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Eine Analyse des Coase-Theorems

Seminararbeit 2010 18 Seiten

VWL - Makroökonomie, allgemein

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1 Einleitung

2 Coases Kritik an Pigou und die Konsequenzen

3 Die Rolle der Transaktionskosten
3.1 Keine Transaktionskosten
3.2 Positive Transaktionskosten
3.3 Zusammenfassung Transaktionskostenproblematik

4 Die Rolle der Eigentumsrechte
4.1 Die Reziprozität der Schadensverantwortlichkeit
4.2 Verhandlungen nach dem Verursacherprinzip
4.3 Verhandlungen nach dem Nutznießerprinzip
4.4 Die Rolle des Staates und der Gerichte

5 Kritik am Coase Theorem

6 Die Bedeutung des Coase Theorems für die Wissenschaft

7 Schlussbetrachtung

8 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Kaum ein anderes Werk hat die wissenschaftliche Auseinandersetzung im 20. Jahrhundert so geprägt wie die führender Ökonomen mit den von Ronald Coase verfassten Aufsätzen. Diese behandeln die Problematik von Transaktionskosten bei Verhandlungen zur Internalisierung von negativen externen Effekten[1] und die Notwendigkeit von klaren Eigentumsverhältnissen. Viele Wirtschaftswissenschaftler, unter anderen auch Nobelpreisträger, haben sich an den von Coase dargelegten Ausführungen abgearbeitet. Doch oftmals wurden die Argumente, die Coase anführt, seiner Meinung nach nicht richtig verstanden[2] oder Ökonomen haben diese in eine Richtung interpretiert, die Coase gar nicht wollte. Daher stellt sich die Frage, was genau die Kernaussagen von Coase sind. Ziel dieser Arbeit ist es, diese Kernthesen von Ronald Coase so aufzubereiten, dass die Grundgedanken seiner Argumentation klar werden. Hierfür wird im ersten Abschnitt auf Coases Motivation eingegangen, sich überhaupt mit der Thematik der nichtstaatlichen Beseitigung von externen Effekten zu beschäftigen. Im Weiteren wird auf den ersten zentralen Punkt seiner Argumentation eingegangen: die Rolle der Transaktionskosten. Nach Darstellung dieser Thematik wird im Folgenden auf die Rolle des Staates bzw. der Gerichte in einer Ökonomie eingegangen und aufgezeigt, wieso diese Gerichte einen solch hohen Stellenwert in Coases Argumentation einnehmen. Der nächste Teil der Arbeit behandelt dann die Kritik, die am „Coase Theorem“[3] geübt wird. Am Ende der Arbeit wird auf den von Coase geleisteten Beitrag für die wissenschaftliche Debatte bzw. deren weiteren Verlauf eingegangen.

2 Coases Kritik an Pigou und die Konsequenzen

Der Aufsatz The Problem of Social Cost erschien 1960 und kam als Anmerkung Ronald Coases auf die schon bis dahin laufende Diskussion, wie externe Effekte[4] von Unternehmen auf ihre Umgebung wirken. Coase schlägt in diesem Aufsatz einen Weg vor, der seiner Meinung nach aufzeigen soll, wie man externe Effekte anders lösen kann als bis dahin üblich[5]. Nämlich externe Effekte nicht durch den Eingriff des Staates in die problematische Situation zu beseitigen, sondern durch gegenseitige Verhandlungen zwischen dem Geschädigten und dem Schädiger. Coase reagiert mit diesem Aufsatz auf die bis dahin herrschende Lehre und Meinung, die angestoßen wurde durch Werke von A.C. Pigou, die da wären Wealth and Welfare und The Economics of Welfare. Pigou argumentiert Coases Meinung nach zu sehr in die Richtung, dass der Staat bzw. vom Staat ins Leben gerufene Institutionen bei der Internalisierung externer Effekte eine Rolle spielen sollen. Coase greift in diesem Zusammenhang ein Beispiel von Pigou auf, in dem der Staat eine unabhängige Kommission einsetzen soll, die für die Beseitigung externer Effekte sorgt, ohne dass der Staat selbst in Aktion tritt und somit keine politisch motivierten Eingriffe zustande kommen. Als Beispiel nennt Coase die von Pigou angesprochene „Interstate Commerce Commission“[6]. Coase benennt in seiner Kritik, dass Ökonomen ihren Blick zu sehr auf die Möglichkeit der Regulierung durch Steuern richten[7]. Nicht dass Coase den Staat generell ablehnen würde. Im Gegenteil, Coase gibt später zu, dass der Eingriff durch den Staat bei positiven Transaktionskosten durchaus sinnvoll sein kann[8]. Was Coase mit seinen Beispielen verdeutlichen möchte ist jedoch die Situation, dass der Staatseingriff bei Transaktionskosten, die Null betragen, nicht von Nöten ist. Insofern beziehen sich Coases zentrale Schriften auf eine Modellsituation, die im folgenden Absatz genauer beschrieben wird.

3 Die Rolle der Transaktionskosten

Transaktionskosten sind nach Coase alle Kosten die anfallen, um einen Vertrag abzuschließen oder abzusagen und all diejenigen Kosten, die anfallen, wenn man den Preismechanismus benutzt.[9] Dies ist allerdings nur eine Definition: Coase verwendet in seinen verschiedenen Aufsätzen [ namentlich seien genannt The Nature of the Firm, The Problem of Social Cost und The Firm, the Market, and the Law ] verschiedene Definitionen von Transaktionskosten. Die oben dargelegte Definition ist aus The Problem of Social Cost. Die Bedeutung von Transaktionskosten ist für die von Coase dargestellten Sachverhalte immens. Zwar beschreibt Coase, dass die Annahme von nicht existierenden Transaktionskosten bzw. Transaktionskosten von Null, nicht sehr realistisch ist[10], jedoch ist diese Annahme für den ersten Teil seiner Analyse von herausragender Bedeutung. Coase sieht die Transaktionskosten als sehr relevant an, da diese auf Alternativen aufmerksam machen. Bisher wurden die Transaktionskosten seiner Meinung nach in der Literatur als Faktum gar nicht wahrgenommen und daher auch bisher die Alternativen übersehen[11].

3.1 Keine Transaktionskosten

Als Grundlage der Ausführungen liegt die Annahme von vollkommen perfekten Märkten zugrunde.

In The Problem of Social Cost entwickelt Coase ein Modell mit einem Farmer und einem Rancher. Der Rancher lässt sein Vieh auf einer Herde neben dem Grundstück des Farmers grasen. Es kann aber auch passieren, dass das Vieh des Ranchers auf der Anbaufläche des Farmers nebenan grast, da kein Zaun die beiden Grundstücke trennt. Nun entsteht für den Farmer durch das Vieh ein Schaden. Dieser Schaden geht sowohl in die Nutzenfunktion des Geschädigten, also des Farmers, als auch in die Nutzenfunktion des Schädigers, also des Ranchers, ein. Nun hat der Farmer das Problem, dass sein Output an produzierter Menge nicht mehr so groß wie vorher ist. Damit ist ein Effekt aufgrund des Viehs des Ranchers eingetreten, ein externer Effekt in dieser Situation. Dieser Schaden lässt sich durch Verhandlungen beseitigen. Wie eine Lösung zur Beseitigung des externen Effekts nun konkret aussehen kann, darauf soll hier nicht eingegangen werden. Vielmehr ist die Frage nach den aufzubringenden Kosten für die Verhandlungen entscheidend. Coase nimmt in diesem ersten Beispiel seines Werkes an, dass die Transaktionskosten Null betragen[12]. Auf dieser Annahme beruht sein komplettes Modell. Nun unterscheidet Coase zwischen zwei abweichenden Ausgangslagen. Entweder kann der Rancher mitsamt seiner Herde für das Zerstören der Felder des Farmers verantwortlich gemacht werden oder nicht. Kann der Rancher verantwortlich gemacht werden, hat der Farmer die Möglichkeit, dem Rancher das Grasen seiner Herde auf den Feldern zu untersagen. Allerdings gibt es die Möglichkeit für den Rancher, dem Farmer einen Preis für die Zerstörung seiner Felder zu bezahlen, eine Entschädigung also. In diesem Fall wird der Rancher weiterhin die Möglichkeit haben, die Felder des Farmers zu verwüsten bzw. seine Herde darauf grasen zu lassen. Hintergrund für die Zahlung der Entschädigung ist, dass ab einer gewissen Höhe von Zahlungen durch den Rancher an den Farmer dieser so viel verdient, dass er für seine eingefahrenen Verluste durch den geringeren Absatz am Markt von den geleisteten Zahlungen kompensiert wird. Bei der zweiten Variante hat der Rancher eine bessere Ausgangsposition. Denn nun ist der Farmer derjenige, der dem Rancher eine Zahlung leisten muss, wenn er nicht will, dass der Rancher weiterhin seine Felder mit seiner Herde zerstört. Der Farmer muss zwar in diesem Fall Zahlungen leisten, hat aber die Möglichkeit, seine Verluste aufgrund der Zahlung durch den höheren Absatz seiner Produkte am Markt wettzumachen. Es gibt noch eine weitere Möglichkeit, die hier vernachlässigt werden soll. Der Farmer hat die Möglichkeit, einen Zaun um sein Feld zu errichten, sodass der Rancher gar nicht mehr die Chance hat, seine Herde auf der Weide grasen zu lassen. Diese Möglichkeit würde allerdings für den Farmer erhebliche Kosten zur Folge haben.

Welche Alternative nun zum Tragen kommt und wie groß die ausgehandelte Summe sein wird, mit der entweder der Rancher oder der Farmer entschädigt wird, hängt von den jeweiligen Eigentumsrechten ab. Diese spielen aber für das Transaktionskostenargument keine Rolle. Entscheidend ist, dass alle Abkommen die geschlossen werden, kostenfrei verhandelt wurden. Konsequenz aus dieser Unabhängigkeit der Eigentumsverhältnisse ist, dass am Ende der Verhandlungen die Menge an produzierten Gütern maximal ist[13], vorausgesetzt der Preismechanismus arbeitet ohne Transaktionskosten. Die Behauptung, dass „bei eindeutiger Zuordnung von Eigentumsrechten und ohne Berücksichtigung von Transaktionskosten […] die optimale Allokation von Ressourcen“[14] durch Verhandlungen gewährleistet wird, nennt man auch die „efficency hypothesis“[15] bzw. Effizienzhypothese.

[...]


[1] Als externe Effekte werden Situationen bezeichnet, bei denen die privaten Kosten und Nutzen und sozialen Kosten und Nutzen auseinander liegen. Bei negativen externen Effekten, liegen die sozialen Kosten über den privaten Kosten. Die Differenz zwischen Kosten- und Nutzenkategorien geben das Ausmaß des externen Effekts an. Vergleiche hierzu auch Ewers, Fritsch und Wein(2005) S. 92.

[2] Coase (1988) S. 1.

[3] Dieser Begriff wurde erstmals benutzt von Stigler (1966), S. 113.

[4] Coase benutzt nie den Begriff „externer Effekt“ und erläutert dies später auch in The Firm, the Market, and the Law. Er schreibt wörtlich von „harmful effects“, da er der Ansicht ist, dass es auch externe Effekte gibt, die nicht zwingend negativ sein müssen.

[5] Coase (1988), S. 96.

[6] Ebd. S. 21.

[7] Ebd. S. 20 und Coase (1988) S. 151.

[8] Coase (1991).

[9] Coase (1988), S. 38.

[10] Coase (1988), S. 114.

[11] Pies (2000), S. 18.

[12] Coase (1988), S. 97.

[13] Coase (1988), S. 101.

[14] Helmedag (1999), S.56.

[15] Medema und Zerbe (2000).

Details

Seiten
18
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656190967
Dateigröße
388 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193273
Institution / Hochschule
Universität Hohenheim – Institut für Volkswirtschaftslehre
Note
1,7
Schlagworte
eine analyse coase-theorems

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