Lade Inhalt...

Zu Theodor Storms Novelle "Ein Doppelgänger" - Eine Analyse

Hausarbeit 2009 21 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Handlung
2.1 Erste Komplikationshandlung
2.2 Zweite Komplikationshandlung

3. Isotopieanalyse

4. Figuren
4.1 Christine
4.2 John
4.3 Hanna
4.4 Oberförster
4.5 Bürgermeister
4.6 Erzähler
4.7 Mariken

5. Zeitliche Gestaltung

6. Erzähler und Perspektivierung

7. Resümee
7.1 Reflexion des Spontaneindrucks
7.2 Bezug zu den im Seminar bearbeiteten Prosatexten Storms
7.2.1 Die Regentrude
7.2.2 Pole Poppenspäler
7.2.3 Carsten Curator
7.3 Vergleich mit Sekundärliteratur

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit wurde im Rahmen des Seminars xxx verfasst und beschäftigt sich mit der Novelle „Ein Doppelgänger“ von Theodor Storm. Unserer Analyse und Interpretation liegt der Text von Reclam aus dem Jahr 2006 zugrunde.[1] Die Novelle entstand im Jahre 1880 und wurde erstmals 1887 im ersten Band der Zeitschrift Deutsche Dichtung abgedruckt. Sie handelt von dem Leben des John Hansen, der nach dem Absolvieren seiner Haftstrafe aufgrund der Meidung durch die Gesellschaft keine andauernde Arbeit mehr findet und in einem Ehestreit seine Frau tötet.

Nach dem ersten Lesen des Textes fallen einige Dinge positiv auf. Wichtig zu nennen ist hierbei die klare zeitliche Gliederung, da die Novelle aus einer Handlung in der Gegenwart und den rückblickenden Gedanken einer Person besteht, es jedoch immer klar erkennbar ist, was in welcher Zeitspanne geschieht. Zusätzlich ist ein roter Faden erkennbar, der sich durch die komplette Handlung zieht, was zur Folge hat, dass der Leser nicht mit Teilhandlungen verwirrt wird, die er nicht einordnen kann, sondern immer einen festen Handlungsstrang hat, an den er sich halten kann. Außerdem fanden wir den Sprachstil sehr gut verständlich und die Erzählung spannend.

Trotz der guten Gliederung und sprachlich verständlichen Formulierungen, haben wir einige Fragen zu dem Text, die wir im Vorhinein unserer Hausarbeit ausformulieren möchten. Die Frage, die wir uns durchgehend während des Lesens gestellt haben, beschäftigt sich damit, wer der Erzähler ist und in welcher Beziehung dieser zu John Hansen stand bzw. ob die beiden sich überhaupt kannten. Eine zweite Frage stellt sich uns in der Bedeutung des Geißblattes, welches sowohl auf Seite fünf der Novelle genannt wird, als der Oberförster von einem Jahr berichtet, in dem das Geißblatt so stark wie noch nie zuvor geduftet hätte.[2] Diesen Absatz beendet er mit dem Satz „[…] ‚der Duft ist unvergänglich—solang sie lebt!‘“[3] Danach tritt das Geißblatt die gesamte Handlung über nicht mehr auf und wird erst am Ende der Handlung auf der letzten Seite wieder wichtig, als der Erzähler berichtet, dass das Geißblatt so lieblich duftet, wie es zuvor noch nie geduftet hat.[4]

Weiterhin haben wir uns gefragt, welche Rolle der Bürgermeister in der Novelle spielt und was sein Verhalten begründet, da er John Hansen zum einen Geld leiht und nach seinem Tod auf die Nennung seines richtigen Namens besteht.

Außerdem war es uns unverständlich, welche Rolle Küster-Mariken in der Handlung einnimmt.

Unsere letzte Frage beschäftigt sich mit der Gesellschaft in dieser Stadt und inwiefern diese Einfluss auf den Lebensweg von John Hansen genommen hat. Gleichzeitig wollen wir diese Frage auch zu der zentralen Fragestellung unserer Hausarbeit machen, da sie mit den vorher gestellten Fragen in einen Zusammenhang gebracht werden kann, denn der Erzähler ist Teil der Gesellschaft,[5] sowie auch der Bürgermeister und die Küster- Mariken.

Um näher auf diese Fragestellung einzugehen, werden wir uns im Folgenden zuerst den inhaltlichen Aspekten zuwenden und näher auf Handlung, Figuren, sowie die unterschiedlichen Räume eingehen, um uns anschließend mit den darstellenden Aspekten der Novelle zu beschäftigen, wobei wir uns auf Erzähler und Perspektivierung, sowie die zeitliche Gestaltung konzentrieren. Im Anschluss vergleichen wir unser Werk mit im Seminar gelesenen Werken und unsere Interpretation mit einem Sekundärtext aus der Forschungsliteratur.

2. Handlung

Die Novelle „ Ein Doppelgänger“ umfasst zwei Episoden, zum einen die Rahmenhandlung in der Gegenwart, in der der Ich-Erzähler erzählt, was er bei dem Oberförster und seiner Frau erlebt und zum anderen den Rückblick in der Vergangenheit, in welcher der der Ich- Erzähler sich erinnert und in der Er- Erzählung die Geschichte des John Hansen berichtet.

2. 1 Erste Komplikationshandlung

Aufgrund der Tatsache, dass zwei Episoden vorhanden sind, gibt es auch zwei Komplikationshandlungen, wovon sich die erste mit Christines Leben und ihren Erinnerungen an ihre Kindheit bei Hanna und John befasst. Sie wurde im Alter von acht Jahren von den Eltern ihres zukünftigen Mannes aufgenommen. Die Betroffene in dieser Komplikation ist Christine selbst. Das Gut ist in diesem Falle personaler Art, da es sich um ihre Kindheitserinnerungen an den Vater handelt. Es besteht in dieser Episode eine Mangelsituation, was bedeutet, dass eine Person etwas nicht besitzt, aber dieses besitzen möchte.[6] In Christines Fall geht es um die Erinnerungen an ihren Vater, die sie gerne vollständig hätte. Sie kann sich zwar an den liebevollen Vater und ihr Zusammenleben nach dem Tod ihrer Mutter erinnern, an das Leben davor hat sie jedoch nur vage Erinnerungen[7]. Aufgrund dieser fehlenden Erinnerungen muss sie sich „[…] mit dem wüsten Schreckbild begnügen[…]“[8], welches ihr Verstand behalten hat. Die Faktoren für dieses fehlende Wissen sind gesellschaftlicher Natur, jedoch nicht im Sinne, dass die Gesellschaft Schuld an etwas hat, sondern, dass die Gesellschaft, in dem Falle speziell ihr Mann, sie schützen wollen und ihre Kindheitserinnerungen nicht durch das Wissen, dass ihr Vater eine Haftstrafe verbüßen musste, beeinflussen möchte. Ihr Mann begründet sein Verhalten mit den Worten: „[…] ich möchte nicht, daß sie das je erführe; ihr Vater, den sie kindlich verehrt, würde mit jenem Schreckbild zusammenfallen, das ihre Phantasie ihr immer wieder vorbringt und das leider keine bloße Phantasie war‘“[9]

Die Auflösung der Komplikation ist eine positive Auflösung, weil der vorherrschende Mangel aufgehoben werden kann.[10] Faktor hierfür ist der Erzähler, der es schafft durch sein Erscheinen den Oberförster zum Nachdenken zu bringen und dessen Bild von John zu vervollständigen, sodass dieser am Ende seiner Frau die Wahrheit über ihren Vater erzählt. Dass dieses Wissen für Christine positiv zu werten ist, lässt sich daran erkennen, dass sie das Bild ihres verstorbenen Vaters am Ende der Novelle mit einem Rosenkranz behängt und ihn nicht nur als Vater, sondern als Menschen ansieht.[11]

2. 2 Zweite Komplikationshandlung

Die zweite Episode umfasst das Leben des John Hansen, welcher eine Haftstrafe verbüßen muss und danach nicht in ein richtiges Leben zurückkehren kann. Aufgrund der Vorurteile, die die Einwohner seines Dorfes haben, gelingt es ihm nicht eine richtige dauerhafte Arbeit zu finden, dennoch lernt er Hanna kennen, welche seine Frau wird. In einem Ehestreit eskaliert die Situation zwischen den beiden und John bringt sie unbeabsichtigt um.

In dieser Episode ist der Betroffene John Hansen selbst, in dessen Geschichte eine Komplikation auftaucht. Das Gut dieser auftretenden Komplikation ist sein Lebensinhalt, zu dem sowohl Hanna, seine Arbeit, aber auch das fehlende soziale Ansehen gehören. Sie sind demnach nicht nur materiell, weil er Arbeit benötigt, um seine Familie und sich selbst ernähren zu können, sondern auch personal, da er im Streit seine Ehefrau verliert und von den anderen Dorfbewohnern aufgrund seiner Vergangenheit gemieden wird. Zur genauen Bestimmung der Komplikation ist es wichtig festzulegen, dass es sich um einen Mangel handelt. Faktoren für diese Komplikation sind gesellschaftlicher Natur, weil John Hansen selber ein normales Leben führen wollte und von der Gesellschaft und ihrem Verhalten immer wieder daran gehindert wird. Dass John Hansen aus dem Dorfleben ausgeschlossen wird, ist durchgehend in der Handlung erkennbar, wird jedoch an manchen Stellen deutlich sichtbar. Als die Brückenarbeiter ein Fest veranstalten wird er nicht eingeladen. Auch wenn er dieses abtut und behauptet er würde selber nicht hingehen wollen, erkennt man an Hannas Reaktion, die bemerkt, dass seine Sorgenfalten immer tiefer werden, dass es sehr wohl belastend für ihn ist.[12] Auch die Situation, in der Hanna ein Kind von John bekommt ist prägnant für Johns Stellung innerhalb des Dorfes. Als er an dem Tag der Geburt die Hebamme aufsucht und sie bittet ihn schnell nach Hause zu begleiten, um Hanna bei der Geburt zu unterstützen, lässt sich diese absichtlich viel Zeit und begründet dieses nur mit der Aussage „,Geh Er nur!‘ […],Sein Kinder kommt früh genug‘“[13], was zeigt, dass ihr nichts daran liegt das Kind schnell und gesund auf die Welt zu bringen, sondern sie es als Last betrachtet bei der Geburt eines Kindes zu helfen, dessen Vater eine Haftstrafe absitzen musste. Als besonders prägnante Figur für die Gesellschaft kann der Gendarm gesehen werden. Indem er fälschlicherweise verbreitet, dass John Hansen erneut kriminellen Kontakt zu Wenzel pflegt, macht er es John noch schwerer bei den Dorfbewohnern Arbeit zu finden.[14]

[...]


[1] Storm, Theodor: Ein Doppelgänger. Stuttgart 2006: Reclam

[2] Vgl. Storm, Ein Doppelgänger, Seite 5

[3] Storm, Ein Doppelgänger, Seite 5

[4] Vgl. Storm, Ein Doppelgänger, Seite 76

[5] Vgl. Storm, Ein Doppelgänger, Seite 20

[6] Vgl. Leubner/Saupe, Erzählungen in Literatur und Medien und ihre Didaktik, Seite 60

[7] Vgl. Storm, Ein Doppelgänger, Seite 14, 15

[8] Storm, Ein Doppelgänger, Seite 15

[9]Storm, Ein Doppelgänger, Seite 17

[10] Vgl. Leubner/Saupe, Erzählungen in Literatur und Medien und ihre Didaktik, Seite 60

[11] Vgl. Storm, Ein Doppelgänger, Seite 76

[12] Vgl. Storm, Ein Doppelgänger, Seite 33

[13] Storm, Ein Doppelgänger, Seite 34

[14] Vgl. Storm, Ein Doppelgänger, Seite. 64/65

Details

Seiten
21
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656204770
ISBN (Buch)
9783656205579
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194957
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,7
Schlagworte
theodor storm doppelgänger

Autor

Zurück

Titel: Zu Theodor Storms Novelle "Ein Doppelgänger" - Eine Analyse