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Der höfische Ritter und die höfische Dame des hohen Mittelalters in Realität und Literatur

Seminararbeit 2003 19 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

(1) Einleitung

(2) Die höfische Dame
a) Das neue Bild der Frau
b) Lehre für Frauen. Erziehung und Bildung
c) Handlungsspielräume

(3) Der höfische Ritter
a) Das traditionelle Herrscherbild
b) Der religiöse Ritterbegriff
c) Höfische Tugenden
d) Ideal und Wirklichkeit

(4) Das Nibelungenlied – XIV. Aventiure:
„Wie die küneginne einander schulten“

(5) Gottfried von Straßburg: Tristan
XVI. Der Minnetrank

(6) Literaturverzeichnis

(1) Einleitung

Diese Hausarbeit befasst sich mit dem höfischen Ritter und der höfischen Dame im hohen Mittelalter, sowie dem Verhältnis der beiden. Es soll sowohl die gelebte Realität herausgearbeitet werden, wobei hier Joachim Bumkes Text „Höfische Kultur“ als Orientierung dient, als auch das Bild, dass von den höfischen Dichtern vermittelt wurde. Es soll deutlich werden, dass in der öffentlichen Auffassung des Mittelalters von Mann und Frau die Ehe, und die mit ihr verbundenen Rechte und Pflichten, im Vordergrund standen, während es in der Literatur jedoch durchaus möglich war, Liebe außerhalb der Ehe, sowie direkten Ehebruch, zu thematisieren. Um diese Möglichkeit der Literatur zu verdeutlichen, werden zwei Textauszüge analysiert: Die 14. Aventiure des mittelhochdeutschen Nibelungenlieds soll zeigen, dass Sexualität mit einem anderen als dem Ehepartner zwar als verwerflich aufgefasst wird, aber zugunsten der Männer (die Frauen tragen in diesem Fall keinerlei Schuld, da Brünhild unwissentlich getäuscht wurde) bagatellisiert wird. Der Textauszug von Gottfried von Straßburgs „Tristan“ wird verdeutlichen, dass Liebe, die nicht innerhalb ehelicher Grenzen stattfindet, durchaus als wahre und gebilligte Liebe dargestellt werden konnte.

(2) Die höfische Dame

a) Das neue Bild der Frau

Im hohen Mittelalter wurde das neue Bild der Frau „von der Minderwertigkeit und Schlechtigkeit“[1] verändert zu einem Schönheitsideal, das den Dichtern erlaubte, die Körperlichkeit einer Frau zu beschreiben und zu preisen. Dieses Ideal orientierte sich jedoch nicht an individuellen Schönheitsmerkmalen, sondern folgte einem strengen Kanon von Wesenszügen. Neu war vor allem auch die Möglichkeit der Literatur, die körperliche Schönheit der Frau mit ihrer inneren Tugendhaftigkeit gleich zu setzen. So kam der höfischen Dame nun eine wichtigere moralische Rolle am Hofe zu, „indem sie Werte, die sie repräsentierte, an den Mann vermittelte“[2]. Sie stand nun nicht mehr nur mit geistiger Minderwertigkeit und sexueller Verführung im Zusammenhang, sondern wurde in der Dichtung mit Schönheit und Moral dargestellt.

Allerdings herrschte diese neue Frauenbild lediglich in der Fiktion der Dichtung. Statt dessen war das reale Leben der Frauen im Mittelalter vom christlichen Glauben und dessen übermächtiger Tradition der Frauenunterdrückung geprägt. Nicht nur, dass Frauen innerhalb der christlichen Gemeinschaft keine Ämter bekleiden und keinen Beruf erlernen durften, und somit vollständig aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen waren, auch innerhalb der Familie war die Rolle der Frau dem Mann untergeordnet. Als Rechtfertigung galten sowohl Bibelstellen, wie beispielsweise der Sündenfall Evas oder auch der Schöpfungsbericht, aber auch die römischen Klassiker wie Vergil, Ovid und Juvenal. Die Frauenfeindlichkeit in dieser Zeit ging sogar so weit, dass die Unterordnung der Frau unter den Mann im Grundbuch des Kirchenrechts, dem „Decretum“ von Gratian, festgeschrieben wurde und scholastische Theologen wie Thomas von Aquin wissenschaftliche Begründungen verfassten, um die Minderwertigkeit der Frau zu beweisen.

Überraschend ist, dass Frauenverehrung und Frauenverachtung durchaus nebeneinander einhergehen konnten. So verfassten Autoren wie der Bischof Marbod von Rennes und Hildebart von Lavardin sowohl Schriften, in denen die Frauen ihrer Lasterhaftigkeit angeklagt wurden, als auch solche, die in denen die höfischen Damen ihrer Schönheit und Moral gepriesen wurden.

Auch innerhalb der höfischen Dichtung spielte die Minderwertigkeit der Frau, neben dem neuen Schönheitsideal, eine große Rolle, wobei die deutsche Dichtung, im Vergleich mit der französischen, die Frauenverachtung nicht ganz so krass betrieb. Trotzdem griff die höfische Epik häufig zu Negativdarstellungen und so finden sich hier viele Motive, die die moralische Verderbtheit wiederspiegeln sollen, z. B. wundersame Kleidungsstücke, die die Fähigkeit besaßen, Unkeuschheit aufzudecken. Auch von körperlicher Gewalt von Männern an Frauen wird an mehreren Stellen berichtet. Dies erscheint in der höfischen Epik jedoch als gerechtfertigte Verfügungsgewalt des Ehemannes und eine Frau handelt danach richtig, wenn sie die körperliche Züchtigung gutheißt.

Entsprachen höfische Damen jedoch dem Keuschheitsideal konnten sie in der Dichtung vor allem bei der Schilderung der höfischen Festgesellschaft eine schmückende Rolle einnehmen und zur Unterhaltung beitragen. Dabei galten ihre Schönheit und Tugend jedoch nicht als Werte, sondern dienten lediglich als Ansporn für den Mann zum Minnedienst oder zum Kampf.

b) Lehre für Frauen. Erziehung und Bildung

Wie schon erwähnt spielte sich das Leben der Frauen ausschließlich im Haushalt ab, und daher fand auch die Erziehung der adligen Töchter vorwiegend hier statt, damit sie nicht der Versuchung außerhalb des Hauses ausgesetzt waren. Die Erziehung war deswegen auch so angelegt, dass die Mädchen mit Handarbeit und christlichem Unterricht so beschäftigt und belehrt wurden, dass sie keine Gedanken an weltliche Genüsse verschwenden konnten. Die Handarbeit bestand aus Spinnen, Weben, Nähen und Sticken und füllte den größten Teil des weiblichen Alltags aus. Vor allem die Arbeiten mit edlen Stoffen, wie Seide, waren für Frauen ehrenwerte Tätigkeiten.

Literarische Bildung war für adlige Frauen kaum möglich, auch wenn es nicht ungewöhnlich war, dass Frauen lesen und schreiben konnten und auch Kenntnisse im Lateinischen hatten. Diese Bildung diente jedoch meist nur dazu, die Psalter lesen zu können und somit über Sittsamkeit belehrt zu werden. Die musikalische Erziehung an Saiteninstrumenten jedoch, in Verbindung mit Gesang und Tanz, war für eine höfische Dame von höchster Wichtigkeit. Dadurch zeigt sich erneut, dass die Rolle der Frau am Hof vor allem unterhaltender Natur war.

Die Erziehung zu Sittsamkeit und gesellschaftlichem Anstand nahm einen Großteil der Bildung der Mädchen ein. Die Anstandsregeln beinhalteten einen großen Kanon von Vorschriften, die sowohl die Kleidung, das Verhalten am Hof und auch die Körperhaltung der Damen regulierten. Vor allen Dingen sollte sich eine Dame unauffällig verhalten; nicht durch prunkvolle Gewänder, zu vieles Lachen oder Reden oder auch durch übermäßiges Essen und Trinken auffallen. Aber auch die Tugendlehre war strikt geregelt und bildete einen großen Bestandteil der Erziehung. Die Frauen sollten zu Keuschheit und Schamhaftigkeit, sowie zu Bescheidenheit und Demut erzogen werden. Eine Frau, die moralisch anständig war, konnte damit größere Achtung erreichen als mit intellektuellen Fähigkeiten. Anstand und Tugend nahmen somit den wichtigsten Rang in den Werten für Frauen ein und beeinflussten den Ruf einer höfischen Dame.

c) Handlungsspielräume

Mit Beginn der staufischen Kaiser änderte sich das Herrscherprotokoll zu Ungunsten der Frauen. Wurden sie zuvor in offiziellen Dokumenten als Mitherrscher geführt, wurden sie im hohen Mittelalter zwar ebenfalls gekrönt und mit Titeln versehen, erhielten daneben aber nicht die übrigen Insignien der Herrschaft. Während im Frankreich des zwölften Jahrhunderts durchaus Frauen regierten, allen voran Eleonore von Aquitanien, spielte sich Frauenherrschaft in Deutschland vor allem im Rahmen der Territorialherrschaft ab. Nur selten wurden Frauen in der lehnsrechtlichen Erbfolge eingesetzt, was ihnen jedoch keinen größeren Handlungsspielraum verlieh, sondern sie zum Spielball der männlichen Politik machte. Je wichtiger das vererbte Lehen war, umso mehr Heiratsanwärter gab es für die Herrscherin. Heiratete sie, fiel die Herrschaft in der Regel an den Ehemann, was die allgemeine Meinung wiederspiegelte, Frauen wären als Herrscher ungeeignet. Diese Auffassung offenbart sich vor allem in der höfischen Dichtung, die Frauen in der Regel als schwache Herrscher darstellte, die auf einen Mann warteten, der ihr Land nach der Hochzeit regiert. Dass die höfische Dichtung die Frauenherrschaft negativer darstellt, als sie vermutlich war, belegen historische Quellen, in denen von Frauen berichtet wird, die aktiv am Kampf teilnahmen. Dieses Motiv lässt sich in der Dichtung jedoch selten finden.

Finanziell konnten Frauen wohl kaum politischen Einfluss nehmen, auch wenn ihnen gewisse Prozentsätze der Einnahmen ihres Gemahls zustanden oder sie eigene Hofbeamte beschäftigten. Statt dessen sollten sie ihr Ansehen durch karitative Tätigkeiten erhöhen. Man vermutet, dass fromme Stiftungen und Altenpflege einen hohen Stellenwert im Leben der höfischen Dame besaßen, auch wenn es innerhalb der höfischen Dichtung kaum Verweise darauf gibt.

[...]


[1] Bumke, Joachim (2002): S. 451

[2] Ebd.: S.453

Details

Seiten
19
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638235334
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v19393
Institution / Hochschule
Universität Mannheim – Lehrstuhl für ältere Germanistik
Note
2,0
Schlagworte
Ritter Dame Mittelalters Realität Literatur Proseminar

Autor

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