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Karl Marx - Die Entwicklung des Staates von der bürgerlichen zur kommunistischen Gesellschaft

Hausarbeit 2012 15 Seiten

Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Karl Marx und das Kommunistische Manifest
2.1. Historischer Materialismus bei Karl Marx
2.2. Die bisherige Entwicklung der menschlichen Gesellschaft

3. Der Staat in der burgerlichen Gesellschaft
3.1. Der Staat als Mittel zum Zweck
3.2 Das Absterben des Staates in der kommunistischen Gesellschaft

4. Fazit

5. LIteraturverzeichnis:

1. Einleitung

Der Bereich „Internationale Beziehungen“ stellt eine Teildisziplin der Politikwissenschaft dar. Ein zentrales Thema dieser Disziplin ist die Untersuchung des Staates als Akteur in unserer Gesellschaft. Die Rolle des Staates wird dabei aus verschiedenen wissenschaftlichen Positionen, wie etwa dem Realismus, Liberalismus oder aber auch dem Marxismus, analysiert. Der Marxismus sucht nach Gesetzmafiigkeiten in den Strukturen einer Gesellschaft, um ihre kunftige Entwicklung zu prognostizieren und zu steuern.

Der Grunder der marxistischen Theorie, der deutsche Philosoph Karl Marx (1818-1883), entwarf ein theoretisches Modell, das auf mehreren Entwicklungsstufen beruht. Er ging in seinem Modell von einer zukunftigen „kommunistischen“, d.h. klassenlosen Gesellschaft als Endstufe der Entwicklung aus. Bei dieser Entwicklung spielte der Staat nach Marx eine wesentliche Rolle.

An diesem Punkt setzt die Hausarbeit an. Sie wird sich mit der Frage beschaftigen, welche Rolle der Staat bei Karl Marx in der „burgerlichen“ bis hin zu einer „kommunistischen“ Gesellschaftsordnung nimmt? Marx‘ zentrale These ist, dass der Staat das jeweilige Produkt gesellschaftlicher Verhaltnissen ist.

Marx schrieb keine systematische Staatstheorie; seine Ansichten uber den Staat sind vielmehr in seinem gesamten umfangreichen Werk verteilt. Beim Versuch, Antworten auf meine Fragestellung zu bekommen, werde ich vor allem auf zwei Schriften von Karl Marx zuruckgreifen: auf das „Manifest der kommunistischen Partei“ und auf das Vorwort des Werkes „Zur Kritik der politischen Okonomie“.

Die Hausarbeit wird in zwei Abschnitte aufgeteilt sein. Im ersten Teil werde ich mich zunachst mit dem „Historischen Materialismus“ bei Karl Marx auseinandersetzen. Im zweiten Teil werde ich, wie oben bereits erwahnt, die Entwicklung des Staates von der „burgerlichen“ hin zu der „kommunistischen“ Gesellschaft untersuchen.

2. Karl Marx und das Kommunistische Manifest

Karl Marx verfasste im Jahr 1848 das „Manifest der kommunistischen Partei“. Es beruht auf den „Grundsatzen des Kommunismus“, die ein Zeitgenosse von Karl Marx, der deutsche Philosoph Friedrich Engels, im Jahr 1847 anfertigte. Marx und Engels haben auch spater gemeinsam wesentliche Elemente des Marxismus erarbeitet. Im Auftrag der deutschen Arbeiterpartei „Bund der Kommunisten“ sollte das „Manifest der kommunistischen Partei“ als politisches Programm der Partei dienen.[1]In diesem Programm wurden erstmals Grundsatze des Marxismus zusammengefasst. Dazu gehoren auch die Theorie des „dialektischen und historischen Materialismus“2 und vom Klassenkampf des „Proletariats“ gegen die herrschende „Bourgeoisie“.

Im Jahr 1859 veroffentlichte Marx das Buch „Zur Kritik der politischen Okonomie“. Im Vorwort des Buches fasste er Teile seine materialistische Geschichtsauffassung zusammen.

2.1. Historischer Materialismus bei Karl Marx

Im Folgenden soll nun Karl Marx‘ Verstandnis des Historischen Materialismus im Kontext des Staates untersucht werden. Der Staat wird nach heutiger Definition, wie beispielsweise im „Lexikon der Politikwissenschaft“, als „die Gesamtheit der offentlichen Institutionen [begriffen], die das Zusammenleben der Menschen in einem Gemeinwesen gewahrleistet bzw.gewahrleisten soll.“3 Ein ahnliches Staatsverstandnis findet sich bereits bei Marx, wie sich spater noch im Einzelnen zeigen wird.

Karl Marx entwickelt die Grundsatze des Historischen Materialismus in seinen Auseinandersetzungen mit dem deutschen Philosophen Friedrich Hegel (1770-1831).[4] Dabei ubernimmt Marx dessen dialektische Methode von These, Antithese und Synthese und ubertragt sie auf gesellschaftliche Prozesse.[5] Marx geht in seiner materialistischen Geschichtsauffassung davon aus, dass: „die Produktion, und nachst der Produktion der Austausch ihrer Produktion, die Grundlage aller Gesellschaftsordnung ist; dad in jeder geschichtlich auftretenden Gesellschaft die Verteilung der Produkte, und mit ihr die soziale Gliederung in Klassen oder Stande, sich danach richtet, was und wie produziert und wie das Produzierte ausgetauscht wird. Hiernach sind die letzten Ursachen aller gesellschaftlichen Veranderungen und politischen Umwalzungen zu suchen nicht in den Kopfen der Menschen, [...] sondern in Veranderungen der Produktions- und Austauschweise; sie sind zu suchen nicht in der Philosophie, sondern in der Okonomie der betreffenden Epoche.“[6]

Die Okonomie ist nach Marx demnach der bestimmende Faktor, um die gesellschaftliche Ordnung erklaren zu konnen. Ein von Karl Marx entwickelter Grundsatz des historischen Materialismus beschreibt die determinierende Wechselwirkung zwischen der Okonomie und allen anderen gesellschaftlichen Erscheinungen: namlich das „Basis-Uberbau“-Theorem.[7]Im Vorwort des Werkes „Zur Kritik der politischen Okonomie“ schreibt er, „dafi Rechtsverhaltnisse wie Staatsformen weder aus sich selbst zu begreifen sind, noch aus der sogenannten allgemeinen Entwicklung des menschlichen Geistes, sondern vielmehr in den materiellen Lebensverhaltnissen wurzeln, deren Gesamtheit Hegel [...] unter den Namen „burgerliche Gesellschaft“ zusammenfafit, dad aber die Anatomie der burgerlichen Gesellschaft in der politischen Oekonomie zu suchen sei.“[8]

Es soll hier also festgehalten werden, dass nach Marx Staatsformen nur auf Grundlage okonomischer Verhaltnisse zu erklaren sind. Anschliefiend fuhrt er weiter aus, dass „in der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhangige Verhaltnisse ein (-gehen), Produktionsverhaltnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkrafte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhaltnisse bildet die okonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Ueberbau erhebt, und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewufitseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den socialen, politischen und geistigen Lebensprocefi uberhaupt. Es ist nicht das Bewufitsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewufitsein bestimmt.“[9]

In allen „Gesellschaftsformationen“ bilden nach Marx die okonomischen Strukturen und Prozesse die Basis.[10] Der Uberbau wie beispielweise Politik, Recht und Staat ist daher wesentlich von der okonomischen Basis der Gesellschaft abhangig. Der Zustand des Uberbaus, also auch der des Staates, ist daher im Wesentlichen durch die jeweiligen okonomischen Strukturen einer Gesellschaft in einer bestimmten historischen Epoche zu erklaren.

Karl Marx setzt im weiteren Verlauf des Vorwortes der Schrift „Zur Kritik der politischen Okonomie“ in dialektischer Methode die Produktionsverhaltnisse und Produktivkrafte einander gegenuber. Die Produktionsverhaltnisse beschreiben „die Art und Weise, wie die Produktion und Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums organisiert ist, wer den juristischen und okonomischen Besitz (die Verfugungsgewalt) uber die Produktionsmittel innehat, ob und wie die Aneignung des gesellschaftlichen Mehrprodukts funktioniert, z.B. durch Ausbeutung oder gemeinsame Verfugung. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhaltnisse bildet die sozio-okonomische [...] Struktur der Gesellschaft.“[11]

Die Produktivkrafte werden dagegen verstanden, als „die Gesamtheit aller subjektiven und objektiven Elemente im Produktionsprozeb, insbesondere die menschliche Arbeitskraft, die Arbeitsmittel (Werkzeuge, Maschinen), die Infrastruktur (Transport-, Kommunikationsmittel), die Gegenstande der Arbeit (Rohstoffe, Bodenschatze).“[12]

Marx geht in der gesellschaftlichen Entwicklung davon aus, dass ab einer bestimmten Stufe die „materiellen Produktivkrafte“ und die „vorhandenen Produktionsverhaltnisse44 in Widerspruch geraten[13]. Die Folge ist, dass „aus Entwicklungsformen der Produktivkrafte diese [Produktions-] Verhaltnisse in Fesseln derselben um (schlagen). Es tritt dann eine Epoche socialer Revolutionen ein. Mit der Veranderung der okonomischen Grundlage walzt sich der ganze ungeheure Ueberbau langsamer oder rascher um.“[14]

Es soll in dieser Hausarbeit keine nahere Analyse uber die Bedeutung der Produktionsverhaltnisse und -krafte bei Karl Marx gegeben werden. Vielmehr soll im Kontext der Fragestellung der Arbeit deutlich werden, dass sich nach Marx‘ Verstandnis die Geschichte der menschlichen Gesellschaft dialektisch entwickelt: Der Widerspruch zwischen Produktivkraften und der Produktionsverhaltnissen wird die treibende Kraft der gesellschaftlichen Entwicklung:

[...]


[1]Vgl. Stammen: Karl Marx: in Maier/Denzer (2001): Klassiker des politischen Denkens:178.

[2]Marxistische Lehrbriefe (1977):3.

[3]Nohlen/Schultze Band 2 (2010):1012.

[4]Vgl. Stammen: Karl Marx: in Maier/Denzer (2001): Klassiker des politischen Denkens:177.

[5]Vgl. Nohlen/Schultze Band 1 (2010):164.

[6]Lotter/Meiners/Treptow (2006):288.

[7]Nohlen/Schultze Band 1 (2010):65.

[8]Breitenstein/Rohbeck (2008):110f.

[9]Ebd.:111.

[10]Breitenstein/Rohbeck (2008):112.

[11]1 Nohlen/Schultze Band 2 (2010):853.

[12]Ebd.:853f.

[13]Breitenstein/Rohbeck (2008):111.

[14] Ebd.

Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656198321
ISBN (Buch)
9783656199656
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194574
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,3
Schlagworte
Karl Marx Staat Das Kommunistische Manifest Historischer Materialismus Zur Kritik der politischen Ökonomie

Autor

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Titel: Karl Marx - Die Entwicklung des Staates von der bürgerlichen zur kommunistischen Gesellschaft