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John Lockes „Zwei Abhandlungen zur Regierung“ vor dem Hintergrund der ‚Glorious Revolution‘ in England

Hausarbeit 2012 25 Seiten

Literaturwissenschaft - Vergleichende Literaturwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Vorgehensweise

2 Leben und frühe Arbeiten
2.1 Ausbildung und Werdegang
2.2 Frühe politische Äußerungen John Lockes

3 Die ‚Glorious Revolution‘
3.1 Vorgeschichte im England des 17. Jahrhunderts
3.2 Politische und konfessionelle Strömungen vor der ‚Glorious Revolution‘
3.3 Die Revolution als Beendigung der Restauration

4 John Locke und seine Vorstellungen über Regierung
4.1 Die erste Abhandlung: Kritik am Absolutismus
4.2 Die zweite Abhandlung
4.2.1 Ursprung, Reichweite und Zweck von Regierung
4.2. Gewaltenteilung
4.2. Der Staat im Grenzbereich: Umgang mit Krisen

5 Die zwei Abhandlungen vor dem Hintergrund der ‚Glorius Revolution‘
5.1 Position des Autors im politischen Umfeld
5.2 Die Wirkung von John Lockes politischen Theorien auf die Revolution
5.3 Wurden die Forderungen der zwei Abhandlungen durch den Umsturz erfüllt ?

6 Fazit und Ausblick

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die „Zwei Abhandlungen über die Regierung“ des englischen Sozialphilosophen John Locke sind Gegenstand der vorliegenden Studienarbeit. Dies geschieht vor dem Hintergrund des herausragenden politischen Ereignisses am Ende des 17. Jahr­hunderts in England, der ‚Glorious Revolution‘ in den Jahren 1688-89. Die Anregung dazu gab der Studienbrief „Sozialphilosophie des 18.Jahrhunderts“ im Rahmen des Masterstudienganges „Europäische Moderne: Geschichte und Literatur“.

Die Wirkung Lockes philosophischen Werkes ist bis heute spürbar.[1] Aufgrund des begrenzten Rahmens einer Studienarbeit erfolgt die Fokussierung auf sein sozialpolitisches Hauptwerk, im Kontext zum politischen Zeitgeschehen in England.

Primär herangezogen wird die deutsche Übersetzung „Zwei Abhandlungen über die Regierung“, herausgegeben und eingeleitet von Walter Euchner. Zur Kenntnis genommen wurde auch der englische Text „Two Treatises of Government“, her­ausgegeben, kommentiert und mit einem Vorwort versehen von Peter Laslet.

Die Intentionen Lockes und der Kontext seiner „Zwei Abhandlungen über die Regierung“ zur ‚Glorious Revolution‘ der Jahre 1688- 89 sollen hier untersucht werden.

1.1 Vorgehensweise

Zur Einführung in das Thema ist es hilfreich zunächst einen kurzen Blick auf den Werdegang von John Locke zu werfen. Anschließend werden die „Zwei Abhandlungen über die Regierung“ vorgestellt, welche das wesentliche Werk des Autors, auf dem Gebiet der politischen Philoso­phie darstellen.

Es folgt ein kurzer Überblick über die politische Situation Englands am Ende des 17. Jahrhunderts, die ‚Glorious Revolution‘ und ihre Beteiligten.

Im Hauptteil wird der Bezug der zwei Abhandlungen zur Revolution betrachtet. Was bewog John Locke seine Anforderungen an eine ihm als wünschenswert er­scheinende Form von Regierung zu stellen? Inwieweit wurden diese Erwartungen durch die ‚Glorious Revolution‘ erfüllt?

2 Leben und frühe Arbeiten

2.1 Ausbildung und Werdegang

John Locke wurde am 29. August 1632 in der Nähe von Bristol geboren.[2] Die Vorfahren beider Elternteile waren puritanische Gewerbetreibende. Vater John Locke senior betätigte sich als Rechtsanwalt. Die Familie besaß einen be­scheidenen Grundbesitz, dessen Einkünfte John Locke finanzi­elle Unabhängigkeit ermöglichten. Damit entstammte Locke der ‚Gentry‘, einer Schicht aus Grundbesitzern und dem niederen Adel auf dem Lande. Im englischen Bürgerkrieg (1642-1649) kämpfte Lockes Vater als Offizier in der Armee des Parlaments gegen die Truppen der Royalisten.

John Locke hatte die Möglichkeit die bedeutende Westminsterschule zu besuchen. Diese Lehranstalt war nach wie vor stark royalitisch und konservativ geprägt. 1652 gelang ihm die Aufnahme an das bedeutendste College der Universität Oxford. Nach der streng pu­ritanischen Umgebung seines Elternhauses und der royalistischen Atmo­sphäre in Westminster, gelangte Locke am Christ Church College in Oxford in Kontakt zu individualistisch-demokratischen Einflüssen einer religiös-toleranten Gruppierung der Puritaner, den ‚Independenten‘. Lockes Gesichtskreis gewann demnach schon in frühen Jahren an Weite. Nach der Verleihung des Master of Arts begann Locke seine Laufbahn als Universitätsdozent. Neben den alten Sprachen, Rhetorik und Philosophie beschäftigte Locke sich auch mit den nun vermehrt auf empirischen For­schungen aufbauenden Naturwissenschaften, vor allem der Medizin. 1668 wurde Locke in die Royal Society gewählt.1675 wurde im auch noch der Titel eines Bachelor of Arts der Medizin zugesprochen.[3]

Nach seiner Zeit an der Universität in Oxford entschloss sich Locke für ei­nige Zeit ins Ausland zu gehen. Ihm wurde eine Stelle im diplomatischen Dienst Englands am brandenburgischen Hof in Kleve vermittelt. Mitte der sechziger Jahre begegnete er Lord Ashley Cooper, dem späteren Earl of Shaftesbury, der in den siebziger Jahren in höchste Regierungsämter gelangte. So kam auch Locke an exponierter Stelle mit den brennenden Fragen der Tagespolitik dieser Zeit in Berührung. Locke fungierte als Shaftesburys Leibarzt, Sekretär, Erzieher seiner Kinder und politischer Vertrauter. In den siebziger Jahren bereiste er Frankreich und trat dort mit Philosophen, Naturwissen­schaftlern und Medizinern in Kontakt. Als Sekretär seines Gönners Shaftesbury verfasst Locke Anfang der achtziger Jahre wesentliche Teile der „Zwei Abhandlungen über die Regierung“. Locke und Shaftesbury fliehen 1683 in die Niederlande, um Säuberungsmaßnahmen gegen die politische Op­position in England zu entgehen.

Während der ‚Glorious Revolution‘ kehrt Locke im Jahre 1689 nach England zurück. Die „Zwei Abhandlungen über die Regierung“ werden anonym veröffentlicht. Unter der neuen Regierung gelingt es ihm wieder öffentliche Ämter zu bekleiden und einen Großteil seiner sozialphilosophischen Werke zu publizieren. John Locke verstirbt am 28. Oktober 1704.

2.2 Frühe politische Äußerungen John Lockes

In den Jahren nach einem Bürgerkrieg, der oft chaotischen Regierung des Parlaments und dem Militärstaat Oliver Cromwells, begrüßte Locke, wie auch der größte Teil des englischen Volkes, die friedliche Restauration der Monarchie in England:

„Was mich betrifft, so kann niemand größere Achtung und Ehrerbietung vor der Autorität empfinden als ich. Ich gewahrte mich kaum in der Welt, als ich mich schon in einem Sturm befand, der fast bis heute andauert, und ich kann daher die nahende Beruhigung nur mit größter Freude und Genugtuung willkommen heißen.“[4]

Lockes konservative und royalistische politische Gesinnung zur Zeit der Restauration kommt in Briefen und seinen ersten, von ihm nicht veröf­fentlichten Schriften zur Sprache. In diesen Aufsätzen wird die Gestal­tungshoheit des Staates in Bezug auf die Ausführung von Angelegenheiten des religiösen Lebens befürwortet, sofern sich dazu keine Festlegungen in der Bibel finden. Im 17. Jahrhundert waren politisches Denken und religiöse Probleme noch eng miteinander verknüpft. Die von Locke in seinen Schriften erörterte Fragen wurden unmittelbar vor und nach der Restauration in der Öffentlichkeit Englands heftig diskutiert. Locke geht in diesen frü­hen Schriften soweit zu sagen, dass man im Handeln auch dann der Obrig­keit gehorchen müsse, wenn diese mit ihren Anordnungen eine Sünde be­gehe. Von diesen Positionen wird er sich schon wenige Jahre später auf­grund politischer Erfahrung und erneuten Überdenkens entfernen.[5]

Während seiner anschließenden Zeit im Herzogtum Kleve äußerte Locke sich positiv beeindruckt von der dort für die damalige Zeit bemerkenswerten religiösen Toleranz, die dort praktiziert wurde. In Kleve erfuhr Lo­cke aus erster Hand, dass Toleranz praktikabel sein kann und nicht zu Zwietracht führen muß.[6]

3 Die ‚Glorious Revolution‘

Viele der folgenden Begebenheiten der ,Glorious Revolution’ hatten sich in der wechselvollen Geschichte Englands im 17. Jahrhundert schon so oder so ähnlich, oft sogar mehrmals, abgespielt. Absetzung eines Königs, Regierungsübernahme durch das Parlament, innere militärische Kon­flikte, bis hin zum Bürgerkrieg, religiös motivierte Auseinandersetzungen und Einsetzung aus dem Ausland herbeigerufener oder auf dem Wege der Invasion einfallender Thronfolger prägten bereits die Vorgeschichte der ,Glorius Revolution‘.

Nach der in England relativ unblutigen ,Glorious Revolution‘ und der anschlie­ßenden Etablierung der konstitutionellen Monarchie, unter fortschreitender Intensivierung der parlamentarischen Kontrolle, konnte sich England und ein großer Teil Großbritanniens friedlich politisch und ökonomisch wei­terentwickeln und wurde somit zu einem Sonderfall und Vorreiter in Europa. Dies machte die ,Glorious Revolution‘ zu einer Besonderheit.

3.1 Vorgeschichte im England des 17. Jahrhunderts

Die moderne Form staatlicher Verfassung im Europa des 17. Jahrhundert war die absolute Monarchie. Frankreich und Spanien als Hegemonial­mächte waren dafür die herausragenden Beispiele. Englischen Monarchen hingegen gelang es nie, sich als absolute Herrscher zu etablieren.

„Von alters her basierte die Stärke wie auch die Schwäche der englischen Monarchie darauf, daß der Herrscher auf den Konsens und die Kooperation der sozialen Elite des Landes angewiesen war, des hohen und des niederen Adels sowie des finanzstarken Stadtbürgertums. Gegen die Interessen dieser Führungsschichten ließ sich auf die Dauer keine Politik durchsetzen, denn die Krone verfügte weder über ein stehendes Heer noch über eine landesweite Bürokratie.“[7]

Die englischen Könige der Stuart-Dynastie im 17. Jahrhundert versuchten mit unterschiedlichem Geschick ihr Idealbild einer absoluten Monar­chie zu verwirklichen. Dabei suchten sie oft die Unterstützung auf dem Konti­nent, bei den französischen und spanischen Monarchen. Zwar wünschte der überwie­gende Teil der Bevölkerung Englands die Monarchie, jedoch wurde jede Annäherung an die katholischen Mächte des Kontinents von tiefem Misstrauen begleitet. Spätestens seit einer versuchten spanisch-katholischen Verschwörung von 1583 gegen die protestantische Tudor-Königin Elisabeth II., war die katholische Kirche in England allgemein diskreditiert und bil­dete nun eine Minderheit gegenüber der anglikanischen Kirche und den anderen protestantischen Glaubensrichtungen.[8]

Der Versuch der Rekatholisierung Englands war stets das Fernziel spani­scher und später besonders französischer Geheimdiplomatie. Die engli­schen Stuartkönige ließen sich eher aus finanziellen Gründen darauf ein. Mithilfe französischer Subsidienzahlungen, vorbei an der Kontrolle des Parlamentes, versuchten die englischen Monarchen zeitweise die ange­strebte absolutistische Hofhaltung zu finanzieren.

Seit dem 13.Jahrhundert hatte das englische Parlament ein Vetorecht ge­genüber königlichen Steuergesetzen. An diesem frühen Parlament waren in geringem Umfang bereits auch nichtadelige Bürger beteiligt. Die Einberu­fung des Parlaments geschah im Bedarfsfall auf Einladung des Königs. An religiösen Fragen, der Finanzhoheit und der Kontrolle des Parlaments durch den König entzündeten sich wiederholt die schweren politischen Konflikte, bis hin zum Bürgerkrieg.[9]

3.2 Politische und konfessionelle Strömungen vor der ‚Glorious Revolution‘

Religiöse Auseinandersetzungen bildeten im England des 17. Jahrhunderts den beherrschenden Hintergrund vor allen politischen und sozia­len Differenzen. Konflikte wurden zwischen Protestanten und Katholiken ausgetragen. Die größte Gruppe der Protestanten stellten die Anglikaner neben den sogenannten ‚Dissentern‘. Unter diesem Begriff wurden ver­schiedene, insgesamt mehr als zwanzig, kleinere protestantische Glaubensrichtungen subsummiert wie Quäker, Presbyterianer, Puritaner und andere. Keineswegs waren sich die protestantischen Glaubensrichtungen einig im Kampf gegen den Katholi­zismus, sondern opponierten oft genauso intensiv untereinander.[10] Im We­sentlichen handelte es sich um Auseinandersetzungen zwischen gesell­schaftlichen Eliten, zwischen Klerikern, Adeligen, Bürgern, Parlamentariern, königlichen Ministerialen und deren Gefolge. Regel­rechte Volksaufstände waren nicht zu verzeichnen, auch nicht während der ‚Glorious Revolution‘. Lediglich die Londoner Bevölkerung trat gelegentlich durch gewaltsame Demonstrationen in Er­scheinung. Die Abschaffung des Adels oder anderer Standesunterschiede war nicht das Ziel der Auseinandersetzungen. Auch die Vermögensverhältnisse oder die Verteilung des Grundbesitzes waren nicht strittig.

[...]


[1] Günther Nonnenmacher: Die Ordnung der Gesellschaft. Mangel und Herrschaft in der

politischen Philosophie der Neuzeit: Hobbes, Locke, Adam Smith, Rousseau. Weinheim: VCH,

Acta Humaniora, 1989, S. 72.

[2] Vgl. Rainer Specht: John Locke. München: C.H.Beck 1989 (=Beck’sche Reihe: Große Den-

ker). Die biografischen Angaben sind überwiegend dieser Darstellung entnommen.

[3] Vgl. Udo Thiel: John Locke. Hg. v. Wolfgang Müller. Hamburg: Rowohlt 1990 (= rowohlts monographien rm 450), S.7-23.

[4] Thiel: John Locke, S.23.

[5] Vgl. Thiel: John Locke, S.24-25.

[6] Vgl. Ebd., S.36.

[7] Grosse Revolutionen der Weltgeschichte. Von der Frühzeit bis zur Gegenwart. Hg. v. Peter

Wende. München: C.H.Beck 2000, S.66.

[8] Vgl. Englische Könige und Königinnen der Neuzeit. Von Heinrich VII. bis Elisabeth II. . Hg. v.

Peter Wende. 1. aktualisierte Auflage. München: C.H.Beck 2008 (=Beck´sche Reihe, Bd. 1872),

S.84.

[9] Vgl. Michael Maurer: Kleine Geschichte Englands. Aktualisierte und erweiterte Ausgabe.

Stuttgart: Reclam 2007, S.13-14.

[10] Vgl. Kaspar v.Greyerz: England im Jahrhundert der Revolutionen 1603-1714. Stuttgart: Ulmer

1994 (=Uni-Taschenbücher 1791), S.77-109.

Details

Seiten
25
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656197126
ISBN (Buch)
9783656200345
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194187
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Institut für neuere deutsche und europäische Literatur
Note
2,3
Schlagworte
Shaftesbury Whigs Absolutismus Gentry Aufklärung Sozialphilosophie Parlamentarismus England Locke Eigentum

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