Lade Inhalt...

Lernformen in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung

Der Einsatz von Wiki-Hypertexten zur Förderung der Selbstlernkompetenz in der betrieblichen Bildung

Hausarbeit 2012 27 Seiten

Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition zentraler Begriffe

3. Theoretische Grundlagen und Überlegungen
3.1 Selbstgesteuertes und selbstständiges Lernen als Kompetenz
3.2 Selbstlernkompetenz im Rahmen Beruflicher Handlungskompetenzen
3.3 Die Entwicklung von Lern- und Selbstlernkompetenz
3.4 Wiki-Hypertexte im berufs- und wirtschaftspädagogischen Kontext
3.4.1 Charakterisierung von Wiki-Hypertexten
3.4.2 Lerntheoretische Überlegungen und didaktische Konzeption von Wiki- Hypertexten
3.4.3 Zuordnung von Wiki-Hypertexten zu betrieblichen Lern- und Wissensarten

4. Rollenbezogene Betrachtung von Wiki-Hypertexten
4.1 Grad der Selbststeuerung aus der Sicht des Auszubildenden
4.2 Die Rolle der Lehrenden
4.3 Einschätzungen des Lernpotenzials zur Selbstlernkompetenz

5. Fazit und Ausblick

Anhang

Literatur

Abbildungen und Tabellen

Abb. 1: Wirtschaftsdidaktische Begriffszusammenhänge

Abb. 2: Betriebliche Lern- und Wissensarten

Tab. 1: Merkmale des formellen und informellen Lernens

1. Einleitung

Die Anforderungen und Erwartungen an Arbeitnehmer, und demzufolge auch an Auszubildende und Berufsanfänger, haben sich in Bezug auf die beruflichen Handlungskompetenzen während des Wandels von der Industriegesellschaft zur heutigen Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft enorm verändert. Arbeitnehmer sind mehr denn je gefordert sich im Verlauf ihrer „Berufsbiografie mehrfach flexibel auf neue Situationen einzustellen und so auf die Veränderungen in einer sich schnell verändernden Arbeitswelt zu reagieren.“ (Euler & Hahn, 2007, S. 267). Somit rücken im Sinne des lebenslangen Lernens vor allem „die Fähigkeit zum 'selbstständigen Lernen' und die Frage nach den Möglichkeiten, sie zu fördern, [...] in den Mittelpunkt von Aus- und Weiterbildung und bestimmen die berufspädagogische Diskussion. (...) “ (zitiert nach Drees, 2008, S. 81).

Im Themenfeld „Lernformen in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung“ und vor dem Hintergrund der veränderten Arbeitswelt, liegt es nahe neue Lernkulturen zu ergründen, die diesen Anforderungen gerecht werden. So widmet sich die vorliegende Arbeit der Frage; Sind Wiki-Hypertexte, als Web 2.0 Medium, ein geeignetes Instrument zur Förderung und Entwicklung von Selbstlernkompetenzen in der beruflichen Erstausbildung?

Die Selbstlernkompetenz ist den Personalkompetenzen im Rahmen beruflicher Handlungskompetenzen zuzuordnen und erfährt eine immer größer werdende Bedeutung, sodass es unerlässlich ist bereits in der beruflichen Erstausbildung eine solide Basis zur weiteren Entwicklung dieser Kompetenz zu schaffen. Eine weitere Anforderung der heutigen Arbeitswelt ist die Erfüllung der täglichen Arbeitsaufgaben durch den Einsatz von neuen Medien wie Computern, speziellen Programmen und das Internet. Mit dem Einsatz des Web 2.0 Mediums „Wiki- Hypertexte“ als E-Learning-Methode, besteht die Möglichkeit den Entwicklungsprozess von Selbstlernkompetenzen zu unterstützen, zu fördern und gleichzeitig den Umgang mit neuen Medien zu erlernen.

Diese Arbeit versucht mittels grundsätzlichen theoretischen Überlegungen zum selbstständigen und selbstgesteuerten Lernen, die Verbindung der Entwicklung dieser Kompetenz mit dem Instrument „Wiki-Hypertexte“ herzustellen, um erste Antworten auf die zugrunde liegende Fragestellung zu geben. Dabei wird eine Charakterisierung des Mediums erstellt, gefolgt von Überlegungen zur Lerntheorie, didaktischen Konzeption und Zuordnung betrieblicher Lern- und Wissensarten. Daran anschließend wird auf die Perspektiven der Lernenden und Lehrenden eingegangen, um eine Einschätzung des Lernpotenzials dieser Lehrmethode zu erheben.

Dem Anspruch einer allumfassenden Analyse, Bewertung oder Umsetzungsempfehlung für diese Lehr- und Lernmethode kann diese Arbeit aufgrund des eingeschränkten Umfangs nicht, beziehungsweise nur in Ansätzen gerecht werden. Sie dient jedoch als Anstoß für vertiefende Auseinandersetzungen und Diskussionen oder Anreiz für Übertragungs- und Anwendungsversuche in verschiedenen Berufs-Branchen und Bereichen der betrieblichen Aus- und Weiterbildung.

2. Definition zentraler Begriffe

In Ergänzung zur vorausgegangenen Einführung werden in diesem Kapitel ausgewählte zentrale Begriffe definiert, um eine eindeutige Zuordnung im weiteren Verlauf dieser Arbeit zu ermöglichen.

a) Blended Learning

“Blended Learning (engl. Blender = Mixer) ist ein internet- bzw. intranet­gestütztes Lernsystem, das problemorientierte Workshops mit meist mehrwöchigen Phasen des selbstgesteuerten Lernens auf der Basis von Web Based Trainings und der Kommunikation über eine Lernplattform (Learning Management System - LMS) in Verbindung mit Transferaufgaben und realen Entscheidungssituationen in Praxisaufgaben oder Projekten bedarfsgerecht miteinander verknüpft.“ (Erpenbeck & Sauter, 2011, S. 150, zitiert nach Sauter 2004, S. 68).

b) E-Learning

„Darunter versteht man alle Formen von Lernen, bei denen digitale Medien für die Distribution und Präsentation von Lernmaterialien einschließlich der Unterstützung zwischenmenschlicher Kommunikation in Lernprozessen zum Einsatz kommen. E-Learning ist in zwei - oft verzahnten - Varianten anzutreffen: als Offline-Lernen, z.B. DVD, CD usw. und als Online-Lernen, z.B. WLAN, Internet, LMS usw.“ (Klimsa & Issing, 2011, S. 524).

c) Kompetenz

Da derzeit keine allgemeingültige Definition des Kompetenzbegriffs existiert, bedarf es einer kontextbedingten Interpretation des Begriffs. Auf diese Arbeit bezogen, soll eine Zuordnung aus der berufs- und wirtschaftspädagogischen Perspektive erfolgen und der Kompetenzbegriff im Sinne des Konzepts der Schlüsselqualifikationen verwendet werden. Dieses betont stärker „[...] jene Dispositionen [...], die erforderlich sind, um sich in stetig verändernden Umwelten zu orientieren und diese aktiv zu gestalten“ (Nickolaus et al., 2010, zitiert nach Minnameier, S. 249). Weitere Ausführungen erfolgen in Kapitel 3.

d) Social Software/Social Media

“Bezeichnet Anwendungen, die als Teil eines soziotechnischen Systems menschliche Kommunikation, Interaktion und Zusammenarbeit unterstützen. Dabei nutzen die Akteure Potenziale und Beiträge eines Netzwerks von Teilnehmern.“ (Back, Gronau & Tochtermann, 2009, S. 284)

e) Web 2.0

„Web 2.0 steht für eine neue Form der Nutzung des Internets, bei welcher die Nutzer nicht nur Konsumenten, sondern auch Produzenten von Inhalten sind. Unmittelbar damit verbunden sind ein Paradigmenwechsel (z.B. Wisdom of Crowds[1], Offenheit) sowie bestimmte Eigenschaften von Web-Applikationen (z.B. beliebige Kombinierbarkeit von Daten und Anwendungen durch offene Schnittstellen und die Anwenderfreundlichkeit).“ (Back, Gronau & Tochtermann, 2009, S. 285).

f) Wiki-Hypertexte

„Wikis sind ein web-basiertes Autorenwerkzeug, um kollaborativ Inhaltssammlungen zu erstellen. Sie basieren auf dem Hypertext-Prinzip. [2] Das erste Wiki wurde 1995 entwickelt und in Anspielung auf das World Wide Web (WWW) und die hawaiianische Bezeichnung „wiki wiki“ für „schnell“ das WikiWikiWeb genannt.“ (Back, Gronau & Tochtermann, 2009, S. 10).

Eine Wiki-Umgebung gleicht einer „Website, die clientseitig (d.h. von Nutzern) lediglich mit Hilfe eines Web-Browsers aufgebaut und editiert wird. Ein Wiki wird oft in Zusammenarbeit mit anderen Nutzern entwickelt und verfügt im Allgemeinen über eine Verlaufsprotokollierung. Somit wird insbesondere kollaboratives Arbeiten und Lernen gefördert. Bekanntestes Beispiel ist Wikipedia.“ (Klimsa & Issing, 2011, S. 547). Der Kommunikationsverlauf zwischen den Autoren der Wiki-Umgebung ist asynchron; das Senden und Empfangen von Daten findet somit zeitlich versetzt statt. Einzuordnen sind Wiki- Hypertexte als Kommunikationsinstrumente des Webs 2.0 dem Bereich Social Software. Um einen Wiki-Artikel zu bearbeiten oder einzustellen ist eine bestehende Internet- oder firmeneigene Intranetverbindung notwendig.

3. Theoretische Grundlagen und Überlegungen

Nach erfolgter Einführung in das Arbeitsthema und Erläuterungen zu zentralen Begriffen, widmet sich dieses Kapitel dem selbstgesteuerten und selbstständigen Lernen (Kap. 3.1 u. 3.2), der Entwicklung von Lern- und Selbstlernkompetenzen (Kap. 3.3) sowie Charakterisierung von Wiki-Hypertexten im Verhältnis eines berufs- und wirtschaftspädagogischen Kontexts (Kap. 3.4).

3.1 Selbstgesteuertes und selbstständiges Lernen als Kompetenz

„Die Ziele der Kompetenzentwicklung [...] spiegeln vielmehr die veränderten Anforderungen der Unternehmen an ihre Mitarbeiter und Führungskräfte, aber auch das veränderte Informations- und Kommunikationshandeln in der Gesellschaft und in den Betrieben wieder“ (Erpenbeck & Sauter, 2007, S. 145). Diese Aussage kann aus ökonomischer Sicht als Begründung der Notwendigkeit des selbstgesteuerten Lernens hinzugezogen werden, denn zu den veränderten Anforderungen zählt das selbstständige, lebenslange Lernen „[...] im Sinne eines Selbstmanagements zur Sicherstellung der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen im globalen Wettbewerb sowie der individuellen ,employability‘ [3].“ (Wolf & Seifried, 2010, S. 72). Seidel verdeutlicht “Selbstgesteuertes Lernen im Sinne eines aktiven Prozesses der Aneignung von Kompetenzen (Faulstich 1981) stellt an sich eine Kompetenz dar, die Selektions-, Entscheidungs-, Steuerungs­und je nach Situation Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit, Gestaltungswillen, eigenverantwortliches Handeln und Selbstmotivation erfordert.“. Diese Fähigkeiten können weder bei langjährigen Mitarbeitern noch bei Berufsanfängern vorausgesetzt werden, zudem sind sie sehr unterschiedlich ausgeprägt, sodass es eines organisierten Lernprozesses bedarf, der diese Schlüsselkompetenz aktiviert, ausbaut und somit die Arbeitsmarktfähigkeit des Einzelnen unterstützt. „Auch die Fähigkeit zu lernen wird damit zum Gegenstand des Lernens.“ (Seidel, 2002, S. 195).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Übersetzung und Anmerkung durch die Autorin: Zu Deutsch „Die Weisheit der Vielen". Unter diesem Titel erschien ein Buch des Journalisten James Surowiecki („The Wisdom of Crowds. Why the Many Are Smarter Than the Few and How Collective Wisdom Shapes Business, Economies, Societies and Nations.")

[2] „Von Vannevar Bush (1945) geprägter Begriff zur Beschreibung der nicht-linearen Repräsentation von Texten. [...] Im Zusammenhang mit der computerbasierten Informationspräsentation versteht man hierunter zum einen die Technik der nicht-sequenziellen Repräsentation von Informationen in einem Netzwerk von Informationsknoten und elektronischen Verknüpfungen, zum andern die Hypertext­Datenbasis [...], in der die Informationspräsentation erfolgt" (Klimsa & Issing, 2011, S. 527).

[3] Anmerkung der Autorin: „employability“ zu Deutsch hier i.S. „Arbeitsmarktfähigkeit“ des einzelnen Mitarbeiters.

Details

Seiten
27
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656194644
ISBN (Buch)
9783656194866
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194372
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Berufs- und Wirtschaftspädagogik
Note
2,0
Schlagworte
Wiki-Systeme Bildungswissenschaft Modul 3D Selbstlernkompetenz Betriebliche Bildung Ausbildung Wirtschaftspädagogik Berufspädagogik Wikis Wiki-Hypertexte

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Lernformen in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung