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E.T.A. Hoffmann - Die Königsbraut: Eine kompositorische Parodie des Märchens

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 13 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Inhalt

3. E.T.A. Hoffmann

4. Kunstmärchen

5. Einordnung des Werks

6. Aufbau

7. Figuren

8. Raumgestaltung

9. Zeitstruktur

10. Erzählsituation

11. Kommunikation mit dem Leser

12. Intertextualität

13. Motive

14. Fazit

15. Quellen

E.T.A. Hoffmann – Die Königsbraut

Eine kompositorische Parodie des Märchens

1. Einleitung

Ein zentrales Thema in den Erzählungen und Schriften von E.T.A. Hoffmann ist, wenn man das Gesamtwerk betrachtet, die Musik. Seine Vorliebe zur Musik ist sogar so stark, dass sich Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann sogar zu Ernst Theodor Amadeus Hoffmann umbenennen lässt um seine Passion zu Mozart auszudrücken.

Sehr verwunderlich ist in diesem Zusammenhang, dass das Thema der Musik in seinem Märchenschaffen völlig ausgeklammert wurde.

Im Folgenden soll untersucht werden, ob sein Märchen „Die Königsbraut“ als eine Art komponiertes Musikstück, als Märchenmusik gelesen werden kann.[1]

2. Inhalt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Königsbraut von E.T.A. Hoffmann handelt von einem seltsamen Liebespaar, nämlich Fräulein Anna von Zabelthau, genannt Ännchen und ihrem zukünftigen Ehemann, Amandus von Nebelstern. Ännchen ist ein einfältiges, bäuerliches Mädchen, welches eine liebevolle Hinwendung zu Küche und Garten zeigt. Sie lebt zusammen mit ihrem Vater Dapsul von Zabelthau in dem kleinen Dorf Dapsulheim. Dapsul hat einen suchtähnlichen Hang zur Astrologie und zur Kabbala.

Mit dem Dichter und Studenten Amandus von Nebelstern wechselt Anna Liebesbriefe, doch bald wird dieses junge Glück durch einen Eindringling bedroht, dem Gemüsekönig Daucus Carota.

Ännchen findet eines Tages einen Ring im Gemüseacker, welcher auf eine Mohrrübe gesteckt ist. Sie steckt diesen an und erfährt erst später, dass sie dadurch das Heiratsversprechen an Daucus Carota gegeben hat.

Die anfängliche Abneigung gegen den Baron ändert sich schnell, als sie sich von ihrem zukünftigen Reich blenden lässt. Auch Amandus gibt sich bald mit der potentiellen Stelle als Hofpoet zufrieden und scheint auf sein Eheglück mit Ännchen verzichten zu wollen. Ännchen verwandelt sich und wird von Tag zu Tag mehr zu einer Rübe.

Amandus gibt sich kampflos geschlagen und nimmt die Stelle als Hofpoet an. Erst dadurch erfolgt die Wendung des Geschehens. Amandus verursacht mit seinen Versen derartige Bauchschmerzen bei Daucus Carota, dass dieser zum Abzug gezwungen wird. Nun kann Ännchen den Ring entfernen und verwandelt sich in ihre ursprüngliche Gestalt zurück. Auch ihr Vater Dapsul, welcher in einen Pilz verwandelt wurde, ist nun wieder der Alte. Ännchen gelangt durch den Schrecken über den Anblick des „wahren“ Gemüsereiches zur Vernunft und verliert ihre manische Besessenheit für den Gemüseanbau, auch Amandus wird geheilt, indem Ännchen ihm versehentlich einen Spatenhieb erteilt.

So können beide glücklich und zufrieden zusammenleben, bis an ihr Lebensende.[2]

3. E.T.A. Hoffmann

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ernst Theodor Wilhelm (später umbenannt in Amadeus aus seiner Vorliebe zu Mozart) wurde am 24. Januar 1776 in Königsberg geboren. Er war Schriftsteller der Romantik, Jurist, Komponist, Kapellmeister, Musikkritiker, Zeichner und Karikaturist.[3]

In seinen Texten ist aufgrund seiner musikalischen Vorliebe das Thema Musik ein zentrales Motiv. Nur in seinen Märchen taucht es nicht auf. Sein Märchenschaffen kann jedoch als literarische Komposition gesehen werden.[4]

Seine Eltern waren ebenfalls Juristen.

Ab 1792 begann er das Studium der Rechte in Königsberg.

Am 27.03.1800 legte er die 3. Staatsprüfung mit der Note „vorzüglich“ ab.

1807 entschied sich Hoffmann, die Amtsstube zu verlassen und Künstler zu werden.

Er wurde Theaterdirektor in Bamberg, hatte jedoch kaum Einkommen, sodass er finanzielle Unterstützung von seinem besten Freund Hippel erhielt.

1819-1821 wurden „Die Serapionsbrüder“ verfasst.

4. Kunstmärchen

Nach älterer Auffassung ist unter Kunstmärchen eine Gattung von Märchenerzählungen zu verstehen, die im Unterschied zu Volksmärchen nicht in mündlicher Überlieferung anonym tradiert, sondern als individuelle Erfindung einer bestimmten, namentlich bekannten Autors meist schriftlich festgehalten und verbreitet werden.“[5]

Volksmärchen gelten als Allgemeinbesitz der Gesellschaft, Kunstmärchen seien Eigentum des Autors und er verfügt über die Rechte der Erzählung. Die Bezeichnung „Kunstmärchen“ bezieht sich dabei auf das künstlich hergestellte des Textes, es beinhaltet keine literarische Wertung. Die Königsbraut zum Beispiel scheint wie ein komponiertes Musikstück bewusst konstruiert worden zu sein, mit parodistischen Elementen gespickt sowie mit für den gebildeten Leser erkennbaren intertextuellen Merkmalen ausgeschmückt.

„In vielen Kunstmärchen ist Märchen kein Selbstzweck, sondern ein Medium für theologische, philosophische, politische Problematik“.[6]

5. Einordnung des Werks

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Märchen „Die Königsbraut“ ist im Rahmen der Erzähltextsammlung „Die Serapionsbrüder“ als abschließendes Märchen erschienen.

„Die Seriapionsbrüder“ wurden zwischen 1819-1821 herausgegeben. Die vier Bände umfassen insgesamt 28 Erzählungen und einige kürzere Texte.[7] [8]

Das „serapionistische Prinzip“ sei die „poetische Ausformung des ästhetischen Kernproblems, auf das Hoffmann in der Musik gestoßen ist“7. Es geht darum, ein „Phantasiebild von der Wirklichkeit zu entwerfen […welches] als eigene poetische Wirklichkeit existiert“.[9]

Die Königsbraut ist der Epoche der Spätromantik (1815-1848) zuzuordnen, in welcher die Schattenseiten der menschlichen Psyche hervorgehoben werden. Es erfolgt eine Hinwendung zur Spiritualität und Religion, mit dem Gedankengut der Aufklärung wird hiermit abgerechnet.

6. Aufbau

Für Märchen eher unüblich ist die Königsbraut von E.T.A. Hoffmann ist in sechs Kapitel eingeteilt. Diese Einteilung weist uns sofort auf das bewusst konstruierte Märchen hin.

Der Umfang jedes Kapitels scheint beabsichtigt, grafisch dargstellt ergibt sich das Bild einer Kurve.(siehe unten!)

Das erste Kapitel ist eine Exposition mit systematischer Information über den Handlungsort sowie den beteiligten Figuren.

Im zweiten Kapitel gibt der Ringfund einen Hinweis auf die kommende Entwicklung des Märchens, nämlich den offenen Konflikt im dritten Kapitel.

Im vierten Kapitel kommt es zu einer totalen Umkehr der Ereignisse, da Ännchen ihre Einstellung komplett ändert. Der erwartete Zweikampf bleibt aus.

Die Entwicklung im 5. Kapitel führt auf eine Klimax zu, jedoch auch der zweite Angriff gegen Daucus Carota schlägt fehl.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Schlusskapitel gibt es keinen schlagartigen Höhepunkt sondern eher eine Anti-Klimax. Die Problemlösung geschieht eher zufällig und nicht durch die anfangs erwartete heldenhafte Rettung durch Student Amandus.

7. Figuren

Die Königsbraut hat die kleinste Rollenbesetzung aller Märchen. Nur vier Figuren treten wirklich auf. Diese sind Dapsul von Zabelthau, seine Tochter Anna von Zabelthau und ihre beiden potentiellen Ehemänner: Der Dichter Amandus von Nebelstern und der Gemüsekönig Daucus Carota.

Die Personen treten überwiegend zu zweien auf, „Ännchen“ agiert in fast jedem Kapitel.

Dapsul von Zabelthau erweist sich als Parodie des weisen Magiers. Das zeigt sich in seinem Äußerlichen (z.B. durch einen angeklebten Bart) sowie durch seinen Charakter und in seinem Verhalten. Die mächtigen Protagonisten in anderen Werken, z.B. Magier, Forscher, Gelehrte etc. weisen Eigenschaften wie Weisheit, Ernst und Erhabenheit auf – Dapsul zeigt in seinem Benehmen genau das Gegenteil. Durch diesen Kontrast wird häufig bewusst Komik erzeugt. Beispielsweise in der Szene, in welcher sich Ännchen und Dapsul gemeinsam im „astronomischen Turm“ befinden, nachdem Anna kurz vorher den Ring angesteckt hat. Nach einer Reihe parodistisch entstellter magischer Handlungen rutscht Dapsul kurz bevor er das Ergebnis seiner Zauberei erhält auf einer Nussschale aus „und fiel sehr unsanft auf den Hintern“.[10]

[...]


[1] Bildquelle1: http://www.antiquariat-plott.de/images/books/fullsize/34357.jpg (Stand: 01.06.2011)

[2] E.T.A. Hoffmann: Die Königsbraut. In: Deutsche Kunstmärchen von Wieland bis Hofmannsthal. Hrsg. Hans-Heino Ewers. Reclam. Stuttgart 1987. S.313ff

[3] Bildquelle2: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/f/f2/ETA_Hoffmann.jpg (Stand: 01.06.2011)

[4] Vgl: Vitt-Maucher, Gisela: E.T.A. Hoffmanns Märchenschaffen. Kaleidoskop der Verfremdung in seinen sieben Märchen. Universität North Carolina 1989. S.10ff (im Folgenden zitiert als Vitt-Maucher).

[5] Zitat: Tismar, Jens: Kunstmärchen. Realien zur Literatur. Band 155. Metzler Verlag. Stuttgart 1983. S.1

[6] Ebd. S.3

[7] Bildquelle: Die Serapionsbrüder http://media.buch.de/img-adb/15124899-00-00/die_serapionsbrueder.jpg (Stand: 02.06.2011)

[8] Vitt-Maucher: S.11

[9] Ebd. S.11

[10] E.T.A. Hoffmann: Die Königsbraut. In: Deutsche Kunstmärchen von Wieland bis Hofmannsthal. Hrsg. Hans-Heino Ewers. Reclam. Stuttgart 1987.S.327(Im Folgenden zitiert als „Hoffmann“)

Details

Seiten
13
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656195092
ISBN (Buch)
9783656197300
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194081
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Neue deutsche Literatur
Note
1
Schlagworte
ETA Hoffmann Die Königsbraut Gemüsegarten Gemüsekönigin Daucus Carota Goethe Universität Frankfurt am Main Germanistik Neue deutsche Literatur Märchen Kunstmärchen Intertextualität Dapsul von Zabelthau Die Serapionsbrüder Karottenkönig

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Titel: E.T.A. Hoffmann - Die Königsbraut: Eine kompositorische Parodie des Märchens