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Die Nikobaren als Objekt kolonialer Bestrebungen

Hausarbeit 2011 19 Seiten

Geschichte - Australien, Ozeanien

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Über die Dokumentation einer fremden Welt
2.1 Kolonialistische Perspektiven
2.2 Reiseberichte als Quelleart

3, Der Reisebereicht von Adolf Eschel Kroon
3.1 Einwohner
3.2 Wirtschaft
3.3 Verwaltung

4. Der Bericht der Galathea-Expedition
4.1 Einwohner
4,2 Wirtschaft
4.3 Verwaltung

5. Kolonialistisches Denken im Vergleich

6. Fazit

7. Quellen- und Literaturverzeichnis

1.Einleitung

In dieser Hausarbeit geht es um die Kolonisierungsgeschichte der Nikobaren. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht der Reisebericht von Adolf Eschel Kroon aus dem Jahr 1785. In diesem Bericht unterbreitete der Kaufmann dem dänischen Königshaus das Angebot, die Inselgruppe der Nikobaren als Kolonie auszubeuten.

Ziel dieser Arbeit ist es, „kolonialistisches Denken“ in dieser Quelle zu identifizieren. Dabei ergibt sich jedoch ein Problem. Dieser Bericht ist mit der Intention verfasst worden, die Ausbeutung dieser Inselgruppe als besonders attraktiv und gewinnbringend darzustellen. Eschel Kroon machte gewissermaßen Werbung für seine geplante Unternehmung, aus der er auch persönlichen Gewinn ziehen wollte. Es wird daher angenommen, dass die Darstellung der Inselgruppe und deren mögliche Bedeutung für den Handel in Asien bewusst nicht korrekt beschrieben wurden. Um diesen Verdacht zu überprüfen, wird die Quelle auf die Fragestellung hin untersucht, welche Informationen über die Nikobaren präsentiert werden. Mit der Hilfe weiterer Quellen werden die Informationen anschließend verglichen. Für diesen Vergleich wurde der Bericht der so genannten Galathea-Expedition aus den Jahren 1845-47 ausgewählt. Dabei handelte es sich um eine von der dänischen Regierung in Auftrag gegebene Forschungsexpedition, bei welcher die Nikobaren auf ihre Eignung zur Kolonisation hin untersucht wurden. Diese Quelle wurde ausgewählt, weil in dieser auch die Risiken einer Ausbeutung der Kolonien dargestellt werden. Die Quelle ist aus einer wissenschaftlichen Perspektive heraus entstanden. Gemeinsam ist beiden Quellen, dass sie vor dem Hintergrund „kolonialistischen Denkens“ entstanden sind. Deshalb und aufgrund der relativen zeitlichen Nähe erscheint es sinnvoll, den Vergleich zwischen diesen zu wagen.

Im ersten Abschnitt werden wichtige Begriffe definiert, wie zum Beispiel „kolonialistisches Denken“ oder „Reisebericht“. Im zweiten Abschnitt wird die Quelle des dänischen Kaufmanns vor dem Hintergrund der dargestellten Fragestellung analysiert. Im dritten Abschnitt wird der Reisebericht der Galathea-Expedition untersucht. Im Anschluss daran erfolgt ein Vergleich der Informationen aus beiden Quellen unter der Fragestellung, in wie weit die Reiseberichte die Grundprinzipien kolonialistischen Denkens berücksichtigt haben. Im Fazit wird schließlich eine Aussage darüber getroffen, welche Wirkung der Umgang mit den koloristischen Grundprinzipien auf die Rezeption des Textes von Eschel Kroon gehabt haben mag.

2. Über die Dokumentation einer fremden Welt

2.1 Kolonialistische Perspektiven

Es gibt ein breites Spektrum kolonialgeschichtlicher Quellentypen. Zu diesen zählen Missionarsberichte, Verwaltungsakten, Memoiren, Reiseberichte, fiktionale Literatur, Zeitungsartikel, Propagandaschriften und auch wissenschaftliche Untersuchungen aus verschiedenen Fächern. Diese hohe Bandbreite an Quellentypen macht es schwierig, Verallgemeinerungen über kolonialistische Perspektiven zu erhalten. Die häufig sehr unterschiedlichen Motive der Kolonialisten erschweren dies zusätzlich. Nach Jürgen Osterhammel existieren drei Grundelemente kolonialistischen Denkens: die Idee der unversöhnlichen Fremdheit, der Glaube an die höheren Weihen der Kolonisation und die Utopie der reinigenden Verwaltung.[1]

Die Idee der unversöhnlichen Fremdheit beschreibt die Vorstellung, dass die Bewohner außereuropäischer Regionen grundsätzlich anders beschaffen seien, als Europäer. Damit einher geht die Vorstellung einer geistigen, körperlichen und kulturellen Überlegenheit der Bewohner der alten Welt. Dieses Grundprinzip kolonialistischen Denkens konkretisierte sich in unterschiedlicher Weise, zum Beispiel wurden die religiösen Bräuche der kolonisierten Völker Zeugnisse heidnischer Verworfenheit interpretiert. In der spätesten Form entwickelte sich aus diesen Denkmustern der Rassismus.[2]

Aus der Überlegenheit der europäischen Kolonialherren ergab sich eine Pflicht zur Vormundschaft. Die kolonialen Herrscher sahen sich in der ein einer doppelten moralischen Pflicht, einerseits die Bewohner der überseeischen Gebiete an der Moderne teilhaben zu lassen und andererseits die ungenutzten Ressourcen der Kolonien der gesamten Weltwirtwirtschaft zuzuführen. Daher wurde die Ausbeutung der Kolonien auch nicht als etwas Negatives gesehen. Aus der Perspektive des kolonialistischen Denkens wurde diese Beziehung eher als ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis angesehen. Dabei trugen die insbesondere Kolonialmächte eine hohe Belastung, weil sie die Kolonien in die zivilisierte Welt führen mussten.[3]

Die Utopie der reinigenden Verwaltung ist das dritte Grundprinzip kolonialer Herrschaft. Dabei geht es um die Vorstellung, dass die zu kolonisierenden Länder sich einem Chaos befanden, welches von den Kolonialmächten geordnet werden musste. Das Schaffen einer Ordnung war überhaupt die Voraussetzung für eine spätere Kolonisation. Mit der Ein- und Neuordnung des Vorhandenen wurden auch die Ressourcen der Kolonien vermessen.[4] Bei der folgenden Untersuchung wird also nach Anzeichen für unversöhnliche Fremdheit, nach Anzeichen für die Idee der Überlegenheit der europäischen Kolonialherren und nach den Ideen der Utopie der reinigenden Verwaltung gesucht. Es wird im Vergleich dann auch darum gehen, Unterschiede in diesen Denkmustern aufzudecken. Wie bereits angedeutet, unterscheiden sich die Quellen der Kolonialzeit sehr stark voneinander. Bei den hier untersuchten handelt es sich um Reiseberichte mit unterschiedlichen Hintergründen. Zum einen liegt der Bericht eines Kaufmanns vor und zum anderen der Bericht eines Kapitäns in staatlichen Diensten, der auf wissenschaftliche Erkenntnisse seiner Mitreisenden zurückgreifen konnte.

[...]


[1] Osterhammel, Jürgen: Kolonialismus. Geschichte – Formen – Folgen, 5. akt. Aufl. 2006, S. 112f.

[2] Osterhammel: Kolonialismus, S.113f.

[3] Osterhammel: Kolonialismus, S.114f.

[4] Osterhammel: Kolonialismus, S.115f.

Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656195535
ISBN (Buch)
9783656195351
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194227
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Historisches Seminar
Note
1,7
Schlagworte
nikobaren objekt bestrebungen

Autor

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