Fähigkeiten genau kennen, um dem Ziel Schritt für Schritt näher zu kommen. Diese Strategie setzt voraus, dass man sich auch bei langfristigen Zielen immer darüber im Klaren ist, was man tun muss, um dem Ziel einen Schritt näher zu kommen.

Eine Analyse ist die Beschreibung eines Ist-Zustandes und der notwendigen Bedingung bzw. Ursachen, die diesen Ist-Zustand herbeigeführt haben. Analysen sind notwendig, um Handeln auf seine Wirksamkeit zu prüfen, und um Lern- und Trainingsprozesse steuern zu können.[12]

2.2.7 Übertrag auf die Schule

- Selbstgesprächsregulation: Durch Selbstgespräche, sei es beim Lernen auf eine Prüfung oder auch beim lauten Durchlesen eines schwierigen Textes, kann ein Schüler eine systematische Informationsverarbeitung betreiben, da er dadurch wichtige Informationen besser herausfiltern kann.
- Kompetenzerwartung: Nicht selten kommt es vor, dass ein guter Schüler in Prüfungen regelmässig mangelhaft abschneidet. Dann ist es wichtig, dass der Schüler lernt, auch in schwierigen Situationen an seine Fähigkeiten zu glauben.
- Aktivationsregulation: Für einen Schüler ist es unmöglich, sich während sieben oder acht Lektionen an einem Tag immer konsequent auf das Thema zu konzentrieren. Daher muss er in der Lage sein, sein Aktivationsniveau so zu regulieren, dass er bei wichtigen Themen im richtigen Moment bei der Sache ist.
- Vorstellungsregulation: Besonders im oft viel zu theoretischen Unterricht ist es wichtig, dass sich ein Schüler eine Vorstellung vom behandelten Stoff machen kann. Dies erleichtert das Verständnis der Materie.
- Zielsetzung / Analyse: Ein Schüler sollte sich immer wieder Ziele setzen. Dies kann ein kurzfristiges Ziel (z.B. gute Vorbereitung auf die nächste Prüfung) oder ein langfristiges Ziel (weiterführende Schule, Beruf) sein. Eine stete Überprüfung der gesteckten Ziele ist absolut notwendig.

3. Aufmerksamkeitsregulation

3.1 Aufmerksamkeit

EBERSPÄCHER vergleicht den Begriff der Aufmerksamkeit mit dem Bild einer Taschenlampe. Entweder bündelt man die Strahlen, so dass nur ein kleiner Ausschnitt sichtbar ist, oder man streut die Strahlen, so dass zwar ein grösserer Ausschnitt beleuchtet wird – jedoch nicht mehr so deutlich. Wichtig ist, dass der Umschaltmechanismus gut funktioniert, damit man die Taschenlampe situationsgerecht anwenden kann.

Das Geschilderte kann auf den Begriff der Aufmerksamkeit übertragen werden. Beim Handeln nimmt man immer nur einen kleinen Teil der Informationen über sich und die Umwelt wahr. Aufmerksamkeitsprozesse beeinflussen dabei die Menge und Art der aufgenommenen Reize.

„Man kann die Aufmerksamkeit auf bestimmte Objekte, Handlungen, Vorstellungen und Gegebenheiten einengen, d.h. sich auf mehrere konzentrieren oder auf mehrere Aspekte verteilen, d.h. distribuieren.“[13]

3.2 Die vier Formen der Aufmerksamkeit

3.2.1 External – weit

Wenn man sich in einer neuen, fremden Umgebung orientieren möchte, dann sollte die Aufmerksamkeit external–weit gerichtet werden. Diese Ausrichtung erlaubt es, viele Eindrücke und Informationen gemeinsam aufzunehmen. Von der neuen Umgebung kann man sich dadurch schnell ein Bild machen, dass jedoch noch recht undifferenziert ist.

3.2.2 External – eng

Wenn man gewisse Dinge sehr genau betrachten will, spricht man von external-enger Aufmerksamkeit. Die Konzentration wird auf etwas ganz Bestimmtes, Wichtiges gelenkt. Alles andere bleibt zumindest für einen kurzen Moment Nebensache.

3.2.3 Internal – weit

Wenn man sich ein umfassendes Bild von der eigenen Befindlichkeit machen möchte, dann wird die Aufmerksamkeit internal-weit gerichtet. Daraus resultieren recht allgemeine Aussagen wie zum Beispiel: „mir geht es gut“, „ich bin heute gut drauf“ oder „ich fühle mich super“. Die eigene Befindlichkeit wird also sehr grossflächig beschrieben.

3.2.4 Internal – eng

Wenn man sich auf bestimmte Vorgänge oder einen Punkt des Innenlebens konzentriert, dann spricht man von internal-enger Aufmerksamkeit. Dies können psychische und körperliche Prozesse oder Zustände sein.

Ein wichtiges Ziel in einem (sportlichen) Training besteht darin, zwischen diesen Formen der Aufmerksamkeit umschalten zu können.

Von Konzentration im Sinne einer Einengung der Wahrnehmung, spricht man nur bei der external-engen und internal-engen Form der Aufmerksamkeit.

Die verschiedenen Formen können dadurch trainiert werden, indem man sich bestimmte Situationen im Geist vorstellt und von seiner in die andere wechselt.

3.3 Konzentration

„Konzentration ist die Fähigkeit, die gesamte Aufmerksamkeit auf etwas auszurichten.“[14]

Vielerorts ist die Meinung verbreitet, dass man sich anstrengen muss, um sich konzentrieren zu können. Das muss aber nicht so sein. Konzentration setzt eher eine gewisse Entspannung und Unbeeinflussbarkeit voraus.

Die Leistungsbereitschaft unseres Gehirns ist grossen Schwankungen unterworfen. Es treten Phasen auf, in welchen wir eine geringe Merkfähigkeit besitzen. Darauf kann wieder eine Phase erhöhter Leistungsbereitschaft folgen. Leider können wir Beginn und Ende dieser Zyklen nicht wahrnehmen, weil uns dazu ein entsprechendes Sinnesorgan fehlt.

Damit verbundene Veränderungen in unserem Körper lassen sich aber mit feinen Messgeräten feststellen. Im konzentrierten Zustand ändern sich zum Beispiel Körpertemperatur, Energieumsatz, die elektrische Aktivität unseres Gehirns und die Spannung der Skelettmuskulatur um winzig kleine Beträge.

Durch Veränderung der Muskelspannung können wir unsere Aktivierung am einfachsten beeinflussen. Schon seit Jahrtausenden wird diese Methode von verschiedensten Völkern als Meditations- und Entspannungshilfe angewendet.[15]

3.3.1 Konzentration bei Kindern

Bei einigen Kindern scheint die Konzentration von der aktuellen Laune oder der Tagesform beeinflusst zu werden. An gewissen Tagen löst es Hausaufgaben problemlos, an anderen sitzt es stundenlang vor vergleichbaren Aufgaben.

„Konzentration ist keine Eigenschaft, die immer und jederzeit vorhanden ist, sondern eine Fähigkeit, die in besonderem Masse von der Situation abhängt.“[16]

Aber nicht nur die Situation alleine, sondern auch das Thema beeinflusst die Konzentration des Kindes. Meist ist ein Kind viel konzentrierter bei der Sache, wenn es etwas gerne macht.

Die Konzentration wird also immer von inneren und äusseren Faktoren beeinflusst. Diese Einflüsse machen sich viel mehr bemerkbar als organische oder genetische Faktoren.

3.3.2 Konzentrationsdauer

Neben den erwähnten Rahmenbedingungen spielt auch das Alter eine wichtige Rolle im Hinblick auf die Konzentrationsdauer. Kinder können ihre volle Aufmerksamkeit nur eine recht kurze Zeit aufrechterhalten. Dies haben Untersuchungen gezeigt:

Tab. 1 Konzentrationsdauer der verschiedenen Altersstufen[17]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wenn man diese Tabelle betrachtet, fällt auf, dass im Durchschnitt kein Jugendlicher im Volksschulalter sich über die Lektionsdauer von 45 Minuten konzentrieren kann. Dies sollte bei der Gestaltung einer Lektion berücksichtigt werden, in dem man Entspannungsübungen einplant oder Abschnitte einbaut, wo nicht volle Konzentration gefordert wird. Als Messlatte darf nicht die Konzentrationsspanne von Erwachsenen, die etwa 90 Minuten beträgt, angenommen werden.

„Aufmerksamkeit ist keine Fähigkeit, die Kinder a priori mit auf die Welt bringen, sondern ein Reifungsprozess und eine Haltung, die sie beim Spielen und in der Schule lernen.“[18]

In der Schule oder bei den Hausaufgaben müssen die Kinder immer bei der Sache sein, weil der Verlauf vom Lehrer oder den Eltern bestimmt wird. Beim Spielen ist dies anders. Obwohl Kinder auch beim Spielen nicht stundenlang voll konzentriert sind, fällt dies weniger auf, weil sie quasi ins Spiel eingebunden sind. Die Kinder bestimmen wann sich etwas verändert, geben neue Ideen ein oder lassen ihren Gedanken freien Lauf.

[...]


[1] EBERSRÄCHER, S.10

[2] CSIKSZENTMIHALYI (1975) in EBERSRÄCHER, S. 11

[3] EBERSRÄCHER, S. 11

[4] EBERSRÄCHER, S. 13

[5] EBERSRÄCHER, S. 14

[6] EBERSRÄCHER, S. 14

[7] HANSEN

[8] EBERSRÄCHER, S. 17

[9] EBERSPÄCHER, S. 20

[10] EBERSPÄCHER, S. 32

[11] EBERSPÄCHER, S. 62

[12] EBERSPÄCHER, S. 104

[13] EBERSPÄCHER, S. 44

[14] SOMMER-STUMPENHORST, S. 2

[15] STRANGL, S. 1

[16] SOMMER-STUMPENHORST, S. 2

[17] SOMMER-STUMPENHORST, S. 3

[18] SOMMER-STUMPENHORST, S. 4

Details

Seiten
49
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638236164
ISBN (Buch)
9783640462902
Dateigröße
3.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v19509
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule St. Gallen
Note
gut
Schlagworte
Mentales Training Besser Konzentrieren Schule

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Titel: Mentales Training - Besser Konzentrieren in der Schule