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Die romantische Erzählstruktur in Ludwig Tiecks Werk "Der blonde Eckbert"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 12 Seiten

Germanistik - Literaturgeschichte, Epochen

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Erzählstruktur des Blonden Eckbert

3. Die poetische Welt im Blonden Eckbert – Vorbemerkung zur Analyse
3.1 Analyse I: Die poetische Welt. Homogene und heterogene Merkmale
3.2 Analyse II : Die poetische Weltkonzeption der Binnengeschichte

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der blonde Eckbert von Ludwig Tieck ist ein Märchen mit einer besonderenStruktur romantischen Erzählens – ein Gefüge aus Rahmen und Binnengeschichte. Genau dieses Konstrukt gilt es näher zu betrachten.

Es soll anhand poetischer Merkmale in einer Analyse aufgezeigt werden, welcher Weltkonzeption Der blonde Eckbert folgt. Damit die Untersuchung auf einer Basis aufbauen kann, wird zunächst die Erzählstruktur des als Märchen ausgewiesenen Textes erfasst, um später darauf zurückgreifen zu können. Anschließend folgt die Analyse in zwei Teilschritten. Hierbei gilt es besonders die Aspekte der homogenen sowie heterogenen Welt und der Poezität der Binnenerzählung in Bezug zum Aufbau des Werkes zu setzen, um abschließend eine Antwort auf die aufgeworfene Thematik zu geben.Die eigentliche Konzeption der poetischen Welt im Blonden Eckbert geht grundlegend von der Verschmelzung einer homogenen und heterogenen Welt sowie deren Beziehung zueinander, innerhalb des erzählten Geschehens, aus. Dies versucht der erste Analyseschritt darzulegen.Mit „homogener Welt“ wird der Typ einer erzählten Welt bezeichnet, in der das „zugrunde liegende System von Möglichem, Wahrscheinlichem und Notwendigem jeweils einheitlich ist“, hingegen „eine heterogen erzählte Welt […] zwei gänzlich unterschiedliche Systeme von Möglichkeiten in sich vereint.“[1] Demnach unterwirft sich eine homogene Welt nur einem System[2]. Ein heterogenes Weltkonzept hingegen unterliegt zwei Arten von Systemen, mit der sich auch zwei Ebenen von Möglichkeiten oder auch zwei Realitäten eröffnen. Meist handelt es sich hierbei um die Vermischung von realen Regeln in der fiktiven Welt und ‚phantastischen‘ Elementen, die es so nicht gibt. Diese beiden Definitionen wurden gewählt, da im Blonden Eckbert jeweils beide Aspekte zum Tragen kommen, was im weiteren Verlauf der Analyse konkreter dargestellt wird.

Da diese beiden Begriffe allein nicht ausreichen, um den Untersuchungsgegenstand explizit darstellen zu können, werden weitere Aspekte, die mit diesen Weltkonstellationen einhergehen, hinzugezogen.

Ein weiteres, poetisches Element ist die Binnenerzählung – der zentrale Punkt im zweiten Analyseabschnitt. Es ist gewählt worden, da es eine prägnante Rolle innerhalb des Handlungsgeschehens spielt. Erst die Binnenerzählung, die Lebensgeschichte Berthas, hat die Frage nach dem poetischen Weltkonzept sowie der Verschmelzung von homogener und heterogener Welt aufgeworfen. Die Binnenerzählung „[entwirft] zwar – und auch dies mitunter nur zum Schein – eine von der Rahmenhandlung unterschiedene fiktive Welt […]“[3] Das bedeutet, dass sich die Binnengeschichte meist von der Rahmenhandlung auf der Handlungsebene, die erzählt wird,in narrativer Hinsicht zu unterscheiden versucht. Hier lässt sich zusätzlich der Aspekt der uniregionalen sowie pluriregionalen Welten anschließen.[4] Beide Begriffe sind im Grunde ihrer Definition ähnlich der homogenen und heterogenen Welt, wobei Geschichten mit Binnenerzählung oftmals die Tendenz zu pluriregionalen Welten besitzen, Welten mit mehr als einem System sind.[5] Eine Unterscheidung erfolgt deswegen, da Homogenität bzw. Heterogenität den Text als Ganzes umfasst, diesen somit in ein Weltensystem einbettet. Das uni– sowie pluriregionale Weltensystem hingegen bezeichnet einzelne Abschnitte eines Textes, in denen entweder nur ein einziges System von einer Welt dargestellt wird bzw. mehrere Weltensysteme entwickelt werden. Pluriregionalität ist oft bei Erzähltexten mit einer Binnengeschichte vorherrschend und typisch für romantisches Erzählen.[6]

2. Die Erzählstruktur im Blonden Eckbert

Damit das Konzept der poetischen Welt in Ludwig Tiecks Märchen Der blonde Eckbert untersucht werden kann, wird die Analyse der Erzählstruktur vorangeschaltet, auf die die Analyse der Poezität des Textes zurückgreifen wird.

Zunächst wird der Discours im Blonden Eckbert nach den Darstellungskriterien von Matias Martinez, Martin Scheffel, Wolf Schmid sowie Fotis Jannidis betrachtet[7]. Hierbei gilt es kompakt die Zeit, den Modusund die Stimmeinnerhalb des Textes komprimiert darzustellen.

Zu Beginn folgt das Geschehen im Blonden Eckbert einer chronologischen Ordnung, wobei durch Berthas Erzählung ihrer Lebensgeschichte diese Ordnung durch eine extern partielle Analepse unterbrochen wird. Diese Anachronie dauert bis zum Ende der Erzählung Berthas an. Danach läuft das Geschehen wieder chronologisch weiter. Beide Erzähleinheiten sind raffend erzählt. In Berthas Lebensgeschichte wird dies beispielsweise durch die Raffung von mehreren Jahren verdeutlicht[8]

[...]


[1] Martinez, Matias; Scheffel, Michael: Einführung in die Erzähltheorie. 8. Auflage. Verlag C. H. Beck: München 2009. S. 127.

[2] Als System sind in diesem Zusammenhang die Regeln gemeint, nach der eine Welt konzipiert ist und durch welche sie funktioniert – beispielsweise die Regeln der Physik oder Regeln, die denen unserer realen Welt fremd sind, wie die Existenz von Fabelwesen.

[3] Vgl. Beck, Andreas: Geselliges Erzählen in Rahmenzyklen. Goethe – Tieck – E.T.A. Hoffmann. Heidelberg: Universitätsverlag Winter 2008. S. 30.

[4] Martinez, Scheffel 2009 vgl. S. 127.

[5] Ebenda.

[6] Ebenda.

[7] Vgl. http://www.li-go.de/definitionsansicht/prosa/erzaehltextanalyse.html. 22.08. 2011. 13:00 Uhr.

[8] Vgl. Tieck, Ludwig: Der blonde Eckbert. Der Runenberg. Stuttgart: Reclam Verlag 2002. S 12: „Vier Jahre hatte ich so mit der Alten gelebt […]“.

Details

Seiten
12
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656191278
ISBN (Buch)
9783656192046
Dateigröße
478 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193495
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Deutsche Philologie
Note
1,0
Schlagworte
Ludwig Tieck Romantik Erzähltextanalyse Der blonde Eckbert poetische Welt

Autor

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Titel: Die romantische Erzählstruktur in Ludwig Tiecks Werk "Der blonde Eckbert"