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Die Doppelhochzeit von 1515 im Kontext der jagiellonisch-habsburgischen Beziehungen

Hausarbeit 2012 15 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Dynastien der Jagiellonen und Habsburger
2.1 Jagiellonen
2.2 Habsburger

3. Hochzeiten zwischen den Dynastien vor 1515

4. Die Doppelhochzeit 1515
4.1 Gründe und Vorbereitung
4.2 Ablauf
4.3 Ergebnisse

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Der Wiener Kongress war ein Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung: Er legte den Grundstein zur habsburgischen Donaumonarchie.“1 Treffender lässt sich die Wiener Doppelhochzeit von 1515 nicht charakterisieren. 300 Jahre vor dem gleichnamigen Kongress versammelten sich bereits einmal die führenden Dynastien Mittel- und Osteuropas. Neben der Repräsentation stand für Habsburger und Jagiellonen noch etwas anderes auf dem Spiel. Die Doppelhochzeit sollte sich im Nachhinein für die Habsburger als wegweisender Schritt und ein Glanzstück Kaiser Maximilians I. Hochzeitspolitik darstellen.

Die Arbeit möchte deshalb in kürzen Zügen diese beiden Dynastien kennzeichnen. Wie sind sie zu dem geworden sind, was sie letztlich darstellten und wie sich ihre Beziehung im Verlauf der Jahrhunderte entwickelt hat.

Danach soll Einblick in eine vorhergehende Ehe zwischen diesen beiden Dynastien gegeben werden. Es wird sich zeigen, dass sich auch hier schon Verflechtungen mit der späteren Doppelhochzeit finden lassen - nicht zuletzt in bei den Akteuren.

Im dritten Teil soll die Doppelhochzeit dargestellt werden: Welche Vorbereitungen gingen ihr voran, wie sind die Verhandlungen abgelaufen und welche Ergebnisse hatten sie. Dabei wird besonders auf Zeremonien und Selbstdarstellung der einzelnen Herrscher eingegangen. Im Anschluss an diese Darstellung soll noch ein kurzer Ausblick gegeben werden. Welche Folgen hatten die Doppelhochzeit und die damit verbundenen Verträge für Habsburger und Jagiellonen. Denn gerade dies, sollte sich gerade einmal ein Jahrzehnt später zeigen.

2. Die Dynastien der Jagiellonen und Habsburger

Mittel- und Osteuropa des 14. und 15. Jahrhunderts bestimmten zwei Dynastien. Jagiellonen und Habsburger standen sich in ständiger Rivalität um die Vorherrschaft in diesem Bereich der Erde gegenüber. Es soll deshalb ein kurzer Überblick über diese beiden Dynastien gegeben werden.

2.1 Jagiellonen

Der Akt von Kreva 1385, welcher eine Union von Litauen und Polen vorsieht, wird auch als „Bestätigung von Jagiellos vorehelichen Verhandlungen“2 gedeutet. Jagiello, Fürst von Litauen heiratete 1386 nämlich Jadwiga von Polen. Dieser Akt bringt die Dynastie der Jagiellonen im 14 Jahrhundert auf das europäische Parkett. Jagiello, selbst Heide, lässt sich 1386 taufen und unterläuft somit das Vorhaben des deutschen Orden, welcher es sich zur Aufgabe gemacht hatte, das heidnische Litauen zu christianisieren.3 Eine empfindliche Niederlage musste der deutsche Orden 1410 in der Schlacht bei Tannenberg hinnehmen. Diesem folgte der erste Thorner Frieden, indem der deutsche Orden zahlreiche Zugeständnisse ablegen musste.4

Erste Verhandlungen über eine Hochzeit wurden vor allem seit 1384 von polnischer Seite betrieben, um das eigene Prestige in Europa zu erhöhen.5 Der Wahl Jagiellos 1386 folgte die Hochzeit mit der bereits 1384 gekrönten Jadwiga (wurde als rex bezeichnet). Jadwiga prägte durch ihr Bemühen um die Kultur nicht nur das Polen ihrer Zeit, sondern auch der folgenden Jahrhunderte.

Gekennzeichnet ist die Dynastie durch späte Geburten, was die Dynastie immer wieder an den Rand der Existenz brachte.6 Die Politik der Jagiellonen war deshalb immer von Arrangements bezüglich der Nachfolge geprägt. Dem 70jährigen Jagiello gebar Sonka, Tochter des litauischen Adligen Ivanovic, 1424 Kazimierz und im selben Jahr Wladyslaw. Kazimierz starb kurze Zeit darauf.7

Jagiellos konnte während seiner Regentschaft das Großfürstentum territorial und in seiner Bedeutsamkeit erheblich vergrößern. Die Expansion nach Norden und Verteidigung der östlichen Grenzen standen außenpolitisch im Vordergrund. Durch geschickte Politik brachte er Männer seines Vertrauens in seine Umgebung und in höchste Ämter.8

Wladyslaw III. wurde nach dem Tod seines Vaters 1438 im selben Jahr gekrönt, die Regierungsgeschäfte übernahm ein Regentschaftsrat.9 Nach dem Tod Zygimantas 1440 sandte er seinen Bruder Kazimierz nach Wilna. Dieser wurde 1440 zum Großfürsten gewählt10. Dies hatte das Ende der Union zur Folge. Wladyslaw fiel bereits 1444 in der Schlacht bei Varna gegen die Osmanen.11 Ihm folgte Kazimierz IV., welcher seit 1440 Großfürst von Litauen war und 1447 auf den polnischen Thron berufen wurde.12

2.2 Habsburger

Mit der Erlangung der Königskrone durch Rudolf I. und der Herrschaft der Habsburger im Herzogtum Österreich im Jahre 1283, konnten sie diese bis ins Jahr 1918 kontinuierlich ausbauen.13 Beeindruckend ist dabei ihre „genealogische Dauer“14

Die Dynastie der Habsburger ist ebenfalls geprägt durch ihr Sendungsbewusstsein, welches sich vom Katholizismus ableiten lässt. Keine andere Dynastie ist deshalb so in der Mitte Europas verwurzelt und prägt es auch heute noch in dem Fortleben des Mythos Habsburg.15 Ihren Namen erhielt die Dynastie von einer Burg im schweizerischen Aargau16 Außenpoltisch konnte Rudolf weniger Erfolge erzielen. Seine Bemühungen, die Kaiserkrone zu erlangen, blieben ohne Erfolg. Vielmehr gelang es ihm, seine Stellung als Territorialherr auszubauen. Durch territoriale Gewinne wurden aus Grafen Herzöge.17 Mit dem Tod Rudolfs ging die Königswürde verloren. Sein Sohn Albrecht konnte erst 1298 wieder die Krone erlangen und wurde zum Reichsoberhaupt gewählt.18 Durch die große Zahl an Kindern konnte er allerdings im gesamt europäischen Raum Verbindungen zu anderen Familien herstellen. Durch die Heirat seines Sohnes Rudolf III. konnte erstmals eine Verbindung mit Böhmen erlangt werden. Aufgrund des frühen Todes Rudolfs III. und Albrechts wurde der Traum von einem weit ausgreifendem Herrschaftsgebiet der Habsburger zerschlagen. Die Habsburgischen Besitzungen in Österreich wurden allerdings durch Heinrich von Luxemburg bestätigt. Er wollte damit seine Stellung im Reich festigen.19

Durch weitere Konflikte konnten die Habsburger zum Ende des 1300 Jahrhunderts nicht wieder in Besitz der Königskrone kommen. Die Habsburger mussten aus dieser Konsequenz heraus mehr als 100 Jahre warten, bevor sie wieder in Besitz der Königskrone kommen konnten.20

In dieser Zeit konnten sie allerdings weitreichende Erfolge in der Landespolitik erzielen und Herrschaftsgebiet und Dynastie eng miteinander verbinden. Durch Zugewinn von Land wurde die Herrschaft über Österreich „mit der Dynastie gleichgesetzt.“21 Rudolf IV. gelang es sich näher an Kaiser Karl IV. zu binden und eine königsähnliche Stellung zu gewinnen. 1364 schloss er einen Erbvertrag mit dem Kaiser, den Luxemburgern. Dies sollte sich 73 Jahre später als wertvoll erweisen, da das Haus Habsburg so die Nachfolge in Böhmen und Ungarn antreten konnte.22 Die enge Verbindung zu Karl IV. ließ die Habsburger zu Nachahmern deren Stils werden. So wurde Wien mit zahlreichen Privilegien ausgestattet und Kunst, Kultur und Wissenschaft gefördert.23

Auch Fälschungen von Urkunden (Privilegium maius) trug zur Bindung von Herrschaftsgebiet und der Dynastie der Habsburger bei. „Österreich und das Haus Habsburg wurden dadurch eine Einheit.“24 Der Begriff Haus meint in diesem Sinne das Geschlecht und Österreich.25

1438 konnte Albrecht der V. von den 1364 geschlossen Verträgen endgültig profitieren und konnte durch seine Ehe mit Elisabeth von Luxemburg die Herrschaft über Böhmen und Ungarn erlangen. 1438 wurde er als Albrecht der II. König des Heiligen Römischen Reichs. Das 15. Jahrhundert stellt also für die Habsburger den Wiedergewinn der Königskrone und ihr Durchsetzten in Österreich und außerhalb dar.26

[...]


1 Wiesflecker, Hermann: Kaiser Maximilian I.. das Reich, Österreich und Europa an der Wende zur Neuzeit, Bd. 4: Gründung des habsburgischen Weltreiches, Lebensabend und Tod. 1508 - 1519, München [u.a. ]1981, S.181.

2 Bues, Almut: Die Jagiellonen. Herrscher zwischen Ostsee und Adria (= Kohlhammer-Urban-Taschenbücher, 646), Stuttgart 2010, S.32.

3 Vgl. Bues, a.a.O., S.34

4 Vgl. Bues, a.a.O., S.56f.

5 Vgl. Bues, a.a.O., S.30.

6 Vgl. Bues, a.a.O., S.38.

7 Vgl. Bues, a.a.O., S.40.

8 Vgl. Bues, a.a.O., S.64ff.

9 Vgl. Bues, a.a.O., S.63.

10 Vgl. Bues, a.a.O., S.74.

11 Vgl. Bues, a.a.O., S.77.

12 Vgl. Bues, a.a.O., S.80f.

13 Vgl. Heimann, Heinz-Dieter: Die Habsburger. Dynastie und Kaiserreiche (= Beck'sche Reihe, 2154), München 2001, S.14.

14 Heimann, a.a.O., S.16.

15 Vgl. a.a.O., S.19.

16 Vgl. a.a.O., S.22.

17 Vgl. Heimann, a.a.O., S.27.

18 Vgl. Heimann, a.a.O., S.28.

19 Vgl. Heimann, a.a.O., S.28f.

20 Vgl. Heimann, a.a.O., S.30.

21 Heimann, a.a.O., S.30.

22 Vgl. Heimann, a.a.O., S.30f.

23 Vgl. Heimann, a.a.O., S.31f.

24 Heimann, a.a.O., S.33.

25 Vgl. Heimann, a.a.O., S.32f.

26 Vgl. Heimann, a.a.O., S.34f.

Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656193623
ISBN (Buch)
9783656194248
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194109
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Historisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
doppelhochzeit kontext beziehungen Jagiellonen Habsburger 1515 Polen Litauen

Autor

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