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Die Äußere Einflussnahme auf Nationalbewegungen am Beispiel der Albanischen Nationalbewegung

Hausarbeit 2011 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Situation der albanischsprachige Bevölkerung des 19. Jahrhunderts
1.1 Zur allgemeinen Differenzierung der albanischsprachigen Bevölkerung
1.2 Zur religiös-kulturellen Differenzierung der albanischsprachigen Bevölkerung
1.3 Zur Einordnung der Differenzierung der albanischsprachigen Bevölkerung

2. Zur Eingrenzung und Entwicklung der Albanischen Nationalbewegung
2.1 Zu den Auswirkungen der Tanzimat-Reformen
2.2 Die albanische Nationalbewegung und die Bildungsfrage
2.3 Der Russisch-Türkischen Krieg (1877-1878) und die Liga von Prizren

3. Die osmanischen Reformbewegungen und die albanische Frage
3.1 Die osmanischen Reformbewegungen der Jungosmanen und Jungtürken
3.2 Die osmanischen Reformbewegungen und die albanische Frage

4. Dimensionen der äußeren Einflussnahme auf die Albanische Nationalbewegung
4.1 Die osmanischen-muslimische Einflussnahme
4.2 Die Einflussnahme europäischer Mächte und Institutionen
4.3 Die Einflussnahme benachbarter Balkanstaaten

Zusammenfassung und Resümee

Einleitung

Wenn man sich mit dem Thema Nationalbewegungen beschäftigt, führt das oft dazu, dass man Nationalbewegungen mit anderen in Verbindung setzt, sie vergleicht und sie in geistige Strömungen einordnet. Eine andere Herangehensweise um sich diesem Phänomen zu nähern, ist zu ergründen was eine Nationalbewegung so einzigartig macht. Die albanische Nationalbewegung ist, wenn man sie mit anderen Nationalbewegungen vergleicht, und seien es die benachbarter Balkanvölker, in vielen Punkten einzigartig und in ihrem Verlauf von vielen Faktoren beeinflusst worden. Gerade diese Faktoren sind neben dem eigenen Verständnis von Nation, welches im Bezug auf die albanische Nationalbewegung eine Sonderrolle hat, von großer Bedeutung. Über die Wirkung auf die Albaner hinaus verspricht die Ergründung der albanische Nationalbewegung allgemeine Erkenntnisse über die Mechanismen des Nationalismus unter dem Einfluss verschiedenster geistig- politischer Strömungen. Um die Geschichte der albanischen Nationalbewegung zu verstehen ist die Darstellung der Situation, mit der sie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts konfrontiert war die Basis für ein näheres Verständnis. Darauf aufbauend verspricht die Beschäftigung mit ihrer Entwicklung im 19. Jahrhundert weitere Erkenntnis. Um die albanische Nationsbildung jedoch in ihrer Tiefe zu verstehen, bedarf es der Hinwendung zu den äußeren Faktoren denen diese ausgesetzt war. Die folgenden Seiten sollen Aufschluss über die Frage geben, wie stark äußere Faktoren eine Nationsbildung beeinflussen können und inwieweit eine überhaupt Nationsbildung selbstständig seien kann.

1.Die Situation der albanischsprachige Bevölkerung des 19. Jahrhunderts

Das Gebiet, in dem die albanischsprachige Bevölkerung die Bevölkerungsmehrheit im 19. Jahrhundert stellte und als das Kernland der albanischsprachigen Bevölkerung angesehen werden kann, umfasst einen vom Mittelmeer bis ins Zentrum reichenden Teil des westlichen Balkans.1 Das Kernland der albanischsprachigen Bevölkerung war seit Jahrhunderten fester Bestandteil des europäischen Teils des Osmanischen Reiches und im Vergleich zu anderen Teilen des im 19. Jahrhundert immer noch weit ausgedehnten Reiches, recht nah an dessen politischem und kulturellem Zentrum Istanbul gelegen. Für die meisten Mitteleuropäer dieser Zeit begann mit dem Balkan bereits der Orient und somit rechnete man auch dieses Gebiet nicht mehr dem europäischen Kulturkreis hinzu. Ungeachtet davon, dass man auch in Mitteleuropa, spätestens durch die verschiedenen Skanderbeg-Veröffentlichungen, gewisse Kenntnisse von der Existenz einer eigenständigen albanischen Historie hatte und von der Existenz der albanischen Sprache wusste, betrachtete man in weiten Kreisen die Albaner nicht als eigenständige Nation bzw. nicht fähig zur Nationsbildung.2 Unabhängig davon, ob man der betreffenden Bevölkerung bereits im 19.

Jahrhundert den Status einer Nation zuspricht bzw. sie zu einer Nationsbildung fähig sah oder nicht, sollte man festhalten, dass es sich dabei um eine äußerst diffizile Frage handelt. Um diese zu ergründen bedarf es zunächst der Beleuchtung der Situation der betreffende Bevölkerung im 19. Jahrhundert.

Zunächst ist die Verflechtung mit dem Osmanischen Reich, die sich auf mehreren Ebenen äußerte, zu nennen. Als ein Beispiel dafür dient allein die Tatsache, dass Mitte des 19. Jahrhunderts Istanbul die Stadt mit den meisten albanischsprachigen Bewohnern war und diese zudem mit anderen Bewohnern vermischt wohnten.3 Für die Elite boten sich dort die besseren beruflichen und wirtschaftlich Perspektiven und nicht wenige von ihnen waren im Staatsdienst oder beim Militär. Die wirtschaftliche Situation des albanische Kernlandes im 19. Jahrhundert ist als größtenteils unterentwickelt und rückständig zu betrachten, der Handel beschränkte sich größtenteils auf das Reich selbst und feudale Strukturen waren vorherrschend.4 Neben der wirtschaftlichen gab es zudem die religiös-kulturelle Bindung an das Osmanische Reich, dazu an anderer Stelle eine ausführlichere Darstellung.

1.1 Zur allgemeinen Differenzierung der albanischsprachigen Bevölkerung

Abgesehen von diesen Aspekten zur allgemeinen Situation dieser Bevölkerung ist im Bezug auf die Nationsfrage vor allem die soziokulturelle Situation dieser Bevölkerung von größtem Interesse. Zunächst sollte an dieser Stelle festgestellt werden, von welcher Bevölkerung eigentlich die Rede ist. Die albanischsprachige Bevölkerung des 19. Jahrhunderts als Albaner zu generalisieren ist an sich verlockend, da es eine übersichtliche Einteilung in Albaner und Nicht-Albaner ermöglicht. Es wird dieser Bevölkerung als Ganzes aber nicht gerecht, sie als generell homogenes Volk zu betrachten. Daher wird in den folgenden Abschnitten die Bezeichnung „albanischsprachige Bevölkerung“ vorherrschen, um die Unterschiede innerhalb dieser zu verdeutlichen. Aus Sicht der betreffenden Bevölkerung stand diese Frage, zunächst zumindest, ohnehin nicht im Vordergrund, da man sich in erster Linie seiner Religions-Gemeinschaft zugehörig fühlte und die Bindung an den Osmanischen Staat nicht außer Acht gelassen werden darf. Ein weiterer Grund, warum man sich vor einer allzu schnellen Generalisierung der albanischsprachigen Bevölkerung hüten sollte, ist die Tatsache der Aufgliederung dieser in viele soziale Gruppen und Gesellschaftssysteme.

Dieses beginnt bei der Verstreuung der albanischsprachigen Bevölkerung über das gesamte Osmanische Reich und darüber hinaus bei der albanischen Diaspora. Im Kontext der albanischen Nationalbewegung spielte vor allem die im Süden Italiens ansässige albanische Minderheit der Arberësh eine Rolle, daher sei sie an dieser Stelle explizit erwähnt.5

Im Bereich der Albanischen Sprache, dem zentralen Merkmal für die Zuordnung zum albanischen Kulturkreis im 19. Jahrhundert, lässt sich eine hohe Variationsbreite der gesprochenen Mundarten feststellen, von einer einheitlichen albanischen Schrift ganz zu schweigen.6 Der Begriff „Albanische Sprache“ ist im Bezug auf die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts in seiner Bedeutung vielfach eher als Ordnungsbegriff anzusehen, als dass er für die Einheit ebendieser steht. Auch im Bezug auf die albanischsprachige Bevölkerung im albanischen Kernland, äußert sich vor allem auch in der kulturellen Spaltung in die Bevölkerungsgruppen der Tosken und Gegen eine weitere Aufgliederung der albanischsprachigen Bevölkerung.7

Sicherlich ist auch die Zugehörigkeit zu Stammesgesellschaften, welche insbesondere im Norden des albanischen Kernlandes eine große Rolle spielte, ein weiteres Argument für eine sehr heterogene albanischsprachige Gesamtbevölkerung.

1.2 Zur religiös-kulturellen Differenzierung der albanischsprachigen Bevölkerung

Ein weiteres wichtiges Feld auf dem die albanischsprachige Bevölkerung dieser Zeit untereinander verschieden war, ist die Religion. Seit der abgeschlossenen Islamisierung im 16. Jahrhundert spielt der Islam eine dominierende Rolle innerhalb der albanischsprachigen Bevölkerung. Der christliche Glaube konnte sich jedoch in großen Bevölkerungsteilen halten, aufgeteilt auf die orthodoxe und die katholische Kirche.8 Des Weiteren muss im Bezug auf die Anhänger des Islams eine Unterscheidung in Sunniten und Anhänger der Derwisch-Sekten, insbesondere der Bektaschi-Sekte, erfolgen, da diese in Albanien besonders verbreitet waren und eine als eigenständig zu betrachtende kulturelle Prägung hervorriefen.9 Die Relevanz der Religionsfrage offenbart sich nicht nur in der differenten kulturellen Prägung die damit einherging, sondern auch im Bezug auf die Entwicklung des albanischen Schrifttums und der Bildung. Diese war in hohem Maße von dem jeweiligen religiösen Bekenntnis abhängig, denn "den Religionsgemeinschaften oblag das gesamt Unterrichtswesen".10

[...]


1 Vgl. Faensen, Johannes: Die albanische Nationalbewegung. Wiesbaden 1980, S. 9: Kurze Zusammenfassung der Siedlungsgebiete albanischsprachiger Bevölkerung mit Eingrenzung des Kernlandes.

2 Vgl. Free, Jan:Von der Schwierigkeit historischer Bezugnahme: Der albanische Nationalheld Skanderbeg. 2007. S. 10. Free beschreibt in seinem Werk zum Skanderbeg-Mythos dessen Wirkungskraft und stellt zudem fest, dass dieser „auch durch die europäische Kulturwelt des 18. und 19. Jahrhunderts schwebt und eine deutliche Spur vor allem in Frankreich und England hinterlassen hat“. Als Beispiel dafür dient Free die Skanderbeg-Rezeption Benjamin Disraelis „ The Rise of Iskander “, wobei noch zahlreiche weitere Beispiele vorhanden wären.

3 Vgl. Faensen, Nationalbewegung, S. 39.

4 Vgl. Faensen, Nationalbewegung, S. 5-6 sowie S. 21.

5 Vgl. Schubert, Peter: Albanische Identitätssuche im Spannungsfeld zwischen nationaler Eigenstaatlichkeit und

europäischer Integration. Berlin 2003, S.24.

6 Vgl. Faensen, Nationalbewegung, S. 10f.

7 Vgl. Faensen, Nationalbewegung, S.9: Faensen spricht von zwei ethnischen Gruppen im Bezug auf Tosken im Süden und Gegen im Norden des albanischen Kernlandes und führt dies ab S. 10f. weiter aus.

8 Vgl. Schubert, Identitätssuche. S.10-13: Sowohl zur Islamisierung als auch zur Trennung der Katholischen und Orthodoxen Kirche in Albanien.

9 Vgl. Schubert, Identitätssuche. S. 14: Schubert spricht von "vier religiösen Glaubensrichtungen"; Robert Elsie: Der Islam und die Derwisch-Sekten Albaniens. Olzheim 2004. S. 3-6; sowie Faensen, Nationalbewegung, S. 7f.

10 Faensen, Nationalbewegung, S.7

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656200659
ISBN (Buch)
9783656203858
Dateigröße
493 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194766
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Neuere Geschichte
Note
12
Schlagworte
Albanien Osmanisches Reich Nationalbewegung Nationalismus nation building Balkan Jungtürken Liga von Prizren Panhellenismus albanische Nationalbewegung

Autor

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