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Glücksforschung und ihre Bedeutung für den Wohlstand von Nationen

Über Begriffsbestimmungen, Erhebung subjektiver Daten, Forschungsergebnisse und Implikationen

Bachelorarbeit 2012 43 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Die Definition des Begriffs Happiness
1.2 Theories of Happiness: Traditionelle Theorien
1.2.1 Hedonism
1.2.2 Desire Theory
1.2.3 Objective Theory
1.2.4 Authentic Happiness
1.3 Zur Unzulänglichkeit üblicher Maßzahlen des Wohlstands einer Nation
1.3.1 Alternative Ansätze und Ergänzungen
1.4 National Time Accounting

2 Erhebungsmethoden, Ergebnisse und Mechanismen
2.1 Unterschiedliche Wahrnehmungen – Experiencing-Self vs. Remembering-Self
2.2 Das Spektrum der Erhebungsmethoden – objektive und subjektive Daten
2.3 Experience Sampling Method (ESM)
2.4 Day Reconstruction Method (DRM)
2.5 Flourishing Scale (FS), Scale of Positive and Negative Experience (SPANE)
2.6 Verzerrungen und Messprobleme bei Erhebungen zu SWB
2.6.1 Kardinal vs. Ordinal – Der U-Index
2.6.2 Life Satisfaction als relatives Urteil – Die Focusing Illusion
2.6.3 Peak-End Rule: Warum Zeit (k)eine Rolle spielt
2.7 Bekannte Phänomene und Begrifflichkeiten im Detail
2.7.1 Hedonic Treadmill: Wie Aspiration Levels und Adaptation wirken
2.7.2 Set Points: Wie Gene Zufriedenheit beeinflussen
2.7.3 Process vs Output Benefit: Warum der Weg wichtiger als das Ziel sein kann
2.7.4 Anticipation error: Das Kinder-Paradoxon
2.8 Bestimmende Einflussfaktoren auf SWB und Wechselwirkungen
2.8.1 Happy is Healthy: Auswirkungen auf die Gesundheit
2.8.2 Living the Social Life: soziale Interaktionen und deren Einfluss
2.8.3 Personality Matters: Der Einfluss der Persönlichkeit
2.8.4 Socio-demographic Factors: Der Einlfuss von Alter, Geschlecht und Religion
2.8.5 Economic and Social Indicators: Umwelteinflüsse und ihre Wirkung
2.9 Internationale Vergleichbarkeit und Kulturunterschiede

3 Diskussion offener Fragen und Implikationen auf volkswirtschaftlicher Ebene
3.1 Can Money buy Happiness?: Über die Entgeltlichkeit der Zufriedenheit
3.2 The Happiness Fallacy: Glück als absolutes Imperativ
3.3 Politics and Happiness: Wie die Lage der Nation die Zufriedenheit beeinflusst

4 Conclusio

5 Abbildungsverzeichnis

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Seit jeher stellen sich Philosophen die selbe Frage: Was ist unser höchstes Gut? Zeitgenössische Zyniker werden Banken und Geld antworten. Jedoch fällt den meisten Menschen eine Antwort nicht so leicht. Bereits Aristoteles meinte, dass Glück[1] das höchste Gut sei. Um zu erforschen, was die Menschen unter diesem Begriff verstehen und wie sie davon beeinflusst werden, bildete sich ein Studienfeld, dass nun seit Jahrzenten versucht, dieses Thema zu ergründen.

Die Frage, wie und womit man wirklich glücklich ist, war lange nicht salonfähig. Sie hatte (und hat für viele Menschen noch immer) den fahlen Nachgeschmack, den zweitklassige Selbsthilfeliteratur hinterlässt und wurde bestenfalls als Esoterik abgetan. Ob Literat Gustave Flaubert: „To be stupid, selfish, and have good health are three requirements for happiness, though if stupidity is lacking, all is lost“, Politiker Charles De Gaulle: „What do you take me for, an idiot?” (als er gefragt wurde, ob er glücklich sei) oder Psychoanalytiker Sigmund Freud: „Optimism is widespread but illusory”, sie alle hatten kein schmeichelndes Bild von Happiness oder Optimismus. Nicht nur große Persönlichkeiten der Geschichte äußern sich in solcher Weise, gerade in der Hochkonjunktur des Finanzkapitalismus scheint diese Meinung weit verbreitet, wie auch Shawn Achor(2011) zu berichten weiß. In einem Artikel der Harvard Business Review beschreibt er das Gespräch mit einem Aktienhändler in New York, der verkündete: „Happy people are the ones who don’t get it.“

Doch sind glückliche Menschen wirklich nur naiv, oberflächlich und unrealistisch? Sind sie wirklich weniger erfolgreich oder leistungsfähig und spielt das Thema Happiness überhaupt keine Rolle, wenn es um den Wohlstand einer Gesellschaft geht?

Martin Seligman (2008) erklärte, dass für mehr als 70 Jahre das vorherrschende Modell der Psychologie das Krankheitsmodell war. Vor allem die Theorien Freuds konzentrierten sich auf ein Modell der Pathologie, welches natürlich zur Überbetonung von Krankheitsbildern neigt (Friedman & Schustack, 2004). Schließlich führte das Fehlen der Aufmerksamkeit dafür, was einen Menschen glücklich macht, zur Entwicklung der positiven Psychologie, die sich genau damit beschäftigt.

Nicht nur in der Psychologie erkannte man die Bedeutung von seelischem Wohlstand, auch in den Wirtschaftswissenschaften, der Medizin, der Politik und vielen anderen Bereichen bekommt dieses Thema immer mehr Aufmerksamkeit. Schließlich entwickelte sich ein mittlerweile beachtliches Feld der Studies of Happiness, in welchem mit dem Nobelpreis prämierte Wissenschaftler tätig sind.

Diese Arbeit soll im Folgenden einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung, deren Methoden zur Erfassung relevanter Daten und die Bedeutung der Ergebnisse für die Gesellschaft, die Politik und die Wirtschaft bieten. Zuerst werden verschiedene Begriffskonzeptionen erklärt und eine Heranführung an den Ausgangspunkt zu den Erhebungsmethoden geboten. Im zweiten Abschnitt werden diese genauer erläutert, als auch ihre Ergebnisse besprochen. Schließlich werden im dritten Abschnitt der Arbeit ausgewählte Spezialfragen näher behandelt.

1.1 Die Definition des Begriffs Happiness

Wenn Wissenschaftler von Quality of Life sprechen, inkludiert dies alle Emotionen, Erfahrungen, Erwartungshaltungen und Errungenschaften, welche in die Vorstellung eines guten Lebens passen. Subjective Well-Being wiederum besteht aus zwei bzw. drei Komponenten: Es benennt einerseits das Ausmaß der Neigung eines Menschen zu positiver Affektivität und negativer Affektivität[2] und andererseits das subjektive Urteil eines Individuums über sein Leben. Hier wird der Begriff Life Satisfaction verwendet. Happiness ist schließlich der mehr populärwissenschaftliche Begriff, der synonym oder zusammenfassend verwendet wird (Peterson, 2006). Ed Diener (2008) nennt den Begriff Psychological Wealth, welchen er als das Erfahren von Happiness und Satisfaction durch nicht materielle Dinge wie Spiritualität, Beziehungen, positive Attitüden und dem Verfolgen bedeutender Ziele definiert. Subjective Well-Being beinhaltet zwar objektive Sachverhalte, greift jedoch auch auf Interpretationen der Person selbst hinsichtlich wichtiger Lebensumstände wie Beziehungen, Arbeit und Gesundheit zurück und erfasst auch ihre Emotionen, positive wie negative.

Obgleich der vorangegangenen Definitionen, kommt Frey (2002) zum Schluss, dass keine genaue Definition des schwer fassbaren Begriffs Happiness gegeben werden kann, dies jedoch kein Problem darstellt, da die Individuen selbst gefragt werden, wann sie glücklich sind und angenommen werden kann, dass sie dies am besten einschätzen[3] können und schließlich so eine Eingrenzung des Begriffs von außen nicht notwendig sei.

Bevor nun auf die Erhebungsmethoden näher eingegangen wird, soll ein kurzer Überblick über traditionelle Theorien bezüglich Happiness gegeben werden, die auch als Ausgangspunkt für die Erhebung der Daten dienen.

1.2 Theories of Happiness: Traditionelle Theorien

Die nachfolgenden Ausführungen orientieren sich großteils an Seligman & Royzman(2003) sowie Seligman (2008) und geben auch einen historischen Überblick über das Thema.

1.2.1 Hedonism

Hedonismus ist eines der ältesten Konzepte in diesem Bereich. Der Mensch wird als Hedonist geboren, ein Säugling strebt danach, den Genuss zu maximieren, Schmerzen und Angst jedoch zu minimieren. Christliche Philosophen wiederum taten Hedonismus als unmoralisch und vulgär ab, nicht der reine Genuss sollte die größte Rolle spielen, sondern Tugenden (Peterson, 2006). Auch Aristoteles meinte nicht Hedonismus, sondern sprach von Eudämonie, d.h. das Leben in Einklang mit seinem wahren Selbst, dem „daimon“ zu leben (Frey & Stutzer, 2002).

Der schottische Philosoph David Hume (1711-1776) und der britische Philosoph Jeremy Bentham (1748-1832) legten später mittels des Hedonismus den Grundstein des Utilitarismus, welcher besagt, dass Pleasure (Vergnügen, Genuss) gemessen werden kann. Dieses Konzept des „Hedonometers“ wurde von Nobelpreisträger Kahneman aufgegriffen und weiterentwickelt[4]. Hedonic Well-Being in diesem Sinn umfasst nicht nur physischen Hedonismus, sondern auch den Nutzen, der aus dem Verfolgen wichtiger Ziele oder dem Erreichen anderer wichtiger Ergebnisse entsteht.

Obwohl Hedonismus und Eudämonie als distinkt zu betrachten sind, korrelieren die Messwerte der beiden Theorien großteils.

1.2.2 Desire Theory

Wie der Name impliziert, ist es bei Griffins (1986) Theorie am wichtigsten, das zu bekommen, was man will, egal ob der Weg dorthin mit positiven oder negativen Gefühlen verbunden ist. Dies ermöglicht, Paradoxa, die durch Anwendung der Hedonismus-Theorie entstehen, zu erklären. Ein Beispiel, welches immer wieder in diesem Zusammenhang genannt wird, sind die letzten Worte Wittgensteins, dessen Leben durch negative Emotionen und Leid geprägt war: „Tell them I have had a wonderful life.“ (Monk, 1990, in Peterson, 2006, S. 82) Nach der Theorie des Hedonismus müsste man diese Aussage als falsch bewerten, doch für die Desire Theory spielt das Leid während seines Lebens nicht die entscheidende Rolle.

1.2.3 Objective Theory

Die Objective Theory (Nussbaum, 1992; Sen, 1985) adressiert das Problem der Desire Theory, dass nicht jedes Ziel zu einem glücklichen Leben verhilft, sonst würden einfachste Ziele, wie das Sammeln von Briefmarken, zu einem erfüllten Leben führen. Sie stellt eine Liste von verfolgenswerten Zielen auf, wie z.B. Karriere, erfüllende Freundschaften, gute Gesundheit etc. Obwohl diese Liste Dinge enthält, die jeder Mensch als lohnend empfindet, können Emotionen und Wünsche nicht ganz außer Acht gelassen werden.

1.2.4 Authentic Happiness

Seligman (2003) hat eine Synthese dieser drei Ansätze entwickelt, die Authentic Happiness. Diese umfasst drei Arten von Leben: The Pleasant Life, The Good Life und The Meaningful Life. Hier werden alle drei traditionellen Theorien vereint, bei ersterem geht es um Erfahren und Erhalten von positiven Gefühlen. Doch da ca. 50 Prozent der Fähigkeit, positive Emotionen zu erleben, vererbt sind und sich die Erfahrung mit der Zeit abnutzt, muss es noch mehr geben, das wirklich glücklich macht, wo die zuvor genannten Theorien einspringen. Seligman referenziert in diesem Zusammenhang auf Eudämonie und auch auf Csikszentmihalyis Konzept des Flows.

1.3 Zur Unzulänglichkeit üblicher Maßzahlen des Wohlstands einer Nation

In der Praxis wird der Wohlstand einer Nation durch den wirtschaftlichen Fortschritt gemessen. Das BIP ist das wichtigste Instrument in diesem Gebiet um Nationen zu vergleichen. Hierbei wird angenommen, dass der Wert eines Gutes dem Grenznutzen dieses Gutes für den Konsumenten entspricht. D.h., dass in einem perfekten Markt der Preis dem Grenznutzen entspricht. Das ermöglicht zwar eine Erhebung vergleichbarer Daten, doch hat das BIP, genauso wie andere Komponenten der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, gravierende Schwächen.

Frey (2002) und Krueger et al. (2009) nennen einige Kritikpunkte: Frey argumentiert, dass die intramarginalen Einheiten, die vom Konsumenten konsumiert und zum Gleichgewichtspreis gekauft wurden, einen höheren Nutzen als den Grenznutzen stiften (consumer surplus). Daher sei der herangezogene aggregierte Produktkorb unterbewertet. Man darf außerdem nicht vergessen, dass von perfekten Märkten ohne Verzerrungen ausgegangen wird, die in der Praxis selten sind. Ein weiter Kritikpunkt ist, dass das BIP keine nicht am Markt angebotenen Güter und Dienstleistungen mit einbezieht (Haushaltsproduktion). Außerdem werden sogenannte „regrettables“ mit eingerechnet. Das bedeutet, dass die Zerstörung von Nutzen, z.B. ein Autounfall, durch die Ausgaben für die Beseitigung und die Herstellung eines neuen Autos das BIP scheinbar erhöht. Schließlich wird durch Messen der wirtschaftlichen Aktivität durch Preise ein Diamant als nützlicher als Wasser angesehen, was aus gesellschaftlicher Sicht zu bezweifeln ist. Nicht nur diese Schwächen in der Berechnung des BIPs sondern auch das simple Ignorieren des Nutzens von sozialen Interaktionen, Freizeit etc. ist zu bemängeln, immerhin erreichen Haushaltsproduktion und Freizeitaktivitäten bis zu 150 Prozent des BIPs (Frey & Stutzer, 2002, S. 38). Im Ländervergleich zeigen sich auch massive Unterschiede im Ausmaß der Schattenwirtschaft, was eine Vergleichbarkeit weiter schwächt. Außerdem beinhaltet die Messung unseres Wohlstandes große Widersprüche, das BIP zählt Luftverschmutzung und die Zerstörung der Umwelt hinzu, lässt jedoch keine Berücksichtigung der Gesundheit der Menschen, der Courage von Beamten oder der Qualität des Bildungssystems zu (Krueger, Kahneman, Schkade, Schwarz, & Stone, 2009, S. 10)

Schließlich basieren traditionelle ökonomische Modelle auf einem fundamentalen Fehler: Sie nehmen an, dass Menschen nur das wollen, was sie auch mögen. Der „Cute Puppy Error“ (Diener & Biswas-Diener, 2008) beinhaltet genau dieses Problem und zeigt es am Beispiel von Kindern, die sich einen Hund wünschen, jedoch sobald sie ihn bekommen, jegliches Interesse an ihm verlieren. Dies liegt daran, dass „etwas haben wollen“ nicht immer „etwas mögen“ bedeutet. Psychologen beschreiben zwei seperate Systeme im Gehirn, die für „mögen“ und „wollen“ zuständig sind. Da sich also der Mensch selbst nicht immer über seine Präferenzen im Klaren ist, ist es problematisch, auf einer Rationalität des Selbigen aufzubauen.

1.3.1 Alternative Ansätze und Ergänzungen

Natürlich blieben diese Mängel nicht unentdeckt und es mehren sich die Alternativkonzepte. Konzepte wie die Nachhaltigkeit des Wohlstands (Weitzmann 1976, in Frey & Stutzer, 2002) versuchen, die Abschreibung der Aktiva zu berücksichtigen und so zu einem nachhaltigen Produktionspotential zu gelangen. Der Index of Sustainable Economic Welfare (Daly & Cobb, 1989, in Frey & Stutzer, 2002) versucht, die Einkommensverteilung zu berücksichtigen.

Die New Economics Foundation[5] (nef) schlägt Konzepte wie den Happy Planet Index (HPI) vor. Hinter dem HPI verbirgt sich die Idee, Happiness mit dem ökologischen Fußabdruck einer Nation zu vergleichen und legt so speziellen Nachdruck auf ökologische Nachhaltigkeit. Der HPI zeigt, dass nicht die Maximierung des BIPs alleine für Wohlstand sorgt. Costa Ricas Einwohner zählen zu den glücklichsten Menschen mit der zweitlängsten Lebenserwartung der Welt und hinterlassen gleichzeitig einen sehr kleinen ökologischen Fußabdruck (Marks, Steuer, Juliet, Thompson & Abdallah, 2011)

Auch die Politik widmet der Problematik, dass gewöhnliche Maßzahlen nicht den wahren Wohlstand einer Nation messen, immer mehr Aufmerksamkeit. Der britische Premier David Cameron rief zur Debatte über die Integration von „General Well-Being“ auf (The Guardian, 2010), der französische Präsident Sarkozy beauftrage die Nobelpreisträger Joseph Stiglitz und Amartya Sen mit der Elaboration eines geeigneten Konzepts (Telegraph, 2009). Kanada und Australien leiteten ebenfalls ähnliche Schritte ein (Krueger, 2009, S. 1). Dieses Umdenken der Regierungen ist äußerst wichtig für die Erhöhung des Wohlstands einer Nation, da entgegen der Annahme, dass Happiness eine individuelle Angelegenheit sei, hat die Gesellschaft, in der das Individuum lebt, großen Einfluss[6].(Diener & Biswas-Diener, 2008, S. 132)

1.4 National Time Accounting

Krueger et al. (2009) stellen ebenfalls einen alternativen Weg, den Wohlstand einer Gesellschaft zu messen, vor, welcher auf der Verwendung der Zeit und der affektiven (emotionalen) Erfahrung währenddessen basiert. Sie beschreiben ihren Ansatz wie folgt: „National Time Accounting (NTA) is a set of methods for measuring, categorizing, comparing and analyzing the way people spend their time, across countries, over historical time, or between groups of people within a country at a given time.”

Der Vorteil der NTA ist, dass es bereits ähnliche Erhebungen gibt. Das Bureau of Labor Statistics (BLS) hat das American Time Use Survey (ATUS) entwickelt, welches jedoch nicht die emotionalen Erfahrungen erhebt. Deshalb wurde, basierend auf ATUS, das Princeton Affect and Time Survey (PATS) entwickelt, mit dem der sogenannte Evaluated Time Use erhoben werden kann. Vor PATS wurde die Evaluierung und Gruppierung der Aktivitäten von den Forschern übernommen. Dies brachte Nachteile mit sich, wie z.B. Unterschiede in der Erfahrung ein und derselben Aktivität von verschiedenen Personen, mehrere verschiedene Gefühle während einer Aktivität, oder die Veränderung der Bewertung einer Aktivität über die Zeit. Mit der NTA ist es nun möglich, eine subjektive Bewertung der Aktivitäten zu erhalten, die akkurat wiedergeben, wie sich eine Person zu der gegebenen Zeit fühlte. Dabei ist ein großer Unterschied zu gewöhnlichen Erhebungsformen zu beachten: Es wird nun der Nutzen (utility) aus dem Prozess einer Aktivität[7], nicht nur der Output (wie bei Standard-Ökonomiemodellen) gemessen.

Ökonomen waren lange Zeit und sind noch immer skeptisch gegenüber subjektiven Daten, was zur Folge hatte, dass früheren Ansätzen in dieser Richtung keine Beachtung geschenkt wurde. Diese erwiesen sich mittlerweile jedoch als robust und aussagekräftig.

Diese Methode erhebt keine Daten bezüglich Overall Life Satisfaction. Diese Daten, sowie der genaue Unterschied zwischen ihnen, werden im Abschnitt zwei näher behandelt. Das NTA-Konzept bleibt natürlich nicht ohne Kritik. Ein großer Punkt ist sicherlich die angesprochene fehlende Objektivität und die angezweifelte Aussagekraft. Hier haben sich in den Sozialwissenschaften jedoch zahlreiche Methoden zur Überprüfung der Validität etabliert. Während der Vergleich mit Ergebnissen objektiver Daten (z.B. Lebenserwartung) für sich noch nicht aussagekräftig erscheint, bietet dieser durch Kombination mit Experimenten in Laborumgebung (z.B. gezielte Zuführung positiver Affekte und die Beobachtung der Auswirkung auf die Gesundheit) größere Validität. Mit dieser Methodik ließen sich viele Zusammenhänge zwischen negativen bzw. positiven Emotionen und objektiven Kennzahlen, vor allem mittels Longitudinalstudien, nachweisen (z.B. Schwarz & Strack, 1999, Lyzbomirsky, King & Diener, 2005, in Krueger et al., 2009). Selbstbeurteilungen der Befragten bergen noch weitere Probleme, die adressiert werden müssen. Während gegenwärtige Gefühle der Introspektion noch zugänglich sind, sind retrospektive Reporte immer von verschiedenen Bias betroffen. Beispielsweise wurde nachgewiesen, dass die Wetterlage zum Zeitpunkt der Befragung über vergangene Emotionen diese Reporte beeinflusste. Sie fielen schlechter aus, wenn Schlechtwetter herrschte. Dieses Priming kann jedoch durch gezielte Bewusstmachung reduziert werden (Schwarz & Chloe, 1983, in Krueger et al., 2009). Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Tatsache, dass NTA nur die Process Benefits und nicht den Outcome Value erfasst. Diese Problematik betrifft insbesondere Tätigkeiten, die bei der Ausführung negative Emotionen hervorrufen, deren Outcome jedoch positiv ist. Dazu ist zu sagen, dass NTA nur komplementär zu vorhandenen Erhebungsmethoden zu verwenden ist und einen Bereich erfasst, der bisher nicht berücksichtigt wurde. Zusätzlich wurde argumentiert, dass eine Variable nur vergleichbar wird, wenn sie einen definierten Nullpunkt und genau festgelegte Skalenwerte hat, hinzu kommt die individuelle Interpretation der Stärke der Emotionen, die eine kardinale Messung unmöglich scheinen lassen. Der von Krueger et al. entwickelte U-Index[8] umgeht diese Problematik, indem eine ordinale Skala verwendet wird, welche eine einheitliche Interpretation der Intensität überflüssig macht.

Nichtsdestotrotz ist NTA eine vielversprechende Methode zum Erfassen von Subjective Well-Being (SWB) und scheint eine hervorragende Ergänzung zu bestehenden Herangehensweisen an die Thematik.

2 Erhebungsmethoden, Ergebnisse und Mechanismen

Um zu verstehen, wie NTA vom bisherigen Ansatz, SWB zu messen, abweicht, ist eine Unterscheidung in zwei Wahrnehmungen von Happiness nötig, die im Folgenden erläutert werden, bevor auf die genauen Erhebungsmethoden näher eingegangen wird.

2.1 Unterschiedliche Wahrnehmungen – Experiencing-Self vs. Remembering-Self

Bei der Erhebung subjektiver Daten durch Reporte der Interviewten zeigen sich erhebliche Unterschiede, wenn diese zu verschiedenen Zeitpunkten stattfindet. Erhebungen von zur selben Zeit wie der Befragung erlebten emotionalen Erfahrungen ergeben ein anderes Bild der Zufriedenheit einer Person, als bei einer retrospektiven Betrachtung dieser Gefühle (Robinson & Clore, 2002).

Das Accessibility Model of Emotion Report von Robinson & Clore gibt hierfür ein erklärendes Modell, basierend auf kognitiven Prinzipien der Akzessibilität und des Primings. Wenn eine Person eine spezifische Episode in seinem Leben bewerten soll, greift sie zuerst auf die Erfahrung in diesen Momenten zurück. Dies birgt jedoch das Problem, dass diese emotionalen Erfahrungen nur sehr begrenzt zugänglich sind. Kahneman beschreibt die psychologische Gegenwart als ca. drei Sekunden lang. Je länger dieser Moment vorbei ist, desto schwieriger wird es, die akkuraten Informationen zur emotionalen Befindlichkeit in diesem Moment abzurufen. Deshalb wird bei retrospektiven Urteilen auf andere Quellen als Erfahrung zurückgegriffen, nämlich auf episodische Details und semantisches Wissen über Emotionen. Die nachfolgende Grafik von Robinson & Clore (2002) gibt einen Überblick über die Abfolge des Zugriffs auf Erfahrungen bzw. semantisches Wissen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 aus: Robinson & Clore (2002), S. 937

Wenn der Report eine ausreichend aktuelle Episode der Erfahrungen behandelt, kann auf episodische Erinnerungen zurückgegriffen werden, die noch relativ akkurat die tatsächlichen Emotionen widerspiegeln. Globale Reporte, die die Life Satisfaction abfragen, oder prospektive bzw. hypothetische Reporte, greifen jedoch auf semantisches Wissen zurück, da keine episodischen Details vorhanden sind, oder die Episode zu weit zurückliegt, um akkurate Informationen zu den tatsächlichen Emotionen zu erinnern. Bei generellen Fragen über eine Aktivität werden auch generelle Glaubensätze über die Erfahrungen bei dieser Aktivität herangezogen. Diese Glaubensätze können laut Robinson & Clore in Situation-Specific Beliefs und Identity-Related Beliefs unterteilt werden. Erstere umfassen allgemeine Glaubenssätze darüber, wie diverse Situationen Gefühle beeinflussen, z.B. „Urlaube sind angenehm“, „Beschimpfungen führen zu Wut“, etc. Identity-Related Beliefs umfassen Glaubensätze über Emotionen generell, welche auch Stereotype umfassen (z.B. Frauen sind emotionaler als Männer). Tatsächliche Erfahrungen oder episodische Rekonstruktionen werden (weil nicht abrufbar) hierbei nicht herangezogen. Problematisch an diesen Glaubensätzen ist unter anderem, dass diese äußerst selten angepasst werden, da Menschen dazu streben, ihre Vorstellungen stabil zu halten. Diese Beurteilungen dienen also auch dazu, die Erfahrungen in der Zukunft vorherzusagen und werden so als Basis für Entscheidungen herangezogen. Hierzu ergeben sich folgende Kon- bzw. Divergenzen (Belli, Stafford, & Alwin, 2008): Ist die betreffende Episode ausreichend aktuell, ergeben retrospektive Reporte und tatsächliche Erfahrungen gute Übereinstimmungen, da auf episodische Rekonstruktion zurückgegriffen werden kann. Der Einfluss der Erinnerungen auf die Vorhersagen der Zukunft gilt auch vice versa: Menschen tendieren dazu, globale Erinnerungen so zu konstruieren, dass sie mit den Vorhersagen übereinstimmen. Norbert Schwarz (2007) zeigte beispielsweise, dass alte Menschen ihre Jugend immer glücklicher erinnern, als sie tatsächlich war. Obwohl SWB mit dem Alter ansteigt, glauben ältere Menschen, dass sie als junger Mensch glücklicher waren. Die erfahrenen Emotionen in situ zeigen also oft ein anderes Bild, was bedeutet, dass zwar Erinnerung und Vorhersage übereinstimmen, aber nicht die Momenterfahrung korrekt widerspiegeln.

Die prominente „Texas DRM“-Studie von Kahneman et al.(2004) lieferte eindrucksvoll den Beweis, wie weit Vorstellung und Tatsache oft auseinander liegen. Basierend auf den Ergebnissen der Studien von Juster, die die Präferenz von Aktivitäten erhoben und mehrfach repliziert wurden, überprüfte man, ob die Aktivitäten tatsächlich so empfunden werden, wie es in globalen Reporten angegeben wird. Bei diesen (globalen) Umfragen stand die Zeit, die mit den eigenen Kindern verbracht wurde, an der Spitze der angenehmsten Aktivitäten (Belli, Stafford, & Alwin, 2008). Kahneman überprüfte diese Aktivitätenrankings mittels DRM und stellte fest, dass nur noch Aktivitäten wie Lebensmitteleinkauf oder Hausarbeit unangenehmer waren als die Zeit, die mit Kindern verbracht wurde. Dies liegt unter anderem daran, dass bei den ursprünglichen Rankings auf semantische Informationen zurückgegriffen wurden, die besagen, dass die Zeit mit Kindern am schönsten ist. Außerdem ist in diesen Informationen die Überzeugung gespeichert, dass Eltern, die ihre Kinder nicht mögen, Rabeneltern seien[9]. Eine weitere Studie von Norbert Schwarz (Xu & Schwarz, 2007, in Belli, Stafford, & Alwin, 2008) belegte ebenfalls einen Unterschied zwischen Prognose bzw. globalen Reporten und den tatsächlichen Erfahrungen. Es wurden drei verschiedene Gruppen befragt, ob der Typ des Autos Einfluss auf das positive Fahrerlebnis hat. Dabei wurde ein durchwegs positiver Zusammenhang angegeben (wie in Abbildung 2 gezeigt). Bei der Erhebung der tatsächlich erlebten Affekten ließ sich jedoch wenig Zusammenhang feststellen (siehe Abbildung 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 aus Xu & Schwarz (2007)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 aus Xu & Schwarz (2007)

Kahnemann (2010) erklärt diesen Unterschied, indem er zwei voneinander distinkte Selbst beschreibt: Das Experiencing-Self ist das Ich, welches die Emotionen von Moment zu Moment erlebt, welches also die wirklich erfahrenen Gefühle während einer Aktivität erfasst. Das Remembering-Self wiederum ist das Ich, das auf Erinnerungen basierend Entscheidungen trifft. Für das Remembering-Self spielt auch die wirkliche Länge einer Aktivität keine Rolle, in der Erinnerung hat die Zeit keinen besonderen Stellenwert. Insofern ist die Variable Zeit ein kritischer Faktor zur Unterscheidung des Experiencing-Self und des Remembering-Self. Robinson & Clore (2002) führten drei Studien durch, bei denen die benötigte Zeit zur Erinnerung bestimmter Zeitfenster (z.B. die letzten Stunden, Tage, Wochen, etc.) erhoben wurde. Dabei bestätigten sich die Hypothesen, dass die benötigte Zeit, je weiter der Zeitrahmen gefasst wird, ansteigt, bis schließlich auf semantische Erinnerung zurückgegriffen werden muss, welche keinen Anstieg an benötigter Zeit mehr zur Folge hat. Je weiter also der zu beurteilende Zeitrahmen in der Vergangenheit liegt, desto unzugänglicher sind Details.

Die Distinktheit der Wahrnehmungen der beiden Selfs kann auch in eine Zahl gefasst werden, die Korrelation beträgt ca. 0.5 (Kahneman, 2010). Dies bedeutet also, dass die Antwort auf die Frage, wie glücklich jemand mit seinem Leben ist, noch keinen Aufschluss darüber gibt, wie glücklich diese Person sein Leben lebt. Kahneman (TED Talks, 2010) verdeutlicht die Wichtigkeit der seperaten Erfassung dieser Wahrnehmungen: „Anyone who doesn’t distinguish those notions is going to mess up the studies of happiness.“

Nachfolgend wird nun auf die Erhebungsmethoden, im Speziellen auf Methoden, welche Reporte die auf episodischen Details basieren, erheben, eingegangen und auch zwischen objektiven und subjektiven Daten unterschieden.

2.2 Das Spektrum der Erhebungsmethoden – objektive und subjektive Daten

Frey (2002) unterscheidet die Erhebungsmethoden von SWB hinsichtlich ihrer Erhebung von physiologischen bzw. psychologischen Daten. Während am einen Ende des Spektrums objektive Daten, z.B. durch Gehirnwellenmessung oder ESM[10], erhoben werden, welche durch externe Regeln beurteilt werden können, stehen am anderen Ende globale Self-Reports, die subjektive Daten liefern, da der Proband diese durch seine Kognition und Erinnerung konstruiert und bewertet. Der Vorteil der objektiven Erhebung ist die Vermeidung der auftretenden Bias bei Self-Reports, also z.B. Überbewertung spezifischer Erinnerungen, Rückgriff auf semantisches Wissen, etc.

ESM und Gehirnwellenmessung bieten zwar akkurate Daten über die tatsächlich wirkenden Affekte einer Person, jedoch stellt sich aus erhebungstechnischer Sicht das Problem, dass diese extrem teuer sind und so keine großen Stichproben erlauben. Deshalb wurden weniger kostspielige Methoden wie die Day Reconstruction Method entwickelt, die einen teilweisen Brückenschlag zwischen objektiver und subjektiver Erhebung darstellen, indem sie Self-Reports ausreichend aktueller Episoden abfragen.

Ziel der Erhebung ist nicht nur das Ausmaß von SWB in eine Zahl fassen zu können, sondern vor allem auch, die komplizierten Wechselwirkungen der Einflussfaktoren zu erkennen. Frey (2002, S. 10ff.) nennt 5 Determinants of Happiness:

- Personality Factors: Die Persönlichkeit einer Person hat großen Einfluss auf seine Zufriedenheit, hier spielen unter anderem Ausprägungen wie positive bzw. negative Affektivität, Neurotizismus bzw. Extrovertiertheit oder Locus of Control eine Rolle.
- Socio-Demographic Factors: Hierunter sind Merkmale wie Geschlecht, Alter, Bildung und Beziehungsstatus zusammengefasst, welche ebenfalls Einfluss auf SWB haben.
- Contextual and Situational Factors: Arbeitsplatzbedingungen, die Beziehung zu Kollegen und Freunden, die Situation der persönlichen Beziehung, als auch der Gesundheitszustand übt Einfluss darauf, wie glücklich eine Person ist.
- Economic Factors: Das individuelle Einkommen ist nicht der einzige ökonomische Faktor, der Einfluss auf die Zufriedenheit einer Person hat. Tatsächlich hat das aggregierte Einkommen der Nation, die Inflation und insbesondere auch die Arbeitslosigkeit große Bedeutung für die einzelne Person.
- Institutional Factors: Wie Frey beweist, spielen auch Faktoren wie Demokratisierung und politische Dezentralisierung eine Rolle, vor allem die politische Stabilität des Landes, indem die Person lebt, übt Einfluss aus.

Wie bereits erläutert, liefern globale Reporte andere Ergebnisse als objektive Erhebungsdaten, da die Einflüsse der erwähnten Determinanten nicht ungefiltert, sondern durch verschiedenste Verzerrungen manipuliert werden. Dies ist bei der Erhebung besonders zu berücksichtigen, da einige Effekte, wie z.B. Priming, durch gezielte Maßnahmen ausgeschaltet werden können und so die Aussagekraft der Erhebungen deutlich erhöht wird.

Da die Wissenschaften generell daran zweifeln, dass mittels subjektiver Daten allgemein gültige Aussagen getroffen werden können, gibt es starke Kritik an der Erhebung und Verwendung von SWB-Daten. Jedoch zeigen die folgenden Ausführungen, dass diese Zweifel oft nicht angebracht und teilweise durch gezielte Bereinigungsmethoden ausgeschaltet werden können. Coghill, McHaffie & Yen(2003) zeigten in einer eindrucksvollen Studie die Validität von subjektiven Reporten. In dem Versuch wurde den Probanden ein standardisierter Schmerzreiz zugefügt und die Gehirnaktivität mittels fMRI (functional Magnetic Resonance Imaging) aufgenommen, während die Versuchspersonen den Schmerz auf einer Skala bewerteten. Bei den Ergebnissen zeigte sich, dass die Personen, die den Schmerz höher bewerteten, auch eine größere Gehirnaktivität verzeichneten. Dies lässt darauf schließen, dass der Unterschied zwischen subjektiven Bewertungen auf einer Skala nicht auf einer unterschiedlichen Interpretation der Skala basieren, sondern tatsächlich auf physischen Unterschieden beruhen. Somit wurde ein objektiver Beweis für die Validität von subjektiven Reporten erbracht.

2.3 Experience Sampling Method (ESM)

ESM beschreibt eine Methode der Online Reports, also Reporte über die Erfahrungen in situ. Die Erhebung erfolgt in Echtzeit, indem den Probanden ein PDA zur Verfügung gestellt wird, der in festgelegten Zeitabständen zur Eingabe verschiedener Informationen auffordert. Dabei werden Daten zur gerade ausgeführten Aktivität, der Umwelt (Ort des Aufenthalts, Personen, mit denen interagiert wird, etc.) und den subjektiven Erfahrungen erhoben. Letztere werden durch Abfrage der Präsenz oder Abwesenheit verschiedener Gefühle wie Wut, Freude, Müdigkeit, Angst erhoben. Dies beschränkt sich nicht nur auf Self-Reports der Personen, es können auch physiologische Daten wie z.B. Blutdruck, Kortisol, etc. erhoben werden (Krueger, Kahneman, Schkade, Schwarz, & Stone, 2009). Der Vorteil ist, dass in einer nicht künstlich erzeugten, also vollkommen natürlichen, Situation Daten gewonnen werden können. Außerdem werden die bereits ausgeführten Vorteile von Online Reports genutzt, also verschiedenste Verzerrungen vermieden. Der große Nachteil liegt in den hohen Kosten der Durchführung und der Belastung der Probanden, die eine großflächig angelegte Stichprobensammlung nahezu unmöglich machen.

Aus diesem Grund entwickelten Kahneman et al. die Day Reconstruction Method, welche, wie nachfolgend gezeigt, ähnliche Ergebnisse zu akzeptablen Kosten bringt.

[...]


[1] Nachfolgend werden in der gesamten Arbeit die englischen Originalbegriffe verwendet, um Bedeutungsunterschiede der deutschen Übersetzungen zu vermeiden.

[2] Positive und negative Affektivität: Bezeichnen die Neigung einer Person, positive bzw negative Emotionen zu erfahren, wobei eine Maximierung der einen Affektivität nicht die Minimierung der anderen bedeuten. D.h. eine Person kann gleichzeitig hoch in positiver Affektivität und in negativer Affektivität veranlagt sein.

[3] Frey weist ausdrücklich darauf hin, dass es sehr wohl Limits in der Validität der Aussagen der Befragten gibt. Auf die auftretenden Problematiken und ihre (teilweisen) Lösungen wird jedoch an späterer Stelle dieser Arbeit eingegangen.

[4] Sein Konzept, die Experience Sampling Method bzw. die Day Reconstruction Method, wird in Abschnitt 2 näher behandelt.

[5] http://www.neweconomics.org/

[6] Hierbei sind Faktoren wie die Lebenserwartung eines Landes, die politische Stabilität, Gesundheitssystem, Korruption usw. gemeint, welche großteils an späterer Stelle noch näher behandelt werden.

[7] Dow und Juster (1985) prägten hierfür den Begriff „process benefit“ oder „flow of utility“

[8] Der U-Index (U für „unpleasant“) misst die Zeit, die in einem negativen emotionalen Zustand verbracht wird. Eine genauere Definition wird im Abschnitt 2 gegeben.

[9] Die weiteren Verzerrungen, die hier Einfluss haben, werden im betreffenden Abschnitt noch genauer behandelt.

[10] Experience Sampling Method

Details

Seiten
43
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656198239
ISBN (Buch)
9783656199687
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194656
Institution / Hochschule
Wirtschaftsuniversität Wien – Interdisziplinäre Abteilung für Verhaltenswissenschaftlich orientiertes Management
Note
1,0
Schlagworte
Alternative Wohlstandsmaßstäbe Zufriedenheit Glück Wohlstand DRM ESM Happiness Experiencing Self Remembering Self

Autor

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Titel: Glücksforschung und ihre Bedeutung für den Wohlstand von Nationen