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Friedrich II. als Vorbild für Integrationspolitik

Hugenotten - die Gastarbeiter der Frühen Neuzeit?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 22 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Vorteile der Hugenotten für Friedrich II. von Preußen
II. 1. Herrschaftliches Mitleid zugunsten der eigenen Politik
II. 2. Aufbau von Wirtschafts- und Handelsstrukturen sowie des Militärs durch die “Resource Mensch“
II. 3. Beiträge der Hugenotten zum sozialen und gesellschaftlichen Leben

III. Friedrichs II. von Preußen Politik gegenüber den Hugenotten
III. 1. Aufnahme und Ansiedlung der Hugenotten mittels Privilegien und anderer Maßnahmen
III. 2. Integration – Definition und eine kurze Wertung

IV. Einflüsse der Hugenotten
IV. 1. Glauben
IV. 2. Kultur

V. Motive der BRD für die Anwerbung von Arbeitern aus dem Ausland

VI. Politik der BRD gegenüber Ausländern zwischen 1945 und 1973

VII. Kurzer Ausblick auf die Integrationspolitik und ihre Entwicklung

VIII. Schlussbetrachtung

IX. Quellenverzeichnis

X. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Im Rahmen des Hauptseminars zu König Friedrich II. von Preußen möchte ich in dieser Seminararbeit der Frage nachgehen, ob Friedrich II. von Preußen als Vorbild für die Ausländerpolitik zwischen 1945 und 1973 in der Bundesrepublik angesehen werden kann.

Dazu werde ich zunächst Friedrichs II. von Preußen Politik in Bezug auf die französischen Einwanderer betrachten. Einen besonderen Schwerpunkt lege ich dabei als erstes auf die Vorteile, die er aus der Ansiedlung der Hugenotten zog. Genauer untersuchen werde ich in diesem Zusammenhang seine politischen, wirtschaftlichen und möglichen sozialen und gesellschaftlichen Ambitionen. In Folge soll seine konkrete Politik den Hugenotten gegenüber betrachtet und schließlich ihre Einflüsse auf die einheimische Gesellschaft ergründet werden. Als Hauptquelle dienen die politischen Schriften Friedrichs II. von Preußen und eine Beurteilung von Wilhelm Meise, die durch Sekundärliteratur zu Friedrich wie auch den durch Historiker gut erschlossenen Hugenotten ergänzt wird.

In weiteren Schritten soll die Ausländerpolitik in der BRD in den Jahren zwischen 1945 und 1973 betrachtet werden. Dafür möchte ich zunächst wieder die Motive für die Anwerbung der ausländischen Arbeitskräfte ermitteln, um anschließend die konkrete Politik der Bundesrepublik gegenüber den Gastarbeitern zumindest in Ansätzen wiederzugeben und schließlich einen kurzen Ausblick auf die weitere Entwicklung der Ausländerpolitik zu geben. Gemeinsam mit den zuvor erarbeiteten Erkenntnissen soll der Ausblick es ermöglichen einen Vergleich zwischen Friedrichs II. von Preußens Integrationspolitik und der der Bundesrepublik zu erlauben.

Die Probleme, mit der sich die Politik heute auseinanderzusetzen hat, zeigen, dass die Thematik der Integration aktueller denn je und es somit wert ist, genauer betrachtet zu werden.

II. Vorteile der Hugenotten für Friedrich II. von Preußen

Zu Beginn meiner Hausarbeit möchte ich mich den Motiven Friedrichs II. von Preußen zuwenden. Welche Vorteile konnte er aus den Hugenotten und ihrer Einwanderung und Ansiedlung in seinem Land gezogen haben? Was hatte ihn schließlich dazu bewogen, die religiöse und immer noch verfolgte Minderheit aufzunehmen?

II. 1. Herrschaftliches Mitleid zugunsten der eigenen Politik

In der Öffentlichkeit schloss sich auch Friedrich II. von Preußen den anderen evangelischen Landesherren an und bekundete offene Kritik an dem harten Vorgehen Frankreichs gegenüber den Hugenotten. Er verpflichtete sich ebenso die „ bedrengeten Glaubens-Genossen[1] zu unterstützen.

Mit Sicherheit hat Friedrich II. von Preußen in der Aufnahme der Hugenotten als reformierte Religionsgemeinschaft auch seiner eigenen Überzeugung Ausdruck verliehen. So ist seiner Auffassung nach, die „ Toleranz […] den Gesellschaften, in denen sie eingeführt ist, so vorteilhaft, dass sie das Glück des Staates ausmacht.[2]. Im Gegensatz dazu führt die Verfolgung und Intoleranz zu Auswanderung oder gar schlimmeren Folgen, wie er am Beispiel Frankreichs ausführt[3]. Friedrich II. von Preußen akzeptiert in seinen politischen Schriften die Tatsache, dass es in allen Ländern, und eben auch in seinen eigenen, immer Menschen mit unterschiedlichen Ansichten geben wird und betrachtet diesen Umstand nicht als verwerflich.

Für ihn verband sich mit der öffentlichen Bekundung den Hugenotten zu helfen vielmehr die Gelegenheit sich von Frankreich zu distanzieren und sich mehr dem Kaiser und seiner eigenen Politik zuzuwenden. Das bedeutete vor allem seine führende Stellung unter den reformierten Landesherren auszubauen.[4]

Darüber hinaus konnte Friedrich II. von Preußen so die Hugenotten als eine weitere und zudem loyale Stütze seines absolutistischen Herrschaftssystems gewinnen.[5]

II. 2. Aufbau von Wirtschafts- und Handelsstrukturen sowie des Militärs durch die “Resource Mensch“

Für Brandenburg-Preußen folgte Friedrich II. dem Wirtschaftsmodell des französischen Merkantilismus. Dieses Modell sah vor, insbesondere Fertigprodukte ins Ausland zu verkaufen und dafür die wertvollen und im eigenen Land begrenzten Rohstoffe und Geld zu erhalten und im Land zu behalten. Zudem sollte das Militär und seine Schlagkraft ausgebaut und einsatzbereit gemacht werden.[6] Dafür berief sich die deutsche Form des Merkantilismus im Besonderen auf die „ Bevölkerung [als] den eigentlichen Reichtum eines Landes [….] [S]ie sollte Produktion und Konsum erhöhen und damit auch die Steuerleistung[7]. Als menschliche Resource sollte die Bevölkerung und die Künftige, wie beispielsweise die Hugenotten, dem Staat unter anderem zur Stützung ihrer Kriege dienlich sein[8]. Die Einwanderer boten aber nicht nur den Vorteil, dass sich unter ihnen zahlreiche militärische Fachkräfte[9] und somit ausgezeichnetes Kriegspotenzial befand, sie waren vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht für die Regierung interessant. Friedrich II. von Preußen erhoffte sich eine Verbesserung und Belebung der Wirtschaft durch die „hervorragend ausgebildeten Handwerker und Manufakturisten“[10] sowie den geistigen Eliten wie Pfarrern, Ärzten und Literaten.

Der Ausbau von Manufakturen und damit die Wende hin zum modernen und schnelleren Fertigen der Produkte hatte hohe Priorität.[11] Neben der Ausdehnung der Massenproduktion, ermöglicht durch die arbeitsteilige Durchführung bei der Produktion, lag Friedrich II. von Preußen wohl ebenso die Erweiterung des landwirtschaftlichen Sektors am Herzen, die wiederum die Ernährung seiner Untertanen und menschlichen Ressourcen gewähren sollte. Für ihn war die „ Hauptsache […] für eine gute Bestellung des Bodens zu sorgen, alle Ländereien urbar zu machen [...sowie ] die Herden zu vermehren, um desto mehr Milch, Butter, Käse und Dung zu erzielen[12]. Für die Bestellung des Bodens benötigte Friedrich II. von Preußen viele Kräfte, die neben der Kultivierung, dem Anbau bzw. der Viehzucht auch vorbereitende Maßnahmen, wie Trockenlegungen und ganze Rodungen von Wäldern in großen Gebieten seines Landes, auf sich nahmen.

Wilhelm Meise schreibt Friedrich II. von Preußen in seinen Eigenschaften der „ Arbeitsamkeit und Sparsamkeit[13] sogar ein gewisses Streben nach Autarkie[14] zu, wenn er davon spricht, dass Friedrich II. „ Ackerbau und Handel [ begünstigte ,] und [...]alles Mögliche [ tat ], um Fortschritte zu bewirken und sein Volk unabhängig zu machen[15].

Durch die Einwanderer erhoffte sich Friedrich II. von Preußen nunmehr den Ausgleich der Bevölkerungsverluste in Hinblick auf seine militärische Planung sowie auch die Wirtschaft zu schaffen. Zudem musste er auch die Vorteile, die mit einer Ansiedlung verbunden waren, wie Ausbau von Siedlungen, Städten und damit auch Handelswegen und -strukturen betrachtet haben. Allerdings ist das eher spekulativ, da Friedrich wohl nicht absehen konnte, welche Folgen die Ansiedlung der Hugenotten in Gänze haben würde.

II. 3. Beiträge der Hugenotten zum sozialen und gesellschaftlichen Leben

Von den Hugenotten erhoffte sich Friedrich II. von Preußen ebenso wie von den anderen Einwanderern zunächst mal einen Anstieg der Bevölkerungszahlen, die durch ihre Ansiedlung anwachsen sollte. Die Menschen sollten sich heimisch fühlen und vermehren und somit ihm die Möglichkeit geben sie für seine Kriegs- als auch Wirtschafts- und Handelszwecke auszubeuten.[16] Die gezielte Ansiedlung von Predigern und Ärzten sollten diesem Zweck, sich in Brandenburg-Preußen niederzulassen und Familien zu gründen, dienen. Der Bau von Kirchen und Gemeinden war somit ein angestrebter Effekt der Siedlungspolitik.

In seiner politischen Schrift „Von den Regierungsformen und den Pflichten der Könige“ betont er die Bedeutung und wechselseitige Abhängigkeit von Gesellschaft und Regent, indem er wiederholt darauf hinweist, dass:

„der Herrscher […] den Staat [repräsentiert]; er und sein Volk sind nur ein einziger Körper, der nur solange gedeihen kann, wie sie miteinander einträchtig sind. Der Fürst ist für die Gesellschaft, was der Kopf für den Körper ist: er muss für die ganze Gemeinschaft sehen, denken und handeln, um ihr allen Nutzen zu verschaffen, den sie aufnehmen kann. […] Er muss sich eine genaue und eingehende Kenntnis von der Stärke und Schwäche seines Landes verschaffen, sowohl hinsichtlich der Geldkräfte wie in [B]ezug auf die Bevölkerung, das Finanzwesen, den Handel, die Gesetze, den Geist der Nation, die er regieren soll“[17]

Mit diesem Bild vom „Körper der Gesellschaft“ und den anschließend aufgelisteten Schwerpunkten, die ein Herrscher zu berücksichtigen hat, stellt Friedrich II. von Preußen den hohen Wert der Gesellschaft für seine Regierung nochmals heraus. Zudem ordnet er die Gesellschaft an erster Stelle ein und demonstriert damit die Abhängigkeit der anderen Aspekte wie dem Finanzwesen , also der Steuern und dem Handel von der Gesellschaft. Er muss schließlich in dem Wachstum der Bevölkerung selbst den größten Vorteil gesehen haben, da sich von ihm alle weiteren Vorzüge und Gewinne aus der Einwanderung der Hugenotten ableiten ließen.

[...]


[1] Zitiert nach Niggemann, Ulrich: Hugenotten, 2011, S. 58.

[2] Friedrich II. von Preußen: Drei politische Schriften, S. 32.

[3] Vgl. Friedrich II. von Preußen: Drei politische Schriften, S. 32/33.

[4] Vgl. Niggemann, Ulrich: Hugenotten, 2011, S. 58.

[5] Vgl. Lausberg, Michael: Hugenotten in Deutschland, 2007, S. 195.

[6] Vgl. Niggemann, Ulrich: Hugenotten, 2011, S. 58f.

[7] Niggemann, Ulrich: Hugenotten, 2011, S. 59.

[8] Vgl. Mittenzwei, Ingrid: Friedrich II.: eine Biographie, 1984, S. 85.

[9] Vgl. Lausberg, Michael: Hugenotten in Deutschland, 2007, S. 195.

[10] Lausberg, Michael: Hugenotten in Deutschland, 2007, S. 195.

[11] Vgl. Niggemann, Ulrich: Hugenotten, 2011, S. 59f.

[12] Friedrich II. von Preußen: Drei politische Schriften, S. 30.

[13] Meise, Wilhelm: 1934, S. 66.

[14] Autarkie meint die wirtschaftliche Unabhängigkeit eines Landes bzw. das Streben danach.

[15] Meise, Wilhelm: 1934, S. 66.

[16] Vgl. Mittenzwei, Ingrid: Friedrich II.:eine Biographie, 1984, S. 85.

[17] Friedrich II. von Preußen: Drei politische Schriften, S. 22.

Details

Seiten
22
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656181828
ISBN (Buch)
9783656182597
Dateigröße
519 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v192980
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Historisches Institut
Note
2,3
Schlagworte
Hugenotten Friedrich II. von Preußen Integrationspolitik Vorteile und Motive Einflüsse der Hugenotten Ausländerpolitik der BRD zwischen 1945 und 1973 Ausblick auf die Entwicklung der Integrationspolitik Anwerbung von Arbeitskräften

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Titel: Friedrich II. als Vorbild für Integrationspolitik