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Zugriff auf die Universalgrammatik im Zweitspracherwerb

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 26 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsstand

3. Probleme der Spracherwerbsforschung

4. Unterschiede L1 und L2

5. Die UG – Hypothese
5.1 UG-Parameter
5.2 Parameterfixierung
5.3 Erstspracherwerb und UG
5.4 Zweitspracherwerb und UG

6. Positionierungen und Argumentationen
6.1 Kein Zugang zur UG
6.2 UG Zugang und identischer L1- bzw. L2-Erwerb
6.3 aktive Rolle der UG unter Einfluss der Muttersprache
6.3.1 Exemplarisches Beispiel der Datenerhebung von White
6.3.2 Parameterfixierung bei White
6.4 partieller Zugang zur UG
6.5 Hypothesen gegen Parameterfixierung
6.6 Schlussfolgerung der Diskussion

7. Resümee

8. Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„As we have seen, knowledge of language for the native speaker is represented in the form of a mental grammar, an abstract system of principles and rules. In effect, then, we are assuming that competence in a second language will also be represented in the form of an internalized grammar.“ (White, 1989, 35)

Bei der Verbindung von Universalgrammatik (im Folgenden UG) und Zweitspracherwerb (im Folgenden L2) handelt es sich um eine aktuelle Thematik, die weiterer Forschung bedarf. Die Bezeichnung der generativen Grammatik nimmt Prinzipien für alle natürlichen Sprachen an, welche aus sprachspezifischen Parametern bestehen.

Die Frage nach dem Zugriff der Universalgrammatik beim Zweitspracherwerb wird kontrovers diskutiert und die dabei vertretenen Ansätze sind sehr unterschiedlich. Neben psycho- und soziolinguistischen Theorien ist vor allem die linguistische Theorie für diese Arbeit von Bedeutung. Weshalb Zweitsprachenlerner die Sprache auf eine bestimmte Art und Weise erwerben, erweist sich als äußerst komplex. Die Art der Kompetenz ist schwer zu definieren und weitaus schwieriger festzustellen als beim Erstspracherwerb (im Folgenden L1). Die Unterschiede der Lernmechanismen sind hierbei interessant. Darüber hinaus ist die Parameterfixierung von Bedeutung, denn lässt sie sich nachweisen, impliziert dies simultane Erwerbsmechanismen und die Realisierung von Parameterwerten in der Zweitsprache. Damit verbunden ist die Frage nach noch vorhandenen UG-Prinzipien. Wird der Nachweis einer Parameterfixierung erbracht, impliziert dies wiederum den positiven Zugriff auf die UG. Warum sollte der Lernende daher nicht immer in der Lage sein, die mentalen Strukturen als Voraussetzung zum Spracherwerb zu nutzen? In diesem Forschungsbereich gibt es unterschiedliche Ansichten, jene, die keine Verbindung sehen, jene, die exakt denselben Prozess wie im Erstspracherwerb annehmen und schließlich viele, die behaupten, der Zugriff sei zwar möglich, allerdings in einer anderen Art und Weise als beim Erstspracherwerb. Voraussetzung ist, dass die Idee der UG in der Erstsprache von den hier ausgewählten Autoren und Autorinnen akzeptiert wird.

Welche Rolle die Erstsprache an dieser Stelle spielt, muss in die Diskussion einbezogen werden. Welche Argumente von den Spracherwerbsforschern geliefert werden und wie diese zu bewerten sind, soll in dieser Hausarbeit thematisiert werden.

Vor diesem Hintergrund soll im Rahmen der Arbeit der Zugriff auf die Universalgrammatik beim Zweitspracherwerb diskutiert und Theorien der generativen Spracherwerbsforschung verglichen werden. Auf folgende konkrete Forschungsfrage soll am Ende eine Antwort gegeben werden:

Welche Rolle spielt die Universalgrammatik im Zweitspracherwerb?

Auf der Grundlage der ausgewählten Literatur ist zu erwarten, dass die Argumentation einen positiven Zugriff auf die Universalgrammatik widerspiegelt. Inwiefern die Erstsprache eine Rolle spielt, soll ebenfalls geklärt werden. Außerdem soll beantwortet werden, ob der Erwerb der Zweitsprache Parameterfixierung beinhaltet oder einen alternativen Lernmechanismus vermuten lässt. Ich möchte mit der Diskussion zu dem Fazit gelangen, dass ein UG-Zugriff stattfindet, das logische Problem in L2 immer noch besteht, die Datenerhebung Schwierigkeiten ergibt, Parameterfixierung möglich ist und das L1 diesbezüglich nur indirekten Einfluss hat. Demzufolge gehe ich davon aus, dass keine Theorie lückenlos überzeugen kann.

Zunächst soll ein kurzer Abriss über den Forschungsstand hinsichtlich der Leitfrage als Einstieg dienen. Im Anschluss beginnt der theoretische Teil mit den Problemen der Spracherwerbsforschung, mit der Darstellung der UG-Hypothese und ihrem Bezug zu dem Erst- bzw. Zweitspracherwerb. Innerhalb des Kapitels werden die Bedeutung von Parametern und deren Fixierung dargestellt werden. Daraufhin sollen kurz die Unterschiede zwischen L1- und L2-Erwerb für die anschließende Diskussion vorgestellt werden. Der Hauptteil der Arbeit beschäftigt sich mit der komplementären Positionierung in Bezug auf die Forschungsfrage und soll kritisch diskutiert werden. Im Anschluss werden die Ergebnisse resümiert und auf die Parameterfixierung sowie die Rolle der Erstsprache bezogen. Abschließend soll die dargestellte Argumentation zusammengefasst werden und einen kurzen Ausblick vermitteln.

2. Forschungsstand

Der Erwerb der Nicht-Muttersprache wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Es existiert eine Vielzahl an Aufsätzen, welche sich mit dem komplementären Forschungsgegenstand befassen. Es wird allerdings keine einheitliche Theorie vertreten, sodass die Forschung eine hier vereinfacht dargestellte Einteilung aufweist. Die Ansätze sind demnach linguistisch, psycholinguistisch und soziolinguistisch motiviert. Dennoch werden auch Versuche unternommen, die Theorien zu vereinigen, welches vor dem Hintergrund des komplexen Erwerbs einer Zweitsprache sinnvoll erscheint. Im Rahmen dieser Hausarbeit soll die generative Perspektive, der so genannte linguistische Ansatz diskutiert werden. Die generative Linguistik erlaubt dabei grundlegende Hypothesen und wurde von Meisel wie folgt beschrieben: „the discussion of the UG/L2 hypothesis, independently of its final outcome, is an interesting and useful one, because it enables us to formulate crucial questions about the nature of the underlying principles in L2 acquisition in a more precise and theoretically more promising fashion” (Meisel, 1991, 234). Die Ansichten sind dabei in hohem Maße unterschiedlich und jede Theorie wird mit viel Kritik konfrontiert. Die Positionierungen hinsichtlich der Universalgrammatik und des Zweitspracherwerbs werden im Hauptteil thematisiert bzw. kritisch diskutiert.

3. Probleme der Spracherwerbsforschung

Beim Erwerb von Sprache sehen sich die Forscher vor allem mit zwei grundsätzlichen Problemen konfrontiert, welche in einem kurzen Abriss dargestellt werden sollen. Der Kontrast zwischen der Komplexität einer natürlichen Sprache und der relativen Geschwindigkeit des Erwerbs einer solchen stellt seit Chomsky das fundamentalste Problem der Forschung dar. Kinder erlangen Wissen, welches Prinzipien und Generalisierungen bereitstellt, die der Input der kindlichen Umgebung nicht bietet. Das sprachliche Wissen von Kindern ist unendlich. Obwohl sie eine endliche Menge von Sätzen hören und obwohl sie keine negative Evidenz bekommen, können sie Grammatikalitätsurteile treffen. Außerdem gibt es bestimmte Fehler, die logisch denkbar wären, aber von Kindern nie gemacht werden (vgl. Baker; McCarthy, 1981). Dieses logische Problem wird im Rahmen der generativen Erwerbsforschung mit der Universalgrammatik beantwortet und kann demzufolge auch als Lösung für den Zweitspracherwerb gelten. Ob sich das logische Problem allerdings tatsächlich auch beim Erwerb einer Zweitsprache stellt, wird auch heute noch debattiert. Des Weiteren sehen sich die Forscher mit dem Problem des bestimmten Ablaufs beim Erwerb konfrontiert. Warum ist es dem Erst- bzw. Zweitsprachenlerner möglich, von einer Erwerbsphase in die nächste zu gelangen? Diesbezüglich ist interessant, ob sich die Prozesse von L1 und L2 unterscheiden und wenn ja, inwiefern.

4. Unterschiede L1 und L2

Die menschliche Sprache ist wohl das zentralste Gattungsmerkmal und wird unter normalen gesellschaftlichen Umständen von jedem Kind, so weit es physisch dazu in der Lage ist, entwickelt. Aus den beobachtbaren Entwicklungsphasen ergeben sich bestimmte Fragen: In welchen Schritten erwirbt das Kind die Sprache?; Dauer des Prozesses?; Wie entwickeln sich die beteiligten Organe des Hörens, Sprechens und Denkens?; Welche Rolle nehmen die umgebenden Erwachsenen ein?; Wie ist die Kompetenz von Grammatikkenntnissen möglich? Der Erwerbsprozess vollzieht sich dabei innerhalb der ersten 24 Monate des Lebens, sodass nach 28 Monaten erste komplexe Äußerungen zu beobachten sind. Allerdings verläuft die Entwicklung nicht immer gleich, da es auch Spätentwickler gibt. Durch die unterschiedliche Dauer bzw. Geschwindigkeit wird die Phasenabfolge nicht beeinflusst. (Vgl. Grießhaber, 2010, 9ff.)

Hinsichtlich des L2-Erwerbs hat Bley-Vroman Kategorien bezüglich des Unterschieds dargestellt, welche meiner Meinung nach überzeugen:

„1. First language development is controlled by an innate language acquisition system which no longer operates in adults. Adult language learning resembles general adult
learning. This is the explanation advocated here: the fundamental difference hypothesis.
2. Knowledge of an existing language interferes with the acquisition of a subsequent language. The Ll interference hypothesis.
3. There is something missing in the input to adults – adults do not get enough input, or do not get the right kind. The input hypothesis.
4. Children have a crucial something like a personality state, attitude, degree of motivation, way of interacting, stage of ego development, or socialization, or something similar something which adults do not have. The affect or socialization hypothesis.
5. Adults have a developed general problem-solving cognitive system which competes with their language acquisition system. The competing cognitive systems hypothesis.“

(Bley-Vroman, 1989, 21)

Ferner sind die jeweiligen Voraussetzungen innerhalb der L2-Lerner sehr differenziert zu betrachten. Die individuellen Unterschiede variieren und bilden demzufolge die Möglichkeit einer Vielzahl von Faktoren, die zumindest einen Einfluss haben können. Inwiefern spielt die Muttersprache eine Rolle? Ist es entscheidend, welche Muttersprache vorherrscht? Inwieweit ist Intelligenz oder Begabung von Bedeutung? Wie groß ist die Bedeutung der Motivation des Lernenden?

Die Darstellung des Bedingungsgefüges erweist sich als äußerst komplex, da viele Faktoren entscheidend sein können. Insgesamt sollen die für diese Arbeit relevanten Größen genannt werden.

1. Die Sprachen, d.h. die Ausgangssprache und die Zielsprache
2. Die mentalen Ressourcen im Kopf des Lerners
3. Die unmittelbare Umgebung des Lernenden
4. Die kommunikativen Bedingungen und Bedürfnisse des Lerners
5. Die Motivation des Lerners

Die Forschung vom Zweitspracherwerb erweist sich als äußerst komplex. Es gibt eine Vielzahl an Hypothesen, welche bei den Überlegungen und Hypothesen der Zweitspracherwerbsforschung berücksichtigt werden müssen (vgl. Grießhaber, 2010, 9ff.).

5. Die UG-Hypothese

„Die Tatsache, dass dem spracherwerbenden Kind nur positive, aber keine systematische negative Evidenz über die Grammatikalität von Sätzen verfügbar ist und dass bestimmte Fehler trotzdem nicht beobachtbar sind, […], deutet darauf hin, dass sprachliche Erfahrung allein nicht ausreicht, die Grammatik einer Sprache […] zu erwerben.“ (Fanselow; Felix, 1987, 112)

Es gibt in der Literatur kein überzeugendes Grammatikmodell für einen allgemeinen Lernmechanismus des Spracherwerbs, mit dem sich das erfolgreiche Erlernen erklären ließe, sodass viele Autoren ausgehend von Noam Chomsky eine genetische, also angeborene Universalgrammatik und deren Prinzipien vermuten. So lässt sich die Abwesenheit bestimmter Fehler, die in den Strukturen natürlicher Sprachen nicht vorkommen, erklären. Darüber hinaus können demzufolge die erlernten komplexen Sprachstrukturen nachvollzogen werden.

Viele Autoren postulieren, dass jeder Mensch potentiell jede Sprache lernen kann und die Universalgrammatik dafür eine endliche Menge an Prinzipien zu Verfügung stellt. Prinzipien sind solche Eigenschaften, die allen natürlichen Sprachen gemeinsam sind. Die Annahme der Prinzipien gewinnt durch eine Reihe von Argumenten an Plausibilität. Beispielsweise erwerben Kinder einer Sprachgemeinschaft mit ungefähr drei Jahren dieselbe Grammatik innerhalb der gleichen Zeitspanne. Ferner werden auch solche Sprachphänomene erworben, die eine quantitativ niedrige Frequenz aufweisen oder gar nicht im Input auftauchen. Darüber hinaus werden bestimmte Strukturen nicht vor anderen erlangt, sodass eine zeitliche Ordnung ausnahmslos beobachtet werden konnte.

Um der sprachspezifischen Variation gerecht zu werden, stellen sich die Autoren die UG als ein parametrisiertes System vor, welches Variablen bereitstellt. Diese Optionen wiederum werden als Parameter bezeichnet, welche vom Kind instantiiert werden, um die spezifische Sprache zu fixieren. (Vgl. Gabriel; Müller, 2008, 11)

5.1 UG-Parameter

Die universellen Prinzipien der Universalgrammatik sind sprachspezifisch parametrisiert. Die Definition des Parameterbegriffs ist in der Literatur strittig, da nicht eindeutig belegt ist, ob sich ein Parameter auf die Sprache insgesamt oder auf einzelne Sprachelemente beziehen muss. Innerhalb dieser Arbeit „ist es das Ziel solche Parameter zu postulieren, die Voraussetzungen zu einem möglichst weiten Spektrum einzelsprachlicher Phänomene zulassen und so die Aufeinanderfolge verschiedener Phasen im Spracherwerbsprozeß durch Fixierung eben dieser Parameter erklären.“ (Haas, 1993, 13) Bei dem Prodrop-Parameter oder auch Nullsubjekt-Parameter handelt es sich beispielsweise um einen der Ersten, die vorgeschlagen wurden. Basierend auf Chomsky und später auch Rizzi zeigt die Beschreibung der Nullsubjekte, wie ein Parameter funktionieren soll. Mit dem Wert [+pro-drop] wird die Annahme vom so genannten clustering of properties postuliert:

„Rizzi (1982, 1986) verknüpft mit den phonetisch nicht realisierten Personalpronomina, den Null-Subjekten, die folgenden Eigenschaften: Fehlen von expletiven Subjekten, Extraktmöglichkeiten für Subjekte aus that –t-Kontexten [ ... ] und postverbale Subjekte in VO-Sprachen“ (Gabriel; Müller, 2008, 13). Die Bündelung von Phänomenen ist aufgrund der erwünschten Lösung des logischen Problems sinnvoll. Demnach sind Parameter universelle Prinzipien, welche unterschiedliche Werte annehmen können. Diese können je nach zielsprachlicher Ausrichtung aktiv bzw. inaktiv sein und werden somit fixiert. Welche Werte tatsächlich gebündelt werden, wird in der Spracherwerbsforschung auch heute noch diskutiert.

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Details

Seiten
26
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656186625
ISBN (Buch)
9783656187530
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193627
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Institut für Romanische Sprachen und Literaturen
Schlagworte
Zweitspracherwerb L2 Universalgrammatik

Autor

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