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Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deutschland und Schweden

Ein Vergleich

Hausarbeit 2011 19 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Idealtypen der Wohlfahrtsregime nach Esping-Andersen
2.1 Die Sozialstaatlichkeit Deutschlands und Schwedens

3. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deutschland und Schweden .
3.1 Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deutschland
3.2 Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Schweden

4. Fazit

5. Abbildungsverzeichnis

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der Hausarbeit wird die Vereinbarkeit von Beruf und Familie Deutschlands mit der Schwedens vergleichen, um untersuchen zu können, inwiefern das schwedische Modell des Wohlfahrtsstaats vorteilhafter für erwerbstätige Eltern ist.

Einleitend werden die drei Idealtypen der unterschiedlichen Wohlfahrtsregime nach Esping-Andersen vorgestellt, um die beiden Länder vorab zu charakteri- sieren.

Im Anschluss daran werden die Sozialausgaben Deutschlands und Schwedens beschrieben, um einen Einblick über deren Sozialstaatlichkeit zu liefern. Danach wird die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in beiden Staaten unter- sucht. Um besser auf die jeweiligen Länder eingehen zu können, werden diese getrennt voneinander bearbeitet. Zu Anfang werden die aktuellen Situationen auf dem Arbeitsmarkt der beiden Wohlfahrtsstaaten erläutert, auch deren Steu- ersysteme kommen zur Sprache. Im Vordergrund steht hier die Erwerbstätig- keit der Eltern, insbesondere die der Frauen, beziehungsweise der Mütter. Im Fazit werden die Hauptthesen und Ergebnisse zusammengefasst. Ein Aus- blick über die Herausforderungen der Politik in Deutschland wird gegeben.

2. Idealtypen der Wohlfahrtsregime nach Esping-Andersen

Nach Esping-Andersen1 gibt es drei Idealtypen unterschiedlich charakterisier- ter Wohlfahrtsregime, welche sich auf die drei Pfeiler der Wohlfahrt stützen - Staat, Markt und Familie. Die drei Wohlfahrtsregime sind das sozialdemokrati- sche, das konservative und das liberale Wohlfahrtsregime. Dazu erklärt Lenz2, dass sich Wohlfahrtsstaaten „in Pfadabhängigkeit von sozialen Institutionen und kulturellen Werten“ entwickeln, wobei sich eine spezifische Kombination der drei Pfeiler der Wohlfahrt in spezifischen Wohlfahrtsregimen zeigt.

Dem sozialdemokratischen Wohlfahrtsregime gehören die skandinavischen Länder, mitunter Schweden, an. Sozialdemokratische Wohlfahrtsregime sind solidarisch konzipiert und zielen auf das Gemeinwohl und die Gleichberechti- gung ab. Es wird viel in die Bildung der Heranwachsenden und in Chancen- gleichheit der Geschlechter (Gender) investiert. Es herrscht ein hoher Grad an Dekommodifizierung vor; damit ist die Entkoppelung sozialer Sicherungen vom Arbeitsmarkt gemeint, was eine Verringerung der Marktabhängigkeit von Arbeitnehmern und Sozialleistungsempfängern mit sich bringt. Ein weiteres dominierendes Prinzip ist das der Defamilialisierung. Da die Kinderbetreuung sehr gut ausgebaut ist, ist auch die Frauenerwerbstätigkeit sehr hoch. Durch die vorherrschende Defamilialisierung ist die öffentliche Unterstützung der Ver- einbarkeit von Beruf und Familie gegeben und wird gefördert. Somit sind in den meisten Fällen beide Elternteile berufstätig. Das Modell des sozialdemo- kratischen Wohlfahrtsregimes finanziert sich in erster Linie aus Steuern.

Deutschland gehört zum konservativen Wohlfahrtsregime, welches sich vor- wiegend aus Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern finanziert. Die Höhe der Sozialleistungen ist abhängig von vorher eingezahlten Beiträgen durch ge- leistete Erwerbsarbeit. Man nennt diese Art Wohlfahrtsregime auch statusko- servierendes Wohlfahrtsregime. Hier ist ein mittlerer Grad der Dekommodifi- zierung zu verzeichnen. Typisch sind auch gradlinig verlaufende Lebensläufe mit möglichst wenigen Stellenwechseln. In konservativen Wohlfahrtsstaaten dominiert das traditionelle männliche Ernährermodell. Der Mann als Allein- verdiener verdient den Lebensunterhalt für seine Familie, während die Frau sich um den Haushalt und die Kinder bemüht und somit unbezahlte Reproduktionsarbeit leistet. Das hohe Maß an Familialisierung führt zu einer geringen Erwerbstätigenquote der Frauen. Konservative Wohlfahrtsregime investieren nur wenig in Bildung und Gleichheit.

Das Grundprinzip der liberalen Wohlfahrtsregime basiert auf der Eigenverant- wortlichkeit. Zu diesem Typ zählen beispielsweise die USA. Der ausgleichen- de Wohlfahrtsstaat ist eher residual, auch der Arbeitsmarkt wird kaum staatlich reguliert. Es wird angenommen, dass Sozialleistungen die Arbeitsmoral min- dern und die Bevölkerung in Abhängigkeit bringen. Daher dominiert die Marktlogik; mit der Kommodifizierung geht die Vermarktung menschlicher Arbeitskraft einher. In manchen Fällen, wie beispielsweise in Großbritannien, herrscht dennoch ein geringes Maß an Dekommodifizierung. Ob jemand künf- tig soziale Unterstützungsleistungen beziehen darf, wird in den USA von strengen Bedürftigkeitsprüfungen, sogenannten needs tests, abhängig gemacht. In liberalen Wohlfahrtsregimen sind sowohl Familialisierung als auch Defami- lialisierung vertreten. Die Erwerbsquote der Frauen ist hoch, diese arbeiten Teilzeit oder gehen irregulären Jobs nach. Da das liberale Wohlfahrtsregime für diese Ausarbeitung nicht relevant ist, wird im weiteren Verlauf nicht näher darauf eingegangen.

2.1 Die Sozialstaatlichkeit Deutschlands und Schwedens

Die Sozialausgaben eines Nationalstaates geben Auskunft über dessen Wohlfahrtsstaatlichkeit.

Vergleicht man die Sozialausgaben des deutschen und schwedischen Wohl- fahrtsstaats (Tabelle 1), lässt sich erkennen, dass Schweden als sozialdemokra- tischer Wohlfahrtsstaat im Jahre 2005 32% des Bruttosozialprodukts in soziale Leistungen investiert hat. Deutschland, den konservativen Wohlfahrtsregimen zugehörend, lag mit 29,4% des Bruttosozialprodukts etwas unter dem Wert Schwedens. Somit lagen auch die Sozialleistungen pro Kopf in Deutschland mit 7.529 Euro etwas unter dem Wert, was schwedische Sozialleistungsemp- fänger erhielten - 8.529 Euro. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Sozialausgaben beider Wohlfahrtsstaaten ein konstant hohes Niveau halten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Die Sozialausgaben von Deutschland und Schweden im Vergleich (eigene Darstellung)

Anhand der Verteilung der Sozialausgaben lassen sich Gemeinsamkeiten der Sozialpolitik feststellen (Tabelle 2).

Sowohl in Deutschland als auch in Schweden wird der Großteil der Sozialausgaben in die Alterssicherung investiert. In Deutschland betrugen diese 1995 40,9%, 2005 waren es 42,2%. 1995 investierte Schweden 35,1% in die Alterssicherung, zehn Jahre später bereits 38,3%. Die Entwicklung von 1995 bis 2005 zeigt bei beiden Staaten eine steigende Tendenz auf.

An zweiter Stelle stehen die Ausgaben der Gesundheitsversorgung. In diesem Bereich ist in Deutschland ein leichter Rückgang zu vermerken: 1995 wurden 31,1% der Sozialausgaben für die Gesundheitsversorgung ausgegeben, 2005 waren es 3,8% weniger. In Schweden stieg der Anteil von 1995 bis 2005 um 2,3% leicht an, sodass der Anteil 2005 bei 24,3% lag.

Die hohen Investitionen in Gesundheits- und Rentenpolitik hängen mit der steigenden Alterung der Gesellschaft zusammen.

Nach der Alterssicherung und der Gesundheitsversorgung liegt in Deutschland an dritter Stelle die Familienpolitik. Im Jahre 2005 wurden 11,2% der Sozial- ausgaben in diesen Bereich investiert, was eine Verbesserung um 3,7% im Vergleich zu 1995 darstellt. Der Rest der Sozialausgaben verteilt sich 2005 mit 7,7% auf die „soziale Abfederung von Behinderten“3, mit 7,3% auf die Ar- beitsmarktpolitik und einem kleinen Anteil von 2,2% auf die Wohnungspolitik. Die schwedische Sozialpolitik setzt ihre Schwerpunkte bezüglich der geringer finanzierten Bereiche etwas anders. 2005 stehen dort die Ausgaben für Behin- derte mit 15,4% an dritter Stelle. Danach folgen die Familienpolitik mit 9,8% der Sozialausgaben, die Ausgaben zur Eindämmung der Arbeitslosigkeit mit 6,2%, somit bleiben der Wohnungspolitik 1,8% der Sozialausgaben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Die Verteilung der Sozialausgaben von Deutschland und Schweden im Vergleich (eigene Darstellung)

Insgesamt verteilen sich die Sozialausgaben in Schweden gleichmäßiger. Deutschland setzt gezielt Schwerpunkte auf die Alterssicherung und die Gesundheitspolitik.

3. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deutschland und Schweden

Im Folgenden wird unter anderem auf die Daten des Mikrozensus 2009 Bezug genommen. Der Mikrozensus ist die größte Haushaltsbefragung in Deutsch- land, welche jährlich erhoben wird. Dabei wird rund 1% der Gesamtbevölke- rung zu ihrer sozialen und wirtschaftlichen Lage befragt. Der Mikrozensus gehört zur amtlichen repräsentativen Statistik. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein wichtiger Aspekt im Hinblick auf ein funktionierendes Wohl- fahrtsregime und hat mitunter die Gleichstellung von Mann und Frau zum Ziel. Im Zentrum der Ausarbeitung stehen die aktiv Erwerbstätigen Eltern. Um Schweden und Deutschland vergleichen zu können, wird zunächst auf die je- weilige aktuelle Arbeitsmarktsituation eingegangen. Zur Visualisierung dieser dient Grafik 1. Auch die Besteuerung von Familien, beziehungsweise der er- werbstätigen Elternteile beider Länder wird beschrieben.

[...]


1 ESPING-ANDERSEN, 2002

2 ESPING-ANDERSEN, 2002 EIGENE MITSCHRIFT aus LENZ, 2011; Seminar: „Sozialstruktur im internationalen Vergleich“

3 MAU / VERWIEBE, 2009, S. 63

Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656194132
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193743
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Fakultät für Sozialwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Vereinbarkeit Beruf Familie Deutschland Schweden Vergleich Work-Life-Balance

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Titel: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deutschland und Schweden