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Die Betrachtung von Ödipuskomplex und Kastrationsangst anhand Freuds Schrift "Hemmung, Symptom und Angst"

Ödipuskomplex, Kastrationsangst und Penisneid bei Frauen

Hausarbeit 2011 23 Seiten

Medien / Kommunikation - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Hemmung, Symptom und Angst - Grundlegende Gedanken Freuds
11.1 Die Hemmung: Ursachen und Auswirkung
11.2 Die Symptome: Die Rolle der Verdrangung
II.2.1 Wie kommt es zur Angst?

III Von Kastrationsangst und Mutterliebe - Die Phobie-Beispiele aus Hemmung,
Symptom und Angst
111.1 Die Geschichte des kleinen Hans
III .1.1 Die Historie des Odipuskomplexes
111.2 Der Odipuskomplex beim Madchen
111.3 Der Elektrakomplex nach C.G. Jung

IV Mannertraum oder Realitat? Die Nutzung des Vaterkomplexes in aktuellen

Comedy-Serien

V Ausblick und Fazit

VI Literatur- und Quellenverzeichnis

I Einleitung

Penisneid, Kastrationsangst und Odipuskomplex - Noch heute gerat der weltbekannte Psychoanalytiker Sigmund Freud (1856 - 1939) wegen seiner sexualisiert anmutenden Begriffe und Erklarungsansatze ins Kreuzfeuer der Kritik. Aber welche Konzepte verbergen sich noch hinter den Begriffen eines der richtungsweisenden Denker des 20. Jahrhunderts? Sind Konzepte wie der Odipuskomplex beispielsweise noch auf die heutige Medienlandschaft anwendbar, in welcher nicht selten mit ihnen gespielt wird? Und wie zeichnet Freud das Bild des weiblichen Odipuskomplexes?

Ziel dieser Hausarbeit ist es, uber diese Fragen nachzusinnen und eventuelle Erklarungsansatze in Freuds Schriften herauszukristallisieren. Besonderen Aufschluss soll dabei die vertiefende Lekture von Freuds Werk „Hemmung, Symptom und Angst“ (1926) liefern.

Kapitel II der Hausarbeit beinhaltet Freuds grundlegende Gedankengange aus „Hemmung, Symptom und Angst“ (1926). Nacheinander sollen die Hemmung und das Symptom naher untersucht (Kapitel II.1 & 11.2) und anhand dieser Aufschlusselung herausgestellt werden, wie sich die Angst nach dem Freudschen Verstandnis ergibt (Kapitel II.2.1). Das dritte Kapitel dient der Unterlegung dieser theoretischen Herleitung anhand der im Text untersuchten Fallbeispiele verschiedener Phobien. Besondere Aufmerksamkeit soll in diesem Zusammenhang auch auf den Odipuskomplex anhand des Beispiels des „kleinen Hans“ (Kapitel III.1.2) und den Odipuskomplex beim Madchen (III.2) gelegt werden, bevor der Abschnitt mit einer Gegenuberstellung von Jungs Konzept des Elektrakomplexes (III.3.1) abschlieBt. In Kapitel IV soll dann der Versuch unternommen werden einen Bogen von Freuds Konzepten zu den aktuellen Inhalten verschiedener aktueller TV-Serien zu schlagen.

II Hemmung, Symptom und Angst - Grundlegende Gedanken Freuds

Schon im Jahr 1895 befasste sich Freud in seiner Abhandlung "Uber die Berechtigung, von der Neurasthenie einen bestimmten Symptomenkomplex als "Angstneurose" abzutrennen" mit der Konzeption eines Angstbegriffs. Unter einer „Angstneurose“ verstand er dabei einen festen Systemkomplex, „der sich um das Hauptsymptom der Angst gruppieren lasst“ (Freud 18951, 1991, S.29). Der Angstneurose schrieb er dabei folgende Symptome zu: Allgemeine Reizbarkeit, eine angstliche Erwartung und den eigentlichen Angstanfall. Bei der Betrachtung der Ursache der Angstneurose unterschied er zwischen Fallen mit starker erblichen Vorbelastung und erworbenen Neurosen. AuBerdem unterschied er bei seiner Betrachtung zwischen der reinen Angstneurose und moglichen gemischten Neurosen. Bei letzteren trete zur Angstneurose noch eine weitere, etwa Hysterie oder Zwangsvorstellungen hinzu.

1925 und 1926 wendete sich Freud, im Alter von 70 Jahren, erneut einer theoretischer Auseinandersetzung mit Phanomenen der Angst zu. Er diskutierte nicht nur in „Hemmung, Symptom und Angst“ (1926) sondern auch in den Nachtragen der Abhandlung sein bisheriges Verstandnis der Angst. Um die Eigenheiten des Affektes, seine Ursachen und Auswirkungen beschreiben und erlautern zu konnen, unterscheidet Freud in seinem Werk „Hemmung, Symptom und Angst“ (1926) zunachst zwischen den Begriffen Hemmung und Symptom. Demnach heiBt es, „Die Hemmung ist der Ausdruck einer Funktionseinschrankung des Ichs, die selbst sehr verschiedene Ursachen haben kann.“ (Freud 1999, S. 116). Um einen Bogen zwischen der Hemmung und der Angst zu schlagen, regt er ebenfalls an, dass „Manche Hemmungen [sind] offenbar Verzichte auf Funktionen“ sind „,weil bei deren Ausubung Angst entwickelt werden wurde“ (Freud 1999, G.W. Band XIV, S.114). Auch fur das Symptom liefert Freud eine griffige Definition:

„Das Symptom sei Anzeichen und Ersatz einer unterbliebenen Triebbefriedigung, ein Erfolg des Verdrangungsvorganges. Die Verdrangung geht vom Ich aus, das, eventuell im Auftrage des Uber-Ichs, eine im Es angeregte Triebbesetzung nicht mitmachen will“ (Freud 1999, G.W. Band XIV, S. 118).

II.1 Die Hemmung: Ursachen und Auswirkung

Durch die bestehende Knupfung zwischen Hemmung und Funktion wirft Freud auch die Frage auf, inwieweit sich Storungen der Ichfunktion in neurotischen Affekten auBern konnen und wahlt bei seiner Betrachtung „die Sexualfunktion, das Essen, die Lokomotion und die Berufsarbeit“ (Freud 1999, G.W. Band XIV, S. 114). Im folgenden soil aus thematischen Grunden vor allem auf die Auswirkungen sexueller Storungen bei der Frau eingegangen werden. So kann laut Freud die direkte Angst vor der Sexualfunktion, mit dem Symptom des Ekels, der Hysterie zugeordnet werden (vgl. Freud 1999, G.W. Band XIV, S. 114).

Die Geschichte der Hysterie reicht bis in die Antike zuruck. Hippokrates (460 - 377 v. Chr.) interpretierte die Hysterie als organische Krankheit, welche ihr en Ursprung in der Gebarmutter (Altgriechisch: uoxspa = hystera) haben sollte. Demnach wurden die Symptome der Krankheit durch den im Korper wandernden Uterus ausgelost. Durch diese Einschatzung galt die Hysterie fur lange Zeit als typisch weibliches Krankheitsbild. (vgl. Roudinesco & Plon 2004, S. 431). Freud berief sich bei seiner Betrachtung der Hysterie hauptsachlich auf die Gedanken des Neurologen J. M. Charcot (1870 - 1893), welcher der Hysterie traumatische Ursachen zugrunde legte, versuchte jedoch, sich bei seiner Hypothesenbildung deutlich von dessen Annahmen abzugrenzen. In „Studien uber Hysterie“ (1895) entwickelte er ein neues Verstandnis des Unbewussten und verwies - kontrar zu Charcot - erneut auf die sexuellen Grundlagen der Neurosen, wonach sich verdrangte sexuelle Komponenten korperlich auBern, ohne dabei eine objektivierbare korperliche Ursache aufzuweisen. Im Zuge der Abhandlung wendete sich Freud ebenfalls von der Begrifflichkeit der Hysterie ab und pragte die Bezeichnung Konversionsneurose. Er loste sich damit auch aus den Schemata, die die Hysterie als reine Krankheit der Frauen behandelten.

In „Hemmung, Symptom und Angst“ beschrieb Freud bei seiner Betrachtung der Storungen der Nahrungsfunktion bei Mann und Frau die „EBunlust“ und die Ubersteigerung der Nahrungsaufnahme (Freud 1999, G.W. Band XIV,S. 115) und bezeichnete deren Steigerung in Form von Erbrechen als hysterisches Merkmal. Hinsichtlich der Storung der Fortbewegung benennt der die Gehschwache als Storung, bzw. die motorische Lahmung als Ausdruck der Hysterie. Bei Storungen der Arbeitsfunktion wirken hysterische Symptome laut Freud beispielsweise durch die Beeintrachtigung von Organen oder Funktionen, die dann zu einer Unfahigkeit des Arbeiters fuhren konnen. Naturlich lasst Freud bei seinen Uberlegungen auch die Angst nicht auBer acht. Sie ist bei Storungen dieser Art nicht selten in Form von Phobien prasent (vgl. Freud 1999, G.W. Band XIV, S. 115).

Um tiefer zum Kern der Hemmungen vorzudringen, entschied sich Freud, seine Uberlegungen anhand spezifischerer Beispiele fortzufuhren. Wenn demnach beispielsweise das Spielen eines Klaviers, das Schreiben oder sogar das Gehen einer neurotischen Hemmung unterliegen, liegt der „Grund hierfur in einer uberstarken Erotisierung der bei diesen Funktionen in Anspruch genommenen Organe [...]“ (vgl. Freud 1999, G.W. Band XIV, S.116). Allgemein bedeutet dies die Schadigung der eigentliches Funktion des betreffenden Organes, wenn es zu einer Sexualisierung dessen kommt:

„Es [Das Organ] benimmt sich dann, wenn man den einigermaBen skurrilen Vergleich wagen darf, wie eine Kochin, die nicht mehr am Herd arbeiten will, weil der Herr des Hauses Liebesbeziehungen zu ihr geknupft hat“ (Freud 1999, G.W. Band XIV, S. 116).

Wenn es demnach zu einer Erotisierung der eigentlich harmlosen Tatigkeit kommt, wird diese Tatigkeit unterlassen, um ebenso der Ausfuhrung der inharenten sexuellen Bedeutsamkeit zu entgehen. Indem das Ich auf die Funktion verzichtet, weicht es einem Es-Konflikt aus und umgeht somit die Verdrangung. Hemmungen konnen ebenfalls entstehen, wenn Konflikte mit dem Uber-Ich vermieden werden sollen. In diesem Fall spricht Freud von einer Form der „Selbstbestrafung“ (Freud 1999, G.W. Band XIV, S.116f). Als letzte Form der Hemmung unterscheidet Freud die Allgemeinhemmung, welche seiner Ansicht nach immer dann zustande kommt, „Wenn das Ich durch eine psychische Aufgabe von besonderer Schwere in Anspruch genommen ist [...]“ (Freud 1999, G.W. Band XIV, S. 117). Infolge dessen muss das Ich so viel Energie aufbringen, dass diese an anderer Stelle fehlt. Freud beendet seinen Gedankengang uber das Wesen der Hemmung mit folgender Feststellung:

„Man kann also abschlieBend uber die Hemmungen sagen, sie seien Einschrankungen der Ichfunktionen, entweder durch Vorsicht oder in Folge von Energieverarmung. Es ist nun leicht zu erkennen, worin sich die Hemmung vom Symptom unterscheidet. Das Symptom kann nicht mehr als ein Vorgang im oder am Ich beschrieben werden“ (Freud 1999, G.W. Band XIV, S. 117).

II.2 Die Symptome: Die Rolle der Verdrangung

Nachdem die vorgeschlagene Definition des Symptoms bereits zu Beginn des Kapitels (II) geklart wurde, soll im Folgenden naher auf dessen Zustandekommen und die Rolle der Verdrangung eingegangen werden. Zusammenfassend lasst sich noch einmal festhalten, dass die Verdrangung vom Ich ausgeht, wenn dieses eine Triebregung des Es unterbinden will. Angeregt wird es dazu oftmals vom Uber-Ich. Ein Problem ergibt sich in diesem Zusammenhang allerdings hinsichtlich der angestrebten Triebregung des Es. Um diese aktivierte Energie loszuwerden, wird durch die Verdrangung Lust und Unlust gewandelt, der Erregungsablauf wird unterbunden und das Ich gewinnt durch aktive Ablenkung den Kampf gegen das Es (vgl. Freud 1999, G.W. Band XIV, S. 118f). Das Ich gewinnt seine Macht uber das Es durch seine starke Kopplung an das Wahrnehmungssystem, welches Erregungen von auBen und innen empfangt und versucht „alle Ablaufe des seelischen Geschehens im Sinne des Lustprinzips zu lenken“ (Freud 1999, G.W. Band XIV, S. 119). Diese, das Lustprinzip vertretene Instanz ist so machtvoll, dass es fur das Ich zu einem einfachen Akt wird, durch das Senden eines Unlust-Signals seinen Einfluss zu entfalten. Bei der Frage danach, woher die Energie fur diesen Vorgang kommt, vertritt Freud die Ansicht, dass der Verdrangungsvorgang einen ahnlichen Ablauf habe, wie eine reale Fluchtsituation. Anstatt dabei jedoch - wie beispielsweise ein Reh in der Gefahrensituation - real zu fluchten, bedient sich das Ich einem Unlust-Signal und fluchtet damit durch die Verdrangung des Triebes nach innen (vgl. Freud 1999, G.W. Band XIV, S. 120). Wie sich bei dieser fluchtartigen Verdrangung Angst herausbilden kann, soll Thema des folgenden Abschnittes werden.

Nach der grundlegenden Auseinandersetzung mit den Begrifflichkeiten der Hemmung und des Symptoms, soll nun die Angst ins Zentrum des Interesses rucken. Das Wort Angst ist indogermanischer Herkunft und wird bereits seit dem 8. Jahrhundert im deutschen Sprachraum verwendet. Der ursprungliche Begriff „Anghu“ lasst sich mit „beengend“ ubersetzen (vgl. Johann 2010, S. 5).

Green (1999) ordnet Freuds Auseinandersetzung mit der Angst in drei grundlegende Phasen ein. In der ersten Phase lieB Freud die Verdrangung noch vollkommen auBer acht und vermutete, dass der Grund der Angst „in der Ablenkung der somatischen Sexualerregung vom Psychischen und einer dadurch verursachten abnormen Verwendung dieser Erregung zu suchen“ sei (Freud 1991, G.W. Band I, S. 343). Die zweite von Green (1999) benannte Phase lasst sich als erste Angsttheorie beschreiben. In dieser, ersten Theorie nahm Freud an, dass bestehende Konflikte zwischen den verschiedenen Anspruchen von Ich, Es und Uber-Ich Angst auslosen konnen. Demnach fuhre beispielsweise nicht entladene sexuelle Energie (Libido) zu einem Konflikt, welchem die Verdrangung entgegenwirkt und in Folge Angst entsteht (vgl. Abb.1 ). Freud unterscheidet in seiner ersten Version der Angsttheorie strikt zwischen den Begrifflichkeiten Angst und Furcht. Die Furcht ist nach seinem Verstandnis eine auf ein reales, auBeres Objekt gerichtete Reaktion und damit ein aus Erfahrung gelernter Prozess. Die Angst stellt weiterhin eine spezielle, pathologische Form der Furcht dar, die ahnliche Phanomene wie die Furcht aufweisen kann, aber nicht den gleichen Ursprung haben muss (vgl. von Lingen 2008, S. 8).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Schematische Darstellung der ersten Angsttheorie nach Freud

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Details

Seiten
23
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656199168
ISBN (Buch)
9783656199861
Dateigröße
659 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194614
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Medienwissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
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