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Adenauers Außenpolitik

Wiedervereinigung oder Westintegration?

Seminararbeit 2007 20 Seiten

Politik - Grundlagen und Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland unter Bundeskanzler Konrad Adenauer von 1949 bis 1955
2.1 Die außen- und deutschlandpolitische Konzeption Adenauers
2.2 Der Einfluss der Westmächte
2.3 Die Westintegration der Bundesrepublik Deutschland

3. Die Außenpolitik der DDR zwischen 1949 und 1955
3.1 DieOstintegrationderDDR
3.2 DerEinflussderSowjetunion

4. Die Entwicklung der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR

5. Resümee

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Es gibt keinen anderen Weg zur Wiedervereinigung als diesen durch die europäische Integration, es sei denn, man wäre bereit, auf die Freiheit zu verzichten und ganz Deutschland in die Hände der Sowjetunion zu geben“1

Konrad Adenauer hat als erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland - und ab 1951 auch als ihr erster Außenminister - vierzehn Jahre lang die Richtlinien der westdeutschen Innen- und Außenpolitik festgelegt.

In seiner Regierungszeit von 1949-1963 bestimmte vor allem die Lösung der „Deutschen Frage“ und die Integration der BRD in die europäische Gemeinschaft die westdeutsche Politik.2

Adenauer verfolgte eine Politik, die die Bundesrepublik nah an Westeuropa und die Vereinigten Staaten band. Dies führte häufig zu dem Vorwurf, dass er die Sicherheit eines gefestigten, westorientierten Bündnissystems der Wiedervereinigung mit Ostdeutschland vorzog und Möglichkeiten zu einer früheren Annäherung der beiden deutschen Staaten verspielte3. Demzufolge beschäftigt sich diese Arbeit mit der These „Adenauers Außenpolitik hat eine frühere Westintegration verhindert.“

Ich werde mich in meinen Ausführungen auf die Zeit von der Gründung der Bundesrepublik 1949 bis zu ihrer Souveränitätserklärung 1955 beschränken.

Es erscheint mir sinnvoll, die Politik der beiden deutschen Staaten erst einmal getrennt zu betrachten, um die Basis, auf der die Deutschlandfrage diskutiert wurde zu beleuchten.

Im ersten Teil meiner Arbeit lenke ich meine Aufmerksamkeit somit auf Adenauers Außenpolitisches Konzept und seine Umsetzung in den Jahren 1949 bis 1955. Hierbei werde ich nicht nur die Politik der Bundesregierung zur Integration der BRD in die „freien Völker“ chronologisch darstellen, sondern auch den Einfluss der Westalliierten auf die junge Bundesrepublik veranschaulichen. Zur Belegung meiner Ausführungen beziehe ich mich hauptsächlich auf Hans Maier „Konrad Adenauer. Seine Deutschland- und Außenpolitik“ und Marion Dönhoff„Die Bundesrepublik in der Ära Adenauer. Kritik und Perspektiven“.

Im nächsten Schritt soll auf die Politik der DDR eingegangen werden. Hierbei sollen vor allem die Integration Ostdeutschlands in den sowjetischen Machtbereich und der Einfluss der UdSSR auf die DDR begutachtet werden. Hierzu berufe ich mich auf Curt Gasteyger „Europa zwischen Spaltung und Einigung“.

Im dritten Teil meiner Arbeit steht die Entwicklung der Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten im Mittelpunkt. Ich nehme besonderen Bezug auf die von der Opposition titulierten „verpassten Chancen“ Adenauers bezüglich einer eventuell früheren Möglichkeit zur Wiedervereinigung, den Stalin-Noten und der Berliner Außenministerkonferenz. Auch hierbei gehe ich auf den Einfluss der Besatzungsmächte ein. In diesem Teil stütze ich mich auf JosefFoschepoth „ Westintegration statt Wiedervereinigung“ und Axel Schildt „Politische Einstellungen und Entscheidungen.“

In einem abschließenden Resümee soll die Außenpolitik Adenauers rekapituliert und eventuelle Fehler in seiner Ostpolitik hervorgehoben werden.

2. Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland unter Bundeskanzler Konrad Adenauer von 1949 bis 1955

Dieses Kapitel soll die außen- und deutschlandpolitischen Ziele der Bundesrepublik und deren Umsetzung im Zeitraum von ihrer Gründung 1949 bis zu ihrer Souveränitätserklärung 1955 darstellen.

Zunächst wird die politische Zielrichtung Konrad Adenauers näher beleuchtet, um des Weiteren seine Politik der Westintegration chronologisch nachzuvollziehen. Ferner soll der Einfluss der Westalliierten auf die Politik der Bundesrepublik aufgezeigt werden.

2.1 Die außen- und deutschlandpolitische Konzeption Adenauers

Konrad Adenauers Außen- und Deutschlandpolitik wurde von mehreren Bestimmungsfaktoren beeinflusst.

Die Geschichte Europas in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts war maßgeblich von zwei Weltkriegen bestimmt worden, die den Aufstieg der USA und der UdSSR zu Supermächten und den Niedergang des „Global Players“ Europa zur Folge hatten. Daraus folgte eine politische, wirtschaftliche und ideologische Abhängigkeit von den Führungsmächten. Das Expansions- und Machtstreben der Sowjetunion und Chinas sah der Kanzler als Beginn einer groß angelegten kommunistischen Offensive, die die freie Welt bedrohen würde. Der daraus resultierende Ost-West-Konflikt führte ihn zu dem Schluss, dass nur ein Zusammenschluss der Westmächte unter der Führung der USA den Aufstieg der UdSSR zur Weltmacht verhindern konnte.4 Zudem hatte er große Vorbehalte gegenüber dem deutschen Demokratiebewusstsein und beobachtete die Furcht der Nachbarn vor erneuten Hegemonialbestrebungen der Bundesrepublik besorgt.5

Adenauer strebte im Wesentlichen drei deutschlandpolitische Ziele an: Freiheit, Frieden und nationale Einheit.6

Die Wiedererlangung der politischen Handlungsfreiheit der Bundesrepublik war ein erklärtes Ziel der Regierung Adenauer. Die Souveränität Deutschlands, die durch das von den Besatzungsmächten auferlegte Statut, das am 21. September 1949 in Kraft trat, eingeschränkt war,7 „Um sicherzustellen, daß die Grundziele der Besetzung erreicht werden, bleiben auf folgenden Gebieten Befugnisse ausdrücklich Vorbehalten: [...] c) auswärtige Angelegenheiten einschließlich der von Deutschland oder in seinem Namen getroffenen Abkommen [,..]“8

konnte nur durch eine Verbesserung der Beziehungen zu den Westmächten, insbesondere zum „Erbfeind“ Frankreich, das einem von neuem erstarkenden Deutschland in Folge seiner Erfahrungen aus zwei Weltkriegen kritisch entgegen blickte9, vollkommen wieder hergestellt werden. Dies sollte durch die Einbindung der Bundesrepublik in ein möglichst dichtes Netz von politischen, militärischen und wirtschaftlichen multinationalen und supranationalen Institutionen geschehen, um ein selbstständiges Deutschland in einem starken Europa zu schaffen.10

„Ich war überzeugt, dass wir auf diesem Weg die Zukunft Deutschlands und auch die Rettung und die Zukunft Westeuropas sicherten, das ohne Deutschland nicht gerettet werden konnte, und dass wir- und das war das oberste Ziel- auf diesem Wege auch den Frieden der Welt sicherten.“11

Eine westliche „Politik der Stärke“ durch Aufrüstung, den Ausbau der NATO und- notfalls­militärische Integration der Bundesrepublik sollte der Abschreckung dienen, die Expansionsbestrebungen der UdSSR verhindern und die Wiedervereinigung mit Hilfe der Verbündeten ermöglichen.12

„Mit einem totalitären Staat kann man nun einmal nicht sprechen wie mit einem lieben, guten Bruder. Ein totalitärer Staat versteht nur eines: Er hört nur dann, wenn der, mit dem man spricht, auch Macht hat. Und diese Macht muß sich Europa verschaffen.“13

2.2 Der Einfluss der Westmächte

Untersucht man die Politik der Bundesrepublik im Zeitraum 1949-1955, so muss in Betracht gezogen werden, dass sie noch nicht vollständig souverän handeln konnte, sondern unter dem Statut der Besatzungsmächte stand. Zum Zeitpunkt der Amtsübernahme der Bundesregierung war die Bundesrepublik völkerrechtlich handlungsunfähig, sie durfte keine diplomatischen Beziehungen zu anderen Staaten pflegen, keinen internationalen Organisationen beitreten, die Besatzungsmächte hatten ein Einspruchsrecht bei innenpolitischen Entscheidungen, die Verwaltung wurde überwacht und die Wirtschaft kontrolliert.14

Zudem war Deutschland seit 1947 Mitglied des von den USA finanzierten „Europäischen Wiederaufbauprogramms“, des so genannten Marshall-Plans, der die BRD nicht nur wirtschaftlich von den Amerikanern abhängig machte, sondern auch mit der Akzeptanz der US-amerikanischen Autorität einherging.15

Das Hauptinteresse der Westmächte lag darin, einen Übergriff der Sowjetunion auf Deutschland, und somit die Ausweitung des kommunistischen Einflussgebietes zu verhindern. Die Integration der Bundesrepublik in westliche wirtschaftliche und politische Bündnisse sollte zum Schutz Europas vor der Sowjetmacht dienen16. Umstritten war jedoch die Frage der Remilitarisierung der BRD. Vor allem Frankreich stand dem kritisch gegenüber, da es befürchtete, ein Aufrüsten des Nachbarlandes könnte zu erneuten nationalistischen Bestrebungen des „Erbfeindes“ führen.17

2.3 Die Westintegration der Bundesrepublik Deutschland

Den ersten Schritt in Richtung Gleichberechtigung machte die Bundesrepublik durch den Abschluss des Petersberger Abkommens mit den drei Alliierten Hohen Kommissaren am 22.11.1949. Danach konnte die BRD internationalen Organisationen beitreten, Konsular- und Handelsbeziehungen zu anderen Staaten aufnehmen und in der Organization for European Economic Cooperation (OEEC) über die Marshall-Plan-Mittel mitbestimmen. Auf wirtschaftlichem Gebiet leitete das Abkommen das Ende der Demontagen ein.

[...]


1 Adenauer, Konrad: 20. Oktober 1953 Bundeskanzler Konrad Adenauer; in: Die großen Regierungserklärungen der deutschen Bundeskanzler von Adenauer bis Schmidt, München 1979, S.99.

2 Vgl. Dönhoff, Marion: Die Bundesrepublik in der Ära Adenauer. Kritik und Perspektiven, Grassi, Ernesto (Hrsg.), Hamburg 1963, S.104. Im Folgenden zitiert als: Dönhoff, M: Ära Adenauer.

3 Vgl. Foschepoth, Josef: Westintegration statt Wiedervereinigung, Adenauers Deutschlandpolitik 1949-1955; in: Foschepoth, Jürgen (Hrsg.): Adenauerund die Deutsche Frage, 2.Auflage, Göttingen 1990, S.30f.. Im Folgenden zitiert als: Foschepoth, J: Westintegration statt Wiedervereinigung.

4 Vgl. Schwarz, Hans-Peter: Das außenpolitische Konzept Konrad Adenauers; in: Maier, Hans (Hrsg.): Konrad Adenauer, Seine Deutschland- und Außenpolitik 1945-1963, München 1975, S.109ff. Im Folgenden zitiert als: Schwarz, H.-P: Konzept Adenauer.

5 Vgl. Gotto, Klaus: Adenauers Deutschland- und Ostpolitik 1954-1963; in: Maier, Hans (Hrsg.): Konrad Adenauer, Seine Deutschland- und Außenpolitik 1945-1963, München 1975, S.158.

6 Vgl. Ebd., S.109.

7 Vgl. Lehmann, Hans Georg: Deutschland-Chronik 1945 bis 2000, Bonn 2002, S.62. Im Folgenden zitiert als: Lehmann, H.G: Deutschland-Chronik.

8 Alliierte Hohe Kommission in Deutschland: Besatzungsstatut zur Abgrenzung der Befugnisse und Verantwortlichkeiten zwischen der zukünftigen deutschen Regierung und der Alliierten Kontrollbehörde vom 10. Mai 1949, online im Internet <http://www.dhm.de/lemo/html/dokumente/Nachkriegsjahre_verordnungBesatzungsstatut/index.html>, 21.09.1949 [zugegriffen am 26.06.2007].

9 Vgl. Schöllgen, Gregor: Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, 3., erweiterte und aktualisierte Auflage, München 2004, S.23. Im Folgenden zitiert als: Schöllgen, G.: Die Außenpolitik der Bundesrepublik.

10 Vgl. Dönhoff, M: Ära Adenauer, S.109.

11 Adenauer, Konrad: Erinnerungen; zitiert nach: Steininger, Rolf: Deutsche Geschichte. Darstellung und Dokumente in vier Bänden, Bd.2, Frankfurt/Main 2002, S.124.

12 Vgl. Schwarz, H.-P: Konzept Adenauer, S.119.

13 Adenauer, Konrad: 20. Juli 1952; zitiert nach: Adenauer, Konrad: Kanzler Worte, Weg und Ziel eines deutschen Staatsmannes, Essen 1963., S. 37. Im Folgenden zitiert als: Kanzler Worte.

14 Vgl. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (Hrsg.): Regierung Adenauer 1949-1963, Wiesbaden 1963, S.198. Im Folgenden zitiert als: Presse- und Informationsamt: Regierung Adenauer.

15 Vgl. Brunn, Gerhard: Die Europäische Einigung von 1945 bis heute, Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), Band 472, Bonn 2005, S.42f.

16 Vgl. Dettke, Dieter: Westmächte; in: Außenpolitische Perspektiven des westdeutschen Staates, Der Zwang zur Partnerschaft (Band 3), Deutsche Gesellschaft für Politik e.V. (Hrsg.), München/Wien 1971, S.14f.

17 Vgl. Schöllgen, G: Die Außenpolitik der Bundesrepublik, S.28.

Details

Seiten
20
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656180685
ISBN (Buch)
9783656181149
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v192901
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Institut für Politische Wissenschaft
Note
2,3
Schlagworte
Konrad Adenauer Außenpolitik Wiedervereinigung Westintegration DDR BRD Ostintegration

Autor

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