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ePublishing – ökonomischer Einfluss mobiler Lesegeräte auf den deutschen Zeitschriftenmarkt

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 26 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen des ePublishings

3 Mobile Lesegeräte als Basis für digitale Zeitschriften

4 Herausforderungen und Perspektiven für Zeitschriftenverlage
4.1 Ökonomisch relevante Bereiche des digitalen Publizierens
4.2 Produktion digitaler Zeitschriften
4.3 Distribution digitaler Zeitschriften
4.4 Werbliche Vermarktung digitaler Zeitschriften

5 Fazit und Trends

Literaturverzeichnis

Anhang

Versicherungserklärung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Mobile Lesegeräte für digitale Publikationen – Quelle: eigene Darstellung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Ich denke, das ist der Beginn einer neuen Ära. Jeder Verleger weltweit sollte sich einmal am Tag hinsetzen und beten um Steve Jobs dafür zu danken, dass er damit die Verlagsindustrie rettet.“[1]

Was Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, in einem Interview in der amerikanische Talkshow „Charlie Rose“ über das iPad sagt, lässt die Hoffnungen erahnen, die bei deutschen Verlegern durch Apples Markteinführung des iPads 2010geweckt wurden. Die technischen Möglichkeiten, die die aktuelle Generation mobiler Endgeräte mit sich bringt, sollen der Verlagslandschaft zu neuem Schwung verhelfen.

Durch sinkende Anzeigenerlöse[2] und rückläufige Auflagenzahlen[3] gerieten die Verlage von Publikumszeitschriften seit 2008, dem Jahr der globalen Wirtschaftskrise, in eine Abwärtsspirale, aus der sie sich bis heute noch nicht befreien konnten. Verlage setzen daher große Erwartungen in die Erschließung neuer Zielgruppen und Umsatzquellen, die sich durch die mobilen Geräte ergeben sollen.

Technische Evolutionen haben die Medienbranche bereits in der Vergangenheit nachhaltig verändert und führten mehr als einmal zu einem Wandel des Nutzungsverhaltens sowie zur Entstehung neuer Erlösmodelle.[4] So ergeben sich durch die zunehmende Verbreitung elektronischer Lesegeräte wie Amazons Kindle oder Apples iPad und die steigende Marktdurchdringung von Smartphones für die Zeitschriftenverlage viele neue Herausforderungen. Es ist zu erwarten, dass neue Wettbewerber in den Markt drängen und bekannte Akteure ihre etablierten Geschäftsmodelle überdenken müssen, wenn sie nicht an den neuen Technologien scheitern wollen.[5]

Die frühe Entwicklungsphase dieses neuen Marktes für elektronisches Publizieren und insbesondere seine Heterogenität, durch die er derzeit gekennzeichnet ist,[6] stellen für eine zielgerichtete Strategieentwicklung eine weitere Herausforderung dar.

Ziel dieser Hausarbeit ist es, einen Überblick über den aktuellen Stand der Entwicklungen im ePublishingunter besonderer Berücksichtigung mobiler Lesegeräte zu geben und mögliche Auswirkungen für Zeitschriftenverlage in Deutschland zu erörtern.

Der Fokus der Betrachtung liegt dabei auf Publikumszeitschriften sowie den Chancen und Risiken, die sich Verlagen in den Geschäftsbereichen Produktion, Vertrieb und Vermarktung digitaler Zeitschriften bieten.

2 Grundlagen des ePublishings

„Elektronisches Publizieren umfasst die öffentlichen Formen der zeitpunktunabhängigen Kommunikation mittels digital vorliegender Dokumente zwischen einem über seine Funktionen definierten Hersteller (Kommunikator) und einem Empfänger (Rezipient).“[7]

Diese Definition macht deutlich, dass elektronisches Publizieren, im Englischen Electronic Publishing oder kurz ePublishing, alle Formen digitaler Veröffentlichungen vereint, somit kein neues Phänomen darstellt und zudem nicht auf ein spezifisches Ausgabemedium reduziert wird.

Die Besonderheit des ePublishings in Abgrenzung zur analogen Veröffentlichung liegt somit darin, dass zur Nutzung und Erstellung eines digitalen Dokuments Hard- und Software benötigt werden.[8]

Bei der Distribution digitaler Medien unterscheidet man zudem zwei Grundformen: Online- und Offline-Medien. Während Online-Medien über Telekommunikationsnetze wie dem Internet ihre Verbreitung finden, sind Offline-Medien auf physikalische Datenträger angewiesen.

Mittlerweile ist eine Vielzahl von Gattungen elektronischer Publikationen entstanden. Die Hauptgattungen bilden elektronische Nachschlagewerke, elektronische Zeitungen, elektronische Bücher, elektronische Zeitschriften und wissenschaftliche elektronische Preprints.[9]

Die Übergänge zwischen diesen Gattungen und somit auch den Gattungsbegriffen sind fließend. Im aktuellen Sprachgebrauch sind die elektronischen Pendants zu den analogen Begriffen nicht abschließend definiert. Dies führt dazu, dass die Begriffe in der Literatur mit großer Unschärfe verwendet werden. Der Begriff „ePaper“ wird häufig synonym für „elektronische Zeitung“, „elektronische Zeitschrift“ und auch für das Anzeigemedium „elektronisches Papier“ benutzt. Der Begriff eBook (auch E-Book oder Electronic Book) wird sowohl für die Publikation an sich als auch die Ausgabegeräte, die eigentlichen E-Book-Reader oder eReader, eingesetzt.

Riehm et al. führen dies darauf zurück, dass „[…] erstens im elektronischen Buch Eigenschaften des gedruckten Buchs bewahrt und gleichzeitig überwunden werden sollen und weil sich zweitens die Publikationstypen durch die Digitalisierung immer weiter vermischen.“[10]

Der Begriff eBook bezeichnet „Bücher bzw. Buchelemente in digitaler Form zur Darstellung auf elektronischen Ausgabegeräten […], eReader sind „tragbare elektronische Lesegeräte zur Speicherung und Darstellung digitaler Inhalte“.[11]

Obgleich die Geschichte der elektronischen Zeitschriften, im Englischen „E-Journals“, bis in die 1970er Jahre zurückreicht, mangelt es auch hier an allgemein anerkannten Definitionen. Deshalb wird häufig noch die traditionelle Definition von Zeitschrift zu Grunde gelegt, wobei allerdings ihre digitale Form gemeint ist.[12]

Demzufolge sind Zeitschriften „Periodische Druckwerke mit kontinuierlicher Stoffdarbietung, die mit der Absicht eines zeitlich unbegrenzten Erscheinens mindestens viermal jährlich herausgegeben werden.“[13] Die Gattung der Publikumszeitschrift richtet sich, im Gegensatz zu den Fachzeitschriften, an ein breites Zielgruppenspektrum und besteht vorwiegend aus aktuellen Themen, allgemein verständlichen Informationen sowie unterhaltenden Elementen.[14]

Zeitschriften sind in der Regel in einem ausgewogenen Verhältnis von Bildern, Infografiken, typografischen Elementen und klassischem Fließtext aufbereitet, zudem mehrfarbig und mehrspaltig. Dieser komplexe Aufbau klassischer Zeitschriften ist es, der zusätzliche Herausforderungen an die mobilen Lesegeräte stellt.

Da Publikumszeitschriften per definitionem in der Leserschaft eine Breitenwirkungerzielen sollen, ist es zudem eine notwendige Voraussetzung, dass eine breite Öffentlichkeit Zugang zu den elektronischen Zeitschriften hat. Dies setzt voraus, dass die Verbreitung elektronischer Lesegeräte und deren Akzeptanz in der Bevölkerung gegeben sind. Ein solcher Trend zeigt sich erst durch die neuere Generation mobiler Lesegeräte.[15]

Durch die große Vielfalt an Geräten, physikalischen Formaten, grafischen Auflösungen und technischen Spezifikationen entsteht rund um das Thema mobile Lesegeräte eine hohe Komplexität. Die jeweilige Eignung der Geräte zur Wiedergabe digitaler Publikationen ist äußerst spezifisch. Für Verlage bedeutet dies, dass sie die Tauglichkeit der Geräte auf den jeweiligen Einsatzzweck genau abstimmen und untersuchen müssen. Sie können nun nicht mehr selbst bestimmen, auf welchem Papier und in welchem Format sie produzieren, denn erst beim Nutzer entsteht aus Kombination von Inhalt und Endgerät das finale Produkt.

3 Mobile Lesegeräte als Basis für digitale Zeitschriften

Der gesellschaftliche Megatrend der Mobilität zeigt sich in vielen Bereichen der technischen Entwicklung. Im Zusammenhang mit den mobilen elektronischen Lesegeräten schreitet die diese besonders schnell voran, da die Entwicklung dieser Geräte aus mehreren parallel ablaufenden technischen Evolutionen angetrieben wird. Die Weiterentwicklung der Displaytechniken, die Erhöhung der Akkulaufzeiten, die Reduzierung des Gerätegewichts, sinkende Preise und neue Bedienkonzepte scheinen die Hauptgründe für diesen Trend zu sein.

Grundlegend lassen sichdie mobilen Endgeräte, mit denen digitale Zeitschriften genutzt werden können, in vier Klassen aufteilen: auf elektronischer Tinte (eInk) basierende E-Reader (1), Tablet-PCs (2), Notebooks / Laptops (3) und Smartphones / PDAs (4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung1: Mobile Lesegeräte für digitale Publikationen – Quelle: eigene Darstellung

Auch wenn vom technischen Standpunkt her mit allen Geräteklassen digitale Zeitschriften wiedergegeben werden können, ist dennoch fraglich, ob sie für den Rezipienten gleichermaßen geeignet sind, digitale Magazine zu lesen. Im Folgenden wird jede Geräteklasse daher kurz charakterisiert.

E-Reader: Die ersten zwei Generationen kamen bereits 1990 und 1998 auf den Markt, schafften aufgrund von unzureichenden technologischen Gegebenheiten und mangelnden Inhalten aber nicht den Durchbruch. Erst mit der Einführung von Amazons Kindle, den Geräten von iRex und Sonys PRS 505, die auf der Electronic-Ink-Technologie basieren, gelang der Durchbruch.[16] Olavarria prognostiziert bis 2015 ca. drei Millionen Besitzer eines E-Readers in Deutschland.[17] Die Nutzung von E-Readern sieht er aufgrund der aktuellen technischen Schwachstellen eher im Konsum von Büchern. Neue technologische Entwicklungen wie farbige, videofähige Mirasol- oder biegbare OLED-Displays könnten den Funktionsumfang aber erweitern.[18] Konsequenz hiervon könnte sein, dass weitere Verlage Zeitschriften für die Nutzung auf klassischen E-Readern aufbereiten. Aktuell, Stand März 2012, sind nur acht digitale Zeitschriften, davon zwei deutschsprachige, im deutschen Amazon-Store erhältlich.

Tablet-PCs: Die Einführung des iPads durch die Firma Apple Inc. im Januar 2010 trieb die Entwicklung der Geräteklasse der Tablet-PCs (auch Tablet-Computer oder kurz Tablets) maßgeblich voran.[19] Von Beginn an auch als Lesegerät für Magazine vermarktet, weckte das iPad schon früh das Interesse der Zeitschriftenverleger.[20] Der große Verkaufserfolgdes sich nun bereits in der dritten Generation befindlichen Gerätes, ca. 1,2 Millionen Verkäufe in Deutschland[21] bis Dezember 2011, führte dazu, dass mittlerweile eine Vielzahl weiterer Hersteller ähnliche Geräte anbietet. Dies hat eine große Vielfalt unterschiedlicher Geräteformate, Displayauflösungen und Betriebssysteme zur Folge. Diese Heterogenität beeinflusst Produktion und Vertrieb digitaler Zeitschriften und erhöht das Risiko von Fehlentscheidungen für die Verleger.[22] Den Nutzern scheinen die leichten und transportablen Tablet-PCs zum Lesen digitaler Zeitschriften aber durchaus geeignet.

So kommt eine Studie des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) zu dem Ergebnis, dass mehr als zwei Drittel der befragten iPad Besitzer (67,5%) digitale Zeitschriften auf ihrem Pad lesen.[23]

Notebooks / Laptops: Diese Geräteklasse ist potenziell geeignet, jede aktuell bekannte Form digitaler Zeitschriften anzuzeigen. Durch Installation geeigneter Software, beispielsweise Amazons Kindle für PC oder den Adobe Digital Editions, lassen sich digitale Publikationen verwalten und wiedergeben. Auch der stark verbreitete Adobe Acrobat Reader ist geeignet, umetwa PDF-Dateien mit Zeitschrifteninhalten wiederzugeben. Bislang konnten digitale Zeitschriften auf Notebooks allein aber keine relevanten Reichweiten erzielen. Geringere Akkulaufzeiten und ein höheres Gewicht, verbunden mit sperrigem Handling, beschränken den Nutzer zudem in Mobilität und Komfort.

Smartphones / PDAs: Durch die technische Weiterentwicklung der Smartphones, ihrerQualität und Displaysgröße ist der klassische Personal Digital Assistant (PDA) obsolet geworden und hat kaum noch Relevanz. Trotz immer größerer Displays von bis zu fünf Zoll und einer sehr hohen Verbreitung eignen sich Smartphones nur bedingt zur Wiedergabe klassischer Zeitschriftenformate, die durch kleinteiligen Inhaltsaufbau gekennzeichnet sind.

Trotz der hierdeutlich gegliederten Darstellung mobiler Lesegeräte ist zu sagen, dass die Übergänge zwischen den Geräteklassen zunehmend verschwimmen. So positioniert beispielsweise Amazon seinen 2011 erschienenen Kindle Fire, einst als reiner eBook-Reader deklariert, imSegment der Tablet-PCs mit Farbdisplay.[24]

4 Herausforderungen und Perspektiven für Zeitschriftenverlage

4.1 Ökonomisch relevante Bereiche des digitalen Publizierens

Für die Untersuchung der ökonomischen Implikationen mobiler Lesegeräte auf digitale Publikationen scheint eine nähere Betrachtung der Hauptumsatzbringer und der Hauptkostentreiber im Verlagswesen sinnvoll.

Das klassische Geschäftsmodell von Zeitschriftenverlagen basiert in der Regel auf drei Erlösblöcken. Neben den Erlösen aus dem Vertrieb der Publikationen im Einzelverkauf oder Abonnement ist die Vermarktung von Werberäumen in Form von Anzeigen oder Beilagen ein entscheidender Schlüssel für die Erlösgenerierung. Als dritter Block sind sonstige Erlöse wie Content-Syndication, Lizenzhandel sowieder Verkauf von Waren etc. zu erwähnen.Die Anteile können hierbei je nach Verlag und Objekt deutlich variieren.[25]

Neben den aus dem Printbereich bekannten Werbeformen ergeben sich beim digitalen Publizieren neue Erlösmodelle in der werblichen Vermarktung. Diese können zum Beispiel durch die mögliche Interaktivität des Lesers mit dem Medium entstehen.

Bisher sahen sich Verlage durch die kostenlose Verfügbarkeit redaktioneller Inhalte im Internet und die Abwanderung jüngerer Zielgruppen bedroht.[26] So „werden doch Online-Inhalte wie selbstverständlich als kostenlos und damit zunehmend als wertlos wahrgenommen, wohingegen Print-Inhalte nach wie vor als wertvoll angesehen werden“.[27] Für digitalen Content auf mobilen Endgeräten scheint sich dieser Trend allerdings umzukehren. Belegt wird dies durch die hohe Zahlungsbereitschaft der E-Reader-Besitzer. So prognostiziert eine aktuelle Umfrage für Bezahlinhalte allein für das iPad 207 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2012.[28]

Bei den Produktions- und Vertriebskosten unterscheiden sich digitale Zeitschriften deutlich von ihren analogen Gegenstücken. So sind in der Herstellung beispielsweise Druckkosten und in der Abonnement-Distribution beispielsweise Portokosten für die Zustellung nicht relevant, wohingegen für die digitale Erstellung und den oft umfangreichen Datentransfer bei der digitalen Auslieferung der Medien zusätzliche Kostenin hohem Maße anfallen.

4.2 Produktion digitaler Zeitschriften

Bei der Produktion digitaler Zeitschriften muss ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der Anpassung an das jeweilige Medium, dem damit verbundenem Aufwand und den Erlösmöglichkeiten gefunden werden. So müssen sich Verlage aufgrund rückläufiger Erlöse „in der heutigen Zeit stärker denn je auf ihre Produktionskosten besinnen, um wettbewerbsfähig zu bleiben“.[29]

In welchem Umfang die Anpassung an die jeweilige Geräteklasse oder gar das einzelne Gerät erfolgen sollte, ist derzeit stark umstritten. Die Meinungen hierzu ändern sich schnell: „Wurden PDF-Versionen oder Faksimiles zunächst als ein No-Go verspottet, hat sich der Wind gedreht.“[30] Eine Vielzahl der Verlage vertritt dagegen die Ansicht, dass mobile Geräte als eigenständige Ausgabekanäle verstanden werden müssen und somit auch der Content angepasst werden muss.[31]

Mittlerweile haben vier mögliche Produktionswege Einzug in die Praxis gehalten: PDF-Ansicht, manuelles und automatisches Layout sowie Mischformen daraus.

PDF-Ansicht: PDF-Dokumente, die im Rahmen des Produktionsprozesses einer gedruckten Zeitschrift in hoher Auflösung, meist 300dpi in CMYK, entstehen, müssen für die Darstellung auf mobilen Geräten, meist 72dpi oder 96dpi in RGB, umgewandelt werden. Dem Verlag entsteht hierdurch ein nur sehr geringer Aufwand.

Manuelles Layout: Das digitale Magazin wird eigens für das jeweilige Ausgabegerät gelayoutet und kann mit multimedialen Inhalten angereichert werden. Schriftgrößen und Satzspiegel werden explizit auf das Display im Hoch- und Querformat angepasst.

Automatisches Layout: Die Erzeugung der Magazine wird vollautomatisch nach einem vorgegebenen Algorithmus erstellt. Ein automatisches Satzprogramm kombiniert Bilder und Texte eigenständig in vorgefertigten Layouts.

Mischformen: Neben den drei aufgeführten Grundformen finden sich vielfältige Mischformen. Dabei werden zum Beispiel einzelne Seiten aufwendig manuell gelayoutet, während andere automatisch gefüllt wurden.[32]

Fest steht, dass der Aufwand für die Verlage mit der zusätzlichen Herausgabe einer digitalen Zeitschrift, unabhängig von der gewählten Realisierungsform, steigt.

Scheint die PDF-Lösung aufgrund des geringen Aufwands bei der Herstellung durchaus Erfolg versprechend, muss dennoch beachtet werden, dass es für die Leserführung nur bedingt sinnvoll ist, den Layout-Aufbau des Printprodukts komplett zu übernehmen. Der Leser erhält zwar ein gewohntes Layout, muss wegen Satzspiegels und Schriftgrößen der gedruckten Magazine im PDF aber sehr stark zoomen und scrollen.

Auch die unterschiedlichen physikalischen Merkmale von Papier und Digitaldisplay als Trägermedium tragen dazu bei, dass Anpassungen bei der Produktion vorgenommen werden sollten. Während der Leser eines Printproduktes in der Regel sehr gut einschätzen kann, an welcher Stelle er sich in einem Magazin befindet, fehlt dem Leser des digitalen Magazins diese Information. Er sieht meist nur die aktuell betrachtete Seite, was eine Orientierung erschwert. Um auch die Möglichkeit des Querlesens oder gezielten Ansteuerns einzelner Seiten zu geben, wie es bei der analogen Variante problemlos möglich ist, ist es notwendig, neben dem klassischen Umblättern der Seiten zusätzliche Navigationsmöglichkeiten einzufügen. Diese sind beispielsweise Inhaltsverzeichnisse, Direktverlinkungen oder eine Suchfunktion innerhalb der digitalen Zeitschrift.[33]

Digitale Medienprodukte können zudem die vielfältigen multimedialen Möglichkeiten nutzen, die aktuelle mobile Geräte zulassen. So können Zeitschrifteninhalte etwa Audio- und Videoelemente oder eine Social-Media-Anbindung enthalten.[34] Bei kleineren Verlagen müssen dazu die fachlichen Kompetenzen, durch Schulung der Mediengestalter oder Neueinstellungen, oftmals erst geschaffen werden. Zudem entstehen Verlagen zusätzliche Kosten für die Produktion oder den Einkauf dieser multimedialen Inhalte.

Als ein weiterer Kostenfaktor ist die Software zur Erstellung des Layouts und der multimedialen Anreicherung digitaler Magazine anzusehen. Diese unterstützen den Verlag auch bei der anschließenden Veröffentlichung in den Kiosk-Systemen (Online-Pressehandel) von Drittanbietern wie Apples Newsstand oder Axel Springers iKiosk sowie ggfs. in verlagseigenen Kiosk-Systemen. Dieses Know-how könnte sich als ein wichtiger Baustein für den Erfolg digitaler Magazine herausstellen.[35]

Drei Software-Lösungen – Woodwing Digital Magazine Tools, Adobe Digital Publishing Suite und Quark App Studio – haben sich bei der Produktion digitaler Zeitschriften etabliert und bauen dabei zumeist auf bestehender Layoutsoftware wie Adobes InDesign oder QuarkXpressauf.[36] Die Kosten und Lizenzmodelle für die Tools unterscheiden sich stark voneinander. Während die Kosten bei Adobe monatlich 699 US-Dollar und pro Download 30 Cent betragen, fallen bei Woodwing für die Software in der kleinsten Ausführung 7.500 Euro und zwischen 1.000 und 10.000 Euro für die Veröffentlichung einer Reader-App an.

Hinzu kommen die Kosten für das Hosting der Daten und den verursachten Traffic sowie eine jährliche Service-Gebühr. Auch Quark verlangt neben einer einmaligen Lizenzgebühr von 2.963 Euro die Kosten für die Veröffentlichung einer Kiosk-App und einen Betrag pro eingestellter Ausgabe.[37]

Den Kosten pro Download stehen die Druckkosten und ein Teil der Distributionskosten der Printausgabe einer Zeitschriftgegenüber. Die Kostenstruktur aus der Erstinvestition in die Entwicklung eines Zeitschriftenproduktes, der Anschaffung einer spezifischen Software-lösung, hohe Kosten pro Ausgabe für Content und Erstellung und geringe Kosten pro verbreitetem Exemplar führen zu einem ausgeprägten Degressionseffekt. Dieser wird in der Medienökonomie als First-Copy-Cost-Effekt (FCCE) bezeichnet.[38] Der FCCE stellt eine strukturelle Markteintrittsbarriere dar und schützt etablierte Zeitschriftenproduzenten zudem vor neuen Wettbewerbern.[39]

Somit stehen etablierte Verlage vor der Herausforderung, schnell eine breite Masse an Lesern für ihre digitalen Magazine zu gewinnen. Verlage reichweitenstarker General-Interest-Titel, die zudem ein breites Portfolio an digitalen Publikationen veröffentlichen, können vom FCCE vermeintlich stärker profitieren, da sie die Erfahrungen aus der Veröffentlichung der ersten digitalen Magazine auf weitere übertragen und so entstehende Synergieeffekte nutzen können. Zudem können sie auf einer großen Stammleserschaft aus dem klassischen Zeitschriftenvertrieb aufbauen.

[...]


[1] Vgl. Interview mit M. Döpfnervom 06.04.2010, eigene Übersetzung, Anhang I.

[2] Vgl. ZAW (Hrsg.), Netto-Werbeeinnahmen erfassbarer Werbeträger in Deutschland, Anhang II.

[3] Vgl. IVW, (Hrsg.), Entwicklung der Auflagen von Publikumszeitschriften 2001-2010.

[4] Vgl. Wirtz, B. W., (Medienmanagement, 2011), S. 186.

[5] Vgl. Friedrichsen, M., Kurad, A., (Medienformate 2007), S. 343.

[6] Vgl. Kapitel 3 dieser Hausarbeit.

[7] Scholze, F., Stephan W., (Publishing 2002), S. 2638.

[8] Vgl. Riehm, U., Böhle, K., Wingert, B.,(Publizieren 2004), S. 549.

[9] Vgl. Riehm, U., Böhle, K., Wingert, B.,(Publizieren 2004), S. 550 f.

[10] Vgl. Riehm, U., Böhle, K., Wingert, B.,(Publizieren 2004), S. 556.

[11] Olavarria, M., Kirchner + Robrecht GmbH (Hrsg.), (eBooks 2009), S. 5.

[12] Vgl. Keller, A., (Zeitschriften 2005), S. 14.

[13] Breyer-Mayländer, T. et al., (Wirtschaftsunternehmen 2000), S. 29.

[14] Vgl. Wirtz, B. W., (Medienmanagement 2011), S.192.

[15] Vgl. Kapitel 3 dieser Hausarbeit.

[16] Vgl. Olavarria, M., Kirchner + Robrecht GmbH (Hrsg.), (eBooks 2009), S. 2.

[17] Vgl. Olavarria, M., Kirchner + Robrecht GmbH (Hrsg.), (eBooks 2009), S. 34.

[18] Vgl. Olavarria, M., Wegner, K., VDZ (Hrsg.), (ePublishing 2010), S. 27ff.

[19] Vgl. Olavarria, M., (Marktübersicht 2010), S. 25.

[20] Vgl. Kapitel 1 dieser Hausarbeit.

[21] Vgl. O. V., Statista GmbH, EARSandEYES GmbH, (iPad 2010), S. 3.

[22] Vgl. Kapitel 4.2 und 4.3 dieser Hausarbeit.

[23] Vgl. Drüge, L., VDZ (Hrsg.), (Zeitschriftennutzung 2011), S. 9.

[24] Vgl. Technische Daten unter URL: http://www.amazon.com/Kindle-Fire-Amazon-Tablet/dp/B0051VVOB2, abgerufen am: 18.03.2012.

[25] Vgl. Wirtz, B. W., (Medienmanagement 2011), S. 204 f.

[26] Vgl. Wirtz, B. W., (Medienmanagement 2011), S. 184.

[27] Kruschwitz, R., (Verlagsstrategien 2011), S. 207.

[28] Vgl. O. V., Statista GmbH, EARSandEYES GmbH, (iPad 2010), S. 13.

[29] Vgl. Friedrichsen, M., Kurad, A., (Medienformate 2007), S. 345.

[30] Meier, C., (Erlösmodelle 2011), S. 26 f.

[31] Vgl. Meier, C., (Erlösmodelle 2011), S. 27.

[32] Vgl. Benz, B., Kramer, A., (Lesegefühl 2011), S. 143 f.

[33] Vgl. Heller, S., (Magazine 2011), S. 24.

[34] Vgl. Olavarria, M., Wegner, K., VDZ (Hrsg.), (ePublishing 2010), S.27ff.

[35] Vgl. Kapitel 4.2 dieser Hausarbeit.

[36] Vgl. Benz, B., Kramer, A., (Lesegefühl 2011), S. 145 f.

[37] Vgl. Benz, B., Kramer, A., (Lesegefühl 2011), S. 145 f.

[38] Vgl. Grau, C., Hess, T. , (Kostendegression 2007), S. 26 f.

[39] Vgl. Wirtz, B. W., (Medienmanagement 2011), S. 665 f.

Details

Seiten
26
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656202677
ISBN (Buch)
9783656235125
Dateigröße
855 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194895
Institution / Hochschule
Private Fachhochschule Göttingen
Note
2,0
Schlagworte
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