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Zweiteilige Tarife auf Wettbewerbsmärkten - Eine Analyse am Beispiel des Car-Sharing-Marktes

Diplomarbeit 2003 60 Seiten

VWL - Wettbewerbstheorie, Wettbewerbspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zweiteilige Tarife als Form der Preisdiskriminierung
2.1 Preisdifferenzierung nach Pigou
2.2 Ziele der Preisdifferenzierung
2.3 Voraussetzungen von Preisdifferenzierung
2.4 Instrumente der Preisdifferenzierung

3. Zweiteilige Tarife in verschiedenen Marktformen
3.1 Zweiteilige Tarife im Monopol
3.2 Zweiteilige Tarife bei vollständiger Konkurrenz
3.3 Zweiteilige Tarife bei monopolistischer Konkurrenz
3.4 Zweiteilige Tarife im Oligopol
3.4.1 Oligopolistischer Preiswettbewerb
3.4.1.1 Homogene Nachfrage
3.4.1.2 Heterogene Nachfrage
3.4.2 Oligopolistischer Mengenwettbewerb
3.4.2.1 Homogene Nachfrage
3.4.2.2 Heterogene Nachfrage

4. Zweiteilige Tarife und andere Formen der Preis- differenzierung in der Praxis
4.1 Verbreitung von Preisdifferenzierung in verschiedenen Wirtschaftssektoren
4.2 Gründe für den hohen Grad der Preisdifferenzierung bei Dienstleistungen
4.3 Der Markt für Car-Sharing
4.3.1 Definition und Systemerklärung
4.3.2 Abgrenzung von verwandten Erscheinungen
4.3.3 Car-Sharing im Wandel
4.3.3.1 Anbieterstruktur
4.3.3.2 Kooperationen
4.3.3.3 Produktdifferenzierung
4.3.3.4 Nachfragestruktur
4.3.4 Car-Sharing als Mobilitätsdienstleistung
4.3.5 Tarifstruktur im Car-Sharing
4.3.5.1 Preismuster
4.3.5.2 Die Situation in Frankfurt/Main

5. Resümee und Ausblick

Literatur- und Quellenverzeichnis

Verzeichnis der Gesprächspartner

Anhang I: Tarifvergleich ausgewählter CSOs (Opel Astra)

Anhang II: Tarife der CSOs in Frankfurt/Main (Opel Astra)

Darstellungsverzeichnis

Abb. 1: Preisdifferenzierung zweiten Grades

Abb. 2: Preisdifferenzierung dritten Grades

Abb. 3: Parallele Nachfragefunktionen im Monopol

Abb. 4: Sich schneidende Nachfragefunktionen im Monopol

Abb. 5: Instabiles Gleichgewicht bei monopolistischer Konkurrenz

Abb. 6: Stabiles Gleichgewicht bei monopolistischer Konkurrenz

Tabelle 1: Tarife der cambio mobilitätsservice gmbh

Tabelle 2: Tarifvergleich ausgewählter CSOs

Tabelle 3: Tarife der CSOs in Frankfurt/Main

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Zweiteilige Tarife werden in derökonomischen Literatur immer wieder behandelt. Dabei stehen Fragen der Regulierungstheorie regelmäßig im Vordergrund. Untersucht wird vordringlich der Effekt gespaltener Tarife auf die gesamt- wirtschaftliche Wohlfahrt. Auch die prominentesten Beispiele für zweiteilige Tarife, Telefon-, Strom- oder Gasgebühren entstammen (ehemals) regulierten Märkten.

In dieser Arbeit wird eine andere Facette zweiteiliger Tarife beleuchtet. Es wird untersucht, inwiefern zweiteilige Tarife als Instrument der Gewinnmaximierung von Firmen eingesetzt werden können und unter welchen Bedingungen zweiteilige Tarife in wettbewerblich organisierten Märkten Bestand haben. Dabei wird das Beispiel eines jungen wachsenden Marktes betrachtet: Organisiertes Autoteilen (Car-Sharing).

Der Aufbau der Arbeit ist dabei wie folgt: Eingangs wird dieökonomische Logik der Preisdiskriminierung dargestellt. In Kapitel 3 schließt sich eine ausführliche Betrachtung von zweiteiligen Tarifen als einer der Ausprägungsformen von Preisdiskriminierung an. Im Fokus sind dabei zweiteilige Tarife in verschiedenen wettbewerblichen Marktformen. Die Verbreitung von gespaltenen Tarifen und anderen Arten der Preisdiskriminierung ist Gegenstand von Kapitel 4. Besonderes Gewicht liegt dabei auf dem Dienstleistungssektor. Schließlich wird am Beispiel des Marktes für Car-Sharing gezeigt, dass sich die theoretischen Ergebnisse in der Praxis wiederfinden.

2. Zweiteilige Tarife als Form der Preisdifferenzierung

Bevor mit der Analyse zweiteiliger Tarife in verschiedenen Marktformen begonnen wird, werden diese in den Kontext der Preisdifferenzierung eingebettet. Dazu werden nach deren klassischer Einteilung die Ziele und Voraussetzungen der Preisdifferenzierung erläutert. Abschließend werden ihre Implementierungs- formen, darunter zweiteilige Tarife, vorgestellt.

2.1 Preisdifferenzierung nach

Die von PIGOU 1920 am Beispiel eines Angebotsmonopolisten vorgenommene definitorische Klassifizierung von Preisdifferenzierung wird bis heute verwendet. Nach PIGOU unterscheidet man Preisdifferenzierung ersten, zweiten und dritten Grades.1

Preisdifferenzierung ersten Grades

Von Preisdifferenzierung ersten Grades spricht man, wenn ein Anbieter jede Einheit eines Produktes zu genau dem Preis verkauft, den der jeweilige Käufer für eben diese Einheit höchstens zu bezahlen bereit ist. Da bei dieser Form der Preisdifferenzierung der Anbieter die gesamte Konsumentenrente2 abschöpft, wird sie auch vollkommene Preisdifferenzierung genannt.

Preisdifferenzierung zweiten Grades

Werden verschiedene Kontingente der Gesamtangebotsmenge x jedem Nach- frager gleichermaßen zu unterschiedlichen Preisen p angeboten, liegt Preis- differenzierung zweiten Grades vor. Abbildung 1 verdeutlicht den Fall dreier Preise. Ein nicht differenzierender Monopolist bietet die Menge x0 zum Preis von p0 an.3 Die Nachfrager realisieren Konsumentenrente (ABC) und es entsteht ein Wohlfahrtsverlust (AGK). Werden jedoch die Einheiten 1 bis x1 zum Preis von p1 offeriert und die Einheiten x1 bis x0 weiterhin zum Preis von p0, lässt sich die Konsumentenrente teilweise abschöpfen (CDEF). Werdenüberdies alle Einheiten über x0 hinaus zu einem niedrigeren Preis p2 angeboten, wird zusätzlich die Menge x2-x0 abgesetzt und somit ein Teil des Wohlfahrtsverlustes in Produzentenrente umgewandelt (GHIJ).4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ABB. 1: PREISDIFFERENZIERUNG ZWEITEN

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an WALDMAN, D./JENSEN, E., Industrial Organization, 2001, S.438

Preisdifferenzierung zweiten Grades wird angewandt, wenn im Markt Kundensegmente mit unterschiedlichen Zahlungsbereitschaften existieren, die einzelnen Nachfrager aber nicht den Segmenten zugeordnet werden können. Das allen Kunden gleichermaßen angebotene Preissystem führt jedoch zu einer „Selbst-Segmentation“5 des Marktes und damit zur Möglichkeit der Ausweitung der Gewinne. Da der Durchschnittspreis pro Einheit mit steigender Abnahmemenge sinkt, spricht man auch von nicht-linearen Preissystemen.

Preisdifferenzierung dritten Grades

Bei Preisdifferenzierung dritten Grades werden wiederum verschiedene Nachfragergruppen mit unterschiedlichen Preisen belegt. Im Unterschied zu oben kennt der Anbieter jedoch die Segmente, kann sie (zumindest teilweise) trennen und einzelne Nachfrager den Segmenten zuweisen. Auf jedem Markt wird dann der dort optimale Preis gesetzt6 und so der Gesamtgewinn maximiert. Abbildung 2 verdeutlicht den Sachverhalt am Beispiel zweier getrennter Märkte.

ABB. 2: PREISDIFFERENZIERUNG DRITTEN

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an WALDMAN, D./JENSEN, E., Industrial Organization, 2001, S.439

2.2 Ziele der Preisdifferenzierung

Als einzelwirtschaftliche Ziele von Preisdifferenzierung unterscheidet DILLER Gewinnsteigerung (durch Abschöpfung von Konsumentenrente oder durch Ausweitung der Absatzmenge), Steuerung der Kapazitätsauslastung, Verstärkung der Kundenbindung sowie die Wahrung bzw. Verbesserung der Wettbewerbsposition.7 Im Falle von nicht-linearen Preissystemen nennt BÜSCHKEN ergänzend die Möglichkeit zur Risikoreduktion bei hohen Fixkosten.8

Gewinnsteigerung durch Abschö pfung von Konsumentenrente

Jeder Käufer eines Gutes, dessen Zahlungsbereitschaft den geforderten Preisübersteigt, realisiert Konsumentenrente. Diese kann in der Theorie von einem Anbieter, der den Reservationspreis jedes Individuums für jede zum Verkauf stehende Einheit seines Produktes kennt, vollständig abgeschöpft werden, indem er jeweils den maximalen Preis berechnet. In der Praxis ist es wenig wahrscheinlich, dass ein Anbieterüber derart umfassende Kenntnis der Preisbereitschaften seiner Kunden verfügt. Oftmals sind aber die Zahlungsbereitschaften von Nachfragergruppen bekannt, so dassüber entsprechende gruppenspezifische Preise ein Teil der Konsumentenrente abgeschöpft werden kann.

Gewinnsteigerung durch Ausweitung der Absatzmenge

Eine Ausweitung der Absatzmenge führt ceteris paribus dann zu einer Gewinnsteigerung, wenn durch einen niedrigeren Preis bisherige Nicht-Käufer mit niedrigerer Zahlungsbereitschaft zum Kauf bewogen werden können, ohne dass alte Kunden mit höherer Zahlungsbereitschaft zum niedrigeren Tarif wechseln.

Steuerung der Kapazitätsauslastung

Durch Preisdifferenzierung kann das Nachfrageverhalten der Konsumenten so beeinflusst werden, dass vorhandene Kapazitäten gleichmäßiger ausgelastet werden. Beispielhaft seien hier Saisontarife genannt, mittels derer zeitliche Nachfrageschwankungen geglättet werden können.

Verstärkung der Kundenbindung

Preissysteme stiften bei Kunden eine spezifische Preiszufriedenheit, die wiederum positiv mit der Kundenbindung korreliert. Die Preiszufriedenheit kann durch Differenzierung sowohl positiv als auch negativ beeinflusst werden. Als fair wahrgenommene Differenzierungen etwa erhöhen tendenziell die Zufriedenheit, während Unübersichtlichkeit hingegen regelmäßig zu Unzufriedenheit führt.

Wahrung bzw. Verbesserung der Wettbewerbsposition

Durch gezielte Sonderkonditionen für einzelne Zielgruppen können Wettbewerber neue Kunden gewinne und so ihren Marktanteil ausbauen. Genauso kann es aber auch notwendig sein, derartige Sonderkonditionen eines Konkurrenten nachzuvollziehen, um der Gefahr der Abwanderung von Kunden entgegenzu- wirken.

Nicht-lineare Tarife als Mö glichkeit zur Risikoreduktion bei hohen Fixkosten

Bei Unternehmen mit hohen Fixkosten - verursacht etwa durch vorgehaltene Kapazitäten - kann das Erlösrisiko durch nicht-lineare Tarife gemindert werden. Die risikobehaftete Deckung der Kosten für die Kapazitätsvorhaltung wird teilweise oder vollständig von sicheren Einnahmen aus periodenfixen Preisbestandteilenübernommen.

Alle genannten Ziele der Preisdifferenzierung stehen unter dem Primat der Effizienz: Preisdifferenzierung ist regelmäßig mit nicht zu vernachlässigenden Kosten verbunden (Marktforschung, Werbung, Marktabschottung etc). Damit Preisdifferenzierung eine rationale Strategie sein kann, müssen die realisierten Zusatzgewinne stets die auftretenden Kostenübersteigen.9

2.3 Voraussetzungen von Preisdifferenzierung

Nach PHLIPS müssen folgende Bedingungen erfüllt sein, damit Preis- differenzierung möglich ist: Die Nachfrager müssen sich hinsichtlich ihrer Nachfrageintensität unterscheiden, eine Einteilung der Konsumenten auf Basis ihrer Nachfrageintensität muss möglich sein, die Trennung der Segmente darf nicht vollständig unmöglich sein und Arbitrage muss verhindert werden können.10

Unterschiedliche Nachfrageintensitäten

Preisdifferenzierung beruht auf dem Prinzip, verschiedenen Individuen oder Gruppen unterschiedliche Preise für dasselbe Gut zu berechnen. Wäre die Intensität der Nachfrage für alle Individuen oder Gruppen für jede Einheit des Gutes gleich, gäbe es nur einen Prohibitivpreis und damit keine Möglichkeit zur Preisdifferenzierung.

Einteilung der Konsumenten auf Basis ihrer Nachfrageintensität

Bevor verschiedene Kundengruppen mit verschiedenen Preisen konfrontiert werden können, muss gedanklich eine Zusammenfassung von Konsumenten mit ähnlicher Nachfrageintensität zu Marktsegmenten erfolgt sein. Hierfür ist es zunächst unerheblich, ob die Zuweisung der Nachfrager in die Segmente vom Anbieter oder von den Konsumenten selbst vorgenommen wird.

Trennung der Segmente

Eine unvollkommene Trennung der Segmente bedeutet nicht die Unmöglichkeit von Preisdifferenzierung. Diese ist jedoch umso profitabler, je besser die Segmente isoliert werden können. Eine solche Trennung kann vom Anbieter vorgenommen werden, jedoch sind die Kosten der Gewinnung von Informationenüber die Nachfrager teilweise beträchtlich. Eine andere Möglichkeit besteht darin, durch eine entsprechende Differenzierungsstrategie eine Selbst-Segmentierung der Nachfrager auszulösen.

Verhinderung von Arbitrage

Je weniger ein Gut zwischen Nachfragern transferiert werden kann, desto eher ist die Möglichkeit gegeben, verschiedenen Nachfragern unterschiedliche Preise zu berechnen. Je leichter ein Gut hingegen weiterverkauft werden kann, desto eher ist bei Preisdifferenzierung damit zu rechnen, dass Nachfrager einer niedrigen Preisgruppe Einheiten des Gutes erstehen, nur um sie an Nachfrager einer höheren Preisgruppe zu veräußern. Einschränkend wirken die Kosten der Arbitrage, wie Zölle oder Transportkosten. Um den Wiederverkauf einzudämmen, kann also einerseits das Gut direkt modifiziert werden, um seine Transferierbarkeit ein- zuschränken. Andererseits können Vertragsstrafen Arbitrage unprofitabel machen.

2.4 Instrumente der Preisdifferenzierung

Zur Durchführung von Preisdifferenzierung stehen verschiedene Instrumente zur Verfügung. Einige sind nur zur Durchsetzung eines bestimmten Grades der Preisdifferenzierung geeignet, andere können als Ausprägung mehrerer Grade der Preisdifferenzierung auftreten.11 Eine eindeutige Zuordnung der jeweiligen Implementierungsformen ist daher nicht immer möglich. Hinsichtlich des Differenzierungskriteriums unterscheidet man personen- bzw. gruppenbezogene, räumliche, zeitliche, leistungsabhängige sowie mengenbezogene Preis- differenzierung und Preisbündelung.12

Personenbezogene Preisdifferenzierung

Grundlage für die unterschiedlichen Preise bei dieser Form der Differenzierung sind personen- bzw. gruppenbezogene Merkmale wie Alter, Geschlecht, Status etc.. Ein prominentes Beispiel sind Rabatte für Studenten oder Rentner. Entscheidend für die Wirksamkeit dieser Form der Preisdifferenzierung dritten Grades (objektiv feststellbares Unterscheidungskriterium) ist die Verhinderung von Arbitrage.

Räumliche Preisdifferenzierung

Räumlich getrennte Märkte - verschiedene Länder etwa - laden geradezu zu Preisdifferenzierung ein, ist doch die Isolierung der Nachfragergruppen besonders einfach und Arbitrage tendenziell erschwert. Aufgrund der eindeutigen Zuweisbarkeit einzelner Nachfrager zu ihren Märkten liegt Preisdifferenzierung dritten Grades vor. Allerdings sind unterschiedliche Preise auf räumlich getrennten Märkten oftmals nicht das Ergebnis gewollter Preisdifferenzierung, sondern Folge unterschiedlicher Steuersysteme, unterschiedlicher Wettbewerbsstrukturen in den verschiedenen Märkten etc..

Zeitliche Preisdifferenzierung

Wird ein Produkt zu unterschiedlichen Zeiten zu unterschiedlichen Preisen angeboten und sind diese im Voraus bekannt, so spricht man von zeitlicher Preisdifferenzierung. Im Zeitverlauf unregelmäßig oder für Kunden in nicht vorhersehbarer Weise schwankende Preise zählen nicht dazu. Zeitliche Preisdifferenzierung ist vor allem auf Märkten mit stark saisonabhängiger Nachfrage bzw. mit starken kurzfristigen Nachfrageschwankungen anzutreffen. Exemplarisch seien hier Preise für Pauschalreisen genannt.

Leistungsbezogene Preisdifferenzierung

Bei leistungsbezogener Preisdifferenzierung wird das Produkt selbst verändert und die Varianten werden zu unterschiedlichen Preisen angeboten.13 Grundlegend ist, dass die Preisdifferenzüberproportional zu den Kosten der Veränderung des Produkts ausfällt. Möglich wird ein solches Vorgehen dadurch, dass bei manchen Käufern eine hohe Nutzendifferenz zwischen den Varianten besteht. Der damit einhergehenden Erhöhung der Zahlungsbereitschaft wird mit höheren Preisen entsprochen. Ein typisches Beispiel sind Taschenbücher und gebundene Ausgaben. Bei dieser Form der Preisdifferenzierung ist eine Zuweisung der Nachfrager zu ihren Segmenten nicht nötig, es handelt sich also um eine Umsetzung von Preisdifferenzierung zweiten Grades nach PIGOU.

Preisbündelung

Werden zwei oder mehr eigenständige Produkte in einem Paket mit einem gemeinsamen Preis angeboten, so spricht man von Preisbündelung. Bündelung ist einfach zu implementieren und kann durch verschiedene Mechanismen einen großen Teil der Konsumentenrente abschöpfen. Intuitiv einleuchtend ist der Fall, in dem bisherige Nicht-Konsumenten oder Käufer nur eines der Produkte durch das Komplettangebot zum Kauf des Bündels bewegt werden.14 Alltägliche Bündel sind etwa mehrgängige Menüs in Restaurants oder Computer mit vorinstallierter Software. Diese sog. gemischte Bündelung15 dient der Selbst-Segmentation des Marktes und ist somit eine Erscheinungsform der Preisdifferenzierung zweiten Grades.

Mengenbezogene Preisdifferenzierung

Charakteristikum der mengenbezogenen Preisdifferenzierung sind sinkende Durchschnittspreise bei steigender Abnahmemenge des Gutes. Von Relevanz für diese Arbeit sind drei Ausprägungen16: Mengenrabatte, Pauschalpreise und zweiteilige Tarife.

Bei Mengenrabatten unterscheidet man durchgerechnete Mengenrabatte, bei denen sich der Preisnachlass auf die gesamte Abnahmemenge bezieht, von angestoßenen Mengenrabatten, bei den der Preisnachlass erst ab einer bestimmten Mindestmenge greift. Mengenrabatte erhöhen tendenziell die Absatzmenge.

Pauschalpreise, bei denen für einen Einheitspreis beliebige Mengen eines Gutes konsumiert werden können, sind dann sinnvoll, wenn zusätzliche materielle oder Imagegewinne die Mehrkosten des unbegrenzten Konsumsübersteigen. Dies ist insbesondere bei geringen Grenzkosten möglich.

Zweiteilige Tarife setzen sich aus einer Grundgebühr und einem nutzungs- abhängigen Preisbestandteil zusammen. Der durchschnittliche Preis pro Einheit fällt also mit zunehmender Abnahmemenge. Das bekannteste Beispiel dürften Telefontarife sein, bei denen neben einer Anschlussgebühr ein Entgelt für jede telefonierte „Einheit“ zu entrichten ist. Das unternehmerische Kalkül dieser Form der Preisdifferenzierung wird im nächsten Abschnitt explizit dargelegt.

3. Zweiteilige Tarife in verschiedenen Marktformen

Lange Zeit beschränkte sich die Analyse zweiteiliger Tarife als Instrument der Preisdiskriminierung auf den Monopolfall. Jüngere Arbeiten zeigen jedoch, dass unter bestimmten Bedingungen zweiteilige Tarife in wettbewerblich organisierten Märkten nicht nur bestehen können, sondern oft sogar die dominante Strategie sind. Ausgehend von der Darstellung gespaltener Tarife im Monopol wird im Folgenden die Logik zweiteiliger Preissysteme in den Fällen vollkommenen Wettbewerbs, monopolistischer Konkurrenz und der beiden Oligopolformen Preis- und Mengenwettbewerb entwickelt. Ziel der Preisdifferenzierung ist in allen dargestellten Modellen Gewinnmaximierung. Von Kosten der Implementierung wird abstrahiert.

3.1 Zweiteilige Tarife im Monopol

In seiner Analyse unterscheidet OI die Fälle homogener und heterogener Nachfrage.17 Je nach umgesetztem Grad der Preisdifferenzierung ergeben sich unterschiedliche optimale Strategien.

Im Falle homogener Nachfrage realisieren die Kunden bei einteiliger Preissetzung Konsumentenrente. Diese kann ein vollständig preisdifferenzierender Monopolistüber einen zweiteiligen Tarif abschöpfen, in dem er einen nutzungsabhänigen Preis in Höhe seiner Grenzkosten berechnet und die Grundgebühr der Konsumentenrente gleichsetzt.

Auch bei heterogener Nachfrage und Preisdifferenzierung ersten Grades wäre der optimale nutzungsabhängige Preis gleich den Grenzkosten. Allerdings müsste jeder Nachfrager eine unterschiedliche Grundgebühr in Höhe der jeweiligen individuellen Konsumentenrente bezahlen.

Wenn allen Nachfragern der gleiche Preis angeboten werden muss, kann die Höhe

des nutzungsabhängigen Preisbestandteils von den Grenzkosten abweichen, um im Sinne einer Preisdifferenzierung zweiten Grades den Gewinn zu maximieren. Wäre etwa im Falle von zwei Konsumenten18 der variable Preis gleich den Grenzkosten, so könnte die Grundgebühr die Konsumentenrente des Nachfragers mit der geringen Zahlungsbereitschaft (der „kleine“ Nachfrager, 1) nichtübersteigen, will der Anbieter nicht dessen Nachfrage verlieren.

Bei parallel verlaufenden Nachfragefunktionen kann der Anbieter seinen Gewinn jedoch steigern, indem er den nutzungsabhängigen Preis püber die Grenzkosten anhebt und die Grundgebühr senkt (vgl. Abbildung 3): Die Nettoverluste von 1 (ABC) werden durch die Zusatzgewinne von 2 (dem Konsumenten mit der höheren Zahlungsbereitschaft, dem „großen“ Nachfrager; Nettogewinn BCDE)überkompensiert.

ABB. 3: PARALLELE NACHFRAGEFUNKTIONEN IM

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an OI, W., Disneyland, 1971, S. 82

Schneiden sich hingegen die Nachfragefunktionen oberhalb der Grenzkosten, so kann eine Senkung des variablen Preisanteils unter die Grenzkosten bei gleichzeitiger Anhebung des fixen Anteils eine Gewinnsteigerung bedeuten (vgl. Abbildung 4). Zwar geht mit jeder verkauften Einheit ein Verlust einher, aber die durch die höhere Grundgebühr erzielten zusätzlichen Nettogewinne von 2 (BCDE)übersteigen die Nettoverluste von 1 (ABC).

ABB. 4: SICH SCHNEIDENDE NACHFRAGEFUNKTIONEN IM

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an OI, W., Disneyland, 1971, S. 84

Schließlich kann es für den Monopolisten sogar profitabel sein, den kleinen Nachfrager aus dem Markt zu drängen. Wird die Grundgebührüber seiner Konsumentenrente angesetzt, verzichtet er auf Marktteilnahme und der Anbieter sieht sich wieder einer homogenen Nachfrage gegenüber. Er kann also abermals den variablen Preisbestandteil auf die Höhe seiner Grenzkosten festsetzen undüber einen entsprechenden fixen Anteil die gesamte (verbleibende) Konsumentenrente abschöpfen. Bedingung für die Rationalität eines solchen Vorgehens ist, dass die Konsumentenrente des großen Nachfragers mindestens doppelt so groß ist wie die des kleinen.

[...]


1 Vgl. PIGOU, A.C., Welfare, 1952, S. 297ff. und VARIAN, H., Price Discrimination, 1989, S. 600-623.

2 Konsumentenrente versteht sich als Differenz zwischen der Zahlungsbereitschaft der Konsumenten und dem tatsächlich zu zahlenden Preis (vgl. WALDMAN, D./JENSEN, E., Industrial Organization, 2001, S. 34).

3 Die Menge resultiert aus der Bedingung erster Ordnung der Gewinnmaximierung im Monopol, nach der im Optimum der Grenzerlös GE gleich den Grenzkosten GK sein muss. Der korrespondierende Preis ergibt sich aus der Nachfragefunktion N.

4 Der im gleichen Zuge in Konsumentenrente umgewandelte Teil des Wohlfahrtsverlustes (AIJ) wird hier nicht beachtet.

5 DILLER, H., Preispolitik, 2000, S. 287

6 Vgl. Fußnote 3, S. 6.

7 Vgl. DILLER, H., Preispolitik, 2000, S. 294-296.

8 Vgl. BÜSCHKEN, J., Nicht-lineare Tarife, 1997, S. 22-23.

9 Vgl. DILLER, H., Preispolitik, 2000, S. 296-297.

10 PHLIPS, L., Price Discrimination, 1983, S. 14-16. PHLIPS nennt als weitere Voraussetzung noch monopolistischen Spielraum. Dieser erleichtert zwar die Anwendung von Preisdifferenzierung und macht sie profitabler, ist jedoch nicht generell unabdingbar (vgl. Abschnitt 3.2, S. 18).

11 Beispielsweise sind Zielgruppentarife per definitionem eine Umsetzung von Preisdifferen- zierung dritten Grades, zweiteilige Tarife hingegen können sowohl als Ausprägung von Preisdiskriminierung ersten Grades als auch im Rahmen von Preisdiskriminierung zweiten Grades eingesetzt werden (vgl. Abschnitt 3.1, S. 15).

12 Vgl. DILLER, H., Preispolitik, 2000, S. 297-322.

13 Streng genommen ist jede leistungsbezogene Preisdifferenzierung eine Produktdifferenzierung.

14 Vgl. TACKE, G., Nichtlineare Preisbildung, 1989, S. 39-45.

15 Neben der gemischten Bündelung, bei der die Teilleistungen auch einzeln erhältlich sind, tritt seltener die reine Bündelung auf, bei der dies nicht der Fall ist (vgl. TACKE, G., Nichtlineare Preisbildung, 1989, S. 39).

16 DILLER nennt als weitere Formen mengenbezogener Preisdiffenzierung Blocktarife und Bonussysteme (vgl. DILLER, H., Preispolitik, 2000, S. 312-319).

17 Vgl. OI, W., Disneyland, 1971.

18 Die folgenden Ausführungen gelten analog für Gruppen von Nachfragern mit identischen Präferenzen.

Details

Seiten
60
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638235303
Dateigröße
724 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v19390
Institution / Hochschule
Technische Universität Berlin – VWL/Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik
Note
1,7
Schlagworte
Zweiteilige Tarife Wettbewerbsmärkten Eine Analyse Beispiel Car-Sharing-Marktes

Autor

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Titel: Zweiteilige Tarife auf Wettbewerbsmärkten - Eine Analyse am Beispiel des Car-Sharing-Marktes