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Ehe und Mutterschaft der Heiligen Elisabeth im sog. Libellus

Hausarbeit 2009 16 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Ehe Elisabeths mit dem Landgrafen Ludwig
2.1 Darstellung im sog. Libellus
2.2 Hintergründe der Eheschließung
2.3 Das Dilemma der Hagiographie

3. Mutterschaft Elisabeths

4. Ludwigs Tod und dessen Folgen

5. Elisabeths Frausein

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Bei dem Libellus de dictis quatuor ancillarum s. Elisabeth confectus, auch als ‚Büchlein über die Aussagen der vier Diennerinnen’[1] bezeichnet, handelt es sich um eine Sammlung von Vernehmungsprotokollen der vier Mägde aus dem Jahre 1235 im Rahmen des Heiligsprechungsverfahrens Elisabeths. Neben der summa vitae des Konrad von Marburg ist dieses Konvolut die zeitnaheste Quelle zum Leben Elisabeths von Thüringen.

Hierbei gilt anzumerken, dass der Libellus in einer kürzeren und einer längeren Version vorliegt, wobei die längere Fassung zusätzlich ein Vorwort, einige Einschübe sowie eine Conclusio enthält[2], was darauf schließen lässt, dass dieser Text zur Verbreitung bestimmt war.[3] Redaktionsgeschichtlich gesehen ist der Libellus also eine nicht ganz unproblematische Quelle, denn auch die Aussagen der Dienerinnen wurden nicht unmittelbar niedergeschrieben. Bislang gilt aber die Auffassung, dass die kürzere Version, die einen Protokollcharakter besitzt, die ursprüngliche ist.[4] Insofern muss im Folgenden stets die historische Aussagekraft der Quelle und das Verhältnis der beiden Fassungen im Blick behalten werden.

Die Dienerinnen Isentrud, Irmgard und Elisabeth, verbrachten viel Zeit mit Elisabeth von Thüringen, allen voran Guda, die die Landgräfin seit ihrer Kindheit kannte.[5]

Die vier Frauen berichten in dem Kanonisationsprozess nicht nur über Elisabeths Fürsorge für die Bedürftigen, sondern auch über das Verhältnis zu ihrem Gemahl Ludwig IV. und ihren drei Kindern. Im Folgenden soll das Thema „Ehe und Mutterschaft der Heiligen Elisabeth“ herausgearbeitet werden, wobei der eben vorgestellte Libellus als Quellengrundlage dienen wird.

Das Thema wurde nicht nur aus Interesse der Verfasserin gewählt, sondern auch um sich ausführlicher einigen Fragen wie „Warum kümmerte sich Elisabeth aufopferungsvoll um Arme, Kranke und Kinder, gab aber ihren eigenen Nachwuchs weg?“ oder „War Elisabeth wirklich unglücklich in der Ehe mit Ludwig, da sie nicht als Jungfrau leben und sterben konnte?“ widmen zu können.

2. Die Ehe Elisabeths mit dem Landgrafen Ludwig

Elisabeth kam bereits im Alter von vier Jahren an den thüringischen Hof. Zu diesem Zeitpunkt wurde ihr die Hofdame Guda zugesellt und blieb fortan viele Jahre bei ihr: „ Guda […] adiuncta fuit beata Elysabeth in quarto etatis sue anno.[6]

1221 heiratete die damals 14jährige Elisabeth Ludwig IV., Landgraf von Thüringen und Pfalzgraf von Sachsen.[7]

Folgt man den Aussagen im Libellus, entsteht der Eindruck, dass Elisabeth und Ludwig ein glückliches Paar waren.

Die beiden folgenden Kapitel haben die Beziehung zwischen Elisabeth und Ludwig zum Thema und widmen sich den Hintergründen dieser Eheschließung.

2.1 Darstellung im sog. Libellus

Bereits zu Beginn der längeren Libellus -Version wird erwähnt, dass Elisabeth am thüringischen Hof Schmähungen erleiden musste, aber wider Erwarten einen Tröster in ihrem zukünftigen Ehemann fand: „ Cum vero facta esset viripotens et nubilis, graves et manifests persecutiones passa est a proximis […] sponsi sui futuri mariti […].

[…] contra omnium opinionem et spem sponsum suum memoris et tristitie in omnibus habuit consulatorem occultum.“[8]

Es scheint dem Verfasser wichtig zu sein, nicht nur die Gehässigkeiten des Hofkreises zu erwähnen, sondern auch die Tatsache, dass sich Elisabeths zukünftiger Mann schon damals auf ihre Seite stellte und ihr durch schwierige Situationen hindurch half. Allerdings ist an dieser Stelle anzumerken, dass einige Historiker diese Passage für einen späteren Einschub halten und es daher schwierig ist zu sagen, wie viel von der Tatsache, dass Elisabeth bei ihrer Ankunft am Hofe von Ludwigs Verwandten gedemütigt worden sein soll, der historischen Wahrheit entspricht.[9] Lothar Vogel fügt hier ein, dass es fraglich ist, „ob die Hofdame Guda in politische Überlegungen der […] Art einbezogen wäre.“[10] Unbestritten ist aber, dass Elisabeth vor allem nach Ludwigs Tod einige Konflikte mir den landgräflichen Verwandten ihres Mannes hatte, worauf im späteren Verlauf noch eingegangen wird.

Des Weiteren wird nach Aussage der Hofdame Isentrud von Hörselgau aufgeführt, dass noch zu Lebzeiten Ludwigs und mit seinem Einverständnis Elisabeth ihrem confessor Konrad von Marburg Gehorsam gelobte („[…] Elysabeth vivente adhuc lantragavio marito eius et consentiente fecit magistro CONRADO de MARPURCH obedientiam […]“)[11]. Diese Textstelle zeigt, dass Elisabeth bei dieser wichtigen Entscheidung Rat bei ihrem Ehemann suchte und diesen fand. Er gewährte ihr ihren Wunsch und unterstützte ihre Entscheidung. Das Gehorsamsgelübde geschah ohne die Einschränkung Ludwigs ehelicher Rechte: „[…] salo tamen iure mariti sui […].“[12]

Ein weiterer wichtiger Punkt folgt sogleich: Elisabeth legte ein Enthaltsamkeitsgelübde ab, für den Fall, dass sie ihren Mann überleben würde.[13] Dieser Schwur zeigt, dass Elisabeth sich ihrem Mann sehr verbunden gefühlt haben muss und daher beschloss, dass dies „[…] ihre einzige Ehe bleiben (solle)“[14], eine Bindung, die für das ganze Leben Bestand haben sollte. Sie legte dieses Gelübde 1226 im Katharinenkloster zu Eisenach ab, wohl auch unter dem Einfluss Konrads und der Mitwisserschaft ihres Mannes.[15]

Elisabeth suchte auch stets die Nähe ihres Gemahls, begleitete ihn auf seinen Reisen und saß am Tisch immer an seiner Seite, was sonst nur bei Festen der Fall war[16]:„[…] adeo ut ipsa sedens in latere mariti […].“[17] Was die Speisetafel betrifft, sollte erwähnt werden, dass Elisabeth sich strikt an das von Konrad von Marburg auferlegte Speisegebot hielt, das heißt, dass sie keine Speisen aus unrechtmäßigem Besitz, also aus erpressten Abgaben oder Eintreibungen, essen durfte.[18] Aber auch hier respektierte und akzeptierte Ludwig Elisabeths Entscheidung, und nicht nur das; er soll laut Libellus folgenden Satz gesagt haben: „ Hoc ipsum libenter facerem, si familie et aliorum oblocutionem non timerem […].“[19] An dieser Stelle wird deutlich, dass Ludwig zwar die Reaktionen seines höfischen Umfelds achtete und fürchtete, aber auch Elisabeths religiöses Leben förderte. Dies ging sogar soweit, dass er ihr ständig Hinweise gab, welche Nahrung ihr dem Speisegebot nach erlaubt war und welche nicht.[20]

[...]


[1] Nigg, S.69.

[2] Ebd.

[3] Vgl. Vogel, S.176.

[4] Vgl. Vogel, S.175.

[5] Vgl. Würth, S.187.

[6] Libellus, S.9, Z.249-251.

[7] Vgl. Dinkler-Schubert, S.514.

[8] Libellus, S.15, Z.371-383.

[9] Vgl. Libellus, Huyskens´ Anmerkung in der Fußnote, S.14.

[10] Vogel, S.177.

[11] Vgl. Libellus, S.17, Z.445-450.

[12] Ebd., Z.415f.

[13] Ebd., Z.452-456.

[14] Reber, S.73.

[15] Ebd.

[16] Reber, S.72.

[17] Libellus, S.18, Z.464f.

[18] Ebd., Z.465-474.

[19] Libellus, S.19, Z.484-486.

[20] Vgl. Libellus, S.19, Z.513-515.

Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656207382
ISBN (Buch)
9783656206415
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194961
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
3,0
Schlagworte
Libellus Ehe Mutterschaft Heiliige Elisabeth Kirchengeschichte

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