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Entwicklung der sozialen Ungleichheit - Ein Vergleich der Regierungskoalitionen zwischen 2002 und 2009

Facharbeit (Schule) 2012 22 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Soziale Ungleichheit in Deutschland
2.1 Soziale Ungleichheit - materielle und immaterielle Dimensionen
2.2 Dimensionen in Deutschland und deren Indikatoren

3. Vergleich der Koalitionen: SPD - Bündnis 90/Die Grünen und CDU/CSU - SPD
3.1 Einleitung
3.2 Einkommensverteilung
3.3 Vermögensverteilung
3.4 Bildungschancen
3.5 Gesundheitschancen

4. Politische Einflussnahme durch die Regierungen

5. Zusammenfassung und Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die zentrale Frage dieser Arbeit zielt darauf ab, die tatsächliche Entwicklung der sozia- len Ungleichheit insgesamt und ihrer wichtigsten Dimensionen von 2002-2009 darzu- stellen, unabhängig von politisch motivierten Versuchen der Medien, ihre Entwicklung einschlägig zu akzentuieren. Es soll ferner eine Auseinandersetzung mit der Debatte stattfinden, ob die Politik bestimmter Parteien während des Betrachtungszeitraums zu einer Verstärkung oder Verringerung der sozialen Ungleichheit geführt hat.

Im Kapitel 2 werden zunächst die Begriffe der sozialen Ungleichheit und ihre wichtigsten Dimensionen sowie messbare Indikatoren definiert, deren Entwicklung sodann im Kapitel 3 näher untersucht werden sollen.

In Kapitel 3 wird ein Vergleich der Entwicklung der sozialen Ungleichheit unter den jeweiligen Regierungskoalitionen von 2002 bis 2009 vorgenommen. Es werden hierbei die verschiedenen Dimensionen und deren Entwicklung gesondert dargestellt.

Inwiefern der Staat durch politische Maßnahmen Einfluss auf die Entwicklung genom- men hat, wird in Kapitel 4 untersucht. Auch hier werden die Dimensionen einzeln be- trachtet.

2. Soziale Ungleichheit in Deutschland

2.1 Soziale Ungleichheit - materielle und immaterielle Dimensionen

Soziale Ungleichheit beschreibt einen vielfältig verwendeten Begriff, der in Deutschland - insbesondere seit dem letzten Quartal des 20. Jahrhunderts - in der Öffentlichkeit thematisiert wurde und heute die politische Diskussion bestimmt wie nie zuvor. Die einzelnen Unterscheidungen werden hierbei als Dimensionen bezeichnet.

Als soziale Ungleichheit kann man sowohl die unterschiedliche materielle als auch immaterielle Ressourcenverteilung in der Gesellschaft verstehen1. Immaterielle Un- gleichheit bedeutet hierbei unter anderem die Ä[…] ungleiche Ausprägung von Lebens- bedingungen […]“2 gesellschaftlicher Gruppen, wie sie sich in der Ä[…] ungleichen Verteilung von Lebenschancen“3 widerspiegelt. Hradil4 zufolge zeigt sich diese ideelle Ungleichheit zum Beispiel in den Arbeits- und Freizeitbedingungen, Privilegien oder Diskriminierungen, der sozialen Absicherung, den Bildungsmöglichkeiten, dem Presti- ge und der Macht in einzelnen gesellschaftlichen Lagen5. Auch die soziale Mobilität6 sowie die Gesundheitschancen bzw. die persönlichen gesundheitlichen Einschränkun- gen gehören zum weiten Spektrum der immateriellen Ungleichheit7. Die materielle Un- gleichheit zeigt sich in modernen Gesellschaften dahingegen fast ausschließlich an mo- netären Unterschieden, also der Einkommens- und Vermögenshöhe. Eine weitere Di- mension der materiellen Ungleichheit ist der Besitz eines Menschen, zum Beispiel hat der Besitzer eines Produktionsmittels einen Vorteil gegenüber Nichtbesitzenden8.

Materielle und immaterielle Ungleichheit sind allerdings nicht als einander ausschließend zu betrachten, da manche Dimensionen sich wechselseitig bedingen können, so kann ein hohes Einkommen auch zu größerer Macht führen. Eine umfassende Definition gibt Hradil: ÄSoziale Ungleichheit liegt dann vor, wenn Menschen aufgrund ihrer Stellung in sozialen Beziehungsgefügen von den ‚wertvollen Gütern‘ einer Gesellschaft regelmäßig mehr als andere erhalten“9.

2.2 Dimensionen in Deutschland und deren Indikatoren

Aufgrund der Multidimensionalität der sozialen Ungleichheit und der teilweise nur schwer erfassbaren Immaterialität können nicht alle Dimensionen operationalisiert werden, infolgedessen gibt es teilweise keine offiziellen Statistiken sondern nur nichtamtliche Schätzungen. Diese werden in dieser Arbeit nicht berücksichtigt. Vielmehr wird sich der folgende Vergleich allein auf die messbaren monetären Dimensionen der Einkommens- und Vermögensverteilung und auf die operationalisierbaren immateriellen Dimensionen der Bildungs- und Gesundheitschancen beziehen.

Um die Einkommensverteilung zu ermitteln muss zuerst bestimmt werden, welches Einkommen für eine Berechnung verwendet werden soll10. Meist wird dazu das Nettoäquivalenzeinkommen11 gewählt. Indikatoren der Verteilung sind das arithmeti- sche Mittel12 und der Median des Einkommens. Um die Verteilung des Gesamtein- kommens einer Volkswirtschaft zu veranschaulichen, geben Quantils-/ oder Dezilsanteile Ädarüber Auskunft, welchen Anteil am gesamten Einkommen der Bevöl- kerung ein bestimmter Bevölkerungsanteil auf sich vereinigt“13. Des Weiteren zeigt der Gini-Koeffizient14 an, wie sehr die tatsächliche Einkommensverteilung von einer abso- luten Gleichverteilung abweicht.

Die Dimension der Vermögensverteilung lässt sich ähnlich beobachten wie die Einkommensverteilung. Meist ist das Nettovermögen15 die Grundlage dazu. Die Indikatoren hierbei sind ebenfalls das arithmetische Mittel und der Median des Vermögens sowie der Gini-Koeffizient. Auch lassen sich hier wiederum die Anteile des Gesamtvermögens in einzelnen Bevölkerungsgruppen zeigen.

Liegt eine soziale Bildungsungleichheit bzw. eine ungleiche Verteilung von Bildungs- chancen vor, bedeutet dies, Ädass nicht die Fähigkeiten einer Person für ihr schulisches Fortkommen entscheidend sind, sondern die Herkunft“16. Der erlangbare Bildungserfolg steht hierbei also in Abhängigkeit von der sozialen Herkunft17. Um die Verteilung von Bildungschancen darzustellen untersucht das ÄProgramme for International Student Assessment“ (PISA) daher Äregelmäßig den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Kompetenz“18. Die Darstellung dieses Zusammenhangs wird in dieser Arbeit hauptsächlich der Indikator der Bildungschancenungleichheit sein. Des Weiteren ist die Verteilung der Kinder auf verschiedene Schularten in Bezug auf den höchsten erlangten Schulabschluss der Eltern ein Hinweis darauf, inwiefern der familiäre Hintergrund oder die soziale Stellung der Familie die Schullaufbahn Jugendlicher verändert19.

Mit ungleicher Verteilung der Gesundheitschancen oder gesundheitlicher Ungleichheit sind die Unterschiede im Gesundheitszustand oder der Gesundheitsversorgung bezogen auf den sozialen Hintergrund gemeint20. Die Entwicklung dieser Dimension ist durch einen Vergleich des selbsteingeschätzten Gesundheitszustandes - allgemein oder nach Einkommen - in den Legislaturperioden aufzeigbar. Darüber hinaus gibt es einige weite- re Indikatoren, die in Studien bearbeitet wurden, wie der Gesundheitszustand nach Bil- dung und die Lebenserwartung nach Einkommen, die in dieser Arbeit zwar bearbeitet werden, aber keinen Vergleich darbieten, da sie nicht mehrfach bzw. in den jeweiligen Amtszeiten durchgeführt wurden.

3. Vergleich der Koalitionen: SPD - Bündnis 90/Die Grünen und CDU/CSU - SPD

3.1 Einleitung

Der Vergleich der Regierungskoalitionen soll die unterschiedliche Entwicklung der so- zialen Ungleichheit in den Legislaturperioden von 2002 bis 2009 darstellen. Um einen gerechten Vergleich vornehmen zu können, werden die einzelnen Jahre immer vollstän- dig einer Regierung zugeteilt, auch wenn die Regierung nicht am Anfang oder Ende eines Jahres entstand oder endete. Beiden Koalitionen wird eine Regierungszeit von vier Jahren zugewiesen. Die Entwicklung der sozialen Ungleichheit unter der rot-grünen Koalition wird anhand der Jahre 2002 bis 2005 beurteilt. Das heißt, dass der zweiten Amtszeit unter Schröder (22.10.2002 - 22.11.2005) ungefähr ein Jahr der ersten Amts- zeit zugerechnet wird, da die zweite verhältnismäßig kurz war. Die schwarz-rote Koali- tion unter Angela Merkel (22.11.2005 - 28.10.2009) belegt in der Gegenüberstellung die Jahre 2006 bis 2009.

3.2 Einkommensverteilung

Der Durchschnitt der Mittelwerte des jährlichen Nettoäquivalenzeinkommens lag zwi- schen 2002 und 2009 bei 20.411,- €. Im Jahr 2002 lag dieses Einkommen noch bei 20.575,- €, fiel dann aber im folgenden Jahr um 1,2% Prozent auf 20.328,- € und stag- nierte bis 2005 in diesem Bereich. Im Jahr 2006 sank es erneut, allerdings nur geringfü- gig um 60,- €. Bis 2009 verzeichnete das Einkommen einen Zuwachs von 2,2% auf 20.706,- € im Vergleich zu 2006. Dieses Einkommen war das höchste seit Beginn der Dokumentation 198321. Der Einkommensmedian blieb entsprechend des Durchschnitts dauerhaft ca. 2.000,- bis 3.000,- € unter dem Durchschnitt.

[...]


1 Vgl. Krause, Detlev 2008, S. 686.

2 Schwarz, Anna: Theorien sozialer Ungleichheit 2008, S.3.

3 Burzan, Nicole 2011, S.7.

4 Stefan Hradil (geb. 1946) ist Soziologe und Professor für Soziologie an der Johannes GutenbergUniversität Mainz.

5 Vgl. Burzan 2011, S. 139f. und vgl. Hradil 1987 bzw. Schenk 1999, S.82.

6 Wechsel von Menschen zwischen den Schichten, Ständen od. Klassen einer Gesellschaft.

7 Vgl. Taibi 2010, S.53 und S.77f..

8 Vgl. Burzan 2011, S.15.

9 Hradil, Stefan 1999, S.26.

10 Vgl. Hradil, Stefan 2004, S.202.

11 Nettoäquivalenzeinkommen: Nettowert des Haushaltseinkommens; Summe wird bedarfsgewichtet durch Haushaltsmitglieder geteilt (einziges erwachsenes Haushaltsmitglied Faktor 1; Über 15 Jahre: 0,5; unter 15 Jahre 0,3).

12 Durchschnitt.

13 Hradil, Stefan 2004, S. 204.

14 Gini-Koeffizient: Berechnet die Abweichung von einer absolut gleichen Verteilung des Einkommens. 0 bedeutet, jeder verdient dasselbe. 1 bedeutet, eine Person verdient alles. Also je größer, desto ungleicher.

15 Nettovermögen: Vom Bruttovermögen (Gebrauchsvermögen, Bruttogeldvermögen, Grund-und Hausvermögen, Beteiligung an Unternehmen) werden Schulden abgezogen.

16 Ackermann, Kathrin 2010, S.1.

17 Vgl. Müller/Haun 1994, S.3.

18 Prenzel, Manfred u.a. 2006, S.18.

19 Datenreport 2011, S.55.

20 Datenreport 2011, S.247.

21 Kompletter Abschnitt: SOEPmonitor 2010, S.81.

Details

Seiten
22
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656198949
ISBN (Buch)
9783656200154
Dateigröße
608 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193621
Note
15 Punkte
Schlagworte
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