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The99 – Islamischer Comic?

Eine kultur- und religionswissenschaftliche Analyse am Beispiel der 1. Ausgabe der arabischen Comicserie The99

Studienarbeit 2012 20 Seiten

Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung und Entstehungsgeschichte von The99

2. The99 - Religiöser islamischer Comic?

3. Die Sprache des Comics - islamisch?

4. Kritik

5. Resümee

Literaturverzeichnis

1. Einführung und Entstehungsgeschichte von The99

The99 ist eine Comicreihe, die seit Sommer 2006 monatlich in der arabischen Welt auf Arabisch und Englisch erscheint. Schöpfer des Comics ist Dr. Naif Al-Mutawa. Er ist zudem auch der CEO von Teshkeel Media Group, welche die Comics erstellt und in der arabischen Welt vertreibt. Zudem wird geplant die Comics auch in Indonesien und in der Türkei anzubieten. Nach dem Wall Street Journal ist das Angebot für den ganzen islamischen Markt neu:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten1

Der Psychologe Dr. Naif Al-Mutawa hatte in der arabischen Welt die Beobachtung gemacht, dass arabische Kinder keine altersgerechte Helden kannten. Er machte die Erfahrung, dass die Märtyrer und andere Kriegshelden diese Lücke füllten, die den Krieg ins Zentrum der Kinder rückten. Dr. Naif Al-Mutawa wollte das ändern und überlegte sich, ob keine kulturspezifischen Helden geschaffen werden könnten, mit denen sich diese Kinder identifizieren können. Arabische Kinder sollten nicht nur Comics fremder Kulturen lesen, wie etwa Superman oder Batman, mit denen sie sich nicht identifizieren konnten, sondern auch arabische. Inhalt des Comics soll die arabisch-islamische Kultur und Geschichte sein. Der Kuwait Clientele schreibt hierzu:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten2

The99 lehnt aber das nicht-arabische Kulturgut nicht ab; er verfolgt eher die Philosophie beide Kulturlandschaften und Menschen beider Kulturen näher zu bringen. Dabei soll die Kunst, in seinem Fall in Comic-Form, dieses Ziel fördern. Dr. Naif Al-Mutawa wollte diese Idee nicht auf die arabische Landschaft beschränken und gab dem Comic eine islamische Identität, auch wenn diese Idee nicht weniger wirtschaftlich geleitet war. Er sagt in einem Zeitungsbericht:

Ich bin nicht naiv. Wären es die 98 Superhelden oder die 101, würde sich keiner für die Geschichte interessieren.3

Nach Medienberichten zufolge soll diese durch den Islam und den 99 Namen Gottes inspirierte Comicserie der islamischen Welt eigene Superhelden schaffen und den Kindern islamische Werte näher bringen. Der TIME schreibt dazu:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten4

Durch diese Arbeit erhofft sich Naif Al-Mutawa den Abbau und das Entgegenwirken von extremistischen Einflüssen auf arabischen Kindern. Diesbezüglich spricht Naif Al-Mutawa zu einer amerikanischen Zeitung Folgendes:

My conviction, my mission, is based on the belief that the only way to beat extremism is through arts and culture5

2. The99 - Religiöser islamischer Comic?

Die Frage, wann etwas religiös oder gar islamisch ist und wann nicht, ist keine leichte Frage, sei es aus Sicht der Religionswissenschaften oder aus Sicht der Kulturforschung.

The99 wird in den Medien als ein islamischer Comic mir islamischen Superhelden dargestellt. The99 ist durchaus voll von religiösen Motiven. Viele Bilder des Comics erinnern den europäischen Betrachter an den Islam: Bilder von Moscheen, die Kaba, Frauen mit Kopftuch. Einige Bilder aus dem Comic als Beispiele sollen dies belegen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten7

Die als Beispiel ausgewählten Bilder zeigen uns Superhelden mit Kopftüchern und ein Treffen in der Kaba. Die Figur Samda ist aus Libyen und Mujiba aus Malaysia. Die folgende vollverschleierte Figur heißt Batina und kommt aus Yemen. Durch Vergleich der Figuren mit Einbezug der Herkunftsländer erkennt man, dass Naif Al-Mutawa seine Figuren nach den kulturellen Kontexten ihrer Heimatländer gestaltet, was eine kulturbedingte und nicht eine religiöse Auswahl nahe legt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Links: Helden mit Kopftuch: Samda und Mujiba

Oben: Ein Treffen in der Kaba im Hajj

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten8

Dass im Comic islamisch geprägte Kleidung keine Oberhand hat, ist unbestreitbar. Die meisten Figuren sind eher westlich als islamisch gekleidet. Aus dieser Tatsache heraus, scheint es aus der alleinigen Analyse der Bilder und Figuren nicht berechtigt, den Comic als islamisch einzustufen, denn auch durch Naif Al-Mutawa wird stets hervorgehoben, dass der kulturelle Kontext der arabischen und islamischen Welt einbezogen werden soll. Aus dieser Absicht heraus ist es nur konsequent auch verschleierte und kopftuchtragende Frauen einzubeziehen. Ansonsten würde es sich nicht viel von gewöhnlichen Comics aus den Vereinigten Staaten oder Japan unterscheiden.

Beispiele von Figuren mit westlichem Charakterzug:

[...]


1 The99 (2011): The99 Al-Bidāya. 1.Auflage.Safat, Kuwait: Teshkeel,74.

2 The99 (2011): The99 Al-Bidāya. 1.Auflage.Safat, Kuwait: Teshkeel,74.

3 http://www.sueddeutsche.de/kultur/islamische-superhelden-comics-burka-statt-batmobil-1.786895

4 The99 (2011): The99 Al-Bidāya. 1.Auflage.Safat, Kuwait: Teshkeel,74.

5 http://www.timesunion.com/entertainment/article/99-superheroes-not-on-U-S-TV-2219571.php

7

6 The99 (2011): The99 Al-Bidāya. 1.Auflage.Safat, Kuwait: Teshkeel.

7 The99 (2011): The99 Al-Bidāya. 1.Auflage.Safat, Kuwait: Teshkeel.

8 The99 (2011): The99 Al-Bidāya. 1.Auflage.Safat, Kuwait: Teshkeel.

Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656191230
ISBN (Buch)
9783656192015
Dateigröße
2.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193536
Institution / Hochschule
Universität Bayreuth – Arabische und Islamische Kultur- und Sprachstudien
Note
Schlagworte
The99 Islamischer Comic

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Titel: The99 – Islamischer Comic?