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Das Symbol Jesus Christus - Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben

Essay 1980 44 Seiten

Theologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Das Geheimnis der sieben Welten und der Wiederauferstehung. Zwei Urbilder (Archetypen) der Menschen. Ein Märchen in sieben und vier Teilen
Einleitung
Vorbemerkung
Kapitel 1. Mythen und Symbole der Hopi-Indianer, ein Vergleich mit anderen Kulturen
Kapitel 2. Hopi-Symbole, Spirale als Zeichen des Weges
Kapitel 3. Symbol, Träger von Bedeutung
Kapitel 4. Das Symbol der sich bewegenden Erde
Kapitel 5. Der Weg des Menschen
Kapitel 6. Der Weg des Menschen in Grimm’s Märchen
Kapitel 7. Die Offenbarung des Johannes – Versuch einer Deutung
Epilog
1. Weitere deutsche Märchen
2. Ein Märchen aus Tausendundeiner Nacht
3. Mythen aus Polynesien
4. Die Märchen der Tingida (Ostafrika)

Schlusswort

Anhang

Vorwort.

Am 9. 5. 2012 besuchte ich Gelliehausen, Geburtsort meines Freundes Klaus Brenner.

In der Kirche findet sich der Altar, gemalt von Johannes Heisig.[1]

Im Zentrum Christus, Klage am Kreuz, verbrannt.

Rechts und links die Menschen von Gelliehausen.

Sie singen ein Lied.

Vielleicht:

„Befiehl Du Deine Wege

und was Dein Herze kränkt,

der allertreusten Pflege,

des der den Himmel lenkt.

Der Wolken, Luft und Winden

Gibt Wege, Lauf und Bahn,

der wird auch Wege finden,

da Dein Fuss gehen kann.“[2]

Das Symbol, Christus, das Zentrum, wie kann man es fassen.

Durch ein Bild.

Durch Musik.

Durch ein Leben.

Ich will versuchen, es durch meine Annäherungen aus dem Jahre 1980 zu begreifen.

Ermutigt dazu hat mich die Wiederauferstehung des Wortes der Symbolisten in Russland.

Florenskij, erschossen im Gulag.[3] Er hatte Mathematik studiert in Moskau bei Professor N. Bugajew, dem Vater von A. Belyj[4], und war orthodoxer Priester geworden. Erst nach Chlebnikov[5], erst durch Chlebnikov bin ich auf seine Spur gekommen. Wie A. Belyj[6] hat er sich als Nachfolger des Symbol Christus gesehen. Nie hatte ich von ihnen gehört.

Das Geheimnis der sieben Welten und der Wiederauferstehung. Zwei Urbilder (Archetypen) der Menschen. Ein Märchen in sieben und vier Teilen.

(Weihnachten 1980)

Einleitung.

Als ich von Lenglern wegging[7], ging mir ein Lied nicht aus dem Kopf, das Lied vom Schnitter Tod:

„Es ist ein Schnitter, der heisst Tod,

hat G’walt vom grossen Gott.

Heut’ wetzt er das Messer,

es schneid’t schon viel besser,

bald wird er dreinschneiden,

wir müssen’s nur leiden:

Hüt’ Dich, schön’s Blümelein.“

Und aus meinem Lesen und Denken hat sich eigentlich ohne mein Zutun, ohne zielgerichtetes Verhalten meinerseits, die Antwort auf dieses Lied entwickelt, dieser Aufsatz.

Ich habe ihn Märchen genannt, eigentlich ist es nur eine Sammlung von Geschichten, Bildern und Gedanken.

Zu der Art meines Sammelns möchte ich mit den Gebrüder Grimm sagen:

„Was die Weise betrifft, in der wir hier gesammelt haben, so ist es uns zuerst auf Treue und Wahrheit angekommen. Wir haben nämlich aus eigenen Mitteln nichts hinzugesetzt, keinen Umstand und Zug der Sage selbst verschönert, sondern ihren Inhalt so wiedergegeben, wie wir ihn empfangen hatten; dass der Ausdruck und die Ausführung des einzelnen grossenteils von uns herrührt, versteht sich von selbst, doch haben wir jede Eigentümlichkeit, die wir bemerkten, zu erhalten gesucht, um auch in dieser Hinsicht der Sammlung die Mannigfaltigkeit der Natur zu lassen.“[8]

Und was die Gebrüder Grimm von den Märchen sagen, möchte ich auch auf meinen Aufsatz beziehen. Er besteht aus vielfältigen Variationen eines Motivs, aus Versuchen „einem im Geist bloss vorhandenen, unerschöpflichen, auf mannigfachen Wegen sich zu nähern. Wiederholungen einzelner Sätze, Züge und Einleitungen sind wie epische Zeilen zu betrachten, die, sobald der Ton sich rührt, der sie anschlägt, immer wiederkehren, und in einem anderen Sinne eigentlich nicht zu verstehen.“[9] (11. 1. 1981)

Vorbemerkung.

Der Schutzumschlag des bablonischen Talmuds[10] zeigt eine Grabstele aus Priene, 3. Jh.:

Zwischen zwei Bäumen sieht man einen siebenarmigen Leuchter mit zwei Spiralen an seiner Basis.

Diese Symbole, siebenarmiger Leuchter und Spirale sind sicher nicht nur als Ornamente auf das Grabmal gesetzt worden.

Sie scheinen etwas zu bedeuten.

Stehen sie in Zusammenhang mit dem Tod?

Sind es Zeichen für Gottes Weisungen und Vorhaben?

Der Stein ist stumm, die schriftliche Überlieferung aus alter Zeit spärlich.

Die mündliche Überlieferung eines Volkes in Amerika aber scheint die alten Zeichen wieder zum Sprechen bringen zu könnnen.

Dieses Volk hat sich der Beeinflussung (oder Überwältigung?) durch die christlichen Missionare widersetzt.

Es hat, von Europäern kaum beeinflusst, seine alte, umfangreiche Überlieferung wenigstens zum Teil in unsere Zeit hinüberretten können.

Von dem Mythos der Hopi aus soll der Versuch der Erklärung des siebenarmigen Leuchters und der Spiralen beginnen.

Die zweite Etappe ist dann das Spiralsymbol.

Eine völkerkundliche Hypothese wird im dritten Kapitel in Beziehung zu Mythos und Spiralsymbol gesetzt.

Der vierte Abschnitt versucht geophysikalische und paläoklimatische Daten aufzulisten, die den Mythos zu bestätigen scheinen.

Kapitel fünf berichtet von Gesängen und Märchen aus Westafrika, Kapitel sechs von deutschen Märchen, alle scheinen das Gleiche sagen zu wollen, wie der Mythos der Hopi.

Den Abschluss bildet eine Deutung der Offenbarung des Johannes.

Der Epilog fasst zuerst einige weitere deutsche Märchen zusammen.

Als zweites folgen Märchen aus der Sammlung Tausend-und-Eine-Nacht und Hinweise aus dem Koran.

Den dritten Teil bilden Mythen aus Polynesien, den vierten die Märchen der ostafrikanischen Tingida.

Das Schlusswort erhält C. G. Jung für eine Definition des Begriffes „Archetyp.“

Kapitel 1. Mythen und Symbole der Hopi-Indianer, ein Vergleich mit anderen Kulturen.

Im Südwesten der USA lebt in mehreren Ortschaften das Volk der Hopi.

In ihrer Sprache heisst „hopi“ „gut in Verhalten und Benehmen“; die Negation, der Begriff „kahopi“, bezeichnet „Nachlässigkeit, Unredlichkeit, Neid, Aufschneiderei, Streitsucht und Aggressivität.

Dieses Volk, das sich selbst als gut in Verhalten und Benehmen bezeichnet, ist sprachlich dem Aztekischen verwandt, anthropologisch bestehen Beziehungen zur sogenannten Zentralidengruppe, die besonders in Mittelamerika stark vertreten ist.[11]

In ihren umfangreichen, besonders durch Tänze und andere Rituale weitergegebenen mündlichen Überlieferung verstehen sie sich als das auserwählte Volk Amerikas.

Nur ihnen sei das Wissen erhalten geblieben, das die anderen Völker im Laufe der Zeit vergassen.

Eine Gruppe von Hopi-Indianern hat zusammen mit einem Weissen die noch erhaltene Überlieferung zusammengefasst und 1964 als Buch herausgegeben.[12]

Einige Themen dieses Buches sollen hier kurz dargestellt und dann mit den Mythen anderer Völker verglichen werden.

Die Hopi erzählen folgende über die Menschheitsgeschichte:

Am Anfang war der Schöpfer Taiowa.

Als Erstes schuf er Sótuknang, als Kraft und Werkzeug, als Person.

Neun Weltreiche schuf dann Sótuknang, eins für den Schöper, eins für sich selbst und sieben weitere.

Die Menschen der ersten Welt wurden erschaffen mit dem Auftrag Sótuknangs:

„Ich habe Euch diese Welt mit allem gegeben, damit Ihr darauf lebt und glücklich seid.

Nur eins fordere ich von Euch: Respektiert immer den Schöpfer. Weisheit, Harmonie und Respekt für die Liebe Eures Schöpfers.“

Ihr Leben war zuerst glücklich, doch dann kam eine Veränderung.

Die Menschen vergassen ihren Auftrag.

In der Gestalt eines Vogels kam der „Schwätzer“ und redete, redete, redete, bis Unterschiede und Trennungen erfolgten.

Und dann kam in der Gestalt einer Schlange mit grossem Kopf einer, der die Menschen noch mehr aufstachelte, bis es zu Streit und Kämpfen kam.

Daraufhin wurden einige Auserwählte durch eine Wolke bei Tag und einen Stern bei Nacht zu einem sicheren Ort unter der Erde geführt, die anderen aber durch das Feuer von Vulkanen vernichtet.

Nach einiger Zeit kamen die Menschen aus ihrem Versteck auf die Erdoberfläche zurück und bevölkerten die zweite Welt.

Diesmal kam die Habgier auf, die Menschen handelten und je mehr sie bekamen, um so mehr wollten sie haben.

Und wieder wurden die noch rechtschaffenen Menschen an einen sicheren Ort gebracht, dann die Welt durch Katastrophen und eine Eiszeit zerstört.

Als die Erdoberfläche wieder bewohnbar geworden war, kehrten die Menschen zurück, die dritte Welt begann.

Und wieder vermehrte sich die Bevölkerung, grosse Städte wurden gebaut.

Und wieder wurden die Menschen böse und führten Kriege.

Diesmal wurden die guten Menschen durch Schilfrohr gerettet, die anderen ertranken in Meereswellen, hoch wie Berge, und der Überschwemmung durch Regen.

Von der alten Heimat der Hopi westlich von Amerika war schliesslich nur noch die Spitze eines Berges sichtbar.

Das war zum Überleben zu wenig Land, deshalb bauten die Menschen Boote aus Schilfrohr und fuhren über andere Inseln ostwärts bis zu dem Kontinent, der ihre vierte Welt wurde.

Auch hier kam es wieder zu Streit, nur wenige blieben dem Auftrag Sótuknangs treu. Sie behielten die Erinnerung an die Geschichte und trafen sich nach vier Wanderungen quer durch den Kontinent auf den Bergen Arizonas, der Wohnstatt der Hopi.[13]

Diese Überlieferung wird weitergegeben durch Erzählung, Tanz und Symbole.

Ähnliches finde sich auch in anderen Kulturen.

Als erstes sollen einige mündliche (bzw. literarische) Traditionen dargestellt werden:

In der Bibel, der heiligen Schrift der Juden und Christen, scheint die Lehre von sieben Zeitaltern der menschlichen Entwicklung in mindestens zwei Textstellen mehr oder weniger verschlüsselt vorzuliegen.

Im Buch Daniel steht geschrieben:

Über die menschlichen Königreiche sollen sieben Zeiten hinweggehen.

Dann folgt das ewige Reicht des Menschensohn.

Dies kommt aber erst in drei und einer halben Zeit.

In diesen drei und einer halben Zeit liegt die Macht bei einem, der dem Höchsten lästert und seine Heiligen vernichtet.

Vor ihm waren auf Erden schon drei Königreiche.

Das vierte aber ist anders geworden, es wird alle Länder zertreten und zermalmen.[14]

In der Offenbarung des Johannes kann man das Buch mit sieben Siegeln als Symbol für den Ablauf der Weltgeschichte auffasssen.

Nach der Eröffnung eines Siegels folgt je ein Weltzeitalter und dann dessen Untergang.

Auch hier findet sich nach vier Etappen eine deutliche Zäsur.

Nach Ablauf der sieben Welten folgt dann das Reich Jesu, ein neues Buch wird aufgeschlagen.[15]

Die Tibeter kennen sieben Welten.

Ihr Bild dafür ist ein zentraler Berg, um den sieben Ringe von Ozeanen liegen, getrennt durch sieben Ringe von goldenen Bergen. Darunter Höllen, darüber der Himmel und darüber das Allgute.[16]

Eine andere Beschreibung zeigt die Zäsur bei der vierten Welt:

Als der Ozean vom Himmel auf den zentralen Berg fiel, floss er viermal um den Berg, dann teilte er sich in die vier grossen Flüsse und formte die vier grossen Seen.[17]

Auf einer Insel Ostindonesiens, Ceram, erzählt das Volk der Sima-Sima von einem neunschichtigen Berg, auf dessen Spitze der Schöpfergott Alahatala mit den Seelen der guten Menschen lebt.[18]

In Japan berichtet der Mythos von dem Schöpfergott Amenominakanushi, der über neunfachen Wolkenschichten thront, unwandelbar und kultlos.[19]

Noch verschlüsselter sind andere Hinweise auf die sieben Weltzeitalter:

Der sumerische Mythos von Enki und Ninmah erzählt von sieben Geburtsgöttinnen;

die babylonische Geschichte von Atrahasis spricht von der Geburt von sieben Menschenpaaren durch die sieben Geburtsgöttinnen;[20]

die keltische Sage von Mac Datho berichtet von einem Palast mit sieben Türen, sieben Wegen, sieben Herden und sieben Kesseln, aus denen jeder Vorbeikommende sich nur einmal nehmen darf.[21]

Daneben existieren auch Hinweise auf die ersten vier Weltzeitalter: Hesiod ist der bekannteste Vertreter.[22]

Soweit zu einigen schriftlichen Analogien der Hopi-Überlieferung.

Kapitel 2. Hopi-Symbole, Spirale als Zeichen des Weges.

Neben der Sprache benutzten die Hopi aber auch Symbole, eingraviert in Felsen und Bauwerke, dargestellt durch Tanz und Brauchtum.

Zuerst eine Diskussion der bildlichen Darstellungen der Spirale.

Sie kann rund oder eckig sein.

Es gibt auch die etwas veränderte Darstellung als Kreis im Kreis.

Mischformen der einzelnen Typen sind möglich.

Die eigentliche, endgültige Spirale der Hopi an ihrem jetzigen Wohnort umfasst vier Runden.

Diese vier Windungen sind für die Hopi Symbol ihrer vier Wanderungen durch den Kontinent Amerika.

Diese Wanderungen selbst werden als Reinigungszeremonien begriffen, die alles Böse in den Menschen vernichten sollten.[23]

In der mexikanischen Bilderhandschrift Historia Tolteka-Chichimeca findet sich eine Bestätigung dieser Deutung der Spirale als Ortszeichen, bei der die Umwindungen die Zahl der Wanderungen bis zum Wohnort angeben. Der Text weist dabei auf folgende Bildinhalte hin: a. „Wo das blaue Wasser sich ausdehnt“; b. „Wo die weissen Binsen stehen“; c. „Wo das weisse Rohr sich breitet“; d. „Wo die weissen Weiden stehen“ usw..

Nur das zentrale Zeichen, das sogar zweimal erscheint, in runder und rechteckiger Form, wird nicht gedeutet.[24] Durch die Hopi findet die Spirale ihre Erklärung: Für die Stadt Tollan steht eine Spirale mit zwei Umwindungen, einer Unterbrechung und dann einer weiteren Umwindung. Die Wanderung führte hierher, es kam zu einem Aufenthalt, und dann ging es weiter. Diese von mir übertragene Deutung wird durch den Text gestützt: Tolteken und Nonoualka hatten anfangs friedlich in Tollan gelebt. Dann kam es zu Steit, ein Rädelsführer wird getötet. Darauf ziehen die Nonoualca unter folgenden Worten ab:

„Kommet und höret, was wir für Menschen sind.

Vielleicht haben wir gesündigt.

Möge dadurch unseren Kindern und Enkeln nichts zustossen.

Lasst uns gehen und das Land verlassen.“[25]

Ein anderes Volk, das der Chichimeken, verliess seinen Ausgangspunkt, den Ort der sieben Höhlen, mit den Worten:

„Auf, lasst uns die Steppe, das Götterland, aufsuchen.“[26]

Nach einer Zeit gemeinsamen Wohnens mit den Tolteken erhält das Volk der Chichimeken folgende Ansprache:

„Du hast Gutes getan in deiner Ansiedlung Cholollan (...)

Mache dich nun auf und wandere, Chichimecatl!

Suche die unbewohnte Steppe auf und löse deine Ansiedlung hier auf.“[27]

Ähnliche Berichte von Wanderungen enthält das heilige Buch der Quiche-Indianer Guatemalas, des Landes der Maya.[28]

Auf den Bauwerken der Maya finden sich entsprechende Spiralsymbole einer kurzen Wanderung.[29]

Aber auch ausserhalb des amerikanischen Kontinents sind Spiralsymbole verbreitet.

Man findet sie in Nordeuropa, Südeuropa, besonders in Knossos, Mykene, Malta, in Ägypten, Babylon und anderswo.

Der älteste Fund scheint aus der Stadt Hacilar in der Südtürkei zu stammen.

Auf einer Vase aus dem 6. Jahrtausend vor Christus sind Spiralen mit drei Windungen abgebildet.[30]

Über Indonesien[31], Neuguinea, Australien, Neuseeland[32] führt die Spur der Spirale weiter nach China, wo im 2. Jahrtausend vor Christi Geburt die Ritualgefässe überwiegend mit Spiralen versehen waren.[33]

Eine Deutung der Spirale als Symbol eines vorgeschriebenen Lebensweges scheint aber nur einmal vorzuliegen, in Babylon. Die Spiralen werden von der beistehenden Keilschrift so gedeutet: Nach links sind sie gewandt und lösen sich dann auf. (Die Auflösung aber bedeutet) die Gottheit wird im Stich gelassen.[34]

Die Spirale ist aber auch als Symbol der Überwindung des Todes, der Wiederauferstehung verwandt worden.

Bei den Zulu in Südafrika gibt es das Sprichwort:

„Die Pythonschlange wird eines Tages geradewegs auf den Wahrsager losgehen.“[35]

Der Schöpfer der Bantubibel, Laduma Madela, deutet dies so:

„Der Wahrsager ist natürlich Sibi.“[36] Sibi ist der Bruder des Schöpfergottes Mvelinqangi.

Er versuchte die Schöpfung zu zerstören und hat unter anderem den Tod verursacht. Als Strafe dafür droht der Schöpfergott: „Ich werde ihn zusammen mit dem Tod verbrennen (...)

Den Tod werde ich verbrennen. Nur der Tod wird in den Körpern aller Geschöpfe (...) verbrennen. Der Tod wird zusammen mit den Körpern, Muskeln und Knochen verbrennen. Die Seelen und Schatten werden nicht verbrannt werden.“[37]

Symbol dieser Zerstörung des Bösen und des Todes aber ist die als Spiralfigur gezeichnete Pythonschlange.

Bei den Hopi ist die Spirale Symbol für die Wanderungen durch den Kontinent, aber auch durch die vier Welten, Zeichen der rituellen Reinigung vom Bösen. Diese Überlieferung wird neben der bildlichen Darstellung auch durch eine viermalige Wanderung um ihr Wohngebiet bei bestimmten Festen weitergegeben.[38]

Das Volk der Sima-Sima auf Ceram, Ostindonesien, tanzt dem Marotanz als neunfache Spirale. Als Ursprung und Grund für diese Tanzform gaben die Sima-Sima, die auch das Bild des neunschichtigen Berges mit dem Schöpfergott auf der Spitze kannten, folgende Geschichte an:

„Die Menschen hatte die Tochter Ametas getötet. (Die Leichenteile verwandelten sich in viele Dinge, die es auf Erden nicht gab, vor allem in die Knollenfrüchte.) Ameta verfluche daraufhin die Menschen. Die Herrin über die Menschen, mulua Satene, baute zur Strafe ein grosses Tor. Es bestand aus einer neunfachen Spirale. Dann versammelt sie alle Menschen und sagte: „Ich will nicht mehr hier leben, weil ihr getötet habt. Ich werde heute von euch gehen. Jetzt müsst ihr alle durch das Tor hindurch zu mir kommen. Wer durch das Tor hindurch kommt, der bleibt Mensch, wer nicht hindurchgeht, mit dem wird es anders geschehen.“[39] Wer nicht durch das Tor hindurchkam, wurde in einen Geist oder Tier verwandelt. Dann sagte Satene: “Ich werde noch heute von euch gehen, und ihr werdet mich nicht mehr auf der Erde sehen. Erst wenn ihr gestorben seid, werdet ihr mich wiedersehen.“[40]

Der Weg zu ihr führt nach dem Tode über acht Berge (!).

Die Spirale ist also Symbol des „rechten Weges“.

Wer von ihm abkommt, verliert seine menschliche Gestalt.

Wer sie bis zum Ende durchsteht, wird zu Gott kommen können.

Diese uralte Tradition in Ostindonesien hat eine erstaunliche Parallele in Mitteleuropa:

Das auch in Deutschland verbreitete Hüpfspiel der Kinder wurde in Holland eingehend untersucht. Durch eine umfassende, nationale Fragebogenerhebung wurde nach Formen der Hüpffigur, alten und neuen, gefragt.[41]

Dabei stellt sich heraus:

Die fast überall angegebene alte, zum Teil veraltete Form der Hüpffigur war eine Spirale.

Diese Spirale ist in acht Fächer unterteil, im Zentrum befindet sich als Ziel das neunte Fach, ein Kreis.

Das Spiel besteht aus Hüpfen von einem Fach zum andern bis zum Zentrum.

Dort kann man ausruhen.

Dann geht der Weg wieder zurück.

Variationen der Hüpffigur bestehen in einer kreisförmigen oder rechteckigen Figur mit acht Fächern und einem zentralen Kreis. Der Hüpfende muss zusätzlich einen kleinen Stein, den sogenannten Hinkelblock oder Hinkelsteen, in das Ziel befördern.

Neben neueren Formen der Hüpffigur scheint es noch eine weitere, alte Figur zu geben, das in der Nähe von jungsteinzeitlichen Grossteinanlagen, den sogenannten Riesengräbern, liegt.

Es handelt sich um die aufgelöste Spirale, die Wellenform.

Zeichnet man diese Wellenform eckig, so erhält man das Mäandermuster.

[...]


[1] www.johannes-heisig.de

[2] Evangelisches Kirchengesangbuch. Ausgabe für die evangelisch-lutherischen Kirchen Niedersachsens. Hannover. Lied 294, S. 379

Gesungen in der Marktkirche Hannover am 3. 5. 2012, Frau Pastorin Kreisel-Lieberman.

Schlütersche Verlagsanstalt und Buchdruckerei Hannover und Vandenhoeck & Ruprecht in Göttingen, 1962

[3] W. Schentalinski: Das auferstandene Wort.

Verfolgte russische Schriftsteller in ihren letzten Briefen, Gedichten und Aufzeichnungen.

Aus den Archiven sowjetischer Geheimdienste.

Gustav Lübbe, Bergisch Gladbach, 1996.

[4] L. Jäger: Ein Referätchen, ein Väterchen und ein Bömbchen.

FAZ, 21. 4. 2012, Z 1.

[5] F. Flachsbart: Gauss und Lobatschewskij, Tolstoi und Dostojewskij. Ein neues Menschenbild.

Grin, München, 2012

[6] A. Belyj: Petersburg. Übersetzt von Gabriele Leupold.

Suhrkamp, Frankfurt am Main, 2005

[7] Kreiskrankenhaus Lenglern, Pulmonologische Fachklinik, Leiter Prof. Dr. U. Hüttemann. Dort habe ich von 1977 – 2000 als Arzt gearbeitet. „Endstation Sehnsucht“ haben es manche Patienten genannt, viele starben.

[8] Vorrede der Brüder Grimm, Kassel, 3. 7. 1819. S. 13

Die Märchen der Brüder Grimm, Goldmann, München, ohne Jahresangabe.

Nach der Ungekürzten Ausgabe von 1857.

[9] Vorrede der Brüder Grimm, a. a. O., S. 13

[10] Hrsg. R. Mayer: Der babylonische Talmud.

Goldmann, Müchen, 1963

[11] H. Hartmann: Kachina Figuren der Hopi-Indianer.

Museum für Völkerkunde, Berlin, 1978

[12] F. Waters: The Book of the Hopi.

Viking Press, New York, 1964

[13] F. Waters: a. a. O.

[14] Die Bibel oder die ganze heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments. Buch Daniel.

Würtembergische Bibelanstalt, Stuttgart, 1965

[15] Die Bibel, a. a. O.: Offenbarung des Johannes.

[16] W. Y. Evans-Wentz: Das tibetanische Totenbuch.

Walter, Freiburg, 1971

[17] B. C. Olschak: Tibet, Erde der Götter.

Rascher, Zürich, 1960

[18] J. Röder: Alahatala.

Ergebnisse der Frobeniusexpedition 1937-1938, Heft 3

Bamberger Verlagshaus, Bamberg, 1948

[19] F. K. Numazawa: Die Weltanfänge in der japanischen Mythologie.Internationale Schriftenreihe für soziolische und politische Wissenschaften. Ethnologische Reihe IIStocker, Luzern, 1946

[20] P. Walcot: Hesiod and the Near East Cardiff, University of Wales Press, 1966

[21] L. Lengyel: Das geheime Wissen der Kelten.Bauer, Freiburg im Breisgau, 1976

[22] P. Walcot, a. a. O.

[23] F. Waters, a. a. O.

[24] K. T. Preuss, E. Mengin: Die Mexikanische Bilderhandschrift Historia Tolteka-Chichimeca. Beiträge zur Völkerkunde, Baessler Archiv, Beiheft IX, Teil 1 Reimer, Berlin, 1937

[25] K. T. Preuss, a. a. O: S. 17

[26] K. T. Preuss, a. a. O.: S. 57

[27] K. T. Preuss, a. a. O.: S. 65

[28] L. Schultze-Jena: Popul Vuh. Das heilige Buch der Quiché-Indianer von Guatemala. Kohlhamer, Stuttgart, 1944

[29] M. P. Weaver: The Aztecs, Maya and their Precedessors. Seminar Press, New York, 1972. S. 184

[30] G. Garbini: Alte Kulturen des Vorderen Orients. Schätze der Weltkunst V. Bertelsmann, München, 1974

[31] J. Röder: Felsbilder und Vorgeschichte des Mac-Cluer-Golfes Westguinea.Ergebnisse der Frobenius Expedition 1937-1938, Heft 4 Wittich, Darmstadt, 1959

[32] K. Kerenyi: Labyrinthstudien. Albae Vigiliae X. Rheinverlag, Zürich, 1950

[33] R. Goepper: Der Ferne Osten: China, Korea und Japan.Schätze der Weltkunst V. Bertelsmann, München, 1974

[34] K. Kerenyi, a. a. O.

[35] K. Schlosser: Die Bantubibel des Blitzzauberers Laduma Madela – Schöpfungsgeschichte der Zulu. Arbeiten aus dem Museum für Völkerkunde der Universität Kiel, 1977. S. 110.

[36] K. Schlosser, a. a. O.: S. 110

[37] K. Schlosser, a. a. O.: S. 157-8

[38] F. Waters, a. a. O.

[39] A. E. Jensen: Hainuwele.Ergebnisse der Frobenius-Expedition 1937-1938, Heft 1 Klostermann, Frankfurt, 1939. S. 63

[40] A. E. Jensen, a. a. O.; S. 64

[41] J. de Vries: Untersuchung über das Hüpfspiel, Kinderspiel – Kulttanz.F. F. Communications No. 173 Academia Scientiarum Fennica, Helsinki, 1957

Details

Seiten
44
Jahr
1980
ISBN (eBook)
9783656192602
ISBN (Buch)
9783656193364
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194014
Note
Schlagworte
symbol jesus christus wahrheit leben

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