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Hackerkultur - ein Überblick

Hausarbeit 2012 16 Seiten

Informatik - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einführung in verschiedene Hackerkulturen

3. Nach außen Hacker, nach innen nicht

4. Variationen von Hacks

5. Hackerszene und deren Umfeld

6. Vereine und Publikationen

7. Public Hacks

8. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit zum Thema Hacker beschäftigt sich mit Hackerkulturen in verschiedenen Zeitepochen. Sie ist begleitend zum Seminar Hackerethik, in welchem verschiedene Fragen zum Weltbild, der Definition und den Zielen von Hackern diskutiert wurden.

In dieser Arbeit verweise ich auf offizielle Definitionen und Sachlektüre, aber auch Romane, Zeitschriften, Filme und Blogs. Es gibt zahlreiche Quellen, die sich dem Thema Hacker, deren Methoden und Umfeld angenommen haben. Eine Vielzahl spiegelt aber nicht mehr aktuelle Sichtweisen wieder. Ich habe mich hier auf wenige Bücher über die Szene und aus der Szene beschränkt und verknüpfe diese mit heutigen Quellen und Präsentationen aus dem Internet.

Hierbei werfe ich vor allem die Frage auf, ob das, was in den Anfängen als Hackerkultur verstanden wurde, heute noch diese Definition trifft.

Doch was ist eigentlich Kultur?

Das Wort Kultur kommt aus dem lateinischen colere, was so viel wie bebauen, pflegen oder verehren bedeutet. Daraus lässt sich bereits ein Erschaffungsbegriff ableiten, so dass man Kultur nicht als selbstverständlich hinnehmen kann. Bezogen auf den Menschen wird dieser also als Gestalter der Kultur gesehen, im Gegensatz zur Natur, die nicht von ihm geschaffen wurde.[1]

Die Bereiche, in denen der Mensch gestalten kann, reichen von materiellen Dingen wie Technik, Umwelt oder Kunst bis zu immateriellen Werten wie Recht, Moral oder Religion. All diese Dinge werden nicht nur „erbaut“, sondern bedürfen auch der Pflege und werden in einer unterschiedlichen Art und Weise verehrt, was wieder zu der Übersetzung des Wortes colere führt.

Die Art und Weise wie mit Kultur umgegangen wird differenziert sich in allen Lebensbereichen und zu verschiedenen Zeiten. Kultur ist kein Singularetantum, man kann auch von den Kulturen sprechen, um verschiedene Ausbreitungen gleicher Bereiche auszudrücken.

Die Kultur ist also alles was der Mensch von sich aus erschafft und verändert, wohingegen Natur alles das bezeichnet, das von selbst ist wie es ist. Die Grenze ist allerdings nicht immer so klar, denn Natur selbst wird durch Kulturtechniken wie Kunst oder Wissenschaft beschrieben, also hat ja irgendwie alles mit Kultur zu tun, direkt oder indirekt. Der Stand der Technik verkleinert zudem die Grenzwerte zwischen Natur und Kultur immer weiter. In gewissen Teilen bezeichnet Kultur aber auch eine Richtung, sei es die Weisung ethnischer Maßstäbe oder Gewaltfreiheit.

Im Falle der Hackerkultur soll hier dargelegt werden, ob diese eine Richtung vorgibt, ob Sie erschaffend ist oder ob sie sogar Ziel von Verehrung ist. Den Begriff der Pflege kann man an verschiedenen Hackertreffen, öffentlichen Auftritten und Publikationen festmachen. Hier formen Gleichgesinnte ihr Ethos der Hackerkultur. Dadurch wird die „Einheit einer bestimmten sozialen Gemeinschaft konstituiert, stabilisiert sowie von anderen Gemeinschaften abgegrenzt“.[2]

Der Grundtenor von Kultur ist also, dass etwas aus seiner natürlichen Bestimmung durch Veränderung herausgeholt, um es entgegen seiner Natur zu verwenden. So kann auch die Hackerkultur verstanden werden, dass deren Anhänger den Computer oder andere technische Geräte durch Veränderung entgegen ihrer Bestimmung zu nutzen. Eine literarische Definition beschreibt den Hacker als jemanden, der „etwas gut programmieren konnte oder die Maschine in irgendeiner Weise beherrschte“.[3] Das trifft sowohl für die Phreaker mit ihrer Blue Box zu, die das Telefonnetz von AT&T in den 1980er Jahren aushebelten, als auch für die Cracker von Sicherheitssystemen, die sich Zugang auf nicht vorgesehenem Weg suchen. Vor allem kennzeichnet es alle diejenigen, die ein Gerät manipulieren, um es anders als gewollt zu verwenden.

Ich werde in meiner Bachelorarbeit über Hacker im Wandel der Zeit verschiedene Themen dieser Seminararbeit noch einmal detailliert aufgreifen. Es geht mir vor allem darum, das schwammige Bild von Hackern in der Öffentlichkeit gerade zu rücken. Oft werden Hacker und Computernerds vermengt, wobei nicht jeder Computerliebhaber ein Hacker ist und sich auch nicht jeder Hacker zwangsläufig auf Computersysteme beschränkt. Es ist also wichtig, diese nicht vorhandene, aber gerne benutzte Verbindung zu lösen und die Betrachtung auf den Hacker als solchen zu konzentrieren. Natürlich arbeiten Hacker, vor allem in den letzten Jahrzehnten, vorrangig in Informations- und Telekommunikationssystemen. Und im Zuge der Digitalisierung ist der Computer auch das primäre Medium. Dennoch ist der ideologische Grundsatz nicht nur darauf fokussiert, sondern hat vielmehr verschiedene Motivationen und nutzt auch verschiedene Medien.

2. Einführung in verschiedene Hackerkulturen

In diesem Kapitel möchte ich verschiedene Arten von Hackern einführen. Je nach Zielstellung, Auftreten und Wahrnehmung kann man nicht jeden Hacker über einen Kamm scheren. Was sie alle gemeinsam haben, ist der Drang, die Welt wie Sie von Uneingeweihten gesehen wird, zu verändern, sei es durch Manipulation, Veränderung oder öffentlich wirksame Aktionen. Etwas in nicht vorgesehener Weise zu benutzen versteht man allgemein als Hack:

A person who delights in having an intimate understanding of the internal workings of a system, computers and computer networks in particular.[4]

Da gibt es zum Einen den Akademischen Hacker. Anfang der 60er Jahre formte sich am Massachusetts Institute of Technology (MIT) eine Gruppe von Hackern, die sich mit dem vernetzten Arbeiten beschäftigten, lange Zeit bevor so etwas wie das heutige Internet existierte. Solche Gruppierungen gab es bald an mehreren Hochschulen. Der Begriff Hacker war damals noch nicht negativ konnotiert, da es diesen Studenten vorrangig um Neuerschaffung und Verbesserung ging. Dabei ließen sie auch Aspekte der Computersicherheit noch außer Acht. An das Hacken von Sicherheitslücken war vor 50 Jahren noch nicht zu denken. Einer der bekanntesten Vertreter der akademischen Hacker ist Eric Steven Raymond, US-amerikanischer Autor und Verantwortlicher mehrerer Open Source Projekte.

Das führt auch direkt zur nächsten Gruppe von Hackern, der Open-Source Kultur. Sie ging in den 70ern aus den Akademischen Hackern hervor. Sie fordern frei zugängliche Software und Offenlegen von Quellcode. Richard Stallmann, Präsident der Free Software Foundation und Gründer der Open Source Initiative empfand den „Verlust der Kontrolle von Benutzern über ihre eingesetzte Software als Einschränkung ihrer Freiheit“[5] und veröffentlichte die GNU General Public License, eine Freie-Software Lizenz.

Eine andere Gruppe sind die Phreaker. Diese Subkultur gilt als Anfang der kriminellen Manipulation zur persönlichen Bevorteilung. Sie manipulierten Telefonnetze, indem analoge Signaltöne (z. B. 2600 Hz) nachgestellt wurden, um kostenlose Telefongespräche zu führen. In einer Zeit ohne Flatrates gab es eine große Nachfrage, so dass sogenannte Blue Boxes teilweise kommerzialisiert wurden. Der Szenevater der Blue Box John „Captain Crunch“ Draper bemängelte oft, dass die Kultur ihn zu einer Symbolfigur machte, was ihn vor allem der Strafverfolgung amerikanischer Behörden aussetzte. Später wurde seine Erfindung sogar von Steve Wozniak (Apple Gründer) in großem Maße ohne sein Wissen verkauft.[6] Das widersprach komplett der Kernidee der Ur-Phreaker, welche die Kenntnisse lediglich in Szenekreisen publizieren wollten.

Die Phreaker hatten ihren Höhepunkt Mitte der 70er Jahre. In der 80ern gingen sie in die DFÜ-Szene (Datenfernübertragung) über und in den 90ern entwickelten sich daraus die Netzwerkhacker.

In der heutigen Zeit, wo Telefon und Internet nicht nur jedem zugänglich sind, sondern auch von der breiten Masse verstanden werden, sind Relikte der Netzwerkhacker häufig in IT-Sicherheitsfirmen wieder zu finden. Aus den Angreifern von damals sind die Wächter von heute geworden. Das ist verständlich, denn dadurch, dass sie viele Lücken kennen sind sie dafür prädestiniert diese auch für ihre Auftraggeber zu schließen. Auch in der Polizeiarbeit, z.B. in der Forensik sind Hacker ohne kriminelle Ambitionen wieder zu finden.

Dann gibt es da auch noch die politischen Hacker. Sie handeln nicht aus krimineller Energie und haben auch nicht das Ziel, etwas nachhaltig zu manipulieren. Sie sind vielmehr an öffentlicher Aufklärung interessiert und weisen, mit manchmal fragwürdigen Methoden, auf Lücken in puncto Sicherheit und Datenschutz hin, bzw. klären die Öffentlichkeit einfach nur über gewisse Umstände auf. Als Verein ist hier z. B. der Chaos Computer Club zu nennen. Auch die Gruppe Anonymous verfolgt dieses Ziel, allerdings mit nicht immer legalen Mitteln und ohne sich erkennen zu geben. Auf jeden Fall sind Aktionen dieser und anderer Gruppen in der Regel medienwirksam und erregen öffentliches Interesse.

3. Nach außen Hacker, nach innen nicht.

Grundsätzlich muss man, um die Hackerkultur zu verstehen, zunächst differenzieren. Es gibt verschiedene Formen des Hackens. Dabei unterscheidet man zum einen nach strategischen Zielen und nach Arten der Hacks. Es wird sich im Laufe des Textes zeigen, dass nicht jeder der sich Hacker nennt, oder als solcher von der Öffentlichkeit gesehen wird, tatsächlich etwas mit dem Hacken zu tun hat. Ich betone hier noch einmal, Hacker im eigentlichen Sinne ist jemand, der etwas „besonders gut programmieren konnte oder die Maschine in irgendeiner Form beherrschte“.[7] Im übertragenen Sinne sollte etwas durch Veränderung anderweitig, und nicht vorgesehenen Sinne, nutzbar gemacht werden. Gründe für Hacks können ganz verschieden sein. Bei den sogenannten Hackerpionieren war es größtenteils Neugierde und Entdeckerdrang:

Ich habe mal über einen Typen eine Telefonnummer bekommen und habe dann auch versucht, das System zu hacken. Das war nur so eine Idee, da mal reinzuschreiben, ich war da. Es war eigentlich nur reine Neugierde. […] Es geht eigentlich darum, einige Sachen auszuprobieren […], mal ein bisschen rumzutesten. …, das ist wie so ein Adventure: Man versucht, dass man reinkommt, und wenn man reinkommt, dann ist es gut, dann merkt man sich die Nummer und das war es dann.[8]

Es war für viele einfach der Kick etwas Unerlaubtes zu tun, aber ohne Schaden anzurichten.

Ein anderes erklärtes Hackerziel ist die Aufklärung. Gerade in den 80ern ging die Welt noch relativ jungfräulich mit dem Medium Computer und dem Internet um. Da es sehr wenig Erfahrung mit Computerkriminalität gab, wurde auch nicht viel über Schutz nachgedacht. Politisch motivierte Hacker setzten genau dort an und zeigten Lücken auf, und Schäden, die damit erreicht werden konnten. Ihr Anliegen ist, die Leute dazu zu bringen „ihre Systeme besser zu schützen. Wenn jemand reinkommt, müssen sie etwas ändern“.[9]

Für andere aber geht es schlichtweg um das Hauptanliegen von Hackern, der Maschine zu zeigen, wer sie erschaffen hat. Und nur wer die Systeme beherrscht, kann sie ihrer Meinung nach auch gestalten. Sicherheitsmechanismen hebeln bestimmte Hacker teilweise aber auch nur aus, um anderen Computerexperten zu zeigen, dass sie schlauer sind.

Besonders reizvoll ist es, wenn der Superuser eines anderen Netzes bemerkt, dass jemand eingedrungen ist und seinerseits versucht, den Eindringling zu eliminieren. Es ist für einen Hacker der Höhepunkt, die totale Kontrolle über das andere Netz erreicht zu haben.[10]

Anfangs ist man tagelang frustriert, weil man nicht reinkommt. Aber wenn man es dann geschafft hat, wenn man sich überlegt, dass man schlauer ist oder mehr Glück gehabt hat als derjenige, der versucht hat, das System vor solchen Leuten wie mir zu schützen, dann ist das schon eine phantastische Sache.[11]

[...]


[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Kultur aufgerufen am 12.04.2012

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Ethos aufgerufen am 12.04.2012.

[3] Heine, Die Hacker, in Eckert et al. (Hrsg), Auf digitalen Pfaden, Westdeutscher Verlag, 1991, Opladen, S. 153.

[4] Malkin, Internet Users' Glossary, RFC 1983, Network Working Group, 1996, S. 22.

[5] http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Stallman vom 12.04.2012.

[6] Moschitto/Sen, Hackertales, Tropenverlag, 2000, Stuttgart, S. 38.

[7] Eckert et al., Auf digitalen Pfaden, Westdt. Verl., 1991, Opladen, S. 153.

[8] ebenda, S. 164 ff.

[9] ebenda, S. 171.

[10] ebenda, S. 169.

[11] ebenda, S. 168.

Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656225508
ISBN (Buch)
9783656226185
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194498
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
Schlagworte
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Titel: Hackerkultur - ein Überblick