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Die technische Entwicklung des Kinos

Hausarbeit 2012 20 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Konzeptionelle Grundlagen für die Kinoentwicklung
2.1 Der Begriff der Technik
2.2 Definition des Kinos

3 Technische Entwicklung des Kinos
3.1 Die Entstehung des Kinoapparates
3.2 Der stumme Film und der Wunsch nach Struktur
3.3 DerFilmlerntsprechen
3.4 DieLeinwandbekommt Farbe
3.5 Kino bis heute: Was hat sich noch getan?
3.5.1 Von breit zu digital
3.5.2 Trend und Technik des 3D-Kinos

4 Wahrnehmung des Zuschauers durch den Apparat
4.1 Damals und heute: Die Kamera als formende Technik
4.2 Béla Balázs zur Frage des Menschen auf der Leinwand
4.3 Edgar Morin: Die Erhebung in den Traumhimmel

5 Die Zukunft der Kinotechnik: Was kommt nach 3D?

Anhangsverzeichnis

Literaturverzeichnis

Internetquellen

1 Einleitung

„Lass uns heute Abend ins Kino gehen!”. Einen Film im Kino ansehen gehört mit zu den beliebtesten und international verbreiteten Freizeitaktivitäten. Damit können am Wochenende Lücken der Langeweile geschlossen werden oder aber das Bedürfnis be­friedigt werden, einen visuell geprägten Fantasyfilm unbedingt auf großer Leinwand se­hen zu wollen.

Schon in den Anfängen löste das Kino ein großes gesellschaftliches Interesse aus. Hun­dert Jahre zuvor konnten noch flimmernde, stumme Bilder des Alltags die Menschen ins Staunen versetzen. Aber „der Mensch ist niemals zufrieden. Das ist es, was ihn dazu bringt, große Dinge zu schaffen”.[1] Weltweit wurde an der Technik der Bildprojektion gearbeitet, denn das Ziel war stets, das Leben in der Kamera einzufangen, möglichst so wie es ist. Es wurde nicht eher aufgegeben, bis der Ton auf dem Filmstreifen war und das Bild in Farbe getaucht war.

Mit den Jahren reichte dem Zuschauer aber nicht mehr das bloße Abbild der Realität auf der Leinwand. Er verlangte nach stetiger „Erhhöhung des Spektakels im Bild“.[2] Heutzutage bietet das Kino dem Zuschauer einen Festschmaus für seine Augen und lässt ihn teilweise durch spezielle Brillen eine vollkommen neue Wirklichkeit auf der Leinwand entdecken.

Die Entwicklung der Kinotechnik ist lang und umfangreich, daher werden in dieser Ar­beit nur die wichtigsten und prägensten Phasen erläutert. Der Fokus bleibt stets auf dem Aspekt der Technik haften. Ergänzend werden noch die Zusammenhänge zwischen der Technik als formende Instanz und der Wahrnehmung des Zuschauers aufgezeigt. Dazu wurden zwei bekannte und einflussreiche Werke herangezogen, die sich mit dem Kino und seinen technischen Mitteln auseinandersetzen. Zum Schluss wird ein Blick in die Zukunft des Kinos gegeben und die Frage geklärt, welche technischen Entwicklungen uns wohl noch erwarten werden.

Insgesamt soll auch deutlich werden, dass hinter dem Wort 'Kino' mehr steckt als eine simple Freizeitaktivität.

2 Konzeptionelle Grundlagen der Kinoentwicklung

2.1 Der Begriff der Technik

Das Wort 'Technik' hat sich über die Jahrhunderte hinweg aus diversen ähnlichen Be­griffen entwickelt. In seinen Anfängen bedeuteten die Synonyme von 'Technik' überset­zt zimmern, bauen, hervorbringen oder im Altgriechischen auch 'Handwerk' und 'Betrug an der Natur'. Diese Bedeutungen kamen der heutigen Definition auch am nächsten. „Techné als Fähigkeit umfasst das Ziel und das Wissen, wie es zu erreichen ist sowie die Fertigkeit, dies zu tun”, war eine Definition von Technik unter der früheren Bezeichnung 'Techné'. Erst mit Beginn des 19. Jahrhunderts etablierte sich der Begriff in der Form, wie wir ihn heute verwenden.[3]

Technik in seiner Definition umfasst verschiedene Aspekte. Zum einen wird der Begriff als Gegenstand verstanden, denn Technik ist „ein Ensemble zweckgerichteter künstli­cher Gegenstände“, welche wir Artefakte nennen. Diese Artefakte sind künstliche Ob­jekte, die von Wissenschaftlern und Ingenieuren entwickelt wurden, um einen bestim­mten Zweck zu erfüllen. Ergebnisse dieser technischen Schöpfungen sind Maschinen, Geräte und Apparate, die dem Menschen das Leben erleichtern oder verschönern sollen. Ein weiterer Aspekt ist der Zusammenhang zwischen „Handlungen, Planungen, Wissen und Einrichtungen, die auf die Herstellung technischer Gebilde ausgerichtet sind.“ Der Fokus liegt auf der Entstehung, der Nutzung und auch der Wirkung der genannten Arte­fakte.

Desweiteren wird unter dem Begriff der Technik der Gebrauch der technischen Schöp­fungen untersucht, also wie der Mensch diese zu verwenden hat und wo sie ihren Ein­satz finden.[4]

Technik ist zum einen als Resultat, und zum anderen als Teil menschlicher Tätigkeiten zu verstehen. Es ist ein Produkt und gleichzeitig Mittel, um an das Ziel zu gelangen. Technisch zu handeln ist ein Wesensmerkmal des Menschen, denn die Technik prägt seinen Lebens- und Arbeitsprozess und formt seine Sprache und sein Denken.[5]

2.2 Definition des Kinos

Der Duden hat folgende Übersetzungen für das Wort Kino: zum einen ist Kino lediglich der Raum, in dem einem Publikum Filme vorgeführt werden. Zum anderen ist Kino auch die Vorstellung an sich, also das Vorführen des Films.[6] Die dritte Bezeichnung vereint beides miteinander, denn Kino ist ein Medium und somit „als gesamte Einrich­tung“ zu verstehen.[7]

Dieser technischen Interpretation der Wirklichkeit sitzt ein Publikum gegenüber, welches der Kinointensität vollkommen ausgeliefert ist, starrt es doch frontal, also fluchtperspektivisch, auf die riesige Leinwand, umgeben von stetiger Dunkelheit. Die Zuschauer lachen, staunen, sind gerührt und teilen diese Empfindungen und Kino­erfahrungen mit Freunden.[8] Somit wird das Kino auch zum gesellschaftlichen Ereignis. 'Kino' ist zunächst die simple Abkürzung von 'Kinematograph', dem ersten Aufnahme­apparat. Später wurde der Begriff mit 'Lichtspiel-Theater' übersetzt.[9] 'Kintopp' war ebenfalls eine Abkürzung des Wortes 'Kinematograph' und kam der eigentlichen Bedeu­tung des Kinos schon näher. Mit Kintopp wurde das Kino in seiner sensationsfreudigen Anfangszeit gemeint, verbunden mit der zunächst primitiven Aufführungspraxis.[10]

Das 'Filmtheater' bezeichnete schließlich einen Raum mit stehender Einrichtung, angelegt zur gewerbsmäßigen Vorführung von Filmen.[11] Im Filmtheater erfolgte dann das Lichtspiel, also den 'lesbaren' Film auf der Leinwand als Produkt der Projektion.[12]

3 Technische Entwicklung des Kinos

3.1 Die Entstehung des Kinoapparates

Mit der Entwicklung des Kinematographen Ende des 19. Jahrhunderts fand ein Durch­bruch in der bisher extrem primitiven Technik der bewegten Bilder statt. Der Kine- matograph verband die Elemente Kamera, Kopiermaschine und Projektor in einem Apparat miteinander.[13]

Der revolutionäre Apparat war umgeben von einem Gehäuse, innendrin im Zentrum war eine helle, konzentrierte Lichtquelle.[14] [15] [16] Vor der Lichtquelle, in der Vorderwand des Gehäuses, befand sich eine Sammellinse. Davor wurde die Bildbühne gesetzt, in die der Vorführer die Glasbilder einsteckte. Das Gehäuse war dort mit einer zweiten Sammel­linse verbunden, die die Lichtstrahlen sammelte und kegelartig durch das davorliegende Glasbild warf. Die Linse im Objektiv nahm den Strahlenkegel auf und leitete diesen auf die Leinwand, auf der dann ein vergrößertes Lichtbild entstand.15,16 Der Kinematograph war zudem sehr leicht und einfach zu bedienen.[17]

Das Prinzip des Films war und ist es, einzelne Bilder übereinander zu legen und daraus Bewegung zu erzeugen. Es sind fotografierte Szenen in einer Serie von Momentaufnah­men, die schnell hintereinander auf eine große Leinwand geworfen werden.[18] 15 bis 18 Bilder pro Sekunde waren damals das Maximum an Leistung. Dies war noch eine er­hebliche technische Schwäche, denn die Bildanzahl pro Minute war zu gering, um dem Auge eine fließende Bewegung vermitteln zu können. Das daraus resultierte Flimmern der Bilder schmerzte dem Zuschauer in den Augen.[19] Weitere technische Defizite waren leuchtende Punkte auf der Leinwand, die ab und an auftraten, und das Auge des Zuschauers irritierten, sowie ein gelegentliches Zittern der Bilder und überschnelle Bildabfolgen. Die Filmstreifen waren zudem noch nicht sehr lang und liefen nur einige Minuten. Somit hörte der 'Film' meist im schönsten Moment auf.[20]

3.2 Der stumme Film und der Wunsch nach Struktur

In den Anfängen der Filmgeschichte wurden meist nur alltägliche Szenen gezeigt. Wichtig und spektakulär für die Zuschauer war zunächst nicht was sich bewegte, son­dern dass sich überhaupt etwas bewegte. Die Begeisterung war teilweise aber auch mit Angstsituationen verbunden, z.B. wenn ein Zug im Film in den Augen des Zuschauers direkt auf ihn zuraste.[21] Einige Zuschauer empfanden die grauen, stummen Bilder als furchteinflössend, die Menschen auf der Leinwand wirkten wie Gespenster, und wenn sie an den Rand der Leinwand liefen, verschwanden sie plötzlich irgendwohin.[22]

Die Stummfilmaufführungen wurden schließlich mit Musik begleitet. In den Anfängen gab es oft auch einen Erzähler, der durch den Film leitete, der aber eher als störend empfunden wurde. Zum Teil wurden die Filmdialoge auch von Schauspielern live ge­sprochen, die sich hinter der Leinwand befanden.[23] [24] [25] Der Film musste aber trotzdem so konzipiert sein, dass er seine ganze Wirkung auch ohne akustische Begleitung entfalten konnte.24,25 Materialtechnisch war der Stummfilm sehr abstrakt, künstlich und realitäts­fern. Von der Realwelt, die eigentlich abgebildet wurde, blieb nur eine Welt aus Licht und Schatten mit lautlosen Gestalten.[26]

Zwischen 1906 und 1910 wurden Filmhandlungen erstmals schriftlich fixiert. Vorher bestand kein Bedarf nach einem Drehbuch, da man bei 7 bis 10 Minuten Spielzeit noch nicht von Film sprechen konnte. Außerdem war zunächst nur eine Einstellung möglich, erst ein paar Jahre später konnten durch flexible Einstellungen die Inszenierungen aufwendiger gestaltet werden. Um 1914/15 waren die Filmstreifen schließlich so lang, dass daraus eine Spielzeit von 90 Minuten entstand. Diese mussten mit Handlung gefüllt werden, weshalb sich neue Zeit-, Raum- und Handlungsstrukturen entwickelten. Erzählzeit und Filmzeit klafften aber irgendwann immer mehr auseinander.[27] Damit wurde die Festlegung eines Filmplans und einer narrativen Koordinierung immer wün­schenswerter.

[...]


[1] Regnault, Dr. F.: Líllustration, Nr. 2779, 1896.

[2] Vgl. Kessler, F.: Wort und Bild, 2004, S. 33.

[3] Vgl. von Westphalen, R. Graf: Geschichte der Technik, 1984, S.11.

[4] Vgl. von Westphalen, R. Graf: Geschichte der Technik, 1984, S. 12.

[5] Vgl. von Westphalen, R. Graf: Geschichte der Technik, 1984, S. 13.

[6] O.V., www.duden.de/rechtschreibung/kino,23.01.2012, 16:04Uhr.

[7] Vgl. Müller, M.: Cinématographe Lumiere, 1995, S. 37.

[8] Vgl. Müller, M.: Cinématographe Lumiere, 1995, S. 37f.

[9] Vgl. Reinert, C.: Filmlexikon, 1946, S. 187.

[10] Vgl. Reinert, C.: Filmlexikon, 1946, S. 188.

[11] Vgl. Reinert, C.: Filmlexikon, 1946, S. 130.

[12] Vgl. Reinert, C.: Filmlexikon, 1946, S. 210.

[13] Der Kinematograph wurde von den französischen Brüdern Lumière konzipiert. 1895 fanden die ersten öffentlichen Vorführungen damit statt.

[14] Vgl. Liesegang, F.: Kino-Technik, 1913, S. 15.

[15] Vgl. Liesegang, F.: Kino-Technik, 1913, S. 5.

[16] Siehe Anhang A, S. 13.

[17] Vgl. Thun, R.: Kinotechnik, 1936, S. 122.

[18] Vgl. Müller, M.: Cinématographe Lumiere, 1995, S. 13.

[19] Vgl. Thun, R.: Kinotechnik, 1936, S. 120.

[20] Vgl. Müller, M.: Cinématographe Lumiere, 1995, S. 39.

[21] Vgl. Müller, M.: Cinématographe Lumiere, 1995, S.51.

[22] Vgl. Müller, M.: Cinématographe Lumiere, 1995, S. 52.

[23] Vgl. Müller, C.: Stummfilm, 2003, S. 85.

[24] Vgl. Müller, C.: Stummfilm, 2003, S. 144.

[25] Weitere Ausführungen in Punkt 4.2.

[26] Vgl. Müller, C.: Stummfilm, 2003, S. 138.

[27] Vgl. Kessler, F.: WortundBild, 2004, S. 31ff.

Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656201007
ISBN (Buch)
9783656201700
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194755
Institution / Hochschule
Rheinische Fachhochschule Köln
Note
2,00
Schlagworte
entwicklung kinos kino technik 3d kinematograph

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