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Wenn der Tod in die Schule eintritt

Krisenintervention

Hausarbeit 2009 11 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einordnung des Themas in den Gesamtrahmen der Schulpastoral

2. Psychotraumatologie

3.Wenn der Tod in die Schule eintritt
3.1 Wie kann der Tod in die Schule eintreten?
3.2 Was ist wichtig, wenn der Tod in die Schule eintritt?
3.3 Praktische Beispiele für den Umgang mit dem Thema Tod in der Schule
3.4 Verlust des Haustiers

4. Abschließende Gedanken

Quellen

1. Einordnung des Themas in den Gesamtrahmen der Schulpastoral

Das Thema der folgenden Seminararbeit, Krisenintervention in Schulen, ist ein sehr wichtiges Thema für Schulen und ihre Lehrer. Jederzeit kann ein unvorhergesehenes tragisches Ereignis auf die Schule und ihre Angehörigen zukommen und dann gilt es, geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Die Schulpastoral orientiert sich an den Grundvollzügen der Kirche, also Diakonia, Martyria, Koinonia und Leiturgia. Die Krisenintervention ist hier in den Bereich der Diakonia, also dem Dienst am Menschen, einzuordnen. Im Religionsunterricht werden demnach Schülerinnen und Schüler bei persönlichen Problemen umsorgt und bei Krisen- und Konfliktsituationen unterstützt. Weiter bemüht sich Schulpastoral um Kontakte zu Beratungsstellen und es gehört ebenfalls zum schulpastoralen Handlungsfeld, wenn Lehrer vorbereitet, geschult und ausgebildet werden im Umgang mit ihren Schülern angesichts tragischer Vorkommnisse. Schulpastoral bedeutet unter anderem also auch Begleitung bei Tod und Trauer.

Schule gilt als Lern-, aber auch als Lebensort. Und Tod und Trauer begleiten uns unser gesamtes Leben lang. Somit ist auch die Schule als Lebensort nicht davon ausgeschlossen. Daher gilt es, sich als Schule auf solche Ereignisse gefasst zu machen, sich darauf vorzubereiten. Wenn ein Student sich für das Lehramtsstudium entschieden hat, dann macht er sich wohl keine Gedanken darüber, dass er eventuell einmal vor einer Klasse stehen und ihr beispielsweise vom Tod eines Mitschülers erzählen muss. Doch meiner Meinung nach ist dies zwar eine Situation, auf die man niemals vorbereitet sein kann, es gibt jedoch Möglichkeiten, den Umgang damit zu erlernen und diese sollte man auch schon als angehender Lehrer nutzen.

Im Folgenden möchte ich nun genauer auf die Krisenseelsorge eingehen, zunächst auf die Psychotraumatologie und anschließend darauf kommen, was geschieht, wenn der Tod in die Schule eintritt und wie man sich in solchen Situationen verhalten kann.

2. Psychotraumatologie

Plötzliche, unvorbereitete Konfrontationen des Menschen mit belastenden Ereignissen wie dem Tod führen ihn in seiner seelisch-körperlichen Ganzheit in einen Extremzustand. Dieser schützt den Menschen, so dass er in einem Mindestmaß handlungs- und funktionsfähig bleibt und vor dauerhafter Erkrankung bewahrt wird.1

Diesen Extremzustand nennt man auch akute Traumatisierung.

Man unterscheidet drei Phasen:2

In der Schockphase, die von einer Stunde bis zu einer Woche dauern kann, ist es möglich, dass der Betroffene wichtige Daten wie seine Telefonnummer und Adresse vergisst. Er ist verwirrt und hat häufig das Gefühl, im falschen Film zu sein. Äußerlich macht sich der Schockzustand durch bleiche Hautfarbe, schnelle und flache Atmung und benommenen Blick deutlich. In dieser Phase haben die medizinisch notwendigen Maßnahmen Vorrang vor der psychologischen Ersten Hilfe.

In der Einwirkungsphase des Traumas, welches bis zu zwei Wochen anhalten kann, ist zwar die stärkste Erregung abgeklungen, aber dennoch ist der Betroffene völlig von den Ereignissen in Anspruch genommen. Er muss ständig von den Vorfällen berichten und ist geplagt von Depressionen, Selbstzweifeln, Ohnmacht- und Hoffnungslosigkeitsgefühlen. Auch Wutanfälle und Anklagen treten auf, ebenso wie Nachhallerinnerungen, Einschlafstörungen, Übererregbarkeit, erhöhte Schreckhaftigkeit, Gedächtnisstörungen, Alpträume und manchmal auch Überlebensschuld. Oft haben die Betroffenen auch Probleme damit, Regeln zu befolgen oder sich zusammenzureißen. Ihr Verhalten ist nicht steuerbar.

Die Erholungsphase beginnt meist zwischen der zweiten und vierten Woche nach den belastenden Ereignissen, kann aber durch weitere erschreckende Nachrichten oder belastende Lebensumstände verzögert werden oder sogar ausbleiben. Zwar ist in dieser Phase das traumatische Ereignis noch immer von zentraler Bedeutung, allerdings löst nicht mehr jeder Gedanke daran den vollen Schrecken aus und auch die Zukunft wird wieder positiver gesehen.

Nach vier bis sechs Wochen sollte dieser Zustand überwunden werden und in Trauer übergehen. Wenn die Symptome wie Nachhallerinnerungen und Alpträume, die Angst vor allem, was an das Ereignis erinnert, fortbesteht, ebenso wie die gesteigerte Erregbarkeit, dann besteht die Gefahr dauerhafter Erkrankung und es sollte fachliche Hilfe in Erwägung gezogen werden, zum Beispiel durch die Krisenseelsorge im Schulbereich (KiS).

3. Wenn der Tod in die Schule eintritt

3.1 Wie kann der Tod in die Schule eintreten?

Das Thema Tod kann in die Schule auf vielfache Art und Weise eintreten: Es können Lehrer sterben, wie auch Eltern, Mitschüler, Angehörige und Freunde von Schülern. Dies kann durch Krankheit, Unfälle, altersbedingt, aber auch durch Selbsttötung geschehen. Da Suizid, auch Selbsttötung genannt, eine der häufigsten Todesursachen ist und in allen Schichten vorkommt, möchte ich an dieser Stelle genauer auf dieses Thema eingehen. Es gibt einige „Mythen“ zum Thema Suizid:3

- Wer Suizid anspricht, tut es nicht. Aber 80% der Suizide sind angekündigt, sie geschehen nicht ohne Vorzeichen!
- Wer Suizid begeht, dem ist nicht mehr zu helfen. Aber viele wünschen sich Hilfe!
- Wer über Suizid nachdenkt, ist verrückt. Aber sehr viele Jugendliche haben darüber schon einmal nachgedacht!
- Wer einmal darüber nachdenkt, der tut dies immer.
- Nach der Krise geht es bergauf, es besteht keine Suizidgefahr mehr. Aber viele Gefährdete haben in der Krise, wenn sie ganz am Boden sind, keine Kraft für den Suizid und handeln erst dann, wenn es ihnen wieder besser geht! Das heißt, dass sie sich häufig erst dann umbringen, wenn keiner mehr damit rechnet.
- Suizid ist erblich. Das stimmt so nicht, aber häufig gibt es Nachfolgesuizide, wenn der erste nicht aufgearbeitet wurde!
- Die meisten Suizide werden im Winter getätigt. Aber in der Realität kommt es zu den meisten Selbsttötungen im Frühjahr!

Wichtig ist es zu wissen und zu akzeptieren, dass Suizid nie nur einen Grund hat! Ein Jugendlicher bringt sich also beispielsweise nicht nur aus dem einen Grund um, weil er seine große Liebe verloren hat. Die Hauptgründe für eine Selbsttötung bei Jugendlichen sind der Wunsch nach Aufmerksamkeit beziehungsweise das Bedürfnis ein Notsignal zu setzen, der Wunsch nach Wiedervereinigung mit lieben Verstorbenen oder die Bestrafung einer geliebten Person oder Rache.

[...]


1 Vgl. Barkowski (2006), Kapitel 1, S.2.

2 Vgl. http://www.psychotraumatologie.de/index.htm: Diese Fußnote umfasst die folgenden vier Abschnitte.

3 Vgl. Herrmann (2003), S.42.

Details

Seiten
11
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656190462
ISBN (Buch)
9783656190684
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193240
Institution / Hochschule
Universität Passau
Note
1
Schlagworte
wenn schule krisenintervention

Autor

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Titel: Wenn der Tod in die Schule eintritt