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Die Epoche des Sturm und Drangs

Abitursthema

Referat (Ausarbeitung) 2010 11 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

Gliederung

1. Begriff

2. Grundcharakter und Historischer Hintergrund

3. Literatur des Sturm und Drang
3.1. Geniekult
3.2. Das Drama im Sturm und Drang
3.2.1. Das bürgerliche Drama
3.2.2. Dramen von Lenz
3.3. Der Roman im Sturm und Drang
3.4. Die Lyrik des Sturm und Drang
3.5. Die Anfänge der Balladendichtung

4. Themen des Sturm und Drang (Zusammenfassung)

5. Vertreter und Werke

1. Begriff

Die Sturm- und Drang-Zeit ist eine nach dem Schauspiel "Sturm und Drang" (1776, ursprünglicher Titel "Wirrwarr", von Chr. Kaufmann umbenannt) von F.M. Klinger bezeichnete geistige Strömung in Deutschland, die von der Mitte der 60er bis zur Mitte der 80er Jahre des 18. Jahrhunderts zu datieren ist. Der Sturm und Drang ist eine Bewegung junger Schriftsteller, die sich in Frankfurt, Straßburg sowie in Schwaben sammelten. Der Beginn der Epoche wurde mit dem Erscheinen der Herderschen Fragmente 1767 markiert. Der Sturm und Drang endet mit dem Wandel Goethes und Schillers zu Klassikern, ausgelöst durch Goethes Bildungsreise in Italien und Schillers Kant-Studien.

2. Grundcharakter und historischer Hintergrund

In jener Bewegung begannen an vielen Orten junge aufstrebende Köpfe gegen die Enge und Unfreiheit der bestehenden Verhältnisse aufzulehnen. Diese jungen Autoren setzten nun den unmittelbaren originalen Ausdruck von Gefühl und Fantasie gegen die starren Regeln der Vernunft in Szene. Diese Protestbewegung entstand nun aus der Freiheitsbewegung des deutschen Volkes. Das deutsche Volk forderte einen Einheitsstaat und wünschte sich Einheit, Recht und Freiheit. Denn Deutschland war zu der Zeit in viele verschiedene Territorien zersplittert.

Der Sturm und Drang war seinem Wesen nach also eine Protestbewegung und zugleich eine Jugendbewegung. Der Protest richtete sich gegen dreierlei:

- die absolutistischen Obrigkeiten in den deutschen Staaten sowie die höfische Welt des Adels,
- das bürgerliche Berufsleben, das man für eng und freudlos hielt, ebenso wie die bürgerlichen Moralvorstellungen,
- die überkommene Tradition in Kunst und Literatur.

In dem ersten Punkt stimmte man mit den Aufklärern überein, in dem zweiten Punkt stand man in Widerspruch zu ihnen, und was den dritten Punkt anging, so war man radikaler als die Aufklärer. In der Zeit des Sturm und Drangs übernahmen junge Schriftsteller zwar die Ideen der Aufklärung, betonten aber stärker das Gefühl. Man sollte den Sturm und Drang als Differenz und Kontinuität zur Aufklärung begreifen. Die Autoren des Sturm und Drang waren keine ignoranten Aufklärungsgegner, sondern leidenschaftlich aufgeklärt. Bei allen politischen Ideen war der Sturm und Drang in erster Linie eine literarische Strömung.

3. Literatur des Sturm und Drang

3. 1. Geniekult

Im Mittelpunkt neuer ästhetischer Betrachtungen steht nun das Genie, nicht mehr die

Regelpoetik. Die Zeit des Sturm und Drangs wird auch als Geniezeit bezeichnet, die

viele Genies hervorbrachte, und in welcher der Dichter gegenüber anderen

Menschen herausgehoben wurde. Starke Impulse erhielten die Genies durch

Shakespeare. Während Gottsched ihn wegen seiner "Regellosigkeit" ablehnte, fand

er bei den Stürmern und Drängern große Anerkennung. Somit konnte nun die

Ablösung der französischen klassizistischen Dichtung ermöglicht werden.

Shakespeare avancierte bei den Stürmern und Drängern zum Vorbild als genialer

Dichter.

Ein Entstehungsgrund für den Geniekult war auch der hinzugekommene starke

Konkurrenzdruck auf dem literarischem Markt. Die neue Literatur ist einerseits durch

Genialität, andererseits durch Subjektivität geprägt worden. Die Elemente des

Geniedaseins standen jedoch im Gegensatz zur aufklärerischen Rationalität. Jedoch

darf der Sturm und Drang nicht als Kampf gegen die Aufklärer gesehen werden. Mit

dem Sturm und Drang trat die Aufklärung in eine neue Phase ein. Die aufklärerische

Rationalität wurde durch die Gefühlsregungen der Stürmer und Dränger erweitert.

Verstand und Gefühl bildeten nun eine Einheit.

Die Literaturauffassung der Stürmer und Dränger besagt, dass die Literatur für

größere Volksteile zugänglich werden sollte, und nicht mehr nur für Intellektuelle. Der

Dichter stellte sich also in den Dienst des Bürgertums.

Im Sturm und Drang war ein Genie das "Urbild des höheren Menschen und Künstlers".

3. 2. Das Drama im Sturm und Drang

Die bevorzugte literarische Form der Stürmer und Dränger war das Drama, ihm

wurde eine erzieherische und bildende Rolle zugeschrieben. Die Behandlung aktueller Gesellschaftsprobleme ist eine Neuerung des Dramas des Sturm und Drang gegenüber anderen Epochen. In vielen Dramen des Sturm und Drang findet man das Motiv der "verführten Unschuld", das durch die Stürmer und Dränger in ein neues Licht gerückt wurde. Von der Kritik am Feudalismus, bei welcher der Feudalherr als Verführer der bürgerlichen Unschuld dargestellt wird, übt man jetzt Kritik an der bürgerlichen Moral, welche dies regungslos hinnimmt.

Die Idee vom Nationaltheater und vom bürgerlichen Drama, wie sie auch Lessing hatte, setzten die Stürmer und Dränger fort. Mit Werken wie Die Räuber (1781) und Kabale und Liebe (1784) von Schiller und den Götz von Berchlingen (1773) von Goethe wurde das

deutsche Theater mit dem französischen und englischem Theater ebenbürtig.

Bei den Räubern von Schiller sind, mehr als in einem anderen Drama jemals zuvor,

revolutionäre, antifeudale Elemente ausgebildet. Außerdem zeigt es die Wirklichkeit

des 18. Jahrhunderts, das von organisiertem Bandenwesen und Pauperismus

(Massenarmut) geprägt wurde.

Eines haben die Dramen des Sturm und Drang alle gemeinsam: am Ende scheitert

der Held an den gesellschaftlichen Verhältnissen und kann seine Identität nur durch

Mord, Freitod oder Selbstverstümmelung bewahren.

Wichtige Themen der Dramen im Sturm und Drang waren Freiheitskampf gegen die

Gesellschaft (z.B. Schiller: Kabale und Liebe, Die Räuber; Goethe: Goetz von

Berchlingen; Klinger: Die Zwillinge) und gesellschaftliche Geschlechterauffassungen

(z.B. Lenz: Die Soldaten).

3. 2.1. Das bürgerliche Drama

Merkmale des bürgerliche Dramas sind die Einhaltung von Tugenden, wie

Humanität, Toleranz, Sittlichkeit und Gefühlsbetontheit. Die Vertretung dieser

Tugenden dient als Abgrenzung gegenüber der höfischen Gesellschaft. Der erste

"richtige" bürgerliche Held in einem Drama ist Luise, die Tochter eines

Stadtmusikanten, aus Schillers Kabale und Liebe. Auch der Handlungsort des

bürgerlichen Dramas spielt nun in Deutschland, und nicht wie bisher im Ausland. In

Kabale und Liebe wird versucht, die Standesschranken zu überwinden, doch fordert

dies das Opfer von Luise durch eine Intrige (=Kabale) der höfischen Gesellschaft.

Kabale und Liebe

Friedrich Schiller schrieb das bürgerliche Trauerspiel 1783 unter dem Titel Luise Millerin.Zur Umbenennung in Kabale und Liebe kam es auf Vorschlag des Schauspielers und Theaterleiters August Wilhelm Iffland. Im Mittelpunkt steht die unglückliche Liebe zwischen dem Adligen Ferdinand und der Musikertochter Luise. Von großem Einfluss auf das Werk war Gotthold Ephraim Lessings Emilia Galotti.

Ferdinand von Walter und Luise, Tochter des Stadtmusikanten Miller, lieben sich. Diese Verbindung über Standesgrenzen hinweg schmeichelt zwar Luises Mutter. Ihr Vater hält sie aber für unrealistisch. Auch Ferdinands Vater, Präsident der Residenz, ist gegen eine Heirat seines Sohnes mit einer Bürgerlichen. Er will Ferdinand mit Lady Milford, der Mätresse des Herzogs, verheiraten um so seinen Einfluss bei Hofe zu vergrößern. Ferdinand rebelliert gegen den Plan seines Vaters und hält an seiner Liebe zu Luise fest. Um ihn davon abzubringen, initiieren der Präsident und sein Sekretär Wurm, zugleich Nebenbuhler Ferdinands, eine heimtückische Intrige: Luises Eltern werden grundlos verhaftet. Sodann wird Luise mit der andernfalls ihren Eltern bevorstehenden Hinrichtung zu einem fingierten Liebesbrief an den Hofmarschall von Kalb erpresst. Außerdem muss sie einen Eid auf ihr Leben schwören, diesen Brief freiwillig geschrieben zu haben. Der Brief wird Ferdinand zugespielt und weckt gezielt dessen Eifersucht. Luise will sich nun durch Freitod vom Eid lösen, um Ferdinand wenigstens sterbend die Wahrheit sagen zu können. Ihr Vater hält sie davon ab, indem er an ihre Treue ihm gegenüber appelliert. Luise muss also auf Ferdinands Vorwürfe schweigen. Blind vor Wut und Verzweiflung vergiftet Ferdinand sich und Luise. Sterbend ist sie jetzt frei von ihrer Schweigepflicht und kann Ferdinand vergeben. Das Drama kritisiert den ständischen Gegensatz zwischen Adel und Bürgertum und schildert den Konflikt zwischen Sittsamkeit und Liebe. Es ist die empörte Anklage gegen die Willkür und Tyrannei höfischer Macht, die die elementaren Rechte der Menschen völlig missachtet. Schiller übt schonungslose Kritik an der absoluten Herrschaft der Fürsten in den deutschen Kleinstaaten und deren Soldatenhandel. Mit der Zentralgestalt des Werkes, Luise, gestaltet er eine Zeit, in der die Standesschranken einstürzen werden. Durch seinen Aufenthalt an der progressiven Carlsschule, setzt er sich außerdem für Menschlichkeit und die Gleichberechtigung der Partner, die verschiedenen Ständen angehören, in einer Liebesbeziehung ein. Kabale und Liebe wurde zum ersten großen sozialen deutschen Drama.Es weist zudem alle Kennzeichen des Sturm und Drang auf, der darin aber durch das Scheitern Ferdinands überwunden wird.

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Details

Seiten
11
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656271802
ISBN (Buch)
9783656272366
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194012
Note
15 Punkte
Schlagworte
epoche sturm drang abitursthema

Autor

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