Lade Inhalt...

Die Auswirkungen afrikanisch-importierter Kultur auf die Machtergreifung und Herrschaft Toussaint l‘Ouvertures

Hausarbeit 2010 18 Seiten

Geschichte - Afrika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Revolution auf Saint Domingue
2.1 Die Insel vor der Revolution
2.2 Der Verlauf der Revolution

3 Afrikanische Kultur auf Saint Domingue
3.1 Veränderung von Kultur
3.2 Herrschaft
3.3 Freiheit
3.4 Religion

4 Afrikanische Kultur und die Person Toussaint l’Ouverture
4.1 Kurzbiographie
4.2 „Afrikanische Komponenten“ in der Machtergreifung und Herrschaft Toussaints

5 Schluss

6 Literaturverzeichnis

Afrikanische Kultur und die Revolution von Saint Domingue

1 Einleitung

Die Revolution von Saint Domingue stellt durch ihren, für die Sklaven erfolgreichen, Ausgang eine Besonderheit in der Geschichte dar. Hierbei besteht jedoch die Frage wie es zu diesem kommen konnte. Im Allgemeinen wird die Revolution von Saint Domingue aus einer eurozentristischen Sicht betrachtet. „Der Begriff Eurozentrismus beschreibt die Beurteilung nicht-europäischer Kulturen [und Ereignisse] aus der Perspektive europäischer Werte und Normen.“1 Diese Sicht der Geschichte ist vor allem für das gegebene Beispiel der Revolution nicht hinreichend genug. Da die Ereignisse besonders von der schwarzen Sklavenbevölkerung Saint Domingues ausgingen muss deren Perspektive betrachtet werden. Relevant ist hierbei, dass die Sklaven eine eigene Kultur aus Afrika importierten, modifizierten und an die nächsten Generationen weiterreichten.2 Die Sklaven selbst benötigten Führung beziehungsweise einen Anführer. Für eine Zeit von mindestens 1793 bis 1802 war dies der Revolutionsführer Toussaint l’Ouverture.3 Kern dieser Arbeit soll die Frage sein, wie sich die Kultur der Sklaven aus Afrika dargestellt hat und wie diese nach Saint Domingue importiert wurde. Aber auch die Berücksichtigung beziehungsweise der Einsatz von afrikanischer Kultur auf die Machtergreifung und Herrschaft Toussaints soll verdeutlicht werden.

Zu Beginn der Arbeit wird durch einen kurzen Abriss der Geschichte Haitis die Möglichkeit gegeben die Ereignisse und Voraussetzungen zu verstehen. Zunächst werden die Geschehnisse seit der Ankunft der Spanier 1492 und deren Kolonisation bis zu der Einschaltung Frankreichs dargestellt.4 Im nächsten Abschnitt werden die revolutionären Umtriebe ab 1791 bis zur Unabhängigkeit Haitis 1804 verdeutlicht.5

Darauf aufbauend folgt ein Teil, der sich mit der afrikanischen Kultur beschäftigt. Vor allem die Beweise, dass Sklaven eine eigene Kultur importierten, modifizierten und dass diese selbst komplexe Gebilde von Herrschaft, Freiheit und Religion beinhalten, sollen hier erbracht werden. Hierfür ist es zunächst nötig zu beschreiben, wie Kultur den Weg über den Atlantik finden konnte. Aber es soll auch begründet werden, wie diese modifiziert werden konnte, um eine afroatlantische Kultur auf Saint Domingue zu formen. Der nächste Schritt ist die Untersuchung einzelner Kulturelemente. Da die Betrachtung aller Elemente wie Verwandtschaftsbeziehungen, politische Strukturen, Sprache, Literatur und vielen weiteren zu umfangreich wäre, wird der Fokus auf die Elemente Herrschaft, Freiheit und Religion gelegt.6 Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Unterschiede zwischen Afrika und der atlantischen Welt gelegt. Aber auch die Auswirkungen der Kulturelemente auf die Revolution werden verdeutlicht.

Der Letzte Untersuchungsgegenstand ist die Berücksichtigung und Nutzung afrikanischer Kultur bei der Machtergreifung und während der Herrschaft Toussaint l’Ouvertures. Eine Kurzbiographie wird es möglich machen die folgende Analyse in den Gesamtkontext einzuordnen und die Person Toussaint zu verstehen. Nachfolgend wird dargestellt, wie und ob die zuvor gezeigten schwarzen Vorstellungen von Herrschaft, Freiheit und Religion von Toussaint berücksichtigt wurden.

Vor allem für die Beschäftigung mit afrikanischer Kultur werde ich mich auf John K. Thornton beziehen. Der Historiker der Universität Boston beschäftigte sich in zwei Werken ausführlich mit afrikanischer Kultur.7 In seinem Werk „Africa and Africans in the Making of the Atlantic World“ wird vor allem auf die Ausprägung, Veränderung und den Import von afrikanischer Kultur eingegangen.8 Sein in der Zeitschrift „Journal of World History“ erschienener Artikel über die Könige des Kongos und die Herrschaft auf Saint Domingue beinhaltet ebenfalls bereits genannte Informationen, befasst sich zusätzlich dazu aber noch einmal explizit mit der Herrschaft.9 Obwohl Thornton mit einer Untersuchung afrikanischer Kultur für die Ereignisse auf Saint Domingue beziehungsweise in der ganzen atlantischen Welt nicht alleine ist, so ist er der einzige, der sich für diese Arbeit mit dem Thema hinreichend beschäftigt hat.

Für die Darstellung der Informationen über die Geschichte Saint Domingues und zur Aneignung eines Rahmens für die Arbeit stellt sich Walther Berneckers „Kleine Geschichte Haitis“ als nützlich heraus. Er befasst sich in dem Buch kurz und prägnant mit der Insel und deren Geschichte. Vor allem die Zeit als französische Kolonie mitsamt deren Wirtschaft und der Ablauf der Revolution sind darin gut beschrieben.10

Einen Einblick in das Leben, Wirken und die Persönlichkeit Toussaint l’Ouvertures bietet Jean-Bertrand Aristide mit seiner Quellensammlung zu Toussaint. Besonders das Selbstportrait Toussaints aus dem Jahr 1801 bietet einen gelungenen Eindruck über seine Persönlichkeit.11 Aber auch die Einleitung des Werkes dient dem Verständnis seiner Herrschaft und der Machtergreifung.12

Insgesamt kann festgehalten werden, dass die Betrachtung afrikanischer Kultur für die Ereignisse von Saint Domingue höchstens unterstützenden Charakter in der Forschung haben. Vor allem die Einflüsse der Kultur auf die Ereignisse und Entscheidungen während der Zeit Toussaint l’Ouvertures sind bisher kaum -bis nicht- erforscht. Deshalb soll dieser Verbindung mit dieser Arbeit ein Grundstock gelegt werden.

2 Die Revolution auf Saint Domingue

Um die Ereignisse der Revolution von Saint Domingue einordnen zu können, ist es notwendig mit der Geschichte der Insel vertraut zu sein. Diese wird in zwei Abschnitte unterteilt. Der Erste befasst sich mit den Geschehnissen von 1492 bis zum Ausbruch der Revolution 1791. Im zweiten Abschnitt werden die revolutionären Geschehnisse genauer dargestellt. Ereignisse nach der Unabhängigkeit Haitis 1804 werden nicht mehr behandelt.

2.1 Die Insel vor der Revolution

„Am 6. Dezember 1492 wurde die Insel Haiti von Kolumbus entdeckt.“13 Er nimmt die Insel für Spanien in Besitz und gibt ihr den Namen Hispaniola.14 Sofort erkannte er das Potential für die Landwirtschaft. Das Gold, das er aber ursprünglich suchte, konnte er nicht finden. Aus diesem Grund beschränkten sich die Spanier auf die agrikulturelle Nutzung der Insel. Dies geschah unter Einsatz der Ureinwohner als Zwangsarbeiter. Die für die Indios ungewohnt harte Arbeit und von den Spaniern eingeschleppten Krankheiten sorgten für eine fast vollständige Ausrottung der indigenen Bevölkerung.15 Um das neu auf Hispaniola eingeführte Zuckerrohr anbauen und ernten zu können wurden schwarze Sklaven importiert, da diese widerstandsfähiger waren.16 Es entwickelte sich ein auf Zucker basierender Wohlstand der Kolonie, welcher stetig zunahm.17

Angetrieben von dem Gedanken dem Vertrag von Tordesillas entgegenzuwirken, gelockt vom erhofften Reichtum eigener Kolonien und geleitet von dem Gedanken den europäischen Gegnern zu schaden, betraten Frankreich und England die koloniale Bühne. Von der Insel La Tortuga aus, die im Nordwesten von Hispaniola liegt, bedrohten sie die spanischen und portugiesischen Handelsrouten.18 Trotz einer spanischen Expedition konnten nur die Briten von der Insel vertrieben werden. Die französischen Freibeuter konnten sich halten und starteten von dort aus die Eroberung Santo Domingos.19 Vom Westen aus wurde die Insel zu immer größeren Teilen von den Franzosen erobert, welche versuchten eine Kolonie zu etablieren. Dieser Kampf wurde 1697 im Frieden von Ryswick von Erfolg gekrönt.20 Auf dem nun französischen Westteil der Insel wurde die Plantagenwirtschaft von Zuckerrohr, Kaffee und Indigo unter Einsatz von Sklaven etabliert. Im Laufe der Jahrzehnte stieg die Kolonie so zur reichsten Kolonie der Welt auf.21 Doch die wirtschaftliche Rentabilität konnte über die gesellschaftlichen Probleme nicht hinwegtäuschen. Die Gesellschaft bestand 1788 aus ungefähr 28.000 Weißen, die in grands und petits blancs unterteilt waren und die

Oberschicht bildeten.22 Zusätzlich gab es in Saint Domingue ca. 22.000 freie Farbige.23 Die freigelassenen Sklaven oder Mulatten konnten Eigentümer von Land und Sklaven sein und verfügten über Rechte. Dennoch waren sie den Weißen nicht ebenbürtig. Den größten Teil der Bevölkerung Saint Domingues stellten aber die 406.000 Sklaven dar.24 Sie waren meist in Afrika geboren und zwangsimportiert worden.25 Bereits die Gesellschaftskonstellation beinhaltete genug Potential für Unruhen. Doch als diese Gesellschaft zusätzlich mit den Idealen der Französischen Revolution in Verbindung gerät entsteht eine eigene Dynamik.

[...]


1 Vgl.: http://www.ikud.de/Eurozentrismus.html zugegriffen am 12.09.2010.

2 Vgl.: Thronton, John K.: Africa and Africans in the making of the Atlantic world, Cambridge 1992, S.201.

3 Vgl.: Aristide, Jean-Bertrand: Toussaint l’Ouverture: The Haitian Revolution, London, New York 2008, S.XXXVIII ff.

4 Vgl.: Bernecker, Walther L.: Kleine Geschichte Haitis, Frankfurt 1996, S.12-37.

5 Vgl.: Bernecker, 1996, S.37-46.

6 Vgl.: Thornton, 1992, S.206.

7 Vgl.: http://www.bu.edu/history/thornton.pdf zugegriffen am 12.09.2010.

8 Vgl.: Thornton, 1992.

9 Vgl.: Thornton, John K.: „I Am the Subjekt of the King of Kongo“: African Political Ideology and the Haitian Revolution, in: Journal of World History Bd.4 1994, S.181-214.

10 Vgl.: Bernecker, 1996.

11 Vgl.: Aristide, 2008, S.40f.

12 Vgl.: Aristide, 2008.

13 Menzel, Gerhard: Der schwarze Traum vom Glück: Haiti seit 1804, Frankfurt, Berlin 2001, S.9.

14 Vgl.: Bernecker, 1996, S.14.

15 Vgl.: Menzel 2001, S.9.

16 Vgl.: http://www.flunk.de/haiti-kolonie.php zugegriffen am 12.09.2010.

17 Vgl.: Bernecker 1996, S.20.

18 Vgl.: Bernecker 1996, S.25.

19 Exkurs: Die Insel Hispaniola hat im Laufe der Zeit einige Namensänderungen erfahren. Von den Ureinwohnern ursprünglich Ayiti genannt, bekam sie von Kolumbus den Namen Hispaniola. Später wurde sie in Santo Domingo/ Saint Domingue umbenannt. Erst nach 1804 erhielt der freie westliche Teil den heutigen Namen Haiti. Der Osten ist heute als Dominikanische Republik bekannt.

20 Vgl.: Menzel 2001, S.12.

21 Vgl.: Bernecker 1996, S.32.

22 Vgl.: http://www.flunk.de/haiti-kolonie.php zugegriffen am 12.09.2010.

23 Vgl.: http://www.flunk.de/haiti-kolonie.php zugegriffen am 12.09.2010.

24 Vgl.: http://www.flunk.de/haiti-kolonie.php zugegriffen am 12.09.2010.

25 Vgl.: Bernecker 1996, S.34.

Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656190431
ISBN (Buch)
9783656191964
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193302
Institution / Hochschule
Universität Konstanz
Note
2,3
Schlagworte
auswirkungen kultur machtergreifung herrschaft toussaint

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Auswirkungen afrikanisch-importierter Kultur auf die Machtergreifung und Herrschaft Toussaint l‘Ouvertures