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Praktische Beispiele zum Prinzip der Zielorientierung (Teil 1)

Hausarbeit 2010 10 Seiten

Didaktik - Sachunterricht, Heimatkunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Allgemeines zum Prinzip der Zielorientierung

2. Zielorientierung am Beispiel der Unterrichtssequenz „Tiere der Wiese“

3. Zielorientierung am Beispiel der Unterrichtssequenz „Uhr und Uhrzeit“

4. Schlussgedanke: Möglichkeiten und Grenzen des Prinzips

Literaturverzeichnis

1. Allgemeines zum Prinzip der Zielorientierung

„Wer nicht genau weiß, wohin er will, braucht sich nicht zu wundern, wenn er ganz woanders ankommt!“1 Dieser Ausspruch Robert Magers spielt darauf an, dass der Mensch in seinem Leben Zielsetzungen braucht, um sich in der ihn umgebenden Welt zurechtfinden zu können und auch, um seine Persönlichkeit entfalten zu können.2 Wenn der Mensch also generell im Leben nach Zielorientierung verlangt, so trifft dies auch auf den Bereich Schule zu. Das Prinzip der Zielorientierung zählt zu den wichtigsten Prinzipen des Unterrichts.3 Denn ein Unterricht ohne Ziele ist planlos, Ziele gelten als unverzichtbarer Entscheidungsfaktor bei der Unterrichtsgestaltung.4 Zielorientierung ist ein wichtiges Kriterium bei der Erstellung von Lehrplänen, welche Handlungsanweisungen und Planungshilfen für den Lehrer sind und dessen Handeln überprüfbar machen.

Zur Zielorientierung gehört unter anderem die Zielanalyse: „Der Lehrer trifft hier eine Auswahl geeigneter Unterrichtsziele mit zugeordneten Teilaspekten des Unterrichtsinhalts. (…) [Er macht sich seine Bildungsabsichten bewusst und er] orientiert sich dabei an den allgemeinen Schul- und Bildungszielen (Leit- oder Richtzielen), den dazu passenden Grobzielen seines Faches und den Teilzielen der Unterrichtseinheit, zu der die Einzelstunde gehört. Für die Einzelstunde entscheidet er dann [selbstständig] Stundenziele (Feinziele).“5

„Die Orientierung an den Zielen der Schule, des jeweiligen Unterrichtsfaches, einer Unterrichtseinheit und schließlich einer Unterrichtsstunde ist eine wesentliche Entscheidungshilfe für den Lehrer. Sie entlastet ihn didaktisch bei der Planung und auch bei der Gestaltung des Unterrichts, macht seine Arbeit transparent und überprüfbar und sichert beim Schüler einen kontinuierlich aufbauenden und systematischen Zuwachs an Wissen, Können und Einstellungen.“6 Die Ziele sind vom Schüler aus gedacht und geben an, was ein Schüler am Ende einer Unterrichtseinheit von bestimmten Lerninhalten wissen sollte beziehungsweise welche Fähigkeiten er auf welchem Lernniveau erworben haben sollte.7

2. Zielorientierung am Beispiel der Unterrichtssequenz „Tiere der Wiese“

Im Folgenden wird nun das Unterrichtsprinzip der Zielorientierung an praktischen Beispielen verdeutlicht.8

Beginnend mit der ersten Jahrgangsstufe wurde das Thema 1.5 ‚Leben mit der Natur’, genauer 1.5.2 ‚Tiere der Wiese’, aus dem Lehrplan ausgewählt, welches zum Lernfeld 7 ‚Tiere und Pflanzen’ gehört. Hierzu wurde eine Unterrichtssequenz entwickelt. Der Lehrplan beschreibt den Themenbereich 1.5 ‚Leben mit der Natur’ folgendermaßen: „Die Schüler entdecken und bestaunen die Wiese und können dabei den Wert der Natur für uns Menschen erspüren. Indem sie entsprechende Verhaltenregeln einüben, lernen die Schüler einen achtsamen Umgang mit Tieren und Pflanzen. Die Schüler beobachten jahreszeitliche Veränderungen auf der Wiese und sammeln erste Kenntnisse über das Zusammenspiel von Tier- und Pflanzenwelt. Dabei betrachten sie exemplarisch die Entwicklung eines Tieres und die Ausbreitung einer Pflanze genauer.“9

Der Lehrer muss nun die Ziele für seine Unterrichtssequenz festlegen. Als übergeordnetes Ziel, auch Erziehungsziel genannt, gilt hier allgemein das Klären und Einüben von Verhaltensregeln, also der Umgang mit den Tieren der Wiese. Leitziel ist also das Verantwortungsbewusstsein gegenüber allem Lebendigen. Das Bewusstsein für den Umgang hiermit entwickeln die Schüler allerdings erst durch das Kennenlernen der Tiere und der Lebensvielfalt.

Als Grobziel der Unterrichtssequenz gilt, dass die Schüler Grundkenntnisse über einheimische Tiere auf der Wiese erlangen.

Aufgrund der vom Lehrplan verbindlich vorgeschriebenen Ziele, nämlich einige Tiere nach ihrem Aussehen unterscheiden und benennen zu können, deren bevorzugten Lebensbereich feststellen zu können und die einzelnen Phasen der Entwicklung zum Schmetterling zu beobachten, entstand folgende Gliederung in drei Unterrichtseinheiten für die Unterrichtssequenz ‚Tiere der Wiese’:

- Wir entdecken unsere Wiese
- Leben auf der Wiese
- Von der Raupe zum Schmetterling.

Für die erste Unterrichtseinheit ‚Wir entdecken unsere Wiese’ sollten zwei Unterrichtsstunden eingeplant werden. Im Vorfeld klärt der Lehrer mit den Kindern ab, wie sie mit den Tieren auf der Wiese generell umgehen sollten. Dann könnte man mit den Schülern einen Unterrichtsgang zu einer nahe gelegenen Wiese oder in den Schulgarten machen, denn die originale Begegnung ist für Kinder wichtig und motivierend. „Die Orientierung des Unterrichts am übergeordneten Grobziel sollte sich auch bei der Planung der einzelnen Stunden einer Sequenz auf Feinzielniveau erkennen lassen.“10 Erstes Feinziel der Einheit wäre nun, dass die Schüler verschiedenste Wiesenbewohner entdecken und beobachten. Es ist hier möglich, die Schüler zunächst alleine mit einer Becherlupe und einem Bestimmungsbuch auf Entdeckungstour zu schicken oder auch sie dazu einzuladen, ihre Entdeckungen mit Stift und Papier festzuhalten. Eine Alternative hierzu ist aber natürlich auch ein gemeinsamer Rundgang mit dem Lehrer.

Das zweite Feinziel der Unterrichtseinheit ist, dass die Kinder einen Einblick in die Lebensvielfalt und die verschiedenen auf der Wiese gebotenen Lebensräume erhalten. Auf ihrer Erkundungstour entdecken die Schüler viele Tiere der Wiese, wie zum Beispiel Regenwürmer, Ameisen, Heuschrecken, Käfer, Raupen, Bienen, Schmetterlinge, vielleicht sogar eine Maus oder einen Maulwurf. Mithilfe eines Bestimmungsbuches und in Begleitung des Lehrers erhalten die Kinder hier umfassende Einblicke.

Schön wäre es, wenn die Unterrichtseinheit mit einer Ausstellung im Klassenzimmer mit den gesammelten Ergebnissen der Kinder ausklingen würde.

Zuletzt entwickeln sie auch ein Bewusstsein für den achtsamen Umgang mit Tieren und Pflanzen auf der Wiese, wobei dieses Ziel als allgemeines Erziehungsziel nicht in einer Unterrichtseinheit erreicht werden kann, sondern über die gesamte Schullaufbahn als ständiges Ziel angestrebt werden sollte.

Die zweite Unterrichtseinheit nun ‚Leben auf der Wiese’ umfasst wiederum drei Feinziele: Die Schüler erlangen zunächst Kenntnis über die verschiedenen Tiere der Wiese und als zweites Feinziel entwickeln sie auch die Fähigkeit, Tiere durch optische Merkmale voneinander zu unterscheiden und zu benennen. Dies kann erreicht werden durch den Einsatz von Bildkarten zu den einzelnen Wiesentieren.

Auch lernen die Schüler nun die Lebensbereiche der Wiese kennen und können deren Bewohner zuordnen. Das heißt, dass sie lernen, welche Tiere in der Erde leben, auf dem Boden, auf der Pflanze oder auch im Luftraum der Wiese. Wichtig ist es hier jedoch, exemplarisch einige Tiere auszuwählen, so dass die Schüler nicht mit Informationen überschüttet werden. Dies richtet sich allerdings nach den jeweiligen Voraussetzungen der Schüler und inwieweit sie bereits Vorwissen und eigene Erfahrungen mit einbringen können.

[...]


1 Wiater, Werner: Unterrichtsprinzipien (Prüfungswissen-Basiswissen-Schulpädagogik). Donauwörth (2008)³, S.70.

2 Vgl. Wiater (2008), S.72.

3 Vgl. Glötzl, Herbert: Prinzipien effektiven Unterrichts. Handbuch für die Erziehung- und Unterrichtspraxis (Schulpädagogik). Stuttgart 2000, S.127.

4 Vgl. Wiater (2008), S.70.

5 Wiater (2008), S.71.

6 Wiater (2008); S.75.

7 Vgl. Glötzl (2000), S.129f.

8 Anmerkung: Diese Hausarbeit ist als erster Teil zum Thema ‚Praktische Beispiele zum Prinzip der Zielorientierung’ anzusehen. Der zweite Teil befasst sich weiter mit den Jahrgangsstufen zwei und drei.

9 Lehrplan 2000, S.106.

10 Glötzl (2000), S.153.

Details

Seiten
10
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656190448
ISBN (Buch)
9783656190813
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193251
Institution / Hochschule
Universität Passau
Note
1
Schlagworte
praktische beispiele prinzip zielorientierung teil

Autor

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