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Modern Media – Chances and risks for students in their social networks

How do online programs such as Edline influence the real life social network ‘family’?

Unterrichtsentwurf 2012 20 Seiten

Englisch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

1. Lernbedingungen

1.1 Lerngruppenbeschreibung

Die Klasse 11e wird von mir seit Beginn des aktuellen Schuljahres eigenverantwortlich im Fach Englisch unterrichtet. Sie setzt sich aus 12 Schülerinnen und 14 Schülern (SuS) zusammen.

Das Interesse und die Motivation der Klasse in Bezug auf die Themen und Inhalte des Englischunterrichts können momentan als durchschnittlich beschrieben werden, vor allem bei vier SuS liegen Arbeitsbereitschaft und Leistungsvermögen im mangelhaften bis ungenügenden Bereich.[1] Elf SuS beteiligen sich ebenfalls kaum am Unterrichtsgespräch, fünf von ihnen erbringen schriftlich lediglich ausreichende bis mangelhafte Leistungen, sechs von ihnen gute bis befriedigende Leistungen. Aufgrund der geringen mündlichen Beteiligung dieser SuS setze ich im Unterricht verstärkt kooperative Methoden ein, sodass die Mitarbeit aller SuS gleichermaßen gefordert wird und den stillen, jedoch leistungsstärkeren SuS Beteiligungsräume ermöglicht werden (Konsequenz 1). In diesen Partner- (PA) und Gruppenarbeitsphasen (GA) fallen die SuS gern ins Deutsche, wenn sie den Eindruck haben, ich werde dies nicht bemerken. Daher muss ich immer wieder auf die eingeführte English only -Regel verweisen (Konsequenz 2).[2]

Drei SuS sind mündlich im Mittelfeld zu verorten, obwohl S18 aufgrund seines Leistungsvermögens der Spitzengruppe zuzuordnen wäre.[3] Drei SuS liegen trotz sprachlicher Fehler mündlich im oberen Mittelfeld. Sie liefern viele Beiträge zum Unterrichtsgespräch, aber ihnen fällt es teilweise noch schwer, diese präzise zu formulieren, da sie aus ihrem bisherigen B-Kurs keinen kommunikativen Englischunterricht gewohnt sind. Daher ermutige ich sie immer wieder, Sätze in der Zielsprache zu formulieren und nehme behutsame Fehlerkorrektur vor (Konsequenz 4). Die Spitzengruppe setzt sich aus fünf SuS zusammen, die sich durch ihre stets zielführenden Beiträge deutlich vom Rest der Klasse abhebt, wobei sich S24 zusätzlich durch ihren Fleiß hervortut. Die hohe Leistungsheterogenität der Klasse führt zu sehr unterschiedlichen Arbeitstempi, sodass ich durch Binnendifferenzierung versuche, dieser Heterogenität gerecht zu werden (Konsequenz 5).

1.2 Lernvoraussetzungen – Lernausgangslage und Lernstand

Der Großteil der Klasse ist trotz gelegentlicher Fehler oder fehlendem Wortschatz in der Lage sich flüssig zu verständigen. Vier SuS verwenden dabei schon differenziertes Vokabular und beziehen ihre Äußerungen auf die ihrer Mit-SuS.[4] Das Leistungsvermögen der Lerngruppe im Umgang mit Texten ist heterogener einzustufen. Hier haben neun SuS noch Probleme unbekanntes Vokabular aus dem Kontext zu erschließen und Texte inhaltlich zielgerichtet zu verstehen. Eine detaillierte Einschätzung mit Bezug auf den Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GeR) in den für die heutige Stunde relevanten Kompetenzbereichen Reading und Spoken Production befindet sich im Anhang 4.4.[5]

Die SuS sind daran gewöhnt, im Englischunterricht in Partner- und Gruppenarbeit zu arbeiten (Konsequenz 1). Da alle SuS gut zusammenarbeiten, ist ein mehrfaches Verändern der Partner- und Gruppenkonstellation gut möglich und sowohl der Kommunikation als auch dem Ausbau der Sozialkompetenz förderlich. Mit der für die heutige Stunde relevanten Methode ‚Kugellager‘[6] (vgl. 3) sind die SuS vertraut, ebenso wie mit der eigenständigen Nutzung zur Verfügung gestellter Wörterbücher.

Der Einstieg in die vorliegende Einheit (vgl. 4.2) erfolgte über die Analyse der Mediennutzung der SuS und der Abgrenzung der Begriffe ‚Massenmedien‘ und ‚Neue Medien‘[7]. In diesem Zusammenhang wurde themenspezifisches Vokabular erarbeitet, sodass dies den SuS von Beginn der Einheit an zur Verfügung stand (Konsequenz 3) und im weiteren Verlauf der Einheit von den SuS selbstständig ergänzt wurde. Daran schloss sich die Auflistung der Online-Beschäftigungen der SuS[8] und die Erarbeitung des angemessenen Umgangs mit dem neuen Medium ‚Handy‘ an. Daraufhin folgte eine Zusammenstellung der sozialen Netzwerke innerhalb des neuen Mediums ‚Internet‘[9]. Die SuS haben deren Charakteristika erarbeitet[10] und den realweltlichen sozialen Netzwerken Familie, Freunde, Schule und Sportverein gegenübergestellt und auch hier deren Charakteristika erarbeitet.[11] In diesem Rahmen haben sich die SuS mit Vor- und Nachteilen von Onlinefreundschaften und Chatrooms auseinandergesetzt und diese nach einer Diskussion zum Thema Cybermobbing mit den Charakteristika der virtuellen sozialen Netzwerke verglichen.[12] Schließlich reflektierten die SuS das eigene Internetverhalten (Think before you post) und nahmen anschließend einen Perspektivwechsel vor, indem sie das eigene Internetverhalten aus der Sicht ihrer Eltern nachvollzogen. Nun erkannten die meisten SuS, dass Eltern sich nicht nur um die mögliche sexuelle Belästigung ihrer Kinder sorgen, sondern auch um den Zugang der Kinder zu virtuellen Welten, auf die sie keinen Zugriff haben und um die sie möglicherweise gar nicht wissen.[13]

Als vorbereitende HA zur heutigen 13. Stunde der Einheit haben die SuS zwei unterschiedliche Texte über ein Onlineprogramm (Edline) gelesen, das es den Eltern ermöglicht, die schulischen Leistungen der SuS jederzeit online abzurufen. Die Hälfte der Klasse arbeitete anhand ihres Texts die Vorteile dieses Programms heraus, die andere Hälfte anhand des zweiten Texts die Nachteile, sodass sich die SuS in der zu zeigenden Stunde zu den jeweiligen Argumenten austauschen.

2. Didaktische Überlegungen

2.1 Didaktische Begründung des Themas

Die SuS in der Einführungsphase (E-Phase) befinden sich in einem Entwicklungsprozess, in dem die Familie für die meisten SuS nach wie vor ein wichtiges soziales Netzwerk darstellt, dessen Einfluss jedoch zunehmend vom Freundeskreis aus Schule, Sportverein, etc. abgelöst wird. In diesem Zusammenhang fordert der Lehrplan die Thematisierung des Kernbereichs Growing Up[14] und die Auseinandersetzung mit dessen Themen familiy, peer group, school. In diesen sozialen Netzwerken gewinnen die Medien aufgrund ihrer Omnipräsenz in unserer heutigen Zeit zunehmend an Bedeutung, sodass die SuS den Begriff ‚soziales Netzwerk‘ eher mit den Neuen Medien und Schlagwörtern wie Facebook oder SchülerVZ assoziieren.[15] Im Zentrum der Unterrichtseinheit steht daher die Nutzung der Neuen Medien mit all ihren Chancen aber auch Risiken für die SuS. Aufgrund der häufigen Nutzung der Neuen Medien durch die SuS in deren Freizeitgestaltung, halte ich es für wichtig, die SuS für diese Thematik zu sensibilisieren (Gegenwartsbedeutung). Damit wird auch der Forderung des Lehrplans nachgekommen, dass der Englischunterricht „einen Beitrag zur Medienerziehung im Sinne eines bewussten, kritischen Umgangs mit Medien“[16] leisten soll. Im Sinne einer didaktischen Reduktion habe ich dabei den Schwerpunkt auf das neue Medium ‚Internet‘ und die darin existierenden Kommunikationsformen[17] gelegt, da das Internet aufgrund seiner fast unbegrenzten Möglichkeiten die größten Chancen und damit auch Risiken in sich birgt. Die SuS nutzen das Internet zu 50% um mit Freunden zu kommunizieren (vgl. 1.2). In diesem Zusammenhang spielen die virtuellen sozialen Netzwerke wie Facebook und SchülerVZ eine große Rolle, da die SuS sich hier mit ihren realweltlichen Freunden austauschen. Dies trägt dazu bei, dass sie immer auf dem neuesten Informationsstand innerhalb der peer group sind, sodass für die SuS die Chancen dieses Mediums eindeutig überwiegen. Um die SuS an eine kritische Mediennutzung heranzuführen (kumulativer Kompetenzaufbau), halte ich jedoch für essentiell, den Blick der SuS auch auf die Risiken zu lenken, indem ich sie dazu anhalte, sich mit den Vor- und Nachteilen der verschiedenen Kommunikationsformen auseinanderzusetzen. Im Sinne der SuS-Orientierung wurden zunächst die Vorteile thematisiert wie z.B. die Möglichkeit auch über große realweltliche Entfernungen in Kontakt bleiben zu können oder eine mögliche Überwindung von Schüchternheit aufgrund des Wegfalls der Kommunikation von Angesicht zu Angesicht. Im Anschluss daran folgte die Auseinandersetzung mit möglichen Nachteilen wie Cybermobbing. Da sich diese Vorgehensweise dazu anbietet, Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen, werden die SuS im Rahmen der Einheit an das Schreiben eines Essays herangeführt (kumulativer Kompetenzaufbau). Die SuS wissen um die Gefahren des Internets und zeigten sich von den negativen Auswirkungen betroffen[18], dennoch sehen sie keinen direkten Bezug zur eigenen Lebenswelt, da sie sich diesen Gefahren nicht ausgesetzt sehen. Aus diesem Grund werden in der heutigen Stunde Onlineprogramme thematisiert, die eine hohe Relevanz in Bezug auf die Lebenswelt der SuS haben (Problemorientierung). Dazu setzen sich die SuS mit Vor- und Nachteilen des Programms Edline auseinander, das bereits in vielen amerikanischen High Schools Verwendung findet.[19] Edline ermöglicht es den Eltern/Erziehungsberechtigten die schulischen Leistungen der SuS jederzeit online abzurufen. Das Thema der heutigen Stunde stellt somit die Verknüpfung des Virtuellen und der real greifbaren Welt der SuS dar, denn hier wird eine Möglichkeit aufgezeigt, wie das Medium Internet die realweltlichen sozialen Netzwerke ‚Schule‘ und ‚Familie‘ miteinander in Beziehung setzen und somit Einfluss auf sie nehmen kann.

2.2 Didaktische Analyse des Materials

Das zentrale Material der heutigen Stunde bilden zwei Texte über Onlineprogramme wie Edline (vgl. 2.1). Bei den Texten handelt es sich um Auszüge eines Zeitungsartikels der New York Times[20] , die den SuS die Lernchance bieten, sich zunächst intensiv mit den Vor- (vgl. 4.5.1.3) oder Nachteilen (vgl. 4.5.1.1) dieser Programme auseinanderzusetzen. In einem zweiten Schritt stellen sich die SuS diese Vor- und Nachteile gegenseitig vor. Auf diese Weise trainieren sie „Informationen [zu] vermitteln und aus[zu]tauschen“[21] und wenden dabei das im Rahmen der HA erworbene Vokabular an. Um den schwächeren (vgl. 1.1) oder auch unsicheren SuS die Möglichkeit zu geben, sich verständlich und sprachlich korrekt mitteilen zu können, habe ich bereits neben den als HA zu lesenden Texten Redemittel angegeben (Konsequenz 3). Auf diese Weise konnten sich die SuS bereits im Vorfeld mit ihnen vertraut machen und in der heutigen Stunde darauf zurückgreifen.

Vorteile, die die SuS dem Zeitungsartikel entnehmen können, sind, dass Edline die SuS schwer zu erreichender Eltern motiviert und einigen SuS sowohl dabei hilft, dass sie sich besser organisieren als auch dabei, dass sie von vornherein ein besseres Verhalten zeigen. Des Weiteren ermöglicht es eine bessere Kommunikation zwischen Lehrern und Eltern und eine allgemein bessere Kenntnis der Eltern über die schulischen Leistungen ihrer Kinder, da arbeitende Eltern einen einfachen Zugang zu Informationen über ihre Kinder haben und geschiedene Eltern sich unabhängig voneinander über die SuS informieren können. Aufgrund des Wegfalls von Lehrer-Elterngesprächen haben die Schulen mehr Lehrerkapazitäten zur Verfügung, die sie an die SuS zurückgeben können. Nachteile hingegen sind, dass Programme wie Edline SuS davon abhalten, ihr Leben selbstständig zu meistern. Die SuS sehen sich ständiger Beobachtung ausgesetzt, da die Eltern zu jeder Zeit Zugang zum Programm haben und die SuS sich daher nicht ernst genommen fühlen. Da die Eltern die Informationen auch falsch deuten können (aufgrund technischer Fehler oder weil sie nicht genau über die Nutzung der Programme informiert wurden) setzen diese Programme das soziale Netzwerk ‚Familie‘ enorm unter Druck und führen zu Stress.

Die SuS haben die Texte als vorbereitende HA gelesen. Dies ermöglichte es ihnen, in eigenem Tempo zu lesen[22] und je nach individuellen Bedürfnissen unbekanntes Vokabular nachzuschlagen, sodass den unterschiedlichen Arbeits- und Lesetempi der SuS Rechnung getragen werden konnte (vgl. 1.1). Damit wurde auch der Forderung des Lehrplans nachgekommen, dass sich die SuS authentische Texte „mit teilweise unbekanntem Sprachmaterial“[23] selbstständig erschließen. Zudem konnten die SuS in diesem Zusammenhang ihren themenspezifischen Wortschatz erweitern. Die Texte habe ich nach textinternalen[24] Faktoren binnendifferenziert (Konsequenz 5): Text A und Text B können bis zu acht Vorteile von Edline entnommen werden. Sie stellen mit etwa 330 Wörtern die kürzeren Texte dar. Vokabular, das den SuS Probleme bereiten könnte, habe ich annotiert, indem ich es in der Zielsprache umschrieben oder Synonyme[25] angegeben habe. Dabei habe ich für Text B die Vokabeln des Originaltexts annotiert, während ich bei Text A möglicherweise Schwierigkeiten bereitendes Vokabular bereits im Fließtext durch einfacheres Vokabular ersetzt und weiteres Vokabular annotiert habe.[26]

In der Austauschphase erhalten die SuS Arbeitsblätter (AB), auf denen sie sich Notizen zu den Vor-, bzw. Nachteilen machen können (vgl. 4.5.4), sodass sie ihre note-taking -Kompetenz trainieren. Zudem wird ihre Hörverstehenskompetenz gefördert, da sie ihren Mit-SuS aktiv zuhören müssen (vgl. 3), um die Notizen anfertigen zu können. Um den unterschiedlichen Arbeitstempi der SuS-Paare gerecht zu werden (Konsequenz 5), habe ich für schnelle Paare die Zusatzaufgabe vorbereitet, sich auf der Grundlage des Informationsaustauschs weitere Argumente für oder wider den Einsatz der Programme zu überlegen[27] und sich eine Meinung über die Programme zu bilden. Diese Überlegungen werden im Rahmen der Präsentationsphase wieder aufgegriffen.

Ich gehe davon aus, dass die SuS Edline zunächst subjektiv betrachten und eher negativ bewerten werden, da die Verknüpfung der sozialen Netzwerke Familie und Schule für sie eine hohe Alltagsrelevanz und auch unangenehme Folgen haben kann.[28] Edline bietet den SuS keinerlei Möglichkeit sich im Voraus zu rechtfertigen, sondern stellt die Eltern vor bereits vollendete Tatsachen. Damit bietet die Thematik den SuS die Lernchance sich zunächst intensiv mit Edline auseinanderzusetzen und die mögliche Nutzung solcher Programme unmittelbar auf die eigene Lebenswelt zu beziehen. In einem zweiten Schritt regt es zum Perspektivwechsel an, da sich eben auch Vorteile festhalten lassen. Dabei ist zu bedenken, dass Programme wie Edline nicht nur das soziale Netzwerk ‚Familie’, sondern auch SuS-Lehrerbeziehungen beeinflussen können, da beispielsweise die zwischenmenschliche Kommunikation in der Pause entfällt. Im Sinne einer didaktischen Reduktion werde ich diesen Aspekt in der heutigen Stunde jedoch nicht ansprechen, sondern bei einer Thematisierung durch die SuS in einer der Folgestunden erneut aufgreifen.

Als HA wählen die SuS im Sinne einer Binnendifferenzierung zwischen zwei Aufgaben. Die erste Aufgabe geht von der Situation aus, dass Edline an der Schule eingeführt werden soll und die SuS nun eine E-Mail an die SV verfassen, in der sie Vorschläge machen, wie mit diesem Programm sinnvoll umgegangen werden kann. Damit wenden sie die in der Stunde angesprochenen Themen erneut an. Um einer einseitigen Argumentation vorzubeugen, müssen sie sich sowohl auf die in den Texten erwähnten Vor- als auch auf die Nachteile eingehen. Die Alternativaufgabe sieht das Schreiben eines Essays vor: Die SuS erörtern die Frage, ob Programme wie Edline positiv oder negativ für SuS sind. Um die SuS zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Thematik anzuhalten und kurze Antworten zu vermeiden, gebe ich eine Mindestanzahl an zu schreibenden Worten vor.

2.3 Didaktisches Zentrum der Stunde

Im didaktischen Zentrum der heutigen Stunde steht die Kompetenz Sprechen. Die SuS trainieren dies, indem sie sich in Partnerarbeit die Vor-, bzw. Nachteile des Onlineprogramms Edline zusammenhängend darstellen. In einem zweiten Schritt geben sie den Inhalt des Gehörten einem neuen Partner wieder und tauschen sich mit ihm über die Vor- und Nachteile aus. Sie werden kompetenter in diesem Bereich, indem sie auch bei sprachlichen Schwierigkeiten versuchen das Gespräch aufrechtzuerhalten. Sie zeigen den Kompetenzzuwachs, indem sie ihre Meinung zu diesen Programmen darstellen und begründen und sich dazu äußern, inwiefern diese Programme das Familienleben beeinflussen (können). Die SuS trainieren zudem die Technik des note-taking/note-making, indem sie sich zur Vorbereitung der Informationsweitergabe während des Lesens der Texte/des Zuhörens ihrer Mit-SuS strukturierte Notizen machen.

3. Methodische Überlegungen zur Stunde

Die für die heutige Stunde relevanten Texte (vgl. 2.2 und 4.5.1) wurden von den SuS bereits als vorbereitende HA gelesen. Als Einstieg in die Stunde dient ein visueller Impuls (vgl. 4.5.3). Den SuS wird ein Foto präsentiert, das eine Frau zeigt, die stirnrunzelnd mit erhobenen Armen vor einem Laptop sitzt. Die SuS können das Foto mit den als HA gelesenen Texten verknüpfen[29] und themenspezifisches Vokabular umwälzen. Somit hat das Foto eine motivierende und gesprächsauslösende Funktion[30] und lässt die SuS im Englischunterricht ankommen.

Die Erarbeitung der Vor- und Nachteile von Edline soll in dieser Stunde in Anlehnung an die Methode Double Circle[31] oder ‚Kugellager‘ erfolgen. Alternativ hätte man auch die Methode Bus Stop[32] oder ‚Lerntempoduett‘ wählen können, die sich gut eignet, um den heterogenen Lesetempi der SuS gerecht zu werden. Meiner Erfahrung in dieser Lerngruppe nach führt sie jedoch eher dazu, dass langsame Leser, um nicht als Letzte am Kontaktpunkt anzukommen, dazu neigen, die Texte nicht genau zu lesen, sodass eine Weiterarbeit erschwert wird. Zudem hätte ich auf diese Weise die Texte nicht als vorbereitende HA aufgeben können. Die Methode ‚Kugellager‘ bietet gerade den stilleren SuS Beteiligungsräume (Konsequenz 1), da der Informationsaustausch mit nur jeweils einem Partner/Partnerin und nicht im Plenum erfolgt, zudem wird so die individuelle Sprechzeit erhöht. Ich habe mich für die Variante Information gap[33] entschieden, d.h. die SuS haben zwei unterschiedliche Texte (hier: Vor- und Nachteile) zu demselben Thema gelesen und informieren sich gegenseitig in der Erarbeitungsphase I.[34] Die Sitzordnung in dieser Phase wurde von mir so festgelegt, dass, soweit möglich, je ein leistungsstärkerer SuS mit einem leistungsschwächeren zusammenarbeitet. Insofern trainiert dieses kooperative Lernarrangement nicht nur das freie Sprechen und aktive Zuhören[35] (vgl. 2.2), sondern es bietet auch den Vorteil, dass sich die SuS gegenseitig sprachlich unterstützen können. Zusätzlich stehen den SuS Redemittel zur Verfügung. In dieser Phase werde ich den SuS helfend und beratend zur Seite stehen und eventuelle Fehler behutsam korrigieren (Konsequenz 4).[36] Da die SuS in PA gern ins Deutsche fallen (vgl. 1.1) werde ich ggf. ermahnend eingreifen (Konsequenz 2). Zusätzlich werde ich zwei SuS bitten, ihre Notizen auf Folie festzuhalten, die im Rahmen der Präsentationsphase als Zwischensicherung dienen.[37] Da sich die SuS in dieser Phase Notizen machen sollen, habe ich mich für eine Variante des Kugellagers mit Tischen entschieden. Nach dieser Phase rücken die SuS des Innenkreises zwei Stühle[38] weiter, sodass sie neue Gesprächspartner haben, denen sie nun in der Erarbeitungsphase II den Inhalt des eben Gehörten wiedergeben.[39] Auf diese Weise können die neuen Partner überprüfen, ob ihre Gegenüber die Informationen richtig verstanden haben und ggf. korrigieren. In der sich anschließenden Präsentations- und Sicherungsphase stellen die beiden SuS ihre Ergebnisse auf Folie vor und ich bitte das Plenum um Ergänzungen.[40] Diese Ergebnissicherung dient der Überprüfung der eigenen Ergebnisse und spricht durch die visuelle Komponente einen weiteren Lerneingangskanal an. Zudem kann sie in der Folgestunde[41] erneut aufgelegt werden. Daran schließt sich die Reflexionsphase an, in der die SuS zur Darstellung der eigenen Meinung bezüglich der Programme aufgefordert werden. Auf diese Weise reproduzieren sie nicht nur den Inhalt der Texte, sondern bringen eigene Ideen ein (SuS-Orientierung). Um allen SuS die Möglichkeit zur Beteiligung zu geben, werde ich an dieser Stelle Redemittel am active board ( vgl. 4.5.5) zur Verfügung stellen (Konsequenz 3). In einem zweiten Schritt setzen sich die SuS mit der Stundenfrage auseinander, inwiefern diese Programme das soziale Netzwerk ‚Familie‘ beeinflussen. Ich gehe davon aus, dass die SuS sich eher negativ zu Edline äußern werden (vgl. 2.2), sodass zu erwarten ist, dass negative Konsequenzen auch hier in den Vordergrund gestellt werden.[42] Um die Thematik in den Gesamtkontext der Einheit einzuordnen, nehmen die SuS anschließend eine Einschätzung vor, inwiefern Edline mit den bereits erarbeiteten Charakteristika des Netzwerks ‚Familie‘ übereinstimmt. Hier gehe ich davon aus, dass der Aspekt emotional[43] genannt wird, da beispielsweise durch Frust der Eltern und/oder SuS Emotionen ausgelöst werden, die zu Stress in der Familie führen. Des Weiteren kann es zu einer besseren Unterstützung der SuS durch die Eltern führen (support), da diese frühzeitig über die Leistungen der SuS informiert sind und sich nun intensiver mit ihren Kindern beschäftigen werden (face-to-face communication). In dieser Phase werde ich höchstens eine zurückhaltende Fehlerkorrektur vornehmen (Konsequenz 4), um die SuS in ihren Ausführungen nicht zu unterbrechen und lediglich eine moderierende Rolle einnehmen. Sollten sich Fehler häufen oder mir besonders relevant erscheinen, werde ich, um Fossilisierungen zu vermeiden, auf diese aufmerksam machen und korrigieren oder sie zumindest notieren, um in einer der Folgestunden auf sie zurückzukommen und zusammen mit den SuS zu korrigieren.

Die Vertiefungsphase hat die Funktion Edline in den alltäglichen Erfahrungsraum der SuS zu holen. Die SuS formulieren Anforderungen an ein solches Programm, wenn es an der Schule eingeführt werden sollte. Mögliche Vorschläge könnten sein, dass zunächst die SuS selbst über den Inhalt der E-Mails an die Eltern informiert werden, dass E-Mails nicht täglich, sondern in größeren Zeitabständen versendet werden sollen (wöchentlich/monatlich) und dass Edline auch über positive Leistungen informiert. Je nach noch verbleibender Zeit kann das Formulieren der Ideen in PA oder im Plenum und die Ergebnissicherung sowohl mündlich als auch schriftlich erfolgen, sodass ein Ausstieg jederzeit möglich ist. Die schriftliche Sicherung (Folie) erfolgt aus Zeitgründen durch mich und kann in der Folgestunde erneut aufgelegt werden. Die Ideensammlung dient der Vorbereitung auf die HA bei der die SuS einen der beiden Schreibaufträge wählen (vgl. 2.2). Entscheiden sie sich für den Essay, so kann dieser in der nächsten Stunde, vorbereitend auf die Klausur, als Grundlage zur peer correction herangezogen werden, alternativ wird der Essay aus Stunde 7 (vgl. 4.2) gewählt.

[...]


[1] Zwei von ihnen wiederholen bereits die E-Phase.

[2] Rückfragen ergaben, dass dies sowohl an der Bequemlichkeit der SuS als auch an mangelnden Redemitteln liegt, sodass ich darauf achte, den SuS Redemittel und Formulierungshilfen zur Verfügung zu stellen (Konsequenz 3).

[3] Im letzten Halbjahr ließ sein Arbeitsverhalten sehr zu wünschen übrig und er erschien oft verspätet zum Unterricht. Dies hat sich nach einem intensiven Gespräch verbessert, dennoch bedarf es ab und zu einer Ermahnung.

[4] Dies ist u.a. auf Auslandsaufenthalte (S25, S26) oder den Besuch des Bili-Kurses (S23, S24) zurückzuführen.

[5] Diese Einschätzungen beruhen auf meinen Beobachtungen im Unterricht sowie der Ergebnisse von HA, vocab tests und Klausuren.

[6] Die SuS bezeichnen diese Methode als Speed Dating.

[7] ‚Neue Medien‘ werden hier verstanden als Medien, die Daten in digitaler Form nutzen.

[8] Die SuS verbringen 50% ihrer Online-Zeit mit chatting with friends, auf Hausaufgaben (HA) entfallen 10%.

[9] z.B. social networking websites, chats, blogs, dating communities.

[10] z.B. no face-to-face communication, anonymous.

[11] emotional; support; face-to-face communication; you cannot log off; etc.

[12] An dieser Stelle erkannten bereits einige SuS, dass diese Welten außerhalb des Einflussbereichs der Eltern liegen können, was in den Folgestunden thematisiert wurde.

[13] Webseiten, auf denen man sich über Möglichkeiten des Selbstmords austauschen kann oder Blogs, die Tipps für anorektische Mädchen bieten.

[14] Hessisches Kultusministerium (Hrsg.): Lehrplan Englisch. Gymnasialer Bildungsgang. Jahrgangsstufen 5 bis 13. S. 52.

[15] Deshalb wurde zunächst die Abgrenzung virtuelle/realweltliche soziale Netzwerke erarbeitet (vgl. 1.2).

[16] Lehrplan, S. 8.

[17] Die Analyse von Kommunikationssituationen nach Watzlawik oder Schulz von Thun wird in dieser Einheit nicht thematisiert, da die SuS dies ausführlich im Rahmen des Deutschunterrichts erarbeitet haben.

[18] z.B. Selbstmord aufgrund von Cybermobbing.

[19] vgl. Schwarz, Hellmut: Context 21 Starter. Teacher’s Manual. Cornelsen 2010. S. 54.

[20] Somit stellen die Texte authentisches Sprachmaterial dar. Sie sind dem Lehrwerk Context Starter 21 entnommen und daher bereits didaktisiert (jeweils ein Text richtet den Fokus nur auf die Vor-, bzw. Nachteile).

[21] Lehrplan, S. 51.

[22] vgl. Haß, Frank: Fachdidaktik Englisch. Klett 2006. S. 150.

[23] Lehrplan, S. 51.

[24] Nach Haß handelt es sich dabei um Faktoren wie Textlänge oder die Menge (vermeintlich) neuer Lexik. Haß, Frank: Keiner wie der andere. In: Der fremdsprachliche Unterricht Englisch 94/2008, S. 6.

[25] stake – what is at risk; sly – clever

[26] In gleicher Weise bin ich bei den Texten C und D verfahren, denen bis zu sieben Nachteile von Edline entnommen werden können. Sie stellen mit etwa 390 Wörtern die längeren Texte dar, sodass Text D den anspruchsvollsten Text darstellt, das Vokabular aller Texte insgesamt aber von mittlerem Steilheitsgrad ist.

[27] pro: Die SuS können frühzeitig durch die Eltern unterstützt werden, wenn diese zeitnah von Schwierigkeiten der SuS in der Schule erfahren; kontra: hoher Arbeitsaufwand sowohl für Eltern als auch Lehrer.

[28] Dieser Eindruck verdeutlicht sich gerade an Elternsprechtagen. In den Gesprächen, deren Inhalte oft um negative Leistungen kreisen, sehen sich die SuS der E-Phase unmittelbar den Eltern als auch Lehrern ausgesetzt.

[29] z.B. hat die Mutter gerade durch das Onlineprogramm von den schlechten Leistungen ihres Kindes erfahren.

[30] vgl. Haß, 2006. S. 233.

[31] Grieser-Kindel, Christin; Henseler, Roswitha; Möller, Stefan: Method Guide – Schüler-aktivierende Methoden für den Englischunterricht in den Klassen 5-10. Schöningh 2006. S. 48ff.

[32] Grieser-Kindel, Christin; Henseler, Roswitha; Möller, Stefan: Method Guide – Methoden für einen kooperativen und individualisierenden Englischunterricht in den Klassen 5-12. Schöningh 2009. S. 60ff.

[33] Grieser-Kindel et al., 2006.S. 49.

[34] Partner A referiert die Vorteile, Partner B die Nachteile.

[35] vgl. Grieser-Kindel et al., 2006. S. 48.

[36] Dabei werde ich besonders auf S25 und S26 achten, da sie auf Folie schreiben und ich ihre etwaigen Fehler nicht in der Präsentationsphase thematisieren möchte, um sie nicht bloßzustellen.

[37] Hierbei handelt es sich um S25 und S26, da sie sowohl über eine leserliche Schrift, gute Kenntnisse der englischen Rechtschreibung und ein differenziertes Vokabular verfügen. Ich habe bereits im Vorfeld mit ihnen geklärt, ob sie sich zum Erstellen der Folien bereit erklären würden.

[38] Ich habe mich dafür entschieden, die SuS zwei Stühle weiterrücken zu lassen, damit sie in eine weitestgehend neue Gesprächsumgebung kommen.

[39] Partner A fasst nun die Nachteile zusammen, Partner B die Vorteile.

[40] SuS-Paare, die sich in den Erarbeitungsphasen bereits Gedanken dazu gemacht haben, können diese nun äußern.

[41] z.B. in der Phase der HA-Besprechung.

[42] Edline führt dazu, dass es bereits am Morgen zu für die SuS unangenehmen Situationen/Stress kommt; das Thema Schule und schulische Leistungen wird omnipräsent und verdrängt andere Themen; SuS werden auf ihre Leistungen reduziert; etc.

[43] vgl. Fußnote 11.

Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656224945
ISBN (Buch)
9783656227281
Dateigröße
792 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194414
Institution / Hochschule
Studienseminar für Gymnasien in Offenbach
Note
13
Schlagworte
Neue Medien soziales Netzwerk Kugellager Double Circle E-Phase

Autor

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Titel: Modern Media – Chances and risks for students in their social networks