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Risiken der Moderne durch die Kultur des neuen Kapitalismus – anhand des Essays „der flexible Mensch"

von Philipp Müller (Autor)

Ausarbeitung 2009 20 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Richard Sennett- Leben & Werk

2. Richard Sennett: Der flexible Mensch
a) Drift
b) Routine
c) Flexibilität
d) Unlesbarkeit
e) Risiko
f) Arbeitsethos
g) Scheitern
h) Das gefährliche Pronomen

3. Ulrich Beck: Risikogesellschaft

4. Einfluss des neuen Kapitalismus auf den Lebenslauf
4. 1 Definition
4. 2 Der Einfluss auf den Lebenslauf
4. 3. Fazit

5. Transferaufgabe auf Fehlformen der Erziehung

Einleitung

Dieser Text zu dem Thema „Risiken der Moderne durch die Kultur des neuen Kapitalismus“ befasst sich vor allem mit den Inhalten, der am 29.06.2009 sowie am 13.07.2009 gehaltenen Seminarsitzungen zu selbigem Thema und dient uns als Grundlage unserer Ausarbeitung. Anhand der jeweiligen Kapitel wird auf die Besonderheiten des neuen Kapitalismus eingegangen. Der chronologische Aufbau entspricht dem des Referates. Als „Hauptwerk“ für unser Thema wählten wird Richard Sennett's der flexible Mensch.

Das erste Kapitel zeigt Leben und Werke von Richard Sennett. Im nächsten Kapitel wird dann auf sein Werk, der flexible Mensch, eingegangen, indem seine acht Thesen zum Thema „Veränderung in der Gesellschaft durch den Kapitalismus“ erläutert werden. Eine Übersicht, weshalb wir heutzutage in einer Risikogesellschaft leben, gibt Ulrich Beck. Die Definition dazu gibt er in seinem Werk „Weltrisikogesellschaft“ ab und wird in Kapitel drei erläutert. Lebenslaufforschung ist ein Thema, das in der Soziologie in den letzten 20 Jahren immer wichtiger geworden ist. Meist wird die Veränderung der Altersstruktur und damit zusammenhängend auch die der Sozialstruktur beschrieben. Der Einfluss des Kapitalismus auf den Lebenslauf ist aber auch ein zentraler Punkt und wird im vierten Kapital beschrieben. Anschließend versuchen wir bezugnehmend auf den Text „Fehlformen der Erziehung“, den erzieherischen Aspekt des soziologischen Buches aufzugreifen. Die Ergebnisse der daraus folgenden Gruppenarbeit werden im fünften und letzten Kapitel zusammenfassend dargestellt.

Die verschiedenen Statements zum Thema „Einfluss des Kapitalismus auf das Familienleben“ sollen so nochmals aufgegriffen werden. Das Kapitel soll das Thema abrunden und jedermann Konsequenzen für eigenes erzieherisches Handeln aufzeigen.

1. Richard Sennett- Leben & Werk

Richard Sennett wurde am 1. Januar 1943 in Chicago, Illinois geboren und ist ein US-amerikanischer Soziologe. Er wuchs in Cabrini Green als Sohn russischer, kommunistischer Einwanderer auf, einem der ersten Modellprojekte des sozialen Wohnungsbaus in den USA, in dem unterschiedliche Ethnien zusammenleben sollten. Richard Sennett studierte an der University of Chicago und der Harvard University und promovierte 1969. In den 1980er Jahren war er als Berater für die UNESCO tätig und war Präsident des American Council on Work. Darüberhinaus lehrte er gelegentlich an der Harvard University. Seit Mitte der 90er Jahre pendelt er zwischen seiner Tätigkeit an der New York University und der London School of Economics an denen er Soziologie und Geschichte lehrt1.

Seine Hauptforschungsgebiete sind Städte, Arbeit und Kultursoziologie. Sennetts Hauptthemen sind die Vereinzelung, Orientierungslosigkeit und Ohnmacht moderner Individuen, die Oberflächlichkeit und Instabilität zwischenmenschlicher Beziehungen sowie die Ausübung von Herrschaft. Berühmt wurde Sennett mit seinem Buch Verfall und Ende des öffentlichen Lebens. 1998 schrieb er „Der flexible Mensch“. „ Die Kultur des neuen Kapitalismus“, das 2005 erschien, ist die Fortsetzung davon und beschäftigt sich mit der „ New Economy“ der 90er Jahre2.

2. Richard Sennett: Der flexible Mensch

Bevor ich näher auf die Thesen eingehe, möchte ich am Anfang noch etwas näher den Titel beleuchten und eine kleine Einführung geben. Nach dem Marxistischen Gedanken kommt Kapitalismus von Kapitalisten, die über die Arbeiter verfügen. In dem neuen Kapitalismus verfügt man nun nicht mehr nur über Maschinen, sondern auch über technisches Wissen & Kommunikation. Die Flexibilität meint den Angriff auf die starre Bürokratie und Routine.

Sennett zeigt in dem spannenden Essay, wie durch die Flexibilisierung, die er charakteristisch für den neuen Kapitalismus betrachtet, das menschliche Zusammenleben verändert bzw. zersetzt wird. Sennett geht vor allem auf die Arbeit ein und wie sich diese durch Flexibilität verändert. Er beleuchtet die Auswirkungen dieser auf das soziale Leben. Letztendlich gibt er allerdings wenig Lösungsansätze dieser Probleme und Sennett beobachtet mehr, als er kritisiert, sodass er dem Leser die Chance gibt sich ganz unvoreingenommen selbst ein Bild zu machen.

Charakteristisch für den neuen Kapitalismus steht Rico, der Sohn des Hausmeisters Enrico. Sennett trifft ihn nach einigen Jahren zufällig im Flugzeug wieder und nimmt eine große Veränderung in ihm wahr. Vater Enrico steht für alles Konservative, starre, etc. Sohn Rico hingegen für das Flexible, Neue, Aufstrebende, der erkennt, dass in seinem Leben, doch nicht alles nach „Schema F“ verläuft, wie er es sich insgeheim erhofft. Statt Eigenverantwortung gibt es tatsächlich vor allem einen massiven Kontrollverlust hinsichtlich Karriere und Lebensplanung, Zwang zur Veränderung (Wohnort, soziale Stellung, Familie). Letztendlich ist alles den zufälligen Anforderungen der Ökonomie unterworfen, das eigene Leben wird zum ziellosen und undurchschaubaren Stückwerk. Sennett kommt im Laufe des Buches, gemäß einem Essay entsprechend, an einigen Stellen wieder auf diese beiden Hauptcharaktere zurück.

a) Drift

Wie bereits in der Einleitung beschrieben trifft Sennett Enrico nach über 20 Jahren zufällig im Flugzeug. Enrico verkörpert das alte, konservative. Er war von Beruf Hausmeister und somit Autor seines Lebens. Er schafft den sozialen Aufstieg als Einwanderer und bekommt dafür von seinen Freunden Anerkennung und Respekt. Er gewann zwar zwei Identitäten. Die des Einwanderers und die desjenigen, der den sozialen Aufstieg geschafft hat und in einer angesehenem Wohngegend wohnt. Nichtsdestotrotz weiß er, wann er in Rente geht und wieviel Geld er genau bis dahin verdient hat.3

Rico hingegen verkörpert das Neue, Erfolgreiche. Er ist wohlhabend, offen für Veränderung und geht Risiken ein. Er studiert in Boston Elektrotechnik, danach geht er an die Business School New York, findet dort seine Frau und heiratet. Anschließend erwarteten ihn weitere vier Umzüge in 14 Jahren aufgrund von Arbeitswechseln, Unternehmenspleiten, etc. Er bekommt Angst, die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren und dahinzutreiben. In seinem Leben gibt es nichts Langfristiges mehr. Keine traditionellen Laufbahnen und Stellen werden durch Projekte und Arbeitsfelder ersetzt.

Durch seinen Lebensstil entsteht ein Zustand des Dahintreibens. Das Netz von Geschäftsbeziehungen wechselt ständig. Rico hat keine feste Rolle in einer Institution mehr.

Indirekte Überwachung, und eine flexible Arbeitsweise führt zu weniger Autorität und mehr Bürokratie. Elektronische Kommunikationsmittel wirken platt, da die Gemeinschaft daran zugrunde gehen und die Verbindungen zumindest nicht gehalten werden können. Die vorherigen Wohnorte werden dadurch unbedeutend und ein Wohnortwechsel kann mit einer neuen Existenz gleichgesetzt werden.

Der Markt ist sehr nachfrageorientiert. Rasche Renditen werden angestrebt. Das heißt aber auch weniger Sicherheit. Die entstehende Ungewissheit ist heute individuell und eng mit dem Kapitalismus verwachsen.

Darüberhinaus kollidieren Ansprüche der Arbeit mit den Zielen der Familie. Im Hinblick auf Zeit spricht Sennett von einer neuen Arbeitszeitorganisation. Arbeit und Familie ist unvereinbar miteinander, da sich Teamarbeit auf die Familie zerstörerisch auswirkt, da in der Teamarbeit eine Autorität und eine feste Leitung fehlen. Es besteht bei Eltern die Angst „nein“ zu sagen. Dadurch werden Kinder „Mall-Ratten“, die ziellos und orientierungslos in Einkaufszentren herumirren. Arbeit ist kurzfristig angelegt. Familie hingegen eine Konstante. Kurzfristigkeit ist ein verhängnisvolles Konzept für Werte, wie Vertrauen, Loyalität und gegenseitige Verpflichtung. Darüberhinaus brauchen soziale Bindungen Zeit, die der schnelllebige Kapitalismus untersagt. Ethische Werte lassen sich kaum noch aus Arbeit ableiten. Letztendlich bedroht und schwächt der kurzfristige Kapitalismus den Charakter, da der Charakter Menschen durch die jeweiligen

Eigenschaften aneinander bindet, der kurzfristige Kapitalismus hingegen flexibles Verhalten erzeugt.

Somit kann für Sennett die Arbeit und das eigene Leben kein Rezept für die zukünftige Generation mehr geben.

Nachfolgendes selbsterzeugtes Schaubild soll den Drift, dem Rico in seinem Leben unterzogen ist symbolisieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

b) Routine

Sennett bezieht Routine klar auf den Arbeitsbereich. Er ist auch hier kritisch, stellt aber letztendlich nicht klar, ob Routine eindeutig den Charakter negativ beeinflusst. Er stellt die Frage, ob Routine ein Übel sei. Er erwähnt diesbezüglich Diderot, der Routine als Lehrmeister der Menschen ansieht. Demgegenüber stellt er Smith, der Routine als Abstumpfung des Geistes betrachtet. Nach Smith leugnet die Routine jede Beziehung zwischen Arbeit und Kunstwerk. Er stellt dies anhand der Nagelfabrik dar, in der durch Arbeitsteilung eine höhere Produktion entsteht.4

[...]


1 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Sennett

2 http://209.85.135.132/search?q=cache:zB8qRQ9zJPwJ:www.gerda-henkel- stiftung.de/binaries/addon/242_richard_sennett_cv_dt_version.pdf+richard+sennett+lebenslauf&cd=3&hl=de&ct=clnk&gl=de

3 Vgl. Sennett, Richard 2006, S. 15ff

4 Vgl. Sennett, Richard 2006, S. 39ff

Details

Seiten
20
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656181859
ISBN (Buch)
9783656183686
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v192889
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg – Institut für Erziehungswissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Richard Sennett Der flexible Mensch Ulrich Beck Risikogesellschaft

Autor

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    Philipp Müller (Autor)

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