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Feministische Exegese

Moderne Methode der Bibelauslegung

Seminararbeit 2011 16 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Geschichte Biblischer Hermeneutik und Methoden
2.1 Der zweifache Schriftsinn
2.2 Der dreifache Schriftsinn
2.3 Vierfacher Schriftsinn bei Augustinus
2.4 Die Reformationszeit
2.5 Die Aufklärungszeit
2.6 Historisch-kritische Methode der Bibelauslegung
2.7 Bibelhermeneutik im 20.Jahrhundert

3 Feminismus

4 Feministische Theologie
4.1 Hauptströmungen
4.1.1 Historisch- kritische Erforschung von Frauengestalten in der Bibel
4.1.2 Hermeneutik des Verdachts
4.1.3 Die Hermeneutik der Verurteilung
4.2 Kritik an Altem und Neuem Testament
4.2.1 Das Alte Testament
4.2.2 Das Neue Testament

5 Zusammenfassung.

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Bibel gehört zu den bekanntesten Büchern der ganzen Welt. Als religiöse und historische Quelle des Wissens beschäftigt sie die Gläubigen, Theologen und Wissenschaftler seit Jahrzehnten. Die Biblische Hermeneutik1 ist die Wissenschaft vom Verstehen biblischer Texte, eine angewandte Form der Hermeneutik als Wissenschaft vom Verstehen der biblischen Schriften umgreift einen sehr weiten Gegenstandsbereich. Bei allen hermeneutischen Arbeiten mit der Bibel ist die theologische Grundüberzeugung leitend, dass die Heilige Schrift von Gott inspiriert ist und als ihr Autor angesehen werden kann (Joisten, S. 52). Die Bibel selbst entstand und spricht von Zeiten, die patriarchalisch strukturiert waren. Die Auslegungs- und Interpretationsmethoden der Heiligen Schrift bauten am Anfang der Geschichte aufeinander auf und das wird in dieser Arbeit als erstes dargestellt. Die Geschichte der Bibelexegese deckt sich mit der Geschichte der Hermeneutik bzw. der Geschichte der Hermeneutiker, weil die Bibel eines der wichtigsten Werke der Hermeneutik ist (Joisten, S. 14).

Im 20. Jahrhundert entwickelte sich eine ganze Reihe von exegetischen Methoden, unter anderem die Feministische Exegese2, den patriarchalischen Auslegungsmethoden gegenüber steht.

Eine der wichtigsten Erscheinungen der Neuzeit, auf der die Feministische Theologie basiert, ist die Emanzipation der Frau, ihrer Position und Rechte. Die Geschichte der Feministischen Theologie sowie Feminismus werden als nächstes näher betrachtet. Die Bibel im Aufbruch des Feminismus wird dann von den Feministinnen kritisiert und in neuem Licht dargestellt. Ist die Kritik berechtigt und nachvollziehbar? Mit Beispielen der modernen Bibelauslegung aus der Sicht der Feministen werden wichtige Stellen im Alten sowie im Neuen Testament revidiert und damit wird deutlich gemacht, dass viele wichtige Stellen in der Bibel vergessen, oder durch die Überlieferung einfach verändert wurden.

Feministische Exegese und die patriarchalischen Methoden der Bibelauslegung, ergänzen sie sich oder leisten sie eher einen Widerspruch?

2 Geschichte der Biblischen Hermeneutik

2.1 Der zweifache Schriftsinn

Die Interpretation und Aktualisierung biblischer Texte beginnt bereits in der Bibel selbst (Fischer, S. 36). Man findet sie in Altem und Neuem Testament Die Auslegung der Heiligen Schrift beginnt mit dem Philon von Alexandrien (1. Jahrhundert n. Chr.), der als gläubiger Jude und Kenner der griechischen Philosophie bekannt ist. Die Allegorese gilt bei Philon als Auslegungsmethode und damit knüpfte er an Homer- und Hesoid- Auslegungen der Griechen an, die nicht nur beim wörtlichen Verständnis der Verse stehen bleiben wollten, sondern nach einem tieferen Sinn zwischen den Zeilen suchten. Der zweifache Schriftsinn teilt Buchstaben- und allegorischen Sinn voneinander3. Somit besteht die Heilige Schrift aus einem Körper (Buchstaben) und einer Seele (allegorischem Sinn). Mittels des Buchstabensinns lassen sich z.B. biblischen Gesetze oder historische Ereignisse erfassen (Joisten, S. 38). Die Ablehnung des wörtlichen Sinnes kommt zum Vorschein, wenn sich kein Sinn erschließen lässt oder man einen Wiederspruch entdeckt. Z.B. darf die Erzählung über die sprechende Schlange nicht buchstäblich verstanden werden, denn es keine Schlangen gibt, die in der Sprache mächtig sind.

Die Philonische Auslegung bezieht sich nur auf das Alte Testament und kann deshalb nicht von den frühchristlichen Philosophen und Theologen übernommen werden, weil deren hermeneutischer Gegenstand aus dem Alten und Neuen Testament bestand.

2.2 Der dreifache Schriftsinn

Im 3. Jahrhundert wurde die allegorische Deutung vom Kirchenleiter Origines ausgebaut.

Mithilfe sogenannter typologischer Lesart versuchte Origines Entsprechungen zwischen Altem und Neuem Testament aufzudecken und dadurch konnte das Neue Testament als Erfüllung des Alten gelten (Joisten, S. 15). Im Rückgriff auf platonische Ausdeutung der menschlichen Natur besteht die Heilige Schrift ebenso wie ein Mensch aus Körper, Seele und Geist. Die Auslegung bei Origines geht über die Buchstaben und den tieferen Sinn hinaus und versucht eine Textstelle typologisch-allegorisch zu deuten. So genannte Typoi sind Vorbilder (Vorformen, Vorgestalten, Präfigurationen) mittels derer Korrespondenzen zwischen dem Alten und Neuem Testament nachgewiesen werden können, z.B. die Opferung Isaaks durch seinen Vater Abraham, welche die Opferung von Jesus ankündigt. Der Antitypos Christus verweist also auf den Typos Izaak (Arnold, S. 106). Die typologische Deutung bei Origenes erweist die Zusammengehörigkeit und Übereinstimmung des Alten und des Neuen Testaments.

2.3 Vierfacher Schriftsinn bei Augustinus

Im Anschluss an Origines wurde der dreifache Schriftsinn zu einem vierstufigen Modell ausgebaut, das für Jahrhunderte im christlichen Mittelalter gegolten hat.

Die typologische Betrachtung der Heiligen Schrift von Origenes bleibt in der vierstufigen Auslegung außer Acht. Die vier Sinnschichten fasste der 1282 verstorbene Augustinus von Dakien zusammen in buchstäblichen, allegorischen, moralischen und anagogischen Sinn. Die erste Schicht soll das Geschehene im historischen Sinn betrachten. Der allegorische Sinn sagt den Gläubigen woran sie glauben sollen und über das was sie tun sollen spricht der dritte- moralische Sinn. Durch die Anagoge soll der biblische Text durch Hineinlegen eines höheren Sinnes erläutert werden. Somit kann z.B. Jerusalem als reale Stadt der Juden betrachtet werden, zum zweiten als Kirche Christus, moralisch gesehen als Seele des Menschen und im anagogischen Sinn als himmlische Stadt Gottes (das ewige Jerusalem) (Jung, S. 38).

„ Littera gesta docet;quid credas allegoria; moralis quid agas; quo tendas anagogia. D.h.: Der Wortsinn lehrt das Geschehene, der allegorische, was du glauben sollst, der moralische, was du tun sollst, der anagogische, wohin du streben sollst“ (Jung, S. 38).

Alle hermeneutischen Überlegungen in dieser Zeit hatten das Ziel, die Liebe zu Gott und zu seinen Nächsten zu vertiefen. Mithilfe der vierfachen Schriftauslegung setzte Augustinus den Glauben auf eine praktische Art und Weise dar, so dass man die Glaubensinhalte erlernen konnte. Somit hat Augustinus einen Beitrag zur Christianisierung geleistet. Das doppelte Liebesgebot aus dem Matthäus- Evangelium dient Augustinus als Grundstein der Bibelauslegung:

„ Jesus aber antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das h ö chste und gr öß te Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. “ (Die Bibel, Mt 22: 37- 40)

Für Augustinus kann nur der Mensch eine Erkenntnis gewinnen, der auch die Erkenntnis sucht. Dem Ungläubigen bleibt der Willen Gottes verborgen. Mit anderen Worten: nur derjenige, den Gott ausgewählt hat, kann die Bibel wirklich verstehen. Da die Bibel im Mittelalter nur für die Kirche zugänglich war, blieb auch die Auslegungskunst in diesen Kreisen zurück. Allerdings können laut Augustinus auch pagane Wissenschaften (Geschichtswissenschaften, Dialektik, Rhetorik, Mathematik), die außerhalb der Kirche gelehrt werden, für die Bibelauslegung nützlich sein:

„ Denn was auch immer der Mensch au ß erhalb der Bibel gelernt hat, wird, wenn es schädlich ist, in der Bibel verurteilt, wenn es aber nützlich ist, in der Bibel gefunden “ . (Augustinus, S. 100).

Augustinus trennt und unterscheidet das Gemeinte von dem Gesagten auf das Innere und Äußere und bildet damit eine ontologische Grundstruktur, die als Basis für andere Philosophen, wie z.B. Gadamer gilt (Jung, S.42).

2.4 Die Reformationszeit

Der vierfache Schriftsinn fließt mit in die Reformationszeit hinein und wurde erst von Martin Luther (1483-1546) repräsentiert. Luther konzentrierte sich in seiner Arbeit auf die Schriftexegese, die in der Auslegung der Heiligen Schrift liegt. Luther bemühte sich durch die Übersetzung der Bibel aus dem Lateinischen, die Heilige Schrift gebräuchlich für die deutsche Bevölkerung zu machen. Er praktizierte die Allegorische Schriftauslegung, die von dem vierfachen Schriftsinn ausgeht, später lehnte diese ab und stellte die buchstäbliche Lesart ins Zentrum seinen Bemühungen (Jung, S. 42).

Als Vater der sola scripta (lat. „das geschriebene (genüge)“) verkündete er die „Selbst Verständlichkeit“ der Bibel und bricht mit der katholischen Lehre von Deutung der Schrift durch die Tradition. Er lehnt die Kirchlichen Autoritäten als einzige, von Gott berufene Institution zur Bibelauslegung ab.

Für Luther gibt es nur eine wörtliche Sinnschicht, in der auch die geistige Bedeutung enthalten ist. Damit sieht er den Glaube an Gott als Voraussetzung um das Wort Gottes zu verstehen (Joisten, S. 68).

Luthers Nachfolger Matthias Flacius (1520-1575) entwickelte Richtlinien zur Bibelauslegung. In seiner Clavis scripturae sacrae4 vermittelte er grammatisch -buchstäbliche Kenntnisse als Standard der Sprachbeherrschung und Sammlung von Regeln zur Bibelauslegung.

[...]


1 Oft wird Hermeneutik mit Biblischer Exegese verwechselt oder gleichgesetzt, aber die beiden sind nicht identisch. Die biblische Exegese ist die Auslegung von Texten des Alten und Neuen Testaments in der christlichen Theologie und für die Glaubenspraxis. Sie bemüht sich, für die fachlich gebildeten, aber auch die laienhaften Leser die Aussagen und Inhalte, die historischen und textlichen Zusammenhänge der biblischen Texte zugänglich zu machen. Exegese ist die praktische Auslegung eines biblischen Texts. Die biblische Hermeneutik als Wissenschaft analysiert Art und Weise, wie wissenschaftliche Bibelauslegung vorgeht und beleuchtet Ziele der Auslegung. Die beiden verhalten sich - vorsichtig gesagt - so ähnlich wie Sprache und Grammatik (Oeming, S. 1). Man findet praktisch in der Literatur Bezeichnung der Exegese als Biblische Hermeneutik, der Hermeneutik unterliegende Disziplin, die sich spezifisch mit Bibelauslegung beschäftigt (Duden. Das Fremdwörterbuch). In folgender Arbeit wird keine große Ausdifferenzierung zwischen den beiden Begriffen gemacht und als Synonyme verwendet.

2 Auf andere, moderne Methoden der Bibelauslegung wird in dieser Arbeit nicht eingegangen.

3 Die allegorische Interpretation gibt einem buchstäblichen Sinn (sensus litteralis) eine übertragene Bedeutung, einen symbolischen Sinn (sensus allegoricus), (Arnold, Heinz Ludwig, S 104).

4 „Schlüssel der Heiligen Schrift“ 1567

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656184881
ISBN (Buch)
9783656185765
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193449
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt
Note
1,7
Schlagworte
feministische exegese moderne methode bibelauslegung

Autor

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Titel: Feministische Exegese