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Vergleichende Gedichtanalyse: Joseph von Eichendorff - "Das kranke Kind" und "Sehnsucht"

Facharbeit (Schule) 2007 6 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Das Gedicht ,,Sehnsucht“ von Joseph von Eichendorff handelt von der Sehnsucht des lyrischen Ichs. Schon der Titel enthält ein typisch romantisches Motiv. Man kann demnach spekulieren, in welcher Gefühlslage sich das lyrische Ich befindet. Zu Beginn der ersten Strophe bedrückt die Einsamkeit die Seele des Sprechers. Allein steht er am Fenster, den Blick in die ,,weit[e] Ferne“(V.3) gerichtet. Die Einsamkeit wird im ,,stillen Land“(V.4) und in der ,,weite[n] Ferne“(V.3) widergespiegelt. Als das ,,Posthorn“(V.4) zu hören ist, entsteht beim lyrischen Ich die Sehnsucht nach Freiheit aus der gefangenen Situation. Verdeutlicht wird dies durch die Metapher: ,,Das Herz mir im Leib entbrennte“ (V.5). Daraufhin äußert es den dringenden Wunsch zu reisen. Reisen in die Ferne, reisen in die wunderschöne Natur. Schon zu Beginn der ersten Strophe wird deutlich, dass hier eine enge Verbundenheit zur Natur besteht, unter anderem ausgedrückt durch die zentralen Begriffe der Romantik: ,,Sterne“(V.1) und ,,Sommernacht“(V.8). Jedoch scheint der Wunsch des Mitreisens nicht in Erfüllung gehen zu können, was die Interjektion ,,Ach,…“ (V.7) und der Konjunktiv ,,könnte“(V.7) wiedergeben. Scheinbar erlaubt es der Gesundheitszustand oder die Lebenssituation nicht den Traum zu verwirklichen. Der Traum scheint jedoch fest in der Einsamkeit weiter zu existieren. Die Adjektive ,,einsam“(V.2), ,,still“(V.4) und ,,heimlich“(V.6) verleihen dem Gedicht seine Melancholie. Die beiden folgenden Strophen handeln von zwei neuen Hauptpersonen, ,,Zwei junge Gesellen…“(V.9), die durch Singen von Liedern das Verlangen des lyrischen Ichs nach Freiheit bekräftigen. Sie wandern in der freien Natur und stehen für den Wunsch des lyrischen Ichs nach Freiheit und enger Verbundenheit mit der Natur. In der zweiten Strophe entstehen so prächtig schöne und reine Landschaften. Der Sprecher scheint in Erinnerung an sie zu schwelgen. Die romantische Sichtweise gleicht hier und im fortlaufenden Gedicht dem Pantheismus. Die enge Beziehung zur Natur wird in dieser Strophe ebenfalls durch die Personifikation der Natur unterstrichen. Die angesprochene ,,prächtig[e] Sommernacht“ aus der ersten Strophe wird hier nun vielfältig bildhaft und träumerisch dargestellt. Auch der Verdacht auf einen Gesundheitszustand könnte bestätigt werden, da das lyrische Ich die zwei Gesellen als jung (V.9) wahrnimmt. Das könnte dafür sprechen, dass der Sprecher schon älter ist. Die dritte Strophe erweckt ebenfalls die Sehnsucht im lyrischen Ich. Durch die Häufung der Bilder und der wiederkehrenden und neuen romantischen Schüsselbegriffe, wie:,,Mondenschein“(V.20) und

,,Sommernacht“(V.24). Sogar die verwilderten ,, dämmernden Lauben“ (V.19) erscheinen im ,,Mondenschein“ wie ,,Paläst[e]“ (V.20). Hier wird die Welt ,,romantisiert“ und die verklärte Sichtweise der Romantiker leuchtet durch. Wörter wie ,,lauschen“(V.21) und ,,rauschen“ (V.23) spiegeln die schönen träumerischen Wahrnehmungen des lyrischen Ichs wider. Im zweiten Teil der dritten Strophe wird nebenbei noch das ,,Mädchen“ (V.21) erwähnt, welches für den Wunsch oder die Sehnsucht nach einer erfüllten Liebe sprechen kann. Dem Leser fällt auf, dass jede Strophe des Gedichts mit -nacht endet : ,,Sommernacht“ (V.8), ,,Waldesnacht“(V.16), ,,Sommernacht“ (V.24). Diese Wörter passen immer zur vorher beschriebenen Situation und verleihen den Strophen eine Zusammengehörigkeit, womit das Gedicht einen Rahmen zu besitzten scheint. Im ganzen Gedicht vollzieht sich ein Kreuzreim, der Liedcharakter hat. Die typischen Merkmale der Romantik werden im Gedicht verdeutlicht. So wird der Drang nach Unabhängigkeit, Unendlichkeit, Freiheit und Seelenfrieden beschrieben.

Das Gedicht ,,Das kranke Kind“ wurde ebenfalls von Joseph von Eichendorff geschrieben. Dem Titel ist zu entnehmen, dass es sich um ein krankes Kind handelt. Scheinbar ist dieses jedoch schon tot und findet erst zum Ende des Gedichts seinen Seelenfrieden. Beim Lesen des Gedichts hat man das Gefühl zwei Handlungen gleichzeitig zu verfolgen. Die erste Handlung vollzieht sich von Strophe eins, über drei, bis hin zur fünften Strophe. In dieser Handlung ist das Kind noch krank. Die zweite Handlung erstreckt sich von Strophe zwei, über vier, bis hin zur sechsten Strophe. Im Gegensatz zur ersten Handlung scheint das Kind hier schon tot zu sein. In der siebten und letzten Strophe vereinigen sich beide Handlungen und münden in den Seelenfrieden des Kindes. Schon der Titel des Gedichts lässt den Leser Schlimmes erahnen. Mit dem Wort Kind assoziiert man normalerweise Fröhlichkeit, Heiterkeit, Kraft und Energie. Jedoch löst das Adjektiv ,,krank“ vor ,,Kind“ schon eine gewisse Traurigkeit und Betrübnis beim Leser aus.

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Details

Seiten
6
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656183150
Dateigröße
409 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193289
Note
2,0
Schlagworte
vergleichende gedichtanalyse joseph eichendorff kind sehnsucht

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Titel: Vergleichende Gedichtanalyse: Joseph von Eichendorff - "Das kranke Kind" und "Sehnsucht"