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Die Band Ton Steine Scherben: Subpolitiker einer Gegenkultur?

Magisterarbeit 2011 130 Seiten

Soziologie - Medien, Kunst, Musik

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Forschungsleitende Fragen und Hypothesen
1.2 Forschungsstand und Literatur

2 Zum Begriff der Kultur
2.1 Kultur und Gesellschaft
2.2 Aspekte des Kulturbegriffs
2.3 Zum Verhältnis von Kultur und Subkultur

3 Zum Begriff der Subkultur
3.1 Das Suffix sub
3.2 Begriffsgeschichte Subkultur
3.2.1 Kriminalistische Ansätze
3.2.2 Strukturelle Ansätze
3.2.2.1 Theorie der Subkultur
3.2.2.2 Centre for Contemporary Cultural Studies (CCCS)
3.2.2.3 Stil und Bricolage
3.2.3 Weitere subkulturelle Deutungskonzepte
3.3 Alternative Konzepte
3.3.1 Jugendkultur vs. Subkultur
3.3.2 Szene vs. Subkultur
3.4 Zusammenfassung

4 SUBPOLITIK
4.1 Auf- und Ablösung der Industriemoderne
4.2 Subpolitische Akteure und Komponenten
4.3 Beck’s Politikverständnis
4.4 Subpolitik in der Rezeption

5 Vorgehen Der Vorliegenden Arbeit
5.1 Methodik
5.2 Verwendung von Subpolitik
5.3 Analytischer Fahrplan

6 Historisches Setting der 60er
6.1 Sozioökonomischer Wandel der 60er Jahre
6.1.1 Massenwohlstand
6.1.2 Steigerung der Freizeit
6.1.3 Medialisierung
6.1.4 Internationalisierung
6.1.5 Jugend und Juvenialisierung
6.1.6 Zuspitzung der politischen Situation
6.2 Kulturelle und gesellschaftliche Auswirkungen
6.2.1 Generationenkonflikt
6.2.2 Wertewandel
6.2.3 Kultureller Wandel

7 Protest und gegenkulturelle Bewegungen – Die BRD im Umbruch
7.1 „1968“ – Deutungsansätze einer Legende
7.2 Akteure der 68er-Bewegung
7.2.1 Sozialistischer Deutscher Studentenbund
7.2.2 Außerparlamentarische Opposition
7.3 Politisierung und Radikalisierung
7.4 Zusammensetzung der gegenkulturellen Bewegung
7.5 Kultureller Konsens der gegenkulturellen Bewegung
7.5.1 Wohnsituation und Sexualität
7.5.2 Die Rolle der Musik
7.5.3 Grenzerfahrungen und Bewusstseinserweiterung durch Drogen
7.5.4 Subpolitische Kultur
7.6 Konzentrat der gegenkulturellen Bewegung: Die Gegenkultur
7.6.1 Vorläufer der westdeutschen Gegenkultur
7.6.1.1 Beat-Generation
7.6.1.2 Hippies
7.6.1.3 Provo-Bewegung
7.6.1.4 Gammlerbewegung
7.6.2 Gegenöffentlichkeit
7.6.3 Freiräume der Gegenkultur
7.7 Gegenkultureller Nährboden und Zentrum der Gegenkultur: West-Berlin
7.8 Die gegenkulturelle Bewegung als Subkultur
7.8.1 Von der Sub- zur Gegenkultur
7.8.2 Gemeinsame Basis der Sub- und Gegenkultur: Die Utopie der Veränderbarkeit

8 Ton Steine Scherben
8.1 Bandmitglieder von Ton Steine Scherben
8.1.1 Bandmitglieder
8.1.2 Scherben -Family
8.2 Entstehung
8.2.1 Vorläufer: Hoffmanns Comic Teater, Beatopern und Rote Steine
8.2.2 Zwischen Rote Steine und Ton Steine Scherben
8.2.3 Entwicklung der Scherben zur linken Jukebox
8.2.4 Wohn- und Arbeitsgemeinschaft: T-Ufer
8.2.5 Rückzugsort: Fresenhagen

9 Ton Steine Scherben im Gegenkulturellen BErlin der 70er
9.1 Die militante Fraktion: Blues, Haschrebellen, Tupamaros und RAF
9.2 Ton Steine Scherben und die dogmatische Linke
9.3 Rausch- und Suchtkultur

10 Aspekte der Gegenkultur bei Ton Steine Scherben
10.1 Wohnen und Arbeiten
10.2 Sexualität
10.3 Rausch und Drogen
10.4 Musik als Ausdrucksform der Gegenkultur
10.4.1 Experimental-, Polit- und Krautrock: Die gegenkulturellen Musikszenen der BRD
10.4.2 Musik und Songs von Ton Steine Scherben
10.4.2.1 Warum geht es mir so dreckig? – 1971
10.4.2.2 Keine Macht für Niemand – 1972
10.4.2.3 Wenn die Nacht am tiefsten… – 1975
10.4.3 Ästhetische Inhalte der Musik
10.5 Ton Steine Scherben als Sprachrohr der Gegenkultur
10.5.1 Sprache als Stilelement
10.5.2 Inhaltliche Bricolage
10.5.3 Feindbilder und Stereotypen
10.6 Utopie der Gegenkultur bei Ton Steine Scherben
10.6.1 Unabhängigkeit und Selbstorganisation
10.6.2 David Volksmund Produktion
10.6.3 Auf- und Abstieg mit der Gegenkultur
10.7 Ton Steine Scherben und Medien
10.7.1 Fernsehen
10.7.2 Radio
10.7.3 Printmedien

11 Gegenkultur und Subpolitik bei Ton Steine Scherben
11.1 Einordnung der Scherben als gegenkulturelles Phänomen
11.1.1 Delinquenz und Gegenkultur
11.1.2 Kulturelle Muster und Praktiken
11.1.3 Versuch einer Typologisierung von Ton Steine Scherben
11.2 Ton Steine Scherben - Subpolitiker einer Subkultur?
11.2.1 Formen und Strukturen der Subpolitik bei Ton Steine Scherben
11.2.2 Inhalte und Programme: Subpolicy bei Ton Steine Scherben
11.2.3 Subpolitische Mittel und subpolitischer Effekt?

12 Fazit und Ausblick
12.1 Probleme und Kritik der eigenen Arbeitsweise
12.2 Ton Steine Scherben zwischen Ideal und Farce
12.3 Abschließendes Fazit

13 Quellenverzeichnis
13.1 Literaturverzeichnis
13.2 Filme und Musik
13.3 Weblinks

1 Einleitung

Ob in New York, in Paris, in Stockholm oder in West-Berlin: die progressive Jugend ist auf dem Marsch nach links und ein paar Sänger und Musiker marschieren mit. Natürlich wissen diese – wie sie sich nennen: Kulturarbeiter – ganz genau, dass sie mit Noten nicht die Welt verändern. Trotzdem, die Musik ist für sie mehr als nur ein Zwischenton im Klassenkampf.[1]

Mit diesen Worten kündigte der Journalist Albrecht Metzger 1970 im Jugendmagazin Jour Fixe des Südwestdeutschen Rundfunks die Polit-Rock-Gruppe Ton Steine Scherben an. Diese hatte sich kurz zuvor im West-Berliner Stadtteil Kreuzberg gegründet, mit einer Ausrichtung, die voll im Zeichen der aufgeheizten Atmosphäre des Konflikts zwischen verschiedenen gesellschaftlichen und kulturellen Gruppen stand: „Wir wollen mit der Musik, die wir machen, die Menschen davon überzeugen, dass sich alle Menschen von ihren Unterdrückern befreien müssen.“[2] erklärt Rio Reiser, Frontmann der Band, im Interview mit Metzger. Dazu passte der selbsterfundene Musikstil der Band: Agit-Rock. Eine Wortspielerei aus Acid-Rock[3] und dem Begriff Agit-Prop, einer Mischung aus Agitation und Propaganda, die vor allem in linken Kreisen verbreitet war. Titel wie Macht kaputt was euch kaputt macht, Ich will nicht werden was mein Alter ist, Wir streiken oder Der Kampf geht weiter entwickelten sich in kürzester Zeit zu Hymnen von Hausbesetzern, politischen Aktivisten und Kulturrebellen. Der genaue Blick auf Ton Steine Scherben legt eine ungewöhnliche Mischung aus künstlerischer und Lebensradikalität frei: Als Teil der West-Berliner Gegengesellschaft lebten sie in Kommunen, beteiligten sich an Demonstrationen, Solidaritäts- oder Protestaktionen und standen in Kontakt mit Personen aus dem Umfeld der APO, Bewegung 2. Juni und RAF. Konzerte endeten nicht selten in Hausbesetzungen, ihre Kommune wurde regelmäßig von Polizeikommandos nach Terroristen durchsucht. Die Türen ihrer Wohn- und Arbeitsräume standen jedermann offen, gemeinsam hat man musiziert, diskutiert oder Drogen genommen. Dabei verstanden sich die Mitglieder der Band als Teil einer revolutionären Bewegung, deren politische Ausrichtung dem Klassenkampf: einem Kampf gegen Unterdrückung, Unfreiheit und Ungerechtigkeit dienen sollte, vor allem in ihrer direkten Umgebung in Kreuzberg/West-Berlin:

Ich kann mir auch keinen anderen Platz vorstellen, zum Musik machen und zum politisch arbeiten, weil hier, in dem Milieu die Widersprüche des Kapitalismus noch ziemlich ungeschminkt zu Tage treten und … daraus resultiert eine viel größere emotionale Kraft, eine viel größere Spannung.[4]

1.1 Forschungsleitende Fragen und Hypothesen

Wie konnte diese politische Arbeit einer Musikgruppe aussehen? Wieso verbreiteten sich ihre radikalen, schlagwortartigen Parolen blitzartig durch den deutschsprachigen Raum? Wie traten sie wofür ein, mit welchen Inhalten, Zielen und Methoden? Aus welchem Grund stieg die Band abseits klassisch-wirtschaftlicher Strukturen in kürzester Zeit zu einer der bekanntesten westdeutschen Gruppen auf – ohne Plattenlabel oder Vermarktungsstrategie? Woher stammte überhaupt die Idee oder der Glaube daran, mit Musik Politik machen zu können? Politik für oder gegen welche politischen, gesellschaftlichen oder kulturellen Ansichten und Gruppen – und vor allem weshalb? Diese Fragen sollen in der vorliegenden Arbeit beantwortet werden. Eine grundlegende These ist dabei, dass Ton Steine Scherben maßgeblich von den Ansichten, Formen und Auswirkungen der 68-Kulturrevolution beeinflusst waren. In einem theoretischen Teil werden dazu verschiedene Theorie- und Analysemodelle der Bereiche Kultur, Sub- und Gegenkultur betrachtet, um Ton Steine Scherben und ihr Verhältnis zur gegenkulturellen 68-Bewegung gesellschaftlich, sozial und kulturell einordnen zu können. Der von Ulrich Beck entwickelte Begriff der Subpolitik soll anschließend eine politische Analyse des Phänomens in Ausrichtung, Wirkung und historischem Zusammenhang ermöglichen. Daraufhin wird zuerst das historische Setting betrachtet, in dem die gegenkulturelle Bewegung als Subkultur und daraufhin die Gegenkultur entstanden. Weiter werden die Hauptaspekte und -komponenten der gegenkulturellen Bewegung sowie der Gegenkultur ausgeführt und anschließend analysiert. Auf Grundlage dessen wird die Entstehung, Entwicklung und Ausrichtung von Ton Steine Scherben dargelegt und nach gegenkulturellen Aspekten analysiert – im Anschluss auch die Gründe für die inhaltliche Veränderung der Band und ihrer Flucht aus der West-Berliner Gegengesellschaft. Die Zusammensetzung dieses in vielerlei Hinsicht extremen Milieus wird ebenfalls betrachtet, sowie die Interkation der Band mit dieser Gegengesellschaft. Eine weitere These ist dabei, dass Ton Steine Scherben von einer allgemeinen Radikalisierung erfasst wurden, die sich in West-Berlin aufgrund regionaler und kultureller Besonderheiten besonders ausgeprägt zur Gegengesellschaft verstetigte und als dessen Sprachrohr und subpolitisch-aktive Vertreter die Band fungierte. Als Analysegegenstand werden hierzu Autobiographien und Veröffentlichungen aus dem Zeitraum zwischen 1970 und 1975 verwendet. Der Analyse der Songs als ästhetisches und inhaltliches Kommunikationsmedium der Band wird dabei besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Abschließend wird das subpolitische Schaffen der Band beleuchtet, mit Schwerpunkt auf die dabei eine Rolle spielenden Inhalte, Prozesse, Effekte und Institutionen.

1.2 Forschungsstand und Literatur

Der Zusammenhang zwischen der westdeutschen Kunst- und Kulturszene und der Entwicklung der gegenkulturellen Bewegung wird in der Literatur über die Kulturrevolution der langen 68er oder Studenten- und Jugendprotesten häufig erwähnt. Zudem ist die Rolle der Musik als Träger explizit und implizit rebellischer Aussagen unbestritten. Analysen zur westdeutschen Musikszene zwischen 1960 und Mitte 1970 und ihrer Beteiligung an Protestaktionen und Widerstand sind jedoch kaum vorhanden. Falls Musikgruppen überhaupt anders als musikwissenschaftlich analysiert werden, zielt der Fokus eher auf stilistische Elemente der Jugendkulturen des Beat, Swing oder Rock’n Roll, ihre Mode, ihr Konsumverhalten oder ihren Drogenkonsum. Das liegt jedoch nicht zuletzt an den Bands selbst, denn auch wenn zahlreiche Gruppen sich dem (gegen)kulturellen Aufbruch verschrieben, setzten nur eher wenige die proklamierten Forderungen aktiv und dauerhaft um. Schließlich wollten die meisten Bands Musik machen – und nicht Politik. Musikprojekte mit politischer Ausrichtung beschränkten sich andererseits meist auf die inhaltliche Ebene, wobei die Musik als Vehikel benutzt wurde für häufig umständliche und hochgestochene theoretische Überlegungen. Vertreter dieser Auffassung von politischer Musik hießen Wolfgang Degenhardt oder Wolf Biermann, andere Gruppen wie Floh de Cologne vermischten Musik und Kabarett und verwendeten Musik ebenfalls eher als notwendiges Beiwerk. Gleichzeitig weigerten sich viele Beat- und Rockbands in deutscher Sprache zu singen, aus welchen Gründen auch immer. Ton Steine Scherben brachten dagegen die einzelnen Elemente der gegenkulturellen Bewegung oder Gegenkultur zusammen: ein aggressives Gemisch aus Beat, Blues und Rock, kritisch-provokante Texte in deutscher Sprache und den extremen Lebensstil der Gegenkultur – obendrein in West-Berlin, dem Sturmauge des Konflikts zwischen Staat und Gegengesellschaft.

In der vorliegenden Arbeit kommen neben Mitgliedern der Band, ihres Umfelds und anderweitig Beteiligten, wie Daniel Cohn-Bendit oder Michael Bommi Baumann, einschlägige Experten für die die Kulturrevolution der 60er Jahre zu Wort, wie beispielsweise Detlef Siegfried, Wolfgang Kraushaar, Axel Schild oder Ingrid Gilcher-Holtey. Im theoretischen Teil der Arbeit wird mit Hilfe von Überblickswerken und Zusammenfassungen einzelner Theoretiker der Fachgebiete Kultursoziologie und -anthropologie eine Einführung in die Themenbereiche der Kultur-, Sub- und Jugendkulturforschung gegeben. Auf Grundlage der Überlegungen von u.a. Friedrich Tenbruck, Rolf Schwendter, Stuart Hall oder Mike Brake, sowie nicht zuletzt Ulrich Beck, erfolgt die Zusammenstellung des methodischen und analytischen Fahrplans für das behandelte Thema.

2 Zum Begriff der Kultur

Der Begriff Kultur leitet sich ursprünglich ab aus dem lateinischen Verb „colere (1. Bebauen, bearbeiten, 2. Bewohnen, 3. Sorge tragen, pflegen, 4. Verehren), dessen Partizip Perfekt Passiv cultus eine höhere Lebensweise sowie eine aktive Gepflegtheit bezeichnet und dessen Substantiv cultura Bearbeitung, Anbau, Veredelung, Ausbildung und Huldigung bedeuten kann.“[5] Über den Umweg der Pflege und Bearbeitung des Ackers verlagert sich der Begriff auf die Kultivierung des Menschen selbst, durch die er sich von Tieren und Barbaren unterscheidet.[6] Johann Gottfried Herder ergänzte diese normative Aufladung des Begriffs um einen totalitätsorientierten Kulturbegriff. Anstatt die eigene Kultur als Maß der Dinge im Gegensatz zu (allen) fremden oder unbekannten Unkulturen zu verstehen, fasst Herders Begriff der Kultur alle kulturspezifischen und historischen Lebensformen eines Kollektivs.[7] In der Fortführung dieses Ansatzes wird der Begriff der Kultur in der vorliegenden Arbeit verwendet. In diesem Sinne verstanden, unterscheidet sich der Begriff Kultur von der alltagssprachlichen Bezeichnung von Kunst und Dichtung, oder auch vom sogenannten deutschen Kulturpessimismus, der Kultur als einfaches und natürliches Leben und Gegenstück zur zivilisatorischen Entfremdung des Menschen versteht[8]. Wie alle Begriffe hat der Begriff der Kultur keine exakte und unabänderliche Bedeutung. Dementsprechend existieren zahlreiche unterschiedliche Interpretationen und Ansätze den Begriff zu fassen und zu füllen. In den folgenden Ausführungen wird deshalb der Begriff für die Zwecke der vorliegenden Arbeit Kultur eingegrenzt und die Anwendung der Begrifflichkeiten erklärt.

2.1 Kultur und Gesellschaft

Gesellschaft ist ohne kulturelle Tradition nicht denkbar[9], denn sie konstituiert sich auf formelle und informelle Normen, Werte, Regeln, Traditionen und Interpretationen der Realität, welche von ihrer Trägerschaft ständig (direkt, indirekt oder darauf Bezug nehmend) praktiziert und so nach außen kommuniziert werden. „Gesellschaft bezeichnet im weitesten Sinne eine Gruppe, die sich als Fortpflanzungsgemeinschaft oder als politische Einheit organisiert. Der Terminus sozial bezieht sich dann auf menschliche Organisationsformen, Verhaltensweisen und menschliches Handeln. Die zugrundeliegenden Regeln für Verhalten und Organisation können mit dem Terminus kulturell bezeichnet werden.“[10] Nach diesem Gesellschaftsverständnis bezeichnet der Begriff nicht notwendig große Volksgesellschaften, sondern lässt auch die Möglichkeit für kleinere Organisationsformen, auch innerhalb anderer größerer Gruppen und Zusammenschlüsse. Daraus lässt sich schließen, dass alle Formen von Kollektiven eigene Verhaltensmuster, Werte- und Normenstrukturen und Interpretationen aufweisen, welche sie von anderen Gesellschaften, Gruppen und Kollektiven unterscheiden. Die Summe aus diesen Eigenschaften und -arten kann mit dem Begriff Kultur bezeichnet werden. Eher auf die Entstehung von kulturellen Mustern und Praktiken ausgerichtet ist dahingegen das Verständnis von Kultur „als die durch Menschen konstruierte Realität“[11], die jedoch den Vorteil bietet, auch die kulturellen Praktiken, Eigenheiten und Auswüchse kurzfristig und lose entstehender Gruppen zu betrachten.

2.2 Aspekte des Kulturbegriffs

Grundsätzlich stimmt die Mehrzahl aller Auffassungen von Kultur in einigen zentralen Merkmalen überein. So wird Kultur als essentiell für das menschliche Wesen im Gegensatz zu Tieren betrachtet. Kultur ist zudem keine biologische Tatsache, sondern wird zwischen Menschen vermittelt, sozialisiert oder tradiert. Kultur als Sammelbegriff aller miteinander in Verbindungen stehender Einzelaspekte einer Trägergruppe setzt sich zusammen aus materiellen (z.B. Körper, Artefakte, Kleidung, Architektur), sprachlichen, sozialen und ideellen (z.B. Wissen, Symbole, Glauben, Normen, Ästhetik) Tatsachen.[12] Neben der Bezeichnung von Kultur als Überbegriff für gesamtkulturelle Phänomene, also der Summe aller Einzelaspekte einer kulturellen Trägergruppe, existieren auch für eigenständige Bereiche kulturelle Begriffe, beispielsweise im Fall der Politischen Kultur. Zudem haben einzelne Aspekte in einer Kultur unterschiedliche Gewichtung, je nach Interpretation, Ausgangspunkt und betrachtetem Phänomen. Der Blick auf eine Kultur enthält in diesem Verständnis immer auch den direkten und indirekten Blick auf eine gesellschaftliche Trägergruppe mit ihrem historischen Umfeld. Moderne Großgesellschaften sind bekanntlich pluralistisch, vereinen viele unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen und demnach auch viele unterschiedliche Kulturen. Der Soziologe Bühl[13] sieht innerhalb Gesellschaften und Kulturkreisen einen ständigen praktisch-experimentellen Diskurs unterschiedlicher Ordnungs- und Deutungsprinzipien. In Interaktion mit einer dominanten Kultur pendeln zahlreiche Alternativ-Entwürfe durch Sub- und Gegenkulturen zwischen den Extremen Rückzug und Aggression, Vergeistigung und Sinnesrausch. Er schlussfolgert, es gäbe grundsätzlich keine Kultur ohne Gegenkultur. Diese formieren sich, sobald die dominante Kultur nicht mehr verarbeiten und sinnvoll interpretieren kann und „eine große Zahl der individuellen Karrieren nicht mehr nach den alten Ordnungsprinzipien miteinander synchronisiert werden kann.“[14] In diesem Verständnis interpretiert der Soziologe Mike Brake Kultur als „voneinander abgeschottete und ineinander überfließende Sphären“[15] und rät auch davon ab, diese als homogen zu betrachten.

2.3 Zum Verhältnis von Kultur und Subkultur

Im Essay Die Idee der Subkultur sieht Fritz Sack den Grund für die Entstehung des Begriffs Kultur in der „Konfrontation des westlich-abendländischen Menschen mit Verhaltensweisen, Sitten, Bräuchen“[16], die seinen eigenen Vorstellungen fremd waren und darum Unsicherheit oder Angst provozierten. Zu dieser intergesellschaftlichen Problematik zeichnet Sack eine intragesellschaftliche Analogie: der Entstehung der Subkultur nach derselben – jedoch innergesellschaftlichen – Systematik. Christa Wienkoop gibt einen Überblick über unterschiedliche Aspekte und Verständnisse von Kultur[17], sowie den Zusammenhang zwischen Kultur, Sub- und Teilkulturen. Sie sieht in Subkulturen eine Differenzierung zu einem kulturellen Ganzen, „dessen Systemcharakter und dessen einheitlich-charakteristische Prägung auf alle Einzelelemente und Neuerungen eine assimilierende Wirkung ausüben.“[18] Der österreichische Soziologe Girtler führt zur Frage nach dem Ursprung von Kultur eine einfache und offene Definition an: „Wo immer eine Gruppe von Menschen ein Stück gemeinsamen Lebens geht, sie miteinander Schwierigkeiten meistert und vielleicht gemeinsame Feinde hat, da erwächst Kultur.“[19]

In ihrem Buch Culture grenzten die amerikanischen Soziologen Croeber und Kluckhohn bereits 1952 insgesamt 175 unterschiedliche Definitionen des Kulturbegriffs von einander ab[20] – darüber, was Kultur ist und was Kultur nicht ist, scheint Unklarheit zu bestehen, ähnlich wie im Fall der genauen Bedeutung des Begriffs Subkultur. Roger Behrens bringt die grundlegenden Problematiken auf den Punkt:

„Der Begriff der Subkultur gehört zu jenen, die um so ferner rücken, je näher sich ihnen zugewandt wird. Sind gemeinhin die Definitionsbestimmungen dessen, was überhaupt Kultur zu nennen ist, schon Resultate von reduzierenden Auslassungen oder relativierenden Überdehnungen des Begriffs, so ist leicht einsehbar, um wieviel größer die Schwierigkeiten werden, wenn zudem noch eine Schicht unterhalb des einmal als Kultur Bestimmten vermutet wird.“[21]

Der Anthropologe René König bemerkt hierzu: „Es gibt in Wahrheit so viele kulturelle Unterschiede in einer Gesellschaft, zwischen ihren Teilen, dass sie unter Umständen größer sind als zwischen verschiedenen Kulturen.“[22] Demnach kann offensichtlich kaum von einer homogenen dominanten Kultur, sondern eher von einer Vielzahl unterschiedlicher (Teil-) Kulturen gesprochen werden. Nach Wienkoop sind Gesellschaft und Kultur (sowie Mensch und Kultur) untrennbar miteinander verwoben und konstituieren und tragen sich so gegenseitig[23], dabei besteht auch eine ständige Kommunikation zwischen unterschiedlichen Kulturen, Sub- und Gegenkulturen. Für Friedrich Tenbruck liefert die auf diese Weise immer neue Entstehung von Veränderungen und Bewegungen den Beweis für die schöpferische Fähigkeit und moderne Dynamik der Kultur. Einzelne Intellektuelle und soziale Gruppen erfinden, verbreiten und übernehmen Ideen außerhalb einer bis dahin repräsentativen Kultur und entwickeln diese damit weiter. Aus dieser Dynamik entstehen in einem ständigen Prozess neue Interpretations-, Lebens- und Kunstformen. „Die Gegenkultur der Protest-, Kommunen- und Aussteigerbewegungen, die sich in den 60er bildete, war ein Gewebe von Gruppen und Vereinigungen, die sich im Namen von neuen Ideen gebildet hatten, welche von Intellektuellen erfunden und verbreitet worden waren.“[24]

3 Zum Begriff der Subkultur

Zum Begriff der Subkultur existiert ebenfalls eine kaum überschaubare Menge an Literatur zu unterschiedlichen Bezeichnungen und Konzepten. Viele Autoren weisen auf die Schwierigkeit eines einheitlichen Begriffs von Subkultur hin, unter anderem Sack[25] (1971), Schwendter[26] (1973), Brake[27] (1982) oder Baacke und Ferchhoff[28] (1995). Da Theorien zum Thema Subkultur überwiegend an praktischen Phänomenen in verschiedenen Bereichen, Zeit- und Kulturräumen entwickelt wurden, erscheinen die Unterschiede eher naheliegend als verwunderlich. Daraus entstanden verschiedene theoretische, analytische und methodische Problemstellungen und Bedeutungsunterschiede. Im Folgenden wird trotzdem ein knapper chronologischer Überblick über einige zentrale Autoren und Werke der Theorie zum Thema Subkultur gegeben, aus oben genannten Gründen ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

3.1 Das Suffix sub

Das lateinische Suffix sub bedeutet übersetzt niedriger als oder unter – Subkultur demnach wörtlich übersetzt Unterkultur. In Gegenüberstellung mit einer Haupt-Kultur suggeriert diese wörtliche Übersetzung eine Wertung im Sinne von: einer dominanten (alternativ: starken, überlegenen etc.) Kultur untergeordnet. An dieser begrifflichen Wendung stoßen sich reihenweise Subkulturtheoretiker, was womöglich auch in dem Umstand des Suffixes unter und der Verwendung im Sprachgebrauch des Dritten Reichs zu verstehen ist (z.B. Unter-Mensch, Unter-Kultur). Hartmut Griese empfiehlt, den Begriff Subkultur wertfrei zu verwenden – eher im Sinn einer Eigen- oder Sonderkultur[29].

3.2 Begriffsgeschichte Subkultur

Die unterschiedlichen Ansätze zur Betrachtung von Teil- und Subkulturen richten ihren Fokus

mit verschiedenen Blickwinkeln auf die jeweiligen Phänomene. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit erfolgt im Anschluss eine Auswahl der zentralen Herangehensweisen, geordnet nach Perspektiven und in chronologischem Verlauf.

3.2.1 Kriminalistische Ansätze

Die Ursprünge des Begriffs der Subkultur sind zurückzuführen auf die anglo-amerikanische Soziologie und Kulturanthropologie zwischen 1920 und 1940.[30] Eine zentrale Rolle der ersten Studien zum Thema Subkultur spielte das Phänomen der Delinquenz, also Verhaltensweisen, welche sowohl von moralischen als auch strafrechtlichen Normen abweichen. Die Soziologen Trasher und Whyte befassten sich mit in Straßengangs organisierten delinquenten Jugendlichen. Im Zentrum ihres Interesses stand dabei deviantes, also von der Norm abweichendes Verhalten. Die Vertreter der Chicago School beschlossen ihre Studien über Gangkulturen in den USA unter anderem mit der Erkenntnis, dass jugendliche Gangs eigenen Symbolen, Ritualen, Codes folgen, für Jugendliche Ausbildungscharakter haben und eine wichtige Rolle für die Rekrutierung und Mobilisierung von Kriminellen darstellen.[31] So wurde gezeigt, inwieweit sich abweichendes Verhalten auf unterschiedliche gruppentypische Normen- und Moralvorstellungen rückführen ließ, anstatt auf den bloßen Willen zu bösartigem oder kriminellem Verhalten. Andererseits spiegelte sich in zahlreichen anderen Bereichen (z.B. dem Wunsch nach beruflichem Erfolg) ihre Teilhabe an einer allgemeinen Kultur. Darauf aufbauend, entwickelte Albert K. Cohen 1961 seine Theorie der delinquenten Subkultur, welche die Bildung von Kriminalität und Gangs als Anpassungsprobleme der männlichen Unterschicht beschreibt. Howard Becker weitet daraufhin die analysierte Gruppe auch auf Rauschgiftsüchtige oder professionelle Clubmusiker aus.[32] Der Analysegegenstand verschiebt sich langsam von einer Kultur der Kriminellen auf Delinquenz und Kriminalität in eher kulturellem Umfeld. Im Gegensatz zu späteren Verwendungen des Begriffs wurden Subkulturen in diesen Studien vor allem im Zusammenhang mit abweichendem Verhalten gegenüber einer hegemonialen kulturellen Norm betrachtet. Daraus entstand eine negative Konnotation des Begriffs, gegen die beispielsweise Rolf Schwendter in seiner Theorie der Subkultur anschreibt.

3.2.2 Strukturelle Ansätze

Strukturelle Ansätze basieren auf Annahmen zur gesellschaftlichen Struktur und stehen in Zusammenhang mit den von Karl Marx analysierten Interaktionen und Konflikten unterschiedlicher gesellschaftlicher Klassen oder Gruppen. Im Gegensatz zu kriminalistischen Ansätzen enthalten strukturelle Ansätze einen grundsätzlich sozial-politischen Charakter, da die Existenz und Ausbildung von Subkulturen als Reaktion auf einen gesellschaftsinternen Konflikt verstanden werden.

3.2.2.1 Theorie der Subkultur

Rolf Schwendters Ansicht nach sind Subkulturen „Teilkulturen innerhalb einer Gesellschaft, welche auf die Mehrheitskultur und deren dominierenden Werte und Normen Bezug nehmen“[33], aber sich mit „Institutionen, Bräuchen, Werkzeugen, Normen, Weltordnungssystemen, Präferenzen, Bedürfnissen usw. in einem Ausmaß von den herrschenden Institutionen etc. der herrschenden Gesellschaft“[34] unterscheiden. Schwendter entwirft verschiedene begriffliche Kategorien zur Typisierung von Subkulturen. Neben einer dominanten Kultur existieren seiner Ansicht nach Teilkulturen (führen innerhalb der dominanten Kultur ein Eigenleben) und Gegenkulturen (stehen in Opposition zum herrschenden System und auch wollen auch so verstanden werden[35]). Er unterscheidet unter anderem zwischen regressiven (mit dem Ziel einen vergangenen gesellschaftlichen Zustand wiederherzustellen) und progressiven Subkulturen. Letztere teilt Schwendter in rationalistische Subkulturen, die politische und intellektuelle Interessen verfolgen und emotionelle Subkulturen, die eher beziehungs- und bewusstseinsorientiert sind. Weiter wird zwischen freiwilligen und unfreiwilligen Subkulturen unterschieden. Rolf Schwendter, der selbst Teil der deutschsprachigen Kulturszene war[36], betrachtete bei seiner systematisch-theoretischen Analyse vor allen Dingen die gegenkulturellen Bewegungen im deutschsprachigen Raum während der 60er Jahre. Die strukturelle Aufmachung seiner Theorie, also die Betrachtung unterschiedlicher Formen und Interaktionen voneinander teils unabhängiger Teil-Kulturen, wurden zahlreich kritisiert[37], andererseits auch häufig verwendet[38]. Schwendters Theorie wurde beispielsweise von Rolf Lindner auch in den 80er Jahren fortgeführt[39] und in Verbindung zu den Studien des Centre for Contemporary Cultural Studies (CCCS) aus Birmingham gesetzt. Wie Schwendters Theorie liegen auch den Konzepten des CCCS Annahmen der marxistischen Gesellschaftstheorie zugrunde.

3.2.2.2 Centre for Contemporary Cultural Studies (CCCS)

Nach Lindner unterscheiden sich die Studien der CCCS nicht primär „durch ihre Untersuchungs felder, sondern durch ihre Untersuchungs weise[40], nämlich einer anthropologischen (anstatt ästhetischen) Auffassung von Kultur als analytisches Konzept, mit dessen Hilfe die Art und Weise entschlüsselt wird, wie gesellschaftliche Individuen, Gruppen und Klassen in einem spezifischen historischen Kontext das Rohmaterial ihrer sozialen und materiellen Existenz handhaben und umsetzen.“[41] Forschungsgegenstand zahlreicher Autoren des CCCS sind Fragen zur Entstehung, Zusammensetzung und Funktion jugendlicher Subkulturen. Eine methodische Besonderheit der CCCS -Studien ist die Einbeziehung einzelner Individuen der subkulturellen Trägergruppen durch Interviews und Gruppengespräche. Theoriehintergrund ist das vom italienischen Marxisten Antonio Gramsci entwickelte Modell eines Kampfes um Hegemonie zwischen herrschenden und untergeordneten Klassen. Als Hegemonie beschreibt Gramsci das in spätkapitalistischen Gesellschaften vorkommende Phänomen der totalen sozialen Autorität. In dieser Situation erscheint die Dominanz der herrschenden Klasse so selbstverständlich und legitim, dass ihre Interessen nicht aufgezwungen werden müssen, da bei untergeordneten Klassen abweichende Präferenzen überhaupt nicht entstehen könnten. Hauptgebiete dieser Hegemonie sind nach Ansicht der CCCS -Autoren weite Bereich des öffentlichen Lebens, wie beispielsweise Bildung, Medien oder Kultur. In verbliebenen Nischen proletarischer Kultur- und Lebensformen entstünden Subkulturen als „Ausdruck des Auswegs und der Alternative aus kollektiv erfahrenen Problemen und Widersprüchen hauptsächlich in der Arbeiterklasse.“[42] Analog dazu sind Bohème- und Avantgarde-Kulturen in Reaktion auf ihre Stammkultur der städtischen Mittelschicht-Intelligenz zu verstehen.[43] Je nach Klassenlage bilden sich so charakteristische und generationsspezifische Problemlagen, Konfliktlager, Verarbeitungsformen und (Schein-) Lösungen. Jugendliche stehen somit in doppelter Weise im Spannungsverhältnis: mit ihrer Parent-Culture sowie der dominanten bürgerlichen Kultur. Somit entsteht eine doppelte Artikulation[44], denn die Subkulturen grenzen sich gegenüber der Parent- und der Hegemonial-Kultur ab. Ausdruck der Abgrenzung sind beispielsweise stilistisch eingesetzte Artefakte, spezielle Verhaltensweisen und bestimmte Orte der Begegnung und Interaktion.

Diesen Fokus auf das Verhältnis zwischen Kultur und Subkultur stellten die Soziologen McLungLee und M.Gordon in den 1960er Jahren, indem sie den Begriff Subkultur als Subsystem einer nationalen Kultur sahen. Für Mike Brake schufen sie damit die Grundlage für subkulturelle Studien jenseits von delinquenten und kriminellen Phänomenen.[45] Auch Brake selbst vollzieht seine Analyse der Soziologie jugendlicher Subkulturen auf Basis der Erkenntnisse des CCCS. Er spezialisiert sich dabei vor allen Dingen auf die Ausbildung von Analysekategorien für vorwiegend jugendliche Subkulturen, unterschieden nach Arbeiterklasse und Bürgertum. Auf Grundlage von Überlegungen von Becker, Cohen, Clarke und Hebdige verknüpft Brake die individuelle Ebene der Andersartigkeit, Stigmatisierung und Probleme der Adoleszenz und Postadoleszenz zu typischen Auswegmöglichkeiten, welche von Subkulturen als Scheinlösungen angeboten und individuell oder kollektiv (als regionale, ideelle, generations- oder klassenspezifische Gruppe) angenommen werden können.[46] In dieser Konsequenz betrachtet Brake Subkulturen als Konsequenzen von individuell oder kollektiv wahrgenommenen strukturellen Problemstellungen[47], welche durch die von Subkulturen gestifteten Gemeinsamkeiten und den Zusammenhalt bestritten werden können, vor allem durch die Ausbildung gemeinsamer Stile.

3.2.2.3 Stil und Bricolage

Die Wichtigkeit der Beachtung stilistischer Ausprägungen von Subkulturen unterstreicht bereits A.K. Cohen Mitte der 60er Jahre[48]. Der CCCS-Autor Dick Hebdige sieht in der Methode der Bricolage [49] einen entscheidenden politische Aspekt, denn über die damit bezeichnete Neu-Kombination oder Neu-Ordnung von verschiedenen Elementen der Parent- und Hegemonial-Kultur wird eine Umdeutung (im Sinne einer Neu-Interpretation) der bestehenden Kulturen und Realitäten vorgenommen. Diese grenzt sowohl die entstehende Subkultur stilistisch ab, stellt außerdem gleichzeitig eine Provokation dar, denn die hegemoniale Deutungshoheit von Kultur und Realität wird somit in Frage gestellt. Drei Hauptkomponenten des Stils wurden vom CCCS als zentrale Analysekategorien entworfen: Image, Haltung (im Sinne des körperliche Ausdrucks) und Jargon.[50] Die Ansätze und Überlegungen der Autoren des CCCS fanden ab Beginn der 70er bis weit in die 80er Jahre großes Echo im internationalen theoretischen Diskurs zum Thema Subkultur.

3.2.3 Weitere subkulturelle Deutungskonzepte

Einen weiteren Erklärungsversuch für die Entstehung von Subkulturen bietet beispielsweise die Anomietheorie des englischen Sozialstrukturtheoretikers Robert Merton. Dieser sucht den Grund für abweichendes Verhalten in der Diskrepanz zwischen den von einer Gesellschaft vermittelten erstrebenswerten Zielen und den verfügbaren legitimen Mitteln zur Erreichung. In seiner Stigmatisierungstheorie bezieht Erwing Goffman die Wahrnehmung und Etikettierung von Subkulturen durch andere gesellschaftliche Gruppen mit ein. Die Entstehung von Subkulturen erfolgt demnach durch eine Stigmatisierung von Individuen oder Gruppen, welche von vollständiger sozialer Akzeptierung ausgeschlossen sind. Andere Deutungsversuche nehmen ihren Ausgang beim Blick auf die betrachteten Individuen: zumeist Jugendliche, die sich im Übergang zum Erwachsen-Sein befinden. Der Theoretiker Bell sieht in der Auflösung familiärer Bindung und Prägung den Ursprung für die Entstehung von Subkulturen, in denen er einen „erklärbaren Reflex, eine Konsequenz der unzureichend gewordenen Gesellschafts- und Erziehungskultur [sieht]. Die Orientierung in altershomogenen Gruppen ersetzt Sozialisierungsdefizite von Familie, Schule und Ausbildung.“[51]

3.3 Alternative Konzepte

„Der Begriff der Subkultur wurde für die verschiedensten Konzepte adaptiert und diente zahlreichen Gruppen zur Eigendarstellung.“[52] In dieser angedeuteten inflationären Verwendung des Begriffs liegt ein Mitgrund für die Abnutzung und Ersetzung der beschriebenen Aspekte durch beispielsweise Jugendkultur, Szene oder ähnliche. Auch Brake räumt in Soziologie der jugendlichen Subkulturen ein, dass der Begriff Subkultur schwammig und nicht ganz unproblematisch sei, da er die verschiedenen strukturellen und kulturellen Elemente nur vage erfasse: „Der Begriff wäre wohl nicht haltbar, wenn er erst heute geprägt werden würde.“[53] Für Günter Cremer ist Subkultur „kein geschlossener, in sich abgerundeter Begriff […], je nachdem wie man diese Begrifflichkeit ausdehnt oder verengt, ändert sich das Spektrum der erfassten Erscheinung.“[54] Behrens führt mit Verweis auf die Theoretiker Baacke und Ferchhoff aus, dass jugendsubkulturelle Absetzbewegungen keinen Effekt mehr hätten, weil sie auf verschiedenen Wegen durch eine aktuelle Gesellschaft entmächtigt, normalisiert und zum Verschwinden gebracht werden.[55] Einige der kritischen Argumentationsfolgen zum Begriff der Subkultur ließen neue Analyseperspektiven und Theoriegebilde entstehen, die im Folgenden kurz vorgestellt werden.

3.3.1 Jugendkultur vs. Subkultur

Verschiedene Theoretiker vertreten die Auffassung, der Begriff und das Konzept der Subkultur seien für die Analyse aktueller Phänomene nicht mehr praktikabel. Unter anderem Dieter Baacke und Wilfried Ferchhoff argumentieren seit Beginn der 80er Jahre und explizit in einem gemeinsamen Artikel aus dem Jahr 1995[56] für die Verwendung des Begriffs Jugendkultur. Aus ihrer Sicht führen „Individualisierungsschübe und die Pluralisierung von Lebensformen zur Auflösung ehemals sozialverbindlicher und sozialmoralischer, subkultureller Lebenszusammenhänge.“[57] Außerdem umfasse der „Sammelbegriff der Subkultur inzwischen sehr viele verschiedene Phänomene, die man sich auf einer gleitenden Skala von den Peer-Groups der 50er Jahre, den Teenager- und Mainstream-Kulturen der Pop-Musik über eine stärker durch grundsätzliche Ablehnung geschaffene Werte-bestimmte Jugend bis zur radikalen Absage an Ordnung und bisherige Gewohnheiten vorstellen muss.“[58] Das Theorem der sogenannten Peer-Groups wurde vom amerikanischen Soziologen Robert Bell[59] Ende der 60er Jahre entworfen und bildet gewissermaßen eine Grundlage für diese Form von Jugendkulturforschung. Der Ansatz wurde im deutschen Sprachraum unter anderem vom Soziologen Friedrich Tenbruck aufgegriffen. Beide stimmen in der Ansicht überein, dass subkulturelle Phänomene vor allen Dingen Jugendliche ansprechen, weshalb ihr wissenschaftlicher Fokus auf der jugendlichen Trägergruppe vermeintlich subkultureller Attribute liegt. Die Annahme, Jugendliche oder jugendliche Peer-Groups bildeten autarke Jugend-Kulturen um generationsspezifische Problemstellungen kollektiv zu bewältigen (oder es zumindest zu versuchen), steht in Opposition zur strukturell und marxistisch orientierten Herangehensweise der Subkulturforschung, denn Tenbruck und Bell begreifen Jugendkulturen offensichtlich als klassen- und milieuunabhängig. In diesem Sinne argumentieren Baacke und Ferchhoff, die „Teilnahme an Massenkultur, Kulturindustrie und gegen- bzw. subkulturellen Prozessen“[60] sei ein offensichtlich jugendspezifisches Phänomen, das in großen Teilen außerhalb schicht- oder klassenspezifischer Ordnungen stattfinde.

Dementsprechend finden sich vor allem drei Argumente gegen die Verwendung des Begriffs Subkultur: die veränderte Gesellschaftsstruktur, die Beschaffenheit der Trägergruppe (meist Jugendliche, aber auch Postadoleszente), sowie eine Verwässerung des Begriffs durch zahlreiche Bezugnahmen einerseits und die Entwicklung des Begriffs an einzelnen Phänomenen anderseits. Baacke und Ferchhoff gestehen dem Begriff (Jugend-)Subkultur allerdings eine Berechtigung zu, allerdings nur insofern es sich dabei um „relativ eigenständige „Unter“(Sub)Kulturen“ vorwiegend im Bereich des Freizeitlebens oder -verhaltens“[61], die sich in Ablehnung bestehender Werte und Normen zu einem Underground verselbstständigen können, um sich von der bestehenden Gesellschaft und Kultur weitestmöglich zu entfernen.

3.3.2 Szene vs. Subkultur

Die Verwendung des Begriffs Szene im Gegensatz zu Subkultur oder Milieu wird sowohl mit Hinweis auf veränderte gesellschaftliche Umstände, als auch veränderten Verhaltensweisen der Trägergruppen (Adoleszente und Postadoleszente) begründet. Einen ausführlichen Überblick über Bedeutung, Gründe und Aspekte des Begriffs Szene geben Hitzler, Bucher und Niederbacher in „Leben in Szenen“[62].

„Diese Gesellschaft ist nicht mehr in Klassen oder Schichten gegliedert oder in identifizierbare, in Zahlen aber schon nicht mehr so genau angebbare Milieus unterteilt“[63], außerdem seien im Gegensatz zur deutschen Szenelandschaft nach der Jahrtausendwende „[d]ie in Stilmitteln und typischen Dekorationen nach außen gekehrten und um demonstrative Sichtbarkeit bemühten Subkulturen […] eher noch für Außenstehende ohne tiefer gehende Kenntnisse des subkulturellen Inventars und ihres know how identifizierbar.“[64] Zudem hätten Szenen im Gegensatz zu Subkulturen oder Milieus „etwas Flüchtiges, Fließendes, Fluides ohne kristalline Substanz und klare Grenzen.“[65] Doris Lucke weist damit auf drei interessante Sachverhalte hin: Erstens dürfte sich die gesellschaftliche Zusammensetzung der Bundesrepublik in der Tat stark in Richtung Pluralismus verändert haben. Zweitens existieren mittlerweile so viele verschiedene Moden, Jugend- und Gegenbewegungen, dass Andersartigkeiten immer weniger polarisieren. Dementsprechend sind subkulturelles Inventar und Know-How in der Masse der unterschiedlichen Stile nur noch schwer wahrnehmbar, was bei den ersten internationalen Bewegungen (z.B. Rocker, Hippies, Punks) leichter gewesen sein dürfte. Drittens wird auch hier deutlich, wie unterschiedlich der Begriff Subkultur verwendet wird (die ursprünglich untersuchten kriminellen Gangs waren wohl kaum um demonstrative Sichtbarkeit bemüht).

3.4 Zusammenfassung

Der Begriff der Subkultur findet sich demnach vor allem im Zusammenhang mit abweichendem Verhalten und Lebensführung verschiedenster Arten. Cremer macht drei hauptsächliche Anwendungsfelder aus:[66]

1. Erklärung von Jugenddelinquenz
2. Beschreibung und Analyse von Normen und Eigenleben von Gruppen mit bestimmten Eigenschaften (Minderheiten mit abweichendem Verhalten, in Armut lebende Minderheiten)
3. Erklärung zeitgenössischer Formen jugendspezifischer Wertorientierungen und Lebensstile

Bei der Betrachtung subkultureller Gruppen werden unterschiedliche analytische Raster und Standpunkte angewandt. Zinnecker[67] unterscheidet vier theoretische Zugänge für die Betrachtung zwar jugendkultureller Szenen, die Modelle lassen sich aber auch auf nicht-jugendliche Trägergruppen übertragen. Die Unterschiede ergeben die Interaktionen jeweils unterschiedlicher gesellschaftlicher Analysepositionen: das soziale, politische und ästhetisch-kulturelle System, sowie das Rechtssystem.

Der Grund für die Entstehung oder Herausbildung von Subkulturen erwächst für manche Autoren aus dem allgegenwärtigen Konflikt um die Vorherrschaft von bestimmten Deutungsweisen – einem Kampf um kulturelle Hegemonie – als stetiger Prozess. Für andere Autoren liegt der Ursprung dahingegen an gewissen historische Augenblicken [68] , die kollektiv auf bestimmte Art gedeutet werden. Auch bereits Downes[69] und Becker[70] wiesen darauf hin, dass Subkulturen als Reaktionen auf kollektiv erfahrene Problemstellungen verstanden werden sollten. Diese Problemstellungen unterscheiden sich jedoch je nach Phänomen und historischem Zeitrahmen. Der US-Amerikaner Thrasher beispielsweise sieht die Hauptmotivation für Banden-Delinquenz Arbeiterjugendlicher in der Kompensation der nicht vorhandenen Möglichkeit zur gesellschaftlichen Karriere. Dick Hebdige vermutet einen Grund für die Entstehung der Jugendsubkulturen Punk und Skinheads in den drastisch veränderten Umständen der Arbeiterklasse in Großbritannien. Einen interessanten Verweis gibt auch Haunns, welcher zwar den Begriff Subkultur weniger für die Analyse von sozialen Bewegungen vorsieht, sondern musikalische, künstlerische oder jugendkulturelle Stile und Phänomene beschreibt, „die mit anderen Begriffen nicht, oder nur unvollständig zu fassen sind.“[71]

Definitionen des Begriffs Subkultur sind denkbar unterschiedlich, vor allem hinsichtlich ihrer konkreten Details. Die von Roland Girtler vorgeschlagene Definition von Subkultur bietet einen weiten, aber unkonkreten Analyserahmen: „Lassen sich Menschen auf abweichendes Handeln ein und entwickeln sie gemeinsame Perspektiven, die denen der Gesamtgesellschaft zumindest ansatzweise widersprechen, so spricht man für gewöhnlich von einer Subkultur.“[72] Der Soziologe Hans Paul Bahrdt schlägt eine ungleich konkretere Typisierung vor:

Von einer Subkultur sollte man nur dort sprechen, wo sich in einem Teilbereich der Gesellschaft nicht nur besondere Wert- und Normstrukturen und besondere kognitive Deutungsmuster und Ausdrucksformen herausbilden – in diesem Sinn gibt es „Teilkulturen“ in allen sozialen Schichten, in Stadt und Land, in verschiedenen Berufsgruppen usw. -, sondern wo der besonders abweichende Charakter der Teilkultur dadurch geprägt ist, daß ihre Träger sich zur Abschirmung, Abwehr oder Opposition gezwungen sehen und dies noch einmal zur Herausbildung bestimmter spezieller Ausdrucksformen, Deutungsmuster, Wertvorstellungen und Normen führt.[73]

Anstelle einer alters- oder klassenspezifischen Einschränkung bezüglich der Trägergruppe wird der gegengesellschaftliche Charakter hervor gehoben – im Gegensatz zu den meisten der bereits behandelten Ansätze, welche sich auf jugendlichen Trägergruppen konzentrieren. Zudem lässt Bahrdts Definition auch Spielraum für die Betrachtung von Subkulturen vor dem 20ste Jahrhundert. Unkonkret bleibt er jedoch bezüglich der Typologisierung verschiedener Formen von Subkulturen.

Eine ausführliche Einteilung sich abgrenzender Teil- und Subkulturen von hauptsächlichen jugendlichen Trägergruppen erstellt Brake. Sein vorgeschlagener theoretischer Bezugsrahmen zur Untersuchung von jugendlichen Subkulturen sieht fünf Überpunkte vor: „Charakter der Subkultur“, „Öffentliche Reaktion auf die Subkultur“, „Individuelle Veränderungen der Moralbegriffe“, „Das Sozialgefüge der Subkultur“ und „Kontinuität und Diskontinuität der Subkultur“[74]. Weiter entwickelt Brake unterschiedliche Möglichkeiten zur Kategorisierung (jugendlicher) Subkulturen bezüglich ihrer Intention, konkreten Auslebung und Interaktion mit anderen Subkulturen. Außerdem unterteilt Brake in vier Hauptphänomene jugendlicher Subkulturen: angepasste Jugendliche, delinquente Jugendliche, Kulturrebellen und politisch militante Jugendliche.[75]

In einer vereinfachten Version gliedert Griese[76] drei Gruppen voneinander ab: Teilkulturen, Subkulturen und Kontra- und Alternativkulturen. Erstere erscheinen als integrierter Bestandteil einer Gesamtkultur, die kommerzialisiert und gewissermaßen für Jugendliche erschaffen, jedoch auch von Erwachsenen aktiv wahrgenommen wird. Der zweite Typus weicht in Teilen von der Gesamtkultur ab und findet vor allen Dingen in abgetrennten gesellschaftliche Subsystemen statt: Drogen, Sekten, Kommunen und Bandendelinquenz. Diese Subkulturen wirken größtenteils abseits von medialem Interesse und sprechen nicht explizit Jugendliche an. Zugänge finden sich über Netzwerke und Szenen. Kontra-, Alternativ- oder Gegenkulturen bestimmen die Trägergruppe vollständig und grenzen sich am stärksten von der Gesamtkultur ab. Neben stilistischen und lebensweltlichen Besonderheiten ist kollektiver Aktionismus im Sinne der gemeinsamen Motivationen (ökologische, beziehungsorientierte oder politisch radikale) auffällig im Gegensatz zu den anderen beiden Typen. Neben Jugendlichen beteiligen sich auch Erwachsene an den Bewegungen.

Je nach Zusammensetzung und konkreter Vorstellung der subkulturellen Trägergruppe variiert ihre Entwicklung. Dabei spielt vor allem die Interaktion mit Medien eine zentrale Rolle in der Ausbildung und Vermittlung von Identitäten, welche in komplexem Widerspiel und nicht notwendigerweise in gleicher Ausrichtung kommuniziert und interpretiert werden.

Privilegierten Sub- und Gegenkulturen gelingt es eher, aufgrund des ihnen verfügbaren kulturellen und sozialen Kapitals mittels Massenmedien an einer kulturellen „Veredelung“ ihrer Szene zu arbeiten. Der Königsweg hierzu ist der öffentliche Kampf um eine Ankopplung der jugendkulturellen Szene an das politische System. Das heißt, sich durch die Medien politische Motive und Zielsetzungen attestieren zu lassen und auf diese Weise eine gewisse Anerkennung in der politischen Klasse und beim gebildeten Publikum zu erlangen, statt in den juristischen Code strafrechtlich relevanter kriminelle Motive und Zielsetzungen abzugleiten.[77]

Über die Reaktionen anderer Teil- oder Hauptkulturen entwickelt sich die Subkultur in einem ständigen Ping-Pong-Prozess fort. Dabei sind die Trägergruppen der Subkultur keine homogenen, holistischen Gebilde, sondern Kleingruppen und Individuen, welche sich auf ihre Vorstellung der Subkultur beziehen und diese interpretieren und ausleben. Eine zentrale Rolle in der Entwicklung und Identitätsbildung der Subkultur spielen Medien. „Einige Angehörige der Szene widmen sich der Vermittlung der Subkultur nach außen, d.h. Richtung Medienöffentlichkeit. Sie leisten damit kulturelle Übersetzungsarbeit und sind zugleich Hüter der „wahren“ Botschaft und Lobbyisten in eigener Sache.“[78] Durch ihre konsumierbare (Außen-)Darstellung von Subkulturen ergeben sich so verkürzte Wahrnehmungen der kulturellen Vielfalt unter der gemeinsamen Decke Subkultur.

Zwei weitere zentrale Aspekte schwingen im Begriff der Subkultur mit: Erstens beinhaltet die Subkultur eine eigene Utopie, welche, als Lösung oder Ausweg verstanden, ein Ziel über die Gemeinschaft hinaus bildet (ein Scheinziel, wie Brake annimmt[79]). Zweitens setzt die Verfolgung dieser Ziele den Glauben voraus, kollektiv auf die Realität einwirken zu können, konkreter: kultur-, sozial- oder gesellschaftspolitische Wirkung zu erzielen. Marcuse versteht Subkulturen „in Analogie zu modernen Avantgarden, etwa Surrealismus; durch ihr ästhetisches Potential erweitern sie ihren sozialen Wirkungskreis; sie rebellieren politisch, indem sie sich die Ästhetik und durch die Ästhetik die Realität gleichsam konzeptionell aneignen.“[80] Schwendter sieht in Subkulturen das Potenzial in Form einer Avantgarde die Veränderung des gesellschaftlichen Überbaus zu bewirken.[81] Auch Baacke gesteht Subkulturen eine gesellschaftsverändernde Kraft zu.[82] Sofern ein gewisses Maß an Widerstand durch abweichendes Verhalten nicht feststellbar ist, erscheint der Begriff Jugendkultur naheliegender.[83]

4 SUBPOLITIK

Das Schaffen von Ton Steine Scherben war in den Anfangsjahren stark verknüpft mit dem Thema Politik, jedoch nicht im klassisch-politischem Sinne der Interaktion von Politkern, Parteien oder explizit politischer Institutionen und Arenen. Das von Ulrich Beck vor allem in Die Erfindung des Politischen skizzierte Konzept der Subpolitik bietet die Möglichkeit, verschiedene zumindest nicht im klassischen Sinn politische Aktionen, Organisationsformen und Gruppen politisch zu bewerten. Beck‘s Phänomen der Subpolitik hat mehrere unterschiedliche Komponenten und basiert auf einigen zentralen Grundannahmen, welche allerdings nicht ausführlich in der vorliegenden Arbeit behandelt werden. Dahingegen sollen das Grundgerüst und einige Fragestellungen des Konzepts der Subpolitik für die Analyse übernommen werden.

4.1 Auf- und Ablösung der Industriemoderne

Nach Ansicht Becks sind vor allem westliche und europäische Gesellschaften und Individuen am Ende des 20sten Jahrhundert geprägt von der Auflösung inner- und intragesellschaftlicher, traditioneller Denk- und Handlungsmuster. Verantwortlich dafür sieht Beck das Ende des Ost-West-Konflikts und Prozesse der Globalisierung, wiederum als Auswirkungen eines Übergangs von Industriegesellschaften in eine neue Form moderner Gesellschaften, sowie einen allgegenwärtig aufbrechenden Konflikt zwischen Moderne und Gegenmoderne. Als zentrale Konsequenz davon beschreibt Beck eine spezielle Form von Individualisierung, als „erstens die Auflösung und zweitens die Ablösung industriegesellschaftlicher Lebensformen durch andere, in denen die einzelnen ihre Biographie selbst herstellen, inszenieren, zusammenflickschustern müssen.“[84] Anstelle ständischer, klassenbezogener, religiös- oder politisch-ideell bestimmter und tradierter kollektiver Lebensformen, -normen, -weisen und -wege sehen sich Individuen – auch durch rechts- und sozialstaatlicher Konditionierung – zur Individualisierung verdammt, verstanden als Selbstgestaltung, -inszenierung und vor allem Selbstorganisation der eigenen Person und somit des eigenen Lebens. Daraus entsteht auf der einen Seite der gleichen Medaille ein Mehr an Freiheit und Selbstbestimmung, auf der anderen Seite ein Zuwachs an Verpflichtungen – gegenüber sich selbst. Anstatt von großen gesellschaftlichen Gruppen (alternativ: Klassen, Gesinnungsgenossen, Milieus) sozialisiert, orientiert und politisch vertreten zu werden, stehen Individuen vor dieser Aufgabe als Chance und zugleich Risiko.

Die von Beck konstatierte „Rückkehr des Individuums in die Gesellschaft“ meint die in dieser Konsequenz notwendigerweise vonstatten gehende Selbstverwaltung, -organisation und -kommunikation eigener Interessen. So wird das „Politische […] unpolitisch und das Unpolitische politisch.“[85] Politische Prozesse verlieren dadurch ihre (womöglich nie wirklich vorhandenen) trennscharfen Grenzen, im Sinne des Kampfslogans der Frauenbewegung: „Das Private ist politisch“. Auch politische Mitspieler können demnach nicht mehr (oder konnten vielleicht noch nie) nur in genuin politischen Institutionen und Ämtern gefunden werden. Einerseits verliert die Gesellschaft bzw. die Individuen durch Technisierung von politischen Abläufen – der emotionslosen Verbeamtung von Politik – das Interesse an politischen Prozessen, dem Politischen. Andererseits entsteht der Eindruck, Politik werde nicht mehr gemacht, sei nicht mehr zugänglich oder gar existent, da politische Meinungen, Prozesse, Veränderungen oder Impulse nicht mehr in den vermuteten Arenen Foren oder Schauplätze finden.

Wir suchen das Politische am falschen Ort, mit den falschen Begriffen, in den falschen Etagen, auf den falschen Seiten der Tageszeitungen. Genau die Entscheidungsbereiche, die im Modell des Industriekapitalismus im Windschatten des Politischen liegen – Privatheit, Wirtschaft, Wissenschaft, Kommunen, Alltag usw. – geraten in der reflexiven Moderne in die Stürme der politischen Auseinandersetzung.[86]

4.2 Subpolitische Akteure und Komponenten

Diese Entgrenzung des Politischen lässt neue (sub)politische Akteure Ansprüche erheben, außerhalb des politischen Systems.[87] Schließlich werden die Bedingungen des gesellschaftlichen Lebens nicht nur durch explizit politische Institutionen und Amtsträger verändert, sondern gerade auch durch subpolitische Formationen (Bürgerinitiativen, Privatpersonen[88], subgesellschaftliche Organisations- und Lebensformen, etc.) und Mittel (Happenings, Sozial-Collagen, Informationskampagnen etc.). Zudem können offensichtlich unpolitische Aktionen einen politischen Effekt haben, politische Dynamik entfalten. Dieses Phänomen einer abgewandelten Form von Politik außerhalb von politischen Arenen, dem tagespolitischen Geschäft oder bezüglich offensichtlich politischer Themen bezeichnet Beck als Subpolitik.

"Subpolitik unterscheidet sich von Politik dadurch, daß (a) auch Akteure außerhalb des politischen oder korporatistischen Systems auf der Bühne der Gesellschaftgestaltung auftreten (also Professions- und Berufsgruppen, die technische und ökonomische Intelligenz in Betrieben, in Forschungsinstitutionen, im Management, Facharbeiter, Bürgerinitiativen, Öffentlichkeit usw.); und (b) dadurch, daß nicht nur soziale und kollektive Akteure, sondern auch Individuen mit jenen und miteinander um die entstehende Gestaltungsmacht des Politischen konkurrieren."[89]

Zur Analyse subpolitischer Phänomene schlägt Beck selbst die politikwissenschaftliche Aufteilung in die voneinander unterschiedenen Aspekte Polity, Policy und Politics vor. Diese Aufteilung, die sich von klassischen politikwissenschaftlichen Analysemodellen vor allem durch den Blick auf nicht explizit politische Akteure unterscheidet[90], wird in der vorliegenden Arbeit übernommen.

4.3 Beck’s Politikverständnis

Beck’s Konzept der Subpolitik setzt ein bestimmtes Verständnis des Politikbegriffs voraus, das mitunter auf Aristoteles basiert. Dessen Ansicht nach wird Politik als gesellschaftlicher Prozess verstanden, der die Umwandlung der ursprünglichen Meinungsvielheit freier und gleicher Bürger mit unterschiedlichen Meinungen, Interessen und Lebensweisen durch Verständigung auf Übereistimmungen in den Grundfragen des Zusammenlebens hinführen soll.[91] Diese Vorstellung wurde mitunter von Hannah Arendt und Jürgen Habermas aufgegriffen und weiter entwickelt. Letzterer prägte die theoretische Entwicklung der deliberativen Demokratie und des expressionistischen Politikbegriffs, auf welchen sich Ulrich Beck direkt bezieht.[92] Habermas sieht dabei im öffentlichen Raum das Forum aller Bürgerinnen und Bürger, welche ihre Interessen auf Grundlage einer gemeinsamen normativen Orientierung in den öffentlichen Deliberationsprozess einbringen. So werden kollektiv und kooperativ nach Lösungen für politische Probleme gesucht, die im Hinblick auf die Maßstäbe gemeinsamer normativer Grundlagen die größte Überzeugungskraft entfalten. Zentral für dieses Konzept ist die Prämisse, dass sich die Staatsbürger unter optionaler Hinzuziehung von Mehrheitsentscheiden und Kompromissen auf gerechtes, politisches Handeln einigen können. Zudem wird die Geltung von Grundrechten und Institutionen der demokratischen Mehrheitsbildung vorausgesetzt. Hohe Ansprüche stellt das Konzept erstens an öffentliche Kommunikationsstruktur, Mediensystem und -kultur, welche argumentative Verständigungsprozesse ermöglichen sollen. Zweitens muss eine zivilgesellschaftliche Öffentlichkeit vorhanden und in der Lage sein, „argumentationsorientierte Diskussionsforen gesellschaftsweit zur Verfügung zu stellen und darüber hinaus die Defizite der medialen Öffentlichkeit aufzufangen und zu kompensieren.“[93]

Grundsätzlich bietet dieses Politikverständnis die Möglichkeit, alle Formen von gesellschaftlichen Kommunikations- und Aushandlungsprozessen politisch zu fassen. Die Ausführungen weisen jedoch auf einige Problemfelder der Überlegungen zur deliberativen Demokratie und gleichzeitig des Konzepts der Subpolitik hin: unterschiedliche Voraussetzungen der Teilnehmer am Deliberationsprozess, sowie die besondere Rolle der Medien. In der folgenden Analyse sollen auch die (Un-)Möglichkeiten gesellschaftlich benachteiligter Minderheiten berücksichtigt werden, vor allem unter dem Gesichtspunkt damaliger medialer Möglichkeiten.

4.4 Subpolitik in der Rezeption

„Subpolitik meint Gesellschaftsgestaltung von unten“[94] schreibt Beck, ohne dieses unten konkret zu bestimmen. Eine mögliche Deutungsweise wäre „unten“ verstanden als die personelle, individuelle Ebene. Die Richtung subpolitischer Aktionen wäre demnach aus dem unten der Individuen, in das oben der Gesellschaften, Organisationen, Institutionen. Die Offenheit dieser Aussage Ulrich Becks ist nur eine von zahlreichen, in der Rezension liegen die Meinungen, Interpretationen und Auffassungen von Subpolitik oder Subpolitisierung darum weit auseinander. Grundsätzliche Übereinstimmung herrscht bei der Verortung des Aktionsrahmens von Subpolitik: unterhalb der als Staatspolitik verstandenen Politik. Der Inhalt des Begriffs wird dabei einerseits im Sinne eines „radikalen Individualismus der Bürger einer politisierten Zivilgesellschaft“[95] verstanden, andererseits als Bezeichnung für (semi-) politische Intervention wirtschaftlicher Akteure. Vor allen Dingen im Zusammenhang mit Becks Beiträgen zum Thema Globalisierung[96] wird der Begriff Subpolitik häufig auf diese Art gefasst, so zum Beispiel als „systematische Umgehung des demokratischen Kapitalismus durch internationale Unternehmen.“[97] In diesem Verständnis bedeutet Subpolitik, „dass auch wirtschaftliche oder wissenschaftliche Akteure mitgestalten, bzw. mit ihren Mitteln Politik machen“[98] und so die Regeln der Politik selbst ändern. In Risikogesellschaft beschreibt Beck zwar „Subpolitisierung als gesellschaftsumfassenden Prozess, durch den Bereiche, die zuvor als privat galten, politisch werden.“[99] Vandamme arbeitet jedoch hervor, dass die im Zuge der Subpolitisierung gewachsenen Partizipationsmöglichkeiten nicht als inhaltliche Interventionen, sondern allein als strukturelle Blockaden verstanden werden müssten und somit – losgelöst von Demokratisierungsvorstellungen – Becks eigener Interpretation einer Gesellschaftsgestaltung von unten entgegenstehen.[100] Diese Kritik stellt den normativen Anspruch, Subpolitik müsse etwas verändern, was für Beck jedoch nicht der entscheidende Punkt zu sein scheint. Er selbst weist auch auf den Umstand hin, dass die Subpolitik nicht nur einer (vermeintlich guten) Seite, sondern allen offen steht.[101] Es gibt also keine Garantie, „dass Subpolitik immer der Moderne im Gegensatz zur Gegenmoderne zum Durchbruch verhilft“[102] zudem sucht man bei Beck vergeblich nach Aussagen zu Organisations- und Aktionsformen subpolitischer Akteure. Durch diese knapp vorgestellte inhaltliche Ambivalenz und Inkontingenz empfiehlt Vandamme den Begriff Subpolitik als Formel zu verstehen, „mit der sich alle außerhalb der Institutionen spürbaren gesellschaftsrelevanten Folgen politischer Aktivität nachzeichnen lassen.“[103] Wie auch in den unterschiedlichen Konzepten zur Subkultur ist in der Auslegung von Subpolitik die jeweilige Perspektive entscheidend. Grundsätzlich bietet sich gerade auch Becks eher journalistische Herangehensweise – also keine strikte entweder-oder-Argumentation beziehungsweise passgenaue Vorgabe, wie der Begriff zu verwenden sei – einen passablen theoretischen Rahmen für die Anwendung von Subpolitik auf den (sub)kulturellen Bereich.

5 Vorgehen Der Vorliegenden Arbeit

5.1 Methodik

Einen grundlegenden systematischen Hinweis zur Betrachtung von Subkulturen liefert Behrens vorweg, der die Tätigkeit und das Selbstverständnis von Forschung als Ritual der Hochkultur bezeichnet und bemerkt, dass Subkulturen sich oft ausdrücklich anti-theoretisch verstehen.[104] In diesem Sinne sollte man sich nach Girtler[105] Subkulturen eher im Verständnis von Ethnologen nähern, welche versuchen alle Einzelaspekte der Subkultur zu erfassen und dabei den ständigen Vergleich mit einer vermeintlichen Hoch-Kultur oder allgemeingültigen Logik (bzw. der eigenen Meinung) zurückzustellen. Brake unterscheidet zwei Hauptaspekte in der Analyse von Subkulturen: einen empirischen, welcher sich mit den Formen und Inhalten der Subkultur, sowie der Abgrenzung von der sozialen Wirklichkeit beschäftigt. Zudem einen hermeneutischen Aspekt, der die Frage nach dem Grund, der Bedeutung und den Konsequenzen stellt, wobei Vergleiche mit ähnlichen Phänomenen der Orientierung dienen können. Dabei empfiehlt er außerdem, die Begriffe Subkultur und Sub-Gesellschaft (bei Brake: sub-community) klar voneinander zu trennen. Letztere sei ein soziales Milieu, eine gemeinsame Erfahrungswelt, welche nicht zwingend eine Subkultur hervorbringen müsse.[106] René König plädiert für eine hermeneutische statt strukturelle Annäherung an den Begriff der Subkultur, denn „[a]bweichende Strukturen sind niemals in jeder Hinsicht abweichend, sondern nur in bestimmtem, begrenztem Ausmaß.“[107] Gemäß dieser Herangehensweise führt König seine Analyse von Subkulturen mit analytischem Schwerpunkt auf dem betrachteten Phänomen und nicht auf dem Verhältnis der jeweiligen Subkulturen zu einer oder anderen dominanten Kultur(en)[108] durch.

[...]


[1] Albrecht Metzger in der SDR-Jugendsendung Jour Fixe: http://www.youtube.com/user/TributetoRioReiser#p/c/506E84C1F2604354/0/RpE_jpcIHTc TC 00:01.

[2] Ebd. TC 06:54.

[3] Acid ist ein Szenebegriff für die Droge LSD, Acid-Rock ist eine psychedelische Mischung aus den Genres Beat und Rock.

[4] Ulrich Seidel, der Schlagzeuger der Band, in der SDR-Jugendsendung Jour Fixe: http://www.youtube.com/user/TributetoRioReiser#p/c/506E84C1F2604354/0/RpE_jpcIHTc TC 01:37.

[5] Moebius, Stephan. Kultur. Bielefeld: 2009. Transcript Verlag. S.15.

[6] Ebd.

[7] Ebd. S.16.

[8] Siehe dazu: Haller, Dieter. DTV-Atlas Ethnologie. München: 2010. DTV Verlag. S.31.

[9] König, Rene. In: Fröhlich, Dieter (Hrsg.). Schriften zur Kultur- und Sozialanthropologie. Wiesbaden: 2008. VS-Verlag. S.56.

[10] Siehe dazu: Haller, Dieter. DTV-Atlas Ethnologie. München: 2010. DTV Verlag. S.36.

[11] Ebd. S.29.

[12] Siehe dazu: Haller, Dieter. DTV-Atlas Ethnologie. München: 2010. DTV Verlag. S.31.

[13] Bühl, L. Walter. Kulturwandel. Darmstadt: 1987. Wissenschaftliche Buchgesellschaft.

[14] Ebd. S.8.

[15] Brake, Mike. Soziologie der jugendlichen Kulturen. Frankfurt/Main: 1981. Campus Verlag GmbH. S.15.

[16] Sack, Fritz. Die Idee der Subkultur. In: Kölner Zeitschriften für Soziologie und Sozialpsychologie. 2.Ausgabe: 1972. S.261.

[17] Wienkoop, Christa. Gegenwelten. Zur Analyse jugendlicher Subkulturen und ihrer Entstehungsbedingungen. Bonn: 1989. Dissertation. S.26.

[18] Ebd.

[19] Girtler, Roland. Forschung in Subkulturen. In: Flick, Uwe. Handbuch Qualitative Sozialforschung. München: 1991. Psychologie Verlags Union. S.385.

[20] Haller, Dieter. Ethologie. München: 2010. DTV Verlag. S.31.

[21] Behrens, Roger. Ton, Klang, Gewalt. Mainz: 1998. Ventil Verlag. S.134.

[22] König, Rene. In: Fröhlich, Dieter (Hrsg.). Schriften zur Kultur- und Sozialanthropologie. Wiesbaden: 2008. VS-Verlag. S.45.

[23] Wienkoop, Christa. Gegenwelten. Zur Analyse jugendlicher Subkulturen und ihrer Entstehungsbedingungen. Bonn: 1989. Dissertation. S.24.

[24] Tenbruck, Friedrich. Perspektiven der Kultursoziologie. Opladen: 1997.Westdeutscher Verlag. S.121.

[25] Sack, Fritz. Die Idee der Subkultur. In: Kölner Zeitschriften für Soziologie und Sozialpsychologie. 2.Ausgabe: 1972. S.261.

[26] Schwendter, Rolf. Theorie der Subkultur. Frankfurt: 1978. Kiepenheuer & Witsch. S.8.

[27] Brake, Mike. Soziologie der jugendlichen Kulturen. Frankfurt/Main: 1981. Campus Verlag GmbH. S.15.

[28] Siehe in: Baacke, Dieter. Ferchhoff Wilfried. Von den Jugendsubkulturen zu den Jugendkulturen. In: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegung, JG.8, Heft 2, 1995. S.35.

[29] Griese, Hartmut. Jugend(sub)kultur(en) und Gewalt. Berlin: 1999. Lit Verlag. S.18.

[30] U.a. Griese, Hartmut. Jugend(sub)kultur(en) und Gewalt. Berlin: 1999. Lit Verlag. S.30.

[31] Siehe: Girtler, Roland. Forschung in Subkulturen. In: Flick, Uwe. Handbuch Qualitative Sozialforschung. München: 1991. Psychologie Verlags Union. S.385.

[32] Becker, Howard. Außenseiter. Frankfurt/Main: 1973. Fischer Verlag.

[33] Youkhana, Eva Shamiran. Subkulturen und Jugendbanden. Bonn: 1996. Holos Verlag. S.11.

[34] Schwendter, Rolf. Theorie der Subkultur. Frankfurt: 1973. VERLAG. S.16.

[35] Siehe dazu: Griese, Hartmut. Jugend(sub)kultur(en) und Gewalt. Berlin: 1999. Lit Verlag. S.18.

[36] Rolf Schwendter trat während der 60er Jahre beispielsweise auf den Essener Songtagen und den Liedermacherfestivals auf Burg Waldeck auf.

[37] U.a. König, Rene. In: Fröhlich, Dieter (Hrsg.). Schriften zur Kultur- und Sozialanthropologie. Wiesbaden: 2008. VS-Verlag. S.44. „Ein Schulbeispiel für eine völlig sinnlose Verwendung des Begriffs der Subkultur ist Rolf Schwendter: Theorie der Subkultur.“

[38] U.a. Mayr, Franz Wilhelm. Die Subkultur der Hippies. Linz: 2000. Edition Pro Mente.

[39] U.a. Lindner, Rolf. In: Tholen, Georg (Hrsg.): Zeichen ohne Botschaft. Frankfurt am Main: 1985. German Edition. S.59ff.

[40] Lindner, Rolf. In: Honneth, Axel. Jugendkultur als Widerstand. Frankfurt am Main: 1979. Syndikat. S.9.

[41] Ebd. S.10.

[42] Cremer, Günter. Jugendliche Subkulturen. München: 1984. DJI Verlag. S.7.

[43] Hall, Stuart. Clarke, John. Jefferson, Tony. Roberts, Brian. Subkulturen, Kulturen und Klassen. In: Honneth, Axel. Jugendkultur als Widerstand. Frankfurt am Main: 1979. Syndikat. S.45.

[44] Ebd. S.47.

[45] Brake, Mike. Soziologie der jugendlichen Kulturen. Frankfurt/Main: 2008. Campus Verlag GmbH. S.15.

[46] Ebd. S.12ff.

[47] Ebd. S.19.

[48] Ebd. S.16.

[49] Der Begriff wurde von Lévi Strauss entwickelt als „Neuordnung und Rekontextualisierung von Objekten, um neue Bedeutung zu kommunizieren, und zwar innerhalb eines Gesamtsystems von Bedeutungen, das bereits vorrangig und sedimentierte, den gebrauchten Objekten anhaftende Bedeutung enthält.“ In: Clarke, John. Über den Stil von Subkulturen. In: Honneth, Axel. Jugendkultur als Widerstand. Frankfurt am Main: 1979. Syndikat. S.136.

[50] Hebdige, Dick. Subculture – the meaning of style. New York: 1979. Methuen & Co. S.1ff.

[51] Baacke, Dieter. Jugend und Jugendkulturen. München: 1987. Juventa Verlag. S.127.

[52] Wienkoop, Christa. Gegenwelten. Zur Analyse jugendlicher Subkulturen und ihrer Entstehungsbedingungen. Bonn: 1989. Dissertation. S.16ff.

[53] Brake, Mike. Soziologie der jugendlichen Kulturen. Frankfurt/Main: 2008. Campus Verlag GmbH. S.19f.

[54] Cremer, Günter. Jugendliche Subkulturen. München: 1984. DJI Verlag. S.7.

[55] Behrens, Roger. Ton, Klang, Gewalt. Mainz: 1998. Ventil Verlag. S.137.

[56] Siehe in: Baacke, Dieter. Ferchhoff Wilfried. Von den Jugendsubkulturen zu den Jugendkulturen. In: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegung, JG.8, Heft 2, 1995. S.34.

[57] Youkhana, Eva Shamiran. Subkulturen und Jugendbanden. Bonn: 1996. Holos Verlag. S.9.

[58] Baacke, Dieter. Jugend und Jugendkulturen. München: 1987. Juventa Verlag. S.131.

[59] Schäfers, Bernhard. Jugendsoziologie. Wiesbaden: 2001. Verlag für Sozialwissenschaften. S.136.

[60] Ferchhoff, Wildfried. In: Büchner, Peter (Hrsg.). Kindheit und Jugend im interkulturellen Vergleich. Opladen: 1990. Opladen. S.197.

[61] Siehe in: Baacke, Dieter. Ferchhoff Wilfried. Von den Jugendsubkulturen zu den Jugendkulturen. In: Forschungsjournal Neue Soziale Bewegung, JG.8, Heft 2, 1995. S.33.

[62] Hitzler, Ronald. Leben in Szenen. Opladen: 2001. Leske + Budrich. S.19 – S.30.

[63] Lucke, Doris (Hrsg.). Jugend in Szenen. Münster: 2006. Verlag Westfälisches Dampfboot. S.18.

[64] Ebd. S.19

[65] Ebd. S.20

[66] Cremer, Günter. Die Subkultur der Rocker. Pfaffenweiler: 1992. Centaurus Verlag. S.9.

[67] Zinnecker, Jürgen. Jugendkultur – ein Streifzug durch die Szenen. In: Henecka, Hans Peter (Hrsg.). Jugendkulturen. Heidelberg: 2007. Mattes Verlag. S.24 ff..

[68] Hall, Stuart. Clarke, John. Jefferson, Tony. Roberts, Brian. Subkulturen, Kulturen und Klassen. In: Honneth, Axel. Jugendkultur als Widerstand. Frankfurt am Main: 1979. Syndikat. S.48.

[69] Downes, David. The Delinquent Solution. London: 1966. Routledge & Kegan Paul. S.7.

[70] Becker, Howard. Außenseiter. Zur Soziologie abweichenden Verhaltens. Frankfurt/Main: 1973. Fischer Verlag.

[71] Haunns, Sebastian. Identität in Bewegung. Wiesbaden: 2004. VS Verlag für Sozialwissenschaften. S.85

[72] Girtler, Roland. Forschung in Subkulturen. In: Flick, Uwe. Handbuch Qualitative Sozialforschung. München: 1991. Psychologie Verlags Union. S.385.

[73] Bahrdt, Hans Paul. Schlüsselbegriffe der Soziologie. München: 1984. Verlag C.H. Beck. S.93.

[74] Brake, Mike. Soziologie der jugendlichen Kulturen. Frankfurt/Main: 2008. Campus Verlag GmbH. S.26-29.

[75] Ebd. S.32.

[76] Siehe dazu: Griese, Hartmut. Jugend und Subkultur. In: Jugendschutz. 1982/1. S.24 ff..

[77] Zinnecker, Jürgen. Jugendkultur – ein Streifzug durch die Szenen. In: Henecka, Hans Peter (Hrsg.). Jugendkulturen. Heidelberg: 2007. Mattes Verlag. S.21.

[78] Ebd. S.20.

[79] Brake, Mike. Soziologie der jugendlichen Kulturen. Frankfurt/Main: 2008. Campus Verlag GmbH. S.28.

[80] Behrens, Roger. Ton, Klang, Gewalt. Mainz: 1998. Ventil Verlag. S.144.

[81] Haunns, Sebastian. Identität in Bewegung. Wiesbaden: 2004. VS Verlag für Sozialwissenschaften. S.83.

[82] Behr, Johann. Identitätssuche in jugendlichen Subkulturen. Saarbrücken: 2007. VDM Verlag. S.26.

[83] Ebd. S.27.

[84] Beck, Ulrich. Die Erfindung des Politischen. Frankfurt am Main: 1990. Suhrkamp Verlag. S.150.

[85] Beck, Ulrich. Risikogesellschaft. Frankfurt/Main: 1986. Suhrkamp Verlag. S.305.

[86] Beck, Ulrich. Die Erfindung des Politischen. Frankfurt am Main: 1990. Suhrkamp Verlag. S.157.

[87] Immerthal, Lars. Der Unternehmer. München: 2007. Wilhelm Fink Verlag. S.208.

[88] Beck selbst unterscheidet nicht zwischen Individuen und Gruppen. Siehe dazu: Vandamme, Ralf. Basisdemokratie als zivile Intervention. Opladen: 2000. Leske + Budrich. S.168.

[89] Beck, Ulrich: Die Erfindung des Politischen. Frankfurt a. M.: Suhrkamp, 1993. S.162.

[90] Immerthal, Lars. Der Unternehmer. München: 2007. Wilhelm Fink Verlag. S.209.

[91] Siehe dazu: Meyer, Thomas. Was ist Politik? Wiesbaden: 2010. VS Verlag. S.61.

[92] Beck, Ulrich. Die Erfindung des Politischen. Frankfurt am Main: 1990. Suhrkamp Verlag. S.156.

[93] Siehe dazu: Meyer, Thomas. Was ist Politik? Wiesbaden: 2010. VS Verlag. S.65.

[94] Beck, Ulrich. Die Erfindung des Politischen. Frankfurt a. M.: 1993. Suhrkamp, 1993. S.164.

[95] Hirsch, Michael. Die zwei Seiten der Enpolitisierung. Stuttgart: 2007. Franz Steiner Verlag. S.123.

[96] U.a.: Beck Ulrich. „Die neue Macht der multinationalen Unternehmen – Oder: Die Subpolitik der Globalisierung erfolgt auf den Samtpfoten des Normalen“. Frankfurter Rundschau. 9.1.1997.

[97] Schlachter, Jürgen. Die entfesselte Moderne. Frankfurt am Main: 2006. MEDU Verlag. S.224.

[98] Weiß, Ralf. Unternehmensführung in der reflexiven Modernisierung. Marburg: 2002. Metropolis Verlag. S.66.

[99] Beck, Ulrich. Risikogesellschaft. Frankfurt am Main: 1986. Suhrkamp Verlag. S.305.

[100] Vandamme, Ralf. Basisdemokratie als zivile Intervention. Opladen: 2000. Leske + Budrich. S.168.

[101] Beck, Ulrich. Die Erfindung des Politischen. Frankfurt a. M.: 1993. Suhrkamp, 1993. S.157.

[102] Junge, Matthias. Ambivalente Gesellschaftlichkeit. Opladen: 2000. Leske + Buderich. S.184.

[103] Vandamme, Ralf. Basisdemokratie als zivile Intervention. Opladen: 2000. Leske + Budrich. S.168.

[104] Behrens, Roger. Ton, Klang, Gewalt. Mainz: 1998. Ventil Verlag. S.135

[105] Girtler, Roland. Forschung in Subkulturen. In: Flick, Uwe. Handbuch Qualitative Sozialforschung. München: 1991. Psychologie Verlags Union. S.385

[106] Brake, Mike. Soziologie der jugendlichen Kulturen. Frankfurt/Main: 2008. Campus Verlag GmbH. S.19

[107] König, Rene. In: Fröhlich, Dieter (Hrsg.). Schriften zur Kultur- und Sozialanthropologie. Wiesbaden: 2008. VS-Verlag. S.44.

[108] Ebd.

Details

Seiten
130
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656182092
ISBN (Buch)
9783656182580
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193184
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Geschwister Scholl Institut
Note
1,7
Schlagworte
Ton Steine Scherben Agit-Pop RAF Subkultur Widerstandskultur Gegenkultur Politischer Widerstand Popmusik Politische Musik Krautrock Rio Reiser Berlin West-Berlin Klassenkampf Studentenbewegung Bommi Baumann Subpolitik Ulrich Beck Militanz Haschrebellen Beatgeneration Politische Texte Songtexte 1960 68 1968

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Titel: Die Band Ton Steine Scherben: Subpolitiker einer Gegenkultur?