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Das Konzil von Konstanz in der Krise

Das rettende Dekret Haec Sancta und die unumgängliche Frage nach dessen Verbindlichkeit

Seminararbeit 2012 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Krise von Konstanz

3. Forschungsdiskussion

4. Quellenanalyse
4.1 Die Überlieferungsverhältnisse
4.2 Inhaltsübersicht
4.3 Interpretation

5. Kurzer Ausblick auf den weiteren Konzilsverlauf

6. Zusammenfassung

7. Quellen- und Literaturverzeichnis

8. Anhang: Das Dekret Haec Sancta

1. Einleitung

Forschung ist seit jeher ein Prozess. Davon ist die Geschichtsforschung natürlich nicht ausgeschlossen. Theorien werden aufgestellt und durch andere ersetzt. Hat der Historiker mit dem Mittel der Quellenkritik doch ein solides Handwerkszeug an seiner Seite, so gibt es doch bei der Interpretation Quelle und deren Einordnung in einen größeren Zusammenhang allerhand Raum für unterschiedliche Definitionen. Man muss sich auch mit dem Gedanken abfinden, dass einige Fragen vielleicht nie klären lassen oder immerhin leise Zweifel an der allgemeinen Lehrmeinung bleiben.Bei meiner Suche nach einem Thema für meine Seminararbeit bin ich eher zufällig auf das Konstanzer Dekret HaecSancta gestoßen und musste erstaunt feststellen, dass die Meinungen der Historiker bezüglich dessen Aussagegehalts doch erstaunlich weit auseinanderdriften.Damit war mein Interesse geweckt, zumal mir das Thema einen guten Einblick in den historischen Forschungsprozess bietet, der sich mir, als Geschichtsstudent im ersten Semester ja erst noch erschließen muss. In meiner Seminararbeit werde ich im Folgendendie Krise und damit den historischen Kontext des Dekretes HaecSancta skizzieren und mich im Anschluss an dessen Analyse wagen.Dabei werde ich auch auf die Frage nach dessen Verbindlichkeit eingehen - einer Frage an der sich die „Geister scheiden“.

2. Die Krise von Konstanz

Für die Analyse einer Quelle ist es unerlässlich, diese in den historischen Zusammenhang einzuordnen. Ich werde in diesem Gliederungspunkt versuchen, die Schritte die zur Krise des Konstanzer Konzils von 1915 und somit zum Erlass von HaecSancta geführt haben.

Das Konzil von Pisa, welches 1409 zusammengetreten war, hatte Gregor XII. und Benedikt XIII. zu Häretikern erklärt, sie für abgesetzt erklärt und mit Alexander V. einen neuen Papst gewählt, dem schon ein Jahr später Johannes XXIII. folgte. Da sich Gregor und Benedikt weigerten, dies anzuerkennen, entwickelte sich die anfängliche „verruchte Zweiheit“ zur „verfluchten Dreiheit“.[1] Zwar waren ihre Obedienzen geschrumpft, doch konnte Gregor anfangs auf König Ruprecht und damit einige deutsche Bistümer und die Pfalz sowie auf Neapel, Venedig und den Herzog Malatesta von Rimini zählen. Benedikt hingegenwurde noch durch Schottland, Aragon und Kastilien getragen. Vor allem Gregor verlor an Einfluss, als schließlich Neapel von ihm abfiel und sich nach der Thronbesteigung Sigismunds, das gesamte deutsche Reich hinter dem Pisaner Papsttum versammelte.[2] Nichtsdestotrotz war die Einheit der Kirche noch nicht erreicht und es war vor allem König Sigismunds Eingreifen, welches eine endgültige Lösung des Schismas in Aussicht stellte. Ende Oktober 1413 einigte er sich mit Papst Johannes XXIII. darauf, ein neuerliches Konzil zur Bereinigung des Schismas abzuhalten. Dabei setzte Sigismund Konstanz als Austragungsort durch, da es zentral im christlichen Abendland und zugleich innerhalb seines Einflussbereiches lag. Dabei nutzte Sigismund, die Zwangslage Johannes‘ aus, welcher durch Ladislaus von Neapel aus Rom vertrieben und auch in Florenz abgewiesen worden war. Sowohl Johannes als auch Sigismund luden nach Konstanz ein, sodass auch den Obedienzen Gregors und Benedikts die Teilnahme am Konzil ohne Aufgabe ihrer Rechtsstandpunkte ermöglich wurde.[3]

Johannes erhoffte sich in Konstanz eine Weiterführung des Pisanums und eine Bestätigung seines Amtes.[4]

Das Konzil wurde am 5. November 2014 feierlich eröffnet und sogleich in den ersten Wochen stellte sich heraus, dass nicht alle die Vorstellungen des Pisaner Papstes zur Bewältigung des Schismas teilten.Zwar konnte er auf einen Großteil der Italiener zählen, welche unbedingt an Johannes XXIII. als obersten Hirten festhalten wollten, wohingegen sich Andere, darunter die französischen Kardinäle d’Ailly und Fillastre für einen Rücktritt aller drei Päpste aussprachen. Sigismund, der erst am 24. Dezember auf dem Konzil eintraf, stellte sich auf deren Seite.[5] Am 6. Februar 1915 wurde dann die Entscheidung getroffen, das Konzil nach Nationen tagen und abstimmen zu lassen.[6] Angelehnt an das Einteilungsprinzip der Studenten und Professoren an mittelalterlichen Universitäten, darf man dies nicht mit einem Durchbruch des Nationalitätenprinzips verwechseln. Der deutschen Nation gehörten nämlich ebenso Skandinavier wie Polen, Tschechen Dalmatiner und Ungarn an[7]. Johannes musste zur Kenntnis nehmen, dass die anfängliche Übermacht seiner italienischen Anhänger gebrochen war und auch die Gesandtschaften Benedikts und Gregors von Sigismund als eine Päpstliche empfangen wurden.[8] Schon davor waren Anklagen gegen den Konzilspapst Johannes XXIII. aufgrund seines Lebenswandels erhoben worden.[9] So erklärte sich Johannes am 08. März zum Rücktritt bereit, sofern die anderen Päpste dies auch täten. Generell setzte man aber darauf, dass die Päpste zu einem freiwilligen Rücktritt zu bewegen. Man hatte nicht vor sie wie in Pisa der Häresie zu überführen und abzusetzen.[10]

Doch als Johannes XXIII. in der Nacht vom 20. Auf den 21. März mit Hilfe des Herzogs Friedrich IV. von Österreich, dem politischen und persönlichen Widersacher Sigismunds, nach Schaffhausen floh, schien die Kirchenunion in weite Ferne zu rücken. Als Johannes am 23. März allen Kurialen unter Androhung des Amtsverlustes befahl nach Schaffhausen zu kommen, drohte das Konzil gänzlich zu scheitern.[11] Es folgten ihm immerhin viele Anhänger und 8 Kardinäle, während sich in Konstanz regelrechte Panik verbreitete.[12] Erst Sigismund konnte die Lage etwas entschärfen, indem er Konstanz absperrte und allen Anwesenden die Ausreise verbot.[13] Die Gefahr, dass das Konzil scheiterte, war dadurch aber keineswegs gebannt.Als Ausweg aus der Krise bot sich die Theorie des Konziliarismus an. Darunter „versteht man die Lehre, die das Generalkonzil als den höchsten Gewaltenträger in der Kirche betrachtet und es (bedingt oder grundsätzlich) dem Papsttum überordnet“[14]. Am Ende war es Jean Gerson, der Kanzler der Pariser Universität, der in seiner Rede „ Ambulatedumlucemhabetis[15] die Theorien des Konziliarismus mit der damaligen Situation verband und schlussfolgerte: „Jedes Glied der Kirche schuldet dem Allgemeinen Konzil Gehorsam, auch der Papst. Das Konzil kann die päpstliche Vollgewalt zwar nicht aufheben, wohl aber beschränken, wenn das Wohl der Kirche es erfordert. Die Verbindung Christi mit seiner Kirche ist unlösbar, nicht die des Papstes mit ihr“.[16] Trotz dieser Gedanken, suchteneinige Konzilsväter, darunter Kardinal Zabarella, noch nach einer einvernehmlichen Lösung mit Papst Johannes. Nachrichten wurden zwischen Konstanz und Schaffhausen ausgetauscht und Johannes versicherte weiterhin seine Bereitschaft zur Übereinkunft, solange er frei und ohne Druck entscheiden könne.[17] Vor allem die englische, deutsche und französische Konzilsnation zweifelte an Johannes Aufrichtigkeit undverlangten ein hartes Durchgreifen. Die Italienische Konzilsnation und die Kardinäle hielten jedoch dagegen und so wurde am 30.März1415 –vor allem aufgrund Zabarellas Eingreifen- eine abgeschwächte Form des Dekretes HaecSancta verabschiedet, die dem Konzil das Recht der Reform der Kirche an Haupt und Gliedern noch nicht zusprach und auch noch keine Strafandrohungen und keine Generalisierung für weiter Konzile beinhaltete.[18] Als jedoch bekannt wurde, dass Johannes XXIII. bereits am Tag zuvor, also am 29.03.1415 von Schaffhausen nach Laufenburg geflohen war, setzte sich die konziliaristisch eingestellte Mehrheit durch und verabschiedete am 06. April 1415 das Konstanzer Dekret HaecSancta.[19]

[...]


[1] Vgl. Jedin, Hubert: Kleine Konziliengeschichte. Die zwanzig ökumenischen Konzilien im Rahmen der Kirchengeschichte, Freiburg i. Br. 1959, 64

[2] Vgl. Schatz, Klaus: Allgemeine Konzilien – Brennpunkte der Kirchengeschichte, Paderborn 1997, 131 f.

[3] Vgl. Müller, Heribert: Die kirchliche Krise des Spätmittelalters (Enzyklopädie deutscher Geschichte, Band 90), München 2012, 21

[4] Vgl. Jedin, Hubert: Konziliengeschichte 65

[5] Vgl. Schatz, Klaus: Konzilien 134

[6] Vgl. Schatz, Klaus: Konzilien135

[7] Vgl. Jedin, Hubert: Konziliengeschichte 65

[8] Vgl. Müller, Heribert: Krise 24

[9] Vgl. Jedin, Hubert: Konziliengeschichte 66

[10] Vgl. Schatz, Klaus: Konzilien 137

[11] Vgl. Müller, Heribert: Krise 25

[12] Vgl. Jedin, Hubert: Konziliengeschichte 66

[13] Vgl. Schatz, Klaus: Konzilien 138

[14] Franzen, August: Konziliarismus, 1969, in Bäumer,Remigius (Hrsg.): Die Entwicklung des Konziliarismus. Werden und Nachwirken der konziliaren Idee, Darmstadt 1977, 75.

[15] Vgl. Müller, Heribert: Krise 25

[16] Jedin, Hubert: Konziliengeschichte 66

[17] Vgl. Schatz, Klaus: Konzilien 138

[18] Vgl. Schatz, Klaus: Konzilien 139

[19] Vgl. Müller, Heribert: Krise 24

Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656194163
ISBN (Buch)
9783656194385
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193488
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,7
Schlagworte
konzil konstanz krise dekret haec sancta frage verbindlichkeit
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Titel: Das Konzil von Konstanz in der Krise