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"Besuch auf Utopia" - Gestaltung einer Pop-up-Karte mit Frottageelementen

Einführung in die Frottagetechnik

Unterrichtsentwurf 2012 33 Seiten

Kunst - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Bedingungsanalyse
1.1 Bild der Klasse
1.2 Räumliche Bedingungen

2. Sachanalyse
2.1 Pop-up-Karte
2.2 Ordnungsprinzipien
2.3 Frottage

3. Didaktische Analyse und Entscheidungen
3.1 Bezug zum Bildungsplan
3.2 Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung
3.3 Exemplarische Bedeutung
3.4 Zugänglichkeit
3.5 Bezug der Schüler zum Thema
3.6 Struktur des Themas
3.7 Stellung der Stunde in der Unterrichtseinheit
3.8 Didaktische Reduktion
3.9 Schwierigkeitsgrad (Differenzierung)

4. Lernzielanalyse/Kompetenzerwerb
4.1 Übergeordnetes Stundenziel
4.2 Fachliche Teilziele
4.3 Soziale Teilziele
4.4 Personale Teilziele
4.5 Methodische Teilziele

5. Methodische Analyse und Entscheidungen
5.1 Initiationsphase (Einstieg)
5.2 Explorationsphase (Erkundung)
5.3 Objektivierungsphase (Ausführung)
5.4 Integrationsphase (Transfer, Zuordnung, Erfolgskontrolle)

6. Verlaufsplanung

7. Literaturangaben

8. Anlagen
A1: Schülerarbeit
A2: Ordnungsprinzipien
A3: Schülerarbeit
A4: Geschichte „Reise nach Utopia“
A5: Frottage von Max Ernst „Die Geburt der Turmuhr“ 1926
A6: Frottage
A7: Arbeitsschritte A8: Tafelbild

1. Bedingungsanalyse

1.1 Bild der Klasse

Die Klasse 6 besteht aus 12 Schülerinnen und 13 Schülern im Alter zwischen elf und zwölf Jahren.

Aufgrund ihrer Entwicklung ist die Sitzordnung zwischen den Jungen und Mädchen klar geregelt. Auf der einen Seite sitzen die Mädchen, auf der anderen Seite sitzen die Jungen. Auch bei anderen Sozialformen wie Stehkreis oder Sitzhalbkreis wird diese Aufspaltung deutlich. Den Schülerinnen und Schülern ist es momentan ein großes Bedürfnis, sich genderspezifischen Themen zu widmen.

Insgesamt beteiligt sich die Klasse interessiert und aufmerksam am Kunstunterricht. Neue Themen werden mit Begeisterung aufgenommen und mit eigenen Ideen in Verbindung gebracht. Dadurch sind Besprechungsphasen teilweise etwas lebhaft, da die Schüler1 ihre Vorerfahrungen und Gedanken einbringen wollen. Die Schüler sind es gewohnt, dass Besprechungen im Stehhalbkreis um einen Tisch herum stattfinden. Bei Besprechungen wird auf Ruhe, Aufmerksamkeit und Schüler- beteiligung geachtet. Die Schüler sind bemüht, die eingeführten Regeln zu beachten. Arbeitsphasen finden in Sitzreihen statt. Jeder Schüler hat seinen festen Arbeitsplatz, an dem er sich wohl fühlt. Während des Kunstunterrichts herrscht eine angenehme Arbeitsatmosphäre in der Klasse.

Das Lerntempo der Klasse ist sehr unterschiedlich. Zwei Schülerinnen, J. und D. ar- beiten schnell und konzentriert. Deshalb ist es erforderlich, im Unterricht zu differen- zieren und ggf. anspruchsvollere Aufgaben für die beiden Schülerinnen bereit zu hal- ten.

Ein Schüler braucht lange, bis er sich in seinen künstlerischen Prozess eingefunden hat. Ihm fällt es schwer konzentriert zu arbeiten, eigene Ideen zu entwickeln und er lässt sich zudem leicht ablenken. Demzufolge sitzt J. von der Klasse etwas abseits, wodurch er seine Ruhe hat und sich leichter ins Arbeiten einfindet.

Disziplinprobleme treten in der Klasse nur vereinzelt auf. Gegen Ende einer Doppelstunde fangen einzelne Schüler gerne an Quatsch zu machen und sich gegenseitig zu schubsen. Es genügt aber eine kurze Ermahnung, um dies zu unterbinden.

1.2 Räumliche Bedingungen

Der Kunstraum ist geräumig und bietet die Möglichkeit, verschiedene Sitzordnungen auszuprobieren. Normalerweise sitzen die Schüler in Reihen und Besprechungen werden im hinteren Bereich des Kunstraumes durchgeführt.

Die Schüler sind es gewohnt, ihre Arbeitsmaterialien in einem Schuhkarten mitzubringen. Ihre Kunstordner werden von der Lehrkraft im Materialraum aufbewahrt. Im Materialraum befinden sich alle wichtigen Arbeitsmaterialien, die zusammen mit zwei Schülern vor Beginn der Unterrichtsstunde hergerichtet und am Ende der Stunde wieder aufgeräumt werden.

Die Klasse 6a hat Montagvormittags eine Doppelstunde Kunst.

2. Sachanalyse

2.1 Pop-up-Karte

„Pop up“ heißt im englischen so viel wie „aufspringen“, „in die Höhe fahren“, „plötzlich auftauchen.“ 1885 wurden die dreidimensionalen Bilderbücher und Glückwunschkar- ten erfunden.

Bei einer Pop-up-Karte springt dem Betrachter beim Öffnen der Karte etwas entgegen. Dadurch entfaltet die Pop-up-Karte ihre räumliche Wirkung. Durch das räumliche Hervortreten der Figuren heben sich diese von der Fläche ab.

Vorgehen:

1) Unterschiedlich breite, schmale, lange und/oder kurze Stege werden nach ge- nauem Anzeichnen in eine gefaltete Karte geschnitten.
2) Danach wird die Karte aufgeklappt und die Stege mit Hilfe eines Falzbeins herausgefaltet.
3) An die Stege kann man verschiedene Figuren kleben, die sich beim Aufklap- pen der Karte aufrichten.
4) Zur Fertigstellung wird die Pop-up-Karte mit einem Papier überzogen.

2.2 Ordnungsprinzipien

Um die Darstellung eines Raumes spannend und interessant zu gestalten sind unter- schiedliche Ordnungsprinzipien zu nennen. Beispielsweise können einzelne Bildele- mente in den Vordergrund gestellt und damit deren Bedeutung unterstrichen werden.

2. Sachanalyse

Für die Gestaltung der Pop-up-Karte sind folgende Ordnungsprinzipien von Bedeu- tung:

Großklein:

Die eingeschnittenen Stege variieren in ihrem Einschnittgrad, worauf Elemente in unterschiedlichen Größen befestigt werden können. Zudem können dadurch Elemen- te in den Vordergrund oder in den Hintergrund gestellt werden. Dadurch wird Raum- tiefe erzielt.

Breit-schmal

Die eingeschnittenen Stege unterscheiden sich in ihrer Breite. Darauf können breitere oder schmalere Elemente befestigt werden.

Verschiedene Ebenen

Durch verschiedene Ebenen, beispielsweise oben und unten, wird ebenfalls eine Raumwirkung erzielt und das Pop-up spannender gestaltet.

2.3 Frottage

Die Frottage ist eine der ältesten Techniken, um Inschriften oder Reliefs zu kopieren (vgl. Fanio u.a., 2006). Die Abriebtechnik ist auf Max Ernst zurückzuführen, der diese im Jahr 1925 entdeckte (vgl. Metken, 1976, S.327).

Der Begriff „Frottage“ leitet sich aus dem französischen Wort „frotter“ (reiben, abrei- ben) ab. Er bezeichnet die Technik des Durchreibens von strukturierten Oberflächen von Gegenständen und/oder Naturmaterialien auf Papier (vgl. Fanio u.a., 2006). Der hell/ dunkel Kontrast der Strukturen kehrt sich dabei durch das Durchreiben auf einem weißen Hintergrund um. Andere Zeichen- und Malwerkzeuge wie z.B. Kohle, Bleistift, Buntstifte und Wachsmaler sowie andere Bildträger, z.B. Stoff, eignen sich ebenfalls.

Als Papier eignet sich weißes Druckerpapier DIN A4 80 g. Das 80g Blatt ist sowohl dünn genug als auch anpassungsfähig.

Beispiele:

Plastikgitter Netz Blätter

Max Ernst „ Die Geburt der Turmuhr “ (1926)

Die Grafikserie „Histoire naturelle“ („Naturge- schichte“), die Max Ernst 1926 fotomecha- nisch vervielfältigt und veröffentlicht hat, be- steht aus 34 Frottagen. Im Rahmen dieser Serie entstand auch die Frottage „Die Geburt der Turmuhr“.2

Hier wurden Strukturen von Gegenständen, Objekten usw. zweckentfremdet.

Beispielsweise verwendet Max Ernst die Holzmaserung eines Fußbodens, um einem Vogel eine passende Struktur zu verleihen (vgl. Goritz, 2006, S.35).

3. Didaktische Analyse und Entscheidungen

3.1 Bezug zum Bildungsplan

Leitgedanken zum Kompetenzerwerb

Dem Bildungsplan folgend steht die heutige Stunde unter der Prämisse „Kunstunter- richt soll Freude am kreativen Tun wecken“ (Bildungsplan, 2004, S. 132). Zudem bietet die heutige Kunststunde den Schülern eine gute Möglichkeit, eigene Ideen zu entwickeln sowie eigenständig und eigenverantwortlich zu arbeiten. Die Schüler machen die Erfahrung, dass eine Thematik auf verschiedenen Wegen erarbeitet werden kann.

Ebenfalls von großer Bedeutung ist, dass der gestalterischen Arbeit die bewusste Wahrnehmung der eigenen Lebenswelt zugrunde gelegt wird (vgl. Bildungsplan, 2004, S. 132).

Die folgende Grafik verdeutlicht, welche Themenbereiche durch das Unterrichtsthema angesprochen und welche Kompetenzen daraus gefördert werden. Durch die Darstellung des Arbeitsbereichs „Grafik“ wird die Arbeitstechnik, mit welcher die Kompetenzen der Themenbereiche angestrebt werden, verdeutlicht. Themenbereiche und Arbeitsbereich bedingen sich gegenseitig.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Didaktische Analyse und Entscheidungen

3.2 Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung

Die Herstellung einer Pop-up-Karte ist für die Schüler in Hinblick auf die Entstehung von Räumlichkeit spannend und reizvoll. Durch die entstehende Dreidimensionalität können die Schüler einen Bezug zu ihrer Lebens- und Erfahrungswelt herstellen. Die Frottage ermöglicht es, sich bewusst mit den unterschiedlichen Oberflächenstrukturen verschiedener Gegenstände auseinanderzusetzen.

Für Schüler ist die Frottage ideal, sich zielgerichtet mit Form, Beschaffenheit und Oberflächenstruktur von (Alltags-)Gegenständen und Naturmaterialien aus ihrer Lebensumwelt zu beschäftigen und somit ihr Zeichenrepertoire in Bezug auf Strukturierung verschiedener Dinge zu erweitern.

Die Frottage ist eine Möglichkeit seine kreativen Gedanken zu visualisieren. Durch den Abrieb einzelner Gegenstände können neue Bildaussagen entstehen, indem sie ihre eigentliche Bedeutung verlieren und nunmehr als Teile eines neuen Bildes ver- wendet werden.

Die Zukunftsbedeutung des Themas liegt darin, dass die Schüler eine neue Technik kennenlernen und wie eine spannende, andersartige Karte hergestellt werden kann. Diese kann von den Schülern zu verschiedenen Anlässen angefertigt und verschenkt werden.

3.3 Exemplarische Bedeutung

Durch die Pop-up-Karte erfahren die Schüler, dass durch Einschnitte ein dreidimensionaler Raum geschaffen wird. Dieses Vorgehen ist exemplarisch für die Auseinandersetzung mit Räumlichkeit.

Frottage ist exemplarisch zu sehen für jegliche Beschäftigung mit Oberflächenstrukturen (z.B. Tierhaut in Biologieunterricht).

Zudem können die Schüler erkennen, dass Alltagserscheinungen Grundlage für eigene ästhetisch-künstlerische Erfahrungen sein können. Kinder finden es spannend, sich mit verschiedensten Verfahren und Techniken auseinander zu setzen und die unterschiedlichen Eigenschaften verschiedenster Materialien zu erforschen. Dabei erarbeiten sie sich ein elementares Erfahrungswissen sowohl über Alltagsdinge als auch über Gestaltungsmöglichkeiten.

3.4 Zugänglichkeit

Der Zugang zum Thema ergibt sich einerseits durch Wiederholung der Inhalte der vorherigen Unterrichtsstunde und andererseits durch die Alltagsgegenstände, die verwendet werden.

Zudem wird durch die erzählte Geschichte das Vorstellungsvermögen der Schüler angesprochen. Geschichten über Fantasietiere und Fantasiepflanzen sind den Schü- lern aus ihrer Kindheit bekannt, aber auch aktuell aus dem Fernsehen und der Litera- tur.

3.5 Bezug der Schüler zum Thema

Neue und unbekannte Themen werden von den Schülern mit Begeisterung aufgenommen. Durch Frottage können Oberflächenstrukturen deutlich abgebildet werden, was auf die Schüler eine faszinierende Wirkung hat.

Zudem ermöglicht die Technik jedem Schüler die Chance auf ein Erfolgserlebnis. Verschiedene Materialien bieten ihnen die Erkenntnis, dass durch experimentieren unerwartete und spannende Elemente zum Vorschein kommen.

[...]


1 Die Bezeichnung Schüler impliziert die weibliche Form.

2 http://www.kunstmuseum-bonn.de/nocache/ausstellungen/aktuell/info/ex/muschelbaum-holzvogel und-augenfisch-1153/ [Datum der Recherche: 12.05.2012]

Details

Seiten
33
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656360698
ISBN (Buch)
9783656361084
Dateigröße
9.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194893
Note
1,5
Schlagworte
besuch utopia gestaltung pop-up-karte frottageelementen einführung frottagetechnik

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