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Die Rolle Moritz von Sachsens vom Regensburger Reichstag bis zum Passauer Vertrag (1546-52)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 21 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsstand und Quellen

3. Die Rolle Moritz von Sachsens vom Regensburger Reichstag bis zum Passauer Vertrag
3.1. Regensburger Reichstag
3.2. Schmalkaldischer Krieg
3.3. Geharnischter Reichstag
3.4. 1548 - 1522
3.5. Fürstenaufstand

4. Schlussbetrachtung

5. Quellen- und Literaturverzeichnis
5.1. Quellenverzeichnis
5.2. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Auf protestantischer Seite 1547 erst als „Judas von Meißen“ diffamiert, schließlich von ihnen 1552 als „Retter der Reformation“ gefeiert: unter diesen Bezeichnungen firmierte der Herzog und spätere Kurfürst Moritz von Sachsen. 1552 hatte er sich an die Spitze des Aufstandes der protestantischen Reichsfürsten gegen Kaiser Karl V. gesetzt und damit die katholische Seite verraten. Noch fünf Jahre zuvor hatte er auf Seiten des Kaisers im Schmalkaldischen Krieg aus politischem Machtkalkül gegen seine protestantischen Glaubensgenossen gekämpft und sich damit deren Unmut zugezogen.

Moritz von Sachsen (1521-1553), protestantischer Fürst, aus dem Haus der albertinischen Wettiner stammend und 1547 mit der ernestinischen Kurwürde belehnt, war einer der wichtigsten Verbündeten, aber auch Gegenspieler Kaiser Karls V. im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Er steht exemplarisch für ein wachsendes reichsfürstliches Selbstbewusstsein, welches sich im Zuge der sich verbreitenden Reformation entwickelt und religiöse Ansprüche mit machtpolitischem Kalkül verbindet, um die eigene Herrschaft zu stärken und zu verteidigen.

Ziel dieser Arbeit soll sein, Moritz von Sachsens Rolle in der Zeit von 1546-1552 aufzuzeigen. Der Schwerpunkt liegt auf der Auseinandersetzung mit Kaiser Karl V.

Nach einer Darstellung des Forschungsstandes und einer kurzen Vorstellung der verwandten Quellen beginnt der Hauptteil mit der Beleuchtung der Rolle Moritz von Sachsens beim Regensburger Reichstages von 1546. Dort begann Karl V. im Geheimen die Verhandlungen mit seinen potentiellen Verbündeten für den Schmalkaldischen Krieg,[1] von denen Moritz der wichtigste ist. Die Positionen und Intentionen beider Seiten werden untersucht und Gründe für den Vertragsabschluss aufgezeigt.

Der nächste Abschnitt befasste sich mit Moritz´ Vorgehen und Taktieren im Schmalkaldischen Krieg, besonders im Sachsenfeldzug[2] gegen seinen ernestinischen Vetter Johann Friedrich den Großmütigen, nach dessen Beendigung Moritz sich langsam von Karl V. abzuwenden beginnt.

Der dritte Aspekt schildert die Situation des „Geharnischten Reichstags“ zu Augsburg 1547/48, auf dem der Kaiser auf dem Höhepunkt seiner Macht im Reich stand und die konfessionelle Spaltung durch die Zwischenreligion des „Augsburger Interims“ zu lösen versucht. Hier wird wieder Moritz´ Widerstand gegen die Oktroyierung des Interims und seine wachsende innere Distanzierung von Karl V. und der katholischen Seite dargestellt.

Der anschließende Punkt beschreibt die Zeit zwischen 1548 und 1552, in der Moritz´ latente Opposition gegen die kaiserliche Politik langsam konkret hervortritt: durch den Befreiungsversuch seines gefangenen Vetters Philipp v. Hessen, dem Bruch mit Karl V. durch das Bündnis mit der Stadt Magdeburg, dem Vertrag mit dem französischen König Heinrich II. und der Allianz der protestantischen Reichsfürsten im Vertrag von Torgau, an deren Spitze Moritz sich nun setzte.

Der finale Abschnitt beleuchtet nun Moritz´ tragende Rolle im Fürstenaufstand von 1552 gegen Karl V. Beginnend mit dem Einfall der Kriegsfürsten in Süddeutschland und Tirol, die anschließende Flucht und Demütigung Karls und Moritz´ Rolle als Verhandlungsführer bei den Vertragsverhandlungen in Linz und Passau, aus denen schließlich der Passauer Vertrag hervorgeht.

In der Schlussbetrachtung wird die Bedeutung Moritz von Sachsens bei den genannten Ereignissen und sein Gesinnungswandel noch einmal zusammengefasst.

2. Forschungsstand und Quellen

Die Hauptquelle für dieses Thema stellt die politische Korrespondenz Moritz von Sachsens dar, die zwischen 1900 und 2006 in sechs Bänden erschien.[3] Sie basiert auf Quellen aus etwa 50 europäischen Archiven und dokumentiert sehr gut das außen- und innenpolitische Handeln des Herzogs bzw. Kurfürsten. Der Privatdozent Erich Brandenburg edierte und publizierte die ersten beiden Bände, die den Zeitraum zwischen 1541 und 1546 behandeln. Danach stagnierte das Projekt, Brandenburg verstarb 1946, und erst 1978 wurde es mit Band 3 von Johannes Herrmann und anderen Autoren wieder aufgenommen. 2006 erschien der sechste und letzte Band.

Eine weitere Quelle stellen die Bände 17-19 der Jüngeren Reihe der deutschen Reichstagsakten dar, die von Rosemarie Aulinger, Ursula Machoczek und Erwein Eltz bearbeitet und 2005-06 herausgegeben wurden.

Die Literatur, die sich allein mit Moritz von Sachsen beschäftigt, ist reichhaltig. Sie begann mit einer Biografie von 1876 und setzte sich in einer Sammlung von Aufsätzen von 1877-1907, die 1989 von Simon Ißleib neu herausgegeben wurde,[4] fort. Der engagierte Moritzforscher Karlheinz Blaschke veröffentlichte 1983 eine Biografie über Moritz[5] und 2007 einen Aufsatzsammelband eines Kolloquiums von 2003, in dem viele Experten über verschiedene Aspekte von Moritz´ Herrschaft referiert haben.[6] Eine der neuesten Publikationen ist eine dünne Moritz-Biografie von Armin Gebhardt von 2007.[7]

Viele Informationen über Moritz von Sachsen findet man aber auch in Werken, die den gesamten Ereigniskomplex oder einzelne Bereiche davon darstellen, in den Moritz involviert war. Dazu zählen z.B. die Reformation, die Glaubensspaltung, die Dynastie der Wettiner, Karl V. und der Fürstenaufstand.[8] Die meisten Werke sind sehr aktuell (nach 2000 erschienen), für meine Arbeit waren vor allem die sehr gründlichen Darstellungen „Deutsche Geschichte 1500-1600“ von Horst Rabe (1989) und „Der Fürstenaufstand gegen Karl V. im Jahr 1552. Entstehung, Verlauf und Ergebnis – vom Schmalkaldischen Krieg bis zum Passauer Vertrag“ von Kerstin Schäfer (2009) sehr wichtig.

3. Die Rolle Moritz von Sachsens vom Regensburger Reichstag bis zum Passauer Vertrag

3.1. Regensburger Reichstag

Nachdem Kaiser Karl V. nach dem Friedensschluss von Crépy (1544) mit Frankreich und dem Waffenstillstandsvertrag mit den Osmanen (1545) außenpolitisch befriedet war, konnte er sich dem Konfessionsproblem im Reich widmen. Dazu berief er 1545 einen Reichstag nach Worms ein, auf dem er den Schmalkaldischen Bund[9] aufforderte, am bevorstehenden Konzil von Trient teilzunehmen, was diese bisher abgelehnt hatten. Das Konzil sollte die konfessionelle Spaltung, die durch die Reformation seit 1517 eingetreten war, wiederaufheben und das Reich religiös befrieden.

Der Reichstag wurde schließlich im Juni 1546 nach Regensburg verlegt und stand von Beginn an unter dem Zeichen der Konfrontation. Während Karl V. offiziell noch mit dem Schmalkaldischen Bund debattierte, führte er im Hintergrund schon Bündnisverhandlungen mit potentiellen Partnern für den bevorstehenden Krieg gegen die Protestanten.

Die wichtigsten Verhandlungspartner waren Papst Paul III., Herzog Albrecht V. von Bayern und Herzog Moritz von Sachsen. Der protestantische Moritz wurde auch vom Schmalkaldischen Bund umworben,[10] dessen Anführer Landgraf Philipp von Hessen und Kurfürst Johann Friedrich I. von Sachsen mit ihm verwandt waren, weshalb er eigentlich neutral bleiben wollte. Allerdings war er mit Johann Friedrich seit der Wurzener Fehde[11] tief zerstritten und strebte nach dessen Territorien und seiner Kurwürde.

Während den Verhandlungen, die auf kaiserlicher Seite von Karls Unterhändler Antoine Perrenot de Granvelle und auf Seite Moritzens von dessen Räten geführt wurden, versuchte Moritz, seine Neutralität zu wahren und eine Entscheidung hinauszuzögern.[12] Allerdings waren seine Räte der Verhandlungstaktik Granvelles unterlegen: dieser drängte Moritz dazu, den Vertrag zu unterzeichnen und auf weitere mündliche Zusagen Karls einzugehen.[13] In der Audienz bei Karl wiederholte dieser gegenüber Moritz die erwarteten Erklärungen aber nicht in vollem Umfange, sodass dieser sich getäuscht fühlte.[14] Auch der versprochene Erhalt Kursachsens wurde ihm nicht explizit zugesichert, da Karl als vorgeschobenen Kriegsgrund die Reichsacht über Hessen und Kursachsen verhängt hatte[15] und nach seiner Meinung diese Gebiete demjenigen zustehen, der sie erobere.[16]

Moritz akzeptierte schließlich am 19.6.1546 den zugunsten Karls formulierten Bündnisvertrag,[17] der Moritz´ Verpflichtungen sehr viel verbindlicher formulierte als die der Gegenseite.[18] Der Kaiser stellte Moritz unter seinen Schutz und Moritz erhielt die Schutzherrschaft über die Bistümer Magdeburg und Halberstadt.[19] Dafür musste der Herzog sich dem Konzil von Trient unterwerfen, Beihilfe zur Herstellung von Frieden und Recht leisten, insbesondere zur Erhaltung des Gehorsams gegenüber dem Kaiser und dem römischen König Ferdinand I., Karls Bruder, seine Freundschaft gegenüber dem Hause Habsburg bekunden und Hilfe gegen die Türkengefahr aufbieten.[20]

Moritz hatte sich also unter einen Knebelvertrag begeben, der ihn dazu zwang, seine neutrale Haltung aufzugeben: der Vertrag beinhaltete weder die Übertragung der Kurwürde noch die sichere Übertragung des kursächsischen Territoriums. Außerdem war die Zusage über die Schutzherrschaft über Magdeburg und Halberstadt entwertet, da Moritz Auflagen über den Schutz der alten Religion und des Vermögens der kirchlichen Institutionen erfüllen musste, die seinen dortigen Handlungsspielraum sehr verkleinerten.[21] Um all diese Dinge doch noch zu erhalten, musste er in den Krieg gegen Kursachsen eintreten, was ihn natürlich auch in Konflikt mit seinen protestantischen Verwandten Philipp und Johann Friedrich brachte.

[...]


[1] Juni 1546-April 1547.

[2] Juni 1546-November 1546.

[3] Politische Korrespondenz des Herzogs und Kurfürsten Moritz von Sachsen, bearb. v. Erich Brandenburg/Johannes Herrmann u.a., 6 Bde., Leipzig 1900-2006.

[4] Auffsätze und Beiträge zu Kurfürst Moritz von Sachsen (1877-1907), 2 Bde., hg. v. Simon Ißleib, Köln/Wien 1989 (im Folgenden zitiert als „Ißleib, Beiträge“).

[5] Karlheinz Blaschke, Moritz von Sachsen. Ein Reformationsfürst der zweiten Generation (Persönlichkeit und Geschichte 113), Göttingen/Zürich 1984 (im Folgenden zitiert als „Blaschke, Moritz“).

[6] Moritz von Sachsen – Ein Fürst der Reformationszeit zwischen Territorium und Reich (Internationales wissenschaftliches Kolloquium vom 26. bis 28. Juni 2003 in Freiberg (Sachsen) (Quellen und Forschungen zur sächsischen Geschichte 29), hg. v. Karlheinz Blaschke, Leipzig 2007 (im Folgenden zitiert als „Blaschke, Reformationszeit“).

[7] Armin Gebhardt, Moritz von Sachsen. Skrupelloser Retter des Protestantismus, Marburg 2007.

[8] Ulrich Köpf, Reformationszeit 1495-1555, in: Deutsche Geschichte in Quellen und Darstellung, Bd.3, Stuttgart 2001 (im Folgenden zitiert als „Köpf, Reformationszeit“); Horst Rabe, Deutsche Geschichte 1500-1600. Das Jahrhundert der Glaubensspaltung, München 1989 (im Folgenden zitiert als „Rabe, Geschichte“); Reiner Groß, Die Wettiner, Stuttgart 2007 (im Folgenden zitiert als „Groß, Wettiner“); Karl Brandi, Kaiser Karl V. Werden und Schicksal einer Persönlichkeit und eines Weltreiches, München 1961 (im Folgenden zitiert als „Brandi, Karl“); Alfred Kohler, Karl V. 1500-1558. Eine Biographie, München 1999 (im Folgenden zitiert als „Kohler, Karl“); Kerstin Schäfer, Der Fürstenaufstand gegen Karl V. im Jahr 1552. Entstehung, Verlauf und Ergebnis – vom Schmalkaldischen Krieg bis zum Passauer Vertrag, Bamberg 2003 (im Folgenden zitiert als „Schäfer, Fürstenaufstand“); Winfried Becker, Der Passauer Vertrag von 1552. Politische Entstehung, reichsrechtliche Bedeutung und konfessionsgeschichtliche Bewertung, in: Einzelarbeiten aus der Kirchengeschichte Bayerns, hg. v. Helmut Baier, Bd. 80, Neustadt a. d. Aisch 2003 (im Folgenden zitiert als „Becker, Vertrag“).

[9] Ein Bündnis protestantischer Landesfürsten und Städte, das 1532 in Schmalkalden gegründet wurde.

[10] Politische Korrespondenz des Herzogs und Kurfürsten Moritz von Sachsen, hg. v. Erich Brandenburg, Bd. 2 (Schriften der königlich sächsischen Kommission für Geschichte 9), Leipzig 1904, Nr. 875, S.545f. (im Folgenden zitiert als „Moritz-Korrespondenz 2“).

[11] Ein Territorialkonflikt zwischen Moritz und Johann Friedrich von 1542, vgl. dazu Wieland Held, 1547. Die Schlacht bei Mühlberg/Elbe. Entscheidung auf dem Weg zum albertinischen Kurfürstentum Sachsen, Leipzig 1997, S.31-35 (im Folgenden zitiert als „Held, Mühlberg“).

[12] Blaschke, Moritz, S.53f. Durch die Entsendung seiner Räte zu den Verhandlungen versuchte Moritz, Bedenkzeit zu gewinnen und eine Entscheidung hinauszuschieben.

[13] Kohler, Karl, S.299; Moritz-Korrespondenz 2, Nr. 921, S.657-660.

[14] Moritz-Korrespondenz 2, Nr. 927-28, S.671-74.

[15] Deutsche Reichstagsakten. Jüngere Reihe – Deutsche Reichstagsakten unter Kaiser Karl V., hg. v. Rosemarie Aulinger, Bd. 17, Stuttgart 2005, Nr. 115, S.552-559 (im Folgenden zitiert als „Reichstagsakten 17“).

[16] Ebd., Nr. 928, S.674: „Kommet es darzu [zum Angriff auf Kursachsen], so schaue jeder zu dem seinen; wer etwas bekomme, der habs, wann die acht oder dergleichen sollt ergehen.“.

[17] Ebd., Nr. 922-24, S.660-668.

[18] Rabe, Geschichte, S.396f.

[19] Moritz-Korrespondenz 2, Nr. 923, S.665-67.

[20] Reichstagsakten 17, Nr. 82, S.460.

[21] Rabe, Geschichte, S.396f.; Blaschke, Moritz, S.57; Reichstagsakten 17, Nr. 82, S.460: „Die Hochstifte Magdeburg und Halberstadt werden seinem Schutz unterstellt, behalten aber alle Privilegien und Freiheiten, die geistliche Jurisdiktion und die freie Bischofswahl. Auch ihre Rechte als Reichsstand dürfen nicht eingeschränkt werden.“.

Details

Seiten
21
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656194040
ISBN (Buch)
9783656196303
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194005
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Lehrstuhl für Neuere Geschichte
Note
1,3
Schlagworte
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