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Die Volksrepublik China und die USA - Eine Untersuchung des amerikanisch-chinesischen Verhältnisses

Hausarbeit 2000 17 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: USA

Leseprobe

1. Einleitung

„There are essential differences between China and the United States in their social systems and foreign policies. However, the two sides agreed that countries, regardless of their social systems, should conduct their relations...“[i]

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind die zur Zeit einzige Supermacht. Experten sehen im 21. Jahrhundert nur einen möglichen Konkurrenten: China.[ii] Die kommunistische Volksrepublik China, gilt als die einzige Macht auf der Welt, die die U.S.- Dominanz im internationalen System sowohl politisch, als auch ökonomisch und militärisch in Frage stellen könnte.[iii] Die Zukunft des internationalen Systems wird deshalb entscheidend vom amerikanisch- chinesischem Verhältnis abhängen.

In der folgenden Arbeit soll dieses Verhältnis untersucht und bewertet werden. Auf den ersten Blick fallen wohl vor allem die Unterschiede und Divergenzen der beiden Staaten auf. Das eigenwillige kommunistische China mit starken nationalistischem Selbstbewußtsein trifft auf die große, westliche Weltmacht, die mit ihrem Selbstbewußtsein und Wertekatalogen die Welt zu gestalten gewohnt ist. Seit über 100 Jahren glaubt die amerikanische Außenpolitik China verändern und demokratisieren zu können. Doch was hat Amerika erreicht? China hat sich, trotz der Notwendigkeit zur strategischen bzw. wirtschaftlichen Zusammenarbeit, stets die eigene Unabhängigkeit bewahrt, ja sogar eine stärkere Konkurrenz geschaffen. Und doch, trotz aller Selbstständigkeit, trotz aller globalen und ideologische Konkurrenz, sind die beiden Staaten seit nunmehr 30 Jahren zur Kooperation gezwungen. Sowohl in einer Welt der Blockbalancen, als auch in der Gegenwart, müssen die Nationen enger Zusammenarbeiten, als es ihnen wahrscheinlich lieb ist. Diese Arbeit will nun im folgenden Versuchen, das Verhältnis der beiden Mächte seit ihrer gemeinsamen Existenz,[iv] zu charakterisieren und Ursachen und Gründe für die schon angedeutete Ambivalenz der Zusammenarbeit herausarbeiten, um letztlich eine Bewertung der heutigen allgemeinen sino- amerikanischen Beziehung vornehmen zu können. Der wohl auffälligste Schwerpunkt ist dabei auf die historische Entwicklung gelegt worden. In diesem Rückblick offenbaren sich Parameter und Voraussetzungen gemeinsamer Zusammenarbeit, sowie Kooperationstechniken und Konfliktbewältigungsstrukturen, die auch für die gegenwärtige Beziehung prägend sind. Des Weiteren ist die VR China und ihre Stellung in dem jeweiligen Untersuchungsbereich bewußt stärker beleuchtet worden, um die jeweiligen Ursachen für die Verhältnischarakteristik deutlich zu machen. Diese „Bevorzugung“ ist dem Fakt zu verdanken, daß Chinas wirtschaftliche, militärische und politische Rolle und deren Entwicklung, anders als die der USA, kaum bekannt und damit nicht vorauszusetzen ist. Zu dem historischen Verhältnis der beiden Staaten ist ausreichend Forschungsliteratur vorhanden. Da jedoch die Gegenwartsanalyse eines so dynamischen Verhältnisses, wie des Chinesisch- Amerikanischen, eine besondere Aktualität erfordert, kommt den aktuellen Aufsätzen aus Fachzeitschriften eine übergeordnete Bedeutung zu. Am Anfang der Untersuchung steht die historische Entwicklung der Beziehung, praktisch als Basis und Fundus von Leitlinien, der folgenden Analyse der gegenwärtigen sino- amerikanischen Beziehungen. Das Resümee wird am Ende die Untersuchungsergebnisse bewerten und einen Ausblick in die Zukunft der Beziehung wagen.

2. Die USA und die VR China - ein historischer Überblick

2. 1. Erste Orientierung

Als am 1. Oktober 1949 die Volksrepublik China ausgerufen wurde reagierte die amerikanische Öffentlichkeit geschockt.[v] Die Bezeichnung "man habe China verloren“ zeigt, daß China bis dato als Partner in Asien gewertet wurde. Nun war China in zwei Teile zerbrochen. Sowohl die Kommunisten auf dem Festland als auch die Nationalisten auf der Insel Taiwan betrachteten sich als die einzig legitime Regierung von „China“. Für Washington stellte sich die schwierige Frage, wie auf das kommunistische Regime reagiert werden sollte, anerkennen oder ignorieren? [vi] Allerdings hätte die Anerkennung des einen Staates die Negierung des anderen bedeutet.[vii] Taiwan kristallisiert sich von Anfang an als Konfliktpunkt und Prüfstein der sino- amerikanischen Beziehungen heraus. Das Defence Department sah im Kommunismus und in seiner Ausbreitung eine direkte Bedrohung der USA und in Mao Tse- tung einen natürlichen Verbündeten Stalins. Taiwan durfte demnach nicht fallen, ja es sollte sogar geschützt und mit dem „China Aid Act“ unterstützt werden. [viii] Die Anerkennung der VR China wurde erst einmal herausgeschoben. Diese Haltung, besonders aber die Unterstützung Taiwans durch die USA, wurde von der Volksrepublik China angeprangert. Die Führung in Peking, die damals ebenfalls eine Positionsbestimmung vorzunehmen hatte, sah ihre Meinung über die imperialistische Großmacht bestätigt. Außerdem wurde die amerikanische Asienpolitik, d.h. das Bündnis mit Japan und die Unterstützung z.B. Süd- Koreas, als Bedrohung der chinesischen Sicherheit und der Stabilität Asiens gesehen.[ix] Ideologische Vorurteile mischten sich mit Sicherheitsüberlegungen zu einer insgesamt ablehnenden Haltung gegenüber den Amerikanern.

China war 1949/50 definitiv keine Großmacht, wie Charles Kitts bemerkt.[x] China hatte gerade ein Jahrhundert der Demütigung, Rebellion, Revolution sowie fremder Besatzung und Bürgerkrieg beendet. Das mächtige Land war in dieser Zeit arm und rückständig. Immer noch verzweifelt auf der Suche nach Frieden, Stabilität und einer einheitlichen Regierung, konnte es keine ernsthafte Bedrohung für Amerika sein. Aber es bestand die Möglichkeit das China den kommunistischen Block entscheidend anreichern und in einer Allianz mit der Sowjetunion zu einem gefährlichen Gegner der USA werden könnte. Verhandlungen 1949 zwischen Peking und Moskau, [xi] und das dort geschlossene Sicherheitsabkommen schienen diese Tendenz jedenfalls aus amerikanischer Sicht zu bestätigen.

2. 2. Konfrontation und offene Feindschaft

Die vorsichtig abwartende Haltung Trumans, wurde schließlich mit dem Korea Krieg 1950-1953 beendet. Die beiden Mächte USA und China standen sich auf dem Schlachtfeld gegenüber, die jeweiligen Interessen der beiden Staaten waren offenbar unvereinbar. Amerika war beim Versuch den Kommunismus einzudämmen nicht nur ideologisch, sondern auch territorial zu weit gegen China vorgerückt. Der Kriegseintritt Chinas zeigte jedoch deutlich, daß der junge Staat entschlossen war, seine Interessen gegen jede Macht auf der Welt zu behaupten, auch gegen die Vereinigten Staaten von Amerika. Die darauffolgende Entscheidung Washingtons, Taiwan zu schützen und auch verstärkt Waffen und Militärhilfe zu leisten,[xii] ist vielleicht als eine erste Anerkennung der VR China (bzw. ihrer Stärke) zu werten.

Die Streitpunkte verhärten sich nach dem Krieg. Die beiden Mächte werden zu erklärten Gegnern.[xiii] Die Innenpolitik beider Staaten wird in den 50‘er und 60‘er Jahren zum dominierenden Faktor der Beziehungsbildung. Die Regierung in Washington kann Angesichts der öffentlichen Erfahrungen des Korea Krieges, dem antikommunistischen Streben des Mc Carthyism´s im Landesinneren, der starken pro- Taiwanesischen „China Lobby“, und des offenen Antiamerikanismus seitens der Chinesen kaum anders als feindlich reagieren. Die Eindämmung und Isolierung Chinas war damit die Konsequenz, die die USA als demokratisch legitimierte Supermacht ziehen mußte. Auch Pekings radikale Außenpolitik orientierte sich am innenpolitischen Bedarf der ideologischen Linientreue.[xiv] China sah zu der kalten Allianz mit der Sowjetunion daher vorerst keine Alternative.

2. 3. Feindschaft und Isolation

Von 1953 bis 1971 folgt damit eine von Spannung und Feindschaft geprägte Phase der bilateralen Beziehung. Um die chinesisch- kommunistische Expansion zu kontrollieren, ist die Eisenhower- Administration bereit, an den Rand eines Krieges zu gehen. Seit 1951 hatte die USA begonnen ein Netz von Sicherheitsverträgen im asiatisch- pazifischem Raum zu weben.[xv] Chinas Umfeld sollte gestärkt werden. Ziel war es die kommunistischen Kräfte bis an die chinesische Grenze einzudämmen.[xvi] Die Angst vor einer kommunistischen Invasion in Südostasien war so groß, das John Forster Dulles die Bildung einer weitreichenden kollektiven Sicherheitsorganisation nach Art der NATO in der Region vorantrieb. Die 1954 gegründete SEATO legte dann ihren Schutzmantel auch über die Nichtmitgliedsstaaten Indochinas, Laos, Kambodscha und Südvietnam.[xvii] Noch deutlicher gegen den Einfluß Chinas war jedoch der gemeinsame Verteidigungsvertrag mit der "Republik China" auf Taiwan 1955 gerichtet. China reagierte aggressiv. Drei schwere militärische Konflikte in der Taiwanstraße 1954, 1958 und 1962 sind als die sichtbaren Auswirkungen des tiefen Antagonismus zu verstehen. Dieser Antagonismus ist, wie angedeutet, gleichsam strategisch, innenpolitisch und ideologisch bedingt gewesen.

[...]


[i] Aus dem Shanghai Comuniqúe, 27. Februar1972, zitiert in: Overhold, William, The rise of China. How economic reform is creating a new Superpower, New York, 1993. S.365.

[ii] Mit China soll in der folgenden Arbeit die Volksrepublik China bezeichnet werden. Die Republik China ist mit der Bezeichnung Taiwan ausgewiesen.

[iii] Sutter, Robert G., Shaping China’s Future in World Affairs: the Role of the United Staates, Boulder 1996. S. 3.

[iv] Also seit der Gründung der VR China 1949.

[v] Kitts, Charles R. The United States Odyssey in China, 1784-1990, Lanham 1991. S. 187.

[vi] Faust, John R./Kornberg, Judith F., China in world politics, Boulder 1995. S. 131.

[vii] Garson, Robert, The United States and China since 1949. A troubled affair, Lonon 1994. S. 22.

[viii] Ebd. S. 23.

[ix] Ebd. S. 24.

[x] Kitts, Charles R., Lanham 1991. S. 197.

[xi] Garson, Robert, London 1994. S. 30.

[xii] Ebd. S. 44.

[xiii] Ebd.

[xiv] Ross, Robert R. (Hrsg.), China, the United States and the Soviet Union. Tripolarity and policy making in the Cold War,

New York 1993. S. 184.

[xv] Verteidigungsverträge mit den Phillipinen (1951), Japan (1951), Australien und Neuseeland (1951) und der Republik Korea (1953). Liu, Ta Jen, U.S. – China relations, 1784- 1992, Lanham 1997. S. 219.

[xvi] Offizielle Ankündigung der U.S.-Regierung auf der Konferenz von Geneva 1954. Liu, Ta Jen, Lanham 1997. S. 219.

[xvii] Liu, Ta Jen, U.S. – China relations, 1784- 1992, Lanham 1997. S. 220.

Details

Seiten
17
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638111904
ISBN (Buch)
9783638796491
Dateigröße
567 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v1931
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Sozialwissenschaften
Note
gut
Schlagworte
China und USA Außenpolitk USA Aussenpolitik China China USA Chinesische Außenpolitik Supermacht Sicherheitspolitik Beziehung Beziehungen China-USA Amerika VR China

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