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Tamil Schools Abroad - Ein transnationaler Bildungsraum

Working Paper 2012

Forschungsarbeit 2012 19 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Transnationale Bildungsräume

3. Fragestellung und methodische Vorgehensweise
3.1. Methoden und Intension

4. Organisationsstrukturen des tamilischen Bildungssystems
4.1. Forschergruppe u.a. in Indien und Singapur
4.1.1. Forschungsbereiche
4.1.2. Aufgaben und Funktion
4.2. TEDC - Dachorganisation in Frankreich
4.2.1. Interne Organisationsstrukturen
4.2.2. Aufgaben und Funktion
4.3. Dachverbände in den jeweiligen Ländern
4.3.1. Geografischer Raum
4.3.2. Aufgaben und Funktion
4.4. TBV - Tamilische Bildungsvereinigung e.V.
4.4.1. Formale Informationen
4.4.2. Struktur eines Schultages
4.4.3. Aufgaben
4.4.4. Funktion

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturnachweis

1. Einleitung

In Bezug auf die Transmigrationsforschung ist der Blick noch zu wenig auf „transnationale Bildungsräume“ (Bauschke-Urban 2010) gerichtet. In der heutigen globalisierten Welt verändern sich nicht nur ökonomische, soziale und kulturelle Aspekte der Gesellschaft, sondern auch „Bildung“. Sie formiert sich neu, sowohl auf individueller als auch auf institutioneller Ebene. Meine Dissertation erforscht ein transnationales Bildungssystem am Beispiel der sri-lankisch tamilischen1 Diasporagruppe (in Deutschland). Ziel ist es, mit Hilfe des spezifischen transnationalen Raums, Einblicke in ein transnational agierendes Bildungssystem zu bekommen.

Mit wachsender tamilischer Bevölkerung in Deutschland stieg die Nachfrage nach Institutionen, die ihre Heimatsprache für ihre Kinder als Unterrichtssprache anbieten, und nach heimatlichen Kulturveranstaltungen. Aus dieser Nachfrage bildeten sich langsam tamilische Schulen, die stetig wuchsen. Was als eine Unterrichtsstunde zu Hause unter Freunden vor 20 Jahren begann, hat sich mittlerweile als gut strukturierter Bildungsverein etabliert (vgl. Mahendrarajah 2010: 63-65). Aktuell haben sich in ganz Deutschland 134 Schulen2 formiert.

Das tamilische Bildungssystem in Deutschland zeichnet sich nicht nur durch eine hohe Teilnehmerzahl aus, sondern stellt auch eine der organsiertesten Migrantenorganisationen dar. Besonders forschungsrelevant sind hierbei nicht nur die tamilischen Teilnehmer3, die als Transmigranten4 bezeichnet werden können (vgl. Mahendrarajah 2010), sondern auch die Einbettung der Schulen in ein stark durchstrukturiertes „transnationales Setting“ (Bauschke- Urban 2010: 44).

Im Folgenden möchte ich einige erste Erkenntnisse aus meiner Feldforschung präsentieren. In diesem Working Paper soll nicht auf Bildungsbiographien bzw. Akteure, sondern hauptsächlich auf die organisationale und innerinstitutionelle Ebene der tamilischen Schulen, vornehmlich in Deutschland, fokussiert werden.

Das Working Paper dient als Vorarbeit für meine Dissertation mit dem vorläufigen Titel „ Ein transnationales Bildungssystem - Bildungsverständnis und Erinnerungskultur innerhalb einer Diaspora. Eine Fallstudie am Beispiel der srilankisch-tamilischen Diaspora“ 5. Konzeptionell wird sich die Dissertation vornehmlich mit der transnationalen Perspektive auf

Bildungsstrukturen beschäftigen. Zentrale Konzepte werden „Transnationaler/

Transstaatlicher Raum“ (Faist 2000; Pries 1998) und „Transnationaler Bildungsraum“

(Bauschke-Urban 2010; vgl. Gogolin/ Pries 2004) sein. In diesem Working Paper soll zunächst nur ein grober Einblick in das Konzept des transnationalen Bildungsraums gegeben werden. Für eine Einführung in die Transnationalität wird auf Ludger Pries (1998) und Thomas Faist (2000) verwiesen.

Das Working Paper bietet im ersten Teil einen kurzen Einblick in das Konzept „Transnationaler Bildungsraum“. Darauf folgend werden die Fragestellung und die Methodenauswahl dargestellt. Anschließend soll ein Überblick über generelle Strukturen des tamilischen Bildungssystems geschaffen werden. Das Paper schließt mit einer kurzen Schlussbetrachtung.

2. Transnationaler Bildungsraum

Das Konzept der „transnationale[n] Bildungs räume“ (Bauschke-Urban 2010: 46; vgl. Gogolin/ Pries 2004) baut auf das aus der Migrationsforschung stammendem Konzept des „transnationalen Raums“ (Pries 1998) bzw. auf das Konzept der „transstaatlichen Räume“ (Faist 2000) auf (vgl. Bauschke-Urban 2010: 46). Hierbei handelt es sich um elastische, diffuse Räume, in denen soziale, ökonomische, kulturelle Beziehungen gegeben sind und die laut Faist die Grenzen von souveränen Nationalstaaten überschreiten. Die Autoren Pries und Faist verweisen darauf, dass ihre Begrifflichkeiten auch Austauschprozesse zwischen den agierenden Personen bezeichnen6 (vgl. Faist 2000; Mahendrarajah 2010: 14; Pries 1998).

Die Erweiterung dieser Konzepte zum ‚transnationalen Bildungsraum‘ ermöglicht eine „neue Sicht auf die Transnationalisierung von Lehr-/Lernstrukturen“ (Bauschke-Urban 2010: 43). Somit werden sowohl die Forschungsansätze der Migrationsforschung als auch der Erziehungswissenschaften hierdurch verbunden (vgl. Bauschke-Urban 2010: 46) .

Stand zunächst vermehrt die individuelle „Transnationalisierung von Bildungsbiographien“ (Bauschke-Urban 2010: 46), also die Mikro-Ebene, im Vordergrund, entwickelte Adick (2005) diesen Ansatz weiter. Dank ihrer Arbeit wurde der Ansatz durch eine neue Perspektiveneinnahme, die die Makro-Ebene mit einbezieht, erweitert. Somit richtet sich der Blick nun auch „auf die Transnationalisierung von Bildungsorganisationen“ (Bauschke-Urban 2010: 46).

Zum einen beobachten die beiden Disziplinen, Bildungs- und Erziehungswissenschaften und Migrationsforschung, „die Transnationalisierung von Hochschulen als Organisationen“ (Bauschke-Urban 2010: 46); doch stellen sie auch „Prozesse transnationaler Sozialisation“ (Bauschke-Urban 2010: 46) fest.

Adick begreift sowohl den einen als auch den anderen Prozess als transnationalen Bildungsraum. Jedoch macht sie eine Unterscheidung in „Transnationalisierung von oben“ und in „Transnationalisierung von unten“ (Bauschke-Urban 2010: 46). Hierbei stellt die Ausformung einer „Bildungsorganisation“ eine „Transnationalisierung von oben“ und die „Bildungssozialisation“ eine „Transnationalisierung von unten“ dar (Bauschke-Urban 2010: 46).

Hierbei macht Adick des Weiteren eine dreifache typologische Differenzierung bezüglich der Makro-Ebene eines grenzüberschreitenden Bildungsraums (vgl. Bauschke-Urban 2010: 47). Ihr zu Folge gibt es folgende Typen von ‚Bildungsinstitutionen‘:

1. „transnational educational advocacy programs“ (Bauschke-Urban 2010: 47)
2. „transnational education“7 (Bauschke-Urban 2010: 47)
3. „transnational operierende Bildungsunternehmen“ (Bauschke-Urban 2010: 47)

Der eher ganzheitlichere Ansatz Adicks lässt somit die „Analyse von Mikrostrukturen auf der Ebene transnational sozialisierter Individuen und andererseits der Makrostrukturen auf einer breiter aufgefächerten Ebene der transnationalen Organisation von Bildungsinstitutionen“ (Bauschke-Urban 2010: 47) zu.

3. Fragestellung und methodische Vorgehensweise

In meiner Forschung soll u.a. der Frage nachgegangen werden, ob und wie sich ein eigenes tamilisches Bildungssystem außerhalb von Sri Lanka inhaltlich und geografisch formiert und in wie weit das tamilische Bildungssystem „transnational“ ist.

Bevor nun der transnationale Bildungsraum des tamilischen Bildungssystems erarbeitet wird, wird im Folgenden zunächst die methodische Vorgehensweise8 dargestellt.

3.1 Methoden und Intension

Die erste Phase meiner Erhebung fand 2011 statt. Die Feldforschung hatte einen explorativen Charakter. Dadurch bedingt waren mehrere methodische Zugänge zur Erarbeitung bestimmter Fragestellungen nötig. Im Folgenden ist eine Aufstellung zu den verwendeten Erhebungsmethoden und eine Sinn-Zuordnung, welche Daten mit der bestimmten Methode erfasst werden sollte, zu finden:

[...]


1 Im weiteren Verlauf des Papers werden „sri-lankisch-tamilisch“ und „Sri Lanka Tamilen“ der Einfachheit halber nur als „tamilisch“ und als “Tamilen“ bezeichnet.

2 Auf www.tbvgermany.com findet man eine Auflistung der Städte, in denen Tamilalayam-Schulen existieren.

3 Die Mehrzahl der Teilnehmer sind Tamilen; vereinzelt sind auch Kinder aus Mischehen zwischen Tamilen und anderen Nationalitäten zu finden.

4 Der besseren Lesbarkeit halber wird im gesamten Dokument für alle Subjektbezeichnungen nur die männliche Form benutzt. Die weibliche Form ist aber immer mit eingeschlossen.

5 Vgl. http://www.transnationalsupport.de/index.php?id=188

6 Wie bereits in der Einleitung erwähnt, sei für eine ausführliche Darstellung dieser Konzepte auf ‘ Pries, Ludger (1998): Transnationale soziale Räume. Theoretisch-empirische Skizze am Beispiel der Arbeitswanderungen Mexiko - USA. In: Beck, Ulrich [Hrsg.]: Perspektiven der Weltgesellschaft. Frankfurt am Main. S. 55-86. ’ und ‘ Faist, Thomas (2000): Grenzenüberschreiten. Das Konzept transstaatlicher Räume und seine Anwendungen. In: Faist, Thomas [Hrsg.]: Transstaatliche Politik, Wirtschaft und Kultur zwischen Deutschland und der Türkei. Bielefeld. S. 9-57. ‘ verwiesen.

7 Diese stehen zum einen außerhalb bestimmter Bildungssysteme, zum anderen bilden sich eigene Bildungssysteme heraus (vgl. Bauschke-Urban 2010: 47).

8 Da es sich um ein Working Paper handelt, werden hier nicht die einzelnen Methoden diskutiert. Des Weiteren wird auch nicht auf die Auswertungsmethode, hier die Grounded Theory, eingegangen.

Details

Seiten
19
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656192497
ISBN (Buch)
9783656193616
Dateigröße
3.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193733
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – DFG-Graduiertenkolleg 1474 "Transnationale soziale Unterstützung"
Note
Schlagworte
Tamilalayam Tamilische Schulen TEDC TBV Transnationaler Bildungsraum Transnationalität Bildungssozialisation transnational education

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