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Von der Hoffnung zur Realität

Das Scheitern der amerikanischen Außenpolitik unter Barack Obama

Hausarbeit 2011 23 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: USA

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Ansatz des Liberalismus nach Andrew Moravcsik
2.1 Grundlagen des (neuen) Liberalismus
2.2 Die Vorteile des Liberalismus zur Erklärung der amerikanischen Außenpolitik

3. Amerikanische Nahostpolitik – Ein Überblick
3.1 Akteure der amerikanischen Außenpolitik
3.2 Amerikanische Nahostpolitik seit

4. Obamas Nahostpolitik
4.1 Nahoststrategie zu Beginn der Amtszeit 2008/
4.2 Entwicklungen und Auswirkungen der Nahoststrategie bis Juni

5. Welche Faktoren führten zum Scheitern Obamas Nahostpolitik?
5.1 Externe Faktoren
5.2 Die Öffentliche Meinung
5.3 Die wachsenden ideologischen Differenzen im Zweiparteiensystem
5.4 Die Interessengruppen
5.5 Die Strategie

6. Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der Nahe Osten ist traditionell eines der wichtigsten Interessengebiete der amerikanischen Außenpolitik. Neben den Handelsbeziehungen mit den ölreichen Staaten, der internationalen Terrorbekämpfung und der Sicherheit des Bündnispartners Israel, gehört auch die friedliche Lösung des Nahostkonflikts zu den wichtigsten Punkten der Nahostpolitik[1]. So sieht Zbigniew Brzezinski, ehemaliger Sicherheitsberater unter Präsident Carter, den Nahostkonflikt als Hauptursache für die wachsende Anti-Amerikanisierung in der islamischen Welt.[2] Mit seiner Neujustierung der amerikanischen Außenpolitik befasste sich Präsident Barack Obama mit diesem Problem. Eine neutralere und effizientere Strategie sollte den Friedensprozess rasch voranbringen und gleichzeitig einen Neubeginn der Beziehungen zwischen der westlichen Welt und den muslimischen Staaten markieren. Trotz anfänglich positiver Resonanz in der arabischen Welt und der Wiederaufnahme der Friedensgespräche musste Präsident Obama in seiner Nahost-Rede am 19. Mai 2011 ein negatives Resümee der außenpolitischen Arbeit in der ersten Hälfte seiner Amtszeit präsentieren.[3] SZ-Korrespondent Stefan Kornelius zufolge ist Obama „ nicht nur innenpolitisch am vorläufigen Tiefpunkt seiner Präsidentschaft angekommen. Auch außenpolitisch hat er sich verstrickt und ist ein Getriebener der inneren Zustände Amerikas. [...] Wenn einer keine Hoffnungen mehr nähren kann für Nahost, dann der amerikanische Präsident.[4] Es ist also anzunehmen, dass Obama aufgrund des innenpolitischen Drucks mit seiner Nahostpolitik gescheitert ist.

Die vorliegende Arbeit soll demnach untersuchen, ob und inwiefern Barack Obama mit seiner Nahostpolitik gescheitert ist und welche Faktoren hierfür verantwortlich sind.

Gegliedert ist die Arbeit wie folgt: In einem ersten Teil sollen zunächst die Grundlagen des theoretischen Ansatz des Liberalismus nach Andrew Moravcsik sowie Institutionen und Akteure der amerikanischen Außenpolitik vorgestellt werden. Im Anschluss wird ein knapper historischer Überblick über die amerikanische Nahostpolitik bezüglich des Nahostkonflikts gegeben. Hierbei sollen insbesondere die Gründe für das starke Bündnis zwischen den USA und Israel verdeutlicht werden. Im zweiten Teil dieser Arbeit soll die Strategie Obamas im Nahostkonflikt zu Beginn seiner Amtszeit erläutert werden. Im Anschluss daran werden die wichtigsten Entwicklungen und Auswirkungen dieser Strategie dargestellt und die Frage behandelt, ob und inwiefern Obama mit seiner Nahostpolitik gescheitert ist. Im abschließenden Teil der Arbeit soll eine empirische Untersuchung anhand des Liberalismus-Ansatz klären, welche Faktoren für das „Scheitern“ Obamas Nahostpolitik verantwortlich sind. Zum Ende der Arbeit wird ein allgemeines Fazit gezogen.

Die Außenpolitik von Barack Obama und die amerikanische Rolle im Nahostkonflikt werden aktuell äußerst eingehend diskutiert. Dabei kommen die meisten Experten zu dem Ergebnis, dass die Obama-Administration nicht das erreicht hat, was sie sich zu Beginn der Amtszeit erhofft hatte. Im Gegenteil sind viele von ihnen der Meinung, die Strategie des amerikanischen Präsidenten habe zu dem Ende der Friedensverhandlungen und dem unilateralen Vorgehen der Palästinenser geführt.

Aufgrund der Aktualität der Thematik ist bisher eher wenig Literatur vorhanden, daher wird in dieser Arbeit hauptsächlich auf Aufsätze in Fachzeitschriften zurückgegriffen. Der Aufsatz „Taking Preferences Seriously. A Liberal Theory of International Politics“ von Andrew Moravcsik war die Grundlage für die Darstellung des dieser Arbeit zugrunde liegenden Ansatz des Liberalismus. Zur Ausarbeitung der Ziele der Nahost-Strategie Obamas waren die Grundsatzrede des amerikanischen Präsidenten vor der Universität in Kairo sowie die National Security Strategy unentbehrliche Quellen. Zur Beantwortung der Leitfrage war der Aufsatz „From Hope To Audacity“ von Zbigniew Brzezinski maßgeblich, da er die Rolle der innenpolitischen Akteure als Hemmfaktoren für Obamas außenpolitischen Kurswechsel äußerst eingehend diskutiert.

2. Theoretischer Ansatz des Liberalismus nach Andrew Moravcsik

2.1 Grundlagen des (neuen) Liberalismus

Der neue Liberalismus, welcher dieser Arbeit zugrunde liegt, ist eine maßgeblich von Andrew Moravcsik entworfene Theorie der Internationalen Politik. Im Zentrum dieser Theorie steht die Auffassung, dass das staatliche Handeln durch die Beziehung zwischen Staaten und ihrem innerstaatlichen und transnationalen gesellschaftlichen Umfeld geprägt wird. Im Gegensatz zu den weiteren Großtheorien wird der Staat als einheitlicher und bestimmender Akteur der internationalen Ordnung aufgebrochen, um Einblick in die gesellschaftlichen Strukturen und Interessen zu geben.[5] Der Analysefokus wird also von der Staatenwelt, ihrer Machtverteilung, ihren strukturellen Kooperationshindernissen oder ihren Institutionen auf die Welt der staatlich organisierten Gesellschaften gelenkt.[6] Andrew Moravcsik erklärt diesen neuen Blickwinkel wie folgt: „ For liberals, the configuration of state preferences matters most in world politics – not, as realists argue, the configuration of capabilities and not, as institutionalists (…) maintain, the configuration of information and institutions.[7] Akteure des internationalen Systems sind demnach Individuen, die sich in der Regel zu kollektiv-handlungsfähigen sozialen Gruppen zusammenschließen. Dazu gehören Parteien, Gewerkschaften, religiöse oder ethnische Gruppierungen und weitere Interessengruppen.[8]

Das staatliche Handeln ist somit keine feststehende Variable, sondern das Ergebnis der gesellschaftlichen Verhältnisse. Zwischen den Einzel- und Gruppeninteressen herrscht ein ständiger Wettbewerb, der als innerstaatlicher Präferenzbildungsprozess bezeichnet wird. Anstelle eines einheitlichen Akteurs der Internationalen Politik, dient der Staat nunmehr als Transmissionsriemen dominanter gesellschaftlicher Präferenzen und wandelt diese in staatliche außenpolitische Präferenzen um:[9]a representative institution constantly subject to capture or recapture, construction and reconstruction by coalitions of social actors”.[10]

Moravscik unterscheidet zusätzlich zwischen drei Theorievarianten: dem ideational, dem commercial und dem republican liberalism.[11]

Im ideellen Liberalismus werden die außenpolitischen Präferenzen durch soziale Identitäten und Werte bestimmt. Je konvergierender die ideellen Interessen zweier Staaten sind, desto wahrscheinlicher ist die Kooperation. Bei divergierenden ideellen Werten und Identitäten ist Konflikt häufig.

Im kommerziellen Liberalismus basieren die Präferenzen auf den wirtschaftlichen Interessen, sind also von den Gewinnen und Verlusten gesellschaftlicher Akteure in transnationalen wirtschaftlichen Austauschbeziehungen abhängig.

In der republikanischen Variante steht die innerstaatliche Repräsentation im Vordergrund. Hierbei spielen die Form der Repräsentation, sowie die Anzahl der Akteure, die Zugang zum außenpolitischen Präferenzbildungsprozess haben, eine große Rolle: „ The key variable in republican liberal theory is the mode of domestic political representation, which determines whose social preferences are institutionally privileged.“[12] Je mehr Gruppen Zugang zum politischen Entscheidungsprozess besitzen und Einfluss nehmen können, desto weniger aggressiv und risikofreudig ist die Außenpolitik der jeweiligen Gesellschaft.

2.2 Die Vorteile des Liberalismus zur Erklärung der amerikanischen Außenpolitik

Die Vorteile der Theorie des Liberalismus kommen insbesondere bei der Analyse der amerikanischen Außenpolitik zur Geltung. Da der gesamte außenpolitische Prozess in den USA offener ist als in anderen Ländern, wie z.B. Deutschland, haben unzählige Interessengruppen die Möglichkeit, regelmäßig und mit großer Durchsetzungskraft Einfluss auf den Kongress und die Regierung zu nehmen. So sind außenpolitische Entscheidungen der Vereinigten Staaten in der Regel nur verständlich, wenn man sich ihre innenpolitische und gesellschaftliche Dimension vergegenwärtigt.[13] Bei der Analyse der Gründe für das starke Bündnis zwischen den USA und Israel ist die Theorie des Liberalismus ebenso unentbehrlich: Nur bei der Untersuchung der Innenseite der Außenpolitik und bei Berücksichtigung von Normen und Idealen in der Gesellschaft werden dem Betrachter die Gemeinsamkeiten deutlich, die der Freundschaft der beiden Staaten zu Grunde liegen.[14] Die enge Zusammenarbeit ausschließlich mit der besonderen geostrategischen Lage Israels zu begründen erscheint nicht ratsam, insbesondere, da das Bündnis mit den weiteren amerikanischen Interessen in der Region in Konflikt steht.

3. Amerikanische Nahostpolitik – Ein Überblick

3.1 Akteure der amerikanischen Außenpolitik

Um die amerikanische Nahostpolitik besser verständlich zu machen, sollen an dieser Stelle in aller Kürze die Akteure des außenpolitischen Systems vorgestellt werden. Diese lassen sich in drei Gruppen unterteilen: der Präsident und sein außenpolitischer Stab, der Kongress und die gesellschaftlichen Akteure.

3.1.1 Der Präsident

Der Präsident ist die zentrale Institution der amerikanischen Außenpolitik. Art. 2 der Verfassung weist ihm die Exekutivgewalt im politischen System zu.[15] Im Laufe der Zeit hat die Interpretation der Verfassung bezüglich des Amts sechs außenpolitische Funktionen hervorgebracht: Oberbefehlshaber der Streitkräfte, höchster Diplomat, Regierungschef, Staatschef, Gesetzesinitiator und Stimme des Volkes.[16] Der Präsident arbeitet sehr eng mit seinem außenpolitischen Stab zusammen, der aus dem Außenminister, dem Verteidigungsminister, dem nationalen Sicherheitsberater, dem Direktor der CIA und dem Schatzminister besteht. Im Gegensatz zur Verfassung der Bundesrepublik Deutschland zeigt weder die amerikanische Verfassung noch die Gesetzgebung auf, wie der außenpolitische Prozess funktionieren soll. So bleibt jedem Präsidenten die Möglichkeit überlassen, Art und Weise der Politikformulierung und Entscheidung selbst festzulegen.[17]

3.1.2 Der Kongress

Nach einer jahrhundertelangen Rivalität um die Kontrolle der Außenpolitik zwischen Regierung und Kongress hat das Parlament seine Bedeutung stark ausbauen können. Nach dem Prinzip des „checks and balances“ gibt es auch in der Außenpolitik eine starke Verschränkung der Kompetenzen. So sind beispielsweise Vertragsverhandlungen mit anderen Staaten sowie die Personalpolitik grundsätzlich Vorrechte des Präsidenten, bedürfen jedoch der Zustimmung des Senats.[18] Andere Kompetenzen, wie das Recht zur Kriegserklärung, liegen jedoch nur beim Kongress.

Hinsichtlich der Außenpolitik gegenüber Israel spielt der Kongress traditionell eine große Rolle. So kann man feststellen, dass im amerikanischen Parlament seit dem Zweiten Weltkrieg eine eindeutig pro-israelische Stimmung vorhanden ist. Dies zeigt sich z.B. an den großzügigen Bewilligungen von Wirtschafts- und Militärhilfen. Dass der Kongress als Streitpartner mit Israel ungeeignet ist, zeigen Analysen des Abstimmungsverhaltens, denen zufolge die pro-israelische Abstimmungsquote in der Regel 85%-95% beträgt.[19]

3.1.3 Die gesellschaftlichen Akteure

Präsident und Kongress sind zwar die wichtigsten Institutionen in der amerikanischen Außenpolitik, der Inhalt der Politik wird jedoch von den gesellschaftlichen Akteuren maßgeblich mitbestimmt. Im Folgenden sollen einige der einflussreichsten Gruppen in aller Kürze vorgestellt werden.

Das Interesse der Öffentlichkeit am internationalen Geschehen ist in den Vereinigten Staaten grundsätzlich eher gering. Dies wird oft genug von der außenpolitischen Elite beklagt. Trotz fehlender Kenntnis gibt es jedoch klare außenpolitische Prioritäten und Präferenzen.[20] So gibt es in den USA eine breite Unterstützung und hohe Sympathiewerte gegenüber Israel.[21] Professor Dominique Moisi zufolge ist Israel für die Mehrheit der Amerikaner mehr denn je „ die erste Verteidigungslinie des Westens gegen den vom Iran angeführten radikalen Islam “.[22]

Im Gegensatz zum Kongress haben sich hier aber auch Standpunkte entwickelt, die das Vorgehen Israels im Nahostkonflikt und die Behandlung der Palästinenser kritisieren. Insgesamt wünschen sich mehr als zwei Drittel der Bevölkerung eine neutrale und faire Maklerrolle der USA im Nahostkonflikt.[23]

Da Individuen selten alleine Präferenzen durchsetzen können, schließen sie sich in der Regel zu handlungsfähigen Interessengruppen zusammen. Die Offenheit des amerikanischen Systems ermöglicht es, diesen Einfluss auf Kongressabgeordnete und Entscheidungsträger der Außenpolitik zu nehmen. Dies geschieht nicht nur durch den persönlichen Kontakt zwischen ihren Repräsentanten und den Politikern, sondern auch anhand von Medienkampagnen, mit denen man versucht, entweder direkt auf die Entscheidungsträger im politischen System oder indirekt auf die amerikanische Bevölkerung einzuwirken.[24] Ein Großteil der Interessengruppen verfügt über große finanzielle Mittel und gute Organisationsstrukturen. So sind sie in der Lage einen großen Anteil an Wählerstimmen zu mobilisieren und können so Druck auf Abgeordnete des Kongress ausüben.

Interessengruppen gibt es für alle Sonderinteressen, so auch bezüglich des Nahostkonflikts. Während die arabische Lobby sehr schlecht organisiert, uneinheitlich und seit dem 11. September 2001 mit antiarabischen Stereotypen zu kämpfen hat, ist die Macht der pro-israelischen Lobby sehr groß.[25] Neben dem American-Israel Public Affairs Committee (AIPAC) gibt es zahlreiche neokonservative und evangelikale Gruppen, die ihre Präferenzen bezüglich der Nahostpolitik im Kongress vertreten.

3.2 Amerikanische Nahostpolitik seit 1918

Die enge amerikanisch-israelische Allianz begründet sich zum großen Teil auf den gemeinsamen Werten und Idealen. So äußerte der amerikanische Präsident Woodrow Wilson bereits kurz nach dem Ersten Weltkrieg Sympathien gegenüber der zionistischen Bewegung in Europa.[26] Als Mitglied der presbyterianischen Kirche assoziierte er das Heilige Land eher mit den Juden als mit den Arabern. Nach dem Zweiten Weltkrieg und den Gräueltaten des Holocausts entstand in den USA eine emotionale Bindung an das Volk der Juden, basierend auf dem Schuldgefühl nicht genügend gegen die Vernichtung des europäischen Judentums unternommen zu haben.[27] So waren die Vereinigten Staaten einer der größten Befürworter der Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina, dessen Regierungssystem basierend auf Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Gewaltenteilung für einen großen positiven Effekt auf die amerikanische Bevölkerung sorgte.

Trotz der freundschaftlichen Beziehungen bemühte sich die amerikanische Regierung in den 1950er Jahren um eine unparteiische Rolle im Konflikt zwischen Israel und Palästina und sorgte in der Suez-Krise (1956) für einen Rückzug der Israelis von der besetzten Sinai-Halbinsel und dem Gaza-Streifen. Im Zuge des Kalten Kriegs sah sich die amerikanische Regierung gezwungen, neue Verbündete im Nahen Osten zu gewinnen. Die positive Grundeinstellung der heimischen Bevölkerung gegenüber Israel und die vielen in den USA lebenden Juden machte die Entscheidung leicht. Sogar vor der Entwicklung der israelischen Atombombe schlossen die USA die Augen. Mit dem Sieg über die arabischen Nachbarstaaten im Sechstagekrieg von 1967 demonstrierte der kleine Verbündete seine militärische Macht in der Region und die USA erkannten die Wichtigkeit der Zusammenarbeit. Seither unterstützen die USA Israel finanziell und wirtschaftlich.[28]

Nach dem Ende des Kalten Kriegs kehrten die USA zu ihrer Vermittlerrolle im Nahostkonflikt zurück und wirkten mäßigend auf beide Konfliktparteien ein. So machte Präsident George Bush sen. 1991 die Zusage von Kreditbürgschaften im Wert von über zehn Milliarden US-Dollar von einem Siedlungsstopp in den besetzten Gebieten abhängig.[29] Sein Sohn, George W. Bush, war zehn Jahre später der erste amerikanische Präsident, der sich öffentlich für die Errichtung eines palästinensischen Staates aussprach. Mit der sog. „Road Map“ entwickelte die Bush-Administration im Juni 2002 einen Friedensplan, der innerhalb von drei Jahren zur Staatsgründung führen sollte. Die Road Map scheiterte schließlich aufgrund der andauernden Terroranschläge der Hamas. Infolgedessen unternahm Präsident Bush nichts gegen die israelischen Sicherheitsbestrebungen: die Errichtung der neuen Grenzmauer und den Ausbau der jüdischen Siedlungen im Westjordanland und dem Gaza-Streifen. Trotz der Friedensbemühungen verfolgte die Administration Bush eine pro-israelische Strategie. Die Ansprüche der Palästinenser fielen der vereinfachenden Freund-Feind-Kategorisierung des globalen Kampfes gegen den Terror zum Opfer.

Insgesamt ist festzustellen, dass die USA seit der israelischen Staatsgründung 1948 um eine friedliche Lösung im Nahostkonflikt bemüht sind, jedoch in der Regel eine pro-israelische Position vertreten. Dies wird durch die Theorie des „ideational liberalism“ erklärt, die das Maß an Kooperation und Zusammenarbeit mit den Gemeinsamkeiten an ideellen Werten und Identitäten der Gesellschaften in Verbindung setzt.

4. Obamas Nahostpolitik

4.1 Nahost-Strategie zu Beginn der Amtszeit 2008/2009

Zu Beginn seiner Amtszeit hatte Obama noch kein klares außenpolitisches Konzept. Die wichtigsten Eckpunkte der Israel- bzw. Nahostpolitik Obamas lassen sich deshalb nur anhand von Interviews und Reden, insbesondere seiner Grundsatzrede vom 4. Juni 2009 in Kairo, erkennen. Erst im Laufe des ersten Amtsjahres folgte eine Aktualisierung der National Security Strategy, indem die Regierung dem Kongress einen Überblick und eine Handlungserklärung zur Außen- und Sicherheitspolitik präsentierte.

Trotz der schwierigen Situation im Nahen Osten, erst an dem Tag von Obamas Amtsantritt hatte das israelische Militär seine umstrittene Intervention im Gazastreifen beendet, wird der Friedensprozess als eines der wichtigsten Handlungsfelder der Außen- und Sicherheitspolitik benannt - insbesondere, da der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern als Hauptgrund für den Konflikt zwischen dem Westen und der islamischen Welt identifiziert wurde. Um das Ziel einer friedlichen Zweistaatenlösung zu erreichen, sollte eine neue Strategie angewandt werden. Das Leitkonzept dieser neuen Politik lautete „Smart Power“, die Ausschöpfung des vollen Arsenals an Mitteln, mit der Diplomatie an der Spitze der Außenpolitik.[30] Neben dem neuen multilateralen Politikstil wurde die Rolle der USA als globale Führungsmacht betont.

[...]


[1] In dieser Arbeit soll unter dem Begriff „Nahostpolitik“ aus Platzgründen nur die amerikanische Strategie bezüglich Israel und des Nahostkonflikts verstanden werden.

[2] Vgl. Brzezinski, Zbigniew: From Hope to Audacity. Appraising Obamas Foreign Policy, in: Foreign Affairs, Januar/Februar 2010, S. 19.

[3] Zum Volltext der Nahost-Rede vom 19. Mai 2011: http://www.nytimes.com/2011/05/20/world/middleeast/20prexy-text.html?_r=1&adxnnl=1&pagewanted=all&adxnnlx=1322046039-r6tnMtKdL7Xz8xDNeaabrw (zuletzt besucht am: 15.10.2011).

[4] Kornelius, Stefan: Zauderer im Weißen Haus, in: Die Süddeutsche Zeitung, 21.09.2011.

[5] Vgl. Schieder, Siegfried: Neuer Liberalismus. In: Schieder, Siegfried/ Spindler, Manuela (Hrsg.): Theorien der Internationalen Beziehungen, Opladen/ Farmington Hills, 2006, S. 181.

[6] Vgl. Krell, Gert: Weltbilder und Weltordnung. Einführung in die Theorie der Internationalen Beziehungen, Baden-Baden, 2004, S.188f.

[7] Moravcsik, Andrew: Taking Preferences Seriously: A Liberal Theory of International Politics. In: International Organization, 51:4 (Autumn 1997), S. 513.

[8] Vgl. Schieder, Siegfried: Neuer Liberalismus, in: Schieder, Siegfried/ Spindler, Manuela (Hrsg.): Theorien der Internationalen Beziehungen, Opladen & Farmington Hills, 2006, S. 181. Oder auch Moravcsik, Andrew: Taking Preferences Seriously: A Liberal Theory of International Politics. In: International Organization, 51:4 (Autumn 1997), S. 516.

[9] Vgl. Schieder, Siegfried: Neuer Liberalismus, in: Schieder, Siegfried/ Spindler, Manuela (Hrsg.): Theorien der Internationalen Beziehungen, Opladen & Farmington Hills, 2006, S. 183.

[10] Moravcsik, Andrew: Taking Preferences Seriously: A Liberal Theory of International Politics. In: International Organization, 51:4 (Autumn 1997), S. 518.

[11] Vgl. ebd., S. 524ff.

[12] Ebd., S. 530.

[13] Vgl. Bierling, Stephan: Geschichte der amerikanischen Außenpolitik. Von 1917 bis zur Gegenwart, München, 2004, S. 32.

[14] Vgl. Schmidt, Brian: Theories of US foreign policy, in: Cox, Michael/ Stokes, Doug (Hrsg.): US Foreign Policy, New York, 2008, S. 14.

[15] Vgl. US-Verfassung, Volltext auf: http://frwebgate.access.gpo.gov/cgi-bin/getdoc.cgi?dbname=105_cong_documents&docid=f:sd011.105.pdf (10.10.2011).

[16] Vgl. Bierling, Stephan: Geschichte der amerikanischen Außenpolitik. Von 1917 bis zur Gegenwart, München, 2004, S. 32.

[17] Vgl. ebd., S. 34.

[18] Vgl. ebd., S. 45.

[19] Krell, Gert: Die USA, Israel und der Nahost-Konflikt. Studie über demokratische Außenpolitik im 20. Jahrhundert, in: Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung - Report 14/2004, S. 39.

[20] Vgl. Bierling, Stephan: Geschichte der amerikanischen Außenpolitik. Von 1917 bis zur Gegenwart, München, 2004, S. 64.

[21] Die Gründe hierfür finden Sie im anschließenden Kapitel

[22] Moisi, Dominique: Ohne Sympathie für Israel, in: Die Welt, 25.08.2006.

[23] Vgl. Krell, Gert: Die USA, Israel und der Nahost-Konflikt. Studie über demokratische Außenpolitik im 20. Jahrhundert, in: HSFK - Report 14/2004, S. 43.

[24] Vgl. Bierling, Stephan: Geschichte der amerikanischen Außenpolitik. Von 1917 bis zur Gegenwart, München, 2004, S. 65f.

[25] Vgl. Krell, Gert: Die USA, Israel und der Nahost-Konflikt. Studie über demokratische Außenpolitik im 20. Jahrhundert, in: HSFK - Report 14/2004, S. 41f.

[26] Vgl. ebd., S. 4.

[27] Vgl. Johannsen, Margret: Der Nahostkonflikt, Wiesbaden, 2011, S. 127.

[28] Vgl. Krell, Gert: Die USA, Israel und der Nahost-Konflikt. Studie über demokratische Außenpol im 20. Jahrhundert, in: HSFK – Report 14/2004, S. 20ff.

[29] Vgl. Johannsen, Margret: Der Nahostkonflikt, Wiesbaden, 2011, S. 129.

[30] Vgl. National Security Strategy 2009, S. 365, aufzufinden unter: https://digital.lib.washington.edu/dspace/handle/1773/4635 (15.10.2011). Sowie: Prinzipien und Pragmatismus. Clinton plant US-Außenpolitik, in: Süddeutsche Zeitung online, 13.01.2009, http://www.sueddeutsche.de/politik/2.220/clinton-plant-us-aussenpolitik-prinzipien-und-pragmatismus-1.372919 (26.10.2011).

Details

Seiten
23
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656194934
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194385
Institution / Hochschule
Universität Regensburg
Note
1,7
Schlagworte
Obama US-Außenpolitik Nahostkonflikt Nahost-Konflikt Israel Palästina Naher Osten

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Titel: Von der Hoffnung zur Realität