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Die Posttraumatische Belastungsstörung am Beispiel von Soldatinnen und Soldaten im Auslandseinsatz

Therapeutische und familiäre Aspekte zur Krankheitsbewältigung

Studienarbeit 2012 28 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Einleitung

3. Geschichte der PTBS

4. Definition der PTBS

5. Therapiemöglichkeiten bei einer Erkrankung an PTBS
5.1 Die Kognitive Verhaltenstherapie
5.2 Die psychodynamische imaginative Traumatherapie nach Reddemann
5.3 EMDR-Eye Movement Desensitization and Reprocessing nach Shapiro
5.4 Pharmakotherapien

6. Vor und Nachsorge durch die Bundeswehr

7. Selbsthilfegruppen

8. Familienberatungszentren

9. Das familiäre Umfeld- ein wichtiger Faktor bei der Krankheitsbewältigung

10. Schlusswort

Literaturverzeichnis

Anhang

1.Vorwort

Im Juni 2011 teilte mir meine Schwester mit, dass sie in den Auslandseinsatz nach Afghanistan gehen würde. Ich hatte mich bis dahin noch nie intensiv mit dem Beruf meiner Schwester befasst, weil der Beruf Soldat, ein Beruf wie jeder andere für mich war. Auch über die Einsätze der Bundeswehr war ich nur über die Nachrichten oberflächlich informiert.

Im Januar 2012 ist meine Schwester dann nach Afghanistan abgereist. Im Vorfeld hatten wir nur einige wenige Gespräche über ihren Auslandseinsatz.

Ich habe mich von ihr beim Familienbetreuungszentrum Euskirchen anmelden lassen. Wenige Tage nach ihrer Abreise erhielt ich dann die erste Einladung des Familienbetreuungszentrum(FBZ) Euskirchen zu einer Informationsveranstaltung. Zu diesem Zeitpunkt habe ich dann endlich realisiert, dass sich meine Schwester nun in einem Kriegsgebiet aufhält, auch wenn sie mehrfach geäußert hat, dass sie dort einen „sicheren“ Arbeitsplatz hat und nicht ins „Kampfgebiet“ muss. Aber ich fragte mich nun, ob wir sie im Vorfeld als Familie genug gestärkt hatten. Habe ich sie wirklich mal nach ihren Ängsten gefragt oder war es besser nicht eingehender darüber zu sprechen?

Das FBZ hatte auch eine Broschüre beigelegt, die Informationen über deren Tätigkeit und weitere Kontaktadressen enthält. Diese Informationen führten mich dazu, mich tiefergehend mit der Thematik zu beschäftigen. Ich stieß immer wieder auf Texte, die im Zusammenhang mit PTBS und den Soldaten im Auslandseinsatz standen.

Ich habe mich dann entschlossen dieses Thema zu wählen, um mehr über die PTBS zu erfahren, wie meiner Schwester seitens der Bundeswehr geholfen würde, falls sie ein traumatisches Erlebnis haben würde und wie Angehörige damit umgehen sollten.

2.Einleitung

Es gibt eine Menge an Informationen über die PTBS. Man kann z.B. vieles über die Therapien, über die Studien, die zur Feststellung der Effektivität dieser Therapien durchgeführt werden und vieles über die Ansätze, die die Entstehung dieser Krankheit zu erklären versuchen, erfahren. Im Zusammenhang PTBS und Bundeswehr kommen dann noch die politischen und gesellschaftlichen Aspekte hinzu. Es gibt also sehr viele Blickwinkel, aus denen man sich mit dem Thema PTBS beschäftigen kann.

Ich denke gerade wenn man sich im Kontext der Bundeswehr mit dem Thema PTBS beschäftigt ist es wichtig neutral damit umzugehen, damit man die verschiedenen Perspektiven (Politik, Bundeswehr, Gesellschaft) im Umgang mit dieser Erkrankung verstehen kann. Ob man diese dann auch moralisch unterstützen kann, ist eine andere Frage und hat meiner Meinung nach mit der Krankheit selbst nichts zu tun.

Da das Feld der Psychotraumatologie so breit gefächert ist, ja fast unübersichtlich erscheint, möchte hier eine Darstellung der wichtigsten aktuellen Informationen über die PTBS zusammenfassen, die für alle Menschen gelten, die durch ein traumatisches Erlebnis erkrankt sind. Aus gegebenem Anlass beziehe ich mich aber auf Soldaten im Auslandseinsatz und deren Angehörige.

3.Geschichte der PTBS

Die Folgen eines erlebten Traumas werden schon seit vielen Jahren diskutiert. Aber erst 1992 wurden diese Folgen als Krankheit anerkannt und im ICD10 aufgenommen[1].Es werden viele Ansichten zur Entstehung erörtert. Wenn man sich die Entwicklung anschaut, kann man feststellen, dass es immer geschichtliche bzw. gesellschaftliche und politische Aspekte gab, die eine Definition der PTBS erschwerten, bzw. beeinflussten. Insbesondere das 19. Jhd. hat viele Erkenntnisse gebracht. So hat sogar die Industrialisierung, wie beispielsweise durch den Ausbau des Eisenbahnnetzes die Forschung angestoßen, da hier erstmals festgestellt wurde, das Menschen, die einen Unfall katastrophenartigen Ausmaßes erlitten hatten, Symptome aufwiesen, die nicht durch eine körperliche Verletzung zu erklären waren(railway spine)[2]. Die Ansätze zur Entstehung dieser psychischen Erkrankung und deren Behandlung wurden immer wieder neu diskutiert und auch den Gegebenheiten angepasst, vor allem wenn es um Entschädigungszahlungen ging, wurde die Definition einer psychischen Erkrankung nach einem Trauma immer wieder an die Gesetzte angepasst, sodass es für die Opfer, bzw. Erkrankten kaum möglich war eine Entschädigung geltend zu machen[3]. Viele Psychiater, Nervenärzte, Neurologen, wie Charcot, Freud, Janet, Oppenheim etc. haben große Schritte in der Erforschung dieser Erkrankung gemacht, aber bis heute gibt es keine eindeutige Erklärung zur Entstehung der posttraumatischen Belastungsstörung. Aber neurologische Erkenntnisse, wie beispielsweise die von Oppenheim zur traumatischen Neurose, die bereits wieder verworfen waren, gewinnen heute neue Brisanz, da es nachgewiesener Maßen eine Schädigung der Neurotransmitter im Gehirn gibt, wenn man einer lebensbedrohenden, die Belastungsfähigkeit überschreitende Situation ausgesetzt ist[4].

Erst durch die beiden Weltkrieg und den Vietnamkrieg hat die Erkrankung erstmals an Bedeutung gewonnen. Frühere Begriffe wie Kriegsneurose, traumatische Neurose, Kriegszitterer, shell shock, etc., und die Symptome die man darunter verstand, wurden seit dem Vietnamkrieg zu einem neuen Beschwerde-und Krankheitsbild, der posttraumatischen Belastungsstörung, zusammengefasst[5].

Das das Erleben eines Traumas schon immer mehr oder minder schwere Folgen hatte ist einleuchtend, aber ich bin der Meinung, dass z.B. durch die gesellschaftlichen Gegebenheiten, der Mensch eine höhere oder niedrigere Belastungsfähigkeit besitzt. Im Mittelalter gehörte es beispielsweise zur Volksbelustigung einer Bestrafung durch Köpfen beizuwohnen. Ich denke man hatte zu dieser Zeit eine andere Ansicht von Leben und Tod und die Menschen waren „abgehärtet“, was den Umgang mit toten, entstellten Körpern betraf. Es gibt natürlich keine Berichte über erkrankte Menschen, die sich diesem Spektakel ausgesetzt haben, aber die Menschen haben sich ja meist freiwillig diesen Bildern ausgesetzt. Könnte man sich heutzutage noch vorstellen, sich an einem Sonntagnachmittag zur Hinrichtung zu treffen und sich im Anschluss einen abgetrennten aufgespießten Kopf zu betrachten? Ich denke viele Menschen würden diesen Ort traumatisiert verlassen, auch wenn daraus nicht unbedingt eine PTBS entsteht.

4.Definition der PTBS

Die Benennung dieser Erkrankung richtet sich danach, nach welchem Klassifikationssystem gearbeitet wird. (ICD10: Posttraumatische Belastungsstörung PTBS DSM IV: Posttraumatic Stress Disorder PTSD)

Die Posttraumatische Belastungsstörung ist eine Traumafolgestörung und wird im ICD10 und DSM IV wie folgt definiert:

ICD-10

- Die Betroffenen sind einem kurz oder lang anhaltenden Ereignis oder Geschehen von

außergewöhnlicher Bedrohung mit katastrophalem Ausmaß ausgesetzt, das nahezu bei

jedem tief greifende Verzweiflung auslösen würde.

- Anhaltende Erinnerungen oder Wiedererleben der Belastung durch aufdringliche

Nachhallerinnerungen, lebendige Erinnerungen, sich wiederholende Träume oder durch

innere Bedrängnis in Situationen, die der Belastung ähneln oder mit ihr im

Zusammenhang stehen.

-Umstände, die der Belastung ähneln oder mit ihr im Zusammenhang stehen, werden

tatsächlich oder möglichst vermieden. Dieses Vermeiden bestand nicht vor dem

belastenden Ereignis.

- Entweder

1.Teilweise oder vollständige Unfähigkeit, einige wichtige Aspekte der Belastung zu

erinnern.

oder

2.Anhaltende Symptome (nicht vorhanden vor der Belastung mit zwei der folgenden

Merkmale)

– Ein- und Durchschlafstörungen
– Reizbarkeit oder Wutausbrüche
– Konzentrationsschwierigkeiten
– Hypervigilanz
– Erhöhte Schreckhaftigkeit

DSM-IV

A Ereigniskriterium: Die Person hat ein traumatisches Ereignis erlebt, das zwei

Bedingungen genügt:

– Die Person erlebt oder beobachtet ein oder mehrere Ereignisse, in der eine potenzielle

oder reale Todesbedrohung, ernsthafte Verletzung oder eine Bedrohung der

körperlichen Versehrtheit bei sich oder anderen geschah.

– Die Person reagierte mit intensiver Furcht, Hilflosigkeit oder Schrecken.

[...]


[1]Thomann/Rauschmann 2003 S.104

[2]Thomann/Rauschmann 2003 S.105ff

[3] Thomann/Rauschmann 2003 S.115ff

[4]Zobel. S.20ff

[5]Thomann/Rauschmann 2003 S.134ff

Details

Seiten
28
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656196617
ISBN (Buch)
9783656200307
Dateigröße
2.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194302
Institution / Hochschule
ALH Akademie für ganzheitliche Lebens- und Heilweisen
Note
1
Schlagworte
belastungsstörung beispiel soldatinnen soldaten auslandseinsatz therapeutische aspekte krankheitsbewältigung

Autor

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Titel: Die Posttraumatische Belastungsstörung am Beispiel von Soldatinnen und Soldaten im Auslandseinsatz