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Phonetische und lexikalische Anglizismen des Ontariofranzösischen

Hausarbeit 2010 16 Seiten

Didaktik - Französisch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Hauptteil
1. Historischer Hintergrund
2. Zweisprachigkeit
3. Anglizismen im Onfr.
3.1. Phonetische Anglizismen
3.1.1. Aspirierung der stimmlosen Okklusive
3.1.2. Aussprachephänomen bei bestimmten Morphemen
3.1.3. Phänomen des retroflexen
3.1.4. Besonderheiten in der Prosodie
3.1.5. Zur Aussprache der Lehnwörter aus dem Englischen
3.2. Lexikalische Anglizismen
3.2.1. Emprunts intégrés
3.2.2. Kulturell bedingte Entlehnungen
3.2.3. Auf den Kernwortschatz greifende Entlehnungen

C. Zusammenfassung

Literatur

A. Einleitung:

Aufgabenstellung dieser Arbeit ist die Untersuchung phonetischer und lexikalischer Anglizismen des Ontariofranzösischen (Onfr.)1. Dabei werde ich zuerst auf die historische Entwicklung eingehen, um das nötige Hintergrundwissen für das Verständnis der heutigen Situation des Französischen in Ontario zu liefern. Dann werde ich kurz auf das Phänomen der Zweisprachigkeit bei den Franko-Ontariern eingehen. Es folgt darauf eine Untersuchung der phonetischen Anglizismen im Onfr. und danach eine Darstellung der lexikalischen Anglizismen.

Grundlegend für die ganze Arbeit waren die Arbeiten unter der Federführung von Mougeon (vgl. Literaturliste). Daneben war für das Kapitel der phonetischen Anglizismen noch Léon/Cichocki 1989 von Bedeutung. Für die Typologisierung der Anglizismen im Kapitel Lexikalische Anglizismen war Bußmanns Lexikon der Sprachwissenschaft wichtig. Die anderen in der Literaturliste aufgeführten Werke lieferten sporadische Informationen für diese Arbeit.

B. Hauptteil:

1. Historischer Hintergrund

Die französischen Siedler Kanadas stammten ursprünglich aus der Normandie, aus dem Westen Frankreichs und aus der Île-de-France (siehe: Lortie 1903: 11f.; Wolf 1987: 13f.). Französisch ist die erste europäische Sprache, die auf dem Gebiet des heutigen Ontario gesprochen wird (vgl. Jaenen 1993: 9; Niederehe 1983: 45). Seit Anfang des 17. Jahrhunderts bereisten französische Entdeckungsfahrer Ontario und gelangten bis zum Oberen See und zur Hudson-Bay (vgl. Jaenen 1993: 10ff.). Grob zusammengefasst kann man die sukzessive europäische Besiedlung durch folgende Einwanderungswellen festhalten:

1. Einwanderungsperiode französischer Siedler: Es werden Siedlungen wie Kingston und Le Detroit (Detroit, heute USA) gegründet. Die erste dauerhafte und wichtigste Niederlassung der Franzosen, die Festung Portchartrain bei Detroit, geht dabei auf das Jahr 1701 zurück.

2. Von 1650 bis 1750 errichteten Franzosen auf ontarischem Gebiet auch strategische Handelsstützpunkte für den Fellhandel und erste Siedlungen, von denen sich einige zu den heutigen urbanen Zentren Kingston, Toronto, Niagara, Windsor, Sault Ste. Marie und Thunder Bay entwickelt haben (vgl. White 1985: 38; siehe hierzu auch: Jaenen 1993: 13-19, 26-31).

In den 1740er Jahren gründeten Landwirte aus Quebec die ersten Agrarsiedlungen im heutigen Ontario (vgl. White 1985: 44). Nach Mougeon (2004: 156) findet man noch heute in und um Windsor, das im Südwesten Ontarios gegenüber von Detroit liegt, frankophone Sprecher, die die ersten Siedler (um 1701) als Vorfahren haben.

1. große britische Besiedlung: Als das Gebiet 1760 in die Hände der Engländer übergeht (vgl. Gosselin 1963: 66), leben in Detroit 300 oder 400 französische Familien (vgl. Canniff 1869: 30; 1765 sind es genau 868 Einw. in Detroit, der größten Siedlung des ”pays d’en haut“, vgl. Jaenen 1993: 27). Es beginnt nun die britische Besiedlung Ontarios. Nach dem Frieden von Paris von 1783, der den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg formal beendete und die südliche Grenzlinie Ontarios festlegte, ziehen über 10 000 britische Loyalisten aus den Vereinigten Staaten in den Süden Ontarios (vgl. [Jahrbuch] USA & Canada 1998: 618; Canniff 1869: 182).2 In dieser Zeit siedeln auch einige Quebec-Franzosen nach Ontario (vgl. Thibault 2003: 898, Sp. 2).

2. britische Einwanderungswelle: Als Folge der Konstitutionsakte von 1791, die zur Trennung Kanadas in Ober- (entspricht dem heutigen südlichen bevölkerteren Teil Ontarios) und Unterkanadas (Quebec) führt,3 entstehen überwiegend im Süd-Osten des heutigen Ontario immer mehr Britische Kolonien, sodass im Jahre 1812 die Siedler aus den Vereinigten Staaten auf 83 % geschätzt werden (vgl. [Jahrbuch] USA & Canada 1998: 618; Thibault 2003: 898, Sp. 2). Allein der Süden Ontarios weist nun etwa 100 000 Einw. auf (vgl. White 1985: 80).

2. franz. Einwanderungswelle: Erst 1830 kommt es zur ersten großen Einwanderungswelle aus Quebec (vgl. Gosselin 1963: 67). In dieser Periode findet auch eine starke Zuwanderung aus Groß-Britannien, hierunter viele protestantische Iren, und den Vereinigten Staaten statt (vgl. White: 82f., 85-87).

Von 1851-1951 stieg die frankophone Bevölkerung aufgrund natürlichen Wachstums und weiterer Einwanderungen aus der Provinz Quebec von 2,8% auf 10,4% an (vgl. Wolf 1987: 57f.).

2. Zweisprachigkeit

Die Hauptunterschiede zum Qfr. ergeben sich in erster Linie aus der Zweisprachigkeit der meisten Franko-Ontarier, die einen Einfluss des E auf das Fr. hervorruft, zumal das E von diesen meist besser beherrscht wird (vgl. Mougeon/Beniak 1991: 23). Die Zweisprachigkeit wird dabei auf zweierlei Weise erworben, zum einen durch die Sozialisation und zum anderen wird sie durch das Elternhaus weiter gegeben (vgl. ebd.). Hierbei ist diese Zweisprachigkeit in Orten, in denen die Frankophonen eine Minderheit darstellen stärker ausgeprägt (Bsp. Welland: 16%) (vgl. ebd.).

Es ist jedoch nicht möglich, eine Liste der sprachlichen Variationen, die bei allen Franko- Ontariern feststellbar sind, aufzustellen, außer einigen emprunts lexicaux (vgl. Nadasdi 2005a: 103).

Dass hierbei der Status des Englischen eine Rolle spielt, ist nicht abzustreiten. Nach der letzten Volkszählung aus dem Jahre 2006 sind es 68,9 % anglophone Sprecher in Quebec, die bilingual sind, im Vergleich zu den 7,5 % außerhalb von Quebec (vgl. http://www12.statcan. ca/census-recensement/2006/as-sa/97-555/p1-fra.cfm).

Nach der Zählung aus dem Jahre 1981, auf die sich allen voran Mougeon (1993, etc.) in seinen Arbeiten bezieht, sind 84 % der Franko-Ontarier zweisprachig, wohingegen nur 12 % nur Franz. und 4 % nur Engl. beherrschen (vgl. Mougeon 1993: 54). Von daher kann man für die Region Ontario von einer weit verbreiteten Bilingualität unter den Franko-Ontariern ausgehen, besonders dann, wenn man die 29 % bilingualen Sprecher aus Québec danebenstellt (vgl. ebd.: 55).

In jenen Orten Ontarios, in denen die frankophonen Sprecher die Minderheit darstellen, ist die Zweisprachigkeit folglich stärker ausgeprägt. (vgl. Mougeon/Beniak 1991: 27 f.).

3. Anglizismen im Onfr.

3.1. Phonetische Anglizismen

Allgemein betrachtet spiegeln sich im Onfr. besondere phonetische Merkmale des Qfr. wider (vgl. Cassano 1978; Léon/Cichocki 1989). Daneben sind auch Einflüsse erkennbar, die eine Annäherung an die standardisierte Aussprache aufweisen, was mit dem Einfluss der Medien (gepflegter Sprachstil des Radio-Canada) und dem weniger praktizierten franz. Idiom in den Haushalten zusammenhängt und hier nicht erörtert werden soll (vgl. Thomas 1986: 15). Was den Einfluss des Englischen auf das Onfr. anbelangt, so ist dieser Aspekt noch ein sprachwissenschaftliches Desiderat (vgl. Thomas 1989: 27, 32). Jedenfalls kann man so viel sagen, dass dieser eher gering zu sein scheint. Nach meiner Meinung sind folgende (mögliche/) phonetische Anglizismen festzustellen:

[...]


1 Im Folgenden werde ich Ontariofranzösisch mit Onfr. abkürzen.

2 Um 1785 sind es nicht weniger als 6 000, um 1790 sind es 10 000 (vgl. White 1985: 56, 63).

3 Die Provinz erhielt den Namen ”Ontario“ nach dem Ontariosee, auf dem die Hauptstadt der Region Toronto liegt, im Jahre 1867; vorher hieß es West-Kanada, vor 1841 Oberkanada, vor 1791 ”the upper parts of the province of Quebec“, vor 1763 ”le pays d’en haut“, das obere Land der Novelle-France. (vgl. White 1985: 14, 101).

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656213376
ISBN (Buch)
9783656213499
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193660
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Romanisches Seminar
Note
1
Schlagworte
Französisch Kanada Anglizismen

Autor

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