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In der Weihnachtsdicherstube. Stundenentwurf zur Untersuchung von Gedichten in der 6. Klasse

Unterrichtsentwurf 2011 25 Seiten

Didaktik - Deutsch - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Ziele der Stunde
1.1) Grobziel
1.2) Feinziele

2) Situation der Lerngruppe
2.1) Allgemeine Situation der Lerngruppe
2.1.1) Entwicklungs- und lernpsychologische Voraussetzungen
2.1.2) Sozial-kulturelle Voraussetzungen
2.1.3) Sozial-kommunikative Voraussetzungen
2.2) Äußere Lernbedingungen
2.3) Eigene Lehrsituation

3) Didaktische Überlegungen und methodisches Herangehen
3.1) Einordnung der geplanten Unterrichtssituation in die Stoffeinheit
3.2) Einbettung der geplanten Unterrichtssituation
3.3) Sach-Struktur-Diagramm
3.4) Sachanalyse
3.5) Didaktische Reduktion
3.6) Didaktische Überlegungen und methodische Entscheidungen

4) Geplanter Unterrichtsentwurf

5) Anhang (Auszüge)
5.1) Sitzplan
5.2) Geplantes Tafelbild
5.3) Aktives Gedicht

Literatur- und Quellenverzeichnis

1) Ziele der Stunde

Die Zielstellungen der vorliegenden Unterrichtsstunde orientieren sich an der aktuellen Klassensituation sowie am Kenntnisstand und den Lernvoraussetzungen der Schüler1. Folgende Zielformulierungen gehen auf das Kompetenzmodell des Thüringer Lehrplans für das Fach Deutsch zurück2.

1.1) Grobziel

In dieser Jahrgangsstufe entwickeln die Schüler das in den vorangegangenen Schuljahren geübte sinnerfassende und sinngestaltende Lesen anhand lyrischer Texte weiter. In diesem Zusammenhang erweitern sie ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten im Umgang mit poetischen Texten auf formaler, inhaltlicher und kreativer Ebene. Darüber hinaus fordern und fördern sie ihre Selbstkompetenz durch das Äußern eigener Gedanken und Gefühle zu Gedichten.3

1.2) Feinziele

Lernziel im Bereich der Sachkompetenz

(1) Die Schüler sind selbstständig in der Lage, unter Verwendung des ihnen zur Verfügung stehenden Merkblattes ihre bereits erlangten Kenntnisse zur Arbeitstechnik der Gedichtuntersuchung zu wiederholen und zu festigen, indem sie die wesentlichen Merkmale zum Aufbau und Inhalt eines Gedichtes auf ein vorgegebenes Gedicht anwenden können.

Lernziele im Bereich der Methodenkompetenz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Lernziel im Bereich der Sozialkompetenz

(16) Die Lernenden übernehmen zunehmend Verantwortung für ihren Lernprozess, indem sie in selbstgewählter Einzel- oder Partnerarbeit die ihnen bekannten Verhaltensregeln während der Lerntheke akzeptieren und mithilfe der Visualisierung an der Tafel sowie durch wenige verbale Impulse der Lehrerin weitestgehend einhalten.

(17) Die Schüler können zunehmend den fortlaufenden Unterrichtsverlauf mitbestimmen, indem sie die Arbeit in der Lerntheke reflektieren und daraus Wünsche und Erwartungen für darauffolgende Stunden während der offenen Unterrichtsform ableiten sowie nachvollziehbar auf den Wunschzettel notieren.

Lernziele im Bereich der Selbstkompetenz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(19) Die Schüler sind imstande, ohne Hilfe des Lehrers ihre Arbeitsergebnisse übersichtlich und sauber in ihren Hefter zu schreiben und diese anschließend mithilfe der entsprechenden Lösungsvorlagen eigenverantwortlich zu vergleichen, zu ergänzen und zu berichtigen.

(20) Die Schüler entwickeln die Fertigkeit weiter, ihren individuellen Leistungsstand realistisch einzuschätzen und in selbstständiger Einzel- oder Partnerarbeit aus den differenziert aufbereiteten Materialien ein Lernangebot auszuwählen sowie dieses inhaltlich richtig und vollständig zu bearbeiten.

2) Situation der Lerngruppe

2.1) Allgemeine Situation der Lerngruppe

2.1.1) Entwicklungs- und lernpsychologische Voraussetzungen

Die Heranwachsenden der Klasse 6b befinden sich im Alter zwischen 11 und 12 Jahren. Entwicklungspsychologisch und -physiologisch lassen sie sich demnach in die Phase der frühen Adoleszenz einordnen4. In diesem Lebensabschnitt vollzieht sich für die Heranwachsenden ein bedeutender körperlicher, kognitiver und psychosozialer Reifeprozess5.

Zimbardo spricht bezüglich der physischen Entwicklung von einem „präadoleszenten Wachstumsspurt“6. Er bezieht sich dabei auf die Veränderung der Körpergröße, des Gewichts sowie der Ausprägung der Geschlechtsmerkmale der Jugendlichen. In der Lerngruppe lässt sich dahingehend eine weitestgehend homogene Entwicklung konstatieren. Lediglich K ist körperlich weiter entwickelt als ihre Mitschüler, obwohl sie sich im gleichen Alter befindet.

Desgleichen ist eine kognitive Entwicklung bei den Lernenden zu verzeichnen. Im Allgemeinen nutzen sie zunehmend ihre Kenntnisse und Erfahrungen, um Vorgänge und Tatsachen strukturiert zu realisieren. In diesem Zusammenhang festigen sie ihre motorischen und kreativen Fertigkeiten im Umgang mit Medien und Materialien, setzen eigene Begabungen um und fördern ihre Konzentrationsfähigkeit. Sie entwickeln im Arbeitsprozess ein individuelles Zeitmanagement, welches an die organisatorischen Rahmenbedingungen des Lernorts angepasst ist. Darüber hinaus betrachten sie eigene Defizite und Konflikte unter verschiedenen Blickpunkten und versuchen nachhaltige Lösungen zu finden7. Ferner entwickeln sie sukzessive ein Bewusstsein für die Bedeutung von Lerninhalten. Ein Großteil der Klasse 6b hat diese „formal-operationale Phase“8 bereits erreicht und bewegt sich allmählich auf die Jugendphase zu. Lediglich K, O, S und B befinden sich noch in einem frühen Stadium der „adoleszenten Phase der kognitiven Entwicklung“9 und verfügen demnach in Ansätzen über diese psychische Reife.

2.1.2) Sozial-kulturelle Voraussetzungen

Die Schüler der Klasse 6b kommen aus dem Einzugsgebiet der Schule. Im Hinblick auf die sozialen Hintergründe herrscht eine Divergenz in der Klasse. Zwar stammen die Schüler überwiegend aus gut bis sehr gut situierten Familien, hingegen gibt es Lernende, deren Eltern aufgrund von Arbeitslosigkeit finanzielle Nöte aufweisen. Bezüglich der familiären Bedingungen der Schüler sind ebenfalls Unterschiede festzustellen. Der Teil der Klasse wächst in intakten Familienverhältnissen auf. Daneben leben andere Schüler in Patchworkfamilien oder bei nur einem Elternteil. Einzelne Lernende weisen einen Migrationshintergrund auf. Zudem besitzen zwei Schüler jeweils ein Elternteil, das einer anderen Nationalität angehört. Diese Besonderheiten sind jedoch im Schulalltag nicht nachvollziehbar.

2.1.3) Sozial-kommunikative Voraussetzungen

Die Klasse 6b ist im Kollegium als aufgeschlossen, lieb, freundlich und respektvoll bekannt. Dies sorgt im Allgemeinen für eine angenehme Atmosphäre im Unterricht und in den Pausen. Daraus konnte sich seit Beginn des Schuljahres 2011/ 2012 ein gutes LehrerSchüler-Verhältnis zwischen den Lernenden und mir entwickeln. Die Lernenden pflegen weitestgehend einen altersspezifisch angemessenen Umgang miteinander, wenngleich die Geschlechter bislang separiert voneinander auftreten. Daraus hervorgehend lässt sich bezüglich der Gruppendynamik eine klare Geschlechtertrennung konstatieren. Eine enge, freundschaftliche Bindung herrscht zwischen P, L, F und I sowie D und C. Bei den Mädchen hat sich aufgrund der Sitzordnung in Tischgruppen eine Freundschaft zwischen R, S, Q und T entwickelt. Auch K, H, M und G verbrin- gen in der Schule viel Zeit zusammen. Darüber hinaus agieren die Mädchen auch über diese Gruppenkonstellationen miteinander. Die anderen Heranwachsenden können nicht konkret einer bestimmten Gruppe zugeteilt werden. Sie suchen zu vielen Mitschülern Kontakt. B, O und A nehmen innerhalb der Klasse Sonderrollen ein. Nach Aussagen der Klassenlehrerin werden B und O von ihren Klassenklameraden toleriert, wenngleich der Umgang mit ihnen in der Pause gemieden wird. A konnte seine Rolle innerhalb des Klassengefüges noch nicht finden. Oft gerät er in Ausei- nandersetzungen mit Jungen, wie P und I. Dabei flüchtet er sich gern in die Opferrolle, obwohl die Konfliktursache häufig bei ihm liegt. Dennoch ist er bemüht, sich in das allgemeine Klassenkonstrukt zu integrieren.

Bei der Lerngruppe handelt es sich um eine leistungsstarke und lernwillige Klasse. Dies ist anhand folgender Faktoren ersichtlich. Die Schüler kennen und akzeptieren die Form des individuellen Stundenbeginns. In diesem Zusammenhang genügen in der Regel das präsente Auftreten der Lehrerin vor der Klasse sowie der verbale Hinweis für den Stundenbeginn. In wenigen Situationen muss dieser durch ein Glockenzeichen unterstützt werden. Außerdem kennen sie die Verhaltens- und Gesprächsregeln in Formen des frontalen sowie offenen Unterrichts, welche sie akzeptieren und weitestgehend beachten. Ferner sind sie mit der Umsetzung verschiedener Sozialformen vertraut. Das angenehme Klima sowie die souveräne Arbeitseinstellung der Klasse, ermöglicht die Durchführung der Sozialformen sowohl durch Zuweisung als auch durch selbstständige Entscheidung der Lernenden. Nur selten besteht die Notwendigkeit, verbale Impulse zur Einhaltung der ihnen bekannten Verhaltens- und Gesprächsregeln zu geben. Diese nimmt ein Großteil der Heranwachsenden stets an und richtet ihr Handeln daran aus. Lediglich J fällt manchmal negativ auf. Temporär bedingt sind auch R, E, S und T verhaltensauffällig. J offeriert in Abhängigkeit seines tagesformbedingten Befindens des Öfteren mangelnde Lernbereitschaft, indem er sich negierend zu Arbeitsaufträgen äußert. Die Mädchengruppe zieht es zeitweise vor, während der Arbeitsphasen private Gespräche zu führen. Durch individuelle Zuwendung oder Ermahnung können die Heranwachsenden jedoch beruhigt und zur Weiterarbeit an ihren Aufgaben motiviert werden.

Arbeitsaufträge löst ein Großteil der Heranwachsenden konzentriert und zügig. Viele Schüler scheuen sich nicht davor, bei Unklarheiten Fragen zu stellen und nehmen die Hilfe der Lehrerin oder von Mitschülern dankend an. O und B verfügen über einen pädagogischen Förderplan im Bereich des Lernens. Sie beanspruchen jedoch selbstständig bei Bedarf die Hilfe durch die Lehrerin oder den Banknachbarn. Auch S und N benötigen und ersuchen zeitweise die besondere Aufmerksamkeit zur individuellen Förderung. Lediglich K benötigt generell Unterstützung bei der Bearbeitung von Aufträgen, aufgrund ihres mangelnden Verständnisses der Aufgabenstellungen. Da sie selbstständig keine Unterstützung beim Lernen sucht, ist es wesentlich, ihr als Lernberaterin beiseite zu stehen. Ein Lernpartner aus der Klasse könnte in diesem Zusammenhang ebenso eine positive Wirkung erzielen. Da K jedoch ein hohes Maß an Hilfe benötigt, würde er den eigenen Lernprozess vernachlässigen.

2.2) Äußere Lernbedingungen

Der große, helle Klassenraum der 6b befindet sich im ersten Stock. Die lange Fensterfront zeigt frontal auf eine stark befahrene Straße. Zudem steht auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine Kirche, die zu jeder vollen Stunde ein Glockenspiel erklingen lässt. Das Öffnen des Fensters ist somit mit einem erhöhten Geräuschpegel verbunden, der in Arbeitsphasen einen Störfaktor darstellt. Der Sitzplan der Klasse folgt dem Prinzip der Tischgruppen10. Diese aufgelockerte Sitzordnung bietet eine angenehme Lernumgebung für die Umsetzung offener Unterrichtsformen, wie der Lerntheke.

Aufgrund des Baus der Turnhalle wurden zu Beginn des Schuljahres der Sport- sowie Deutschunterricht im Stundenplan verlagert. Dies führte dazu, dass die Lernenden donnerstags drei Stunden Deutsch in Folge haben. Es bietet die mögliche Problemsituation der Demotivation gegenüber dem Fach sowie eine daraus resultierende Unruhe in der Lerngruppe.

2.3) Eigene Lehrsituation

Ich unterrichte die Klasse 6b seit August 2011 im Fach Deutsch. Demgemäß verbringe ich wöchentlich vier Unterrichtstunden mit den Heranwachsenden. Das aufgeschlossene und respektvolle Wesen der Lerngruppe ermöglichte die schnelle Entwicklung eines guten Lehrer-Schüler-Verhältnisses. Exemplarisch hierfür stehen die netten Begrüßungen vieler Schüler am Morgen beim Betreten des Klassenraums, die Kontaktaufnahme zu mir in den Pausen sowie die aktive Mitarbeit eines Großteils der Lerngruppe während des Unterrichts.

[...]


1 Aus sprachökonomischen Gründen werden die Bezeichnungen Schüler, Heranwachsende und Lernende für beide Geschlechter verwendet.

2 Vgl. Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur (Hrsg.): Lehrplan für den Erwerb des Haupt- und Realschulabschlusses Deutsch. Erfurt 2011.

3 Es ist darauf hinzuweisen, dass die Lernziele 1 bis 10 und 18 erst am Ende der Lerntheke für alle Schüler abrechenbar sind.

4 Vgl. Mietzel, Gerd: Wege in die Psychologie. 12. Aufl., Stuttgart 2005. S. 108.

5 Vgl. Zimbardo, Philip G.: Psychologie. 4. neubearbeitete Auflage. Berlin/ Heidelberg 1983. S. 147.

6 Ebd. S. 147.

7 Vgl. Ebd. S. 147.

8 Ebd.

9 Ebd.

10 Siehe Kapitel 5.1) S. 21.

Details

Seiten
25
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668259232
ISBN (Buch)
9783668259249
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194691
Note
13
Schlagworte
weihnachtsdicherstube studenentwurf untersuchung gedichten klasse

Autor

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Titel: In der Weihnachtsdicherstube. Stundenentwurf zur Untersuchung von Gedichten in der 6. Klasse