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Mobiles, kooperatives Lernen mit Tablets in der Grundstufe

Von der Wichtigkeit von Medienkompetenz in der Grund- und Unterstufe. Zur Förderung einer wichtigen Kulturtechnik

Diplomarbeit 2012 61 Seiten

Pädagogik - Medienpädagogik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Hypothese

2. Kulturtechniken im Wandel
2.1 Digitale Welten verstehen und erklären
2.2 Medien so früh wie möglich integrieren
2.3 Medienbildung im Wandel

3. Medienkompetenz in der Grundstufe
3.1 Was ist Medienkompetenz?
3.2 Ziele von Medienkompetenz

4. Mobiles, kooperatives Lernen mit Tablets
4.1 Formen des kooperativen Lernens
4.2 Herausforderungen kooperativen Lernens mit Tablets
4.2.1 Vorteile für den Einsatz von Tablets
4.2.2 Nachteile für den Einsatz von Tablets

5. Umfrage
5.1 Ausgangslage
5.2 Methode und Zielsetzung
5.3 Auswertung
5.3.1 Medienwissen
5.3.2 Mediennutzung
5.3.3 Medienreflexion
5.4 Schlussfolgerungen

6. Praktischer Teil
6.1 Rahmenbedingungen für den Einsatz von Tablets
6.2 Empfehlungen für den Einsatz von iPads im Unterricht
6.3 Unterrichtsideen mit dem iPad
6.3.1 Erste Schritte mit dem iPad
6.3.2 Comicgeschichte
6.6.3 Vorzeichen-Nachzeichnen
6.3.4 Wimmelbuch
6.3.5 Dein Name
6.6.6 Werbeplakat
6.3.7 Mandala
6.3.8 Zwanzigerfeld
6.3.9 Buchstaben zeichnen
6.3.10 Conni Buchstaben
6.4 Apps für den Unterricht
6.5 Links und Literatur

7. Zusammenfassung
7.1 Beantwortung meiner Hypothese
7.2 Abschliessendes Fazit und Ausblick

8. Literaturverzeichnis

9. Abbildungsverzeichnis

10. Anhang

1. Einleitung

«Der Computer arbeitet deshalb so schnell, weil er nicht denkt.» Gabriel Laub, 1928 - 1998

«Ich glaube, es gibt einen weltweiten Bedarf an vielleicht fünf Computern.» sagte IBM- Chef Thomas J. Watson im Jahre 19431. Rund vierzig Jahre später beginnt der Siegeszug des Personal Computers. In den 1980er Jahren wird die mobile Kommunikation für die Menschen immer wichtiger und ab 1993 beginnt in der Schweiz mit dem Natel2 C-Netz die digitale Handy-Gegenwart. In den 90er Jahren verbreiten sich die ersten Taschen- computer und die Entwicklung des World Wide Web beeinflusst die Medien massiv. Heutzutage sind Computer praktisch überall präsent, sei dies in Fahrzeugen, in Kin- derspielzeugen oder gar in Zahnbürsten. Das Internet ist unerlässlich und zur primä- ren digitalen Kommunikationsplattform herangewachsen. Die neue Kommunikation wird immer mobiler, schneller und ist mittlerweile überall und jederzeit verfügbar. So nimmt die Beschäftigung mit digitalen Medien bei vielen Kindern und Jugendlichen inzwischen sehr viel Zeit in Anspruch. Gemäss der JAMES-Studie3 von 2010 nutzen rund 90% der Jugendlichen das Handy, resp. das Internet täglich oder mehrmals pro Woche. Handys sind schon lange zu mobilen Alleskönnern mutiert und ermöglichen als ständige Begleiter den drahtlosen Zugang ins Internet.

Die Fähigkeit, digitale Medien und ihre Inhalte den eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend zu nutzen, ist eine Kompetenz, die für Kinder und Jugendliche in der heutigen Welt unabdingbar ist - genauso wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Den sinnvollen Umgang mit digitalen Medien zu erlernen ist von klein auf ein Teil der Er- ziehung und Bildung in der Familie und Schule. Jugendliche sollen dabei selbst in der digitalen Medienwelt aktiv werden, sich einen Überblick verschaffen und gleichzeitig eine kritische Distanz zu den digitalen Inhalten und Angeboten beibehalten.

Hinweis

Um die Lesbarkeit zu erleichtern, sind Personennennungen in der männlichen Form gehalten und gelten als Kurzform für beide Geschlechter. Auf Anglizismen4 wird weitgehend verzichtet.

1.1 Hypothese

Aufgrund meiner Hypothese «Medienkompetenz ist die fünfte Kulturtechnik.» werden Möglichkeiten und Grenzen von Medienkompetenzentwicklungen für die Unterstufe beleuchtet. Um medienkompetentes Wissen und Fähigkeiten zu vermitteln, brauchen Lehrpersonen selbst die nötigen technischen und didaktischen Kompetenzen, die in einer kleinen Umfrage an den Sonderschulen der Stadt Winterthur untersucht werden. Zudem wird aufgrund einer zeitgemässen Medienkompetenzentwicklung mobiles, kooperativs Lernen mit Tablets untersucht, denn diese Geräte erfahren eine sehr starke Nachfrage an Schulen.

2. Kulturtechniken im Wandel

«Bildung kommt von Bildschirm und nicht von Buch, sonst hiesse es ja Buchung.» Dieter Hildebrandt, 1927 - heute

Kulturtechniken werden als komplexe Anordnung heterogener, kultureller und techni- scher Konzepte betrachtet, in der die Bild-, Schrift- und Zahlbeherrschung, wie auch andere Methoden und Kulturwissen einbezogen sind. Medienkompetenz gehört heut- zutage ebenso dazu wie Lesen, Schreiben und Rechnen (Pawlik 2006, 430). In der Antike wurde die Entwicklung und praktische Anwendung von Techniken zur Urbarmachung des Bodens und der Besiedlung der Erde verstanden. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts verstand man laut Brockhaus (1911, 1033) unter Kulturtechnik fast ausschliesslich «die Lehre von allen mit der Bodenkultur in Verbindung stehenden Ar- beiten, besonders die praktische Vermessungskunst, der Wasserbau und die Kenntnis des landwirtschaftlichen Maschinenwesens.»5 Mit der späteren Erweiterung des Natur- und Kulturbegriffs im 19. und 20. Jahrhundert werden heute zunehmend auch andere menschliche Tätigkeiten und Techniken allgemein als Kulturtechniken bezeichnet oder verstanden. Dazu gehört in den Industrieländern auch die Medienkompetenz, denn wir leben in einer zunehmend medialisierten Welt.

Die Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen sind Voraussetzungen für einen kompetenten Umgang mit digitalen Medien. Besonders ohne Lesen und Schreiben geht in den neuen Medien so gut wie gar nichts. Wer nicht lesen kann, ist kaum in der Lage, Medien Informationen zu entnehmen oder weiterzugeben. Wer nicht schreiben kann, dem bleibt zumindest die schriftbasierte Kommunikation verschlossen. Doch mit Le- sen und Schreiben allein können digitale Medien nicht sinnvoll und nicht vollständig genutzt werden. Ausreichendes Medienwissen, adäquate Mediennutzung und ständi- ge Medienreflexion müssen gelernt und angewendet werden, um sich in digitalen Wel- ten zu bewegen und nicht zu verlieren.

2.1 Digitale Welten verstehen und erklären

Mediale Angebote eröffnen neue Welten. Die Gefahr, Mangelerscheinungen an realen Erfahrungen zu erleben ist dabei gross. Die klare Unterscheidung zwischen medialen und natürlichen Erfahrungen ist heute zunehmend schwieriger. So geht Hurrelmann (1994, 395) davon aus, dass Alltagserfahrungen sowohl durch kognitive und biologi- sche Voraussetzungen, als auch durch direkte soziale Prozesse beeinflusst werden. Ein zu starker Konsum von medialen Angeboten kann nicht nur negative Einflüsse auf die kognitive Entwicklung von Kindern haben, sondern auch soziales Handeln beeinträch- tigen (Spitzer 2011, 281).

Spannt man den Bogen weiter, wird deutlich, dass diese Erkenntnisse Konsequenzen für die Lehr- und Lernprozesse zur Folge haben werden. Ein Klassenzimmer ohne di- gitale Medien und Zugang zu medialen Welten ist heute kaum mehr vorstellbar. Es muss also zunehmend eine «Realität» erklärt werden, ohne direkt reale Erfahrungen machen zu müssen. So können Tiere, Gegenstände, Zahlen, Buchstaben und andere beliebige Lerninhalte über Bildschirme vermittelt werden, ohne sie je direkt erfahren zu haben.

In der heute zunehmend medialisierten Welt treffen zwei Generationen aufeinander, wie sie Prensky beschreibt. Der von Prensky (2001, 1) geprägte Begriff «digital Natives» hat sich für die Generation ab Jahrgang 1980 und jünger etabliert, die mit digitalen Technologien aufgewachsen sind. Die vor 1980 Geborenen werden auch als «Digital Immigrants» bezeichnet, sind heute erwachsen und als Lehrpersonen in Schulen anzu- treffen. Digital Natives haben tendenziell einen unkomplizierten Umgang mit Informa- tionen und persönlichen Daten in sozialen Netzwerken und gehen allgemein spieleri- scher mit dem Internet um. Eine Welt ohne digitale Kommunikation ist für sie kaum mehr vorstellbar. Doch der Eindruck kann oft auch täuschen. Die Digital Natives haben oftmals auch naive Vorstellungen von digitalen Welten und ihren Regeln. Auch wenn sie Geräte und Anwendungen technisch beherrschen, sind sich Kinder und Jugendli- che der Konsequenzen ihres Verhaltens in digitalen Welten in der Regel nicht bewusst. Lehrpersonen sind gefragt, medienkompetentes Handeln zu vermitteln, auch wenn sie von Prensky (2001, 2) als «Digital Immigrants» beschrieben werden, die nicht in digita- len Medienwelten aufgewachsen sind, sondern sich immigrieren müssen, damit sie diese Welten verstehen lernen. Die weitreichenden Schwierigkeiten sind bekannt. Kinder in der Unterstufe kommen mit digitalen Medien in die Schule und pflegen bereits einen Umgang, den Lehrpersonen wie auch Eltern gar nicht mehr einzuschätzen, abzuschätzen oder zu beurteilen vermögen. Und gleichzeitig sind sie angehalten, einen adäquaten Umgang zu vermitteln.

2.2 Medien so früh wie möglich integrieren

Medienbildung bereitet auf das Leben in einer mobilen und zunehmend technisierten und medialisierten Welt vor. Welches Wissen und welche Fertigkeiten sollen in der Schule vermittelt werden? Wie lässt sich Medienkompetenz im Unterricht fördern? Ein Vergleich mit der Verkehrserziehung illustriert, dass es in beiden Aufgabenfeldern mehr als einen Führerschein braucht. Ziele und Ansprüche einer Medienbildung gehen allerdings weiter als nur deren Umgang zu verstehen, denn Medien beeinflussen unser Denken und Fühlen und wirken sich stark auf schulisches Lehren und Lernen aus.

Wie die Medienwelt stellt auch der Verkehr ein komplexes von Technik geprägtes Ge- bilde dar. Damit wir uns in dieser künstlichen und sich verändernden Umwelt zu- rechtfinden und kompetent bewegen können, müssen wir uns von klein auf mit ver- schiedenen Transportmitteln, Regeln und Symbolen vertraut machen. Bewegen wir uns durch den dichten Strassenverkehr, wird unser Verhalten von unzähligen Fähigkei- ten und Fertigkeiten gesteuert, welche wir bereits im Kindergartenalter begonnen ha- ben zu lernen.

Auch in einer von Medien durchsetzten Welt ist daher Medienbildung von klein auf nötig. Wie man den Computer aufstartet, sich mit dem Internet verbindet oder Daten herunterlädt, haben Kinder schnell begriffen. Aber es fehlt es ihnen am nötigen Über- blick, an solidem Hintergrundwissen und einem tieferen Verständnis für die Folgen medialer Aktivitäten. Bilder und Informationen, die beispielsweise auf Sozialen Netz- werken6 ins Internet gestellt werden, vergisst das Internet nie. Problematisch wird es

zudem, wenn durch eigene Medienbeiträge die Privatsphäre, gesellschaftliche Tabus oder Urheberrechte verletzt werden. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Medien schliesst Selbstbestimmung, Umweltverträglichkeit und gegenseitige Rücksichtnahme mit ein.

Um also selbst medienkompetent zu sein, müssen wir die im Strassenverkehr nötigen Kompetenzen7 bereits früh lernen und integrieren. Bereits vor 10 Jahren forderte Silvia Näger «... dass Medienerziehung im Kindergarten nicht spezialisiert und losgelöst stattfinden sollte, sondern in die alltäglichen pädagogischen Bemühungen und in ein pädagogisches Gesamtkonzept eingebunden gehört.» Näger (1992, 25)

2.3 Medienbildung im Wandel

Die Volksschule des Kantons Zürich behandelt Medienerziehung und Informatik als getrennte Unterrichtsgegenstände. Der Lehrplan «Medienerziehung» stammt aus dem Jahre 1991 und bezieht sich vorwiegend auf traditionelle Medien wie Presse, Radio und Fernsehen. Den technischen Umwälzungen und der Mediasierung unserer Gesell- schaft wird er deshalb nur teilweise gerecht. Anfangs der 1990er-Jahre entstand daher der Lehrplan «Informatik» als Reaktion auf die rasche Verbreitung der neuen, digitalen Medien. Aus heutiger Sicht kann es irritieren, dass zu einem Thema zwei separate Lehrpläne vorliegen. Die Gründe dafür finden sich jedoch in der rasanten technischen Entwicklung, die immer wieder neue Fragen zur Umsetzung von Medienbildung her- vorruft. Eine stetige Auseinandersetzung mit digitalen Medien setzt sich heute immer mehr durch, anstatt statische Lehrpläne zu schreiben oder auf sie zurückzugreifen, die nach kürzester Zeit sowieso veraltet sind. Daher ist eine stetige Auseinandersetzung von medialen Angeboten und Inhalten für Lehrpersonen wichtig, damit sie die nötigen Medienkompetenzen vermitteln können.

3. Medienkompetenz in der Grundstufe

«Wenn mal etwas nicht auf Anhieb funktioniert, bedenken Sie immer: Ein Computer ist von Natur aus eine dumme Maschine.»

Verfasser Unbekannt

Das Thema Medien in der Unterstufe zu vernachlässigen oder gar auszuschliessen, hat heute etwas Unrealistisches an sich, denn die meisten Kinder bringen Medienerlebnis- se und Medienerfahrungen in die Schule ein, egal ob sie erwünscht sind oder nicht. Kinder sind aktiv und fasziniert von medialen Angeboten, mit denen sie aber aufgrund ihres Alters und Entwicklungsstandes nicht allein gelassen werden dürfen und - nach Edler (2004, 14) - medienpädagogische Unterstützung brauchen. Will von «zeitgemäs- ser Erziehung» gesprochen werden, die sich an den Bedürfnissen der Kinder orientiert und ausrichtet, dann muss digitalen Medien ein Platz eingeräumt werden, wie es Mo- ser (1995) vorschlägt: «Alle Erziehung ist auch Medienerziehung» (24).

Die Notwendigkeit der Vermittlung von Medienkompetenz in der Grundstufe wird erkennbar, wenn man die weitreichenden Folgen bei Kindern mit Suchtverhalten und Entzugserscheinungen studiert.

Kinder kommen mit vielfältigen Medienerfahrungen in die Schule und besitzen bereits medienkompetentes Wissen und Verhalten, das sie durch die alltäglichen Situationen in ihrer Familie lernten. Diese individuellen Erfahrungen reichen jedoch für eine adäquate und umfassende Medienkompetenz nicht aus, die deshalb durch eine systematische Medienerziehung bereits in der Grundstufe ergänzt werden muss.

3.1 Was ist Medienkompetenz?

Eltern und Lehrpersonen fühlen sich oft unsicher oder überfordert und fragen sich, wie viel Medienzeit und welche Medieninhalte gut für die Kinder sind oder wann es zu Gefährdungen kommen kann. Manche Eltern würden sich wünschen, ihre Kinder möglichst von den Einflüssen der Medien abschirmen zu können, um sie in einer «hei- len» Welt aufwachsen zu lassen. Das ist weder möglich noch sinnvoll, denn Medien bieten auch viele Anregungen zur Entwicklung. Zudem sollen Kinder dazu befähigt werden, sich sicher in den medialen Welten zu bewegen und eine Balance zwischen direkten und medienvermittelten Erfahrungen zu finden - kurz gesagt: sich Medien- kompetenz anzueignen.

Eine «Kompetenz» bedeutet die Fähigkeit, bestimmte Aufgaben selbstständig zu meis- tern. Medienkompetenz - also jene Kompetenz mit Medien umzugehen - hat in den letzten Jahren in vielen wissenschaftlichen Diskursen einen Aufschwung erlebt. Die Inanspruchnahme verschiedenster Deutungen liess ihren Wert allerdings schwammig erscheinen, wie viele Wissenschaftler der Medienpädagogik kritisieren. «Medienkom- petenz» bezog sich lange Zeit auf die rein «technische Kompetenz». Darunter verstand man die Fähigkeit, verschiedenste Medien auch bedienen und nutzen zu können. Bi- ckelmann (2002 18).

Medienkompetenz gilt heute als «kommunikative Kompetenz» Baacke (1973), welche Mikos (1999), wiederum als Teil einer «sozialen und kulturellen Handlungskompetenz» (23) betrachtet. Es handelt sich also um eine Kompetenz die verschiedene Fähigkeiten beinhaltet und als eine sich immer weiter entwickelnde Fähigkeit verstanden werden kann. Mikos (2004, 29).

Medienkompetenz bedeutet somit ein bewusster und besonders verantwortungsbewusster Umgang mit Medien. Dazu gehört das Wissen, wie man die eigenen Bedürfnisse mit Medien erfüllen kann, aber auch das kritische Hinterfragen der Medien und des eigenen Nutzungsverhaltens.

Dieter Baackes Definition von Medienkompetenz aus den 1990er Jahren hat sich bis heute allgemein durchgesetzt. Er unterschied zwischen den Dimensionen Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung, die umfassend Medienkompetenz beschreiben sollen.

Abb. 1: Operationalisierung von Medienkompetenz nach Prof. Dr. Dieter Baacke

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Abbildung zeigt das Konzept der Operationalisierung der Medienkompetenz. Baacke beschrieb Medienkompetenz als Einheit von 4 verschiedenen Dimensionen der Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung und Mediengestaltung.

Dennoch gestaltet sich eine einheitliche Definition des Begriffs der «Medienkompetenz» schwierig, denn sie wird als umfassender Begriff verwendet, für den es unterschiedliche Definitionen gibt. Der Zürcher Lehrplan beispielsweise gliedert Medienbildung in die Bereiche Medienwissen, Mediennutzung und Medienreflexion.8 Um Medienkompetenz explizit erklären zu können muss der Begriff «Medien» und die damit verbundenen vielfältigen Fähigkeiten definiert werden. Selbst dies ist sehr schwierig aufgrund der Vielzahl unterschiedlicher Medien, die wiederum unterschiedliche Fähigkeiten und Fertigkeiten erfordern.

3.2 Ziele von Medienkompetenz

Baacke (1997, 54) definiert zwei Ziele der Medienkompetenz:

1. Neue Medien müssen umfassend genutzt werden, um sie als hilfreiche Instrumente nutzen zu können (Mediennutzung).
2. Es muss eine kritische Auseinandersetzung gegenüber unterschiedlichen Informati- onen und Medien erarbeitet und gepflegt werden.

Schell (1999, 23) definiert drei andere Ziele der Medienkompetenz:

- Fähigkeit zur Kommunikation mit neuen Medien
- Produktion und Gestaltung eigener audiovisueller Medien
- Kenntnis der technischen und organisatorischen Bedingungen

Auffällig ist dabei, dass Schell besonderen Wert auf die Handhabung und Nutzung der Medien legt. Der Aspekt der kritischen Betrachtungsweise gegenüber Medien erwähnt er nicht.

Erwachsene gelten in unserer Gesellschaft gerne als wissende und kompetente Men- schen, die Kinder und Jugendlichen in ihrer Entwicklung unterstützten und unterrich- ten sollen. Auch im medienpädagogischen Bereich ist dieses Erziehungsbild noch sehr stark verankert. Dies hat zur Folge, dass Erwachsene grundsätzlich als medienkompetent gelten und dies den Kindern zu vermitteln haben. Welche Kompe- tenzen sie in diesem Zusammenhang aber besitzen nennt Geretschläger (2005) so: «Medienkompetentes Verhalten legt jemand an den Tag, wenn er Medien und deren Botschaften bewusst wahrnehmen, inhaltlich einordnen und im Hinblick auf deren Präsenz und Bedeutung in der Gesellschaft, in der Politik, im Leben des Einzelnen ein- schätzen kann, eigenverantwortlich und in Verantwortung für andere Zielgruppen nutzt und aktiv einsetzt, um den eigenen Standpunkt zu verdeutlichen und zu vertreten» (67).

Geht man von diesen Voraussetzungen aus, wird deutlich, dass viele Erziehende sol- che Kompetenzen gar nicht aufweisen. Gründe für fehlende Medienkompetenz kön- nen dabei vielfältig sein: Wie ihre Kinder, kommen Erziehende aus unterschiedlichen sozio-kulturellen Schichten und konnten dadurch zum Teil nur unzureichende Medi- enkompetenzen entwickeln. Die Generation der «digital Immigrants» ist mit anderen Medien aufgewachsen und kann Kompetenzen in Zeiten rasanter Computerentwicklungen nur sehr schwer oder gar nicht mehr entwickeln (Prensky 2001, 2).

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass es aufgrund der komplexen und vielschichtigen Ausprägung des Begriffs Medienkompetenz nicht reicht, zu wissen wie man einen Computer ein- und ausschaltet. Um Medienkompetenz zu erlangen sollte man die Medien kennenlernen und nutzen, sowie sich in der Medienwelt orientieren. Dazu ist die Teilnahme an medialer vermittelnder Kommunikation und sowie eine kri- tische Distanz zu Medien eine Voraussetzung. Insbesondere dieser Punkt ist meiner Meinung nach entscheidend, um sich einerseits sicher und andererseits adäquat in Medienwelten zu bewegen.

[...]


1 Quelle: Ute Dorau und Peter Woeckel, «Jobreport Informationstechnologie», München 2001

2 NATEL steht für „Nationales Autotelefon und ist ein geschützter Name der Swisscom. Natel wird nur in der Schweiz verwendet und verstanden.

3 Quelle: swisscom/james

4 Als Anglizismus wird der sprachliche Einfluss der englischen Sprache auf andere Sprachen bezeichnet.

5 Vgl. Dünkelberg 2 Bde., 1883, Vogler 3. Aufl., Bd. 1, 1903.

6 Ein Social Network, bzw. soziales Netzwerk ist eine Verbindung von Menschen im Internet. Dabei handelt es sich um Netzwerke, bei denen die Benutzer gemeinsam oder allein Inhalte erstellen und teilen. Das weltweit grösste soziale Netzwerk mit geschätzten 900 Millionen Mitgliedern ist Facebook (Stand April 2012) Quelle: Wikipedia

7 Der Kompetenzbegriff geht u.a. zurück auf Wolfgang Klafkis Kompetenzmodell (1929 - heute). Gemeint ist damit die Fähigkeit, Fertigkeit und Bereitschaft, in bestimmten Gebieten Probleme zu lösen.

8 vgl. Dossier Medienkompetenz. Aktiver Unterricht rund um die Medien. Pädagogische Hochschule Zürich. 2009

Details

Seiten
61
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656192848
ISBN (Buch)
9783656193449
Dateigröße
2.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193579
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Zentralschweiz, Hochschule Luzern
Note
5,7 (1,3)
Schlagworte
iPad Kooperatives Lernen mobiles Tablet

Autor

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