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Die Zusammenarbeit Pakistans und der USA im Kampf gegen den Terrorismus

Zum pakistanischen Kosten-Nutzen-Kalkül im "war on terror"

Bachelorarbeit 2012 64 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Forschungskontext und Fragestellung
1.2 Aufbau und Methoden

2 Forschungsprogramme der Internationalen Beziehungen
2.1 Realistische Denkschule
2.2 Konstruktivistische Denkschule

3 Geopolitik auf dem „Eurasischen Schachbrett“

4 Historische Verlaufslinie pakistanisch-amerikanischer Beziehungen bis 9/11

5 Die pakistanisch-amerikanische Allianz im „war on terror“
5.1 Allianz als Überlebensstratgie
5.2 Leistungen der USA
5.2.1 Militär
5.2.2 Wirtschaft
5.2.3 Terrorismus, Demokratie, Menschenrechte und andere Bereiche
5.3 Leistungen und interne Konflikte in Pakistan
5.4 Die pakistanischen Beziehungen zu Indien, China, Saudi-Arabien und den Golfstaaten
5.5 Post-amerikanische Afghanistanstrategie und die Perspektiven pakistanisch­amerikanischer Beziehungen

6 Resümee

Quellen und Literaturverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„Geschichte wiederholt sich in dem Sinne, dass sich gewisse Arten von Problemen wiederholen, aber auch verändern.“ (Henry Kissinger zit. in Bender 2003: 8)

1.1 Forschungskontext und Fragestellung

Die pakistanisch-amerikanischen Beziehungen sind seit der Gründung der Islamischen Republik Pakistan 1947 durch Konflikt und Kooperation gekennzeichnet, was in der internationalen Politik als „business as usual“ angesehen werden könnte. In dem von Präsident George W. Bush nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ausgerufenen „war on terror“ haben sie sich, wie die Ereignisse der letzten Jahre (insb. 2011) zeigen, ihren vorläufigen Tiefpunkt erreicht. Die Obama-Administration ersetzte 2009 die Bezeichnung „war on terror“ durch „counterinsurgency“ (Aufstandsbekämpfung) und versuchte den nicht-militärischen Teil des Krieges ins Zentrum seiner als „Af-Pak“ bezeichneten Strategie zu betonen (vgl. Haq 2009). In der vorliegenden Arbeit wirdjedoch die ursprüngliche Bezeichnung „war on terror“ verwendet, da der Terminus „Aufstand“ hier irreführend ist. Bei der unilateralen amerikanischen Kommandoaktion am 2. Mai 2011, bei der Al-Kaida-Führer Osama Bin Laden getötet wurde, entschied Obama, dass den Pakistanern nicht ausreichend zu trauen sei. Der NATO-ISAF Angriff auf einen pakistanischen Militärposten an der Grenze zu Afghanistan im November 2011, bei dem 24 pakistanische Soldaten getötet wurden und die Unterbrechung der Versorgungsrouten der NATO-ISAF in Afghanistan durch Pakistan, rechtfertigen von einer „Eiszeit“ in den pakistanisch-amerikanischen Beziehungen zu sprechen. Die Divergenz in sicherheitspolitischen Interessen beider Staaten könnte kaum größer sein. Vertrauensdefizit und Opportunität auf beiden Seiten erschweren eine Annährung in wichtigen Fragen der internationalen Politik. Von „trust deficite“ und „double game“ (Wright 2011) war schon häufiger in den Beziehungen mit Blick auf die US-Leistungen an Pakistan und den „safe havens“ (Clapper 2011) für Terroristen in Pakistan im „war on terror“ die Rede. Der Zweck im Sinne vom unmittelbaren Nutzen stand in den pakistanisch-amerikanischen Beziehungen für beide Seiten im Vordergrund, während die Divergenz in grundsätzlichen Fragen im Hintergrund fortbestand.

Der gemeinsame Kampf im „war on terror“ hat die bilateralen Beziehungen tiefgreifend verschlechtert, eine Wiederbelebung der Beziehungen erscheint im Hinblick auf die Zukunft Afghanistans, der Stabilität in Süd- und Zentralasien und im Kontext eines (in absehbarer Zeit) nuklearen Irans als dringend notwendig. Zudem ist Pakistan aufgrund seiner geographischen Lage, der Bevölkerungsentwicklung und seines Nukleararsenals als ein relevanter Akteur der internationalen Politik anzusehen. Auch im Hinblick auf „[...] eine Neuausrichtung der komplexen amerikanischen Beziehungen mit der volatilen Welt des Islams“ (Koener 2008: 27) kommt dem Staat mit einer Bevölkerung von schätzungsweise 335 Mio. im Jahre 2050 eine zentrale Rolle zu. Die innenpolitischen Faktoren in Pakistan sind jedoch wie Lieven (2011) berichtet, sehr komplex und für die meisten amerikanischen Beobachter kaum zu überblicken oder mit Brzezinski formuliert: „Pakistan is too large, to populous, and too complex for us to be able to deal effectively with its internal politics” (Brezinzki 2008: 106). Insofern ist es auch für Deutschland und Europa von großer Bedeutung einschätzen zu können, wie sich das Verhältnis zwischen Islamabad und Washington entwickelt. Daher wird die Beschäftigung mit den pakistanisch-amerikanischen Beziehungen mit Rekurs auf zwei Forschungsprogramme der Internationalen Beziehungen als gewinnbringend erachtet. Der in der Außenpolitik der USA und Pakistans dominierende realistische Denkansatz erscheint hier als „point of departure“ für die Analyse angemessen. Dass die Analyse die Grenzen des Realismus auch überschreiten muss, um auch nur annährend einen Abdruck der komplexen Realität der internationalen Beziehungen zu bekommen, versteht sich von selbst. Um auch eine innere Perspektive der Akteure einbeziehen zu können, die der Realismus vernachlässigt, wird auf den Konstruktivismus zurückgegriffen.

Die Relevanz des Themas für eine politikwissenschaftliche Analyse der pakistanisch­amerikanischen Beziehungen ergibt sich jedoch nicht nur aus aktuellem Anlass; ein Blick auf den historischen Hintergrund der bilateralen Beziehungen deutet auf ein langfristiges „auseinanderdriften“ pakistanisch-amerikanischer Sicherheitsinteressen hin. Die ursprüngliche Intention für die vorliegende Arbeit lag in dem vermeintlich beobachteten Widerspruch zwischen den offiziellen Stellungnahmen der amerikanischen und pakistanischen Regierungen zu den US-Leistungen im „war on terror“ einerseits und der tatsächlichen Kriegsführung sowie den Kollateralschaden andererseits begründet. Erstens kann auf der Individualebene erklärt werden, dass der reale Krieg gegen den Terrorismus nicht in Afghanistan sondern in Pakistan ausgetragen wurde und zwar auf Kosten der Zivilbevölkerung. Zweitens kann auf der bilateralen Ebene gezeigt werden, dass die Allianz im „war on terror“ eine diametral entgegengesetzte amerikanische Pakistanpolitik der 1990er und ebenfalls eine entgegengesetzte pakistanische Afghanistanpolitik seit den 1980er darstellt. Drittens kann auf der internationalen Ebene ein „New Great Game “ um langfristige geopolitische Interessen der USA auf dem eurasischen Kontinent angedeutet werden.

Vor diesem Hintergrund ist die zentrale Fragestellung der vorliegenden Arbeit, ob die pakistanisch-amerikanische Allianz im „war on terror“ die Ziele, die sie ursprünglich verfolgte in zehn Jahren erreicht hat und ob die Allianzstrategie für Pakistan unter Beachtung der Kosten-Nutzen-Faktoren als Erfolg oder Misserfolg einzuordnen ist? Dies geschieht aus der Sicht der pakistanischen Außenpolitik. Die Fragestellung beinhaltet auch eine vorsichtige Prognose über die in der Zukunft zu erwartende Intensität in den pakistanisch-amerikanischen Beziehungen. In diesem Zusammenhang stellen sich eine Reihe spezifischer Fragen: Unter welchen geopolitischen Bedingungen kam diese Allianz zustande? Welche internen Akteure waren am Entscheidungsprozess beteiligt? Welchen „outcome“ erwarteten die Allianzpartner? Welche Auswirkung hatte die Allianz mit den USA für Pakistans Beziehungen in der Region und mit den Golfstaaten?

Damit ist das Hauptziel der Arbeit das Erklären und Verstehen der angespannten pakistanisch-amerikanischen Beziehungen am Fallbeispiel „war on terror“. Dies geschieht zum einen durch eine Bestandsaufnahme der Entwicklung pakistanisch-amerikanischer Beziehungen mit Blick auf die Gesetzgebung im US-Kongress und der jeweiligen Anwendung durch die US-Administration. Und zum anderen durch eine Kosten-Nutzen­Analyse des Fallbeispiels. Die Rolle der Sprache und (Be)-Deutung in den internationalen Beziehungen können hier nur kurz angeschnitten werden. Zusätzlich werden auch die pakistanischen Beziehungen zu anderen Staaten mit den pakistanisch-amerikanischen Beziehungen ins Verhältnis gesetzt.

1.2 Aufbau und Methoden

Im Kapitel 2 wird anfangs die Auswahl der Forschungsprogramme der Internationalen Beziehungen für den vorliegenden Fall begründet. Im Kapitel 2.1 wird auf das Gedankengut der Realistischen Schule zurückgegriffen, um zentrale Begriffe für das Verhalten der Staaten auf der internationalen Ebene (Vogelperspektive) zu definieren und die Relevanz des Realismus in der Außenpolitik kurz anzuschneiden. Im Kapitel 2.2 wird auf den Konstruktivismus zurückgegriffen, um die Begriffe und Definitionen für die individuelle Ebene (Innenperspektive) zu definieren. Im Kapitel 3 wird der Begriff der Geopolitik nach Helford Mackinder näher betrachtet und die Geostrategie der USA nach Zbignew Brzezinski ausgearbeitet. Im Kapitel 4 wird die historische Verlaufslinie der pakistanisch-amerikanischen Beziehungen mit den wichtigsten Ereignissen nachgezeichnet. Kapitel 5 widmet sich der Analyse der pakistanisch-amerikanischen Beziehungen im „war on terror“. Als erstes wird im Unterkapitel 5.1 die Entscheidung für die Allianzbildung aus pakistanischer Perspektive ausgearbeitet, um die Frage nach „balancing or bandwagoning“ zu klären. Dem folgt eine Kosten-Nutzen-Analyse der Allianzstrategie im Unterkapitel 5.2 aus amerikanischer und im Unterkapitel 5.3 aus pakistanischer Perspektive, wobei auch interne Konflikte in Pakistan berücksichtigt werden. Danach werden die Beziehungen Pakistans zu Indien, China, Saudi-Arabien und den Golfstaaten im Unterkapitel 5.4 näher betrachtet. Anschließend wird die pakistanische Afghanistan-Strategie nach dem Abzug der NATO-ISAF aus Afghanistan in 2014 und die Perspektiven pakistanisch-amerikanischer Beziehungen im Unterkapitel 5.5 angedeutet. Im Kapitel 6 werden die Befunde der Analyse zusammengefasst und kritisch reflektiert.

Die Quellenlage zum Themenschwerpunkt ist in Deutschland sehr dürftig, deutschsprachige Literatur zum Thema ist nur schwer zu finden. Daher wurde hauptsächlich auf amerikanische, pakistanische und britische Autoren zurückgegriffen. Die Veröffentlichung des Department of State, Department of Defense, The White House sowie des Congress sind für die Analyse unverzichtbar, ebenso die zahlreichen Beiträge der internationalen Think-Tanks. Die Arbeiten der britischen Autoren, wie Anatol Lieven und Hilary Synnott zeichnen durch tiefe Kulturkenntnis und Wissen über historische Ereignisse in Pakistan aus und werden in die Untersuchung eingebunden. Für das Verständnis der amerikanischen Außenpolitik wird auf die Veröffentlichungen von Henry Kissinger, Zbigniew Brzezinzski und Brent Scowcroft zurückgegriffen. Die pakistanische Außenpolitik wird mit den Arbeiten von Maleeha Lohdi, Hussain Haqqani und Pervez Musharraf nah an den „Schaltstellen der Macht“ in Pakistan berücksichtigt. Die Beiträge unabhängiger pakistanischer Autoren wie Tariq Ali, Ahmed Rashid, Zahid Hussain, Saeed Shafqat und R. A. Kazimi sind für das Verständnis der politischen Innenarchitektur Pakistans unerlässlich. Aus Indien bzw. Südasien wurden die Arbeiten von Ashok Kapur, Arundhati Roy und T.V. Paul in die Analyse eingebunden. Der Theorieteil der Arbeit basiert auf Kenneth Waltz, Stephen Walt, John Mearsheimer, aber auch die dem Neorealismus angrenzenden Ansätze wie die Englische Schule oder der Neoklassische Realismus werden mit Barry Buzan und Randall Schweller berücksichtigt. Für die Konstruktivistische Betrachtung des Untersuchungsgegenstandes wurde auf die Arbeiten von Alexander Wendt zurückgegriffen. Zusätzlich wurde ein unstrukturiertes Interview mit Anisa Khan, einer ehemaligen Dozentin am Defense College in Karachi organisiert, um über die allgemeine Situation in Pakistan im „war on terror“ mehr zu erfahren (vgl. Khan Anisa 2011, Interview S. 61).

Somit standen für die Analyse ausreichend vielfältige Quellen zur Verfügung, die systematisch nach der enthaltenen Information in einer einheitlichen Form gefiltert und ausgewertet wurden. Im nachfolgenden Kapitel wird die Einordnung der Arbeit in der Theorie der Internationalen Beziehungen und ihre Relevanz in der Analyse der Außenpolitik ausgearbeitet. Viele Wissenschaftler der Internationalen Beziehungen beschränken sich entweder auf deduktives oder induktives Vorgehen bei ihren Arbeitende nachdem ob sie sich als Theoretiker oder als Empiriker verstehen. In der vorliegenden Arbeit wird jedoch der Versuch gewagt und als Ziel angestrebt, beide Vorgehensweisen sinnvoll miteinander zu verbinden.

2 Forschungsprogramme der Internationalen Beziehungen

Im folgendem werden aufgrund der Fragestellung und des Forschungsgegenstands aus den für die Analyse ausgewählten Forschungsprogrammen der IB, dem Realismus und Konstruktivismus die relevanten Begriffe und Konzepte hergeleitet. Beide Forschungsprogramme werden als kombinatorischer Ansatz auf die Analyse angewandt. Über die Anzahl und Abgrenzung der Forschungsprogramme der IB kann weiterhin gestritten werden, nach List (2006) können jedoch vier Forschungsprogramme unterschieden werden; Idealismus/Institutionalismus, Realismus, gesellschaftskritische Ansätze und Konstruktivismus. Bei der Auswahl der beiden Forschungsprogramme Realismus und Konstruktivismus für die Analyse handelt es sich nicht um eine bloße ad- hoc Erklärung, vielmehr sollen sie dazu dienen, die Fragestellung auf der individuellen, nationalen und internationalen Ebene zu verfeinern bzw. den Forschungsrahmen mit ihren spezifischen Annahmen und Erklärungsmustern vorgeben.

2.1 Realistische Denkschule

Der Realismus oder die realistische Denkschule der Internationalen Beziehungen geht davon aus, dass erst Macht im Weberschen Sinne das politische konstituiert. Macht ist demnach die Durchsetzungsfähigkeit eines Akteurs seine Umgebung nach seiner Vorstellung zu beeinflussen. Realisten sind jedoch keine Apologeten, sie betonen auch die Ethik des Möglichen. Antike Realisten wie Thukydides, Kautilya und Sun Tzu kannten die Folgen des Machtmissbrauchs und warnten vor ungezügelter Machtanhäufung, wie der berühmte Melier-Dialog des Thukydides beweist (vgl. Thukydides & Vretska 2005). Realisten der früheren Neuzeit wie Niccolo Machiavelli und Thomas Hobbes mussten die negativen Folgen einer Machtkonzentration selbst miterleben und waren daher einem „kritischen Ansatz“ zugeneigt und rieten zum vorsichtigen Umgang mit der Macht, insbesondere militärischer Macht. Der Realismus geht aufgrund seiner Anthropologie von einem „war of every man, against every man“ (Hobbes & Gaskin 2008: 84) als den wahrscheinlichsten Zustand zwischen Menschen aus, wobei eine formale Anarchie (im Sinne von Heterarchie) und die Gleichheit unter ihnen als Naturzustand vorausgesetzt wird, welches unweigerlich zu einem Sicherheitsdilemma führt. Aus dieser Perspektive erscheint die Selbsthilfe als das einzige Mittel zur Interessenwahrung und das Streben nach Macht zur Notwendigkeit. Der Kampf um Überleben und Ressourcen steht im Zentrum des politischen Handelns, für Ethik und Moral ist in der autonomen politischen Sphäre nur wenig Raum, nur wo es dem höheren machtpolitischen Interessen dient ist sie als „nützlich“ anzusehen. Um Macht zu erlangen und zu stabilisieren, ist nach Machiavelli virtù (Tüchtigkeit), fortuna (Glück) und occasione (Gelegenheit) erforderlich (vgl. Machiavelli & von Oppeln-Bronikowski 2001).

Der historische Hintergrund, die Bildung des Westfälischen Staatensystems 1648 und der Wiener Kongress 1815, sind für die zentrale Rolle der Staatsräson und der Machtbalance in den realistischen Ansätzen maßgeblich. Erst die Entstehung des modernen Staates und die Befunde der Staatswissenschaft führten zu einer Ent-Personifizierung der Politik. Der als Klassischer Realismus bezeichnete Ansatz wurde in den 1930er von Hans Morgenthau (1993) in den USA als Kritik an den gescheiterten Idealismus der Wilson-Ära mit Rekurs auf die „klassischen Denker“ entwickelt. Wie bei früheren Realisten ist auch bei ihm die Macht als die Antriebskraft jeglichen menschlichen Handelns anzusehen, diese wird anthropologisch begründet und auf Staaten projiziert. Macht bedeutet hier die Überwindung des Status quo. Die Ontologie ist materiell, wobeijeder Staat,je nach seinen geopolitischen Bedingungen und seiner Fähigkeit die internationalen Beziehungen zu beeinflussen, das Ziel der Machtbewahrung, Machterweiterung oder der Machtdemonstration verfolgt. Jedoch orientieren sich die Staaten unter der Rationalitätsannahme nicht an absoluten Gewinnen, sondern sind an relative Gewinne interessiert, womit ein Mächtegleichgewicht (balance of power) hergestellt werden kann, der die imperialen Absichten eines Staates zu kontrollieren versucht und Allianzen in bestimmten Politikfeldern erlaubt (vgl. Morgenthau & Thompson 1993).

Auf den klassischen Realismus beruhend, entwickelte Kenneth Waltz (1979) den als Struktureller Realismus oder Neorealismus bezeichneten Ansatz. Sein Ansatz stellt eine Verengung der Annahmen klassischer Realisten dar. Im Unterschied zu Morgenthau begründet er das Machtstreben der Staaten nicht anthropologisch, sondern führt dies auf die anarchische Struktur des internationalen Systems zurück. Für Waltz ist die materielle Struktur des internationalen Systems ein geschlossenes System relativer Machtpositionen der Staaten, wobei Staaten nicht als die einzigen, aber als die „major actors“ der internationalen Politik verstanden werden (Waltz 1979: 93). Seine Struktur des internationalen Systems ist durch drei Elemente definiert, first, according to the principle by which it is ordered; second, by specification of the functions of formally differentiated units; and third, by the distribution of capabilities across those units“ (Waltz 1979: 82). Als monozentrische Entscheidungssysteme handeln Staaten wie Individuen rational, womit klare Aussagen über die Verhaltensweisen der Akteure möglich sind. Sein Ansatz beruht auf mikroökonomische Überlegungen und zeichnet sich durch seine Sparsamkeit aus. Dass dabei wichtige Faktoren wie Wahrnehmung, Werte und Absichten der Akteure vernachlässigt werden, wird bewusst in Kauf genommen. Bei genauer Betrachtung stellt man jedoch fest, dass Waltz die materiellen Bedingungen zwar als kausal aber nicht als hinreichend für eine Theorie der Internationalen Beziehungen ansieht. Eine rein materialistische Erklärung der internationalen Politik macht auch für ihn keinen Sinn, daher fordert er auch die Außenpolitik individueller Akteure bei der Formulierung einer Theorie der Internationalen Beziehungen einzubeziehen (vgl. Waltz2000 2008). Bei der Frage, ob die anarchische Struktur des internationalen Systems eher permissiv im Bezug auf ihr Handeln im System ist oder normativ gezügelt wird, entstanden zwei Strömungen des Neorealismus. Während Stephen Walt (1990) im defensiven Neorealismus die Selbsteinschränkung und Allianzbildung als grundlegendes Interesse eines jeden Akteurs ausarbeitete, legte John Mearsheimer (2001) in seiner Arbeit den Grundstein für den offensiven Neorealismus, bei dem eine freiwillige Selbstverpflichtung des Akteurs keinen Nutzen bringt und gar schädlich sein kann (vgl. Walt 1990, Mearsheimer 2001).

In der anarchischen Struktur des internationalen Systems versuchen alle Staaten ihre Macht zu erhalten bzw. zu erweitern. Dies führt unweigerlich zu Interessenkonflikten zwischen den Staaten. Aufgrund ihrer Macht und ihren Einflussmöglichkeiten verhalten sich Staaten sehr unterschiedlich auf der internationalen Ebene. „States tray various strategies for survival. Balancing is one of them; bandwagoning is another“ (Waltz 2008a: 222). Während starke Staaten nach Hegemonie streben, verfolgen schwache Staaten lediglich den Machterhalt an. „States having a surplus power are tempted to use it, and weaker states fear their doing so“ (Waltz 2008a: 203). Hegemonie eines starken Staats kann je nach der Polarisation uni,- bi- oder multipolar und die Machtverteilung zwischen den Staaten im System zum unterschiedlichen Verhalten der Staaten führen. „Whether political actors balance each other or climb on the bandwagon depends on the system’ structure“ (Waltz 1979: 125). Das internationale System solltejedoch nicht als statisch angesehen werden, es ist ganz im Gegenteil hoch dynamisch. „The expectation is not that balance, once achieved, will be maintained, but that a balance, once disrupted, will be restored in one way or another” (Waltz 1979: 128). Im bipolaren System, wie im Kalten Krieg, ist ein Gleichgewicht der Mächte stabilisierend und aufgrund der Machtkonzentration einfacher zu realisieren.

“Competition in multipolar system is more complicated than competition in bipolar ones because uncertainties about the comparative capabilities of states multiply as numbers grow, and because estimates of cohesiveness and strength of coalition are hard to make.” (Waltz 2008a: 197)

Staaten haben auch die Möglichkeit einer Allianzbildung (bandwagoning) um Externen Bedrohungen zu begegnen. Da sie jedoch nie sicher sein können doch nicht von ihrem Bündnispartner hintergangen zu werden, ist „balancing“ die attraktivste der beiden Möglichkeiten (vgl. Mearsheimer 2001). Walt (1990) argumentiert, dass Staaten nicht hauptsächlich auf ungleiche Verteilung der Macht (imbalance of power) zwischen ihnen reagieren, sondern versuchen die von ihnen wahrgenommene Bedrohung auszugleichen (balance of threat). Die Bedrohungswahrnehmung der Staaten ist bei ihm ein Produkt der tatsächlichen Macht, der geografischen Lage und seiner offensiven Kapazitäten. Interne Faktoren der Bedrohungswahrnehmung werden hier nur unzureichend berücksichtigt. Schwache Staaten können demnach aus zwei Gründen sich für eine „bandwagoning“ Strategie entscheiden. Erstens defensiv, um durch Kooperation mit einem aggressiven Hegemon der Bestrafung zu entgehen, was als Appeasement-Politik bekannt ist. Oder zweitens offensiv als opportunistisches Kalkül, um in der Allianz Profit zu erzielen. In beiden Fällen wird jedoch den Staaten ein Status-Quo orientiertes Verhalten unterstellt (vgl. Walt 1990, Mearsheimer 2001). Revisionistische Staaten, welche zwar ihre relativen Gewinne sichern wollen, jedoch die Machtzuwächse anderer Staaten im System kritisch ansehen, werden hier nur am Rande behandelt.

Die Synthese des Neorealismus mit dem klassischen Realismus gepaart mit liberalen und konstruktivistischen Ansätzen wird als Neoklassischer Realismus bezeichnet. Darin unterscheidet Schweller (1994), ähnlich wie einst Machiavelli im Fürsten, in Metaphern zwischen zwei revisionistischen Staaten, dem Wolf- und dem Schakal-Staat. „Just as the lion attracts jackals, a powerful revisionists state or coalition attracts opportunist powers“ und weiter “The goal of ‘jackal bandwagoning’ is profit” (Schweller 1994: 23). Während der Wolf-Staat höhere Risiken in Kauf nimmt, um seine Interessen durchzusetzen und die revisionistischen Staaten anführt, versucht der Schakal-Staat sowohl gegenüber dem Löwen wie auch gegenüber dem Wolf eine „bandwagoning“ Strategie. Dabei spielt der Zeitpunkt der Kooperation eine wichtige Rolle. Ein kooperatives Verhalten gegenüber einem dominanten, Status-Quo orientierten Staat ohne unmittelbare Bedrohung und eine durch Zwang erreichte Kooperation eines revisionistischen Staates stellen zwei verschiedene Arten des „bandwagoning“ dar. Wie verhalten sich Staaten, wenn ihr Primärinteresse „Sicherheit“ gewährleistet ist? „Unthreatened revisionist states (those overlooked by Walt and Waltzian neorealists) often bandwagon with the stronger revisionist state or coalition for opportunistic reasons” (Schweller 1997). Nicht die Bedrohung (balance of threat), sondern die Interessen (balance of interest) stehen hierbei im Vordergrund. Neben „balancing“ und „bandwagoning“ sieht er auch „underbalancing“ als eine Möglichkeit (vgl. ebd.).

„When a state underbalances it either misperceives the intentions of the rising power as more benign than they in fact are or, if it correctly perceives the threat, does not adopt prudent policies to protect itself for reasons of domestic politics.” (Schweller 2006: 10 f.)

Er betont innerstaatliche Faktoren wie “elite consensus, elite cohesion, social cohesion” und die Regimestabilität in den Staaten als intervenierende Variablen für das außenpolitische Verhalten eines Staates (ebd.).

Die Englische Schule der IB, die die Ideen des Funktionalismus mit dem Realismus zu verbinden versucht, entstand unabhängig von Morgenthau ebenfalls in den 1930er in England. Darin wird angenommen, dass die als Staatengemeinschaft verstandene Umwelt weitaus mehr ist als das internationale System im Realismus. Staaten handeln demnach nicht mechanisch wie in der „balance of power“ Theorie suggeriert, sondern haben immer auch gemeinsame Interessen, Werte und Identitäten. Dies führt zur Zusammenarbeit der Staaten in internationalen Institutionen (vgl. Buzan, Jones & Little 1993). Als Kritik an Waltz Struktur des internationalen Systems, die ein Systemwandel bzw. Transition nicht oder unzureichend erklärt, versuchen Anhänger der Englischen Schule die internen Faktoren des Systemwandels mit dem Structure-Agency (Struktur-Handeln) Ansatz des Konstruktivismus zu erklären. Sie sehen das Ordnungsprinzip des Realismus nicht als zwangsläufig gegeben an, sondern betonen die Interaktionen zwischen Staat und Struktur als systemisch. „Structure is therefore only one component of a more complex systemic equation. There is not one logic of anarchy but many” (Buzan, Jones & Little 1993: 133).

Wie oben gezeigt ist der Realismus nicht als eine einheitliche Theorie zu verstehen, es existieren verschiedene Strömung des Realismus, die in Bezug auf ihrem typischen Vorverständnis, der Fragestellung und der Methode unter der Bezeichnung Realismus zusammengefasst werden können. Die Einbeziehung konstruktivistischer Befunde als Ergänzung zu realistischen Ansätzen, wie oben am Beispiel des Neoklassischen Realismus und der Englischen Schule gezeigt, wird als fruchtbar angesehen. Dies wird mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Bedeutungszuwachs nichtstaatlicher Akteure im Bereich der internationalen Politik sowie der Globalisierungstendenzen begründet.

2.2 Konstruktivistische Denkschule

Als Kritik an den rationalistisch-materealistischen Annahmen des Realismus wurde der als struktureller Konstruktivismus bezeichnete Ansatz in den 1990er, nach dem Zusammenbruch des bipolaren Systems, sehr aktiv und liefert seitdem interessante Theoriedebatten mit dem Realismus, Institutionalismus und Liberalismus (vgl. List 2006). Konstruktivismus ist jedoch kein eigenständiges Forschungsprogramm, dass sich epistemologisch oder methodologisch von anderen unterscheidet, sondern bedarf immer einer Handlungstheorie anderer Ansätze. Die Außenpolitik wird dabei als Lernprozess und nicht als Anpassungsprozess charakterisiert. Bereits nach der Kuba-Krise 1962/63 wurde die Kritik am Realismus in den Debatten der IB deutlich und eine Brücke zwischen Realismus und Liberalismus gefordert. Konstruktivismus nimmt damit die Impulse aus der Soziologie auf und löst das für den Realismus sehr problematische Sicherheitsdilemma der internationalen Anarchie auf. Die Realität wird sozial konstruiert und aus der gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit folgt dann durch Internalisierung eine wechselseitige Konstituiertheit von Struktur und Akteur (vgl. Wendt 1999). Wendts knappe Erklärung lautet: „Anarchy is what the states make of it“ (Wendt 1992). Beobachtet wird nicht auf der Struktur, sondern aus der Perspektive des Akteurs. Durch Deutung und Interpretation gelangt man zu einem genaueren Verständnis der physischen Realität. Dem rational operierenden Akteur im Realismus steht damit ein „homo sociologicus“ entgegen, der nicht nach der Logik der Konsequenz sondern nach der Logik der Angemessenheit handelt. Angemessenheit bedeutet hier, im Rahmen „moralischer“, gesellschaftlicher und sozialer Regeln und Erwartungen zu Handeln (vgl. Wendt 1999). Durch intersubjektiv geteilte Werte, Erwartungen und Ideen Handeln Akteure demnach norm- und regelgeleitet. „The effects of anarchy are contingent on the desires and beliefs states have and the policies they pursue. There simply is no ‘logic of anarchy’” (Wendt 1999: 146). Die Anarchie im Realismus wird von Wendt als Hobbes’sche Kultur der Anarchie verstanden, in der ein Krieg aller gegen alle befürchtet werden muss. Daneben existieren noch die Locke’sche, in der die Bedrohung nicht allgegenwärtigjedoch Rivalität latent vorhanden ist und die Kantianische Kultur der Anarchie. Die letztgenannte betont die Kooperation und führt drei Ebenen zur Internalisierung der Freundschaft auf. Auf der ersten ist die Kooperation erzwungen, auf der zweiten aus Eigennutzen angestrebt und auf der dritten als Anerkennung gegenseitiger Identifikation verstanden. Kooperationshindernisse aus Mangel an gemeinsamen Zielen und Problemlösungs­strategien führen zu einer negativen Rückkopplung, während eine positive Rückkopplung die Kooperation fördert (vgl. Wendt 1999, Wendt 1992). Damit werden die Beziehungen zwischen Staaten nicht als feindlich sondern vielfältig angesehen. Im Gegensatz zum Realismus ist das Untersuchungsfeld des Konstruktivismus nicht die (militärische) Sicherheit sondern die Akteur-Struktur-Beziehung, in der Identitäten, Ideen und Normen eine große Rolle spielen. „[...] the daily life of international politics is an on-going process of states taking identities in relation to Others, casting them into corresponding counter­identities, and playing out the results” (Wendt 1999: 21). Nach Wendt erhält die Sprache ihre (Be)-Deutung nur im Kontext der Situation und des Akteurs (Sprechers) und darf bei der Analyse der internationalen Beziehungen nicht vernachlässigt werden. Die Struktur des internationalen Systems hat für ihn primäre Relevanz, womit seine nähe zu realistischen Ansätzen deutlich wird. Dies ist insofern für die vorliegende Arbeit interessant, da sich der Konstruktivismus nach Wendt hier einen Berührungspunkt mit dem Realismus aufweist und somit einen kombinatorischen Ansatz ermöglicht.

3 Geopolitik auf dem „Eurasischen Schachbrett“

Heartland-Theory

Der Geograph der Royal Geographical Society in London, Sir Halford Mackinder veröffentlichte 1904 in der Zeitschrift „The Geographical Journal” einen Aufsatz mit dem Titel „The geopolitical pivot of history“, in dem er einen Wandel der klassischen Geografie von einer lediglich auf Entdeckungen ausgerichteten Disziplin zu einer für die politische Beratung nutzbaren, erklärenden Wissenschaft forderte (vgl. Mackinder 1904). Die von ihm erstellte Weltkarte besteht aus der „world island“ (Europa, Asien und Afrika), „inner crescent“ (Eurasische Küstenregion, Kontinentaleuropa) und der „outer crescent“ (Britannien, amerikanischer Kontinent, Australien und Japan). Die Region um den geopolitischen Mittelpunkt Eurasiens bezeichnet er als „Heartland“ und schreibt dazu: „whoever rules East Europe commands the Heartland; whoever rules the heartland commands the World-Island; whoever rules the World-Island commands the World” (Mackinder 1904). Sein Herzland umfasste das heutige Iran, Zentralasien, Russland, Osteuropa und China. Dies ist genau die Region, die für das „Empire“ als Seemacht Anfang des 20. Jahrhunderts sehr schwierig zu erreichen war. Das „Great Game“ (Rashid 2010b: 6), ein Interessenkonflikt um die Vorherrschaft in Zentralasien zwischen Britannien und Russland, endete zwischen den beiden Weltkriegen als die Pax Britannica zunehmend in sich zusammenbrach und nach dem zweiten Weltkrieg endgültig durch die Pax Americana abgelöst wurde. Das Herzland blieb während des Ost-West-Konflikt (OWK) unter Sowjetischer Kontrolle und gewann erst in den 1990er in den USA unter veränderten geopolitischen Bedingungen wieder an Bedeutung. Die als Kern des Herzlands angesehenen Sowjetrepubliken Kasachstan, Turkmenistan, Tadschikistan, Georgien und Ukraine waren nun unabhängig. Hinzu kamen der technische Fortschritt in der Erkundung der Bodenschätze und der unstillbare Hunger der Weltwirtschaft nach fossilen Energieträgern. So werden ca. 75% der vorhandenen Welterdölvorkommen und 70% der Welterdgasvorkommen in Zentralasien und am Persischen Golf vermutet (vgl. Gresh, Radvaniya & Rekacewicz et al. 2009).

Das Eurasische Schachbrett

Der aus der Ukraine stammende Sicherheitsberater des US-Präsidenten Jimmy Carter Zbignew Brzezinzki (1997) entwickelte wie zuvor Mackinder eine geopolitische Karte der Welt. In seiner Abhandlung sieht er Eurasien als das Schachbrett auf dem der Kampf um die Vorherrschaft der USA ausgetragen wird und teilt Eurasien in vier Räume (space) auf. Dabei entspricht „middle space“ Russland, „western space“ Europa, „eastern space“ Ost- und Südostasien und schließlich „south space“ Süd- und Zentralasien sowie der Mittlere Osten und schreibt:

“Eurasia, however, retains its geopolitical importance. Not only is its western periphery - Europe- still the location of much of the world’s political economic power, but its eastern region - Asia - has lately become a vital centre of economic growth and rising political influence.” (Brzezinski 1997: 1)

Und weiter: “Eurasia is thus the chessboard on which the struggle for global primacy continues to be played, and that struggle involves geostrategy - the strategic management of geopolitical interests” (Brzezinski 1997: 2). Während des OWK stand die Eindämmungspolitik (containment policy) im Mittelpunkt der amerikanischen Außenpolitik, so wurde in zweifacher Weise versucht den Einfluss der Sowjetunion in Asien Einzudämmen.

“The Soviet invasion of Afghanistan precipitated a two-pronged American response: direct U.S. assistance to the native resistance in Afghanistan in order to bog down the Soviet army; and a large-scale buildup of the U.S. military presence in the Persian Gulf as a deterrent to any further southward projection of Soviet political or military power.” (Brzezinski 1997: 7)

Nach dem Ende des OWK gewannen die USA die Vorherrschaft auf dem Eurasischen Kontinent und errichteten mit Europa, Südost- und Ostasien und am Persischen Golf strategische Brückenköpfe. Ihre Strategie war jedoch immer noch vom Kalten Krieg geprägt und „As a result, America increasingly finds itself with a unipolar mind-set and a bipolar toolbox in a multipolar world“ (Hulsman & Mitchell 2009: 9). Aufgrund des Fehlens revisionistischer Großmächte wurde die Vorherrschaft der USA in Eurasien kaum in Frage gestellt. Russland lag militärisch, politisch wie auch wirtschaftlich am Boden, China und Indien zu sehr auf Ökonomie bedacht und die Islamische Welt verharrte weiter in Lethargie. “Now a non-Eurasian power is pre-eminent in Eurasia - and America’s global primacy is directly dependent on how long and how effectively its preponderance on the Eurasia continent is sustained” (Brzezinski 1997: 30). Die Region, die Brzezinski durch eine strategische Ellipse darstellt, hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Herzland Mackinders. Die strategische Ellipse ist jedoch wesentlich kleiner und fasst im Kern die energiereiche Region Zentralasien und den Persischen Golf zusammen.

Details

Seiten
64
Jahr
2012
ISBN (Buch)
9783656193968
Dateigröße
672 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193954
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Politikwissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Internationale Politik Internationale Beziehungen USA Pakistan War on Terror Realismus Konstruktivismus Bilaterale Beziehungen Amerikanische Außenpolitik Analyse der Außenpolitik U.S. Foreign Policy Suedasien New Great Game Geopolitik

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Titel: Die Zusammenarbeit Pakistans und der USA im Kampf gegen den Terrorismus