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Schönheitsoperationen - Das Spannungsverhältnis zwischen gesellschaftlichen Normen und individueller Entscheidungsfreiheit am Beispiel von Schönheitsoperationen

Hausarbeit 2011 10 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Die Schonheitsideale im sozialen Kontext
2.1 Schonheitsoperationen - Zahlen & Fakten
2.2 Motive fur Schonheitsoperationen

3. Michel Foucault - Uberwachen und Strafen. Die Geburt des Gefangnis

4. Fazit

III. Literaturverzeichnis

l.Einleitung

In unserer heutigen Gesellschaft gilt gutes Aussehen als erstrebenswertes Ideal. Dem Korper kommt dabei eine besondere Rolle zu. Er gilt als Aushangeschild fur die Schonheit eines Individuums. Kein Mensch kann sich in der Regel den Blicken und der Bewertung seiner Mitmenschen entziehen. Um in der heutigen Zeit als schon zu gelten, soll der Korper moglichst gepflegt, jung und sportlich sein. Immer mehr Menschen arbeiten daher an ihrer Fitness, um das Schonheitsideal zu erreichen. Sie betreiben Wellness, gehen ins Fitnesscenter, machen Diat, stylen sich: Der Korper als Visitenkarte fur ein erfolgreiches, gesundes, gluckliches und zufriedenes Leben.

In diesem Zusammenhang fallt auf, dass es auch einen Trend gibt zu immer mehr Schonheitsoperationen, die ein weiteres Mittel der Selbstoptimierung sein sollen. Dies bestatigen die steigenden Zahlen solcher Operationen nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Industrielandern, wie ich weiter unten noch genauer belegen werde.

Welches sind die Motive von Menschen, ihren Korper einer Schonheitsoperation zu unterziehen? Die Hausarbeit wird sich mit der Frage beschaftigen, inwieweit das Individuum in diesem Zusammenhang frei uber seinen Korper bestimmen kann. Oder inwieweit es durch sozial und kulturell vermittelte asthetische Normen beeinflusst wird.

Beim Versuch Antworten auf diese Fragestellungen zu finden, werde ich vor allem auf eine Arbeit von Michel Foucault (1926-1984) zuruckgreifen, namlich sein Buch „Uberwachen und Strafen. Die Geburt des Gefangnisses“, das 1975 erschienen ist, aber auch auf die Soziologin Waltraud Posch, die sich in ihren Buchern mit der Schonheit im Zusammenhang mit dem Korper auseinandergesetzt hat.

Meine These ist, dass der gesellschaftliche Druck meist starker ist als die individuelle Entscheidung fur eine Schonheitsoperation.

2. Die Schonheitsideale im sozialen Kontext

Waltraud Posch weist darauf hin, dass sich Schonheitsideale im Laufe der Geschichte immer wieder verandert haben. Sie finden ihren „Ausdruck in Mode, Frisuren und Kosmetik, aber auch in grundlegenden Korpermerkmalen wie Gewicht, GroBe, Korperbau, Gesichtszugen und Haut.[1]‘a Aber nicht das Aussehen einer Person selbst entscheidet, was schon ist oder nicht, sondern wie es von der jeweiligen Gesellschaft bewertet wird. Schonheit ist keine objektive GroBe, sondern hangt immer vom sozialen Kontext ab und da liegt ihre groBe soziale Macht[2].

Waltraud Posch beschreibt die Besonderheit dieser Macht wie folgt:

„Das Aussehen beeinfluBt die Art, wie ein Mensch von anderen wahrgenommen wird, und dadurch auch, wie er selbst die zahllosen Kontakte mit anderen Leuten erlebt. Schonheit ist ein Werkzeug, um Anerkennung und Privilegien zu bekommen. Das Aussehen ist fur unsere Interaktion mit andern Menschen wichtig, es kann uns Lebenschancen eroffnen oder verschlieBen. Die Macht der Schonheit liegt darin, unser Leben zu beeinflussen und zu pragen.“[3]

Schone Menschen werden demnach in unserer Gesellschaft mit positiven Attributen bedacht, was sich in den verschiedensten Lebensbereichen als Vorteil erweisen kann: im Beruf, bei der Partnerwahl, beim alltaglichen Kontakt mit anderen Menschen.

Diese „Macht der Schonheit“ fuhrt dazu, dass Individuen die jeweils geltenden Schonheitsideale einer Gesellschaft anstreben. Sich dem Ideal einer bestimmten Kleidung, Friseur oder einem Make-up anzupassen, ist fur den Menschen noch relativ einfach zu erreichen. Aber wie sieht es aus, wenn der Korper den asthetischen Normen nicht entspricht? In modernen Gesellschaften stellen Schonheitsoperationen eine Moglichkeit dar, sich diesen Normen doch noch anzunahern.

2.1 Schonheitsoperationen - Zahlen & Fakten

Bei meiner Recherche konnte ich nur wenige Zahlen uber die Haufigkeit von Schonheitsoperationen in Deutschland finden. Interessante Daten fand ich von der Journalistin Cornelia Stolze. Bei „Evonik-Magazin“ hat sie einen Artikel uber Anti-Aging verfasst. In diesem erwahnt sie, dass nach Schatzungen der „Deutsche Gesellschaft fur Asthetische-Plastische Chirurgie“ im Jahr 2008 rund 500.000 Schonheitsoperationen in Deutschland vorgenommen wurden. Zum Vergleich: im Jahr 1998 waren es etwa 100.000 Menschen, die sich einer Operation unterzogen haben.[4]

Ahnliches lasst sich auch in USA feststellen. Dort gab es nach Angaben der American Society of Plastic Surgeons 2009 mehr als zwolf Millionen kosmetische Eingriffe. Was ein Anstieg von 69% innerhalb der letzten neun Jahre bedeutet.[5]

Wie ist diese Entwicklung zu erklaren? Im nachsten Abschnitt sollen mogliche Motive fur diesen Anstieg aufgezeigt werden.

2.2 Motive fur Schonheitsoperationen

Exemplarisch mochte ich aus einem Interview zitieren, das die Psychologin Ada Borkenhagen mit einer Patientin vor einer Operation gefuhrt hatte. Dabei ging es um eine BrustvergroBerung der Frau. Sie sagte:

„Ich mache das ausschlieBlich fur mich selbst. [...] Es geht mir dabei um mich, nicht um andere. Ich mochte mir endlich selbst gefallen. Und sozusagen ganz bewuBt etwas dafur tun. [.] Ich mochte mich in meinem Korper wohlfuhlen.“[6]

Von der Schonheitsoperation erhofft die Frau also eine bessere Kontrolle uber ihr Aussehen, um ihr Selbstwertgefuhl steigern zu konnen. Der Eingriff wird von ihr als selbstbestimmte Entscheidung empfunden. Ahnlich Aussagen lassen sich auch in anderen Interviews wiederfinden.

[...]


[1] Posch 1999: 14.

[2] Ebd.: 14.

[3] Posch 1999: 190.

[4] Stolze 2008: 34.

[5] American Society of Plastic Surgeons 2010.

[6] Borkenhagen 2001: 58.

Details

Seiten
10
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656198376
ISBN (Buch)
9783656199571
Dateigröße
572 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194568
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,0
Schlagworte
Schönheit Schönheitsoperationen Michel Foucault Diziplin Diziplinargesellschaft Überwachen und Strafen

Autor

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Titel: Schönheitsoperationen - Das Spannungsverhältnis zwischen gesellschaftlichen Normen und individueller Entscheidungsfreiheit am Beispiel von Schönheitsoperationen