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Militat omnis amans - Interpretation von Ovid, Amores 1.9

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 23 Seiten

Latein

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Ovid, Amores 1.9 mit metrischer Analyse

3 Interpretation 3.1 Einbindung von Am. 1.9 in Buch 1 und Gliederung des Gedichts 3.2 Interpretation der Verse 1-32

4 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Anhang

Übersetzung Amores

1 Einleitung

Attice, crede mihi, militat omnis amans.1

Ein römischer Liebhaber vergleicht seinem Freund gegenüber die Liebe mit dem Kriegsdienst. Ovid lässt seine Figur in der Tradition der Liebeselegie die militia amoris verkörpern und anhand vielfältiger Beispiele als Gegenentwurf zum ideal- römischen Streben nach Kriegsruhm erklären.2 Doch bleibt es bei der bloßen Erläuterung dieses Motivs, oder sind argumentative, gar rechtfertigende Züge auszumachen? Muss Ovid, der letzte in der Reihe der großen Elegiker, seine Figur tatsächlich für die eigenen dichterischen sowie Lebensideale sprechen lassen? Konnte er doch seinem ingenium nur nachgehen und lusor seiner tenerorum amorum sein, wenn er sich „von den drückenden Pflichten der vita activa zurückzog und sich dem Leitstern des otium anvertraute […] Die Last des öffentlichen Lebens war für seine Kräfte zu schwer, sagt er.“3

Der Adressat allein scheint mir ein wichtiger Ansatzpunkt zu sein: Warum ist das Gedicht nicht - wie vormals schon öfter gesehen - an den amator selbst oder seine puella4 gerichtet? Dem Freunde gegenüber könnte man eine triumphierende Schilderung des letzten Schäferstündchens erwarten, einen selbstmitleidigen aber kämpferischen Anruf des eigenen Durchhaltevermögens oder eine Absage an das quälende Mädchen; je nachdem, wie weit wir in der Dramaturgie des Gedichtzyklus fortgeschritten sind.

Mit unserer Elegie Am. 1.9 befinden wir uns mitten im ersten der drei Bücher der Amores. Möchte man die ersten beiden Elegien als Einleitung des Werkes etwas gesondert betrachten, befindet sich Am. 1.9 sogar genau in der Mitte zwischen 1.3 und 1.15, dem einleitenden und dem abschließenden Stück des ersten Buches. Erkennen wir eine raffinierte Komposition und nehmen an, dass jedes Gedicht an seiner Stelle von Bedeutung ist und sich Beziehungen zu anderen Gedichten an korrespondierenden Stellen herstellen oder vielmehr nachvollziehen lassen, dann könnte die Position also für eine angemessene Würdigung von Bedeutung sein.

Vielleicht müssen in dieser frühen Phase aber auch noch bekannte Motive bedient werden? Vielleicht befinden wir uns an dieser Stelle (in diesem Werk von diesem Autor) aber auch vor allem auf einer anderen, distanziert-ironischeren Ebene als bei seinen Vorgängern Gallus, Tibull oder Properz. Dementsprechend wird übergeordnet zudem nach der Ernsthaftigkeit dieses Gedichtes sowie des Gesamtprojekts zu fragen sein.

Die Beantwortung dieser Fragen soll nah am Text und anhand von dessen Verlauf erfolgen. Dazu sollen inhaltliche Fragen unter mehr zweckgebundener denn vollständiger Einbeziehung sprachlicher, stilistischer sowie metrischer Aspekte ins Auge gefasst werden.

2 Ovid, Amores 1.9 mit metrischer Analyse

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten5

3 Interpretation

3.1 Einbindung von Am. 1.9 in Buch 1 und Gliederung des Gedichts

Zum Zwecke einer Positionierung von 1.9 innerhalb des ersten Buches der Amores wird meiner Ansicht nach ein kurzer Blick auf die Protagonisten, vor allem natürlich die erzählende Person, hilfreich sein.

Ich sehe im Ich-Sprecher zunächst eine Figur oder Maske (persona), die Ovid schafft, handeln lässt und uns als solche in den unterschiedlichsten Situationen präsentiert. Strenge Parallelen zum Liebesleben des Autors kann ich in Ermangelung detaillierter Kenntnisse eben dessen nicht ausschließen, halte sie jedoch für nicht sonderlich wahrscheinlich. Genauso sehe ich in Corinna weder die Abbildung einer speziellen Frau6, die auf den Autor einen derart gewaltigen Eindruck hinterlassen hat, dass er sie zur Hauptfigur seiner aktuellen Dichtung erwählte. Noch kann sie die Verschmelzung mehrerer realer Geliebter und ihrer individuell herausragenden Eigenschaften sein. Wobei der zweite Entwurf der Figur schon näher kommt: Die puella ist eine fiktive Liebschaft, vielleicht das Produkt der Destillation und Kombination der für die Dichtung brauchbaren Eigenschaften von Frauen, die Ovid tatsächlich oder als Stereotype bekannt waren. Andererseits mag sich der Autor, dem Genre und seinen Vorgängern verpflichtet und dieses wie jene in Ehren haltend7, bei den weiblichen Figuren der älteren Elegiker bedient und diese in Teilen nachgeahmt haben.8

Weinlich geht vollkommen zu Recht einen Schritt weiter, indem sie eine Veränderung feststellt, die sich im Protagonisten von Ovids Amores im Vergleich zu seinen Vorgängern in der Dichtung vollzogen hat:

[...]


1 Ov. Am. 1.9.2.

2 Holzberg 2009, S. 21-22 vergleicht die Generation der Augusteer gar mit der 68er-Generation: Jugendliche aus besser gestellten Kreisen drücken ihren Überdruss gegenüber ihrer Herkunftsschicht und deren Werten aus. Das negotium wird verweigert, man möchte sich nicht politisch oder militärisch in dieser Gesellschaft engagieren und wendet sich stattdessen dem otium, der Freizeit, Muße, also vor allem der Dichtung zu.

3 Lenz 1965, S. 6.

4 z.B. Properz 1.18.

5 Zeichenerklärung: , = Metrumsgrenze; ' = Elision bzw. Synaloiphe; = Zäsur; = Diärese

6 Hierzu sehr scharf, aber wohl nicht ohne Berechtigung Lenz, S. 7/8: „Wer hier auch nur an die Möglichkeit einer Liebesaffäre mit einer bestimmten Dame glaubt, der macht sich nicht klar, welche persönliche Geschmacklosigkeit und Stilwidrigkeit er einem Dichter zutraut, dem die Kunst, wie er sie versteht über alles im Leben geht.“

7 Ov. Am. 1,15,27-30.

8 Gegen die Verarbeitung der Erfahrungen mit mehreren realen Geliebten spricht für mein modernes Werteempfinden das geringe Alter Ovids zur Zeit der Entstehung der Amores, die in den Jahren 20-15 veröffentlicht wurden. Barsby 1973, S. 107 hingegen würde das obige Argument nicht gelten lassen: „[...] in the relatively free social conditions of the late first century B.C., when contact could readily be made with the opposite sex at various public occasions.“ Schmidt-Berger 1992, S. 83 nimmt als Entstehungszeit gar „um 25 v. Chr.“ an. Ihr widerspricht meiner Meinung nach mit Recht von Albrecht 2003, S. 19/20: „Es ist nicht gerade wahrscheinlich, dass wir die 'Jugendgedichte', die Ovid bei seiner ersten Lesung (um 25 v. Chr.?) vortrug, mit dem ersten Buch der ersten Auflage der Liebeselegien gleichsetzen dürfen.“

Details

Seiten
23
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656190981
ISBN (Buch)
9783656191919
Dateigröße
602 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v192949
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,0
Schlagworte
militat interpretation ovid amores

Autor

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Titel: Militat omnis amans - Interpretation von Ovid, Amores 1.9