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Die Kopftuchdebatte in Deutschland – religiöse Überzeugung oder familiäre Zwänge?

Hausarbeit 2010 18 Seiten

Soziologie - Religion

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bedeutung des Kopftuchs für muslimische Frauen
2.1. Die religiöse Sichtweise auf das Kopftuch
2.2. Außerreligiöse Bedeutungen und Funktionen der Kopfbedeckung

3. Das Kopftuch als politisches Symbol

4. Die Stellung des islamischen Mannes in der Kopftuchdebatte

5. Die Situation der muslimischen Frau in Deutschland

6. Interviews und Stellungnahme

7. Eigene Gedankengänge und Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Kopftuch, welches für viele muslimische Frauen kaum wegzudenken ist, führt in der westlichen Welt zu einer Reihe von Diskussionen und Auseinandersetzungen.

„Ist doch nur ein Kleidungsstück, rufen ganz Liberale dazwischen. Ein selbstbewusster Akt der Integration, meinen manche Multikulturalisten. Ein Akt der Unterwerfung, halten Feministinnen dagegen. (...) Fundamentalistische Unterwanderung sei das, so die ultimative Drohung.“ (Oestreich 2004: 8)

Die muslimische Frau mit Kopftuch, hat mit vielen Hindernissen zu kämpfen. Nicht nur, dass sie sich für ihr äußeres rechtfertigen muss, sie hat es unter anderem auch noch schwerer als andere, den Weg ins Berufsleben zu finden usw.

Da diese Thematik sehr weitläufig ist, gehe ich nicht auf das Kopftuchtragen zur damaligen Zeit ein, sondern beschränke mich auf die Bedeutung und Gründe des Kopftuchs im islamischen Raum zur heutigen Zeit.

Die Meinungen dazu gehen in vielen Punkten auseinander. Doch die größten Unstimmigkeiten herrschen darüber, ob das Kopftuch aus freien Stücken getragen wird, sprich aus religiöser Überzeugung, oder aber, ob die Familie dahinter steht, die einem das Kopftuch aufzwängt. Dieser Diskussion widme ich das Hauptaugenmerk in der folgenden Arbeit und werde versuchen einer Antwort auf die Frage näher zu kommen. Dazu werde ich die Bedeutung des Tuches erforschen, in dem ich Literatur zu dem Thema verwende, aber auch eigene Untersuchungen, in Form von kurzen Interviews, durchführe. Das Kopftuch als politisches Symbol ist der zweite Hauptpunkt den ich untersuche, um meiner Antwort näher zu kommen. Des weiteren werde ich kurz auf die Stellung zwischen Mann und Frau im Islam eingehen, um mir weiteren Einblick in die Thematik zu verschaffen. Ein aktueller Stand über die Situation muslimischer Frauen in Deutschland ist ein weiterer Punkt meiner Untersuchung.

Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut: Das zweite Kapitel befasst sich mit der Bedeutung des Kopftuchs für muslimische Frauen. Es ist unterteilt in „die religiöse Sichtweise“ und die „außerreligiöse Bedeutungen und Funktionen der Kopfbedeckung“. Mit dem zweiten Punkt soll gezeigt werden, dass das Kopftuch durchaus andere Gründe als die der Religion haben kann, ohne gleich politischen Charakter einzunehmen.

Im dritten Kapitel gehe ich auf das politische Symbol des Kopftuches ein. Das darauffolgende Kapitel behandelt die Stellung des islamischen Mannes in der Debatte ums Kopftuch. In Kapitel 5 rückt die Situation der muslimischen Frau in Deutschland in den Fokus. Die Interviews und eine Stellungnahme zu den Äußerungen finden in Abschnitt 6 ihren Platz. Abschließen möchte ich meine Arbeit mit ein paar eigenen Gedankengängen und einem Fazit.

2. Die Bedeutung des Kopftuchs für muslimische Frauen

Das Kopftuch ist sehr Facettenreich. Die Gründe für oder gegen ein Kopftuch fallen ganz unterschiedlich aus und sind von Frau zu Frau individuell auszulegen.

„Eine Gruppe von Frauen trägt Kopftücher aus religiösem Pflichtbewusstsein. Die nächste, große Gruppe trägt kein Kopftuch. Häufig lehnen diese Frauen das Kopftuch als etwas Bäuerisches und Rückständiges ab (...). Die größte Gruppe von Frauen trägt das Kopftuch aus Gewohnheit und Tradition, einfach weil es zur Kleidung dazugehört. Für sie ist es kein Thema, weder für politische noch für religiöse Diskussionen.“ (Akkent/Franger 1987: 195)

2.1. Die religiöse Sichtweise auf das Kopftuch

Viele Frauen tragen das Kopftuch aus religiösen Gründen. Für sie steht es gar nicht zur Debatte, sich von ihrer Kopfbedeckung zu trennen. Die Antwort dieser Frauen ist ganz einfach: „Mein Glauben schreibt mir das Tragen einer Bedeckung des Hauptes vor, also halte ich mich daran“. Dies dürfte wohl die einleuchtenste Begründung sein. Doch woher genau kommen diese Vorschriften und was verbirgt sich hinter den Aufrufen im Koran?

Im Koran gibt es genau 5 Verse, die das Tragen eines Kopftuches erwähnen (Pape 2005: 15). Der jeweilige Aufruf zum Tragen einer Kopfbedeckung ist immer in einem bestimmten Kontext zu lesen. Sure 33, Vers 59 beispielsweise ruft die Frauen dazu auf, ihren Kopf zu bedecken, sobald sie das Haus verlassen, um so besser als ehrbare Frauen erkannt zu werden.

„Sag Prophet, deinen Gattinnen und Töchtern und den Frauen der Gläubigen, sie sollen (wenn sie austreten), sich etwas von ihrem Gewand (über den Kopf) herunterziehen. So ist es am ehesten gewährleistet, dass sie (als ehrbare Frauen) erkannt und daraufhin nicht belästigt werden.“

Der Ursprung dieses Verses liegt darin, dass die Männer um Mohammed herum, dessen Frauen nicht von Sklavinnen unterscheiden konnten. Letztere galten zu dieser Zeit als „Freiwild“. Mit dem Schleier wollten sie nun erreichen, dass man die ehrbaren Frauen von den Sklavinnen unterscheiden kann, um sie so vor männlichen Übergriffen zu schützen (Oestreich 2004: 16, Pape 2005: 17). Hinter diesem Vers verbirgt sich also zum einen der Schutz vor männlichen Übergriffen, als auch die Unterscheidung von Gläubigen und Nichtgläubigen (Pape 2005: 16).

Ein weiterer Vers, welcher die Bedeutung des Kopftuchs besonders deutlich macht, ist in Sure 24 zu finden:

„Und für diejenigen Frauen, die alt geworden sind und nicht (mehr) darauf rechnen können, zu heiraten, ist es keine Sünde, wenn sie ihre Kleider ablegen (...).“ (Sure 24 Vers 60)

Eine weitere Bedeutung des Tuches besteht nach Interpretation des Verses darin, die Sexualität der Frauen zu kontrollieren (Pape 2004: 16).

Wie auch schon der zu Beginn zitierte Vers aus dem Koran, bezieht sich auch der folgende Vers auf die Gattinnen des Propheten Mohammed. Gott erklärt die Frauen in diesem Abschnitt zu „Müttern der Gläubigen“ und befiehlt ihnen, sich angemessen zu verhalten (Akkent/Franger 1987: 70):

„Und sag den gläubigen Frauen, sie sollen darauf achten , dass ihre Scham bedeckt ist, den Schmuck, den sie (am Körper) tragen, nicht offen zeigen, soweit es nicht (normalerweise) sichtbar ist, ihren Schal sich über den (vom Halsausschnitt nach vorne heruntergehenden) Schlitz (des Kleides) ziehen (...).“

Anhand dieser Auszüge lässt sich also erkennen, dass sich die Tracht der muslimischen Frau und all derjenigen, die sich zum Islam bekennen, aus Bestimmungen entwickelt hat, die der Prophet Mohammed im Koran niederlegte (Akkent/Franger 1987: 157).

Trotz dieser Verse, die alle das Thema Kopftuch behandeln, ist immer noch nicht eindeutig geklärt, ob das Kopftuch nun die Pflicht einer jeden muslimischen Frau ist oder nicht. Dass es einen verpflichtenden Charakter hat, steht jedoch außer Frage. Dafür ist die Bedeckung des Kopfes ein zu großes Thema im Koran. Viele Frauen haben das Tuch jedoch zu ihrer eigenen religiösen Pflicht gemacht, weshalb diese Fragestellung kaum eine Bedeutung für sie hat (Pape 2004: 16-17). Für diese Frauen ist es wichtig, dass man sieht, dass sie nicht mit ihren äußeren Reizen spielen, sondern sich der religiösen Verantwortung bewusst sind. Die inneren Werte sollen in den Vordergrund rücken, nicht die äußere Erscheinung. Das Kopftuch macht somit ihre innere Einstellung zur Religion nach außen hin sichtbar (Oestreich 2004: 139-140).

Das Kopftuch ist nicht Ausdruck einer aufgezwungenen Religion, sondern spiegelt den eigenen Lebensentwurf wider (Beck-Gernsheim 2007: 61). Die Religion wird lediglich vom Elternhaus vermittelt, der Entschluss für das Kopftuch fällt aber bei den Jugendlichen der heutigen Zeit oft aus eigener Überzeugung und nach intensiver Auseinandersetzung mit der eigenen Religion (Pape 2005: 60).

Die Frauen, die sich für die Bedeckung ihres Kopfes entscheiden, haben nicht nur mit den Anhängern des christlichen Glaubens zu kämpfen, welche die Gründe der Kopfbedeckung meist nicht nachvollziehen können, auch muslimische Frauen, verstehen oft die Frauen mit Tuch nicht. Muslimische Frauen, welche die Koranstellen eher aus historischem Kontext heraus interpretieren und aus diesem Grund das Kopftuch ablehnen, meinen oft, Frauen die das Tuch tragen seien reaktionär und rückständig (Akkent/Franger 1987: 47).

2.2. Außerreligiöse Bedeutungen und Funktionen der Kopfbedeckung

Nicht bei jeder Frau, die ein Kopftuch trägt, steht die Religion im Vordergrund. Ist es aus freien Stücken gewählt, fließt die Religion wohl immer mit ein, sie muss aber nicht der einzigste Grund sein und schon gar nicht der Wichtigste.

Man kann sich vorstellen, dass es nicht leicht ist in einem Land zu leben, in dem mehrheitlich eine andere Glaubensrichtung vertreten wird als in dem, wo die Eltern ursprünglich herkommen. Zwar ist bekannt, dass sowohl der Islam als auch das Christentum an ein und den selben Gott glaubt, doch unterscheiden sie sich im Verständnis des Glaubens teilweise erheblich. So auch mit dem Kopftuch. Was für die christliche Welt teilweise fremd wirkt, ist für die islamischen Länder selbstverständlich. Ist man nun selbst in einem christlichen Land wie Deutschland aufgewachsen, fällt es manchen muslimischen Frauen schwer, die Erwartungen zweier Welten zu erfüllen. Mit dem Kopftuch jedoch haben viele für sich einen Weg gefunden, beide Welten miteinander zu verbinden. Sie haben den Konflikt zu einem eigenen Lebensentwurf umgestaltet. Mit dem Tragen der Kopfbedeckung haben sie eine Möglichkeit gefunden, sowohl die kulturellen Erwartungen ihres Elternhauses zu erfüllen, und dennoch am öffentlichen Leben der westlichen Welt teilzunehmen (Beck-Gernsheim 2007: 60).

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Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656201281
ISBN (Buch)
9783656202295
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194840
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,3
Schlagworte
kopftuchdebatte deutschland überzeugung zwänge

Autor

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