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Assekuranzen und der Social Network-Gigant Facebook

Welches Potenzial bietet Facebook den deutschen Versicherungsgesellschaften?

Bachelorarbeit 2012 53 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Die Social Media - Eine Annäherung
1.2 Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit

2. Das soziale Netzwerk Facebook
2.1 Der Gigant unter den sozialen Netzwerken
2.2 Kommunikationsformen auf Facebook
2.3 Das Potenzial von Facebook-Seiten

3. Unternehmen aufFacebook: Warum Mitreden und Zuhören wichtig ist
3.1 Human Ressources Kommunikation
3.2 Reputationsmanagement via Facebook

4. Strategieansätze für Versicherungsunternehmen aufFacebook
4.1 Social Media-Strategien aufFacebook
4.2 Relevanz von Facebook für Versicherungsunternehmen

5... Das Forschungsprojekt
5.1 Zentrales Forschungsinteresse
5.2 Datengrundlage und Datenerhebung
5.2.1 Die Datenerhebung Phase 1: Sichtung der Facebook-Profile
5.2.2 Die Datenerhebung Phase 2: Analyse der aktiven Versicherer
5.3 Auswertung und Gegenüberstellung der Daten
5.3.1 Untersuchungsergebnisse 1: Präsenzverteilung aufFacebook
5.3.2 Untersuchungsergebnisse 2: Layout derUnternehmensprofile
5.3.3 Untersuchungsergebnisse 3: Klassifizierung der Unternehmens-Posts
5.3.4 Untersuchungsergebnisse 4: Interaktion mitdem Nutzer
5.4 Die Kommunikationstypen
5.4.1 Typisierung der Gruppen-Merkmale
5.4.2 Analyse: Gruppe
5.4.3 Analyse: Gruppe
5.4.4 Analyse: Gruppe 3
5.4.5 Empfehlung

6 Fazit und kritische Reflexion

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Social Media Prisma 2011 in Anlehnung an Brian Solis

Abbildung 2: Infografik Facebook

Abbildung 3: Datenaufbereitung Seitenstatistiken

Abbildung 4: Strategie-Entwicklung in Unternehmen

Abbildung 5: Wordcloud „Markenversprechen"

Abbildung 6: Zentrale Forschungsaspekte

Abbildung 7: Auswertung Untersuchungsergebnisse

Abbildung 8: AachenMünchener auf Facebook

Abbildung 9: Gemeinschaftsseiten auf Facebook

Abbildung 10: Neue Leben Versicherung - „Weckruf'-App

Abbildung 11: Neue Leben Versicherung Facebook-Seite

Abbildung 12: ERGO Versicherung Facebook-Seite

Abbildung 13: Gothaer Versicherung Facebook-Seite

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Verteilung beliebter Apps auf die Assekuranzen

Tabelle 2: Reaktionsverhalten in Bezug zu den Post-Inhalten

Tabelle 3: Versicherungen mit eingeschränkter Pinnwand-Funktion

Tabelle 4: Antwortverhalten der Assekuranzen

Tabelle 5: Kennziffern derA-Merkmale

Tabelle 6: Gruppe 1, A-Merkmale

Tabelle 7: Gruppe 1, B-Merkmale

Tabelle 8: Gruppe 2, A-Merkmale

Tabelle 9: Gruppe 2, B-Merkmale

Tabelle 10: Gruppe 3,A-Merkmale

Tabelle 11: Gruppe 3, B-Merkmale

1. Einleitung

1.1 Die Social Media - Eine Annäherung

Sie sind omnipräsent, die Begriffe Web 2.0, Social Web, Mitmach-Web, Social Media und Social Network - sie alle eint ein gemeinsamerAspekt, die „Möglichkeit für alle User, selbst Inhalte zu erstellen und diese über die verschiedensten Kanäle untereinander mitzuteilen."1 In den Social Media istjeder Sender und Empfänger zugleich.2 Unzählige Plattformen und Tools ermöglichen dem Nutzer, selbst Inhalte zu produzieren: Bilder können aufFlickr hochgeladen und anderen zugänglich gemacht werden. Ein Video, das eben erst mit dem Handy aufgenommen wurde, kann schnell aufYoutube zum Clip mit den meisten Aufrufen avancieren. 60 Millionen Menschen3 betreiben über Wordpress ein Weblog und schreiben dort über Themen, die sie interessieren und bewegen. 15 Millionen Menschen checken sich täglich von überall her mit ihrem Smartphone über den Standortdienst Foursquare ein.4 76 Prozent der deutschen Onliner sind Mitte des Jahres 2011 in einem Social Network registriert.5 Freunde, Verwandte, Bekannte, Kommilitonen, Arbeitskollegen - alle verschmelzen auf den unzähligen Plattformen, allen voran Facebook, zu unendlich vielen individuellen sozialen Netzwerken. Denn Menschen zusammenbringen, Beziehungen zwischen ihnen herstellen, jedem Nutzer die Möglichkeit geben, sein eigenes soziales Netzwerk zu schaffen und mit dem NetzwerkAnsichten, Erfahrungen, Erlebnisse, Orte und Eindrücke zu teilen, das sind die vorrangigen Zwecke der Social Media. In diesen Sphären scheint Stanley Milgrams „small world phenomenon"6 sich nun zu bestätigen: „Jeder kenntjeden, zumindest über sechs Ecken."7

1.2 Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit

Die vorliegende Bachelor Arbeit untersucht, inwieweit die deutsche Versicherungswirtschaft das Prinzip von Social Media als Chance begriffen hat und nutzt. Um dem Umfang und dem zeitlichen Rahmen einer Bachelor Arbeit gerecht zu werden, wird das Thema eingegrenzt. Analysiert werden die Aktivität und das Kommunikationsverhalten der Mitglieder des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. aufFacebook - dem größten sozialen Netzwerk weltweit. Von besonderem Interesse ist dabei, wie sich das Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren letztendlich auf die Interaktion zwischen Versicherungsunternehmen und Nutzer8 auswirkt. Inwiefern sind professionell gestaltete Facebook-Seiten ein Indikator für gelungene Interaktion mit dem Nutzer? Weist eine hohe Fan-Anzahl automatisch daraufhin, dass die Seite einen außerordentlichen Mehrwert für den Nutzer bietet? Wie ist die Resonanz der Fans9 auf Pinnwandeinträge und welchen Inhalt muss ein Pinnwandeintrag haben, um vom Nutzer beachtet zu werden? Lässt sich hinter den Unternehmens-Posts eine Social Media-Strategie mit klaren Leitlinien erkennen?

Das „äußere Erscheinungsbild" der Unternehmens-Seiten10 wird ebenso analysiert, wie die Inhalte der Unternehmens-Posts, die Resonanz auf selbige und die Bereitschaft des Unternehmens, Fan-Fragen auf der Pinnwand zu beantworten. Ihren Sinn und Zweck soll die Untersuchung darin finden, dass die Auswertung eine Klassifizierung der Assekuranzen in Kommunikationstypen ermöglicht. Die einzelnen Kommunikationstypen können anhand ihrer unterschiedlich stark ausgeprägten Merkmale bewertet werden. Mögliche Strategien der Versicherungsunternehmen werden sichtbar und Empfehlungen für die Weiterführung der Social Media Aktivität können getroffen werden.

2. Das soziale Netzwerk Facebook

2.1 Der Gigant unter den sozialen Netzwerken

Social Network und Facebook - zwei Begriffe, die einander prägen und oftmals synonym füreinander verwendet werden. Dabei ist die Bandbreite an sozialen Netzwerken groß, wie das deutsche Social Media Prisma zeigt und die sozialen Medien nach ihren jeweiligen Dienstleistungen für den Nutzer aufschlüsselt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Social Media Prisma 201111 in Anlehnung an Brian Solis

Doch Facebook ist mit seinen über 800 Millionen aktiven Nutzern, einem Interface, das von mehr als 300.000 Usern - freiwillig und kostenlos - in über 70 Sprachen übersetzt wurde und über 350 Millionen Menschen, die sich täglich über ihr Smartphone aufFacebook einloggen, weltweiterVorreiter unter den Social Networks.11 12 Die Frage „Kann ich deine Telefonnummer haben?" wird heutzutage oftmals ersetzt durch die Frage: „Bist du aufFacebook?".13 Seit Facebook im Jahr 2004 von dem Studenten Mark Zuckerberg und dessen Kommilitonen Dustin Moskovitz, Chris Hughes und Eduardo Saverin gegründet wurde, versteht sich die Social Media-Plattform darauf, seine Mitglieder an sich zu binden: Mit einem ständigen Fluss an Informationen und Neuigkeiten, die von niemand Geringerem stammen als den Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen und eben allen Personen, mit denen der Nutzer auf Facebook befreundet ist - seinem Netzwerk. Der „Branchenprimus Facebook“14 15 wächst beständig und vernetzt die Menschen untereinander.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Infografik Facebook13

Jeder Facebook-Nutzer verfügt durchschnittlich über 130 Freunde16. 50 Prozent der aktuell 800 Millionen Nutzer (im Jahr 2010 hatte Facebook nach eigenen Angaben „erst“ 400 Millionen Nutzer17 ] loggen sich täglich auf der Website ein. Vier Milliarden Inhalte, wie Fotos, Links und Neuigkeiten werden täglich auf Facebook geteilt. 900 Millionen Seiten, Gruppen und Veranstaltungen existieren bisher auf Facebook. Die rasant ansteigende Größe des sozialen Netzwerks, das zu Beginn ausschließlich darauf ausgelegt war, Studenten untereinander zu verknüpfen, lässt sich nur so begreifen, dass schon nach kurzer Zeitjeder aufgefordertwar, mitzumachen:

„Facebook bringt die Welt zusammen. Es ist zu einer übergreifenden kulturellen Erfahrung für Menschen in aller Welt geworden [...]."18

Ebenso können Unternehmen, politische und wohltätige Organisationen, Personen des öffentlichen Lebens, oder auch Dienstleister aufFacebook Seiten erstellen, die - ähnlich den Nutzerprofilen - Raum bieten, sich zu präsentieren.

2.2 Kommunikationsformen aufFacebook

Direkte Kommunikation auf Facebook findet im Wesentlichen durch vier Elemente statt:

1. Private Nachrichtenfunktion, auch Chat genannt
2. Posts auf der eigenen Pinnwand
3. Kommentare, die auf Posts folgen
4. Durch den „Gefällt mir"-Button19 - Indikator dafür, dass dem Nutzer etwas gefällt, bzw. er einem Sachverhalt zustimmt.

Seit Kurzem ist außerdem eine Videochat-Funktion aufFacebookverfügbar. Diese wurde in Kooperation mit dem etablierten Videotelefonie-Dienst Skype gelauncht, kurz nachdem Google+, das soziale Netzwerke des Suchmaschinen-Riesen, im Juli 2011 an den Start ging und als größter Konkurrent Facebooks gehandelt wurde. Das besondere Kommunikationspotenzial von Facebook liegt aber vor allem in dem konstanten Fluss an Neuigkeiten über „das eigene Netzwerk". Gemeint sind alle Menschen, mit denen der Nutzer auf Facebook befreundet ist, sowie die Seiten, die ihm auf Facebook gefallen. Auf der persönlichen Facebook-Startseite jedes einzelnen Nutzers laufen durch den FacebookAlgorithmus20 alle für wichtig erachteten Neuigkeiten der Freunde und Facebook-Seiten zusammen. Dabei stellt jede Neuigkeit schon für sich eine Form der indirekten Kommunikation dar: Ohne überhaupt zu fragen, erfährt der Nutzervon den Aktivitäten seiner Freunde. Denn „Neuigkeiten" sind vielfältig: Es kann sich um Status-Updates von Freunden handeln, Pinnwandeinträge von Unternehmensseiten, die zuvor geliked21 wurden, hochgeladene Fotoalben, Links zu anderen Websites oder ein veränderter Beziehungsstatus, Veranstaltungen an denen Freunde teilnehmen und vieles mehr. Jeder Kommentar und jeder „Like" den ein Nutzer einer Neuigkeit hinzufügt, beeinflusst im Folgenden die weitere Darstellung, da der Algorithmus die Relevanz mit jedem Element, das hinzugefügt wird, neu wertet.

2.3 Das Potenzial von Facebook-Seiten

„Unternehmen profitieren von einer vernetzten Welt. Deshalb verbinden wir 800 Millionen Menschen und ihre Freunde mit den Dingen, die ihnen wichtig sind."22 So heißt es im Produktleitfaden für Seiteninhaber aufFacebook. Im November 2011 veröffentlicht Facebook das Whitepaper und erklärt anschaulich, wie die erweiterten Funktionen der Seiten-Statistiken den Seiteninhabern helfen, ihre Seiten auszuwerten. Facebook bietet Unternehmen, Organisationen, Geschäften und Dienstleistern mit „Seiten" die Möglichkeit, sich in dem sozialen Netzwerk zu präsentieren: „eine Art „Unternehmensauftritt" oder „Webauftritt" innerhalb der Umgebung von Facebook."23

Mithilfe einer Unternehmens-Seite können neue Zielgruppen erreicht und Bestandskunden mit Informationen versorgt werden. Unternehmen können sich mit ihren Kunden vernetzen und über ihre Kunden weiterempfohlen werden - sie sind unmittelbar an den Meinungen und Bedürfnissen ihrer Zielgruppe dran. Alles geschieht dort, wo Onliner den Großteil ihrer „Online-Tageszeit" verbringen: auf Facebook.24

„Endverbraucher wollen auf derselben Ebene angesprochen werden, ungefilterte Informationen über Social Media erhalten und ihre Meinung gleichermaßen als ebenbürtige Reaktion auf die verbreiteten Botschaften kundtun."25

Seiteninhaber können ihrerseits aktiv an Dialogen teilnehmen und bieten eine Plattform zum gegenseitigen Austausch an. Die Zeiten des stummen Beobachtens, was Teil-Öffentlichkeiten im Web über das Unternehmen verbreiten, sind vorbei. Ein positiver Nebeneffekt: Google misst Social Media-Inhalten eine immer größere Bedeutung zu.26 Mithilfe der Seitenstatistiken liefert Facebook zudem nützliche Funktionen, um die Seitenaktivität zu messen. Die Statistiken für einen bestimmten Zeitraum können datumsgenau abgerufen und in eine .xls (Excel-) oder .csv (Text-Datei) umgewandelt und exportiert werden und bieten einen guten Überblick der Gesamtleistungen der Seite:

- „Gefällt mir"- Angaben insgesamt: Wie viele Menschen haben die Seite bisher geliked?
- Freunde von Fans: Wie viele Menschen können durch die bisherigen Fans theoretisch erreicht werden?
- Personen, die darüber sprechen: Anzahl der Einzelpersonen, die in den letzten sieben Tagen in irgendeiner Form auf der Seite interagiert haben (Kommentare, Likes etc.), oder die Seite erwähnt haben.
- Gesamte Reichweite: Alle Einzelpersonen, die in den letzten sieben Tagen mit der Seite verknüpfte Inhalte gesehen haben (bsp-. Werbeanzeigen, gesponserte Meldungen).

Neben diesen Gesamtleistungen27 können Seiteninhaber nun auch einzelne, gepostete Beiträge miteinander vergleichen und so feststellen, welche Beitragsarten am besten bei ihren Fans ankommen:

„Die ,Viralität'-Spalte ermöglicht [...] einen Vergleich zwischen den einzelnen Beiträgen, indem sie den Prozentsatz der Personen angibt, die mit ihren Freunden über deinen Beitrag gesprochen haben, nachdem sie ihn angesehen haben."28

Noch spezifischer kann der Seiteninhaber mit den Diagramm-Statistiken in die aufbereiteten Daten seiner Seite eintauchen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Datenaufbereitung Seitenstatistiken29

Diagramm 1: Über welche Kanäle wurden die Personen erreicht? Die gesamte Reichweite wird zur Beantwortung dieser Frage in folgende drei Kanäle aufgeteilt: organisch (Fans und Nicht-Fans, die den Beitrag in ihrem News-Feed29 30 oder auf der Seite selbst gesehen haben), bezahlt (über Werbeanzeigen) und viral (Nutzer, die über die Meldung eines Freundes auf den Beitrag gestoßen sind).

Diagramm 2: Welche Form der Interaktion löst der Beitrag aus? Wie wird er konsumiert, verbreitet und was wird angeklickt?

Diagramm 3: Eine genaue Übersicht darüber, wie auf die geteilten Meldungen31 der Fans reagiert wurde.

Um schließlich noch mehr über die Fans zu erfahren, bieten die Seitenstatistiken eine genaue Auflistung über Geschlecht und Durchschnittsalter der Nutzer, die im untersuchten Zeitraum neu hinzugekommen sind. Anhand der IP-Adressen wird zudem ermittelt, aus welchen Länder und Städten die Nutzer stammen. Diese Funktion kann ebenfalls angewandt werden, um die Reichweite zu messen: Wie schlüsseln sich die demografischen Angaben der Nutzer auf, die tatsächlich mit einem Beitrag erreicht wurden? Zielgruppengerechte Pinnwandeinträge können so leichter verfasst werden.

Die kostenlos abrufbaren Seitenstatistiken erleichtern außerdem die Auswertung und Optimierung der Seiten-Leistung für Unternehmenszwecke. Durch regelmäßiges abrufen und analysieren der Statistiken können Seiten besser auf die Anforderungen der Nutzer zugeschnitten werden und die Interaktion erleichtern. Unternehmen wird mit diesen Auswertungsmöglichkeiten das Rüstzeug an die Hand gegeben, um Erfolg oder Misserfolg einer Seite kontinuierlich nachzuverfolgen.

3. Unternehmen aufFacebook: Warum Mitreden und Zuhören wichtig ist

3.1 Human Ressources Kommunikation

Social Media weist Unternehmen neue Wege, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen. Unternehmen, die ihre Human Ressources-Kommunikation schon frühzeitig in ihre Social Media-Strategie miteinbeziehen, gewinnen langfristig einen Wettbewerbsvorteil:

„Um sich von Konkurrenten abzuheben, spielt die HR-Kommunikation eine immer größere Rolle. Dabei verschiebt sich der Fokus immer weiter weg vom Stellen- und hin zum Markenprofil."32

Genau diesen Aspekt gilt es dabei verstärkt zu beachten: Die Dachmarke gewinnt an Bedeutung! Die Herausforderung besteht also darin, sie kontinuierlich mit den Unternehmenswerten „aufzuladen" und sich so durchgängig unterscheidbar am Markt zu positionieren.33 Um im „War for Talents"34 letztendlich zu bestehen, setzen immer mehr Unternehmen aufEmployer Branding, das laut BVDW Social Media-Thesen 2011 zum „essentiellen Bestandteil für Unternehmen bei der Rekrutierungvon neuen Mitarbeitern"35 geworden ist. Der anspruchsvolle Bewerber sucht gezielt nach User Generated Content über das Unternehmen (bspw. auf dem Job-Bewertungsportal kununu.de), er forscht nach speziellen Karriereseiten des Unternehmens und informiert sich über die Aktivitäten der Mitarbeiter in den Social Media.36 Karriereseiten auf Facebook, die in die Unternehmens-Präsenz integriert werden, ermöglichen eine deutlich informellere Form der Bewerberansprache als statische Stellenanzeigen.37 Stellt man sich einen Beitrag über eine ausgeschriebene Stelle auf einer Facebook-Unternehmens-Seite mit über 1.000 Fans und dem Durchschnittswertvon 130 Freunden pro Nutzer (s. Kapitel 2.1) vor, so lässt sich durch einen Blick auf die Seitenstatistiken dieses Beitrags rasch feststellen, wie viele potenzielle Bewerber durch einen einzigen Beitrag erreicht werden können.

3.2 Reputationsmanagementvia Facebook

Monitoring und Reputationsmanagement sind nicht nur in den Social Media eng miteinander verwoben. Die Notwendigkeit von Web Monitoring besteht seit Menschen online ihre Meinungen und Ansichten über Unternehmen hinterlassen können. Im Zeitalter der sozialen Medien gewinnt das Monitoring noch an Bedeutung, nun da negative und diffamierende Ansichten mit einem Klick alle Freunde, Follower und Kontakte eines Nutzers erreichen und die Beiträge geliked, retweetet und geteilt werden können. Es reicht schon lange nicht mehr aus, Google ab und an mit dem Unternehmensnamen zu füttern und die Suchergebnisse zu betrachten. Die Verbreitung von Beiträgen erfolgt unglaublich schnell und Monitoring muss dementsprechend ein fortlaufender Prozess sein.38 Effektives Monitoring ist am besten durch einen Mix kostenpflichtiger und kostenloser Tools zu bestreiten.39 Ein umfassender Überblick über die Aktivitäten der Nutzer im Social Web ist unerlässlich und sollte in jede Social Media-Strategie miteinkalkuliert werden, da ansonsten kein aktives Reputationsmanagement möglich ist. Und noch eine weitere wichtige Funktion erfüllt das Monitoring: Kenn- und Zugriffszahlen ermöglichen die Ableitungvon KPIs (Key Performance Indicators ).40 Die Web-Strategen Lovett und Owyang haben zwölflndikatoren definiert, die der Erfolgsmessung dienen - die Kennzahlen beziehen sich auf: „Dialogqualität, Markenfans, Servicequalität und Innovationsgrad".41 Sie liefern somit einen Überblick über genau die Kennzahlen, die Aufschluss geben über Erfolg oder Misserfolg von Kommunikation und Interaktion. Die Kennzahlen der KPIs sind vom Management eines Unternehmens selbst festzulegen. Wer KPIs nutzen will, muss zuvor strategisch festgelegt haben, welche Ziele in welchem Zeitraum realistisch umzusetzen sind. Für die KPIs, die aus den Zielen abgeleitet werden, müssen dann „geeignete Kennzahlen definiert und Soll-Werte festgelegt werden."42 So ermöglichen KPIs eine Überwachung der Ziele und geben Aufschluss darüber, ab wann welche Maßnahmen erfolgreich sind.

In Sachen „Facebook" ist der erste Schritt in Richtung Monitoring und aktives Reputationsmanagement der einfachste: das Erstellen einer Unternehmensseite. Denn wer erst gar nicht auf Facebook präsent ist, der kann auch nicht auf etwaige Fake-Seiten eingehen, auf denen zuweilen regelrechte Shitstorms43 auf die Unternehmen niederprasseln. Eine Unternehmensseite aufFacebook signalisiert den Nutzern, dass nun jemand da ist, der Kritik oder das Lob auch tatsächlich hört. Schon die bloße Anwesenheit auf der Plattform kann negativen Entwicklungen entgegenwirken:

„Die Kunst erfolgreicher Kommunikation in Social Networks besteht [...] darin, nicht nur ständig zu reden, sondern auch ein guter und vor allem interessierter Zuhörer zu sein."44

Sofern Nutzerkommentare auf der Unternehmens-Pinnwand zugelassen sind, bietet sich den Fans dort Raum, Kritik oder auch Lob loszuwerden. Negative Stimmungsmache an anderer Stelle wird unnötig.

[...]


1 Grabs/ Bannour (2011), S. 21.

2 vgl. Bernet (2010), S. 10.

3 vgl. Wordpress (2011), Abruf: 15.12.2011.

4 vgl. Foursquare (2011), Abruf: 15.12.2011.

5 o.Verf. (2011d): Das deutsche Social Web in Zahlen (Q2/2011), Abruf: 02.01.2012.

6 Amerikanischer Psychologe, führte 1967 erste Experimente zum small world phenomenon durch

7 vgl. Dambeck (2008)

8 Zur besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männl. und weibl. Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für beiderlei Geschlecht.

9 Nutzer, die den „Gefällt mir"-Button der Unternehmensseite betätigt haben, werden zur Vereinfachung im Folgenden „Fans" genannt.

10 Im folgenden Verlauf sind damit immer die Seiten der Unternehmen auf der Plattform Facebook gemeint.

11 vgl. www.ethority.de (2011), Abruf: 06.12.2011.

12 vgl. Facebook, Inc. (2011a), Abruf: 06.12.2011.

13 in Anlehnung an Erik Qualmans „Socialnomics", zitiert nach Holzapfel (2011), S. 241.

14 Grabs/ Bannour (2011], S. 205.

15 vgl. Roth (2011]

16 Auf Facebook wird jeder neue Kontakt als „Freund“ bezeichnet.

17 vgl. Facebook.,Inc.(2011b], Abruf: 02.01.2012.

18 Kirkpatrick (2011), S. 16.

19 Der „Gefällt-mir"-Button, häufig „Like"-Button genannt, wird grafisch durch einen „Daumen­Hoch-Icon" dargestellt und erfreut sich nicht mehr nur aufFacebook großer Beliebtheit. Sprüche wie „i like" oder „gefällt mir" tauchen immer häufiger als Kommentare in Blogs, Foren und auch im täglichen Leben auf.

20 Der Edgerank gewichtetjeden einzelnen Beitrag nach verschiedenen Faktoren und sorgtso für die Darstellung der Nachrichten auf den Startseiten der Nutzer.

21 ugs. für den „Gefällt mir"-Button einer Unternehmensseite zu drücken.

22 Facebook, Inc. (2011d), S.1.

23 Holzapfel/ Holzapfel (2010), S. 72.

24 ebd.

25 BVDW Social Media Fachgruppe (2011), S. 26.

26 Grabs & Bannour (2011), S. 31.

27 vgl. Facebook, Inc. (2011d), S. 4.

28 vgl. Facebook, Inc. (2011d), S. 6.

29 Facebook, Inc. (2011d), S. 8 f.

30 Begriff wird synonym für die Neuigkeiten-Startseite verwendet.

31 Beiträge über die Seite, die durch die Fans generiert wurden.

32 BVDW Social Media Fachgruppe (2011), S. 8.

33 Patric Cloos zit. nach Stephan (2011), S. 64.

34 Steven Hankins prägte diesen Begriff 1997 im Rahmen einer McKinsey-Studie und bezeichnet damit den Kampf um qualifizierte Nachwuchs-Talente.

35 Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V. (2011), S. 1.

36 ebd.

37 Nienaber, Elling, & Liesenkötter (2011), S. 40.

38 Grabs & Bannour (2011), S. 101.

39 ebd., S. 104.

40 in Anlehnung an John Lovett und Jeremiah Owyang, zit. nach Grabs & Bannour (2011), S. 98.

41 ebd.

42 Fachgruppe E-Commerce im BVDW (2011), S. 31.

43 Dieser Begriff bezeichnet all das, was der Reputation einer Marke, eines Unternehmens, oder auch einer Person schadet und über das Social Web eine Eigendynamik entwickelt.

44 Holzapfel/ Holzapfel (2010), S. 29.

Details

Seiten
53
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656996477
ISBN (Buch)
9783656996484
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194401
Institution / Hochschule
Technische Hochschule Köln, ehem. Fachhochschule Köln
Note
1,3
Schlagworte
Facebook Versicherungsgesellschaften Kommunikationsverhalten Interaktion

Autor

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Titel: Assekuranzen und der Social Network-Gigant Facebook